Montag, 6. W1935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)
Nr. ,04 Zweites BIctt
mit
stehen,
Im
Der Apothekenbesitzer Dr. Richard Loose in
den ganzen lang sichtbar
^)t Vierte« @ Vollmond d letztes Vierte/
STERNBILDER;
GROSZE BUCHSTABEN
Merkur Venus ®Mars Q) Jupiter
beiden Wiener Wäschermädel Gisela Kern und Helga Kannen-, zuletzt die allerkleinste: Karola Rojahn mit einem ungarischen Tanz von Brahms Herr Cord Wupper fand großen Beifall für zwei Saxophon-Soli, Herr Nieren für die schöne und grauslige Geschichte vom letzten Dollar im Zirkus von Denver iCalorab»!
Zwischen den einzelnen Nummern wickelte sich der Wettbewerb ab: in fünf Abteilungen stellten sich je zwei Sprecher — Redezeit: höchstens vier Minuten — dem Richterspruch des mit Stimmzetteln bewaffneten Publikums. Jeder hatte eine kleine Reportage zu sprechen: über eine Rheinfahrt, über den Betrieb im Arbeitslager, über den Weg des Bauern ins Dritte Reich, über das Lullusfest in Hersfeld über die Segelfliegerei, über die letzten Köhler im Vogelsberg, über die Schwalm und die Schwälmer, über die Erzeugungsschlacht und über eine Sonnwendfeier. In der Pause herrschte em großer Andrang zu den Urnen, und dann begann gleich die Auszählung der Stimmen
Nach der Pause setzte sich der muntere Reigen fort: das Orchester spielte die „Zigeunerliebe", Frl. S a l z m a n n sang das Couplet vom kleinen Mädel, Hüde Plank tanzte einen Step nach allen Regeln dieser schwierigen Kunst, Leni Haase ein paar heitere Grotesken und gab sogar noch ein Solo auf der Handharmonika zu. Stürmische Heiterkeit erregten die oberhessischen Geschichten von Herrn Sei'tz. Fritz Wilhelmy und Wilhelm Lenz gaben ein drolliges Ehestandsgeplauder (Duett für Oboe und Fagott) zum Besten. Eine besonders hübsche Nummer war der Zauber- und Illusionsakt von Herrn Baccesino, Darmstadt, der mit Taschentüchern, Täubchen, zerrissenen Zeitungen und einem behexten Kartenspiel einen verblüffenden Hokuspokus vollbrachte und alle Leute in Staunen und Heiterkeit versetzte
Nauheim (Nr. 10).
Die Sieger erschienen auf der Bühne, wurden begrüßt und beglückwünscht; Herr Langenbach gab in kurzen Schlußworten der Hoffnung Ausdruck. daß die Gewählten den Kreis Gießen im Haüptkampf ehrenvoll vertreten werden. • Z'T.
Lob der Wiese.
Von H Waggerl Wiesengrund, wo die Ahornbäume
lichtest geworden, im Frühjahr kam er jung aus der trächtigen Erde. Seine krausen Blätter sind ihm zugewachsen, kein anderer Halm in der Welt hat so schön gekräuselte Blätter wie er. Ich habe ihn entdeckt. Einen Namen muß er nicht haben, aber ich möchte wohl einmal seine schimmernde Rispe in die Hand nehmen.
Es ist wunderbar still um den Mittag und ich höre dennoch die hundertfältigen Geräusche des Lebens um mich her, das Knistern und Schwirren im Gras und auch das Rauschen des Blutes in meinem Leibe. Die Wiese nimmt mich immer auf, die Erde zieht mich an sich, die gute braune Erde. Gestern lag ich hier und sah die Knospe einer Flockenblume, aber es kam der Abend, ehe sie aufbrach. Heute blüht sie, und blüht, obwohl inzwischen vielerlei in der Welt geschah, was mir das Herz schwer machte. Das ist ein Trost für mich. Versteht ihr, so einfältig wird ein Mensch, der in einer Wiese gestrandet ist. Wenn diese Flockenblume jetzt blühen kann, sage ich mir, muß es dann nicht eine verborgene Quelle geben, die ihr und mein Leben speist? Ich bin so wahr in mir selbst, wie sie, aber ich irre, weil ich die Wahrheit suchen will. Die Wahrheit muß man sein.
Ich will nicht länger müßig liegen, was kann ich denn tun? Es ist mir nicht leicht gemacht, aber ich könnte vielleicht etwas aufschreiben, diese paar friedlichen Zeilen für euch, meine Freunde. Es ist ja nichts Großartiges, ihr lächelt darüber, oder ihr ärgert euch daran — Gras, ach Gott, Kräuter und Käfer! Aber was ist nun eigentlich wichtig in der Welt? Mein Grashalm wächst und trägt Frucht und stirbt ab, im andern Jahr wird da wieder ein Halm wachsen und vergehen, ungesehen, es weiß niemand von ihm. Und trotzdem hat sein Dasein so gut Platz und Sinn wie meines. Vor Gott, Freunde, sind wir alle einerlei Gras, es sei denn, daß er die schönen Halme liebte und die kümmerlichen verwürfe, wie geschrieben steht.
Dann kam die mit Spannung erwartete Sieger- Verkündung. Als die besten Funksprecher wurden auf Grund der abgegebenen Stimmenzahl ermittelt: an erster Stelle ' Herr Philipp, Grünberg, (Nr. 3), an zweiter Stelle Herr Rosbacher (Nr. 4), an dritter Stelle Herr Reinhard, Bad-
und durch ihr Erscheinen lange vor allen andern Sternen gibt sie sich ohne weiteres zu erkennen. So auffallend und wohlvertraut sie dem Sternfreund ist, um so mehr Rätsel gibt sie dem gelehrten Sternforscher auf. Vor hundert oder hundertfünfzig Jahren konnte man in volkstümlichen Himmelskunden höchst anschauliche Schilderungen über die Gewohnheiten der Venusbewohner lesen, aber seitdem sind wir doch wohl etwas vorsichtiger und auch bescheidener geworden, sagen also ehrlich.
Nachdruck verboten!
Sonnenaufgang von 4.30 bis 3.45 Uhr, Sonnenuntergang von 19.25 bis 20.10 Uhr. Lichtgestalten des Mondes: erstes Viertel am 10. um 13 Uhr, Vollmond am 18. um 11 Uhr, letztes Viertel am 25. um 11 Uhr.
Dieser schönste und beliebteste aller Monate empfiehlt sich in diesem Jahr noch dadurch ganz besonders, daß er uns alle mit bloßem Auge sichtbaren Wandler bringt, und mit Ausnahme des Saturn sogar alle am Abendhimmel. Allen voran erfreut uns die Venus, der holde Abendstern, die
6od>touino*ndhfen
Professor Dr. Friedrich N ö t s ch e r, Ordinarius für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen an der Universität Wien, ist zum ordentlichen Professor in der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn ernannt worden.
Die Kunst, beliebt zu sein.
Betrachtung«, zum englischen Legierungs-Jubiläum.
Von unserem Londoner Dr. L.W.-Verichierstatier.
Der die 24 Stundenzahlen von Mittet^ nacht bis Mitternacht eines Tages ent» haltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont. sind fest* stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zei• ger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die tu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigtt um die Monatsmitte sicht• baren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo* natsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hin» eingedreht. Für je 5 Tage vor der Mo* natsmitte ist der gerade Pfeil V3 Stund0 früher, für je 5 Tage nach der Monats* mitte Vs Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Del Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutete Licht» gestalt zeigt.
Monat über beinahe drei Stunden ist. Durch ihren Stand im Westen
Die 22 Nummern umfassende Vortragsfolge wurde durch die vom Stadttheater-Orchester gespielte „Fledermaus"-Ouvertüre stimmungsvoll eröffnet. Dann betrat der Vereinsgeschaftsfuhrer des RDR., Herr Plackert, die Bühne und hieß Me Anwesenden namens des RDR. und des Deutschen Funktechnischen Verbandes herzlich willkommen. Der Abend erhalte seinen Charakter m erster Lime durch den Rundfunkfprecherwettbewerb, soweit er für Gießen durchzuführen sei. Herr Plackert richtete die Ditte ans Publikum, seines Schiedsrichteramtes zu walten. Die Bewerber würden nicht persönlich erscheinen, auch nicht namentlich genannt, sondern nur nach Nummern bezeichnet werden. Allen Besuchern wünschte er einige recht frohe Stunden
Anschließend erfchien Herr Nieren vom Stadttheater, mit Mikrophon und Weckeruhr bewaffnet, von großem Beifall begrüßt, mit sprudelnder Beredsamkeit begabt und sofort im Kontakt mit dem ganzen Hause; er begrüßte das Publikum und machte sich als witziger Ansager sogleich ungemein populär
Alsbald begann sich ein vielseitiges Programm abzuwickeln. Therese S t e i n k a m p sang, von Herrn Krämer unterstützt, der für den ganzen Abend die Begleitung am Flügel übernommen hatte, mit zierlichen Koloraturen die „Dorfschwalben aus Oesterreich", Herr Valckenberg das rassige alte Reiterlied vom Prinzen Eugen, Hansi S a l z m a n n und Herr Lindt dos muntere Vitkolo-Duett aus dem „Walzertraum". Den Reigen der Tänzerinnen eröffnete Maja v. Rabenau mit einem Walzer von Chopin; sehr niedlich die
Dem konnte. Alles in allem eine tüchtige Frau, deren Herz am rechten Fleck sitzt.
Wie sie wohl im Innersten über ihren ältesten Sohn, den Thronfolger, denken mag? Geistig müssen sich die beiden etwas fremd gegenüberstehen — diese ernste Calpurnia und jener heitere, bewegliche und burschikose Mann, mit seinem sprudelnden Humor, seiner Schlagfertigkeit, seiner Sportlust, seiner oft allzu verwegenen Reiterei. Gegen den Widerstand Lord Kitcheners setzte er es durch, daß er doch den Krieg mitmachen durfte — und einmal „Over liiere", wußte er nicht, was Gefahr fei, spaßte mit den Tommies, erwies sich als „a good sort“, und hatte ein heiteres, aufmunterndes Wort für jedermann.
Eines Tages besuchte er ein Hospital und hörte von einem Verwundeten, der so entsetzlich entstellt war, daß man dem Prinzen diesen furchtbaren Anblick vorenthalten wollte. Aber gerade diesen Fall will der Prinz sehen; er läßt sich ans Bett des Armen führen, steht dort eine Minute in stummer Ergriffenheit, und — beugt sich nieder und küßt den Mann. Raffinierte Berechnung? Unsinn! Keine Berechnung, sondern jener wahre Takt, der aus dem Herzen kommt
Während seines Besuches einer Der Dominions, wo gerade eine Arbeiterregierung am Steuer war, sagte ihm der Premierminister ziemlich unverblümt, er dürfe sich auf (eine Liebedienerei gefaßt machen, „denn, sehen Sie, wir sind hier entschieden linksstehende Sozialisten". — „Na, wenn sie alle so wie Sie sind", entgegnete der Prinz, „dann hoffe ich recht viele von der Sorte kennen zu lernen". — „Ein verflucht netter Kerl", sagte der betreffende Premierminister hinterher. Und bann taucht dieser verflucht nette Kerl eines Abends ganz unerwartet auf einem Arbeiterball auf und tanzt mit diesem
Außerdem aber — und das fällt schwer ins Gewicht — ist er entschieden ein Mensch der Pflicht, fein Bonvivant wie sein Vater, von dem die witzige Lady Oxford and Asquith sagte, daß er dem Wohlergehen seines Volkes unermüdlich jeden Augenblick widmete, den er von seinen Vergnügungen erübrigen konnte. Dieser Monarch — das kann sich jeder an den fünf Fingern abzählen — hat sich fein Leben lang wenig Zerstreuung gegönnt; immer ein Jahr nach dem anderen dieselbe Routine der öffentlichen Funktionen: . Empfänge, Besichtigungen industrieller Unternehmen .. ohne auch nur ein Gähnen zu unterdrücken! Daß ihn diese beinahe maschinenmäßige Tätigkeit nicht immer besonders fesseln kann, ist selbstverständlich; daß er in der Erfüllung auch der langweiligsten Pflichten unermüdlich ist. wird ihm mit Recht als Verdienst angerechnet
Schließlich weiß man doch auch, datz seine Regierung eine recht sorgenreiche gewesen ist; während des Krieges stand auch sein Thron auf dem Spiel, und alles hätte recht schlimm enden können. Und dann: Nikolaus II. und Konstantin von Griechenland waren feine Vettern und Freunde, Wilhelm II. immerhin fein Vetter, obwohl kein Freund; Georg V. müßte weniger als menschlich sein, wenn ihn das Mißgeschick dieser nahen Verwandten nicht tief und schmerzlich berührt hätte. Dessen ist sich auch „the man in the Street" (der Mann auf der Straße) bewußt, und er sagt sich: „Der Mann hat auch durch den Krieg viel gelitten und dabei nicht gemuckst; Respekt vor ihm!"
und jenem hübschen Fabrikmädel, was das Zeug hält!
Sollte der Prinz von Wales nicht heiraten — und mit dieser Möglichkeit ist zu rechnen — dann wird dereinst sein Bruder, der Herzog von York, Thronerbe, der eine weit weniger blendende Erscheinung, aber pflichttreu und verläßlich ist. Jedes Jahr verlebt er eine Woche mit Hunderten von Jungen der Arbeiterstände im Zeltlager und teilt ihre Spiele und ihre Speise; er war wohl der erste Königssohn, der mit einem Führer der Labour- partei Golf spielte; und daß er statt eines Palastes ein Haus mit einer Hausnu mm e r bewohnt, trägt nur zu feiner Beliebtheit bei.
Außerdem aber ist er der glückliche Vater der entzückenden kleinen Herzogin Elisabeth, die bei jedermann einen großen Stein im Brett hat. Warum dieses liebenswürdige Persönchen derartig vergöttert wird? Ja, das ist ihr Geheimnis; es ist jener unnachahmliche Charme, von dem Barrie sagt, daß die Frau, die ihn besitzt, alles andere entbehren kann, während derjenigen, die ihn nicht hat, keine andere Gabe nützt.
Die Herzogin von York ist der „star" der königlichen Familie. Man sehe sie, wenn sie im offenen Wagen durch die Stadt fährt; oder besser noch, man sehe und bemerke die Menschenmenge auf den Straßen. Keine lauten Zurufe, keine „loyalen Kundgebungen", nur auf allen Gesichtem, in allen Augen, ein überaus freundliches — sozusagen beseligtes — Lächeln. Warum und wieso? Das ist nicht zu erklären; sie sitzt nur da und lächelt die Menschen wieder an, ganz ungezwungen, und ein jeder kommt sich vor, als ob ihr Blick ihm — gerade ihm -- gelte. Ob sie einmal Königin sein wird? „Queen of : Hearts" — Königin der Herzen — wenigstens ist : sie heute schon!
&
Als vor Jahren der englische Könia ernstlich erkrankt war, gab es viele Wochen hindurch für den Engländer jedweden Standes, Alters, Bildungsniveaus nur ein Hauptthema des Interesses; die erste Frage morgens, die letzte am Abend, lautete: „How is the King?" — „Wie geht es dem König? Stellten die Aerzte einen wirklichen Fortschritt fest? Ist die Zeit der Gefahr überstanden?" Alles andere kam erst in zweiter Linie in Betracht — innere und äußere Politik, Handel und Wandel ... ja, ja, alles zu seiner Zeit, aber: How is the King? Jeden Abend wartete eine Volksmenge, jung und alt, reich und arm, bunt zusammengewürfelt, vor Buckingham Palace, nur um das neue Bulletin sofort zu lesen. An dieser Stimmung war nichts Gemachtes; es war echtes Gefühl, das hier zum Ausdruck kam,
ü9poWto
J-w
Conlon, im Mai.
Am 6. Mai beginnt in Englard die unendliche Reihe großangelegter Festlichkeit^ zur Feier des 25jährigen R e g i e r u n; s j u b i l ä u ms des Königspaares. Drei Monate hindurch wird dem englischen Volk anläßlich dieses Jubläums die ganze Macht und große Vergangenheit des Weltreiches Grotz-Britannien wieder erstehen. Während dieser Festmonate wird die englische Natioi immer wieder
Andere sind so winzig klein, daß es gar nicht auszudenken ist, wie denn auch sie ihre sechs Beine mit dreimal sechs Gliederchen haben können. Ader sie sind sich selbst groß genug. Ein dutzendmal klettert so ein Käfertier an einem Halm in den Sommerwind hinauf, ein paarmal hat es die mütterliche Sonne am Himmel gesehen, und darüber ist es seyr alt und sehr weise geworden. Zuletzt schwirrt es noch ein Stück über die glockenblaue Wiese, es faltet seine Flügel wieder sorgsältig zusammen und dann stirbt es, das Käserchen.
Nun gibt es aber noch diese Halme selbst, diese vielerlei prächtigen, von der zärtlichen Luft bewegten Gräser. Wenn ich die Augen hebe, sehe ich hoch über mir ihre glänzenden Häupter im weiß- blauen Himmel schwanken. Auch sie sind der Wissen-
Sketsch unter dem Titel „Hier herrscht Ordnung", von Frl. W i e 1 a n d e r und Herrn Lindt mit Hingabe gespielt, und der Rausschmeißer des Orchesters beschlossen das vierstündige, in allen Teilen " großem Beifall aufgenommene Programm.
Gießener Gtadttheater.
Heiterer Abend: Gietzener Allerlei.
Die Kreisgruppe Gießen im Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer veranstaltete am Sams- tag gemeinsam mit dem Gießener Stadttheater einen heiteren Abend, der ein sehr zahlreiches Publikum angelockt hatte. Im Mittelpunkt des außerordentlich umfangreichen Programms stand der Ru n d f u n k f p r e ch e r ° W e 11 b e w e r b: es handelte sich um einen Ausfcheidungskampf, wobei das Publikum zum Schiedsrichter aufgerufen war und darüber zu Gericht zu fitzen hatte, wer von den für den Kreis Gießen Gemeldeten zu den Aus- Wahlkämpfen nach Frankfurt geschickt werden fall. Von den zehn in engerer Wahl befindlichen Be- Werbern mußten an Hand eines Stimmzettels d,° drei besten ermittelt werden
Der Sternhimmel im Mai
die langschäftigen Eschen und das grüne Gewölk der Haselstauden, da ist mein Schiff vor Anker gegangen. Auch ich war in der Welt, aber das ist lange vorbei, meine Fahne flattert nicht mehr in fremden Winden, die farbigen Wimpel der Jugend. Und dennoch ist mir die Welt nicht kleiner geworden, nein, ich lobe meine Wiese, sie ist groß und unabsehbar geräumig, wenn ich bäuchlings in ihr liege, und den ganzen hohen Himmel habe ich über mir. Ich sehe Halme vor meinen Augen, die haarigen Sck)äste des Günsels, das fadendünne Gespinst der Miere auf dem Moos, und ich kann mir gut denken, wie weitläufig und abenteuerlich das Leben in diesem Wald der Gräser sein mag. Käfer find unterwegs und mühen sich ab, ganz winzige und auch große in prunkvollen Panzern. Ich kenne sie alle, weil ich nicht weiß wie sie heißen und weil ich ihre Namen nicht verwechseln kann. Sie haben es schwer genug, besonders die großen, immer einmal rollen sie unversehens auf den Rücken und dann müssen sie wohl ein Jahr ihres Käferlebens daran wenden, wieder auf die Beine zu kommen.
nun eigentlich, dieses allgemeine Anteilnehmen am Befinden eines Monarchen, der doch nie — wie etwa Eduard VII. — in die Schicksale der Nation leitend eingegriffen hat, der weder durch Beredsamkeit noch durch imposante Erscheinung je einen großen Eindruck zu machen versucht hat? Dieser durchaus einfache Gentleman, ohne den Nimbus der Autorität, der die alte Königin Victoria umschwebte, ohne die weltmännischen Allüren seines Vaters — wie hat er fid) derart die Zuneigung eines ganzen Volkes erworben? Und woher kommt es, daß zu einer Zeit, wo drei alte Dynastien in Europa auf immerdar verschwunden sind, gerade in England das dynastische Prinzip stärker ist als je?
Die Antwort auf diese Fragen ist wohl vor allem die, daß Georg V. feinen Untertanen grabe deshalb sympathisch ist, weil er augenscheinlich Durchschnittsmensch und von Durchschnittsintelligenz ist. Sie verstehen ihn; der König ist „one of them", einer von ihnen. Ein Genie will Reden halten, große Politik treiben, sich Bewunderung erzwingen. König Georg hat vom Genie nicht das Geringste an sich, ist ein schlichter, grober Herr, teilt bas lebhafte Interesse ber Massen an Cricket unb Fußball unb macht sich blutwenig aus Kunst, Wissenschaft unb Literatur, genau so wie 999 von Taufenb seines Volkes. Kurz unb gut, sie verstehen ihn unb vertrauen ihm. Winkelzüge wirb er nie machen, unb gegen feine Minister wirb er nicht intrigieren.
Scherl-Bildmaterndiensl
König Q/eorg V. unb feine Gemahlin Mary im Krömvffgsstaat im Buckingharnpalast zu Lonbon nach V ber feierlichen Krönung vor 25 Jahren
erneut ihrem Königshause Beweise der Treue unb Verehrung barbringen. Ganz Englanb feiert, ein Zeichen engster Verbundenheit jebes einzelnen Eng- länbers mit feinem König Georg V. Englanb liebt feinen König, er gehört zum Volk, bas von jeher Anteil an feinem Leben unb Geschick nimmt.
Sterne ■
Kleine Buchstaben
DlQUc'l jJUllllltl |U/lvui ne 11. auuj v 1 r / 1 v , ' . ' .
schäft bekannt, es gibt ihrer unzählige, lagt man,! Marburg würbe beauftragt, m der Vhllosophlschen tausend Arten vielleicht, eher noch viel mehr. Aber ' Fakultät ber Universität Marburg b’p Avotheken- ü'en im biefen Halm vor mir, biefes feine zitternde Gebilde, 4ind Arznevnsttelgefetzgebupg in Vorlesungen und — ©inIben kennt die Wissenschaft nicht. Er ist in der Heim-1 Hebungen zu vertreten.
Queen Mary hat manche Eigenschaften, die sie nicht beliebt machen könnten, und sie ist es doch! Sie steht jeder ausgesprochenen modernen Richtung, selbst was Kleidung anbetrifft, unverhohlen ablehnend gegenüber, hat eine gewisse Steifheit und Kühle in ihrem Auftreten unb ist in ihrer ganzen Lebensauffassung sehr „Victorian", wie man es hier nennt. Ihre einzige Tochter hat sie äußerst streng erzogen, unb ließ bas arme Mäbchen in einer Tracht umhergehen, bie seit Jahren aus ber Mode gekommen war. Man lächelt ein wenig über Queen Marys Marotten, über ihre Toiletten, — aber man achtet sie ungemein, weil sie eine wahrhaft gute Frau ist, ihrem Hof ein gutes Beispiel von Lebens- ün°" lä-lA'bund'^^^k-nn^! g ertlTrtMta I s°r-
OH
■
■
'10.
18
3
land.
f9&
<7


