(Sofhaf 14facher Lebensretter.
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Der Gefreite Goltz von der 1. Kompanie der Nach' richten-Äbteilung Potsdam bekam vom Führer und Reichskanzler für die Errettung von 14 Menschen vor dem Tode des Ertrinkens die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Außerdem wurde Goltz zum Unteroffizier befördert. Unser Bild zeigt die Ueberreichung der Rettungsmedaille durch Oberstleutnant R u ß w u r m.
Zeit des Abschusses bis zum Eintreffen des Spreng- Punktes (Krepieren des Geschosses in der Luft) seine Stellung in der Luft und zwar im Unterschied von einem sich bewegenden Erdziel (z. B. vorgehende Kavallerie) in drei Dimensionen — Höhe, Entfernung, Seite — sehr erheblich ändern kann. — Das sind die Löcher, die wir in die Luft schossen, aber nicht absichtlich, denn der Flieger nützte seine ganze Manöverierkunst aus, um unseren Schüssen auszuweichen.
Frühjahr 1915 umfaßte die BAK.-Waffe, |nöter ob 1916 „Flak" genannt, bereits 175 Geschütze, deren Gefechtswert mehr als zweifelhaft war, denn der weitaus größte Teil bestand aus 9-cm-Kano- nen, die auf Holzsockeln notdürftig montiert und deren ballistische Leistung zum Fliegerschießen ungenügend waren. Man hat diese Mängel noch rechtzeitig erkannt und so wurde der jetzige Generalleutnant a. D. Grimme, der heutige Präsident des Reichsluftschutzbundes und Führer des Waffenrings der Flugabwehr (Flakwaffenring) e. D. — (d. i. die kameradschaftliche Vereinigung aller ehemaligen Angehörigen der Flugabwehr im Weltkriege und in die jeder ehemalige Flakkamerad eintreten soll) — von der Obersten Heeresleitung im Einvernehmen mit dem Kriegsministerium mit der Stellung eines Inspekteurs der B A K. (— Flak —) im Großen Hauptquartier betraut.
Die erste Sorge dieses Flak-Führers galt der Schaffung eines neuen Geschützes, das
den Anforderungen an eine wirksame Flugzeugbekämpfung einigermaßen entsprach. Mit großen Schwierigkeiten kämpfend gelang es dem Flak- Inspekteur im Laufe des Krieges 1000 neue pferdebespannte Geschützte und solche auf Kraftwagen herauszubringen, deren artilleristische Leistung für eine erfolgreiche Flugzeug-Bekämpfung ausreichend war. Außerdem wurden vor allem Beeutegeschütze für Flakzwecke umgebaut. So kam es, daß am Ende des Krieges nicht weniger als 25 (!) verschieb bene Geschützarten als Flak benützt wurden, aber es blieb keine andere Wahl, denn wir hatten ja in Deutschland Rohmaterial-Mangel: auch konnten die Geschützfabriken so rasch wie gewünscht nicht liefern. Für die Munitions-Beschaffung war dieser Umstand sehr nachteilig, denn die Beutemunition, die für Erdziele bestimmt war, ergab in höheren Luftschichten bis zu 80 Prozent Versager. Aber auch dieser Uebelstand wurde nach und nach beseitigt und so kam es. daß mit der Entwicklung der Geschütze und Munition, auch die Flakgeräte, die erst ein erfolgreiches Fliegerschießen ermöglichen, nämlich Entfernungsmesser, Kommandogeräte, Scheinwerfer und Horchgeräte Schritt hielten. — Am Ende des Krieges verfügte die Flakwaffe über rund 2600 Geschütze, 720 Scheinwerfer, 4000 Fahrzeuge, 2800 Offiziere, 55 000 Unteroffiziere und Mannschaften und 17 000 Pferde.
Berücksichtigt man die erheblichen Schwieriakei- ten, mit denen die Flakwaffe gegenüber der Fliegertruppe hinsichtlich Material- und Personalbeschaffung zu kämpfen hatte, und bedenkt man, daß Kraftwagen-Flak und bespannte Flak-Batterien und -Züge bei der Offensive und Defensive in der Kampflinie als Jnfanteriebegleit-Batterien ihren Dienst versahen und sowohl gegen Luft- und Erdziele — Tanks, Infanterie, Kavallerie und Artillerie — gekämpft und damit Front, Etappe und Heimat gemeinsam mit unserer ganz hervorragenden Fliegertruppe gegen feindliche Fliegerüberfälle wesentlich beschützt haben, so kann sie mit Stolz auf ihre Leistungen zurückblicken.
Nicht nur die Geschütze, Maschinenkanonen und -Gewehre waren es, die Flieger abschossen, sondern auch die Flakscheinwerfer betätigten sich mit Erfolg beim Abschuß „mit Licht". Manches Flugzeug, das im Scheinwerferkegel mal gefaßt war, wurde zur Landung gezwungen, weil der Flieger, vollständig geblendet durch den Lichtstrahl, plötzlich die Orientierung verloren hatte. Und nicht allein das Abschießen und die Abwehr war die Aufgabe der Flugabwehr, auch der W a r n d i e n st gehörte dazu. Jedes feindliche Flugzeug wurde, wenn es unsere Linie überflogen hatte, d. h. durchbrochen hatte, sofort nach rückwärts gemeldet. Die Meldungen wurden ausgewertet und die Orte, die in der Flug^ichtung des feindlichen Fliegers lagen, dadurch rechtzeitig alarmiert. Nicht nur die Flakbatterie in der Heimat, die einen verantwortungsvollen und anstrengenden Dienst hatten, sie standen im Dienste vor dem Feinde, und wichtige Industrie- und Verkehrs-Anlagen schützten, erhielten diese Meldungen rechtzeitig, auch die zivile Bevölkerung konnte sich rechtzeitig in die Keller retten.
So sah unsere Flugabwehr bei Beendigung des Krieges aus! Die Tradition in der Reichswehr ist ihr leider genommen, weil die Feindmächte diese im Weltkrieg geborene Waffe fürchten und achten gelernt und sie dadurch im Versailler Vertrag verboten haben. Verboten gemeinsam mit Flugzeugen und schwerer Artillerie, die die anderen im Ueberfluß haben. In Belgien ist es doch schon so weit, daß fast jeder lebenswichtige Betrieb seinen eigenen Luftschutz hat, aber nicht den „Passiven", wie wir im Reichsluftschutzbund, sondern den „Aktiven". Kommt heute Alarm über Belgien, so lassen die Männer den Schraubstock und die Maschinen stehen, den Federhalter fallen und rennen an b i e Maschi - nengewehrstände ober in bie Batterie- stellungen, sofern sie nicht zur kämpfenben Truppe einberufen sind, um aktiv mitzuwirken. Auch Frankreich u n b Englanb haben ihre
Flugabwehr erheblich ausgebaut und, wenn sie uns auch weismachen wollen, daß die Flakwaffe Überholt fei, da man heute schon geräuschlos fliegende Flugzeuge habe, so ist das nicht wahr! Denn gerade diese Mächte sind es, die in letzter Zeit, die Flakwaffe v e r st ä r k t haben und schon Geschütze bis zur Reichhöhe von 14 000 Meter und Reichweite bis zu 23 000 Meter besitzen.
„Es ist eine zynische Grausamkeit, einem Lande den Luftschutz zu verbieten"! Diese Worte sprach der belgische Delegierte auf der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf, Mai 1926. Und wie sieht es bei uns aus? Uns ist der aktive Luftschutz verboten! Unser Führer und Reichskanzler Adolf Hitler lehnt den Krieg ab, er will den Frieden. Aber einen solchen der Gleich- berechtigung und der Ehre für Volk und Vaterland! Damit hat der Führer uns den Weg bereitet, damit auch uns auf friedlichem Wege u n - fere reine Abwehrwaffe „F l a k" wieder gegeben wird, denn „Luftschutz tut not!" Damit, liebe Kameraden, habe ich Euch das wesentlichste von der Flakwaffe gesagt und Ihr wißt nun, daß auch diese Waffe ein wichtiger Faktor zur Verteidigung unserer lieben Heimat war und wieder werden muß. Kn.
Neue französische Nurchbruchsianks.
Die Franzosen spezialisieren sich immer mehr auf den sogenannten Durchbruchstank, also einen Kampfwagen auf Raupen, der besonders stark gepanzert ist und schwere Waffen besitzt. Daneben geht allerdings die Modernisierung der kleineren und mittleren Tanks, über die bie
Armee in großer Zahl verfügt, flott weiter. Cs ist schon einige Zeit her, als zum ersten Male bei den französischen Manövern ganz besonders schwere Panzerwagen zum Einsatz gelangten. Sie dürfen als eine direkte Fortsetzung der aus der Knegszeit bekannten großen englischen Tanks angesehen wer- den. Von dem Typ „Char 2 C“, der lange geheim gehalten wurde, sind seinerzeit sofort etwa hundert Stück in die Armee eingereiht worden. Doch der Tank ist eine Waffe, die noch immer in der Entwicklung steckt und vor allem ihren Herstellern deswegen besonders große Kopfschmerzen macht, weil die Formel noch nicht gefunden ist, die einem ganz starken und schwer bewaffneten Wagen die gleiche Geschwindigkeit verleiht wie dem kleinen Ein- oder Zwei-Mann-Tank. „Char 2 C“ hatte ein Gewicht von 62 Tonnen, ein 75-Milli- meter-Geschütz und vier Maschinengewehre. Doch bald war dieser Wagen verbessert. Es konnte noch ein 15,5-Zentimeter-Geschütz eingebaut werden. Dieser Typ „D“ mit einem Gewicht von 92 Tonnen fand ebenfalls Eingang in die Armee, ist aber bereits wieder überholt. Denn jetzt hört man etwas von einem Tank D 2, der etwa die gleiche Bewaffnung besitzt, 12 Kilometer Stundengeschwindigkeit entfalten kann und sich vor allem durch seine dicken Panzerplatten auszeichnet, die so stark sein sollen, daß ein mittleres Artilleriegeschoß abprallt. Die geringe Geschwindigkeit macht natürlich eine gute Panzerung notwendig, weil langsamer fahrende Tanks leichter von der Artillerie unter Feuer genommen werden können. Sehr wahrscheinlich wird auch dieser Typ in absehbarer Zeit durch eine Neukonstruktion ab gelöst werden, da der Jdeclltank noch nicht erfunden ist.
Kulturpolitische Streiflichter aus der Sowjetunion
Von unserem ^.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Moskau, März 1935.
Seit dem Abschluß des Sowjetkongresses ist auf dem Gebiet des Ausbaues des Rätesystems eine Reihe von Fragen aufgetaucht, die vielleicht besser als politische Abhandlungen es vermögen die inneren Zustände des Landes beleuchten. Es ist seit je das Kennzeichen des bolschewistischen Regimes, daß alle öffentlichen Funktionen des Staates und der herrschenden Partei und alle Bezirke des privaten Bürgerlebens einer ständigen Umorganisierung unterworfen sind, so daß seit der kommunistischen Revolution von einer ruhigen Stetigkeit der inneren Entwicklung nicht die Rede sein kann. Hinzu kommen zwei Ursachen, die ftets den Zuständen ihren besonderen Stempel ausgedrückt haben: Wissenschaft, Schule, Literatur und überhaupt alle Geistigkeiten sind in der Sowjetunion parte iisiert, kollektiviert, mit kommunistischen Dogmen durchdrungen. Die Partei- aufsicht ertötet jede private Initiative, die Kontrolle selbst über die Gedanken hat ernste wissenschaftliche Forschung unmöglich gemacht. Ein Mißvergnügter schrieb vor kurzem ganz offen in der „Prawda": „Es ist überall nur von der Anwendung des Kommunismus die Rede, die Parteimäßigkeit und die marxistische Dialektik spielen in jedem technischen Prozeß die gleiche beherrschende Rolle, wie sie überall, von der Mikrobiologie und bis zur Schuhmacherei, ausschlaggebend sind."
Sodann haben aber die Unzulänglichkeit der Mittel, der geistige Tiefstand und die wirtschaftliche Notlage den Kampf um eine wesentliche Besserung a u f lange Jahre hinaus aussichtslos gemacht. Es werden zwar oft umfassende Sanierungspläne verkündet, die aber im großen und ganzen auf dem Papiex stehen bleiben. Es werden Einzelmaßnahmen durchgeführt, die aber schon zehn Kilometer vom Kreml entfernt nicht mehr durchgeführt werden — „Rußland ist groß und der (rote) Zar ist weit" — und schließlich siegt noch immer die
Wurstigkeits-Stimmung des Durchschnittsrusien: Es wird schon irgendwie gehen!
Es sind jetzt über 15 Jahre her, daß Lenin fein berühmt gewordenes Dekret über die Beseitigung des russischen Analphabetentums herausgab. Es wurde die a 11 g m e i n e Schulpflicht eingeführt, und auch die erwachsenen Russen sollten bis in die allerältesten Jahrgänge hinein im Lesen und Schreiben unterwiesen werden. — Seitdem sind, wie gesagt, 15 Jahre vergangen. Eine Erscheinung, die man auch auf anderen Gebieten immer wieder feststellen kann, zeigte sich hier mit besonderer Deutlichkeit: Drei- oder viermal in dieser Zeit — immer, wenn ein neuer von Stalin festgesetzter Termin endlich die „Liquidierung des Analphabetentums" bringen sollte -- wurde außerordentliche Betriebsamkeit entfaltet. Man sah, wie alle Mütterchen von kleinen Knirpsen in der Lesekunst unterwiesen wurden, wie abge- müdete und verhärmte Arbeiter nach ihrer Fabrikarbeit sich abends abmühten, ihre Krähenfüße auf eine Schreibtafel zu malen, wie in den Kollektivdörfern nach dem schweren Tagesschaffen auf dem Felde die Bauern und Bäuerinnen sich im Klub oder im Dorfsowjet in die Geheimnisse einer Fibel einweihen ließen. Dieser Eifer ebbte aber immer wieder ab. Der e r ft e Termin für die „endgültige Liquidierung des Analphabetentums", der zehnte Todestag Lenins, ging vorüber — die Aufgabe, „der Plan" war noch nicht erfüllt! Dann wurde als nächster Stichtag der 1. Januar 1930, schließlich der Beginn des zweiten Fünfjahresplans festgesetzt .. .
Alle diese Termine sind läng st vorbei, „die
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24 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Frau Henriette streichelte behutsam das Haar des Mädchens und sagte bann mit etwas schwankender Stimme: „Das ist doch selbstverständlich, Kind. Ich habe seinerzeit, als ich deinem Vater mein Jawort gab, ganz genau auch die Pflichten erwogen, die mir gegen euch erwuchsen. Ich hoffe auch, daß es ohne allzu drückende Einschränkungen gehen wird. Die alte Nanne muß wieder allein die Küche führen. Auch einem der Zimmermädchen habe ich bereits gekündigt. Der Verwalter spart den Eleven ein, und das zweite Auto wird verkauft. Luzie hat zwar gemeint, daß die Jagd und auch die Fisch- wasser verpachtet werden müssen, aber es läßt sich nicht anders machen. Bob soll im nächsten Semester in München weiterstudieren."
Klaudines Gesicht hob sich langsam. „Wenn du mich entbehren könntest — möchte ich mich gern um eine Stellung umsehen."
„Ich kann dich nicht entbehren", sagte die Stiefmutter ernst.
„Mutter--!"
„Ich danke dir, mein Kind." Von ihrem Arm umschlossen, lag Klaudine an der Brust der Stiefmutter.
Unten fuhr eben der Schlitten vor, der Bob und Luzie aus der Stadt brachte.
*
Gare du Nord.
Ein kalter, regnerischer Februartag mit huschenden Gestalten in hochgeschlagenen Mantelkragen und tief hinein versteckten Gesichtern.
Er ist nicht gekommen, dachte Niels' Diener, als er am Bahnhof zum dritten Male die Wagenreihe entlang lief, ohne etwas von seinem Gebieter zu erspähen. Plötzlich klopfte ihm jemand von rückwärts auf die Schulter. „Suchst du mich?"
Er schrak wie ein ertappter Sünder zusammen. „Gewiß, gnäbiaer Herr! Ich bitte zu verzeihen, baß ich Sie übersehen habe."
„Du hast mich einfach nicht erkannt", korrigierte Pöttmes lächelnd. „Sag' nicht „Nein", bu bist schon rot geworben. Laß bie Koffer bem Gepäckträger. Hier ist mein Fahrschein. Ist Oskar draußen?"
„Gewiß. Wenn der gnädige Herr einen Augenblick warten wollten —'
„Nicht nötig. Ich finde mich schon selbst zurecht. Wurde mein Bruder verständigt?^ Das hat er nun wieder nicht mehr gehört, dachte Niels Pöttmes,
als er keine Antwort darauf erhielt, durchschritt die Bahnhofshalle und sah davor seinen Wagen stehen.
Der Chauffeur saß am Führersitz und hielt den Blick aufmerksam auf den Ausgang gerichtet.
„Guten Tag, Oskar."
Ein erstauntes Seitwärtsdrehen des Kopfes, dann in offenkundiger Verwirrung: „Der gnädige Herr!"
„Wir müssen noch auf Gottfried warten! — Wie geht's?"
„Danke, Herr Pöttmes. Darf ich mir erlauben, nach Ihrem Befinden zu fragen?"
„Wie du siehtst", lächelte Niels schmerzlich, „zu breioiertel wieder in Ordnung. Warum ist denn Bob nicht mitgekommen?" Er sah an dem verlegenen Achselzucken, daß man ihm eine unangenehme Nachricht vorenthalten wollte. „Krank?"
Als Erwiderung kam abermals dieses Achselzucken. Dann nahm sich Oskar Mut: „Herr Bob ist nicht mehr in Paris."
„Na hören Sie", unterbrach Niels ihn aufgeregt, „wo in aller Welt sollte er denn sonst sein? Ich habe vor fünf Tagen noch eine Karte von ihm von hier aus erhalten."
„Unmöglich! Gottfried und ich sind noch vorgestern, gestern und heute in feiner früheren Woh- nung gewesen und haben der Dame, bei der er gewohnt hat, zugesetzt, uns zu sagen, wohin er verzogen ist. Sie hat es nicht gewußt. Herr Bob habe persönlicher Verhältnisse wegen schon zu Weihnachten das Zimmer gekündigt, vor etwa drei Wochen seine Koffer bei ihr geholt und sei seither nicht wiedergekommen."
„Das sind ja nette Geschichten! — Sagen Sie mal", wandte sich Niels an den Diener, der eben mit dem Gepäckträger an den Wagen trat, „haben Sie denn schon auf der Polizei nachgefragt, wie die neue Adresse meines Bruders lautet?"
Gottfried bejahte. „Ich konnte aber nur in Er- fahrung bringen, daß Herr Pöttmes abgemeldet ist. Eine neue Anmeldung ist nicht mehr erfolgt."
Niels überlegte einen Augenblick. „Wir werden ja sehen", meinte er dann, nun schon wieder ruhiger geworden. „Was macht Elisabeth?"
Ein verstehender Blick flog von Gottfried zu dem Chauffeur hinüber. Dann räusperte sich der Diener. „Fräulein Elisabeth — ist leider bereits im November gestorben."
„Und davon erfahre ich erst jetzt?!" rief Niels entrüstet.
„Der gnädige Herr hatte keine Adresse hinterlassen, und es war trotz aller Bemühungen vergeblich, sie irgendwo zu erfahren."
Das stimmte. Man konnte niemand eine Schuld geben, die man sich selbst anlasten mußte. Aber niederschmetternd war dieser erste Willkomm in Paris: Bob nicht zu finden! Die Sekretärin tot! Pöttmes drückte sich in eine Ecke feines Wagens und ließ sich zuerst ins Hotel und von dort nach Bobs früherer Wohnung fahren.
Es verhielt sich alles so, wie Gottfiied und Os-
kar gesagt hatten. Die Dame war sichtlich gedrückt, sie hatte bis jetzt nicht wieder vermieten können. Das Zimmer war den meisten Studenten zu teuer.
„Gestatten Sie", sagte Niels, „daß ich einen Blick in den Raum werfe, den mein Bruder bewohnt hat?"
„Ader gewiß." Sie offnere die eine her hohen Türen und ließ ihn eintreten. „Es ist doch nichts daran zu tadeln, Monsieur", klagte sie und zeigte auf das weißbezogene Bett, die blankpolierten Möbel und bie schönen Bilder an den Wänden.
Nein, es war nichts zu tadeln, und Niels empfahl sich mit dem Versprechen, wiederzukommen.
„Monsieur würden mich glücklich machen!"
Gottfiied ging ihm die Treppe hinab voran. „Wir fahren zur Sorbonne", sagte Pöttmes, als der Chauffeur den Motor anfprtngen ließ. Wenn, bann formte man hort am ersten Auskunft erhalten. Als Hörer her Universität mußte er eingetragen fein. Hoffentlich mit feiner richtigen Abresse.
Das stimmte benn auch. Der Beamte gab sehr höflich Auskunft. Bob Pöttmes — cand. med. — bei Madame Cecille (Tarnee — Montmartre, nie Bujo — 39.
Also nach bem Montmartre war er verzogen! Niels bekam einen bitteren Geschmack auf bie Zunge. Junge, Junge, was machst bu für Geschichten!
Chauffeur unb Diener atmeten auf, als er bie Abresse angab. Wieher zurück in bie Richtung Gare bu Norb! Dann in scharfer Wenbunq einen Berg hinauf. Die Kirche Sacr6-Coeur leuchtete wie eine Marmormoschee aus bem herabsinkenden Dämmer. Die Straßen wandten und drehten sich.
Endlich hielt der Wagen. Oskar hatte den Schlag geöffnet. „Fahren Sie ein Stück zurück", befahl Niels, „unb warten Sie bann auf mich."
„Jawohl, Herr Pöttmes!"
Gottfrieb bekam den Auftrag, im Haufe nachzusehen, in welchem Stockwerk Bob wohnte. Er blieb mächtig lange aus, was Niels veranlaßte, sich unter bie Haustür zu stellen, benn her Regen fiel zwar leise, aber unablässig.
Endlich tauchte der Diener wieder auf. „Vierter Stock, links", sagte er, und 3ur Entschuldigung seines langen Ausbleibens: „Es ist ganz unterm Dach und stockdunkel droben. Ich brauche ewig lange, um bie Visitenkarten an ben Türen zu enträtseln, ba ich kein Streichholz hatte."
„Aber er wohnt hier--?"
„Gewiß, Herr Pöttmes. Soll ich mit hinaufkommen?"
„Danke. Das Genick werbe ich mir wohl nicht gleich brechen." Aussehen tut es zwar banach, überlegte Niels, als er bie steilen Treppen hinaufstieg.
Mabame (Tarnte öffnete selbst. Nicht mehr allzu jung, aber folib, stellte Niels beruhigt fest. Er wäre ein Freunb bes jungen Herrn Pöttmes. Ob er ihn sprechen könne?"
„Augenblicklich nicht." Monsieur käme' immer erst gegen sieben Uhr. Ob er warten wolle?
Das wollte Niels. Sie sollte ihrem Mieter aber nicht sagen, baß Besuch gekommen sei. Er mochte ben Freunb gern überraschen.
„Wie Monsieur wünschen."
Eine halbe Stunbe später würbe bie Flurtür ausgeschlossen. „Achtung, mein Junge", murmelte Niels, „es ist Gefahr im Verzug."
Aber Bob ahnte nicht, welche Ueberraschung ihm bevorstand. Ein Gefühl her Freude durchflutete Pöttmes, als er nun draußen die Stimme bes Brühers erkannte: „Ist Post für mich gekommen, Madame?"
„Nichts, Monsieur."
Dann wurde die Tür geöffnet. Der Sessel, in bem sich Niels niebergelaffen hatte, staub im Dunklen. Trotzdem hatte Bob ben Bruber sofort gesehen unb erkannt. „Niels! — Niels!"
Er hing an seinem Halse, küßte ihn auf ben Munb unb legte bann bie Hänbe um bas schmalgeworbene Gesicht bes Brubers. „So blaß bist bu noch! Du bist ja noch krank. Du gehörst nicht nach Paris bei biefem Wetter."
Wie ich biefen Menschen liebe, dachte der ältere Pöttmes. „Warum läßt bu bich suchen, Bob?"
„Ich wußte nicht, daß du kommst, Niels."
„Eben, weil du nicht zu finden warst. Weder Oskar noch Gottfried vermochten deine Adresse herauszubringen. Ist es auf bem Montmartre schöner als in her Rue de Vendse?"
„Das gerabe nicht--"
„Aber —?"
„Billiger!" stieß Bob hervor.
„Na, hör' mal!" Niels ließ sich auf bem etwas wackligen Sofa, das an die Schmalwand gerückt war, nieder und zog den Bruder neben sich. „Geizt die „Gnädige" auf einmal so mit ihrem Gelds? Oder — hast du Nebenauslagen?" Trotzdem das Licht nur mehr spärlich war, bemerkte er doch, daß Bobs Wangen sich dunkel färbten. Aha, dachte Niels, ein Mädchen also. Armer Kerl! Und da Bob sich ausschwieg, sagte er warnend. „Ich tadle dich durchaus nicht. Nur sotttst du dich nicht verplempern.
„Nein, Niels."
„Jedenfalls wünsche ich, daß du wieder in die Rue de Vendee ziehst. Die Aussicht hier ist ja ganz nett. Paris zu seinen Füßen hat nicht jeder. Aber die mer Treppen, mein Junge, diese miserable Beleuchtung und dieser Geruch — wie in einem Schafpferch — verzeih', aber es ist nicht anders. Für wie lange hast du hier gemietet?"
„Bis Semesterschluß."
dich fertig! Ich regle inzwischen mit Madame Carnse die Geldfrage. Bis ich zurückkomme, hast du deine Koffer gepackt." —
Madame machte keine Einwendung. Sie hatte sich ohnedies schon im stillen gewundert, wie ein solcher Mieter in ihre Mansardenwohnung kam. Und Niels bezahlte das leere Zimmer, als ob Monsieur -Bob barm wohnen bliebe ... (Fortsetzung folgte


