Berlin oorzugehen, vom Kriegsministeri im aufgehoben wurde. Anderntags gab er selbst un die Truppen den Befehl, von der Schußwaffe keinen Gebrauch zu machen, da infolge der Haltung dieser Truppen eine Bekämpfung der Nevolut'vn nicht mehr möglich erschien. Seither lebte der Generaloberst erst in Stettin und zuletzt in Hannover im Ruhestand.
Aus aller Welt.
Kundgebung am „Tage der deutschen Technik" in Breslau.
Anläßlich des „Tages der deutschen Tech- n i k" fand in Breslau eine öffentliche, stark besuchte Kundgebung statt. Die Kundgebung wurde von dem Generalinspektor für das Straßenwesen, Dr. Tod t, eröffnet, der betonte, daß der Techniker in den letzten Jahren wohl wirtschaftlich zu denken gelernt habe, aber der Wirtschaftsführer nicht technisch zu denken.
Präsident P i e tz s ch sprach über das Thema „Die Gestaltung nationalsozialistischer Wirtschaftsführung durch technisches Denken". Versucht man, so betonte er, für die praktischen Handlungen der Wirtschaftsführung die zuverlässigsten Unterlagen durch entsprechende Weiterbildung der Wirtschaftsstatistik zu schaffen, so ergibt sich zwingend die Notwendigkeit der Aufstellung einer „Bilanz" der deutschen Volkswirtschaft. Eine solche analog jenen Arbeitsmethoden der Technik auszubildende zentrale Wirtschaftsbeobachtung ist daher eine unerläßliche Voraussetzung für das große Endziel der Wirtschaftsführung, für die Verhütung der Wirtschaftskrisen und ihrer ungeheuren Verschwendung volkswirtschaftlicher Kräfte
Reichsoerkehrsminister Freiherr von Eltz- R ü b e n a ch behandelte die „Kraftquellen der Verkehrsmittel". Der Minister, der selbst Ingenieur ist, schilderte in seinen Ausführungen die Inanspruchnahme der Kraftquellen (Kohle, Del, Elektrizität) durch die einzelnen Verkehrsmittel. Er legte dann die Gründe dar, die auf den einzelnen Verkehrsgebieten — Eisenbahn, Seeschiffahrt, Binnenschiffahrt, Kraftfahrt — zu einer Abänderung der gegenwärtigen Inanspruchnahme drängten und nahm im letzten Teil seines Vortrages zu diesen Aenderungsbestrebungen selbst Stellung.
„Nahrung und Kleidung aus deutschem Boden" war das Thema, zu dem Stabsamtsführer Dr. R e i f ch l e, Berlin, sprach. Er umriß die Aufgaben der deutschen Landwirtschaft, mindestens die Ernährung des deutschen Volkes aus eigenem Boden sicherzustellen und darüber hinaus noch den Anteil des deutschen Bodens an der Versorgung mit Kleidung und auch mit gewissen industriellen Rohstoffen nach Möglichkeit zu steigern. Für die Agrarpolitik ergebe sich daraus die Aufgabe, das bisher vorherrschende Prinzip der Rentabilität, dem die Landwirtschaft zum Opfer gefallen wäre, zu ersetzen durch den Gedanken der Lei- st u n g s st e i g e r u n g für das gesamte Volk ohne Rücksicht auf die Rentabilität, also kurz gesagt, eine Ersetzung der Rentabilität durch die Produktivität. Für die Landwirtschaft sei die Lösung dieser Aufgabe gewissermaßen vordringlich, da die Sicherstellung von Nahrung und Kleidung aus dem deutschen Boden notwendig gewesen sei, bevor man an die Sicherstellung anderer Lebensbedürfnisse des Volkes Herangehen konnte.
Als letzter Redner sprach Dr.-Jng. e. h. Karl Arnold über „Jngenieurarbeit als Führungsaufgabe".
Wanderausstellung „Deutschland braucht Radfahrwege".
Die Reichsgemeinschaft für Radfahrwegebau hat sich entschlossen, eine Wanderausstellung unter dem Motto „Deutschland braucht Radfahrwege" durchzuführen. Die Ausstellung wird in Berlin Ende Juli eröffnet. Von Berlin aus nimmt sie dann ihren Weg durch die deutschen Großstädte. Ausgehend von der Darstellung des Umfanges und der Bedeutung des Radfahrverkehrs werden eine Menge interessanter Radfahrwegeprojekte aus allen Teilen Deutschlands gezeigt. Die Reichsgemeinschaft befaßt sich satzungsgemäß mit der Förderung der Anlage von Radfahrwegen. Durch entsprechende Propagandamaßnahmen wurde erreicht, daß die Stadtverwaltungen und die sonstigen für den Radfahrwegebau zuständigen Stellen jetzt fast ausnahmslos die Notwendigkeit des Baues von Radfahrwegen anerkennen.
Kranzniederlegungen als Auftakt zum Handwerkstag.
Kreishandwerksmeister Schmidt hat angeordnet, daß als Auftakt zum Reichshandwerkstag am Mittwoch, 12. Juni, um 18 Uhr, Kranzniederlegungen ftattfinden: In Berlin am Ehrenmal und am Grabe Horst-Wesfels durch Reichshandwerksmeister Schmidt, in München am Mahnmal durch Landeshandwerksmeister Roos, in Tannenberg am Grabmal des verstorbenen Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls von Hindenburg durch Landeshandwerksmeister M a g u n i a , in Nürnberg am Grabe Dürers und Hans Sachs durch Gaube- triebsgemeinfchaftswalter Leuschner, in Darmstadt am Grabe des Gauleiters Peter Gemeinder durch Landeshandwerksmeister Garner, in Frankfurt a. M. am Grabe des für die Bewegung gefallenen Schlosserlehrlings Hans Handwerk durch Gaubetriebsgemeinschaftwalter Becker, in Düsseldorf an der Gedenkstätte Albert Schlageters durch den stellvertretenden Landeshandwerksmeister und Gauamtsleiter Hegenberg. Darüber hinaus sollen im ganzen Reichsgebiet weitere verdiente Handwerksführer durch Kranzniederlegungen geehrt werden.
Tagung der deutschen homöopathischen Aerzte in Bad Elster.
Eine der ältesten medizinischen Gesellschaften Deutschlands, der vor 107 Jahren gegründete Deutsche Zentralverein homöopathischer Aerzte, hielt seine 96. Hauptversammlung in Bad Elster ab. Das Hauptthema der Tagung, die unter der Leitung von Dr. Aschmann- Dresden stand, lautete „Homöopathie und Rheumatismus". Die zahlreichen Vorträge zu diesem Thema gaben ein anschauliches Bild von der Mannigfaltigkeit der in dem Gedankengut der in der Homöo vathie enthaltenen Möglichkeiten und eröffneten den Ausblick auf ein vielseitiges Arbeits- und Forschungsfeld. Besonders aufschlußreich waren die Ausführungen von Dr. S t i e g e l e - Stuttgart und und Dr. Rabes- Berlin. Die staatspolitischen Aufgaben wurden durch Prof. Dr. K ö t s ch a u - Jena aufgezeigt, und sein Appell an die homöopathische Aerzteschaft zu einer tätigen Mitarbeit bei der Schaffung der „neuen deutschen Heilkunde" fand lebhaften Widerhall. Mit dem an der Tagung teilnehmenden Führer des Reichsbundes für Homöopathie und Lebensvlleqe (Hahnemann-Bund) Ober-
Die Brücke über -en Dnjestr.
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König Carol von Rumänien befindet sich auf einer Fahrt durch Bessarabien. Der König besichtigte auch die Grenze, die Bessarabien von Sowjetrußland trennt. Man sieht den König (links in weißer Uniform) am rumänischen Ufer des Dnjestr. Das gegenüberliegende Ufer ist bereits die Sowjetunion. — (Weltbild-M.)
Der Dnjestr bildet seit 15 Jahren d i e Grenze zwischen der Räteunion und Rumä- nisch-Bessarabien. Aber erst seit dem 9 Juni 1934 hat Sowjetrußland die Zugehörigkeit Bessare- biens zu Rumänien und damit die Dnjestrgrenze anerkannt. König Carol hat auf seiner jetzigen Reise in das Grenzgebiet, von dessen Bevölkerung er mit größter Begeisterung empfangen wurde, keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um immer wieder zu betonen, daß Bessarabien ein für alle Ewigkeit rumänisches Land sei. Hat er dabei auch die sowjetrussischen Durchmarschpläne im Auge gehabt, die den Bolschewisten die Erfüllung ihrer Militärbündnisse mit Frankreich und der Tschechoslowakei ermöglichen sollen? Hat er damit seinem Volke ein Versprechen gegeben, daß Bessarabien niemals zum Tummelplatz der Roten Armee würde?
Es ist ja bekannt, daß der rumänische Außenminister Titulescu seit einiger Zeit alle Hebel in Bewegung setzt, um zwischen Rumänien und dem Rätebund einen dem tschechoslowakisch-russischen Beistandspakt entsprechenden Vertrag abzuschließen. Mit dieser Absicht hat sich Titulescu bisher scheinbar nicht durchsetzen können. Die Widerstände kommen wohl einesteils von dem König selbst, andernteils von dem rumänischen Generalstab, der mit Recht das rumänische Heer nicht für stark genug hält, um eventuellen Uebergriffen der über das Land hinwegflutenden roten Soldateska entgegentreten zu können. Auch weiß die rumänische Heeresleitung ganz genau, daß in dem Augenblick, da ein Militärbündnis mit Moskau perfekt würde, der am 3. März 1921 abgeschlossene Bündnisvertrag mit Polen
sowie der Garantievertrag zwischen Warschau und Bukarest vom 26. März 1926 ihren Wert verlieren würden. Es fragt sich aber, ob ein Beistandspakt mit Moskau den Verlust des polnischen Verbündeten aufwiegen würde. Für die rumänischen Sicherheitsbedürfnisse hat die polnische Freundschaft unzweifelhaft ein größeres Gewicht als die gefährliche Nachbarschaft des unberechenbaren Nachbarn am Dnjestr.
So ist der Durchmarschplan der Bolschewisten einstweilen in der Versenkung verschwunden. Trotzdem beabsichtigt Titulescu, der inzwischen mit neuen Anweisungen aus Prag und Paris versorgt wird, in absehbarer Zeit nach Moskau zu reisen und damit dem Beispiel seines tschechoslowakischen Kollegen B e n e s ch zu folgen. Wir wissen nicht, ob Titulescu, wenn aus diesem Besuch überhaupt etwas werden sollte, die solange verödete Grenze auf der nun wieder fertiggestellten Dnjestrbrücke oder auf dem Luftwege überschreiten wird. Nachdem sich der Weg zu Lande für die Rote Armee zunächst als unpassierbar erwiesen hat, ist es leicht möglich, daß Titulescu versuchen wird, mit Hilfe' eines Luftabkommens den Russen eine neue Möglichkeit des militärischen Durchfahrtrechtes nach der Tschechoslowakei zu verschaffen. Die polnische Sicherung allerdings dürfte Rumänien auch in diesem Falle einbüßen, denn es ist aller Voraussicht nach nicht damit zu rechnen, daß in Warschau eine neue, sowjetfreundlichere Richtung ans Ruder kommt. Es ist ein gewagtes Spiel, das Rumänien jetzt spielt. Die Bukarester Regierung wird es sich wohl überlegen müssen, ob sie die neue Dnjestrbrücke nur dem Passagier- und Wirtschaftsverkehr oder auch den Kriegstransporten Sowjetrußlands öffnen will.
lehrer Wolf-Stuttgart, wurden die Richtlinien für eine engere Verbindung von Arzt und Volk im Sinne der vom Reichsärzteführer Dr. Wagner geforderten ärztlichen Volksaufklärung festgelegt. Ein Vortrag von Professor Vogt- Pyrmont über „Balneologie und Homöopathie" schloß das Tagungsprogramm ab.
Grubenunglück bei Bad Ems. — Ein Toter, zwei Schwerverletzte.
Auf der der Stolberger AG. für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation gehörenden Grube „Merkur" bei Bad Ems hat sich ein schwerer Unglücks- fall bei Schießarbeiten unter Tage ereignet. Durch Gesteinsmafsen, die sich gelöst hatten, wurden vier Bergleute getroffen. Der Hauer Franz L e u k e l aus dem Westerwalddorf Dettingen fand dabei den Tod. Die Hauer Jakob Klee und Wilhelm Klinge l h ö f e r wurden schwer und der Hauer Jakob Müller leicht verletzt. Bei einem der Schwerverletzten besteht Lebensgefahr. Die Bergbehörde befindet sich zur Klärung der Unfallursache auf der Grube.
Omnibus und Lastzug zusammengestoßen. — Siebzehn Personen verletzt.
Aus der Berlin-Hamburger Chaussee in der Nähe von Wusterhausen ereignete sich ein schweres Verkehrsunglück. Der zwischen Berlin und Hamburg verkehrende Hamburger Expreß-Dmnibus „Vaterland" stieß mit dem Lastzug einer Privatfirma, dessen Anhänger zwecks Reparatur aufgebockt war, zusammen. Der Anhänger des Lastzuges kippte um und riß den Personenomnibus mit um. Von den 18 Fahrgästen des Personenomnibusses wurden 17 verletzt, darunter vier schwer. Die Verletzten fanden Ausnahme im Kyritzer Krankenhaus. Lebensgefahr besteht bei keinem von ihnen.
Zwei Bergleute tödlich verunglückt.
Durch Steinfall aus dem Hangenden verunglückten auf der Dortmunder Zeche „Dorstfeld" die Häuer Wilhelm Kauermann aus Eichlinghofen und Wilhelm G e r h o l d aus Barop t ö d l i ch. Die Bergungsarbeiten werden von den zuständigen Bergrevierbeamten, dem Führer des Betriebes, sowie einem Vertreter des Vertrauens- rotes geleitet.
Pariser Familie durch Leuchtgas vergiftet. — Eltern und drei Kinder ums Leben gekommen.
In Pans wurde in einer Wohnung eine ganze Familie e r ft i cf t aufgefunden. Die polizeiliche Untersuchung hat ergeben, daß die Familie durch Leuchtgas vergiftet worden ist. Es handelt sich um fünf Familienmitglieder, und zwar um ®ater, Mutter, eine 15jährige Tochter und zwei Söhne im Alter von 13 und 14 Jahren.
Ein Gesundbeterverein in Hamburg verboten.
Auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 wurde die „Freie Christengemeinde e. V." für das gesamte hamburgische Staatsgebiet aufgelöst und verboten. Das Vermögen des Vereins wurde beschlagnahmt. Außerdem ist es den Mitgliedern verboten, sich unter einem anderen Namen wieder zusammenzuschließen. Das Verbot der Freien Christengemeinde erfolgte, weil hier unter dem Deckmantel einer re- lig'ösen Betätigung eine Gesundbeterei be
trieben wurde, die eine erhebliche gesundheitliche Schädigung vieler Mitglieder zur Folge hatte. Außerdem konnten in diesem Verein staatsfeindliche Umtriebe feftgeftettt werden. Der Leiter und Prediger der Gemeinde, bei dem es sich um einen Ausländer handelt, machte sich besonders an Frauen heran, die er unter einem unheilvollen seelischen Druck hielt und von denen er sich reichlich aushalten ließ. Er wurde aus dem Reichsgebiet ausgewiesen.
Büchertisch.
— Köpfe der Weltpolitik. Wesen, Werden, Wirken in der Darstellung hervorragender Kenner. Herausgegeben von Giselher Wirsing. 2. Auflage, mit 32 Bildern. (Verlag Knorr & Hirth, München.) Geh. 4,80 Mark, Leinen 5,80 Mark. — (76) — In 30 Einzelbeiträgen schildert das Werk die Männer der heutigen Weltpolitik nach ihrem Wesen, Werden und Wirken, stellt sie nebeneinander, ordnet sie also nicht nach Ländern ein, sondern nach Typen der Eigenheit ihrer Machtstellung entsprechend. Ein buntes Mosaik, das sich zusammenfügt zu einem geschlossenen Bild der Weltpolitik von heute. Das fesselnde Buch, den wir hier schon eine ausführliche Besprechung gewidmet haben, ist soeben neu bearbeitet in zweiter Auflage erschienen. Gewiß der beste Beweis, wie sehr es dem allgemeinen Interesse entgegenkommt.
— Kurt Arnold Findeisen: Gottes Orgel. Roman um Bach und Händel. Mit 12 Wiedergaben nach zeitgenössischen Bildern und 4 Handschriften. Verlag von Richard Bong, Berlin W 57. Preis: Ganzleinen 5,00 Mk. — (68) — Findeisens Roman beginnt mit Bachs Amtsantritt als Leipziger Thomaskantor und drängt in die Zeit von 1723 bis zu Bachs Tode 1750 alle bedeutenden äußeren und inneren Erlebnisse zusammen. Die Jugend- und Wanderzeit, die Jünglings- und Mannesjahre in Arnstadt, Mühlhausen,' Weimar, Köthen klingen an; die Leipziger Kämpfe mit Stadtrat und Kirchenbehörden werden ebenso lebendig wie die Schaffensprozesse der großen Instrumental- und Vokalwerke. Der Mensch Bach trägt sein Schicksal. Seine Söhne, wie der hochbegabte Friedemann und Emanuel, seine Frau Anna Magdalena und die Töchter umschließen den Kreis. Dem Bach des Alltags gegenüber aber sprengt der Bach der musikalischen Berufung, der Sucher und Vollender die enge Bühne des Daseins. Und immer, in höchsten Augenblicken, ist er in Demut das verklärte Instrument, auf dem der heiligste Wille spielt: Gottes Orgel. — Gleichzeitig lebt draußen in der Welt, meist in London, der große Händel und kämpft einen gigantischen Kampf um sein musikalisches Ideal, stürmt durch Glanz und Ueberschwang wild- bewegter Tage einem Ziele zu, das ihm schon zu Lebzeiten Weltruhm einbringt. An zwei Stellen des Romans berühren sich die Lebenslinien der beiden Genies von fern, als Bach durch feinen Sohn Friedemann dem anderen die Bruderhand hinstreckt, die aber ausgeschlagen wird — und als beide in schöpferischer Entrücktheit um die Verklärung des Gottessohns ringen: Bach in seinen Passionen und in der „tt-Moll-Messe", Händel in feinem „Messias". Zeitereignisse, die die Bachforschung bisher kaum beachtet hat, wie das Auftreten der Salzburger Emigranten 1732, werden in
die Handlung einbezogen. Alles in allem ist Sef Roman Findeisens eine Spiegelung und Deutung deutscher Musik vor Beethoven und Wagner.
— Bruno Wellenkamp: Lauter Sonntage. Ein kleiner Roman. Kart. RM. 1,60; Halbleinen RM. 2,50. Brunnen-Verlag, Willi Bischofs, Berlin. — (106) — Dies ist eine rührende Kinder- Liebesgeschichte, denn als sie anfängt, ist sie, die Tochter des alten Proviantmeisters vom Norddeutschen Lloyd, 14 Jahre alt, und er, der Sohn des Sanitätsrats in der kleinen Stadt 50 Kilometer landeinwärts, auch eben 14 Jahre und Tertianer. Das „Mücklein", wie die Kleine genannt wird, hat es ihm sofort angetan. Die Sache spielt an ein paar Sonntagen bei Beginn des Weltkrieges, Tagen leuchtender Sonne, Abenden märchenhaften Mondscheines. Mit 17 stellt der Junge sich als Kriegsfreiwilliger, und das Mädchen reift zum Abschied zu ihm nach Hannover. An eine Nottrauung oder dergleichen denken sie nicht, sie sind ja noch fyalbe Kinder, aber es kommt so, wie es in Halbes „Jugend" kommt. Der Junge zieht dann ins Feld, ein paar Wochen später ist er gefallen, „Mücklein" hat nur noch die Erinnerung an die paar Sonntage ihres Lebens. — Diese Erzählung, aus der wir vor einiger Zeit einen Ausschnitt im Feuilleton brachten, wurde übrigens im Novellen-Wettbewerb einer bekannten Zeitschrift mit dem Tausend-Mark- Preis ausgezeichnet.
— Josef Ponten: „D i e Stunde Heidelberg s". Verlag Georg Müller-Albert Langen in München. — (96) — Von einem der bittersten Kapitel der deutschen Geschichte berichtet Josef Ponten in dieser Erzählung, lieber Stadt und Schloß Heidelberg steht drohend das Verhängnis. Die jahr» hunderte alte Gewalt- und Vernichtungspolitik des französischen Kabinetts hat zur letzten, zur grausigsten Waffe gegriffen: vor die französische Dstgrenze soll ein Glacis gelegt werden, in breiter Front soll die blühende Landschaft am Dberrhein, sollen Städte und Schlösser zerstört und geschleift werden. In höchster Not schickt Heidelberg einen Boten nach Paris, zur Liselotte, der kurpfälzischen Prinzessin am Hofe des Sonnenkönigs. Wird es Johannes Meinhard, dem früheren Schloßküfer von Heidelberg, gelingen, der Prinzessin die drohende Not der Vaterstadt nahezubringen? Nach langem Warten und Suchen findet er wohl die Prinzessin — aber umsonst fließen die Tränen der Prinzessin, umsonst ist alles Bitten des treuen Küfermeisters — Heidelberg geht in Flammen auf, die starken Türme des Schlosses zerspringen in Trümmer — „Heidelberg liegt öde" ... Eine kleine Erzählung ist es nur, die Ponten uns gibt, aber sie ist stark durch ihren Vorwurf und durch die Gestaltung im dichterischen Wort eine ewige Mahnung, nie zu vergessen, was uns geschah!
— Will Vesper: „Der entfesselte Säugling." Eine komische Geschichte für Erwachsene. Seinen 3,80 Mk. Albert Langen-Georg Müller Verlag in München. — (63) — Nach der luftigen Kleinstadtgeschichte vom Kamerun-Neger „Sam in,Schnabelweide", dieser übermütigen kleinen Bosheit gegen das deutsche Philistertum, schenkt Will Vesper uns mit seinem neuen Buch eine herzhaft-komische Satire auf das „Jahrhundert des Kindes", auf die verlogene und falsche Verhimmelung der „Jugend", die aller echten Jugend tief zuwider ist. Aber nicht Nörgelsucht und Kritiksucht um ihrer selbst willen haben Pate gestanden bei diesem Buch, nein, das Kind einer guten Laune ist dieser „entfesselte Säugling" und gute Laune wird er verbreiten, wo immer man herzhaft zu lachen versteht. Es geht nicht ab ohne manchen satirischen Seitenhieb in dieser vergnügten Selbstdarstellung eines überklugen Säuglings. Der ganze Umtrieb der „pädagogischen" Jahrzehnte, von der Behandlung des Säuglings bis zur Kindererziehung, alles wird kräftig und behaglich ironisiert. Dies oft so boshafte Büchlein will nicht schulmeistern ober gar verächtlich machen — es will uns lachen machen, über eigene und fremde Torheiten, es will Freude bereiten, die keine Angst hat vor einem offenen derben Wort. Auch an der Art des Lachens soll man spüren, daß ein frischer Wind weht im Land.
— Veronika Lühe: Die Chronik des Amtsschreibers von Thorshafen. Biegsam gebunden 2,40 RM. Schutzumschlag von Olas Guldransson. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München, 1935. — (107) — Diese Geschichte von den Far-Oern ist das Erstlingswerk einer bisher unbekannten Autorin. Es ist ein Ge- schehen, reich an Leidenschaften, Taten und Leiden. Herbe, verschlossene Menschen sind es, von Leiden- schäften getrieben und zugleich von einem unzerstörbaren Rechtsempfinden gehalten. Wir erleben diese harten Nordlandsmenschen durch das Medium des scheuen, weichen und empfindsamen Amtsschrei- Hers, der von seiner stillen dänischen Heimat hier auf die kargen und oben Inseln im wilden Nordmeer versetzt wird. Ein nordisch düsterer Himmel hängt über dem Geschehen, die wilde See fordert manches Opfer, und Gewalttat, Trotz und Eigensinn herrschen in den Menschen. Aber hell leuchtet über allem die Unbedingtheit ihres Wollens und Handelns, das trotzige „Dennoch", das sie ihren Weg zu Ende gehen läßt, wie es auch sei. Der Verlag hat diesem Buch ein besonders schönes Aeußeres gegeben; den Umschlag zeichnete Olaf Gulbransson.
— Hans Friedrich Blunck: Der Flam-- menbaum. Balladen. (Die Kleine Bücherei Nr. 46.) Albert Langen/Georg Müller, München. 1935. — (99) — Blunck legt in diesem Band nach den „ungelehrten" Balladen der Sammlung „Fru Holle un de Mönk" feine ernsten Balladen vor. Die stärkste und eigentümlichste Kraft des Dichters spüren wir in diesen 15 Gedichten immer dort, wo er Gestalten aus Sage und Geschichte lebendig werden läßt, vor allem aber, wo sich ihm mythische Vorstellungen aus heidnisch-germanischer Vorzeit zu Bildern und Geschichten formen, so in der Titelballade vorn „Flammenbaum". Stark ist auch die Seeballade vom „Qua", die dem Sagenkreis um den „Fliegenden Holländer" zugehört. Doch spüren wir das germanische Erbe ntfjt minder in den Balladen um Paracelsus, Swedenborg, Kepler und Hamann und vor allem in der Ballade vom „Wunder der zweiten Hand".
— Gerhart Schumann: Die Lieder vom Reich. (Die Kleine Bücherei Nr. 50.) Albert Langen/Georg Müller, München 1935. — (95) — Sehnsucht, Leidenschaft und tatbereiter Wirklichkeits- wille sind der tragende Grund, dem diese Lieder ent- wachsen. Die zuchtvolle Haltung eines jungen Kämpfers findet ihren gemäßen Ausdruck in einer Sprache, die von innen her brennt, ohne jemals die edle Form zu sprengen. Was in dem Kernstück dieses Bändchens, den Gesängen „Von der Reinheit des Reiches" zusammengefaßt ist, ist von innerem Adel getragen, und es gibt kein Zeugnis, in dem die wirkliche Verwandlung junger Menschen im Anhauch des revolutionären Umbruchs so stark dichterische Wirklichkeit geworden ist, wie in diesen „Liedern vom Reich".


