„Hitler ein ehrlicher und offener Mann/-
Lord Lothian für die Gleichberechtigung Deutschlands.
London, 5. Mai. (DNB.) Das bekannte Oberhausmitglied Lord Lothian erklärte gestern in einer Rede in Edingburgh, das große Problem des Augenblicks sei es, für Deutschland denjenigen Platz in Europa und in der Welt zu finden, zu dem es berechtigt sei. Es bedürfe einer sehr schwierigen Berichtigung, um dies durch friedliche Mittel zu erreichen.
Deutschland verlange die Gleichberechtigung.
und es fei kaum einzusehen, wie sie einer gro
ßen Ration verweigert werden könnte.
Die erwartete Rede Hitlers werde vielleicht andeuten, ob Deutschland, nachdem es die Gleichberechtigung erreicht hat, bereit ist, sich zur Lösung seiner Probleme an den Tisch des Völkerbundes zu setzen, oder ob Europa wieder in zwei bewaffnete Lager aufgeteilt werden solle.
Lord Lothian wies dann auf die Stärke der deutschen Luftflotte hin und erklärte, die englische Regierung werde darauf bestehen, eine ebenso mächtige Luftstreitkraft wie Deutschland zu haben, wenn sie nicht zu einer baldigen Vereinbarung mit Deutschland gelange; er sei unterrichtet, daß Verhandlungen begonnen haben, und er hoffe, daß sie zu gutem Ergebnis führen.
Er glaube, daß Hitler ein ehrlicher und offener Mann sei, der gesagt habe, daß er für eine Rüstungsbegrenzung bemüht sei.
Landwirtschaftsminister E l l i o t erklärte am Samstag auf einem Festessen in London: „E n g -
landwird jedemKriegsflugzeug ebenfalls ein Flugzeug entgegen ft ellen, ganz gleich, welchen Aufwand an Menschen und Geld es erfordern werde. Diejenigen, die glauben, daß wir dieses Versprechen nicht einlösen können, sind keine Freunde des Friedens."
Der englische Ausrüstungsplan.
1000 neue Flugzeuge.
London, 5. Mai. (DNB.) Die Sonntagszeitung „People" meldet, der e n g l i s ch e A u f r ü st u n g s- plan gehe in den Hauptzügen dahin, den ursprünglich bis Ende des Jahres 1938 geplanten Bau von insgesamt 5 0 0 neuen Kriegsflug- zeugen bereits in den nächsten sechs Monaten zu vollenden und außerdem weitere 5 0 0 Flug- z e u g e in Auftrag zu geben. Ferner sollen in Süd- und Ostengland zehn Kriegsflugzeuge errichtet werden. Außerdem soll ein großer R e k r u- tierunasplan zur Vermehrung des Fliegerpersonals in Angriff genommen werden.
Lustaufrüstung in Japan.
Tokio, 5. Mai. (DNB.) In einer Konferenz des japanischen General st abs wurde die dringende Notwendigkeit einer Verstärkung der japanischen Luftflotte erörtert, die mit der großen Zahl der sowjetrussischen Kampfflugzeuge, besonders im Fernen Osten, begründet wird. Ein Aufrüstungsplan der augenblicklich dem Kaiser zur Genehmigung vorliegt und der sich über vier Jahre erstrecken soll, sieht eine V e r - stärkung der japanischen Luftflotte von 800 auf 1000 Flugzeuge vor.
Das neue deutsche Jagdwesen.
Reichsjägermeister Göring spricht in Braunschweig.
Braunschweig, 5. Mai. (DNB.) Bei der feierlichen Eröffnung der Jagdausstellung und der Weihe des Jägerhofs „Hermann Göring" hielt der Reichsjägermeister Göring am Sonntag in Braunschweig Fwei Reden, in denen er auf das neue deutsche Jagdwesen einging.
Die Eröffnungsfeierlichkeiten in der Brunsviga- Halle wurden durch eine Begrüßungsansprache des braunschweigischen Ministerpräsidenten Klagges eingeleitet. Dann ergriff der
Reichsjägermeister Göring
das Wort. Er erklärte u. a., daß das Weid- werk, dem diese Ausstellung gelte, in unserem Vaterland nicht das Vorrecht einzelner sein solle, sondern fest verankert im ganzen Volke bleiben müsse. In der Vergangenheit seien Jagdausstellungen vor allem Zurschaustellungen von Jagdtrophäen aller Art gewesen. Wahllos hätte man einst das beste Wild abgeschossen, um die Ausstellungen mit diesen Trophäen zu schmücken. Deshalb hätten sich auch Ausstellungen dieser Art geradezu als nachteilig für die Entwicklung des Wildbestandes ausgewirkt.
Das jetzt geschaffene einheitliche Jagdgesetz für das ganze Reich gebe eine gute Basis, um einer Degeneration des Schalenwildes wirksam entgegenzuarbeiten. Es gelte, jeden einzelnen Jäger von der Rokwendigkeik der jetzt getroffenen Maßnahmen so zu überzeugen, daß er sie achte, auch dann, wenn man ihn nicht direkt überwachen könne.
Trotz allem werde es aber nicht gelingen, in nur einigen Jahren wiederaufzubauen, was Jahrzehnte vernichtet hätten. Die Jagbausstellung sei heute zu einem wertvollen Erziehungsmittel des deutschen Jägers geworden. Es müsse auch vor einer übermäßigen Hege des Schalen- wiloes gewarnt werden. Sie züchte fcinen Wildbestand heran, der für die Land- und' Forstwirtschaft nicht mehr tragbar sein würde. Es dürfe
nicht dahin kommen, daß der Wildschaden in der Landwirtschaft so groß werde, daß hier ein Nicht - verstehen unserer Arbeit einsetze. Das Ziel müsse sein:
Richt übermäßig viel, aber gutes und in der Art gesundes Wild; denn Wild und Wald als wertvolle Güter müßten der Gesamtheit erhalten bleiben.
Abschließend betonte der Reichsjägermeister, daß das Werk des einheitlichen Jagdgesetzes wie so vieles andere, das inzwischen vollendet werden konnte, niemals möglich gewesen wäre, wenn nicht vorher der Führer das gesamte deutsche Volk zu einer Einheit zusammengeschlossen hätte. Einem gewaltigen Treuegelöbnis gleich brauste dann das dreifache Siegheil auf den Führer durch die weite Halle.
Nach der Besichtigung der Ausstellung richtete der Reichsjägermeister noch eine kurze Ansprache an die vor den Toren versammelten Massen.
Am Nachmittag wurde dann der Jägerhof „Hermann Göring" in der Buchorst vor den Toren der Landeshauptstadt feierlich seiner Bestimmung übergeben. Der Reichsjägermeister ging nach Dankes- roorten an die Schöpfer des Jägerhofes auf die alte Tradition ein, auf die gerade der Jäger zurückblicken könne.
Die grüne Tracht des Jägers fei stets ein Ehrenkleid gewesen, das nur der tragen dürfte, der sich dieses Kleides würdig erweise.
Im Sinne dieser Traditionspflege fasse er auch die Neuerstehung der Jägerhöfe als wichtigen Fortschritt auf, und der Jägerhof des Gaues Braun- » solle als Reichsjägerhof wiederum Sammel- usbildungsstätte der deutschen Jäger werden und so sichtbares Zeichen dafür sein, daß wir auch auf diesem Gebiete uns auf unsere eigene Kraft besonnen hätten. Er übergab dann den Jägerho der Obhut des Gaujägermeisters. Um 19.30 Uhr verließ Reichsjägermeister Göring im Flugzeug die Landeshauptstadt.
Gute Entwicklung der Reichseinuahmen
OerMensch gilt nichts in Gowjetrußland.
Eineirede Stalins.-DieWiderstände in der kommunistischen Partei. „Mit der Kugel gedroht."
Moskau, 6. Mai (DNB.) Gelegentlich der Ab- chlußprüfung und der Entlassung eines neuen Jahrganges roter Offiziere und Militäringenieure hielt Stalin eine große Rede, in der er aufsehenerregende Enthüllungen über die Vorgänge innerhalb der Partei machte. Neben den Vorgängen innerhalb der Partei behandelte Stalin die Kernfrage der I n d u st r i a l i s i e r u n g d e r Sowjetunion. Stalin ging davon aus, daß bei der Darstellung der Errungenschaften in der Sowjetunion und insbesondere bei der Bewertung der Erfolge auf industriellem und landwirtschaftlichem Gebiet die Rolle der leitenden Männer maßlos überschätzt werde. Ihnen würden chlechthin alle Erfolge zugeschrieben. Das sei unklug und falsch. Anderseits werde
der Mensch, der Arbeiter, würden die „Labres“ in ihrer Bedeutung für die Entwicklung in Sowjetrußland fälschlicherweise ungeheuer unterschätzt.
Stalin griff dann auf die vorbolschewistische Zeit zurück und sagte u. a.: „Wir haben als Erbe der alten Zeit ein zurückgebliebenes, halbverhungertes und zerstörtes Land übernommen, unsere Aufgabe bestand darin, dieses Land aus dem Zustand mittelalterlicher Finsternis herauszuführen und es auf die Grundlage einer neuzeitlich entwickelten Industrie zu stellen. Die Aufgabe stellt sich so dar: entweder sie gelingt, und unser Land wird in kürzester Frist zu einem mächtigen Faktor in der Welt, oder sie mißlingt und das Land wird zum Spielball der Interessen der imperialistischen Mächte."
Das Schlimmste sei der hunger nach der Technik gewesen, an dem Sowjelrußlcmd damals litt. Man habe nur wenige Voraussetzungen für die Schaffung einer mächtigen Industrie gesehen.
Es habe die Notwendigkeit zu einer furchtbaren Einschränkung auf allen Gebieten bestanden. Starke Nerven, Beharrlichkeit und Geduld seien vonnöten gewesen. Sie hätten aber vielen Genossen gefehlt. Zahlreiche unter ihnen hätten sich auf den Standpunkt gestellt, daß Industrie und Kollektive das Land nicht retten könnten, daß die Arbeiter etwas anzuziehen haben, daß sie mit den täglichen Bedarfsartikeln versorgt werden müßten. Denn die Schaffung einer starken Industrie in dem zurückgebliebenen Land, ,sei ein gefährlicher Brauch. Stalin kritisierte den Plan seiner Gegner und sagte: „Man hätte auch diesen Weg gehen können. Man hätte der Bevölkerung alles das geben können, was das Land verschönt. Damit wäre aber die Zukunft des Marxismus gefährdet gewesen. Dann wäre die Sowjetunion ohne Waffen geblieben, dann hätte sie keine Schwerindustrie gehabt, keinen Maschinenbau und keine Traktoren, keine Flugzeuge und keine Tanks."
Die widerspenstigen Genossen hätten sich nicht immer bloß mit Kritik begnügt. „Sie haben mit der Anzettelung eines Aufruhrs innerhalb der Partei gegen das Zentralkomitee, ja mehr, sie haben diesem und jenem unter uns mit der
Kugel gedroht."
Aber je hysterischer das Geschrei dieser Genossen gewesen sei, desto entschlossener sei der Kampf gewesen. Schließlich habe er, Stalin, den Erfolg errungen. Heute sei der Hunger nach der Technik im wesentlichen überwunden. Heute verfüge das Land über eine mächtige S ch w e r i n d u st r i e, über eine mechanisierte Landwirtschaft und über eine glänzend ausgerüstete Armee.
Aber an Stelle des Hungers nach Technik sei ein neuer Hunger getreten, der Hunger nach Menschen, nach qualifizierlen Arbeitern, die sich die Technik anzueignen und sie anzuwenden verstehen.
Früher habe es geheißen: „Die Technik entscheidet alles". Diese Losung habe die Schaffung einer mächtigen technischen Grundlage ermöglicht. Aber die abstrakte Technik sei tot. Nur d i e Technik, die von Menschen beherrscht werde, könne Wunder schaffen. Wenn das Sowjetland heute Arbeiter hätte, die die Technik bezwingen könnten, dann hätte es drei- und vierfache Er- olge erzielt. Wenn dies aber der Fall wäre, dann
gäbe es nicht diese unerhörte und empörende Behandlung der Menschen und diesen seelenlosen Bürokratismus.
Darauf fei es auch zurückzuführen, daß man mit Menschen unerhört leichtsinnig umgehe, daß man sie mißachte und sie nicht gerade hoch einschähe.
Stalin erzählte ein persönliches Erlebnis, um zu zeigen, daß der Mensch in Sowjetrußland nichts gelte, und forderte: Die alte Losung: „die Technik entscheidet alles" habe heute keine Gültigkeit mehr; die neue müsse heißen: „b i e Menschen entscheiden alles". Der Mensch sei das wertvollste Kapital.
Rur wenn Sowjelruhland sich eine Armee von Menschentechnikern schaffe, werde es nicht auf beiden Beinen hinken.
Zum Schluß betonte Stalin die Nutzanwendung auf die Armee und sagte, die Rote Armee werde er ft dann wirklich unbesiegbar werden, wenn sie in genügendem Maße über erprobte und allen Anforderungen entsprechende Menschen verfüge.
Ein „infamer Pakt".
Französisches Urteil gegen das Abkommen mit den Sowjets. P a r i s, 6. Mai. (DNB.) Das Mitglied der französischen Akademie Louis Bertrand setzt in einem neuen Artikel in „La Presse" seinen Feldzug gegen das französisch - sowjetrussische Abkommen fort. Er bezeichnete es als einen infamen Pakt, der den Krieg bedeute. Die Lehre des Jahres 1914 habe weder dem Volke noch feiner Regierung gedient. „Wir haben uns", so schreibt Louis Bertrand u. a., „jetzt immer weiter von einer Aussprache mit unserem östlichen Nachbarn entfernt. Die Reise nach Berlin scheint endgültig in Frage gestellt zu sein, und das zwingt mich, meine Betrachtungen über die Art einer Verständigung mit Deutschland vorübergehend zu unterbrechen. Gegenüber dem begangenen Verbrechen kann man sich nur entrüsten und nochmals über die Folgen dieses unsinnigen Schrittes Nachdenken."
po!enundder„stratosphärepakt"
Warschau, 6. Mai. (DRB. Aunkspruch.) Der zum Regierungslager gehörende „Expreß Po- rannt)“ schreibt zum franzöfischsowjel- russischen Pakt, die polnische Oeffentllchkeit sei einheitlich der Auffassung, daß die Einstellung Polens zu diesem Vertrag von dem polnischen Inhalt abhängen werde, mit dem die beiden Unterzeichner den Pakt erfüllen, und von den Absichten, die ihr weiteres Handeln bestimmen. Es sei völlig klar, daß der französisch- sowjelrussische Pakt ausschließlich gegen Deutschland gerichtet sei. Aber Deutschland und die Sowjetunion hätten keine gemeinsame Grenze, könnte man sich auch theoretisch einen deutschen Angriff gegen die Sowjetunion von der Seeseite her denken, dann bliebe doch die Frage offen, wo eigentlich die Sowjetunion einem von Deutschland angegriffenen Frankreich zu Hilfe kommen solle. Die politischen Verhältnisse in Osteuropa bewirken, daß der ganze Pakt im luftleeren Raum schwebe, so daß er mit Recht als „stra- tosphärerPakt“ bezeichnet würde. Im Grunde der Sache liege der Schlüssel zur Lage in Polen. Die geographischen Verhältnisse Osteuropas und die politischen Verhältnisse, aus denen die Schlüsselstellung Polens folge, sicherten Polen eine gewisse Bewegungsfreiheit, auferlegten ihm aber gleichzeitig die Rotwendigkeit, konsequent an der Linie fest zuhalten, die Polen seit langer Zelt einhalte, und die ihm nicht nur seine eigene Rolle, sondern auch die wohlverstandenen Pflichten gegenüber ganz Europa auf- erlegteu.
Die Auswirkung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung.
Berlin, 4. Mai. (DNB.) Die Einnahmen des Reiches an Steuern, Zöllen und Abgaben betrugen (in Millionen Mark) im Monat März bei den Besitz- und Verkehrssteuern 499,7 gegen 377,1 im März 1934 und bei den Zöllen und- Verbrauchssteuern 248,1 (201,7). Insgesamt sind also 747,8 (578,8) aufgekommen.
3m Rechnungsjahr 1934 (1. April 1934 bis 31. März 1935) find bei den Besitz- und Verkehrssteuern 4969,1 (4062,5) und bei den Zöllen und Verbrauchssteuern 3248 (2781,9) vereinnahmt worden. Da der Voranschlag für die Besitz- und Verkehrssteuern nur 7073 und für die Zölle und Verbrauchssteuern nur 3004,7 betrug, übersteigt das tatsächliche Gesamtaufkommen von 8217,1 den Voranschlag um 1139,4. Dabei ist der Voranschlag an Zöl/en und Verbrauchssteuern um 120 niedriger angesetzt, als in der Uebersicht über die Einnahmen. Bei diesen 120 handelt es sich um die Gemeindebiersteuer, die im Voranschlag in das Aufkommen an Biersteuer einbezogen worden war, weil sie mit der Reichsbier- fteuer verschmolzen werden sollte. Die Verschmelzung ist nicht erfolgt.
Um das richtige Bild zu erhalten, muh bei der endgültigen Feststellung des Ergebnisses von 1934 der Voranschlag stets mit einem um 120 niedrigeren Betrag, also bei den Zöllen und Verbrauchssteuern mit 3004,7 und insgesamt mit 7077,7 angenommen werden. Oder es muß, wenn der Voranschlag nicht um 120 ermäßigt wird, das Aufkommen um 120 erhöht werden. Das endgültige Jahresaufkommen wird durch das erforderliche Zusetzen und Absetzen von Beträgen, die bis Ende Mär^ 1935 noch nicht haushaltsmäßig nachgewiesen meroen konnten, und durch Berichtigungen voraussichtlich einige unwesentliche Aenderungen gegenüber dem jetzt ausgewiese- nen Aufkommen bis Ende März 1935 erfahren. Bei den Besitz- und Verkehrssteuern ergibt sich für März 1935 ein Mehr von 122,6 und für Die Zeit vom 1. April 1934 bis 31. März 1935 ein Mehr von 906,6 gegenüber den gleichen Zeiträumen des Rechnungsjahres 1933.
Von wichtigen Steuernden zeigt im Rechnungsjahr 1934 die Einkommensteuer eine Zunahme
um 426,9, die körperfchaflssieuer eine solche um 109,6 und die Umsatzsteuer ein Mehr von 356,3, während die kraftfahrzeugsteuer einen Rückgang um 66,3 Millionen Mark aufweist. Das Jahreseinkommen an Einkommensteuer hat den Voranschlag um 445,1 überfliegen. Der Voranschlag der Körperschaftssteuer konnte um 139,5, das sind 77 v. h., überboten werden, der Voranschlag bei der Umsatzsteuer um 172,5. Der bedeutende Anstieg bei der Umsatzsteuer ist aus der Steigerung der Umsätze und Auswirkung der Arbeitsbefchaffungsmahnahmen zu erklären. Das Weniger bei der Kraftfahrzeugsteuer ist auf die Befreiung der erstmalig zugelassenen Personenkraftwagen von der Kraftfahrzeugsteuer zurückzuführen.
Bei den Zöllen und Verbrauchssteuern ist die Entwicklung nicht so günstig wie bei den Besitz- und Verkehrssteuern, obwohl die Einnahmen des Rechnungsjahres 1934 gegenüber 1933 ein Mehr von 466,1 ergeben haben, um auf das tatsächliche Mehr zu kommen, sind von den ausgewiesenen 466,1 die Schlachtsteuerbeträge von 199,8 abzurechnen, weil die Schlachtsteuer erst seit dem 1. Mai 1934 Reichssteuer ist. Ferner sind noch 15,7 an Fettsteuer abzuziehen, weil die Fettsteuer erst vom Mai 1933 ab erhoben wurde. Die tatsächliche Verbesserung im Rechnungsjahre 1934 gegenüber 1933 beträgt also 466,1 minus 215,5 gleich 250,6. Im einzelnen betrug das Mehraufkommen bei den Zöllen 83,5, bei der Tabaksteuer 59,8, bei der Biersteuer 25,1 bei der Zuckersteuer 19,6, bei dem Salzsteuer 2,6, beim Spiritusmonopol 27, bei der Mineralölsteuer 5,9, bei der Fettsteuer 26,7.
Für das Rechnungsjahr 1934 ergibt sich, wenn man eine Gesamtergebnis-Bilanz zieht, bei den Besitz- und Verkehrssteuern eine tatsächliche Verbesserung um 906,6 und bei den Zöllen und Verbrauchssteuern eine solche um 250,6, zusammen also eine Verbesserung in 1934 gegenüber 1933 um 1157,2 Millionen Mark.
Dis Gememdewahlen in Frankreich.
Oie politische Bedeutung der Wahlgänge.
3m ganzen Lande ruhig.
Frauenrechtlerinnen mit Reispuder gegen die Polizei.
Paris, 5. Mai. (DNB.) Der Sonntag stand im Zeichen des ersten Wahlganges zu den Gemeinderatswahlen. Unter etwa zwei Millionen Kandidaten werden in 38 014 Gemeinden rund 450 000 neue Gemeinderäte gewählt. Die Wahlhandlung begann in den meisten Bezirken schon in den frühen Morgenstunden. Nach den vorliegenden Meldungen hat sich die Wahlhandlung im ganzen Lande ruhig vollzogen. In Paris kam es nur im 18. Arrondissement zu Zusammenstößen, wo die weiblichen Kandidatinnen, die — obwohl sie weder ein passives, noch ein aktives Wahlrecht besitzen — eine Demonstrationswahl veranstalteten, um den Beweis zu erbringen, daß die Bevölkerung ihr das Frauenwahlrecht gibt. Die Propagandavlakate der Frauenrechtlerinnen erregten einen allgemeinen Auflauf. Die Polizei mußte die Kandidatinnen ersuchen, ihre wandelnden Propagandaplakate an eine andere Stelle zu leiten. Darüber entstand ein kurzes Durcheinander. Erregte Anhänger der Frauenrechtlerinnen bewarfen die Polizei mit Reispuder, und mehrere Personen wurden auf die Wache abgeführt sowie verschiedene Standquartiere der weiblichen Kandidatinnen geschlossen. Dor der Polizeiwache entstand ein Auflauf der Anhänger des Frauenwahlrechtes, doch brauchten die Hüter der Ordnung nicht weiter einzuschreiten.
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Wie bei den Kammerwahlen wird auch bei den Gemeindewahlen nach dem Majoritätssy- stem mit zwei Wahlgängen gewählt. Im ersten Wahlgang, am 5. Mai, entscheidet die absolute Mehrheit, d. h. um gewählt zu sein, muß man mindestens bie Hälfte aller a b - gegebenen Stimmen auf sich vereinigen. Im zweiten Wahlgang, am 12. Mai, der in allen denjenigen Wahlbezirken notwendig ist, in denen keiner der Bewerber dis ab fohlte MehrheU er
reicht' bat, entscheidet dann die relative Mehrheit; gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhalten hat, ohne daß erforderlich wäre, daß diese die Hälfte alle abgegebenen Stimmen ausmachen.
Schon feit Monaten waren von den französischen Frauenrechtlerinnen erhebliche Anstrengungen gemacht worden, daß zu diesen Grmeindewahlen zum ersten Male auch die Französinnen zugelassen würden. Fast schien es schon so, als ob das Frauenwahlrecht, mit dem sich das französische Parlament bereits zu wiederholten Malen beschäftigt batte, in diesem Jahr eingeführt werden würde. Die Kammer hatte auch schon einem entsprechenden Gesetzesvorschlag zugestimmt, der aber wiederum, wie schon bei früheren Gelegenheiten, an dem hartnäckigen Widerstand der alten Herren des Senats scheiterte. Die Leiterin der französischen Frauenrechtlerinnen, Fräulein Louise Weiß, bewirbt sich trotzdem, um die Stimmung zu erproben, in einem Pariser Wahlbezirk. Sollte sie gewählt werden, so könnte sie natürlich den Sitz im Pariser Gemeinderat nicht einnahmen, sondern müßte ihn an den nächstfolgenden, männlichen Bewerber abtreten.
Wenngleich den Gemeindewahlen in den kleinen Bezirken der Landgegenden und Kleinstädte natürlich nur lokales Interesse Aufommt, so haben sie doch als Ganzes gesehen und zumal in den Haupt- zentren des Landes eine starke politische Bedeutung. Aus verschiedenen Gründen. Die Neuwahlen zur Kammer sind im Fruh. j a h r des nächsten Jahres fällig, falls nicht schon vorher ein Auflösungsbeschluß zustanbekommt. Die Parteien stellen sich bereits heute auf diesen Wahlkampf ein, der seine Schatten weit vorauswirft. So gesehen, bilden die Gemeindewahlen eine Art Generalprobe für bie entscheibenben Kammerwahlen. Es sei nur baran erinnert, baß bie Rabi- kalsozialisttsche Partei im Hinblick auf bie innenpolitische Bebeutung ber bevorstehenden Ge- meinbewahlen es strikt abgelehnt hat, bie außer- orbentlich unpopuläre Einführung der jwei» jährigen Militardienftzstt durch eilt t&h


