Nr. 55 Drittes Blatt
Äittwsch.b.März 1955
Sietzener Anzeiger (General-AnzeigerfürOderheffen)
lars Anhänger und Freunde von nah und fern. Die Mannschaft trifft am 1. Osterfeiertag hier ein. Abends ist im Saale'des Vereinswirts O. Nuhn große Begrüßung mit Unterhaltung. Außerdem hält der Internationale Hagen einen Vortrag über Sport
Stand der Fußballspiele in den Kreisklaffen.
Die Fußballspiele in den Kreisklassen sind ab- aeschlossen. Die Tabellen der 1. Kreisklasse veröffentlichten wir bereits. Hier folgen nun die Uebersichten für die 2. Kreisklasse.
2. Kreisklasse. Gruppe Gießen B.
Spiele
Gew.
Unentsch
i. Verl.
. Pkte.
VfB. III
12
11
1
—
23:1
Alten-Buseck
12
7
2
3
16:8
Wißmar
12
6
1
5
13:11
Treis
12
3
4
5
10:14
Grünberg II
12
4
1
7
9:15
Londorf
12
4
1
7
9:15
1900 III
12
1
2
9
4:20
In dieser Klasse errang VfB. III die Meisterschaft. Die anderen Mannschaften mit Ausnahme von 1900 III sind Neulinge im DFB. und haben sich wacker geschlagen. 1900 kam in diesem Jahr nicht zur Geltung.
2. kceisklasse, Gruppe Biebertal.
Heuchelheim II
Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte.
16
12
2
2
26:6
Kinzenbach
14
9
3
2
21:7
Rodheim
15
10
1
4
21:9
Fellingshausen
15
8
3
4
19:11
Vetzberg
14
6
1
7
13:15
Launsbach
16
6
1
9
13:19
Erda
16
5
1
10
11:21
Hohensolms
14
3
—
11
6:22
Krofdorf II
16
3
—
13
6:26
Die Meisterschaft
dieser
Gruppe
sicherte sich
Heuchelheim II
und
bewies
damit,
daß sie
auch
gegen gute Gegner gewinnen kann, denn Kinzenbach ist sehr spielstark und kämpft bis zum Aeußer- sten. Die Mannschaft hat sich durch den zweiten Tabellenplatz die Berechtigung zum Aufstieg zur 1. Kreisklasse erkämpft. Rodheim folgt mit zwei Punkten Abstand. Diese Mannschaft besteht aus sehr jungen, eifrigen Spielern, die, wenn sie sich Mühe geben, im nächsten Spieljahre die Meisterschaft erringen können. Fellingshausen spielte erstmalig im DFB. und hat gezeigt, daß sie sich mit guten Mannschaften messen kann. Vetzberg hält sich, wie immer, einen guten Mittelplatz in der Tabelle. Launsbach, auch Neuling im DFB., hat sich Mühe gegeben und gezeigt, daß sie spielerisch einwandfrei dasteht. Erda hat einen schönen Sportplatz, aber die Mannschaft kann anscheinend nur zu Hause gewinnen. Hohensolms ist das Schmerzenskind der Gruppe, denn die Mannschaft trat verschiedentlich nicht an, die Führung des Vereins muß sich Mühe geben, daß so etwas nicht mehr vorkommt. Krofdorf II war gleich zu Beginn der Serie dazu verurteilt, Punktlieferant der anderen Mannschaften zu werden, der Verein wird wohl die Mannschaft erst einmal tüchtig trainieren müssen.
von einer großen Verspätung des Spielbeginns nicht die Rede sein könne und Lollar außerdem auch mit Ersatz zu spielen gezwungen war. Von einem harten Spiel der Gastgeber könne auch nicht gesprochen werden; weder sei ein Spieler verwarnt, noch gar herausgestellt worden. Daß das Spiel der zweiten Mannschaften am Vormittag nicht ausqe- tragen wurde, sei darauf zurückzuführen, daß die Gäste nicht rechtzeitig, und später nur mit sieben Mann antraten.
GpieSveseinigung Fürth in Lollar.
Dem rührigen Vorstand des Sportvereins Lollar ist es gelungen, durch freundschaftliche Beziehungen zu Loni Seiderer, dem Trainer der Spieloereinigung Fürth, ein Spiel abzuschließen. Es stellt sich eine gute Mannschaft vor mit Leuten wie Hagen, Auer, Morst, Full usw. Es ist ein großes Wagnis für den Verein, und sicherlich ein großes Erlebnis für Lol-
und seine Erlebnisse. Hagen spielt voraussichtlich in Lollar zum letzten Male. Wir werden vor Ostern darauf zurückkommen und einen genauen Vorbericht mit Mannschaftsaufstellung bekanntgeben.
Deutscher Reichsbund für Leibesübungen
Eine VDA.-Feierslunde im Rundfunk.
Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen macht alle Turner und Sportler auf die Sendung „Volksdeutscher Gemeinschaftsgeist — Eine VDA.-Feierstunde" aufmerksam, die laut Mitteilung des Vereins für das Deutschtum im Ausland vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda genehmigt worden ist. Termin: 7. Mürz, 18 bis 18.30 Uhr. Sender: Deutschlandsender, Breslau, Stuttgart, Hamburg, München und Kurzwellensender.
Das Gußmodell der Olympia-Glocke.
Der Berliner Bildhauer Walter E. Lemcke hat das Modell, nach dem die Gießform für die Olympia-Glocke hergestellt werden soll, soeben in seiner Werkstatt fertiggestellt. Der Körper der Glocke, die in den Ausmaßen der bekannten GLORIOSA des Erfurter Doms gleichkommt, ist 2,30 Meter hoch, ihre Krone 0,33 Meter; dazu kommt dann noch das Joch, d. i. der Querbalken, an dem die Glocke hängt, mit 1 Meter und der Klöppel, der unten 0,65 Meter herausragt, so daß sich für das ganze Werk eine Höhe von 4,28 Meter ergibt. Der Durchmesser des Glockenkörpers mißt am unteren Rande 2,80 Meter, und das Joch ist 4 Meter breit. Noch eindrucksvoller wird die gewaltige Masse der Glocke durch ihr Gewicht gekennzeichnet: es ist auf etwa 200 Zentner vor- ausberechnet worden, wovon allein zwölf Zentner auf den Klöppel entfallen. 50 Zentner Ton waren nötig, um das Gußmodell herzustellen! Das Material, aus dem die Glocke gegossen wird, ist Stahl. Die Fertigstellung wird etwa vier bis fünf Monate in Anspruch nehmen. Die Glocke wird dann auf den 74 Meter hohen Führerturm aufgehängt werden, der auf dem Aufmarschgelände des Reichssportfeldes, in unmittelbarer Nähe des Stadions, errichtet wird. Sie soll bekanntlich die Olympischen Spiele 1936 einläuten, weshalb sie auf ihrem Spruchband die Worte trägt: Ich rufe die Jugend der Welt.
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W
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9er Weg der Deutschen Turnerschafi.
Das Ergebnis der Hamburger Führertagung.
Rodheim I — Erda I 5:0.
Einen Sieg, wie man ihn nicht erwartete, konnte Rodheim am vergangenen Sonntag erringen. Vom Anstoß ab waren die Rodheimer in bester Spiellaune, denn n;an wußte, daß die Gäste nur schwer zu schlagen sind. Manch schöner Angriff wurde vorgetragen, jedoch alle Schüsse verfehlten ihr Ziel. In dieser Drangperiode leistete der Gästetormann großartige Arbeit. Ein neuer Angriff brach dann den Bann und in kurzen Abständen konnte Rod- Heim dreimal erfolgreich fein. Nach Seitenwechsel flaute das Spiel ab. Erda spielte jetzt besser und arbeitete manch schöne Torgelegenheiten heraus, Rodheims Torhüter meisterte aber sämtliche Schüsse. Im Endspurt war Rodheim wieder tonangebend und stellte den Sieg sicher.
Zum Spiel Lollar I — Wieseck 1.
Zu dem Freundschaftstreffen der ersten Mannschaften des Sportvereins Lollar gegen die erste Mannschaft der Fußballabteilung des Turnvereins Wieseck, über das mir am Montag berichteten, wird uns von Seiten des Sportv. Lollar mitgeteilt, daß
Die große Führer- und Gauwartetagung der Deutschen Turnerschaft, die 320 Turnerführer in Hamburg vereinte, hat in dreitägiger ernster Arbeit der künftigen Gestaltung turnerschaftlichen Wollens und Strebens die Richtung gegeben, Grenzen festgelegt und Wege zu neuer Aufwärtsentwicklung gewiesen.
Was in den vier Gemeinjchaftstagungen und den zahlreichen Fachgruppenfitzungen immer wieder zum Ausdruck kam und wie ein roter Faden alle Gedankengänge durchzog, war der Dreiklang:
die künftige turnerische Arbeit steht in engster Verbundenheit zum Nationalsozialismus und seinem Führer;
sie gliedert sich ein in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen, dem die Turnerschaft
Grundlage und Arbeit in der geistig-seelischen Gestaltung der künftigen deutschen Leibesübungen sein will;
die DT. ist bestrebt, in fachlicher Hinsicht nur das Beste zu leisten, was geleistet werden kann, und sich zeitgemäß zu gestalten.
Im Zeichen dieser Zielsetzung geht der Weg in die Zukunst. Die Tagung wies unmittelbar immer roiÄer mit größter Eindringlichkeit auf diese fachliche Gestaltung und innere Einstellung hin.
Die turnerische Arbeit will nicht als Teilaufgabe aufgefaht sein, nicht als Förderung einer bestimmten Leistung und Könnerschaft, sondern als wichtigste Grundlage der Erziehung zur Ganzheit im Sinne der Forderungen eines
F. L. Jahn, die mit denen des nationalsoziali- ' siischen Staates übereinsiimmen.
Den ganzen Menschen soll die turnerische Erziehung erfassen; sie soll ihn körperlich gesund und stark machen und echalten; sie soll ihn aber auch zum guten Deutschen und Nationalsozialisten gestalten und ihm das Gedankengut der völkischen und rassischen Bestrebungen nahebringen. Also nicht die enge Teilaufgabe der Forderung irgendeiner . körperlichen Bewegungsform ist das Ziel der turnerischen Arbeit; mit Eindeutigkeit wurde offenbar, daß die Führerschaft der T.'rnerschaft gewillt ist, den Weg zur Totalität, der für sie schon immer bestimmend -gewesen ist — denn nie war Turner- tum ohne Volkstum und Deutschheit denkbar! —• auch in Zukunft weiterzugehen.
Daraus ergibt sich das andere: sie kann diesen Weg nur gehen in engster Verbundenheit mit dem Reichsbund für Leibesübungen, dessen Kernstück zn sein ihr vom Reichssportführer Vorbehalten ist. Damit findet auch das Dritte, das Fachliche, seine Daseinsbegründung: es ist der Weg zum Ziele der Erziehung des deutschen, nationalsozialistischen Men« schon, nicht das Ziel selbst.
Die verschiedenen auf der Tagung gehaltenen Reden spiegelten dieses Wollen und diesen Geist immer wider, aber ebensosehr standen die Verhandlungen in den einzelnen Fachgruppen unter dieser Einstimmung. Manche Sorge hat die Tagung be* hoben, und zielklar steuert das Schiff der Deutschen Turnerschaft durch die Brandung der Gegenwart in das freie Meer der Zukunft.
Im volley Bewußtsein ihrer großen Verantwortung stehen die Führer und Führerinnen- der DT. einmütig zusammen, um dem deutschen Volk wertvollstes Erziehungsgut zu erhalten, aber auch neu zu gestalten im Sinne des Dritten Reiches.
Wenn gegenüber den früheren acht Tagungen der Gauwarte der Deutschen Turnerschaft eins bet sonders als Merkmal der Hamburger Tagung her- ausgehoben werden darf, so ist es das folgendes das Dietwesen hat sich durchgesetzt, es beherrschte in starkem Ausmaß auch den äußeren Rahmen. Keine einzige Sitzung fand ohne Einlest tung und Abschluß durch eine Dietminute statt. So wurde immer wieder der Zusammenhang mit der Mit- und Umwelt hergestellt und aus die Grundlage des turnerischen Denkens hingewiesen. Das Ideengut von Jahn, Clausewitz, Adolf Hitler sprach zu den Führern der Turnerschaft und mahnte zur Besinnlichkeit und Klarheit.
Die Zagenden find wieder hoffnungsvoll geworden, die turnerische Arbeit am deutschen Volke wird aus den Ergebnissen der Tagung neue Kraft schöpfen und weiteren Auf- und Ausbau erlangen, und wie Jahn und Adolf Hitler den Geist kennzeichneten am Beginn und im Verlauf, so stand am Schluß der Geist Bismarcks, zu dessen Ruhestätte in Fried- richsruh viele Tagungsteilnehmer wallfahrteten.
Zu diesem erfreulichen Ergebnis kommt das andere: es gibt kein Wanken und Schwanken in der DT., keine Zersplitterung oder Kräftevergeudung, es gibt nur einen Willen: nicht nachzulassen in der Bemühung um die Gestaltung der deutschen Leibesübungen und fest zur Fahne zu stehen im Dritten Reiche; man legt nicht die Hände in den Schoß und schaut rückwärts, sondern zielklar geht der Weg vorwärts.
HandballimKreisLahn-Ditt(GauXII)
Tv. Dornholzhausen Jugend
gegen Tv. Holzheim Jugend 8:3 (3:3).
Der Sieg der Platzmannschaft war in dieser Höhe nicht verdient. Nur durch das Schußpech der Gäste kam das Resultat zustande. Im übrigen tonnten die beiden ersten Mannschaften von diesem anständigen und ritterlichen Kampfe etwas lernen.
Tv. Dornholzhausen I — Tv. Holzheim I 8:6 (3:3).
Die Gastgeber haben es fertig gebracht, die stark favorisierten Holzheimer einwandfrei zu schlagen. Bei der Mannschaft des Siegers merkte man deutlich die Spiele der letzten Zeit, während die Gäste in dieser Beziehung wenig gefallen konnten. Das mag auch mit der Hauptgrund gewesen sein, daß das Spiel verloren ging. Während man noch bis zur
Helma lächelt.
Kriminalroman von Klothilde von Gtegmann.
Urheberrschtsfchutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (©.).
23. Fortsetzung Nachdruck verboten?
„Nun hören Sie einmal mit dem Weinen auf, Fanny", sagte sie energisch, „und erklären Sie mir, wieso liege ich hier und nicht in meinem Schlafzimmer? Was ist geschehen?"
Aber statt einer Antwort murmelte Fanny nur unter Tränen:
„Ich will lieber Herrn Hopman rufen, gnädiges Fräulein!" „ . _
„Hopman ist hier?" Ein heißes Rot der Freude stieg in Helmas Gesicht; dann erschrak sie. Hopman konnte sie doch nicht so im Bett Aber ehe sie noch etwas zu sagen vermochte, war Fanny schon zur Tür hinaus. Mit einem Satz sprang Helma aus dem Bett — lief zur Tur und schob den Riegel vor. Dann lauschte sie atemlos, die Hande auf das heftig schlagende Herz gepreßt.
Wirklich, gleich darauf ertönten Schritte den Korridor entlang; sie hörte Fannys Stimme leise und ängstlich etwas sagen. Und dann — heiß strömte ihr die Welle der Freude und des Glücks zum Herzen, die ruhige, tiefe Stimme Hopmans.
Die Klinke wurde niedergedrückt — da rief Helma schnell:
„Herr Hopman, Fanny ist fortgelaufen, ohne meine Weisungen abzuwarten. Ich kann Sie so unmöglich empfangen. Wollen Sie, bitte, auf der Veranda neben meinem Wohnzimmer warten, ich mache mich schnell ein wenig zurecht und bin fofort zu Ihrer Verfügung? Oder haben Sie keine Zeit?
„So viel Zeit, wie Sie wollen, gnädiges Fräulein!" tönte Hopmanns Stimme durch die verschlossene Tür. „Ich bin ja so froh, daß Sie wohl und vergnügt sind!"
„Was ist denn eigentlich geschehen?" fragte Helma noch durch die Tür. Aber Hopmans fröhliche Stimme antwortete:
„So zwischen Tür und Angel läßt sich das alles nicht erzählen, gnädiges Fräulein, da müssen Sie sich noch ein Weilchen gedulden! Oder haben Sie keine Zeit?" wiederholte er neckend.
Und als Echo kam es ebenso heiter zurück: „Solange Sie wollen, Herr Doktor Hopman!"
Da ging Hopman mit einem sehr vergnügten Gesicht den Korridor zurück, herüber in den Flügel, in dem Helmas Zimmer gelegen waren. Dort setzte er sich auf die gedeckte Glasveranda, von der man einen Blick weit über den entlaubten Park zu den dunkelblauen Hängen der Berge hatte, und wartete.
Helma war inzwischen in einen Bademantel geschlüpft, den Fanny ihr eilig gebracht hatte. Eine Dusche erfrische sie. Und nach einer Viertelstunde mar sie so weit, daß sie aus dem Badezimmer in ihr Toilettenzimmer gehen und sich ankleiden konnte. Bald gab ihr der Spiegel das Bild eines zwar sehr blassen, aber sonst gesunden Mädchenantlitzes wider, in einem weichen, rötlichen Wollkleidchen, aus dessen gelblichem, kleinem Kragen sich ihr Kopf zart und schon erhob.
Als sie den Weg durch das Schlafzimmer nehmen wollte, fand sie die Tür verschlossen.
„Herr Doktor Hopman läßt das gnädige Fräulein bitten, nicht durch das Schlafzimmer zu gehen'" sagte Fanny mit niedergeschlagenen Augen.
Helma wollte fragen, aber sie dachte sich, daß dies alles wohl mit' den Dingen Zusammenhängen müßte, die Hopman ihr erklären wollte. Und da sie ein sehr kluges Mädchen war, folgte sie schweigend seiner Bitte.
Hopman sprang auf, als Helma schnell hereinkam.
„Mein gnädiges Fräulein!" sagte er bewegt, indem er sich über ihre Hand beugte. „Gottlob, daß ich Sie heil und gesund wiedersehe!"
„Warum denn so feierlich, Herr Hopman?" fragte Helma lächelnd. „Warum sollten Sie mich nicht heil und gesund wiedersehen, nachdem ich mich gestern frisch und vergnügt zum Schlafen hinge- (egt habe. Allerdings, warum Fanny so verstört ist, und warum ich'mich im Fremdenzimmer wiedergefunden habe, das ist mir ein Rätsel."
„Dessen Lösung wir glücklicherweise in der Hand haben!" gab Hopman zur Antwort. „Sind Sie stark genug, um alles zu hören? Sie sind einer großen, sehr großen Gefahr entronnen!"
„Ich höre!"' war Helmas leise, gefaßte Antwort.
Hopman sprach. Er erzählte alles: von dem ersten Auftauchen seines Verdachts gegen de Sanzo, von den Fäden, die sich immer undurchsichtiger und verwirrender um Schloß Gernrode, um Helma und ihren Adoptivbruder geschlungen. Er ermähnte die Verbrecherrolle, die Charles seit Jahr und Tag ge= spielt — und wie es in letzter Stunde gelungen, das Verbrechen ayfzudecken.
Bei der Mitteilung, in welcher Gefahr Horst von Gernsheim geschwebt, zuckte Helma zum ersten Male zusammen.
„Armer Horst, armer lieber Bruder", sagte sie vor sich hin, „wie böse ist deine Heimkehr in die Heimat geworden! Ist er bestimmt außer Gefahr, Doktor Hopman? Und werde ich ihn bald sehen — bald?"
Ein heißes Forschen lag tn Blick und Stimme. Und wieder durchdrang es Hopman wie ein Schmerz. Aber er nahm sich zusammen.
„Herr von Gernsheim ist auf dem Wege hierher, gnädiges Fräulein, und zwar in Begleitung eines, der tüchtigsten Hamburger Kriminalkommissare! Also so gut bewacht, als drohte ihm noch eine Gefahr. Dabei ist nun wirklich die Luft rein, nachdem dieser Schuft, der Bastieni, tot und Charles im Gefängnis ist. Alle Not hat nun ein Ende — für Sie und für Ihren Adoptivbruder!"
„Und wem danken wir das?" fragte Helma und streckte Hopman beide Hände entgegen. „Doch nur Ihnen, Sie guter, treuer Freund! Was wäre ohne Sie aus uns geworden?"
Sie schauerte noch einmal in der Erinnerung zusammen.
„Wie soll ich Ihnen danken?"
Jetzt wurde es Hopman schwer, sich zu beherrschen. Die schönen Augen Helmas sahen ihn fo innig an, daß beinah die Besinnung mit ihm durch- gegangen wäre. Aber er hatte sich sofort wieder in her Gewalt. Er durfte sich nicht täuschen, er durfte nicht in diesen geliebten Augen etwas zu sehen glauben, nur weil er wünschte, es zu sehen. Wer konnte wissen, ob Helma nicht doch wirklich mit einer anderen als einer rein schwesterlichen Liebe an Horst von Gernsheim hing? Und wenn das selbst nicht der Fall war: Wer sagte ihm, daß dieser innige Ausdruck m ihren Augen nicht nur der des überschwenglichen Danks für feine Hilfe war? Als Helma noch einmal und [eifer fragte:
„Wie kann ich Ihnen danken, Doktor Hopman?", da wußte Hopman feine Antwort:
„Indem ich zwei arme, junge Menschenkinder Ihrer gütigen Obhut empfehle, gnädiges Fräulein! Für das eine erbitte ich Ihren Schutz, für das andere Ihre Verzeihung!"
Er sprach ihr von Fannys Vergehen, ihrer tiefen Reue, und ihrer Umkehr in letzter Stunde von dem Wege, auf den sie die besinnungslose Liede zu Charles gelockt.
„Ich verzeihe ihr!" sagte Helma ernst. „Aber wer ist das zweite Mädchen?"
„Es heißt Myra van Horsten, ist eine arme Waise — von dem Schurken Bastieni im hypnotischen Zustand als Werkzeug zu dieser seiner letzten Schandtat auserschen worden. Myra van Horsten hat an Ihrer Stelle Ihre Rolle in Hamburg gespielt — und liegt nun schlafend drinnen in Ihrem Zimmer, gnädiges Fräulein! Sie ist ein armes Wesen und verdient alle Schonung und Güte. Nur so wird sich ihr verstörtes Gemüt von all den Schrecknissen erholen — und die Schädigung, die durch solche lange andauernden Hypnosen in einem Gemüt angerichtet werden, überwinden."
Helma reichte Hopman die Hand:
„Ich verspreche Ihnen, alles, was in meinen Kräften steht, zu tun, um dieser armen Myra zu helfen, und auch Fanny verzeihe ich von ganzem Herzen!" Eine kleine Pause war zwischen Hopman und Helma. „Und sonst haben Sie keinen Wunsch? Ich kann Ihnen meine Dankbarkeit mit nichts bezeugen?"
„Gnädiges Fräulein, ich habe meine Aufgabe gelost — ich bin nun hier überflüssig!"
Helma wurde glühend rot:
„Nein, das sind Sie nicht!" flüsterte sie.
Da sah Hopman das Mädchen mit feinen grauen, forschenden Augen leidenschaftlich an:
„Verstehe ich Sie recht, Fräulein Helma, liebe süße Helma?"
Sie nickte mit seligem Lächeln. Da zog er sie stürmisch in seine Arme.
„Nun werd' ich eine Defektivstem!" sagte sie eine Weile danach, als Hopman sie endlich aus seinem Arm gelassen. „Da kann ich ja viel Interessantes mit dir erleben!"
Hopman seufzte komisch:
„Weißt du, klein-', süße Helma, mir reicht es mit den interessanten Erlebnissen, wenigstens soweit sie dich und mich angehen! Ich hab' nur einen Wunsch: jetzt mit dir einmal so recht ruhig und bürgerlich alücklich zu sein. Vielleicht gönnen uns die Herren Verbrecher wenigstens ein paar Flitterwochen. Neulich habe ich erst meinem Freunde Dundee gesagt, daß niemand und nichts mich von meinem Verbrecherjagdeifer abziehen konnte; aber" — und er nahm Helmas schönes, lächelndes Gesicht in seine beiden Hände — „nun wäre ich doch recht dankbar, wenn ich ein wenig Ferien bekäme!"
i (Fortsetzung folgt 1)


