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06/03/1935
 
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Nr. 55 Erster Blatt 185. Jahrgang , Mittwoch, b. März 1935

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Ein befremdendes Dokument

t e i d i

An anderer Stelle schreibt derVölkische Beobach­ter"- Wenn die englische Regierung von der Not­wendigkeit spricht, ihre Mittel zur Selbstoerteld.- qunq sichern zu müssen, da das Vertrauen auf in­ternationale Bindungen heute noch verfrüht sei, mit welchem moralischen Recht könnte man Deutsch­land Vorwürfe machen, nachdem man selber fest- gestellt hat, daß seine Vertragspartner ihre Ver­pflichtungen durchgehend verletzt hat­ten? Oder soll der Begriff Sicherheit noch heute, im März 1935, verschiedene Auslegung er­fahren, je nachdem, um welche Nation es sich han­delt? Dann könnten wir nur darauf verweisen, daß auch das Ausland sich darüber klar sein muß, daß es heute zu tun hat mit dem nationalsozia­listischen Deutschland und nicht mehr mit dem der Jahre von 1918 bis 1933. Für dieses neue Deutschland ist der Begriff Gleichberechti­gung nicht nur eine Forderung, sondern eine un­umstößliche Bedingung.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" nennt die Denkschrift einee l n s e i t l g e A rbe 11 , bic alles verschweige, was die anderen belasten könnte, und alles zusammentrage, was sich gegen Deutschland richtet. Wir wollen nicht, so sagt das Blatt, daß dieses unfreundliche Dokument die Poli­tik der europäischen Entspannung belastet. Die in dem Weißbuch erhobenen Belastungen sind nicht geeignet, die politische Linie zu ändern, die wir

Das Echo in DenWand.

Starkes Befremden und große Enttäuschung.

Schuld ist das nicht, aber daß dieses Programm notwendig war, ist e i n e F o l g e eben der französischen Aufrüstung. Hier liegt der Hase im Pfeffer, und man hätte in London ehr­lich genug sein sollen, diese Tatsache auszusprechen. Statt dessen verweist man auf die verschiedenen Paktsysteme und auf den Ostpaktplan und auf das Donauabkommen, wobei das Weißbuch ganz naiv aber wahrhaftig sagt, militärische Verpflichtungen sei dabei England nicht ein gegangen. Man will also aus solchen Verträgen den R u tz e n ziehen, ohne die entsprechenden Verpflichtun­gen einzugehen, die man Deutschland ebenso naiv wie unverhüllt auflegen will. Das ist die doppelte Moral, die das Weißbuch durchzieht. Man sieht sich gezwungen, das Beispiel der hoch­gerüsteten Staaten nachzuahmen, aber beschuldigt den am schwächsten gerüsteten Staat der Urheber­schaft.

Gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Wehr­haushalts für das kommende Finanzjahr liegen dem englischen Parlament zwei Anträge auf Ge­währung von Zusatzkrediten vor, die noch im alten Finanzjahr verbucht werden sollen. Es handelt sich um 150 000 Pfund für die Flotte und 200 000 Pfund für die Luftstreitkräfte. Der Zusatzkredit für die L u f t st r e i t k r ä f t e soll für den Erwerb von Grund und Boden für neu zu errichtende Flug- ~ ''' Gebäude

Sicherheit erforderlich find, die es ferner oem briti chen Reich ermöglichen, eine Rolle bei der Aufrechterhaltung des Weltfriedens weiter zu spie­len Das Weißbuch unterstreicht, daß der britische Wunsch, die Welt durch das britische Bei­spiel einseitigen Abrüstens zur Ab­rüstung zu führen, feinen Erfolg gehabt habe. Es wurde ein Programm entworfen, um Die briti­schen Verteidigungskräfte und Verteidigungsmittel auf die Höhe zu bringen. Für die Flotte, deren Stärke durch Verträge beschränkt ist, und für das Heer bedeutet dieses Programm zum größten Teil eine Versorgung mit technischen Bedürfnissen, Be­schaffung moderner Ausrüstungen und genügenden Personals sowie von Kriegsmaterialreserven. Für die Luftstreitkräfte allein wurde eine merkliche Ver­stärkung von Einheiten sofort für notwendig er­achtet. Erhöhungen werden auch in der vom Heer gestellten Flugzeugabwehr notwendig sein.

3n dem Weißbuch heißt es bann weiter:Am 28. November 1934 hat die britische Regierung die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Wie- beraufrüften gerichtet, in betn Deutsch- l a n b begriffen war, unb hat eine Beschleu­nigung ber bereits beschlossenen Erhö-

Punkt des schwächsten Widerstandes, nämlich Deutschland, zu treffen, für diese moralisch nicht ein­wandfreie Handlung verantwortlich gemacht wer­den kann. Man wird in England in der Praxis nicht um die Tatsache herumkommen, daß Deutsch­land seine eigene Sicherheit betont, weil es als schwächstgerüsteter Staat von Nationen umgeben ist, die eben ihre Sicherung in einer höchstmöglichen Aufrüstung suchen. .

Wer uns die Gleichberechtigung in Rustungs- bingen versagt, wie es wenigstens formaljuristisch im Weißbuch geschieht, der treibt eine Politik mit doppeltem Boden und hat wahrlich nicht das Recht, sich als Moraltante Europas aufzuspielen, zumal wenn er bestrebt ist, durch ungeheure Ausgaben, die dem Volke schmackhaft gemacht werden sollen die bisher versäumten Rüstungen nachzuholen, die Eng­land gegenüber Frankreich und Rußland wenigstens einigermaßen sichern können. Wie gesagt, unsere

Seltsame Begründung des englischen Aufrüstens.

Das Weißbuch der Regierung sucht die Heeresvsrlage der britischen Oeffentlichkeit mit der deutschenWiederaufrüstung" schmackhast zu machen.

jo offenkundig und klar bereits bei der Abrüstungs- tonjerena vor, daß nur die britisch« Sucht, den

r i f f e n habe.

Besondere Berstartung der Lustflotte.

Doppelte Moral.

In einer englischen Zeitung wird die Veröffent­lichung des Weißbuches über die Rüftungsfragen als eine Bombe gegen Deutschland und Japan bezeichnet, und tatsächlich hat die britische Regierung ihre neuen 2Iufrüftungsforberungen da­mit begründet, daß vor allem Deutschland feit feinen! Ausscheiden aus dem Völkerbund unter Ver­letzung des Teils V des Versailler Vertrages auf- rüfte. Aber mit keinem Wort wird auf die Sach­lage eingegangen, die Deutschland rechtlich dazu zwang. Als die Abrüstungskonferenz versagte, war tatsächlich Deutschland in Verfolg der Versailler Bestimmungen abgerüftet. Nach Wortlaut und Sinn der Äbrüstungsverpflichtungen waren die Siegermächte verpflichtet, ebenfalls abzurüsten, aber daß sie das unter dem Vorantritt Frankreichs nicht taten, sondern f o r t f u t) r e n , z u rüsten, ist eine Tatsache, biee das Weißbuch

Berlin, 6. März (DNB.) Die Berliner Mor­genpresse beschäftigt sich eingehend mit dem briti­schen Weißbuch. Die Blätter weisen alle mit Nach­druck auf den einseitigen Eharakter dieser amtlichen britischen Auslassung hin, in der Deutsch­land nicht mit dem gleichen Maße^ ge­messen werde, wie die anderen Machte. 2Ilfreb Rosenberg betont imVölkischen Be­obachter", daß das Weißbuch m ganz Deutsch­land starkes Befremden und große Enttäuschung hervorgerufen habe. Geradezu grotesk sei es, daß ausgerechnet die Hitler- fugend und ihre Erziehung als Grund für die Gefährdung des Weltfriedens hm- gestellt werde. Während in fast allen Staaten die Jugend streng militärisch am Gewehr und am Maschinengewehr ausgebildet werde, sei die deutsche Hitlerjugend un bewaffnet, und da man das offenbar auch in Landon wisse, verlege man das Schwergewicht des Barwurfs auf den viel zitierten militärischen Seift der deutschen Jugend Es sei einigermaßen beschämend, dieses Argument in einer amtlichen Urkunde eines großen Reiches zu finden. Der Berfuch, die Schuld für die an sich ver­ständliche Verstärkung der britischen Streitkraste aus Deutschland zu laden, sei um so unverständlicher, als gerade in den letzten Wochen aus R u ß l a n d m grellem Unterschied zu den aktiven Friedensbemü­hungen des Führers die stärksten Kampf- fanfaren ertönten.

fahrt widmen.

Die Voranschläge für die britischen Luft st r e i t- kräfte belaufen sich auf 20,65 Millionen Pfund rund 240 Millionen Mark und stellen danach eine Erhöhung gegenüber dem Vorjahr um fast 3,1 Millionen Pfund dar. Da jedoch schon im alten Finanzjahr Zusatzkredite bewilligt worden sind, be­laufen sich die diesjährigen Bruttoausgaben auf 23,85 Millionen Pfund (rund 285 Millionen Mark). Die Heimatluftflotte wird um 11 Ge­schwader vermehrt werden, also auf 54 Ge­schwader gebracht werden, von denen 41 als regu­läre Geschwader gelten, während die übrigen 13 als Hilfsluftgeschwader angesetzt sind. Darüber hinaus werden die S e e f I u g ft r e i t f r ä f t e um 19 Frontflugzeuge vergrößert werden. Die Gesamt­stärke der Kgl. Luftstreitkräfte wird sich nach Durch­führung dieses Programms auf 106V- Geschwader belaufen.

Scharfe Kritik Snowdens.

Born französischen Außenministerium diktiert".

London, 5. März. (DNB.) Ueber das Weiß- buch äußerte der vormalige Schatzkanzler Lord Snowden, es handle sich um das tra­gischste und niederdrückendste Doku- ment seit dem Kriege, das nichts weiter in Aussicht stelle als eine Verschärfung d e s Rüstungswettbewerbes und eine große Erhöhung der Ausgaben zur Vorbereitung eines Krieges. Die Entschuldigung, daß Deutschland für die erhöhten Rüstungen ner» antwortlich sei, fei furchtbar insofern, als sie un­mittelbar vor der Berliner Reise Si­mons vorgebracht werde. England rüste gegen­über Deutschland als seinem eventuellen Feinde auf. Dies sei vermutlich eine Ergün z u n g z u Baldwins Erklärung, daß die britische Grenze der Rhein sei. Das ganze Schriftstück mache den Eindruck, daß es vom französischen Außenministerium verfaßt worden sei. Großbritannien habe keine andere Außen­politik als die, die ihm von Frankreich diktiert werde. Durch seine Unterwürfigkeit ge­genüber Frankreich sei England bereits in einen Krieg gebracht worden, und es habe jetzt den Anschein, als ob es in einen neuen Krieg gebracht werden solle.

Die Veröffentlichung des Weißbuches wird von der gesamten Presse als. große Sensation aufge­macht. Die Aufnahme ist je nach der politischen Einstellung der Blätter verschieden. Allgemein fin­den größte Beachtung die Bemerkungen Mac­donalds im Weißbuch über das deutsche W i e - beraufrüften, die vomEvening Standard alsstrenge Worte" des britischen Premierministers gegenüber Deutschland gewertet werden. Der un­abhängig-konservativeDaily Expreß tragt di« Ueberschrift:Minister Macdonalds Bomben: Eine für Deutschland, eine andere für Japan' . Im live- ralenNews Chronicle" lieft man:Fassungslosig­keit der Parlamentsmitglieder über den Auf- rüftungsplan. Der Premierminister klagt Deutsch­land an. Sir John Simons Reise ist zwecklos ge­worden. Neues Rüstungswettrennen in der Welt. Times" bemerkt, Die Notwendigkeit für Die Der- - mebrung der Mehrausgaben sei bewiesen, wie be« i bäuerlich es auch sei, die harten Ersparnisse ber t Nation für Kriegswerkzeuge auszugeben. Aber cs : müße eingeräumt werden, daß es eine politische

plätze sowie für die Errichtung neuer Gebäube oermanbt werben. Die für Die Flotte angefor- berten Zusatzkrebite sollen bazu bienen, bie alten Gehälter unb Löhne für Offiziere und Mannschaften w i e b e r h e r z u st e l l e n , Die im Herbst 1931 mit Rücksicht auf bie angespannte Finanzlage gekürzt worben waren.

In ber Begrünbung ber Voranschläge für die ßuftftreitfräfte finbet auch bie Frage ber Luft- ch i f f a t) r t kurz Erwähnung. Danach scheinen bie nilitärischen Sachverstänbigen ben Luftschiffgeban- ken noch keineswegs aufgegeben zu Haden, benn es ist beabsichtigt, sowohl bie Luftschiffwerke in Carbington als auch bie Lanbeoorr ich * tungen in Karatschi (Jnbien) und Is­mail a (in ber Nähe bes Suezknanals) weiterhin aufrecht zu erhalten. In Carbington wirb stch eine Stubiengefellschaft einem sorgfältigen Studium ber Entwicklung ber auslänbischen Luftschiff-

hung in den C uf t ff r ei l f r ä f f en ver­kündet. Die Aktion der britischen Regierung bedeutete natürlich nicht ein Sichabfinden mit einem Bruch des Vertrages von Versailles. Dieses Wiederaufrüsten wird, wenn es in fei­nem gegenwärtigen Ausmaß unvermindert und unkontrolliert fortgesetzt wird, die Besorg- nis der Nachbarn Deutschlands ver- stärken, und es kann infolgedessen eine Lage erzeugen, in der der Frieden gefährdet wird. Die britische Regierung hat die Erklärungen der Führer Deutsch­lands, daß sie den Frieden wünschen, zur Kenntnis genommen und begrüßt. Sie muh aber bemerken, daß nicht nur die Kräfte, son­dern auch d e r G e i st, in dem die Bevölkerung und insbesondere die Jugend des Lan­des organisiert werden, das allgemeine Gefühl der Unsicherheit, das bereits unzweifel- haft erzeugt worden ist, begründen und fördern.

Das mit ben Initialen bes .P r e m i e r m i n i- ft er s unterzeichnete, von ihm bem Parlament unterbreitete Weißbuch schließt mit ben Worten: Um es zusammenzufassen: ^rieben ist bas Hauptziel ber britischen Außenpolitik. Die nationale Regierung beabsichtigt, biefen Zweck zu förbern nicht nur durch Methoden, bie in ben letzten Jah­ren angenommen worben finb, nämlich Unter­stützung bes Völkerbunbes, Sicher­heitsvereinbarungen, internationa­les Einvernehmen unb internationale R e - gelung ber Rüstungen, sonbern auch burch alle anderen verfügbaren Mit- t e l. Trotz ihres Vertrauens in den schließlichen Triumph friedlicher Methoden erkennt sie im augen­blicklichen unruhigen Zustand der Welt, daß au 9t ü ft ungen nicht verzichtet ro erbe n kann. Sie muß ben Frieben wahren, bie Sicher­heit aufrecht erhalten unb Angriffe abschrecken. Die vorsätzliche Verlangsamung unserer Rüstungen als Teil unserer Friedenspolitik hat sie unter ben Stanb gebracht, ber erforberlid) ist für bie Er­füllung biefes Zweckes insbesondre angesichts ber Unsicherheit ber internationalen Lage unb ber Er­höhung ber Rüstungen in allen Teilen ber Welt.

Lonbon, 5. März. (DNB.).Zur Vorbereitung ber großen Wehrbebatte, bie am 11. März im Unterhaus beginnen soll, hat bie britische Regie­rung, wie gestern schon kurz gemelbet, ein Weiß­buch ausgearbeitet, bas in ber Oeffentlichkeit bas größte Aufsehen erregt hat. Das Weißbuch beginnt mit ber Feststellung, bisher habe bie öffentliche Meinung in Englanb zu ber Annahme geneigt, baß nichts für bie Aufrechterhaltung bes Friebens er- forberlid) sei außer ber bestehenben internationalen politischen Maschinerie unb baß bie älteren Verteibigungsmethoben, bie Flotten, Heere unb ßuftftreitfräfte, letzten Enbes nicht länger benötigt feien. Die Ereignisse in ber Welt hätten jeboch gezeigt, baß biese Annahme verfrüht ist. Es habe sich gezeigt, baß, wenn einmal eine Aktion unternommen worben ist, bie internationale Maschinerie für bie Auf­rechterhaltung bes Friebens als ein Schutz gegen einen Angreifer nicht verläßlich ist. Die natio­nale Regierung könne nicht länger ihre Augen vor ber Tatsache schließen, baß angemessen e V e r- ' gungsmaßnahmen weiterhin für die jeit erforberlid) finb, bie es ferner dem

eingefchlagen haben, und die in vielen Reden Hit­lers aller Welt eindeutig offenbart worden ist.

Die Jermani a" schreibt unter der lieber- chriftIm Ton vergriffen!": Wenn man sagt, das englische Weißbuch enthalte eine Spitze gegen Deutsch 1 and, so ist das die hof 1 ich ste F v r m, in Die wir das Urteil über dieses amtliche ßonöo- ner Schriftstück fassen können. Die ßvndoner Regie­rung hat eine wenig glückliche Hand ge­habt. Wenn man wirklich Wert auf die unmittel­bare Aussprache zwischen ßondvn und Berlin ge­legt hat, so wie es bei uns der Fall war, dann be­schließt man die ßeftüre des Weißbuches mit dem Eindruck, daß ßondvn sich hier im Ton d er-

verschweigt.

Mit bem Verlassen des Rechtsbobens durch die anderen Mächte mar Deutschland, das mehr offene Grenzen hat als irgendeine andere Nation, gezwun­gen, feine Sicherung selbst zu bestimmen. Wir hätten es lieber gesehen, wenn nach dem deutschen ? Vorbild die anderen Mächte ihre Rüstun- } gen beschränkt hätten. Wir hatten auf der ] Abrüstungskonferenz klare Vorschläge gemacht und sogar dem Abrüstungsprogramm des britischen Mi- nisterpräsidenten Macdonald, dessen Initialen dieses ; Weißbuch zieren, zugestimmt, obgleich dieser . Vorschlag Deutschland benachteiligte. Das Weißbuch verschweigt, daß nicht an Deutschland, sondern an j Frankreich Macdonalds Plan gescheitert ist.

Es mag ein beliebtes Propagandamittel der briti- . scheu Regierung sein, vor ihrem Volke sich weiß zu waschen, aber es bleibt doch bie historische Schulb , Großbritanniens, daß Sir John Simon im Oktober < 1933 die Nichtgleichberechtigung Deutschlands in der Rüftungsfrage betonte. Wenn er auch seitdem eine andere Politik trieb, so ist dieser Kardinalfehler doch der Ausgangspunkt der verstärkten Rüstungen aller Rationen, denen Deutschland nach seinem Austritt aus dem Völkerbund aus seinen vitalsten Interessen heraus ein Gegengewicht entgegensetzen mußte. Kurz­um, die Schuld an der Aufrüstung tragen die Mächte, die Deutschland durch ihre Nichtabrüstung zwangen, seine Sicherheit zu verstärken.

Das englische Weißbuch arbeitet nun mit dem Araument, nach Teil V des Versailler Vertrages, der" noch in Kraft wäre, dürfe Deutschland nicht aufrüften unb bie englische Regierung habe bereits die Aufmerksamkeit ber Nationen auf die deutsche Aufrüstung gelenkt. Der Teil V des Versailler Ver­trages steht nur noch auf dem Papier, benn er war einem Schwächeren unter derBedingung auf- gezwungen worden, daß die anderen Nationen ihre Rüstungen verminderten. Als das nicht ge­schah, als die Vertragspartner wenn man schon bei einem diktierten Frieden von Partnern sprechen mill den Vertrag brachen, war Deutschland nur nach der Maßgabe feiner Schwäche ober feiner Stärke an den Vertrag gebunden oder nicht ge­bunden. Es ist und bleibt eine Spiegelfechterei zu behaupten, Deutschland rüste nicht nur auf, sondern sein militärischer Geist durchdringe sogar die Jugend, wenn dies den Nationen ohne weiteres zuerkannt wird, bie mit Englanb am gleichen Strange ziehen und von denen jeder ein­zelne sich ein furchtbares Kriegsinftrument aus­bildete Bei uns wird Disziplin, wird Selbstzucht und Gehorsam gelehrt; bei uns steht bie Körper- ertüd)tigung an erster Stelle; m anderen Landern aber stellt man halbwüchsige Pennäler an Maschi­nengewehre, übt ste in der Bedienung der Tanks und Vanaerflugzeuge. In Frankreich sind sogar Frauen Kindermund Greise in da- Verteidigungs- system einbezogen worden, in Italien ist die ge­tarnte Jugend für Kriegszwecke organisiert m allen übrigen Staaten befolgt man das System der mili­tärischen Schulung der Jugend, unb tue irreale Größe Räterußlands ist ein Problem, das in einer Hinsicht dennoch klar ist: Sowjetrußland r u ft e t mit aller Macht, es hat sogar Frauen-Regi- menter sowie eine ungeheure ßuftroaffe.

Man versteht nicht, daß im Augenblick der Rei > e Simons nach Berlin Deutschland der Dor­wurf gemacht wird, den man anderen Nationen gegenüber nicht zu erheben wagt. Es ist doch ein wohlfeiles Ablenkungsmittel, die Aufmerksamkeit der englischen Oeffentlichkeit nur auf Deutsch­land zu richten. Das geschieht gemäß dem Bis- marckwort, dieses England mit seiner Nicht-Inter - ventionspolitik sei eine ganz gleichgültige Grotz- macht,die sich nur durch ihr ewiges tantenhaftes Bevormunden einen gewissen künstlichen Einfluß geschaffen hat." Weil diese Tantenhaftigkeit und das ewige Moralisieren englischer Blätter in ber Ab­rüstungsfrage sich lediglich gegen Deutsch­land richtete, ist England tatsächlich in seiner Rü­stung zurückgeblieben. Aber ist Deutschland dafür verantwortlich? Wir betrogen ge­wiß nicht England, und selbst das Weißbuch muß zugeben, daß die Friedenserklärungen des Führers eine ausgestreckte Hand zum Frieden sind. Wir müs­sen daher mit aller Energie den britischen Vorwurf zurückweifen, an der zwangsläufigen Entwicklung die Schuld zu tragen. Die Schuld der anderen lag