Ausgabe 
6.3.1935
 
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Nr. 55 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, b.Mrz (935

Line großherzige Tat des Winterhilsswerks

Dii

gesinnt ist, findet die große Nachmittagskundqebung im Hofe der Dergkaserne ftatt Anderfalls ist Vor­sorge getroffen, daß die Hauptveranstaltung in der Reithalle der Bergkaserne vor sich gehen tonn, und von hier aus in Parallelversammlungen, für die das Hotel Trapp, das Tentral-Thsater und das Kasino vorgesehen sind, übertragen wird, lieber die genaue Programmausgestaltung, sowie sonstige Fragen werden an dieser Stelle laufend Veröffentlichungen folgen, auf die hiermit besonders hingewiesen sei.

Die Reichsbahn gewährt 60 v. h. Fahrpreis­ermäßigung.

Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hat sich bereit erklärt, allen Teilnehmern an der großen Bauernkundgebung am kommenden Sonn­tag in Friedberg gegen Vorzeigung des Pro­grammheftes an den Fahrkartenschaltern 6 0 v. H. Fahrpreisermäßigung zu gewähren. Der genaue Fahrplan der Sonderzüge wird am Freitag oder Samstag durch die Presse bekanntgegeben. Darum: Auf nach Friedberg!

Einzelhandels.

600 000 Scheine zu 50 Pf., also im Gesamt­wert von 300 000 R2TL, kommen im Gau Hessen-Nassau zur Ausgabe. Es können damit alle, deren Not noch groß ist. entsprechend bedacht werden und die notwendigsten Lebens­mittel einkaufen.

Für beste Qualität und günstigste Preise steht der gesamte selbständige Lebensmittel-Einzelhandel ein.

Werden die so betreuten Volksgenossen in ihrer Freude über die unerwartete Spende auch einmal darüber nachdenken, woher- die Gelder kommen, die auf diese Weise zu ihren Gunsten verwandt wer­den? Gewiß sind alle Schichten der Bevölkerung an dem Aufkommen des WHW. je nach ihrer Leistungs­fähigkeit beteiligt. Vielfach übersieht man aber, daß gerade der selbständige Lebensmittel-Einzelhandel, bei dem nach dem Aufdruck die Scheine einzulösen sind, mit zu den Bevölkerungsschichten gehört, die in ihrer Opferbereitwilligkeit oftmals unterschätzt wer-

Der zweite Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend findet in der Woche vom 18. bis 23. März 1935 statt.

Jungarbeiter, hast du dich schon zur Teil­nahme angemeldet? Meldeschluß am 10. März! Anmeldeformulare durch die Berufsschulen und durch die Iugendwalter der Deutschen Arbeitsfront!

den, obwohl gerade der Kaufmann hinter seinem Ladentisch täglich bereit sein muß und er ist es mit Freuden zu opfern, wenn die verschiedensten Sammler an ihn herantreten. Der Geschäftsmann verdient's ja, er kann ja auch zahlen, so denkt wohl mancher, ohne fick zu überlegen, welch' mühsames Brot gerade ein solcher Kaufmann ißt. Von den frühesten Morgenstunden bis in den späten Abend hinein muß er tagaus tagein seinem Gewerbe nach­gehen, und dabei wachsen ihm bei den außerordent­lich knapp bemessenen Verdienstspannen die Bäume nicht in den Himmel.

Der Lebensmittel-Einzelhandel ist dem WHW. ebenfalls zu großem Dank verpflichtet für die Art der diesmaligen Spende, trägt doch auf diese Weise ein Teil seiner Opfergaben zu einer bescheidenen llmsahsteigerung bei. Dank­bar werden die Lebensmittelhändler in ihrer Opferwilligkeit sich auch in Zukunft von nie­manden übertreffen lassen.

Der Gauleitung des WHW. muß das Zeugnis ausgestellt werden, wieder einmal echten National­sozialismus in das praktische Leben übertragen zu haben.

Große Bauernkun-gebung -er Landesbauernschast in Friedberg

mit der Musik von Josef Lanners. Spielleitung hat W r e b e; musikalische Leitung Cujä ; Einstudie­rung der Tänze B ä u l k e.

Deutsche Arbeitsfront.

NS.-G. ..Kraft durch Freude".

Unser heutiger SportkursabendFröhliche Gym­nastik und Spiele" für Frauen muß ausfallen, da in der Turnhalle des Lyzeums ein Elternabend stattfindet.

Der KursusAllgemeine Körperschule" für Man­ner und Frauen am Freitag findet in der Turn­halle des Lyzeums statt.

Anmeldungen hierzu werden noch entgegen­genommen.

AuöparteiamtlichenAekannimachungen

tagung in Saarbrücken.

Stadttheater Gießen: Heute abend zum letzten Male die reizende OperetteAlt-Wien" I gäbe

von Bodelschwingh in Haus Mark in Westfalen ge­boren; 1867: der Historienmaler Peter von Cor­nelius in Berlin gestorben; 1930: der Groß­admiral Alfred von Tirpitz in Ebenhaufen gestorben; 1934: Grundsteinlegung des Richard-Wagner- Nationaldenkmals in Leipzig durch Adolf Hitler.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: NSLB Arbeitsgemeinschaft für Fibelbesprechung, Bezirk Gießen-Stadt und Gießen-Land, 15.30, Uhr, in der Schillerschule Zusammenkunft. Stadt­theater, 19.30 bis 22 Uhr,Alt-Wien". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße,Jungfrau gegen Mönch". Oberhessischer Kunstverein am Brandplatz, dritte Jahresausstellung von 16 bis 17 Uhr. Reichstreu­bund, Ortsgruppe Gießen: 20.15 Uhr imHessischen Hof", Frankfurter Straße, Besprechung der Führer-

Dieter zieht wieder ein.

Von irgendwoher hat er einen Ring erhalten. Er gab ihn der Frieda und verlangte ihn nicht mehr zurück. Das ist ungeheuerlich. Kinder verschenken Geschenke!

Das ganze Nest kennt die junge Liebe. Es ist nicht nur der Vater, der den Wonnemond miterlebt. Wir haben unserem Jungen ein Spielhöschen ge­kauft, das er nicht mag. Aber wir find vernarrt in das Spielhöschen. Jetzt instruieren wir Frieda, das Spielhöschen schön zu finden. Die Liebste hat gesprochen, die Kleidung wird mit Lust getragen.

Das junge Glück ist ungetrübt. Immer muß der Dieter die Hand seiner Liebsten ergreifen, wenn er mit ihr geht. Ich werde von dem Glück angesteckt und fange an, mit Muttern zu scherzen. Als Vater fühle ich Verpflichtungen und erkundige mich nach dem Wohlstand des Nachbarn. Schäbiger Materia­lismus! In seiner reinen Liebe hat mein Sohn noch gar nicht an die Mitgift gedacht.

Goethe liebte mit sechs Jahren, mein Sohn fängt mit vier Jahren an. Was war ich für ein Banause, als ich mit zwölf Jahren mir meinen Sonntagsanzug anzog, mir die Schuhe putzte und zu meiner Jugendliebe ging. Nichtväter, seht euch das junge Glück an, und berichtet mir, ob ich zuviel gesehen habe. , H- P-

Daten für den 6. März.

1787: der Physiker Joseph von Frauenhofer in Straubing geboren; 1831: der Philanthrop Fr.

In der Ortsgruppe Gießen-Ost findet am kommenden Montag, 20.30 Uhr, im großen Saal der Liebigshöhe Mitgliederversammlung mit Aus­gabe von Mitgliedsbüchern- und -karten statt, fer-

efer Tage erhalten die vom WHW. betreuten bedürftigen Volksgenossen über ihre Ortsgruppe eine Sonderspende in Gestalt von Gutscheinen zur Ent­nahme von Lebensrnitteln in den Geschäften des

Im Ratskeller zu Friedberg fand am Mon­tagnachmittag eine abschließende Vorbesprechung an­läßlich der am kommenden Sonntag stattfindenden großen Bauernkundgebung in den Mau­ern der alten freien Reichsstadt statt, die von der Kreisbauernschaft Oberhessen-West, zu der die po­litischen Kreise Friedberg, Gießen, Büdingen und Ufingen gehören, vorbereitet wird. In der Vorbe­sprechung, die von Kreisbauern'führer Pg. Dorr- s ch u ck geleitet wurde, waren weiterhin anwesend Landesobmann Kreisleiter Pg. Seipel, Bürger­meister und stellv. Kreisleiter Pg. V i e t h , Kreis- propagandaleiter Pg. K r a u ß e r, in dessen Händen die hauptsächliche Organisation liegt, da die Kund­gebung mit der NSDAP, gemeinsam durchgeführt wird, die Bezirksbauernführer von Friedberg, Gie­ßen, Büdingen und Ufingen, ein Vertreter des Kreispropagandaleiters von Gießen, Vertreter des Kreispresseamtes Friedberg, Vertreter der Presse und der einzelnen Gliederungen der Partei. Es wurden im wesentlichen die einzelnen Programm­punkte, sowie organisatorische Fragen besprochen. Wenn der Wettergott der Großkundgebung gnädig

schiedene Arten von Abzeichen anbieten: Bernstein-- abzeichen, Bildnisse von Kindern mit Sammelbüch­sen und künstlerisch wertvolle geschnitzte Holzköpfe in mannigfaltiger Typenprägung. Diese Sinnbilder wurden im Erzgebirge, in Ostpreußen und in an­deren deutschen Grenzgebieten hergestellt. Wer sie kaust, hilft schon rein arbeitsmäßig seinen Volks­genossen. Darüber hinaus wird durch die Opfer­gabe selbst eines dieser geschmackvollen Abzeichen kostet nur 20 Pfennige in allen Kreisen und Schichten des deutschen Volkes das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aller gestärkt und durch die Tat bewährt. Auch diesmal muß einer dem anderen helfen nach seinen besten Kräften.

Die Wehrmacht im Kampf gegen Hunger und Kälte.

Großkonzert in der Volkshalle.

Wie aus dem heutigen Anzeigenteil heroorgeht, findet am kommenden Samstag, /9. März, in der Volkshalle ein Großkonzert statt, bas von fünf Mu­sikkorps (200 Mitwirkenden) des Reichsheeres unter der Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e aus­geführt wird. Die Veranstaltung findet zugunsten des Winterhilfswerkes statt.

Das Konzert, das ebenfalls von fünf Musikkorps des Reichsheeres bestritten, schon einmal in Koblenz im Rahmen einer großen Gaukulturwoche abgehal­ten wurde, fand in derDeutschen Militärmusiker- Zeitung" eine eingehende Kritik und dabei volle Anerkennung. Darin heißt es u. a.:Die Stabt am Deutschen Eck erlebte soeben eine großartige Gaukulturwoche, bereu festlicher Abschluß ein in jeber Hinsicht hochstehenbes Reichswehrkonzert in ber Koblenzer Stabthalle bilbete. Die Zusammen­stellung ber Spielfolge unb bie erstklassige Wieder- gabe bes orchestralen Tonsatzes burch Holz- und Blasinstrumente brachten bas Aubitorium in er­höhte Spannung. Die Stabthalle war brechenb voll, bas Publikum begeisterungsstark wie selten." Ferner lieft man:Obermusikmeister Ernst Krauße (Gie­ßen) hat in bezug auf rhythmische unb klangliche Wiebergabe alles getan, um ben Wert bes Abends zu erhöhen und jedem Komponisten die gebührende Achtung entgegenzubringen. Mit auffallend tech­nischer Meisterung wurden bei Richard Wagner die meistersingerlichen Klänge, bei Humperdinck die ent­zückend beschwingte Märchenstimmung erreicht. Bei

ner spricht der Ortsgruppenleiter Dr. Röder. Zu ber Versammlung sind auch Gäste eingeladen; für die Parteigenossen ist der Besuch Pflicht.

Im NSLB., Bezirk Londorf, findet am heutigen Mittwoch Bezirkskonferenz und Turn­stunde in Londorf statt, zu der Turnschuhe und Uebungsanzug mitzubringen sind.

Der zweite ÄDA.-Opfertag für das Winterhilfswerk.

Am 9. März.

Wie im Vorjahre, wurde auch heuer die Samm­lung des VDA. für das Winterhilfswerk des deut­schen Volkes Ende Januar durch einen Kornblumen­tag eingeleitet. Wie im Vorjahr wird bie Samm­lung auch biesmal fortgesetzt burch ben Verkauf eines besonbers schönen Sinnbilbes. Am zweiten Opfertag Samstag, 9. März sammeln bie Mitglieder bes V D Ä. in ©tobten unb Dörfern, auf Straßen unb in Häusern unb werben brei ver-

Aus der prvviuzialhaupistadt.

Ich werde Schwiegervater.

Goethe war gewiß ein großer Mann. Wenn dich Zeichen aber nicht trügen, wird der Olympier von meinem Sshne entthront. Der große Meister liebte zuerst mit sechs Jahren, mein Sohn ist vier Jahre alt und liebt schon.

Was von Elternliebe zu halten ist, wissen Sie. Die Welt kennt nur schöne und kluge Kinder, wenn es auf das Urteil der Eltern ankäme. Jede Aeuhe- rung ber Kinber ist eine Weisheit. Unb ist aus Kindern nichts herauszuholen, woraus man eine Weisheit machen könnte, bann blicken eben bie Kleinen so verstänbnisooll unb so weise. Eltern finb in ihrem Urteil unbesiegbar. Hoffentlich schöpfen bie Psychologen, wenn sie ihre Bücher über Kinber schreiben, nicht aus ben Urteilen ber Eltern.

So bin auch ich nur ein Vater. Käme ein Frem­der unb würbe alles sehen, was ich beschreibe, er würbe nichts sehen. So will ich benn ein Märchen schreiben, an bas ich glaube.

Mein Sohn liebt. Er ist vier Jahre alt unb war bisher wie alle Kinber. Er heulte oft, schlecht, würbe schwerhörig, wenn man was von ihm ver­langte, unb tat gern bas Gegenteil. Doch nein, er zeigte schon besonbere Züge unb jetzt brennt ber Vater mit mir burch. Er erzählte erfunbene Ge­schichten unb hatte es mit ber Philosophie. Das heißt, er stellte Fragen, bie ich mit all meiner Bücherweisheit nicht beantworten konnte. Viele Väter behaupten bas gleiche, aber bas kann nicht wahr sein.

In Nachbars Garten wohnt ein kleines Mäbchen. Fünf Jahre ist bie Halbe alt. Eines Tages erzählt mir mein Junge:Ich habe mit ber Frieda ge­spielt", unb er zeigte sie mir. Dann blieb ber Junge weg. Vom Morgen bis zum Abenb war er bei ber Frieba, unb wenn er gerufen würbe, bann meinte er. Er zankte sich nicht mit ihr, teilte mit ihr bas Spielzeug unb baute sich mit ihr ein Haus. Der liebste Onkel konnte mich besuchen, Dieter blieb bei der Frieda und beachtete meine Besuche nicht.

Plötzlich blieb mein Junge von der Frieda weg. Ich forschte nach dem Grunde unb lernte einen Nebenbuhler kennen. Horst war bei ber Frieba.

Hat ber Horst bich geschlagen?" /z

Nein, aber ich will mit ber Frieba allein sein.

Vom Fenster rief ber Dieter nach feiner Lieb­sten:Ist ber Horst noch ba?" Nach ber Verneinung ließ er sich nicht mehr halten. Horst ist entlassen.

DeuW-OstasrikanachdemKriege

13on E W. Strack.

In biefen Tagen feiert bie Deutsch-Ostafri- kanische Gesellschaft ihr 50jähriges Jubiläum; bie ersten Erwerbungen von Carl Peters würben bamals burch Bismarcks Schutz­brief unter ben Schutz bes Deutschen Reiches gestellt. Die folgenben Zeilen geben einen Einbruck, wie schwer es heute bie zurück­gekehrten Deutschen bort haben.

Das erste Jahrzehnt nach dem Krige hatte einen großen Teil unserer Landsleute aus ihrer Bahn geschleudert, die willkürliche Abtrennung deutscher Gebiete machte Ungezählte heimatlos, der Stillstand der Wirtschaft nahm den Familienvätern das täg­liche Brot, und dasvae victis der Zufallssieger von 1918 scholl immer lauter und furchtbarer durch die Straßen.Volk ohne Raum", das war damals das Los der Deutschen, und es ist begreif­lich, wenn ein großer Teil unserer Mitbürger mit sehnsüchtigen Augen auf jenes ?arid jenseits des Aeguators schaute, über dem einst die deutschen Farben im Tropenwinde geweht haben ..Raum ohne Volk", das ist das weite Afrika, dort hofften unsere Volksgenossen durch Fleiß und Arbeit, durch Sparsamkeit und eisernen Willen im Laufe der Jahre für sich und ihre Familien wieder eine be­scheidene Lebensmöglichkeit zu finden. .

Doch der willkürliche Richterspruch der Feind- möchte hatte uns auch die Kolonialgebiete geraubt. Mit der Begründung, der Deutsche könne nicht kolonisieren, nahm man uns die mustergültig ver­walteten, blühenden Länder im schwarzen Erdteil, rechnete sie uns nicht einmal als Kriegsentschädi­gung an, sondern fand eine viel bessere und billi­gere Losung, um die Früchte unserer dreißigiahn- gen Arbeit an sich zu reißen. Man setzte den Eng­ländern als Zwangsverwalter ein, Mandatsherr nennt er sich, und er übt nun in unserem, alten Ostafrika Macht und Verwaltung, Aufsicht und Handelsbeziehungen aus.

Unbesiegt hatte General von Lettvw-Vor- 6 e ck bis zum traurigen Ende des Weltkrieges jede Handbreit deutschen Bodens gegen vielfache lieber® macht verteidigt, und mit Stolz und Treue erzäh­len die alten Askaris noch heute von der großen Zeit, als sie unter dem heldenhaften Feldherrn für die deutschen Farben kämpfen durften. Und Ost- Afrika ist jedem Deutschen ein Stück Heimat ge­wesen, Arbeit, Schweiß und Blut unserer Lands­leute hat es zur Heimaterde gemacht.

Doch wie anders sieht heute jenes Land aus, über dem einst die deutschen Farben wehten. Auf den deutschen Verwaltungsgebäuden der Bezirks­städte bläht sich der Union-Jack des Briten, in den

Kasernen unserer Schutztruppen liegen englische Askaris und Besatzungsmilitär; Eisenbahn, Post und alle Behörden sind mit englischen und indischen Beamten besetzt, auf den Briefmarken prangt das Bild des englischen Königs, und die Gerichte urtei­len nach englisch-indischem Recht. Nichts verrät mehr, daß jenes Land einst von uns Deutschen in harter, zäher Arbeit vom unerforschten Negergebiet zum Kulturträger jenseits des Aequators gemacht wurde.

In den ersten Jahren war uns Deutschen die Einreise nach Afrika überhaupt verwehrt, man wollte uns ausschalten, wollte in den Negern nicht mehr die Erinnerung an ihre alten Herren, die Deutschen, wachrufen. In dieser Zeit aber ver­steigerte der Brite als Mandatsherr unsere alten, wertvollen Pflanzungen für Trinkgelder an Inder, Buren, Engländer, Griechen und wer sonst Lust hatte, sich an dem Raube zu beteiligen, und siedelte das noch freie Land in umfangreichen, etwa 5000 bis 10 000 Hektar großen Flüchen ab, auf das sich gewerbsmäßig, fremde Bodenspekulanten setzten. Den Rest erklärte der Mandatsherr für Einge­borenenreservat. Hierbei handelte es sich um alle jene Landstriche, die in entsprechender Hohe lagen und klimatisch, sowie durch Wasserverhältnisse begünstigt, für Pflanzungen und Hochkulturen in Betracht kamen. Die wasserarmen Steppen, die dornige Wildnis allein blieb übrig, sowie die Sumpfwälder dieser Fiebergegenden.

Als uns Deutschen dann wieder die Einreise in unser eigenes Kolonialland gewährt wurde, muß­ten wir die traurige Erfahrung machen, daß man großzügig unser eigenes Fell verteilt, uns selbst aber von dieser Verteilung ausgeschlossen hatte. Nun kamen die geschäftstüchtigen L a n d s p e ku­lanten und boten ihren Grund und Boden an, den sie nur zu diesem Zweck erworben hatten. Für hundert Hektar Urwald verlangte man durchschnitt­lich 20 000 Mark, das bedeutet pro Morgen 50 Mark. Nun hieß es den Urwald schlagen, roden, abbrennen und das Land erst einmal für Kaffee kulturfähig machen. Aber nach vier Jahren erst trägt der Kaffeebaum die erste bescheidene Ernte. Die wenigsten hatten genügend Kapital, um so lange durchzuhalten: sie hatten nach der Inflation die letzten Notgroschen gerettet, um sich damit im schwarzen Erdteil eine bescheidene Existenz zu grün­den, sie glaubten in Afrika denRaum ohne Volk" gefunden zu haben, und sahen sich nun bitter enttäuscht. So warfen oft drei und vier Familien ihr Geld zusammen und begannen dann gemeinsam als Partner und Gesellschafter eine Pflanzung zu gründen, doch in vielen Fällen ging das Geld nach ein bis zwei Jahren aus. Die Ueberproduktion des fübamerifani» jchen KajleemarNes jührtL um 1930 lM.

um zu einem erschreckenden Preis st urz und nahm damit auch den Pflanzungen in unserem ehemaligen Ostafrika einen großen Teil ihres Wertes.

Der Sisal-Anbauer war zunächst von der­artigen Schicksalsschlägen verschont geblieben. Der Sisal wächst in tieferen Lagen, ist eine dickblättrige Riefenagave, die auf großen Flächen angebaut wird. Pflanzungen von 20 000 bis 30 000 Morgen sind keine Seltenheit. Solche Pflanzungen erfordern allerdings ein ungeheures Stammkapital, und vor­nehmlich waren es Konzerne, die sich auf diesen Wirtschaftszweig warfen. Amerika mit seinen aus­gedehnten Getreideprovinzen war der Hauptsisal­verbraucher. Da machte plötzlich ein kluger Kopf eine neue, technische Erfindung, die das Bindegarn für landwirtschaftliche Maschinen weithin über­flüssig machte und für Sisal hatte man nur noch geringen Bedarf. Die geringen Mengen aber, die Europa an Sisal benötigt, konnten den Sturz nicht aufhalten, und so sind nun auch die Sisalpflanzer heute in Not gekommen.

Genau so ist es einst den Kautschukpflan­zern ergangen, die von den inzwischen heran­gereiften indischen Plantagen oft überflügelt wer­den, da sie nicht so billig Herstellen können und doppelt so hohe Fracht haben wie diese. Der schwindelnden Hausse folgt stets die ernüchternde Baisse. Doch hier hat es leider keine berufsmäßigen Börsenspekulanten dabei erwischt, sondern ehrbare Pflanzer, die von den klimatischen und wirtschaft­lichen Verhältnissen gezwungen, alles auf eine Karte setzen müssen.

Die Lage der afrikanischen Pflanzer ist also heute keine beneidenswerte, und unsere deutschen Farmer haben schwer zu kämpfen, um ihre Existenz und ihren Besitz zu halten. Um so stärker und teil­nahmsvoller begleiten sie unsere Gedanken, kämp­fen sie doch auch dort als Vorposten für ein neues Deutschland, das zu seinen großen Zielen wieder zurückgefunden hat.

Masken.

Tinfang war auf einem Maskenball. Als Apache natürlich. Mit einem roten Tuch um den Hals und einer schmutzigen Ballonmütze auf dem Kopf.

Als er morgens um vier nach Haufe geht, nicht mehr ganz gerade und den Pelzmantel über dem Arm, kommt ein Schupo auf ihn zu.Halt!" ruft er.Woher und wohin?"

Um Gottes willen ", stottert Tinfang,regen Sie sich nicht auf, Herr Wachtmeister. Ich bin kein richtiger Apache, ich bin kein richtiger Verbrecher, ich bin ein anständiger Mensch und komme vom Maskenball."

Ach so", sagt der Wachtmeister,das trifft sich

ja ausgezeichnet. Ich bin auch kein richtiger Schupo." Und er nimmt Tinfang den Pelzmantel vom Arm; und weg ist er. H. R.

Zeitschriften.

Der Naturforsche r", vereint mitNatur und Technik". Vierteljährlich 2,50 Mark, einzeln 1 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichter­felde. Das Märzheft dieser ausgezeichneten, viel­fältig unterrichtenden und anregenden Monatsschrift ist eine hervorragende Leistung. Das gilt für die ausgezeichnete bilderreiche Ausstattung sowohl, als auch für den vielseitigen, wissenschaftlich einwand­freien Inhalt. Professor Dr. W. Jaensch von der Charite, Berlin, setzt die Konstitutionstypen (Pyk­niker, Leptosome) in Beziehung zu den Güntherschen Rassen. Zu eindrucksvollen Naturaufnahmen über die Geweihentwicklung unserer Hirsche und Rehe gibt Forstassessor Horst Siewert nach dem heutigen Stand unseres Wissens Antwort auf die Frage: Wie entsteht ein Geweih?". Dr. E. Wegmann, der als Geologe an der dänischen Grönland-Expe­dition teilnahm, veröffentlicht Aufnahmen und Beobachtungen über die eigenartigen und noch un­bekanntenEis- und Schneeformen in Nordostgrön­land." Beim Herannahen des Frühjahrsoogel- zuges wird von allen Naturfreunden der hervor­ragend mit Natururkunden bebilderte Aufsatz von Friedrich von Lucanus über den Kiebitz begrüßt werden. Der bekannte Planzengeograph Dr. Kurt Hueck, Berlin, berichtet an Hand von Bildern von feinen Forschungen über Herkunft und Wanderwege deutscher Steppenpflanzen. Die schnell vordringendeKernphysik" erläutert der Phy­siker Dr. Erich Schneider in einem außerordentlich klar und anschaulich wirkenden Querschnitt. Dr. Ri­chard Rein berichtet überEin eiszeitliches Wild­gehege im Naturschutzgebiet Neandertal". Dr. Brandes bringt einen sehr beachtlichen Aufsatz über dieGewinnung und Verwertung des Bernsteins", der mit ganz hervorragenden Naturaufnahmen von Bernstein-Einschlüssen bebildert ist. Aeußerst viel­seitig sind wiederum auch dieKleinen Beiträge aus allen Gebieten" und dieForschungsergebnisse.

Hocksckuknacknchien.

Professor Dr. Ernst Kohlmeyer, Ordinarius für Kirchengeschichte an der Universität Halle hat einen Ruf an die Universität Bonn erhalten; sein Nachfolger in Halle wird Professor D. Ernst Wolf von der Universität Bonn.

Professor Dr. Heinrich Sommerfeld, Ordi­narius für Betriebswissenschaft an der Universität Heidelberg, hat einen Ruf auf den betrieb** wissenschaftlichen Lehrstuhl der Universität Köln (als Nachfolger von Professor Schmalenbach) abgelehnt.