Ausgabe 
6.4.1935
 
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Nr. 82 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 6. April (955

Aus der Provinzialhaupistadt.

Oie Fahrt ins Leben.

Vor drei Jahren schrieben wir zur Schulent­lassung: . Das Leben beginnt. So meinen

sie Aber nicht alle. Die jungen Menschen sind ja nun in dem Alter, in dem sie merken, wie es eben in Deutschland aussieht In der Familie, auf der Straße, in den Zeitungen, überall hören und le­sen sie, wie schlimm es mit der Arbeitslosigkeit ist. Da kommt auch ihnen eine Ahnung von der Schwere der Zeit. Und am heutigen Tag der Ent­lassung aus der Schule wird es nicht nur Tränen geben bei denen, die wirklich gern zur Schule gingen, sondern auch bei denen,' die nicht wissen, was sie nun beginnen sollen . . . Das ist die Not der deutschen Jugend, die große Not. Die Eltern sind ratlos, stehen verzichtend bei Seite oder er­grimmt über diese Zustände. Sie selber sind ohne Arbeit, ohne Verdienst. Was soll es mit den Mäd­chen und Jungen geben? Viele, allzu viele können noch nicht einmal eine Lehrstelle erhalten . . ."

Diese schlimmen Jahre sind ja nun hoffentlich für immer vorbei. Es weht ein anderer Wind in Deutschland. Wohl sind wir noch nicht am Ziel, aber die schwere Zeit -liegt doch wie ein wüster Traum hinter uns. Wir hoffen wieder und sehen zuversichtlich iy die Zukunft. Und unsere Jugend erst recht. Tausende und aber Tausende Jungen und Mädchen stürmen nun hinaus ins Leben. Mit glänzenden Augen und voll Begeisterung be­steigen sie das schwankende Schiffleim auf dem sie die Fahrt ins Leben antreten.

Es wird noch sehr oft ins Schaukeln geraten, das Lebensschifflein, es wird viel Mühe' kosten, einen festen und geraden Kurs einzuhalten. Wie oft stellen sich uns noch, kurz vor dem schützenden Hafen, harte Klippen und hohe Felsen entgegen. Wir müssen proben und prüfen, wie wir durch diese Fährnisse hindurchkommen. Dann wieder er­hebt sich ein starker Sturm und wirft das Schiff­lein ganz hinaus auf das offene Meer. Wir müssen es treiben lassen, wie es Wind und Wetter gefällt. Aber mit hartem Willen und kühnem Mut werden auch die stärksten Stürme bezwungen, und wir können glücklich im Hafen landen.

Das Leben bringt uns Menschen gar viele Prü­fungen, und auch unserer Jugend werden sie nicht erspart bleiben. Man kann für die Fahrt ins Le­ben keine Vorschriften mitgeben, man kann keine Regeln aufstellen. Das müssen die jungen Men­schen selber lernen, erproben und erkennen, was gut und recht ist. Aber das Leben und unsere Erfahrungen geben schon Beispiele genug, und diese Beispiele sollen helfen, den Jungen ihren Weg leichter zu machen.

Wenn der Bergsteiger einen hohen Berg be­zwingen will, dann nimmt er sich einen guten Führer mit. Ein solcher Bergführer kennt alle Wege genau und ist mit dem Gebirge vertraut Er merkt die drohenden Nebel und weiß, wo sich gefährliche Gletscherspalten verbergen. Aber auch die bequemsten Wege und die schönsten Aussichts­punkte kennt der Bergführer.

Wer aber eine Bergbesteigung ohne Führer vor­nimmt, der läuft Gefahr, an den schönsten Stellen vorüberzugehen. Und dabei liegen diese Plätzchen vielleicht nur ein paar Schritte abseits von seinem Wege.

So sollen Elternhaus und Lehrherren mithelfen, der Jugend die Wege zu zeigen und sie auch zu den Schönheiten des Lebens führen. Freilich gibt es viele Irrwege, die mit verlockenden Blumen geschmückt sind, und gar zu gern werden diese Wege von der Jugend beschritten, aber sie enden meist an einem Abgrund oder in einer felsigen Wüste.

Der Weg zur Höhe ist manchmal sehr schwer und oft gar nicht zu erkennen. Es gehört viel guter Wille und zähes Aushalten dazu, um zum Ziele zu gelangen. Deshalb müssen wir immer wieder prüfen und versuchen. Was heute nicht geht, das gelingt vielleicht morgen. Auch Rom ist nicht in einem Tage erbaut worden.

Eins aber hat die heutige Jugend, das vor Jahren noch ganz fehlte, das ist die Kameradschaft-

Gießener Frühjahrsmesse im Bilde.

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Links oben: Die Neuheit der diesjähri­gen Frühjahrsmesse auf dem Oswaldsgarten, das Zeppelin-Karussell, mit dem man 12 Meter hoch und außerdemum die Erde" fliegen kann.

Rechtsoben: Der Scherzartikel-Stand, der auf keiner Messe fehlen darf.

Linksunten: Die Kinder vor dem Ka­sperletheater. Das Ka­sperletheater hatte dies­mal unter seinen Mit- wirkenden auch einen lebenden Affen.

lichkeit, die sie in der Hitlerjugend, bei dem BdM. und in der SA. findet. Es ist eine große Gemein­schaft, die deutsche Jugend, nicht mehr in Grüpp­chen zerteilt und zersplittert. Und das Lebens­schiff der Jungen fährt mit einem Lotsen, der sie sicher und unbeirrt durch die Klippen und Sand­bänke geleitet, das ist der deutsche Staat und seine Regierung. Der Führer weiß, daß das nhpe Deutschland der Zukunft in den Händen der Jun­gen liegen wird und daß sie voll und ganz er­reichen, was heute noch nicht vollständig möglich ist: ein großes, starkes Deutschland!

Und deshalb fahren unsere Jungen und Mädchen unter dem starken Schutz unserer Regierung hin­ein ins Leben, und wir Eltern stehen erwartungs­voll am Ufer und wissen, daß ihr Schifflein wohl­behütet sein wird, wenn sie selber nur ein wenig mithelfen wollen beim Steuern. Und das wollen sie doch alle. D.

Ostereier-Sammlung der ASV.

Hausfrauen!

Wir wollen den Bedürftigen eine Osterfreude bereiten und sammeln in den nächsten Tagen frische Lier. Sorgt Luch für einen kleinen Vorrat und gebt den Gehilfen des Osterhasen reichlich! >

NS.-Volkswohlsahrt

Kreisamtsleitung Gießen.

Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Giehen-Güd

In der Zeit vom 9. bis 11. April erfolgt die Aus­gabe der Opferringkarten Mir Pfund­sammlung. Gleichzeitig werden die Pfundpakete für den Monat April in Empfang genommen.

In den gleichen Tagen wird die diesjährige Ostereiersammlung durchgeführt.

Volksgenossen! Bewahrt Euren Opfersinn auch weiterhin!

Eiersammlung in der OrtsgruppeMitte

Das Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Mitte, teilt mit, daß am Dienstag, 9. A p r4I, die Oster-Eiersammlung stattfindet. Die Eier werden von den Jungmädeln im BdM. ab­geholt. Wir bitten die Hausfrauen, die Eier ob 9 Uhr vormittags bereit zu halten.

Heil Hitler!

Amt für Volkswohlfahrt.

Seutfthe Arbeitsfront.

NS.-GemeinschaftKraft durch Freude".

Ein Madeira-Fahrer erzählt von seinen Erlebnissen. Am kommenden Montag hält Pg. W o b k e r in Heuchelheim in der Turnhalle einen Lichtbildervortrag über seine Er­lebnisse. auf der Madeira-Fahrt. Wir bitten unsere Arbeitskameraden, diesen hochinteressanten Vortrag zu besuchen. Beginn:' 20 Uhr.

Heidelbergsahrt. Für die Heidelberg-Fahrt

am 5. Mai können noch 400 Meldungen angenom­men werden. Meldeschluß ist der 15. April. Bis zu diesem Tage müssen die Fahrpreise allgemein ein- gezahlt sein.

Sonderzüge für den Samstag. Betr. Schumanntheater.

Nach Beendigung der Vorstellung am Samstag gehen Sonderzüge nach Londorf um 23.50 Uhr und nach L i ch um 23.30 Uhr. Karten sind noch an der Abendkasse in der Volkshalle zu haben. Preisermäßigung für die Sonderzüge durch Sonn­tagskarten oder Gesellschaftsfahrkarten.

Amt für Verufserziehung.

Verufsgruppe der Werkmeister.

Der Lehrgang für die Fachgruppe Tabakindustrie Die Entstehung und Verarbeitung des Tabaks" findet am Sonntag, 7. d. M., vormittags 9 Uhr, in Rodheim a. d. B i e be r statt, und zwar in der Gastwirtschaft Bechthold. Die Berufskameraden aus Gießen fahren mit der Biebertalbahn um 8.20 Uhr und treffen sich spätestens um 8.15 Uhr am Bieber-^ tal-Bahnhof

Oie DA!?, aibt Darlehen.

Dem in der Deutschen Arbeitsfront erfaßten Mit­telstand aus Handel und Handwerk ist durch die AbteilungSonderhilfe" eine Darlehenseinrichtung geschaffen worden, die ihm durch die Gewährung eines Darlehens die Erhaltung der Existenz im Falle derNot ermöglicht, oder den Aufbau einer neuen Existenz begründet. Die Darlehen werden nur an solche deutsche Volksgenossen gegeben, die durch ihre charakterlichen Eigenschaften und fachlichen Kennt­nisse Gewähr dafür bieten, daß ihnen mit dem Darlehen die Erhaltung ihrer Existenz bzw. der Neuaufbau einer solchen ermöglicht wird. Die Dar­lehen dürfen nur im Dienste des Arbeitsbeschaf­fungsprogramms verwendet werden, z. B. für den Einkauf von Waren, Maschinen, Arbeitslöhne usw. Ausgeschlossen ist die Verwendung der Darlehen zur Tilgung von Schulden und Hypotheken. Die Höhe der Darlehenssumme ist zur Zeit begrenzt. Es werden Darlehen bis zu 500 Mark (Fünfhun­dert) gewährt. Die Gebühren sind niedrig und be­tragen 0,25 Mark per 100 Mark und Monat. Die Tilgung erfolgt durch monatliche Raten, deren Höhe, unter Berücksichtigung des Existenzminimums des Empfängers, seitens der Deutschen Arbeitsfront fest­gesetzt wird. Grundsätzlich soll jedoch das Darlehen innerhalb zwei Jahren wieder getilgt sein.

Kleiner Bachabend desGingkreis Gießen".

Die Tatsache, daß vor 250 Jahren Bach und Händel geboren wurden, hat der musikalischen Welt Veranlassung gegeben, ihrer in besonderem Maße zu gedenken. Landauf und landab, in Schulen und Vereinen findenBach-Händel-Schütz-Feiern" statt (Schütz, einer der größten Musiker seiner Zeit, ist genau 100 Jahre früher geboren), ja sogar aus Japan wird gemeldet, daß man dort diese Meister durch Aufführungen ihrer Werke würdigt. Durch diese Feiern wollen wir bartun, daß wir wohl wissen, was wir den Meistern schuldig sind. Sie sind es vor allen Dingen gewesen, die unserer deut­schen Musik Weltgeltung verschafften. Und fast scheint es, als steigere sich die Größe und Eindring­lichkeit ihrer Werke, je mehr uns die Schöpfer zeit­lich entrückt werden.

Zu den Vereinigungen, die sich die Pflege wert­voller alter Musik, wie wir sie vor und um Bach in reichem Maße besitzen, besonders angelegen sein lassen, gehören ohne Zweifel die Singkreise. Im Hinblick auf das Ziel ihrer Arbeit ist es nicht verwunderlich, daß sie zahlenmäßig nicht besonders stark sind, aber es wird mit Lust und Freude bei ihnen musiziert. Die Veranstaltung des Gießener Singkreises nannte sich bescheidenKleiner Bach­abend". Das äußerlich schon recht liebevoll aus­gestattete Programm bot aber in feiner Auswahl einen Ueberblick über fast das gesamte Schaffen des Leipziger Thomaskantors, mit Ausnahme der Orgel. Wie der Veranstalter und Leiter, Herr Siegler, in feinen einleitenden Worten betonte, wollen die Darbietungen keinesfalls im üblichen

Was bisher kein Lebender fah - wir find Zeugen

Bon Heinrich Hauser.

Eine Zusammenstellung von nüchternen Tatsachen, und doch eine glühende Hymne auf eines der größten Erlebnisse unseres Zeitalters so stellt sich uns das Bekennt­nis des Dichters und Fliegers Heinrich Hauser zur Luftfahrt dar.

Wir, die wir heute dreißig Jahre oder älter sind, haben sie geschaut: Die ersten Drachenflieger. Aus hölzernen Schuppen Schafställen verzweifelt ähnlich rollten sie über den jungfräulichen Ra­sen desAerodroms". Höchst unheilschwanger sahen sie aus, und das waren sie auch: Drahtkommoden, Oelsardinen", knatternd, seu^speiend, bebend, schwankend in der Luft wie Schmetterlinge und ebenso zerbrechlich. Sie setzten ihr Leben ein mit jedem Sprung, mit jedem Flug, jene ersten Pilo­ten im verölten Lederzeug. Wer von ihnen lebt heute noch? Man schalt sie vermessen.Wissen­schaftlich" bewies man ihnen die Unmöglichkeit ihres Ziels. Den wirtschaftlichen Fehlschlag des Menschenflugs rechnete man ihnen für alle Zeiten vor.

Sie hörten es nicht, die Besessenen der Idee *

Wir sahen die Vorkrieg-Zeppelin e. Sie setzten den Himmel in Aufruhr. Pogelschwärme drückten sich unter dem Donner der Motoren tief ins Gezweig. Eines Tages hielten wir einen Brief in der Hand, der war mit dem Zeppelin befördert worden. Die Alten schüttelten die Köpfe: War die Eisenbahn nicht sicherer und schneller? Nur die Markensammler schmunzelten.

*

In uns Jungen brannte die Sehnsucht: Flie­gen! *

Es kamen die großenU e b e r l a n d f l ü g e", es kam das Ringen der Motoren und Leichtgewicht, Zuverlässigkeit und Leistung,Ueberlandslüge" kann sich noch einer vorstellen, was es damals be­deutete, sich über die Umgebung der Flugplätze hinauszuwagen?

Es kam der Krieg.

1914 packte man einen Karabiner in die Kiste Mtib meinte, man hätte nun ein Kampfflugzeug.

Wir wissen, was sich bis 1918 (und seither!) auf dem Gebiet ereignet hat. Wir tragen Namen im Herzen, die wir bis ans Lebensende nie vergessen werden: Jmmelmann, Boelcke Richt­hofen

Nachkrieg: Zu nefiaen ©cb^iterbaufen aet'^mt, verbrennen in Deutschland Tausende von Flug­zeugrümpfen: Auf Befehl! Schmiedehämmer zer­schlagen die Wunderwerke der Motoren: Auf Be­fehl! Einige wenige Maschinen bleiben am Leben. Man hat sie umgebaut. Den Rumpf überwölben sonderbare, postkutschenartige Kästen. Man be­fördert darin Post und Passagiere.

Das ist die Keimzelle der deutschen Lufthansa.

Weil sie mit dem Motor nicht mehr fliegen kön­nen, haben ein paar Fanatiker der Idee wieder da angefangen, wo Lilienthal endete: Beim Segelflug. Wo die Füchse sich Gute Nacht sagen, in den Dünen der Nehrung, auf den un­wirtlichen Höhen der Rhön üben sie ihr sonder­bares Handwerk.

1921: Das sind keine Gleitflüge mehr, wie die von Lilienthal: der Schultz, der Martens und noch ein paar andere fliegen wirklich! Stundenlang und viele Kilometer weit. Geheimnisvolle Strö­mungen im Luftmeer tragen sie, die Vogelmenschen, die Segler; reinste Verkörperung uralter Mensch­heitssehnsucht

1925: Es gibt immerhin einige Fluglinien in Deutschland. Die großen Vögel blinken in der Sonne Metall! Der Bauer schaut kaum mehr auf vom Pflug, gleitet der Schatten der Maschine über ihn hinweg. In den Dörfern an der Strecke fängt man an, die Uhren nach dem Flugzeug zu stellen: der Vogel ist pünklicher als manche Kirch­turmsglocke.

Geschäftsleute entdecken, daß Luftpostbriefe doch erheblich Zeit ersparen. Eigentlich geht da kaum ein Brief verloren. Wenn man's richtig über­legt, gar keiner. Da könnte man doch auch sich selbst dem Flugzeug anvertrauen ...

Es gibt schon Leute, die das tun. Und diese Leute haben Erfolg im Leben.

1926: Die Mauern des Luftraumes über d e m Ozean sind gefallen! Die Pioniere großer Luft­straßen stehen so leuchtend am Himmel unseres Zeitalters wie die Entdecker der. großen Handels­

straßen auf dem Meer, wie jene, so werden auch ihre Namen Jahrhunderte überdauern.

1930: Wir treten ein in den Bereich des kurz­lebigen Gedächtnisses unserer Zeit. Die Ursache dieser Kurzlebigkeit liegt in der Fülle des Ge­schehens. Der Fluggedanke breitet sich über die Welt wie ein Lauffeuer.

Die letzten weißen Globusflecken wer­den aus der Luft erforscht und erschlossen. Große Jnselvölker leben praktisch auf keiner Insel mehr. Nationen werdenluftfahrend" so wie sie früher seefahrend" wurden.

In endloser Kette werden Höchstleistungen heute aufgestellt morgen übertroffen.

Dem Rekordflug folgt die Fluglinie auf dem Fluß, und die Luftlinien weben den Erdball in ein neues Netz, nicht weniger dicht als das der Eisenbahnen und der Schiffe.

*

1935: Nur ein Genius könnte ermeffen, was die Eroberung der Luft für die Zukunft der Mensch­heit bedeuten wird. Schon greift man nach den Sternen! Schon bringt man in Räume ein, in denen die menschliche Natur so wenig lebensfähig ist wie unter Wasser!

Wir Menschen des Alltags, der Strenge eines nüchternen Berufs verhaftet, haben beinahe unbe­wußt die Wandlung erlebt: Vom Wunder des Menschenfluges zur Selbstverständlichkeit. Wir wissen:'Der Brief, den du heute in den Kasten wirfst, liegt zweieinhalb Tage später auf dem Schreibtisch des Geschäftsfreundes in Pernambuco.

Das Ersatzteil für dein Auto, heute in Berlin be­stellt, ist morgen in Rom.

Du mußt früh in Berlin im Büro sein, nachmi- tags bei einer Besprechung in London und abends in Paris: Das Flugzeug schafft's.

Das klingt sehr nüchtern.

Aber indes wir völlig sachlich zu denken und zu handeln meinen, geschehen Wunder: Menschen mit kürzeren Nervenbahnen, mit arößerer Reaktions­geschwindigkeit, mit anberm Fühlen und Denken: der neue Mensch.

Noch immer hat der Weg zur Menschheit zu fernen Horizonten nie ansEnde der Welt", son­dern stets zu noch weiteren und ferneren Horizon­ten hingeführt.

Wir fühlen die Größe unseres Zeitalters in der Erfüllung des Traumes:Ich bin frei, ich bin frei, wie ein Vogel bin ich frei!"

Kauft und Wissenschaft.

Ein neues Stück von Vernarb Shaw.

Das Hamburger Thalia-Theater hatte einen großen Abend: Vernarb Shaws neue Komöbie D i e Insel b e r Ueberraschungen", bie selbst in Englanb noch nicht gespielt worben ist, gelangt zur beutschen Uraufführung. Der achtunbsiebzigjährige Ire, ber englischer ist, als er selbst zugesteht, gibt in biesem neuen Werk eine Zusammenfassung seiner geistigen Welt. Gesell­schaftskritik findet sich bnrm ebenso w'" *»e Ver­herrlichung ber werteschaffenben Lebenskräfte; auch bie Wenbung zur Religiosität ist nichts N ues, obwohl Shaw sie noch nie so bmHtrb betont hot. Das Stück spielt auf einer Sübseeinsel, bie zum britischen Reich gehört. Aus biefer erdichteten In­sel ber Ueberraschungen, bie zu einem Spiegelbild der Welt, richtiger ber britischen Welt, wirb, ver- binben sich allerlei komische unb närrische Leute zu einer Gemeinschaft, bie eine neue Art Mensch er­schaffen will; aus einer kleinen Zelle soll eine tau- sendjährige Weltkultur aufwachsen. Die Komö­bie, bie Hans-Robert Bortfelbt geschmackvoll in Szene fetzte, würbe sehr beifällig ausgenommen.

Das Frühjahrsprogramm des Verlaaes Ullstein und des Propyläen-Verlages, Berlin.

Ullstein unb Propyläen-Verlag bringen in biesem Frühjahr folgenbe Neuerscheinungen heraus: Chri­stian Röck: Die Festung im Gletscher. Vom Hel­dentum im Alpenkrieg. Mit vielen Bilbern. Ernst Vollbehr: Bunte, leuchtenbe Welt. Die Lebensfahrt bes Malers Ernst Vollbehr. Ri- charb Boleslawski: Polnische Ulanen. Ro­man. Paul Wiegler: Schicksale unb Ver­brechen. Die großen Prozesse ber letzten hunbert Jahre. Curt Strohmeyer: Meister Bokert, ber Herr ber Wasserburgen Ein Biberroman, mit 40 seltenen Bilbern. Luther lebt! Seine Tischgespräche. Ausgewäblt für unsere Zeit von Hermann M u l e r t. Rubolf van Wehrts, Morro Castle. Die Sterbestunbe eines Schiffes. Die Küche unb ihre Jahreszeiten. Das große beutfche Kochbuch, herausgegeben von Dr. E. Urban unb Barbara von Treskow Das kluge Alphabet, Konversations-Lerikon in 10 Ganzleinen-Bänben. Von diesem Volks« lexikon erschien der 7. Band.