Nr. 82 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Samstag, 6. April M5
Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gieyener Familienblätter Heimat tm Bild Die Scholle Monatr-Vezugspreir:
Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen
Postscheckkonto:
Frankfurt am Main 11688
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vriihl'sche UniverfitStrvuch- und Steindruckerei R. Lange in Siehe». Schriftleitnng und Seschüftrftelle: Schulftratze 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70mm Breite 60Rpf.,Platzvorschrist oder schwieriger Satz 25°/0 mehr
Ermäßigte Grundpreise:
Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Mffolms Programm für Stresa
Auch sei keineswegs Deutschland bei seiner Stellungnahme bleiben würde, keinem der Länder, die
sicher, dah gegenwärtigen
Eden habe t n er seit der Mb-
für seine Ablehnung Eindruck machen, denn wie England in seiner Mittlerstellung zwischen den beiden großen Kontinentalvöltern sich scheut vor irgendwelchen Bindungen, die es in außenpolitische Abenteuer verwickeln könnte, genau so muß Polen
London, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Die Vorbereitungen der englischen Regierung für die Dreimächtekonferenz in Stresa sind in vollem Gange. Eden tritt heute mit Ministerpräsident Mac- d o n a l d und Außenminister Simon in Verbindung, um einen kurzen vorläufigen Bericht über seine Reise nach Moskau, Warschau und Prag abzustatten. Auf Montag ist eine Sitzung des Gesamtkabinetts einberufen, um den Gesamtbericht entgegenzunehmen. Im Unterhaus wird Sir John Simon voraussichtlich am Montag die Namen der englischen Vertreter für Stresa mitteilen. Er st am Dienstag wird er im Parlament eine Erklärung über seinen und Edens Besuche in den europäischen Hauptstädten abgeben. Neber den voraussichtlichen Inhalt des Berichtes von Eden meldet „Daily Telegraph" u. a.:
Der Lordsiegelbewahrer sei auf seiner Rundreise zu der Auffassung gelangt, daß Europa immer noch genügend Seif habe, um den zukünftigen Frieden auf kollektiver Grundlage zu organisieren. Die Lage sei zwar beunruhigend, aber die Gefahr, dah Europa plötzlich in Flammen stehe, sei keineswegs so groß, wie man sich allgemein eingeredet habe. Polens Opposition gegen ein kollektives Sicherheitssystem könne vielleicht überwunden werden.
richt der „T i m e s" Sir John Simon aus B e r • I i n mitgebracht haben soll.
Die „Times" schreibt, man habe Deutschland über- eilt als Gegner eines Kollektivsystems verurteilt, aber der Führer sei bereit zum Abschluß von zweiseitigen Pakten mit jedem Nachbarn (ausgenommen Litauen) und zu einer Vereinigung dieser Pakte zu einer allgemeinen Konvention, die alle Mächte verpflichte, dem Angreifer jeglichen Bei st and finanzieller, wirtschaftlicher oder militärischer Art zu versagen» Diese Isolierung des Angreifers würde in vollem Einklang mit der Dölkerbundsfatzung stehen, deren Artikel 16 ja allen Mitgliedern des Völkerbundes die Verpflichtung auferlegt, zu dem Angreifer alle Beziehungen abzubrechen. Die „Times" führt dann in den Erklärungen des Führers als positive Beiträge zur Erörterung weiter feine Bereitwilligkeit zu einer allgemeinen proportionalen Verminderung des Rüstungsniveaus, zu einer internationalen Rüstungskontrolle, zum Abschluß eines L u f t p a f t e s für Westeuropa und zur Teilnahme an Flottenverhandlungen an. Das Blatt schließt daraus die Notwendigkeit, auf den Ehrgeiz zu verzichten, nach einem Allheilmittel zu suchen, vielmehr jede Gelegenheit auszunutzen, wo über einen Punkt eine Vereinbarung erzielt werden könnte und so Schritt für Schritt das System einer Sicherung des Friedens zu erweitern und auszubauen, statt mit einem Schlage alles zu wollen und bann etwas zu erreichen, was zwar so aussehe wie kollektive Sicherheit, in Wahrheit aber nichts anderes sei wie ein System bewaffneter Bündnisse und feindlicher Blocks. Aus diesen Erwägungen spricht das gleiche vernünftige Sichbescheiden auf das Mögliche, mit dem einmal ein praktischer Anfang gemacht werden muß, wie in der ersten deutschen Antwortnote auf die Londoner Erklärung vom 3. Februar. Es wäre ein wahrhaft verheißungsvoller Auftakt für Stresa, wenn sich auch die britischen Sprecher auf der Konferenz zu dieser Auffassung der „Times" durchringen würden, daß nur ein vorsichtiger, aber stetiger Ausbau des im Augenblick Erreichbaren z« einem brauchbaren Svstem für die Sicherheit des Friedens in Europa führen kann.
nämlich beide so eng mit Osteuropa verbunden, daß bei einem Krieg im Osten sie zwangsläufig mit hineingezogen würden und ihrerseits wieder Großbritannien mit hineinziehen würden. Man beginne deshalb sich der Einsicht zu beugen, daß auf die Dauer die Regierungen entweder zu dem Völkerbunds- system der kollektiven Aktionen bereitfinden, ober sich mit der Tatsache abfinden müßten, daß ein neuer Krieg sich vorbereite. Weder die britische noch andere Regierungen seien geneigt, für alle Zeiten den Statusquo in Europa zu ga
rantieren. Das sollte aber auch gar nicht notwendig fein. Nötig sei vielmehr eine Bürgschaft für bas kollektive Vorgehen gegen irgenbein Land in Europa, das versuchen sollte, den Statusquo durch Intrigen zu ändern oder aufrecht zu erhal- t e n. Eine britische Bürgschaft dieser Art würde die Frage der Rüstungsbegrenzungen und Sicherheit lösen. Zum erstenmal würde sie ferner die Möglichkeit schaffen, daß eine Abänderung der Verträge ohne Furcht vor einem Kriege erörtert werden könne.
Englische Vorbereitungen für Stresa
Eden wird am Montag dem britischen Kabinett Bericht erstatten
grade Mrschroute?
feit gegeben hätten. Nachdem sich Deutschland aber weigere, diese Formel auch für den Ostpakt gelten zu lassen, sei man gewissermaßen gezwungen gewesen, zum Völkerbundspakt d. h. zur F e st st e l - lung des Angreifers, zurückzukehren, indem man ein solches Abkommen durch die Verpflichtung zu militärischem Beistand ergänze.
Der „Petit Parisien" erklärt: Der französische Plan werde sich auf den Völkerbundspakt st ü tz e n, d. h. im Falle eines Angriffes werde der Völkerbund zusammentreten, um auf beschleunigtem Wege den Angreiferzu bestimmen, worauf dann automatisch der gegenseitige Beistand gegen den Angreifer einsetze. Es handele sich also im Grunde genommen um einen Beistands - paft im zweiten Grade, da dieser Beistand er st durch einen Beschluß des Völkerbundes in Kraft treten könne.
Außenminister Laval wird im heutigen M i - n i ft e r r a t das Problem zur Sprache bringen. Angesichts der bestehenden Meinungsoerfchiedenhei- ten ist zu erwarten, daß sich die Regierung weder für die eine noch für hie andere Lösung
und des Lordsiegelbewahrers über die Besprechungen in Berlin, Moskau, Warschau und Prag.
3. Die Frage der österreichischen Unabhängigkeit und die besten Mittel zu ihrer Aufrechterhaltung.
4. Eine Erwägung der Möglichkeit, gewisse Bedingungen in den Friedensvertr ä g e n mit Oesterreich, Ungarn und Bulgarien abzuändern.
Reuter meint, der Vorschlag für eine Abänderung der österreichischen, ungarischen und bulgarischen Friedensverträge würde bedeuten, daß Mussolini denjenigen Staaten, die keine „e i n - Zeitigen" Maßnahmen zur Abänderung dieser Verträge ergriffen hätten, eine „besondere Anerkennung" gewähren möchte. Diese Anerkennung würde darin bestehen, daß die genannten Staaten von den Militärklauseln ihrer Verträge befreit werden sollten.
vermeiden, die bei Konflikten dritter Mächte das eigene Land zum Aufmarschgebiet fremder Heere, ja zum Kriegsschauplatz machen könnten. England wie Polen haben das gleiche Interesse — und sie finden sich darin mit Deutschland zusammen —, allen Bestrebungen ihre Unterstützung zu versagen, die das Auseinanderfallen Europas in zwei feindliche Mächtegruppierungen begünstigen könnten.
Eden hat feine Informationsreise in Prag beendet. Was er hier von Herrn B e n e s ch als Sprecher der Kleinen Entente gehört hat, wird ihm kaum Neues hat sagen können. Daß die Tschechoslowakei bereit fein würde, auch ohne die Mitwirkung Deutschlands und Polens den Ostpakt mit Frankreich und Sowjetrußland abschließen würde, ja daß Herr Benesch sogar ein Scheitern des ursprünglichen Ostpaktplanes nicht ungern sähe, um dann das vorbereitete Militärbündnis zwischen Frankreich, Sowjetrußland und der Tschechoslowakei unter Dach und Fach zu bringen, das alles ist ebenso längst bekannt, wie die Einstellung der Kleinen Entente zu dem Projekt des Donau- pattes, mit dessen Hilfe man Deutschland vom Donauraum ausschalten, aber auch Italiens Beschützerlaunen in Schach hatten möchte. Aber wichtiger als diese Sorgen der Herren Benesch und Titu- lescu ist nun, welche Folgerungen das britische Kabinett aus den Berichten Simons und Edens über ihre Reise nach Berlin, Moskau, Warschau und Prag ziehen und welche Marschroute es dem englischen Sprecher für die nun fällige Konferenz inStresa mitgeben wird. Aus den Erörterungen der englischen Presse scheint das eine jedenfalls hervorzugehen. Das britische Kabinett wünscht auch in Stresa in den Besprechungen mit Frankreich und Italien seine Rolle als ehrlicher Makler weiterzuspielen. Es wird das Problem der Sicherung des europäischen Friedens von allen Seiten prüfen und alle Möglichkeiten reiflich erwägen, die auch den Nationen den Beitritt $u einem kollektiven Sicherheitssystem erleichtern konnten, die den zur Debatte gestellten Ostpaktplan als ungeeignet ab» lehnen mußten. Die Franzosen wollen anscheinend selber in Stresa mit neuen Plänen aufwarten, die aus der Sackgasse herausführen sollen, in die sie sich von Litwinow hineinmanövrieren ließen. Verheißungsvoller und zukunftsträchtiger scheinen uns jedoch die Anregungen zn sein, die noch einem De»
dürfte man trotz des in recht optimistischen Tonen gehaltenen Echos haben, das der Moskauer Besuch Edens in der britischen Presse hatte.
Dieser Eindruck verstärkt sich merklich nach Edens Besprechungen in Warschau, und auch die englischen Zeitungen, soweit sie mit dem französisch-sowjetrussischen Ostpaktprojekt bisher sympathisiert hatten, werden erheblich bedenklicher in der Beurteilung seiner Aussichten. Man ist irre geworden an dem friedenstiftenden Charakter dieses Sicherheitsplans durch die strikte Weigerung Polens, sich an ihm in der gedachten Form zu beteiligen. Obwohl Polen sich zwischen zwei mächtigen Nationen eingeklemmt sieht, deren nachbarliches Verhältnis zu ihm durch schwerwiegende Jnteressenkollisionen belastet ist, zeigt es wider Erwarten keinerlei Bedürfnis nach einer Verstärkung feiner Sicherheit in der ihm angetragenen Form des Ostpaktes, sieht vielmehr in den bestehenden zweiseitigen Nichtangriffsoerträgen mit Deutschland einerseits und Sowjetrußland andererseits eine völlig ausreichende Sicherung des Friedens im östlichen Raum, die höchstens noch verstärkt werden könnte durch einen Garantiepakt, an dem England teilhabe, ein Wunsch, der kaum jemals in Erfüllung gehen dürfte bei dem bekannten und auch jetzt wiederholten Grundsatz der britischen Politik, über Locarno hinaus, abgesehen von dem in Aussicht genommenen Luftabkommen der Westmächte, keinerlei Bindungen auf dem Kontinent einzugehen, am allerwenigsten in dem an Konfliktsstoff so überreichen Osteuropa. So konnte Edens Besuch in Warschau nur ein recht mageres Ergebnis haben, aber vielleicht bedeutet es doch für den Lordsiegeldewahrer die wertvollste Information seiner Erkundungsreise und der Angelpunkt zu einer neuen Orientierung, nachdem in Warschau eindeutig klargestellt worden ist, daß das Ostpaktprojekt Litwinows und Barthous niemals die Zustimmung Polens finden wird. Grade auf einen britischen Staatsmann müßten ja Polens Gründe
$»n der Erkundung zurück.
Der britische Lordsiegelbewahrer Eden, aus Rücksicht auf konservative Bedenklichketten dem Staatssekretär Simon als erster Gehilfe in der Leitung der auswärtigen Politik des Jnfelreiches beigeordnet, ist von feiner Erkundungsfahrt durch die Hauptstädte des Ostens nach London zurückgekehrt und wird wohl inzwischen schon seinen Ministerkollegen über die Ergebnisse seiner Besprechungen Bericht erstattet haben. Überraschungen dürften dabei kaum erwartet werden. Darüber können weder die von amtlicher Seite herausgegebenen Kommuniques, noch die ausführlichen Schilderungen der britischen Journalisten Hinwegtäuschen, die Eden auf jede Etappe seiner Informationsreise begleiteten. Von besonderem Interesse für die Engländer war natürlich der Besuch in Moskau. Nach den Beobachtungen unbefangener Augenzeugen, denen die Moskauer Atmosphäre vertraut ist, hatten die roten Machthaber alles getan, um sich dem britischen Gast von der friedfertigsten Seite zu präsentieren. Im Gegensatz zu sonstigen Gepflogenheiten hatte man auf jede Schaustellung militärischen Gepränges verzichtet. Selbst die sonst täglich in großen Geschwadern am Moskauer Himmel exerzierenden Flugzeuge hatten Anweisung, sich nicht zu zeigen. Stattdessen führte man Eden in das Club- Haus der Roten Armee mit Gemäldesammlung, Bibliothek, Konzertsälen und Ruheräumen, also leibst hier ein Dorado des Friedens, man zeigte dem britischen Gast Museen, Oper und Ballett, fuhr ihn auf der neuen Untergrundbahn spazieren, kurzum von dem 900 000 Mann-Heer, mit dem die Herren des roten Kreml noch vor kurzem selbstbewußt und herausfordernd aufgetrumpft hatten, bekamen der Lordsiegeldewahrer und seine Begleiter nicht allzuviel zu sehen. Der Zweck wurde erreicht; der Korrespondent des „Daily Telegraph" fabelte seinem Blatte: „Hier ist von aggressiven Absichten der Sowjetunion nichts zu hören und zu sehen". Und der Vertreter des „News Chronicle" berichtete nach Hause „Bin fest überzeugt, daß Eden nach London die Erklärung mitbringt, daß es in der ganzen Wett kein friedliebenderes Land gibt, als die Sowjetunion". Kein Wunder, wenn „Jswestija", das Organ der Sowjetregierung befriedigt feststellt: „Von jetzt ab wird es außerordentlich schwierig fein, Erfindungen über Friedensbedrohungen Sowjetrußlands vom Stapel zu lassen."
Doch sollten solche Potemkinsche Dörfer den geschärften Blick des britischen Staatsmannes für politische Wirklichkeiten auch nur einen Augenblick hätten trüben können? Wir haben hier bereits am Dienstag in einer eingehenden Erörterung des Moskauer Besuches das tatsächliche Ergebnis, allen propagandistischen Beiwerks entkleidet, herauszuschälen versucht. Wir kennen Edens Vorliebe für eine Friedenssicherung durch Beistandspakte, die beträchtlich abweicht von seines Kollegen Simon Idee einer kollektiven Friedensgarantie. Wir wissen, daß von Eden daher ein erheblich geringerer Widerstand zu erwarten war gegen den französisch-russischen Plan eines Ostpaktes, gegebenenfalls auch ohne Deutschland und Polen. So war der Lordsiegeldewahrer zweifellos für die Sowjetleute der rechte Verhandlungspartner, mit dem man keine „beträchtlichen Meinungsverschiedenheiten" hatte, wie sie Simon mit dankenswerter Offenheit als Eindruck feines Berliner Besuches festgestellt hat. So triefte zwar das im Kreml redigierte Kommunique über die Besprechungen Edens mit Stalin und Litwinow geradezu von Herzlichkeit und Einstimmigkeit, aber an Tatsächlichem bleibt, daß England sich in feinem Punkte festgelegt hat, daß Eden im Sinne des rein informatorischen Charakters seines Besuchs sich wesentlich auf das Zuhören und Abhorchen be-hrcinkt haben wird und auch Moskaus Wunsch nach einer Sicherung in Asien durch ein „ß o c a r n o d e s Fernen Ostens" lediglich zur Kenntnis genommen haben dürfte.
Von Tokio aus ist >a sofort die kalte Dusche erfolgt durch die kategorische Erklärung des japanischen Außenministeriums, daß es im Fernen Osten feine Stadt mit Namen Locarno gäbe. England,
reife aus Berlin besucht habe, irgendwelche aggressiven militärischen Absichten feststellen können, überall wünsche man ernstlich die Organisation des Friedens.
England könne Europa helfen, dieses Ziel zu erreichen. Man habe die Wahr zwischen verschiedenen Grundlagen, auf denen das europäische Sicherheitswerk errichtet werden könnte. Damit sei die Möglichkeit gegeben, dem Rechnung zu tragen, was Polen und Deutschland dem bisher geplanten System gegenseitiger Unterstützung entgegenbrächten. Die Vorschläge, die Mussolini in Stresa vorbringen wolle, dürften u. a. eine genauere Definierung des Artikels 16 des Völkerbundsstatuts und „die besondere Anerkennung Europas als einer unteilbaren Einheit" umfassen.
„News Chronicle" erklärt, das Ergebnis der Rundreise Edens erlaube den Schluß, daß das Vertrauen im Regionalpakte überall stark abgenommen habe.. Der Ostpakt sei tot. Der geplante Nichteinmischungspakt für Oesterreich «liege auf dem To- tenbett, nachdem Hitler bargelegt habe, daß man den Oesterreichern nicht erlaubt habe, über ihr eigenes Schicksal und ihre Zukunft abzustimmen. Der Locarnopakt trage auch nicht allzuviel, dazu bei, ein Gefühl der Sicherheit zu schaffen. Frankreich und Deutschland seien
London, 6. April (DNB.-Funkspruch.) Reuter meldet, daß Mussolini bereits einzelne Vorschläge für die Konferenz der drei Mächte in Stresa aufgesetzt habe, gerüchtweise verlautet, daß diese Vorschläge bereits unterwegs an die englische und dse französische Regierung seien. Man glaube, daß der Duce etwa folgendes Programm für Stresa ins Auge gefaßt habe:
1. Die Stellungnahme Englands, Frankreichs und Italiens zu dem „einseitigen Voraehen Deutschlands" soll festgelegt werden, in anderen Worten: die politische Linie der drei Mächte, wenn der französische Appell auf der Sondertagung des Völkerbundsrates in Genf zur Sprache kommt.
2. Entscheidung über eine gemeinsame Front der drei Mächte, um das Programm vom 3. F e - b r u a r zu verwirklichen. Hierzu gehört eine Prüfung der Berichte des englischen Außenministers
Hat Frankreich eine
Paris, 6. April (DNB.-Funkspruch) Die Vorbereitungen der Konferenz von Stresa scheinen noch auf ernste Schwierigkeiten zu stoßen, da die Ansichten der drei beteiligten Regierungen ziemlich weit voneinander abweichen. Französischerseits, so erklärt das „Journal", habe man am vergangenen Samstag den beiden anderen Mächten und Sowjetrußland einen Vorschlag unterbreitet, der auf die Organisierung eines allgemeinen gegenseitigen Beistandpaktes hinauslaufe. Der französische Vorschlag lehne sich eng an den Völkerbundspakt an. Man sei sich aber darüber klar geworden, daß die Lage sich seit 1914, wo Sowjetrußland und Frankreich unmittelbar an Deutschland grenzten, verändert habe, und daß die Neutralität Polens heute genüge, um irgendeine Handlung der sowjetrussischen Armee zu lähmen. Außerdem müsse man berücksichtigen, daß die Rückkehr zum Völkerbund in erster Linie dem Gedanken an eine Verallgemeinerung des Locarnopaktes aufkommen lassen. Dieser Pakt sei aber nur möglich gewesen, weil beide Teile ihm den Charakter der Gegenseitig
$>as bei den Marineb esprechungen in London bereits die Hartnäckigkeit und Unbeirrbar kett der japanischen Politik kennengelernt hat, wird schwerlich die kommende Flottenkonferenz mit einem Problem belasten wollen, das die Japaner bereits mit einer Handbewegung abgetan haben. Damit sollen nicht die Möglichkeiten einer britisch-russischen Verständigung in der asiatischen Frage unterschätzt werden. Wir wollen beileibe nicht in den Fehler der deutschen Vorkriegspolitik verfallen, bie auf Am Algerischen Balken, daß zwischen Bär und Walfisch es keine politische Freundschaft geben könne, ihre Kartenhäuser erbaute. Aber man darf wohl annehmen, daß es dem britischen Interesse näherliegt, mit Japan zu einem neuen, wenn auch noch so teuer erkauften Flottenabkommen zu gelangen, das die Seerüstungen der pazifischen Mächte in gewissen Grenzen hält, als durch ein Zusammengehen mit Moskau die Japaner zu isolieren. Tokio konnte immerhin in einer neuen Aktion in Mittelasien, die kaum an der britischen Interessensphäre Halt machen würde, sich einen gewaltsamen Ausweg aus der drohenden Einkreisung zu bahnen suchen. Im britischen Oberhaus wurden vor wenigen Tagen diese drängendsten Probleme der britischen Reichspolitik erörtert, selbstverständlich mit der Vorsicht, die dem delikaten Gegenstand gemäß ist. Die Lords Anden sehr friedfertige Worte, die wohl von dem Wunsch nach einer Verständigung mit Japan über eine Ab- ?renzung der Interessensphären in China sprachen, einesfalls aber so klangen, als ob man um Moskaus schöner Augen willen gesonnen fein könnte, es mit Japan zu verderben. Weder frier noch in ——• ■ • - ~ - - --—- ---—...... ,,
der Ostpaktfrage wird sich England von Litwinow rmt Rücksicht auf seine geographische Lage^ bestrebt fcrangk taffen, sich fefautegffl. Diesen Eindruck1 sein, die Uebernahme von Verantwortlichkeiten zu


