Ausgabe 
6.6.1935
 
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Motten!

Hausfrauensorgen im Juni.

vietzt ist die Zeit, in der die Motten schwirren, in der, wenn irgend eine Lampe brennt, die Frau, urplötzlich schnell, gleich einer Irren, mit Händeklatschen durch das Zimmer rennt. Jetzt ist die Zeit, in der die Männer spotten, weil sie von Frauensorgen nichts verstehn, jetzt ist die Zeit, die Motten auszurotten und kummervoll den Schaden zu besehn.

Du schneidest ein Gesicht wie Sauerampfer, du bist erschüttert, traurig und verletzt:

Sie haben sich, trotz Naphthalin und Kampfer, im Kleiderschrank behaglich festgesetzt.

Du hattest sorgsam all die schönen Kleider mit Leinen und Papier fein überhängt, und dennoch haben sich die Luder, leider, in Rock- und Blusennähte eingedrängt.

Du siehst die Löcher und die kleinen Röhren:

Da haust die niederträchtge Raupenbrut.

Du hast ein Ziel nur: Morden und Zerstören!

Es packt dich eine namenlose Wut!

Dor deine schmerzdurchzuckte Seele drängen die Bilder dessen, wie du dich gewehrt ...

Du kannst nicht alles in den Eisschrank hängen, gewiß, da blieb der Krempel unversehrt!

Du nimmst dir vor, das nächste Mal zu stäuben mit Nitrochloroform und Chlorpikrin.

Du wirst die Brut mit Chloräthan betäuben, mit Säure, Chlorbenzol und Terpentin!

Du fühlst dich seelisch fast vor dem Bankrotte ...

Na, tröste dich, denn eines ist gewiß:

Dein ganzes Abendkleid war für die Motte ja letzten Endes nur einzger Biß! Puck.

Bewährtes Sparen.

Die Erkenntnis der Notwendigkeit des Sparens hat sich seit dem Wiederaufstieg unserer Wirtschaft immer stärker durchgesetzt. Ein Blick auf die Spar­entwicklung zeigt dies deutlich: die Einlagen bei Sparkassen, Banken und Genossenschaften steigen, die Nachfrage nach guten festverzinslichen Wert­papieren, also Pfandbriefen, Kommunalobligatio­nen, öffentlichen Anleihen usw. nimmt dauernd zu, die Versicherungsgesellschaften berichten über erhöhte Neuabschlüsse. Langsam bildet sich wieder der frü­here Zustand einer gesunden Arbeitsteilung zwischen

bewährten Formen des Sparens heraus, verschwin­den auf der anderen Seite Formen des Sparens, die sich nur in einer Zeit ungesunder Wirtschafts­verhältnisse entwickeln konnten.

Es gibt verschiedene Formen von Ersparnissen, für die jeweils verschiedene Spareinrichtungen pas­sen. Wenn jemand beginnt zu sparen, so schafft er sich zunächst eine Reserve, auf die er jederzeit sofort zurückgreifen kann, wenn es die Umstände seines Lebens bedingen. Er wird normalerweise zunächst Beträge zur Sparkasse, Bank oder Genossenschaft bringen, auch dann, wenn die dabei sich ergebende Verzinsung nicht übermäßig hoch ist. Wachsen seine Ersparnisse über eine bestimmte Summe hinaus, überschreiten sie also den Stand der für die Wech­selfälle des Lebens erforderlicheneisernen Ration", dann greift wie früher, so auch heute eine neue Üeberlegung Platz. Für die Sparbeträge, die nach menschlichem Ermessen in absehbarer Zeit nicht wieder abgehoben zu werden brauchen, kann näm­lich bei ausgezeichneter Sicherheit und abseits von jeder Spekulation ein höherer Zinsertrag erzielt werden. Diese Beträge eignen sich für die Anlage in festverzinslichen Wertpapieren, also Pfandbriefen, öffentlichen Anleihen usw. Obwohl die Sicherheit z. B. des Pfandbriefes nicht hinter der von Spar­einlagen zurücksteht in beiden Fällen dienen erst­klassige, besonders sorgfältig ausgewählte Hypothe­ken auf Grund und Boden als Deckung ist der Zinsertrag etwa des Pfandbriefs höher und beträgt heute, auf das angelegte Kapital berechnet, durch­weg 4,6 bis 4,8 v. H. Die Rückzahlung des Pfand- briefes zum vollen Nennwert ist unbedingt gewähr­leistet. Wird der Pfandbrief vorher ausgelost, so gewinnt der Besitzer unter Umständen in kurzer Zeit die Differenz zwischen dem Ankaufskurs und dem Kurse der Rückzahlung. Braucht er plötzlich Geld, so kann er den Pfandbrief zu den günstig­sten Bedingungen von der Reichsbank, oder einer Bank beleihen lassen. Aber auch eine Veräußerung wird künftig ohne nennenswerte Kurseinbußen und unter Umständen mit Gewinn möglich sein. Bei den festverzinslichen Wertpapieren, also auch bei den Pfandbriefen, geht das Bestreben der Reichsregie­rung und der Emissionsinstitute immer stärker da­hin, absolut stabile Kurse zu halten. Die Entwick­lung der ganzen letzten Zeit hat gezeigt, daß trotz der Zinskonversion und des Kursabschlages des Konversionsbonus irgendwie ins Gewicht fallende Kursrückschläge nicht stattgefunden haben. So haben die gute Verzinsung, die ausgezeichnete Sicherheit und nicht zuletzt die jederzeitige leichte Verwertbar­

keit dem in Jahrhunderten immer bewährten Pfand­brief als Sparanlage das Interesse breitester Spa­rerschichten gewonnen, das sich in ständig steigen­der Nachfrage ausdrückt.

Diebesbande

von der Wormser Polizei verhaftet.

LPD. Worms, 4. Juni. Die Wormser Po­lizei konnte bei einer nächtlichen Streife am Rhein eine sechsköpfige Diebesbande in dem Augenblick überraschen, als sie mit zwei Kähnen, auf denen die Beute verstaut war, am Ufer an­legte, um die Ladung zu löschen. Beim Erscheinen

Jeder Betriebsführer hak das größte Interesse daran, daß seine Gefolgschaft durch die Teil­nahme an den Zeltlagern der Hitlerjugend neu gestärkt, mit Lust und Liebe an die Arbeit geht.

der Polizei gingen die Diebe sofort flüchtig und blieben auch auf die Haltrufe nicht stehen, so daß die Polizei mehrere Schüsse auf sie abgeben mußte. Gleich darauf fand man einen der Diebe, der sich versteckt hatte. Noch in der gleichen Nacht konnten dann alle Beteiligten verhaftet werden.

Aushebung

einer Ialschmünzerwerkstätte.

LPD. Frankfurt a. M., 4. Juni. Der 27- jährige Otto H. weilte am Samstag den ganzen Nachmittag in einer kleinen Wirtschaft und mar­kierte den freigebigen Gast, indem er alle erreich­baren Personen in der Wirtschaft freihielt. Er zahlte am Anfang mit einem echten Zwanzigmark­schein. Kurz vor seinem Aufbruch am Abend wollte er von der Wirtin nochmals einen Zwanzig­markschein gewechselt haben. Der Schein er­regte aber bei der Wirtin Verdacht, und sie tat das, was eigentlich alle Geschäftsleute in solchen Fällen tun sollten: sie ging nach einer nahen Amts­kasse und lieh den Schein dort prüfen. Er wurde als falsch erkannt und H. wurde von der Polizei fe ft genommen. Er hatte noch 2 3 falsche

Scheine bei sich. Die sofort aufgenommenen Er­mittlungen der Kriminalpolizei führten zur Auf­findung der Werkstätte in der Wohnung des H. Es wurde sämtliches Material und Werkzeug, das zur Fälschung benutzt wurde, gefunden. H. behaup- tet, bisher keine Falschscheine verausgabt zu haben. Es handelt sich um Fälschungen der Ausgabe vom 22. Januar 1929, die auf der Schaufeite rechts und als Wasserzeichen im Schaurand den Kopf Werner von Siemens tragen. Die Ausführung ist sehr schlecht, die Scheine sind ohne weiteres als falsch zu erkennen. Das Papier ist sehr dick und fühlt sich fettig an. Die Scheine tragen durchweg die Nummer L. 08 916 128. Unterschriften und Kontroll- buchstabe fehlen. Bemerkenswert ist der Oelfarbe- geruch der Scheine.

Kreis Wetzlar.

* Wißmar, 6. Juni. Der 29 Jahre alte Hilfs­arbeiter Ludwig Prinz von hier erlitt gestern bei einem Unfall einen Bruch des linken Unter­schenkels und mußte nach Gießen in das Kranken­haus gebracht werden.

Wetterbericht

des Reichswetterdienskes. Ausgabeork Frankjucl.

Auch gestern fetzte sich die Unbeständigkeit des Wetters fort. Dabei drang von der Rückseite eine Störung, die teilweise von heftigen, vom Meer kommenden Luftmassen begleitet war, ein. Bei Irland ist zurzeit eine heftige Störung in Entwick­lung, die im Laufe des Freitag Einfluß auf unser Wetter nehmen wird. Die Großwetterlage befin­det sich in einer Umgestaltung, die sich auch auf unser Wetter auswirken wird.

Aussichten für Freitag: Nach anfäng­licher Aufheiterung und neuer Wärmezufuhr wieder Verschlechterung mit leichten Gewitterniederschlägen, lebhafte, zunächst südliche Winde.

Aussichten für Samstag: Noch unbe­ständig und wechselhaft, doch im ganzen freundlich.

Lufttemperaturen am 5. Juni: mittags 19,4 Grad Celsius, abends 13 Grad; am 6. Juni: morgens 12 Grad. Maximum 20,9 Grad, Minimum 11 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Juni: abends 16,2 Grad; am 6. Juni: morgens 14,3 Grad. Sonnenfcheindauer 9,7 Stunden. Niederschläge 1,2 mm.

Die unterzeichneten Geldinstitute geben hiermit bekannt, daß ihre Kassen und sämtlichen Geschäftsräume am

Dienstag, dem 11.Juni 1935

(Pfingstdienstag)

geschlossen sind, während sie am Pfingstsamstag wie üblich (von 8 bis 13 Uhr) geöffnet bleiben.

Bezirkssparkasse Gießen

Commerz- u. Privat-Bank Aktiengesellschaft, Filiale Gießen Deutsche Bank u. Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen

Dresdner Bank, Zweigniederlassung Gießen

Handels- und Gewerbebank e. G. m. b. H., Gießen

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