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Filsen R6.). Haus
Donnerstag, b. Zum 1935
Nr.M Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
der Ausstellung
1850 in Hildes»
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in Geschmeidig- verkörpern die Schönheitsideal
sunde Leiber und aufrechte Seelen feit, Ausdauer und Kameradschaft Einheit, die uns heute wieder als vorschwebt
Heinrich George gibt den Burgund, gewiß eins Rolle, an der sich die gesamte darstellerische Spann- weite dieses bedeutenden Schauspielers nicht ermessen läßi; aber er macht eine mächtig ausladende, kraftstrotzende Figur von falstoffischen Ausmaßen und wildem Humor daraus — Mimisch und sprachlich überaus belebt und betont der Talbot von Erich P o n t o . einem der ersten Darsteller des Dresdener Schauspiels, dem man übrigens selbst hier noch stellenweise das Fach des Charakterkomikers ganz von ferne anzumerken glaubt
Willy Birgel (aus „Barearole" bekannt), Theo- dor Loos, vorzüglicher Sprecher, und Aribert Wäscher wirken in ihren knappen Szenen als La Trernouille Dunois und Alen^on sehr überzeugend. ebenso der jugendlich-feurige, bis zuletzt an die Jungfrau glaubende und für sie kämpfende Maillezais von Rene Seligen — An der Kamera stand, was hervorgehoben zu werden verdient, Günther Krampf
Aus dem Borprogramm ist neben der bereits bekannten Wochenschau ein farbiger Bildbericht vom Erntedankfest 1934 und der Vorspann zu „Bengali" zu nennen —r—
Dieser große Dorführungsrmgm hat in der Hauptsache dem R
dabei ihre Kunst gezeigt. In der Hauptsache hat es sich um den jungen Reiternachwuchs gehandelt, der Tag für Tag hinter dem Pflug geht und nun wieder die Beherrschung des eigenen Körpers und des Pferdes gelernt hat Besonders bemerkenswert ist es, wieviel von bäuerlichem Brauchtum in den Reitsport übergegangen ist. Das brauchtümliche Reiten wird naturgemäß in erster Linie von den ländlichen Reitervereinen gepflegt. Aber auch der städtische Reitsport hat viel davon angenommen. Bald war das Oval gefüllt von Scharen von Reitern in bunter Bauerntrachi, daß der Schlag von Tausenden Hufen den lauten Beifall übertönte. Dann wieder gab es lustige Reiterspiele, wie sie sich in allen Gauen unseres Vaterlandes erhalten haben: Bänderreiten, Zitronenreiten und Ringstechen, als besonders großartige Leistung der Sprung mit den Pferden durch den brennenden Ring. Als modernes Gegenstück dazu gab es Schaunummern, wie wir sie sonst etwa von Polizeischulen gewohnt sind: die Dressurprüfung von Bauernpferden unter jungbäuerlichen Reitern im Lärm der durch die Bahn und gemeinsam mit dem Pferd an den Hindernissen oorbeirasenden Motorräder. Wie alles, was wirklichen kulturellen Wert hat, zugleich feine sinnvolle Bedeutung für das praktische Leben besitzt, so ist das gerade bei der bäuerlichen Reiterschulung auch der Fall. So wirtschaftlich wertvoll die Ausstellung im übrigen gewesen ist, bleibt doch der Eindruck haften, daß diese Beweise einer neuen, lebendig und blutvoll wachsenden Bauernkultur der wertvollste Ertrag dieser Hamburger Woche sind.
rühmten Zeugnis der englischen Anglerphilosophi« wurde. Dort steht auch jener berühmte Satz über das Angeln, der immer wieder von leidenschaftlichen Freunden dieses Sportes zitiert wird, wenn man sie um ihrer Beschaulichkeit willen im Zeitalter der Technik verspottet: „Wenige Kunstübungen", heißt es da, „verdienen so sehr unsere Bewunderung. Di» Attitüden, die der Angler dabei zeigt, sind zugleich im höchsten Grade männlich und graziös."
warb. 1901 erhielt er die 81. Infanterie-Brigade in Lübeck, 1905 das Kommando der 27. Division in Ulm und wurde 1909 kommandierender General des II. Armeekorps in Stettin. Dieses^Korps führte er zunächst im Weltkrieg in den Schlachten bei Mons, an dem Qurcq (Marneschlacht) und in den Kämpfen bei Ppern. Als dann im Winrer 1914'15 deutsche Truppen den Oesterreichern in den Karpathen zu Hilfe geschickt wurden, die D e u t s cb e Südarmee, wurde Linsingen mit ihrer Führung
beauftragt. Er nahm ruhmvollen Anteil an der Verteidigung der Karpathen und später an der Rückeroberung von Galizien als Führer der Bug- Armee. Es gelang ihm, die Rusten aus ber ungarischen Ebene zurückzudrängen. Bald konnte er zu einer durchgreifenden Offensive schreiten, bei ber ihm bie Erstürmung bes Zwirnin glückte. Die Wiedereroberung von Galizien, die Besitznahme von Brest-Litowsk, die Einnahme von Przenmsl und Lemberg waren Linsingens Werk. Die Zurück- bröngung ber gefährlichen russischen Offensive am Stochob unb bei Kowel im Sommer 1916 ist ebenfalls Linsingens Verdienst gewesen. Damals ernannte ihn der Kaiser zum Chef Des 1. Hannover- schen Infanterie-Regiments Rr. 74. Im April 1918 wurde er zum Generalobersten befördert und an Stelle des verstorbenen Generalobersten von Kestel zum Ober st kommandierenden in den Marken ernannt. Rach dem Zusammen brach erbat der Generaloberst am 8. Rovemoer 1918 den Abschied, weil seine Anordnung, mit Flugzeugen gegen das Zusammenströmen von Ausständischei: 'n
und Fahrturnier gedient. Tausende von Zuschauern haben sich Tag für Tag hier gedrängt, um den bunten Wechsel reiterlicher Glanzleistungen zu bewundern. Wie heute der ganze Turniersport auf die Prüfung für den praktischen Gebrauch zugeschnitten ist, so standen auch in Hamburg d i e Eignungsprüfungen und Materialprüfungen für Mann und Pferd im Vordergrund. Richt etwa nur wenige Spitzenreiter haben
Bauernkultur im Welthafen.
Eindrücke neben der Hamburger Reichsnährstandsschau.
Von Irithjos Melzer.
,Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll, Ein Fischer saß daran, Sah nach dem Angel ruhevoll, Kühl bis ans Herz hinan."
Dieser Ruhe verdankt der Angelsport vieles von seiner Wertschätzung. Vielleicht haben schon jene ersten Angelfischer, die man in der frühen Steinzeit suchen muß, etwas von der wohltuenden Gelassenheit empfunden, wenn sie sich nach erregender Jagd auf wilde Tiere an die vorüberrauschende Flut eines Stromes oder an das stille schimmernde Gewässer eines Sees setzten, um sich eine Fischmahlzeit zu angeln Wenn sie sich hierbei zum Teil auch wohl noch nicht der Angelrute bedienten, sondern sich darauf beschränkten, an einer Schnur einen Angelhaken zu befestigen, so haben sie dabei doch die gleiche Geduld üben müssen wie die heutigen Jünger Petris. Allerdings haben es die Fischer der Vorzeit insofern leichter gehabt, als der Fischreichtum damals sicherlich um vieles größer gewesen ist als heute
Auffallend ist, daß sich das Angeln als Sport und Liebhaberei schon früh Anhänger gewann, während der gewerbsmäßige Fischfang die Reuse ober- bas Retz benutzte. Die vornehmen Herren unb sonstigen Freunbe geruhsamer Weltbetrachtung wanbten sich ganz bem Angeln als einem eblen Zeitvertreib zu Auf ägyptischen Silbern können mir solche Jünger bes Angelsports sehen, bie es sich auf Sesseln unb Teppichen bequem gemacht haben unb in vollenbeter Ruhe bie Angel halten. Vor ihnen tummeln sich in künstlich angelegten Teichen bie Fischlem, um sich schließlich burch ben Kober in ihrem Wohlleben irreführen zu lasten. Den Römern, bie sich übrigens schon künstlicher Fliegen als Köber bebient haben sollen, fehlte es allerbings an ber Beschaulichkeit, bie ber Angelsport erforbert. Dazu waren sie wohl zu tatenfreübige Menschen, unb ber glänzenb organisierte Fischereibetrieb im römischen Kaiserreich sorgte bafür, baß eine erlesene Fischmahlzeit auf ihren Tischen keine Seltenheit war
In ben fischreichen Gebieten bes hohen Rorbens aber ist bas Angeln seit unvorbenklichen Zeiten bis in unsere Gegenwart hinein eine ebenso nützliche unb einem ganz großzügigen Einsatz von Spiel unb Gegenspiel sichtbar gemacht unb unmittelbar erlebt.
Ueberhaupt kommi uns ber Ston lchvn dadurch sehr gegenwärtig zum Bewußtsein, daß die Gestalten des Schauspiels, obwohl im Kostüm des 15. Jahrhunderts, eine überaus deutliche unb uns allen verstänbliche Sprache reben. bie mit bem stilisierenben Versmaß Schillers viel weniger gemein hat als mit ber nüchternen Prosa bes Iren Vernarb Shaw. Aber bas ist nur ber äußere Einbruck: wesentlicher ist bie innere Umformung bes Stoffes, ber uns nun einmal feit Schiller in Fleisch unb Blut übergegangen ist. Die wenigen einleitenden Worte, bie bem Film vorangestellt finb, lassen keinen Zweifel barüber, was mit biefer Gestaltung durch den Film gegeben werden sollte: die Verwirklichung einer großen nationalen Idee, verkörpert in Der heroischen Sendung und in der unschuldigen Opferung eines gläubigen, von glühender Liebe zur Sache feines Landes erfüllten jungen Menschen, eines Kindes, geboren aus bem Schoße bes Volkes.
500 jungen Menschen waren gleichzeitig bas köstlichste Schaustück ber Ausstellung. Auch ber bäuerliche Mensch ist in Hamburg repräsentiert worben Diese Jugenb Hai auf bem Vorführungsring sich nicht in sportlichen Höchstleistungen überboten ober Kunststücke gezeigt, fonbern lebiglid) sinnvolle Uebungen vorgeführt, bie für ben bäuerlichen Menschen eine Ergänzung ber Berufsarbeit finb unb ben Körper stählen. Ge-
Alexanber von Linsingen wurde heim geboren und 1869 Offizier im 17. preußischen Infanterie-Regiment. Er machte den Krieg von 1870/71 mit. wobei er sich das Eiserne Kreuz er»
Zu Beginn der Ausstellung lagen Bord Bord drei Schisse im Hamburger Hasen Hapag-Dampfer „Hamburg" hat Blick auf bie weiten Wasser des Weltverkehrs gelenkt. Daneben das Panzerschiff „Deutsch- I a n d", der Stolz unserer Flotte und der Ausdruck der Wehrhaftigkeit zur See. Unb ganz vorn „5) ein ® obenmin b", bas romantisch anmutenbe Segelschiff, bie schwimmende Jugendherberge, die'in diesen Tagen 500 Jungbauern aus dem gan- -en Reich beherbergte Diese 500 frischen Menschen sind nicht nur als Gäste zum Besuch der Ausstellung gekommen Gewiß haben auch sie die endlosen Straßen der Ausstellungsstadt durchzogen, um sich mit den Fortschritten der Landtechnik vertraut zu machen und um das bäuerliche Brauchtum anderer Gebiete, wie es auf ber Ausstellung in Aus-, schnitten gezeigt würbe, kennen zu lernen Diese
Die in Hamburg burchgeführte 2. Reichsnähr- standsausstelluna^ mit welcher bie seit fünfzig Jahren Mannten Wanberausstellungen ber Deutschen Laubw^-schafts-Oesellschaft fortgeführt werben, hat sich mit ber grundsätzlichen Aufmachung über den rein wirtschaftlichen Rahmen der Agrartechnik erhoben Bauernkultur ist heute nicht mehr nur eine Angelegenheit von Heimatforschern ober von Trachtenvereinen-, sie wächst wieber lebenbig unb hat im Zeichen von Blut unb -Boben ihren neuen Sinn als Ausbruck ber Bodenstänbigkeit unb der Volksverbundenheit erhalten Es ist erstaunlich, was alles an solider Bauernkultur über die Jahrhunderte des Mißverstehens bäuerlichen Wesens hinweg erhalten geblieben ist Heute werden diese Dinge nicht mehr künstlich erhalten oder nur wissenschaftlich registriert Sie haben wieder ihre unmittelbare Daseinsberechtigung und sind von blutvollem Leben erfüllt
So verlohnt es sich schon, neben der Betrachtung der mehr wirtschaftlichen Seite der Rähr- standsfchau, neben ben Zusammenhängen von Arbeitsschlacht, Erzeugungsschlacht. Nahrungsfreiheit und Rohstoffversorgung auch einen Blick auf diese Erscheinungsformen eines neuen bäuerlichen Kulturwillens in dem nicht alltäglichen Rahmen der . Hafenstadt Hamburg zu werfen. Es war ja wohl mehr als ein Zufall, daß die Reichsnährstandsausstellung eingeleitet wurde mit dem „lag ber deutschen Seefahrt" unb baß sie ausmünbet in bas Internationale Tonkünstlerfest. Wenn man heute so viel in ber großen Politik von „Unteilbarkeit bes Friebens" rebet, so ist es jebem falls Tatsache, baß bie Kultur unteilbar ist, aber sie setzt sich wie ein gewaltiges Mvsaikbilb zusammen aus ben verschiebenen Steinchen, bie von allen Seichten bes Volkes zusammengetragen werden unb bie bie unendliche Vielgestaltigkeit des blühenden Lebens widerspiegeln
Der außerordentlich starke Besuch der Reichsnährstandsschau war auch in anderer Beziehung e i n kultureller Gewinn Die beiden wichtigen Volksschichten, bie bie Ernährungswirtschaft unb ben Außenhanbel tragen haben die historische unb praktische Beweisführung bafür kennen gelernt baß gefunbe Bauernpolitik unb gefunbe Außenpolitik einanber bebinaen unb baß der Geist bodenstänbiaer Bauernpolitik aufs engste verwanbt ist mit bem Geist ber Hanse, wie das an dem Beispiel der Marktordnung besonders einleuchtet. So war ber Bauernbesuch in b§r Hasen- ftabt eine Weitung bes Gesichtsfelbes für beibe Teile Manch ein Bauer hat zum erstenmal einen wirklichen Hafen gesehen unb bas große Wasser gerochen, wie umgekehrt mancher Hamburger zum erstenmal eine Vorstellung von ber Vielgestaltigkeit unb Mühseligkeit bäuerlicher Tagesarbeit bekommen hat
Mit Angel und Köder
Aus der Geschichte des Angelsports.
Damit entfiel auch ber entscheidenbe tragische Konflikt, persönlich erlebt unb ausgetragen von Jeanve b'Arc, ber bei Schiller zugleich bas Herzstück unb ben Angelpunkt bes Dramas bilbete Es fiel auch das Vorspiel, die Berufung Johannas: der Film greift sogleich in die Mitte ber Ereignisse stürmisch ein, unb wenn mit einem Schlage alles verloren scheint, ist Johanna ba, gefenbet vom Erzengel Michael, innerlich glühenb von ihrer Sen- bung unb Aufgabe-, sie ergreift ihre Fahne, reifet Volk und Krieger mit sich und beginnt ihren Siegeszug, der das Schicksal des Königs unb bes ganzen Lanbes roenbet
Der Film reicht — ähnlich wie das Drama Shows — auch chronologisch weit über ben Ablauf ber Ereignisse bei Schiller hinaus: wir erleben nicht nur ben Triumph Johannas, nicht nur bie Krönung zu Reims (onbern auch ben Umschwung unb iahen Sturz ben Scheiterhaufen in Rouen unb — em Vierteljahrhunbert später - die Heiligsprechung einer Märtyrerin. Aus dem Gipsei ihres Glucks, nach dem Sieg und der Krönung zu Reims, beginnt bereits die Schicksalswende, beginnt das feurige und blutige Ende sich anzukündigen. die Stimmung des Volkes richtet sich gegen die Jungfrau- die Vasallen und Feldherren des Königs streiten sich um den Sieg, den keiner von ihnen erfochten hat; Verleumdung beschmutzt bie Heilige, unb als in der Stadt die Pest ausbricht, da ist die Heilige schon in aller Munde die Hexe, die das Unheil heraufbeschworen hat
Was die Unterschiede und Abstände zwischen dem Drama, also der Bühnenform ganz allgemein, uno dem Film angeht, fo gilt natürlicherweise un grundsätzlich auch hier, was bisher bei. fast allen Verfilmungen literarisch festgelegter Stoffe gegoltc hat man hat zunächst ben Einbruck einer unbegrenzten räumlichen Ausweitung; alles, was au dem ^Theater indirekt, hinter der Szene, geschaht oder allenfalls angebeutet vielleicht 3urri‘ nfrfien Suqeftänbnis erhoben werben konnte (oer Krönungszug bei Schiller!) - bas geschieht im Film in ber breitesten realen Entfaltung: ber Sturm auf das englische Lager, ber Marsch auf Reims, ber Ausbruch ber Pest werben nicht nur berichtet, fon- bem mit Menschenmassen kompakten Architekturen
jungfrau", immer ein Mäbchen, auch in ber starren Rüstung, mit einer hohen, leisen, fast kinblichen Stimme, eine reine unb rührenbe, schlichte und gläubige Gestalt.
Darstellerisch wächst bie" Gestalt bes Königs, ber bei Schiller bestenfalls eine für geschickte Schauspieler nicht unergiebige Charge bleibt, fast über sie hinaus. Es ist nicht ganz abzusehen, wie weit bas Drehbuch unb wie weit bie großartige Leistung von Grünbgens an biesem Einbruck beteiligt ist, jedenfalls steigert sich die Erscheinung des Königs gegen Ende immer mehr zur beherrschenden Zentralfigur. - Gründgens ist in Maske und Spiel, in der geistigen unb bialektifchen Durchbringung feiner Rolle schlechterbings nicht zu übertreffen; nicht e i n lautes Wort in biesem gewiß an lauten unb (ärmenben Stimmen nicht armen Stück, aber nicht ein Satz geht verloren, unb jeber Satz ist in seiner Wirkung unb Beziehung auf bas peinlichste burchbacht: so' entsteht bas unheimliche, schil- lernbe Bild eines Fürsten, ber, überlegen unb biplo- matisch berechnenb, geführt unb getrieben scheint unb bennoch in ber Entscheibung bie Fäben in ber Hanb hält; eine psychologisch vertiefte Gestaltung, ber übrigens auch sehr menschliche Züge nicht fehlen, von außerorbentlichem Reiz.
wie beliebte Beschäftigung. Die germanischen Küstenfahrer wußten Wunderbinge vom Fischreichtum ber Meere zu berichten; ber Kabeljaufang um Helgo- lanb im 9. Jahrhunbert unb bestimmte Sinnbilber im religiösen Kult bes heibnischen Rügen beuten barauf hin, baß man ben hohen Wert dieser Meeresschätze schon früh kannte und zu nutzen wußte. An den Küsten des Atlantischen Ozeans gewann der Fischfang der Spanier im 12. Jahrhundert durch die Darstellung der Fischerei als eines Gott besonders wohlgefälligen Standes einen großen Aufschwung; denn unter den Jüngern Christi befanden sich vor allem Fischer, und der Heilige Petrus ist der Schutzpatron der Fischer und Angler geworden.
Wenn es nach den Fastengeboten streng untersagt war, Fleischspeisen auf die Tafel zu bringen, so waren Fischgerichte erlaubt; den Mönchen und Geistlichen war die Jagd nicht erlaubt, aber bem Fischfang bürsten sie nachgehen, unb so würbe bas Angeln im Mittelalter ber Lieblingssport ber Geistlichen. aber auch ber Ritter. Kaiser Max, ber „letzte Ritter", wirb als eifriger Angler gerühmt, ber in feinem „Weißkunig" manches über ben Angelsport zu sagen wußte. Späterhin aber galt es nicht mehr als vornehm, sich persönlich um ben Fang einer Fischmahlzeit zu bemühen; bas Angeln würbe nicht mehr zu ben „höfischen Divertissements", gezählt, fonbern unter bie „nieberen Vergnügungen" eingereiht, mit benen sich bas Volk bie Zeit vertrieb.
In unseren Tagen aber ist bas Angeln wieber eine allgemein beliebte unb verbreitete Beschäftigung Besvnbers bie Englänber halten hartnäckig an ihrem aristokratischen Angelsport fest unb haben ihm auch in anberen Länbern wieber Freunbe gewonnen. Das lohnende Angeln aber ist in ben europäischen Länbern nie aus ber Mobe gekommen. Die Englänber rühmen sich, daß das Angeln und die Ernsthaftigkeit und Würde, mit der es von ihnen betrieben wird, geradezu einen klassischen Ausdruck ihres Volkscharakters darstelle, ber nach einem „geruhigen Leben" nach ber Arbeit verlange. Um bie Mitte bes 17. Jahrhunberts erschien Waltons Werk „Der vollständige Angelfischer oder des beschaulichen Mannes Erholung", das zu einem de-
Damit ist Johannas Schicksal besiegelt: Flucht, Gefangennahme, Kerker und Tod. Der König hätte sie vor dem Aeußersten retten können, aber „ein Wunder läßt sich nicht wiederholen", und er weiß: Johannas Tod ist jetzt so notwendig wie zuvor ihr bloßes Dasein; sie wird sterben und gleichsam aus der Flamme als die Nationalheldin ihres Volkes wieder auferftehen; und Johanna erleidet den furchtbaren Tod bewußt im Glauben an ihre Sendung und in unerschütterlicher Liebe zu ihrem Lande. So erhält die Historie und die Heiligenlegende ihren neuen Sinn und ihre übernationale Gestalt
Gustav 11 c i cf i) führt Regie; er ist mit der Bewältigung ähnlicher historischen Stoffe im Film rühmlich bekannt geworden Hier hat er em Jnsze- nierungsproblem von ungeahnten Ausmaßen vorgefunden. Er arbeitete nicht nur räumlich und personell mit einem riesigen Einsatz an Mitteln, sondern er hatte auch einen gerechten, künstlerisch abgewogenen Ausgleich zwischen Szenen von äußerster Realität und Szenen von visionärer Entrücktheit zu schaffen, was um so schwieriger erscheinen mußte, als bie Hanblung sogleich mit einer Steigerung klanglicher und dramatischer Elemente einsetzt, die doch erst den Auftakt zu den späteren Höhepunkten des Filmes bilden Die- Szene hallt wider von Kriegsaeschrei und Volkslärm, von Trommel- und Fanfarenklang, und im ungewissen Halblicht grenzen sich die Schauplätze, die feindlichen Fronten, die Lager der Engländer und der Franzosen, der Gläubigen unb ber Ungläubigen von einander ab
Noch bedeutsamer aber als der gebändigte Einsatz bewegter Massen erscheint bie Aufbietung ausgezeichneter Einzeldarsteller für die tragenden Rollen des Spieles.' und aus dem klanglichen ' Furio o ber Volks- unb Kampfszenen heben sich um so eindringlicher die sehr ausgefeilten, stark 1 belichteten und scharf akzentuierten Dialogstucke heraus, in denen die geheimsten Antriebe der |tur= misch und lärmend abrollenden Außenhandlung ! offenbar werden *
' Das Mädchen Johanna ist Angela © all o f e r. i Dieser Film ist nach dem „Schwarzen Walsych । (mit Jannings) und der „Hohen Schule" (mit For- : ffer) ihre dritte große Leistung: sie gibt in dieser i Rolle gerade das, worauf in der Filmfassung die , Betonung gelegt worden ist: sie erscheint — mit einem Wort — als Werkzeug in Gottes Hand, ' wie sie unerschütterlich glaubt, als Werkzeug freilich i auch in der Hand bes Königs; äußerlich schlank unb zart, nichts von bem Typus ber robusten „Helben-
„Das Mädchen Johanna."
Lichtspielhaus
Dieser große historische Film der Ufa, dem bei seiner Uraufführung tn Berlin em außerordentlicher Erfolg zuteil geworden ist, wurde aus Anregung unb unter nachbrücklicher Forberung bes Reichs- minifteriums für Volksaufklärung unb Propaganda geschaffen und als eine der Spitzenielstungen der deutschen Produktion mit dem Prädikat „Künstlerisch unb staatspolitisch besvnbers wertvoll" ausgezeichnet, er darf also mit gutem Grunbe als vorbildlich und richtungweisend — in seiner Stoffwahl, in der Inszenierung wie in der Darstellung — bezeichnet werden.
*
Das Manuskript schrieb der bekannte Dramatiker Gerhard M e n z e 1, der seinerzeit bereits für seinen Film ,Flüchtlinge" mit einem gilmpreis bedacht worden ist. Im Gegensatz zu jenem ®erf das em sehr gegenwärtiges Thema behandelte, hat er hier einen berühmten geschichtlichen Stoff e^nffen be burch bie Jahrhunderte hindurch - vonVvltcnre und Shakespeare bis zu Schiller und Shaw die Weltliteratur bewegt hat. Uns allen 'ss das Mädchen von Domremy aus Schillers "romantischem Schauspiel für immer em unvergeßlicher Besitz, o eie werden sich auch der ganz anders gearteten, un- romantischen ja nüchternen Auffassung erinnern, mtt der Lernard Shaw vor Jahren die legendäre Gestalt zu neuem Leben erweckt und m ein neues Licht gerückt hat. Nun kommt der Film, und। bas Schauspiel um Orleans unb bas von Gott gefanbte unb erwählte Bauernmäbcken ersteht abermals gestaltet nach ben Gesetzen und mit den op sch und akustischen Mitteln der jüngsten Kunst unserer Zeit
Generaloberst von Linsingen gestorben.
Generaloberst von Linsingen, einer unseres ruhmreichen Führer im Weltkriege, der noch zu seinem 85. Geburtstag am 10. Februar d. I. zahl» reiche Ehrungen entgegennehmen konnte, ist am Mittwochabend in Hannover nach kurzer, schwere» Krankheit entschlafen.


