Ausgabe 
6.6.1935
 
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Berlin oorzugehen, vom Kriegsministeri im auf­gehoben wurde. Anderntags gab er selbst un die Truppen den Befehl, von der Schußwaffe keinen Gebrauch zu machen, da infolge der Haltung dieser Truppen eine Bekämpfung der Nevolut'vn nicht mehr möglich erschien. Seither lebte der General­oberst erst in Stettin und zuletzt in Hannover im Ruhestand.

Aus aller Welt.

Kundgebung amTage der deutschen Technik" in Breslau.

Anläßlich desTages der deutschen Tech- n i k" fand in Breslau eine öffentliche, stark be­suchte Kundgebung statt. Die Kundgebung wurde von dem Generalinspektor für das Straßen­wesen, Dr. Tod t, eröffnet, der betonte, daß der Techniker in den letzten Jahren wohl wirtschaftlich zu denken gelernt habe, aber der Wirtschaftsführer nicht technisch zu denken.

Präsident P i e tz s ch sprach über das ThemaDie Gestaltung nationalsozialistischer Wirtschaftsführung durch technisches Denken". Versucht man, so betonte er, für die praktischen Handlungen der Wirtschafts­führung die zuverlässigsten Unterlagen durch ent­sprechende Weiterbildung der Wirtschaftsstatistik zu schaffen, so ergibt sich zwingend die Notwendigkeit der Aufstellung einerBilanz" der deutschen Volks­wirtschaft. Eine solche analog jenen Arbeitsmetho­den der Technik auszubildende zentrale Wirtschafts­beobachtung ist daher eine unerläßliche Voraus­setzung für das große Endziel der Wirtschaftsfüh­rung, für die Verhütung der Wirtschaftskrisen und ihrer ungeheuren Verschwendung volkswirtschaftlicher Kräfte

Reichsoerkehrsminister Freiherr von Eltz- R ü b e n a ch behandelte dieKraftquellen der Verkehrsmittel". Der Minister, der selbst Ingenieur ist, schilderte in seinen Ausführungen die Inanspruchnahme der Kraftquellen (Kohle, Del, Elek­trizität) durch die einzelnen Verkehrsmittel. Er legte dann die Gründe dar, die auf den einzelnen Ver­kehrsgebieten Eisenbahn, Seeschiffahrt, Binnen­schiffahrt, Kraftfahrt zu einer Abänderung der gegenwärtigen Inanspruchnahme drängten und nahm im letzten Teil seines Vortrages zu diesen Aenderungsbestrebungen selbst Stellung.

Nahrung und Kleidung aus deut­schem Boden" war das Thema, zu dem Stabs­amtsführer Dr. R e i f ch l e, Berlin, sprach. Er um­riß die Aufgaben der deutschen Landwirtschaft, min­destens die Ernährung des deutschen Volkes aus eigenem Boden sicherzustellen und darüber hinaus noch den Anteil des deutschen Bodens an der Ver­sorgung mit Kleidung und auch mit gewissen indu­striellen Rohstoffen nach Möglichkeit zu steigern. Für die Agrarpolitik ergebe sich daraus die Auf­gabe, das bisher vorherrschende Prinzip der Ren­tabilität, dem die Landwirtschaft zum Opfer gefallen wäre, zu ersetzen durch den Gedanken der Lei- st u n g s st e i g e r u n g für das gesamte Volk ohne Rücksicht auf die Rentabilität, also kurz gesagt, eine Ersetzung der Rentabilität durch die Produktivität. Für die Landwirtschaft sei die Lösung dieser Auf­gabe gewissermaßen vordringlich, da die Sicher­stellung von Nahrung und Kleidung aus dem deut­schen Boden notwendig gewesen sei, bevor man an die Sicherstellung anderer Lebensbedürfnisse des Volkes Herangehen konnte.

Als letzter Redner sprach Dr.-Jng. e. h. Karl Arnold überJngenieurarbeit als Führungs­aufgabe".

Wanderausstellung Deutschland braucht Radfahrwege".

Die Reichsgemeinschaft für Radfahrwegebau hat sich entschlossen, eine Wanderausstellung unter dem MottoDeutschland braucht Radfahr­wege" durchzuführen. Die Ausstellung wird in Berlin Ende Juli eröffnet. Von Berlin aus nimmt sie dann ihren Weg durch die deutschen Großstädte. Ausgehend von der Darstellung des Umfanges und der Bedeutung des Radfahrverkehrs werden eine Menge interessanter Radfahrwegeprojekte aus allen Teilen Deutschlands gezeigt. Die Reichsgemeinschaft befaßt sich satzungsgemäß mit der Förderung der Anlage von Radfahrwegen. Durch entsprechende Propagandamaßnahmen wurde erreicht, daß die Stadtverwaltungen und die sonstigen für den Rad­fahrwegebau zuständigen Stellen jetzt fast aus­nahmslos die Notwendigkeit des Baues von Rad­fahrwegen anerkennen.

Kranzniederlegungen als Auftakt zum Handwerkstag.

Kreishandwerksmeister Schmidt hat angeord­net, daß als Auftakt zum Reichshandwerkstag am Mittwoch, 12. Juni, um 18 Uhr, Kranzniederlegun­gen ftattfinden: In Berlin am Ehrenmal und am Grabe Horst-Wesfels durch Reichshandwerksmeister Schmidt, in München am Mahnmal durch Lan­deshandwerksmeister Roos, in Tannenberg am Grabmal des verstorbenen Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls von Hindenburg durch Lan­deshandwerksmeister M a g u n i a , in Nürnberg am Grabe Dürers und Hans Sachs durch Gaube- triebsgemeinfchaftswalter Leuschner, in Darm­stadt am Grabe des Gauleiters Peter Gemeinder durch Landeshandwerksmeister Garner, in Frank­furt a. M. am Grabe des für die Bewegung ge­fallenen Schlosserlehrlings Hans Handwerk durch Gaubetriebsgemeinschaftwalter Becker, in Düssel­dorf an der Gedenkstätte Albert Schlageters durch den stellvertretenden Landeshandwerksmeister und Gauamtsleiter Hegenberg. Darüber hinaus sollen im ganzen Reichsgebiet weitere verdiente Handwerksführer durch Kranzniederlegungen geehrt werden.

Tagung der deutschen homöopathischen Aerzte in Bad Elster.

Eine der ältesten medizinischen Gesellschaften Deutschlands, der vor 107 Jahren gegründete Deutsche Zentralverein homöopathi­scher Aerzte, hielt seine 96. Hauptversammlung in Bad Elster ab. Das Hauptthema der Tagung, die unter der Leitung von Dr. Aschmann- Dresden stand, lauteteHomöopathie und Rheuma­tismus". Die zahlreichen Vorträge zu diesem Thema gaben ein anschauliches Bild von der Mannigfaltig­keit der in dem Gedankengut der in der Homöo vathie enthaltenen Möglichkeiten und eröffneten den Ausblick auf ein vielseitiges Arbeits- und For­schungsfeld. Besonders aufschlußreich waren die Ausführungen von Dr. S t i e g e l e - Stuttgart und und Dr. Rabes- Berlin. Die staatspolitischen Auf­gaben wurden durch Prof. Dr. K ö t s ch a u - Jena aufgezeigt, und sein Appell an die homöopathische Aerzteschaft zu einer tätigen Mitarbeit bei der Schaffung derneuen deutschen Heilkunde" fand lebhaften Widerhall. Mit dem an der Tagung teil­nehmenden Führer des Reichsbundes für Homöo­pathie und Lebensvlleqe (Hahnemann-Bund) Ober-

Die Brücke über -en Dnjestr.

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König Carol von Rumänien befindet sich auf einer Fahrt durch Bessarabien. Der König besichtigte auch die Grenze, die Bessarabien von Sowjetrußland trennt. Man sieht den König (links in weißer Uniform) am rumänischen Ufer des Dnjestr. Das gegenüberliegende Ufer ist bereits die Sowjetunion. (Weltbild-M.)

Der Dnjestr bildet seit 15 Jahren d i e Grenze zwischen der Räteunion und Rumä- nisch-Bessarabien. Aber erst seit dem 9 Juni 1934 hat Sowjetrußland die Zugehörigkeit Bessare- biens zu Rumänien und damit die Dnjestrgrenze anerkannt. König Carol hat auf seiner jetzigen Reise in das Grenzgebiet, von dessen Bevölkerung er mit größter Begeisterung empfangen wurde, keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um immer wieder zu betonen, daß Bessarabien ein für alle Ewigkeit rumänisches Land sei. Hat er dabei auch die sowjetrussischen Durchmarschpläne im Auge gehabt, die den Bolschewisten die Erfüllung ihrer Militärbündnisse mit Frankreich und der Tschechoslowakei ermöglichen sollen? Hat er damit seinem Volke ein Versprechen gegeben, daß Bessara­bien niemals zum Tummelplatz der Roten Armee würde?

Es ist ja bekannt, daß der rumänische Außen­minister Titulescu seit einiger Zeit alle Hebel in Bewegung setzt, um zwischen Rumänien und dem Rätebund einen dem tschechoslowa­kisch-russischen Beistandspakt entsprechenden Vertrag abzuschließen. Mit dieser Absicht hat sich Titulescu bisher scheinbar nicht durchsetzen können. Die Widerstände kommen wohl einesteils von dem König selbst, andernteils von dem rumä­nischen Generalstab, der mit Recht das rumänische Heer nicht für stark genug hält, um eventuellen Uebergriffen der über das Land hinwegflutenden roten Soldateska entgegentreten zu können. Auch weiß die rumänische Heeresleitung ganz genau, daß in dem Augenblick, da ein Militärbündnis mit Moskau perfekt würde, der am 3. März 1921 ab­geschlossene Bündnisvertrag mit Polen

sowie der Garantievertrag zwischen Warschau und Bukarest vom 26. März 1926 ihren Wert verlieren würden. Es fragt sich aber, ob ein Beistandspakt mit Moskau den Verlust des polnischen Verbün­deten aufwiegen würde. Für die rumänischen Sicherheitsbedürfnisse hat die polnische Freund­schaft unzweifelhaft ein größeres Gewicht als die gefährliche Nachbarschaft des unberechenbaren Nach­barn am Dnjestr.

So ist der Durchmarschplan der Bolschewisten einstweilen in der Versenkung verschwunden. Trotz­dem beabsichtigt Titulescu, der inzwischen mit neuen Anweisungen aus Prag und Paris versorgt wird, in absehbarer Zeit nach Moskau zu reisen und damit dem Beispiel seines tschechoslowakischen Kol­legen B e n e s ch zu folgen. Wir wissen nicht, ob Titulescu, wenn aus diesem Besuch überhaupt etwas werden sollte, die solange verödete Grenze auf der nun wieder fertiggestellten Dnjestrbrücke oder auf dem Luftwege überschreiten wird. Nachdem sich der Weg zu Lande für die Rote Armee zunächst als unpassierbar erwiesen hat, ist es leicht möglich, daß Titulescu versuchen wird, mit Hilfe' eines Luftabkommens den Russen eine neue Mög­lichkeit des militärischen Durchfahrtrechtes nach der Tschechoslowakei zu verschaffen. Die polnische Siche­rung allerdings dürfte Rumänien auch in diesem Falle einbüßen, denn es ist aller Voraussicht nach nicht damit zu rechnen, daß in Warschau eine neue, sowjetfreundlichere Richtung ans Ruder kommt. Es ist ein gewagtes Spiel, das Rumänien jetzt spielt. Die Bukarester Regierung wird es sich wohl über­legen müssen, ob sie die neue Dnjestrbrücke nur dem Passagier- und Wirtschaftsverkehr oder auch den Kriegstransporten Sowjetrußlands öffnen will.

lehrer Wolf-Stuttgart, wurden die Richt­linien für eine engere Verbindung von Arzt und Volk im Sinne der vom Reichsärzteführer Dr. Wagner geforderten ärztlichen Volksaufklärung festgelegt. Ein Vortrag von Professor Vogt- Pyr­mont überBalneologie und Homöopathie" schloß das Tagungsprogramm ab.

Grubenunglück bei Bad Ems. Ein Toter, zwei Schwerverletzte.

Auf der der Stolberger AG. für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation gehörenden GrubeMerkur" bei Bad Ems hat sich ein schwerer Unglücks- fall bei Schießarbeiten unter Tage ereignet. Durch Gesteinsmafsen, die sich gelöst hatten, wurden vier Bergleute getroffen. Der Hauer Franz L e u k e l aus dem Westerwalddorf Dettingen fand dabei den Tod. Die Hauer Jakob Klee und Wilhelm Klin­ge l h ö f e r wurden schwer und der Hauer Jakob Müller leicht verletzt. Bei einem der Schwer­verletzten besteht Lebensgefahr. Die Bergbehörde befindet sich zur Klärung der Unfallursache auf der Grube.

Omnibus und Lastzug zusammengestoßen. Siebzehn Personen verletzt.

Aus der Berlin-Hamburger Chaussee in der Nähe von Wusterhausen ereignete sich ein schweres Ver­kehrsunglück. Der zwischen Berlin und Ham­burg verkehrende Hamburger Expreß-Dmnibus Vaterland" stieß mit dem Lastzug einer Privat­firma, dessen Anhänger zwecks Reparatur aufge­bockt war, zusammen. Der Anhänger des Lastzuges kippte um und riß den Personenomnibus mit um. Von den 18 Fahrgästen des Personenomnibusses wurden 17 verletzt, darunter vier schwer. Die Verletzten fanden Ausnahme im Kyritzer Kranken­haus. Lebensgefahr besteht bei keinem von ihnen.

Zwei Bergleute tödlich verunglückt.

Durch Steinfall aus dem Hangenden verun­glückten auf der Dortmunder ZecheDorst­feld" die Häuer Wilhelm Kauermann aus Eichlinghofen und Wilhelm G e r h o l d aus Barop t ö d l i ch. Die Bergungsarbeiten werden von den zuständigen Bergrevierbeamten, dem Führer des Betriebes, sowie einem Vertreter des Vertrauens- rotes geleitet.

Pariser Familie durch Leuchtgas vergiftet. Eltern und drei Kinder ums Leben gekommen.

In Pans wurde in einer Wohnung eine ganze Familie e r ft i cf t aufgefunden. Die polizeiliche Untersuchung hat ergeben, daß die Familie durch Leuchtgas vergiftet worden ist. Es handelt sich um fünf Familienmitglieder, und zwar um ®ater, Mutter, eine 15jährige Tochter und zwei Söhne im Alter von 13 und 14 Jahren.

Ein Gesundbeterverein in Hamburg verboten.

Auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichs­präsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 wurde dieFreie Christen­gemeinde e. V." für das gesamte hamburgische Staatsgebiet aufgelöst und verboten. Das Vermögen des Vereins wurde beschlagnahmt. Außerdem ist es den Mitgliedern verboten, sich unter einem anderen Namen wieder zusammenzu­schließen. Das Verbot der Freien Christengemeinde erfolgte, weil hier unter dem Deckmantel einer re- lig'ösen Betätigung eine Gesundbeterei be­

trieben wurde, die eine erhebliche gesundheitliche Schädigung vieler Mitglieder zur Folge hatte. Außerdem konnten in diesem Verein staatsfeindliche Umtriebe feftgeftettt werden. Der Leiter und Pre­diger der Gemeinde, bei dem es sich um einen Ausländer handelt, machte sich besonders an Frauen heran, die er unter einem unheilvollen seelischen Druck hielt und von denen er sich reich­lich aushalten ließ. Er wurde aus dem Reichs­gebiet ausgewiesen.

Büchertisch.

Köpfe der Weltpolitik. Wesen, Wer­den, Wirken in der Darstellung hervorragender Kenner. Herausgegeben von Giselher Wirsing. 2. Auflage, mit 32 Bildern. (Verlag Knorr & Hirth, München.) Geh. 4,80 Mark, Leinen 5,80 Mark. (76) In 30 Einzelbeiträgen schildert das Werk die Männer der heutigen Weltpolitik nach ihrem Wesen, Werden und Wirken, stellt sie nebenein­ander, ordnet sie also nicht nach Ländern ein, son­dern nach Typen der Eigenheit ihrer Machtstellung entsprechend. Ein buntes Mosaik, das sich zusammen­fügt zu einem geschlossenen Bild der Weltpolitik von heute. Das fesselnde Buch, den wir hier schon eine ausführliche Besprechung gewidmet haben, ist soeben neu bearbeitet in zweiter Auflage erschienen. Gewiß der beste Beweis, wie sehr es dem allge­meinen Interesse entgegenkommt.

Kurt Arnold Findeisen: Gottes Orgel. Roman um Bach und Händel. Mit 12 Wiedergaben nach zeitgenössischen Bildern und 4 Handschriften. Verlag von Richard Bong, Berlin W 57. Preis: Ganzleinen 5,00 Mk. (68) Findeisens Roman beginnt mit Bachs Amtsantritt als Leipziger Thomaskantor und drängt in die Zeit von 1723 bis zu Bachs Tode 1750 alle bedeutenden äußeren und inneren Erlebnisse zusammen. Die Jugend- und Wanderzeit, die Jünglings- und Man­nesjahre in Arnstadt, Mühlhausen,' Weimar, Köthen klingen an; die Leipziger Kämpfe mit Stadtrat und Kirchenbehörden werden ebenso lebendig wie die Schaffensprozesse der großen Instrumental- und Vokalwerke. Der Mensch Bach trägt sein Schicksal. Seine Söhne, wie der hochbegabte Friedemann und Emanuel, seine Frau Anna Magdalena und die Töchter umschließen den Kreis. Dem Bach des All­tags gegenüber aber sprengt der Bach der musi­kalischen Berufung, der Sucher und Vollender die enge Bühne des Daseins. Und immer, in höchsten Augenblicken, ist er in Demut das verklärte Instru­ment, auf dem der heiligste Wille spielt: Gottes Orgel. Gleichzeitig lebt draußen in der Welt, meist in London, der große Händel und kämpft einen gigantischen Kampf um sein musikalisches Ideal, stürmt durch Glanz und Ueberschwang wild- bewegter Tage einem Ziele zu, das ihm schon zu Lebzeiten Weltruhm einbringt. An zwei Stellen des Romans berühren sich die Lebenslinien der beiden Genies von fern, als Bach durch feinen Sohn Friedemann dem anderen die Bruderhand hinstreckt, die aber ausgeschlagen wird und als beide in schöpferischer Entrücktheit um die Verklä­rung des Gottessohns ringen: Bach in seinen Pas­sionen und in dertt-Moll-Messe", Händel in feinemMessias". Zeitereignisse, die die Bach­forschung bisher kaum beachtet hat, wie das Auf­treten der Salzburger Emigranten 1732, werden in

die Handlung einbezogen. Alles in allem ist Sef Roman Findeisens eine Spiegelung und Deutung deutscher Musik vor Beethoven und Wagner.

Bruno Wellenkamp: Lauter Sonn­tage. Ein kleiner Roman. Kart. RM. 1,60; Halb­leinen RM. 2,50. Brunnen-Verlag, Willi Bischofs, Berlin. (106) Dies ist eine rührende Kinder- Liebesgeschichte, denn als sie anfängt, ist sie, die Tochter des alten Proviantmeisters vom Norddeut­schen Lloyd, 14 Jahre alt, und er, der Sohn des Sanitätsrats in der kleinen Stadt 50 Kilometer landeinwärts, auch eben 14 Jahre und Tertianer. DasMücklein", wie die Kleine genannt wird, hat es ihm sofort angetan. Die Sache spielt an ein paar Sonntagen bei Beginn des Weltkrieges, Tagen leuchtender Sonne, Abenden märchenhaften Mond­scheines. Mit 17 stellt der Junge sich als Kriegs­freiwilliger, und das Mädchen reift zum Abschied zu ihm nach Hannover. An eine Nottrauung oder dergleichen denken sie nicht, sie sind ja noch fyalbe Kinder, aber es kommt so, wie es in Halbes Jugend" kommt. Der Junge zieht dann ins Feld, ein paar Wochen später ist er gefallen,Mücklein" hat nur noch die Erinnerung an die paar Sonntage ihres Lebens. Diese Erzählung, aus der wir vor einiger Zeit einen Ausschnitt im Feuilleton brachten, wurde übrigens im Novellen-Wettbewerb einer bekannten Zeitschrift mit dem Tausend-Mark- Preis ausgezeichnet.

Josef Ponten:D i e Stunde Heidel­berg s". Verlag Georg Müller-Albert Langen in München. (96) Von einem der bittersten Ka­pitel der deutschen Geschichte berichtet Josef Ponten in dieser Erzählung, lieber Stadt und Schloß Hei­delberg steht drohend das Verhängnis. Die jahr» hunderte alte Gewalt- und Vernichtungspolitik des französischen Kabinetts hat zur letzten, zur grausig­sten Waffe gegriffen: vor die französische Dstgrenze soll ein Glacis gelegt werden, in breiter Front soll die blühende Landschaft am Dberrhein, sollen Städte und Schlösser zerstört und geschleift werden. In höchster Not schickt Heidelberg einen Boten nach Paris, zur Liselotte, der kurpfälzischen Prinzessin am Hofe des Sonnenkönigs. Wird es Johannes Meinhard, dem früheren Schloßküfer von Heidel­berg, gelingen, der Prinzessin die drohende Not der Vaterstadt nahezubringen? Nach langem Warten und Suchen findet er wohl die Prinzessin aber umsonst fließen die Tränen der Prinzessin, umsonst ist alles Bitten des treuen Küfermeisters Heidel­berg geht in Flammen auf, die starken Türme des Schlosses zerspringen in TrümmerHeidelberg liegt öde" ... Eine kleine Erzählung ist es nur, die Ponten uns gibt, aber sie ist stark durch ihren Vor­wurf und durch die Gestaltung im dichterischen Wort eine ewige Mahnung, nie zu vergessen, was uns geschah!

Will Vesper:Der entfesselte Säugling." Eine komische Geschichte für Er­wachsene. Seinen 3,80 Mk. Albert Langen-Georg Müller Verlag in München. (63) Nach der luftigen Kleinstadtgeschichte vom Kamerun-Neger Sam in,Schnabelweide", dieser übermütigen klei­nen Bosheit gegen das deutsche Philistertum, schenkt Will Vesper uns mit seinem neuen Buch eine herz­haft-komische Satire auf dasJahrhundert des Kindes", auf die verlogene und falsche Verhimme­lung derJugend", die aller echten Jugend tief zuwider ist. Aber nicht Nörgelsucht und Kritiksucht um ihrer selbst willen haben Pate gestanden bei diesem Buch, nein, das Kind einer guten Laune ist dieserentfesselte Säugling" und gute Laune wird er verbreiten, wo immer man herzhaft zu lachen versteht. Es geht nicht ab ohne manchen satirischen Seitenhieb in dieser vergnügten Selbst­darstellung eines überklugen Säuglings. Der ganze Umtrieb derpädagogischen" Jahrzehnte, von der Behandlung des Säuglings bis zur Kindererziehung, alles wird kräftig und behaglich ironisiert. Dies oft so boshafte Büchlein will nicht schulmeistern ober gar verächtlich machen es will uns lachen machen, über eigene und fremde Torheiten, es will Freude bereiten, die keine Angst hat vor einem offenen derben Wort. Auch an der Art des Lachens soll man spüren, daß ein frischer Wind weht im Land.

Veronika Lühe: Die Chronik des Amtsschreibers von Thorshafen. Bieg­sam gebunden 2,40 RM. Schutzumschlag von Olas Guldransson. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München, 1935. (107) Diese Ge­schichte von den Far-Oern ist das Erstlingswerk einer bisher unbekannten Autorin. Es ist ein Ge- schehen, reich an Leidenschaften, Taten und Leiden. Herbe, verschlossene Menschen sind es, von Leiden- schäften getrieben und zugleich von einem unzer­störbaren Rechtsempfinden gehalten. Wir erleben diese harten Nordlandsmenschen durch das Medium des scheuen, weichen und empfindsamen Amtsschrei- Hers, der von seiner stillen dänischen Heimat hier auf die kargen und oben Inseln im wilden Nord­meer versetzt wird. Ein nordisch düsterer Himmel hängt über dem Geschehen, die wilde See fordert manches Opfer, und Gewalttat, Trotz und Eigen­sinn herrschen in den Menschen. Aber hell leuchtet über allem die Unbedingtheit ihres Wollens und Handelns, das trotzigeDennoch", das sie ihren Weg zu Ende gehen läßt, wie es auch sei. Der Verlag hat diesem Buch ein besonders schönes Aeußeres gegeben; den Umschlag zeichnete Olaf Gulbransson.

Hans Friedrich Blunck: Der Flam-- menbaum. Balladen. (Die Kleine Bücherei Nr. 46.) Albert Langen/Georg Müller, München. 1935. (99) Blunck legt in diesem Band nach denungelehrten" Balladen der SammlungFru Holle un de Mönk" feine ernsten Balladen vor. Die stärkste und eigentümlichste Kraft des Dichters spüren wir in diesen 15 Gedichten immer dort, wo er Gestalten aus Sage und Geschichte lebendig wer­den läßt, vor allem aber, wo sich ihm mythische Vor­stellungen aus heidnisch-germanischer Vorzeit zu Bildern und Geschichten formen, so in der Titel­ballade vornFlammenbaum". Stark ist auch die Seeballade vomQua", die dem Sagenkreis um den Fliegenden Holländer" zugehört. Doch spüren wir das germanische Erbe ntfjt minder in den Balladen um Paracelsus, Swedenborg, Kepler und Hamann und vor allem in der Ballade vomWunder der zweiten Hand".

Gerhart Schumann: Die Lieder vom Reich. (Die Kleine Bücherei Nr. 50.) Albert Langen/Georg Müller, München 1935. (95) Sehnsucht, Leidenschaft und tatbereiter Wirklichkeits- wille sind der tragende Grund, dem diese Lieder ent- wachsen. Die zuchtvolle Haltung eines jungen Kämp­fers findet ihren gemäßen Ausdruck in einer Sprache, die von innen her brennt, ohne jemals die edle Form zu sprengen. Was in dem Kernstück dieses Bändchens, den GesängenVon der Reinheit des Reiches" zusammengefaßt ist, ist von innerem Adel getragen, und es gibt kein Zeugnis, in dem die wirk­liche Verwandlung junger Menschen im Anhauch des revolutionären Umbruchs so stark dichterische Wirklichkeit geworden ist, wie in diesenLiedern vom Reich".