twrnter 1935 tu Frankfurt. Zu dem am 9. und 10. Februar in Frankfurt stattfindenden 2. Großen Nationalen Reitturnier 19-35 gibt die Reichsbahnoerlvaltung Sonntagsrückfahrkarten aus. Gültigkeit: Hinfahrt vom 9. Februar 0 Uhr bis 10. Februar; Rückfahrt vom 9. Februar 12 Uhr bis 11. Februar 12 Uhr. (Spätester Antritt der Rück- fahrt.) Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt ab Gießen 2. Klaffe 5,20 RM., 3. Klasse 3,60 RM. Bei Benutzung von Schnell- und Eilzügen ist außerdem der tarifmäßige Zuschlag zu zahlen.
** Von der Treppe gestürzt. Jnfolae eines Fehltritts stürzte gestern der Arbeitsdienstmann Albert Zeiger im hiesigen Arbeitsdienst-
Lin hübsches Geschenk für jeden Sammler sind die Wohlfahrtsbriefmarken der schaffenden Stände.
lager eine Treppe herunter. Dabei erlitt der junge Mann eine leichte Gehirnerschütterung, die seine Ueberführung nach der Klinik erforderlich machte. Sein Befinden ist erfreulicherweise nicht besorgniserregend.
Große Strafkammer Gießen.
Wegen Verbrechens nach § 176 Ziff. 3 StGB, wurde der 36jährige Peter Dahlhausen aus Großen-Buseck unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zu 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus verurteilt.. Zwei Monate erlittener Untersuchungshaft werden auf die Strafe angerechnet.
Kleine Strafkammer Gießen.
Der H. K. aus Nieder-Seemen wurde wegen widernatürlicher Unzucht vom Amtsgericht Ortenberg zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung nahm der Angeklagte zurück.
Das Verfahren gegen den A. A. aus Renzendorf, der wegen Betrugs vom Amtsgericht Schlitz verurteilt worden war, wurde auf Grund des Amnestiegesetzes e i n g e st e l l t.
Wegen Beleidigung eines Feldhüters wurde der F. G. vom Amtsgericht Friedberg zu 5 0 Mark Geldstrafe verurteilt. Die gegen dieses Urteil von dem Angeklagten eingelegte Berufung wurde kostenpflichtig verworfen.
Die Kammer befaßte sich sodann mit den Brüdern K. und W. B. aus Gießen, die vom hiesigen Amtsgericht wegen Widerstandes zu 2 Monaten Gefängnis, ersterer außerdem wegen Beleidigung zu 25 Mark Geldstrafe verurteilt wurden. Dagegen verfolgten die Angeklagten das Rechtsmittel der Berufung. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß der Angeklagte K. B., als sein jüngerer Bruder zwangsweise dem Schulunterricht zugeführt werden ollte, dem Beamten erheblichen Widerstand entgegensetzte und sich diesem gegenüber in Beschimpungen erging. Dagegen ergab die Beweisaufnahme nichts für eine Strafbarkeit des W. B. Während die Berufung des K. B. kostenpflichtig verworfen wurde, sprach das Gericht den W. B. von Kosten und Strafe frei.
Ein Eisenbahndamm eingestürzt.
LPD. Erbach (Odenwald), 5. Febr. Auf der Bahnlinie Eberbach—Darmstadt, in der Nähe der Station Kailbach, stürzte gestern vormittag eine etwa acht Meter hohe Mauer, die die Eisenbahnlinie nach der Talseite zu abstützt, ein und überschüttete die Straße Eberbach—Erbach, die mit der Bahnlinie parallel läuft, mit einem Berg von Steinen und Felsgeröll. Die Felsstücke wurden weit ins Wiesental geschleudert. Menschen sind glücklickerweise nicht zu Schaden gekommen. Da die Gleise vollständig in der Luft hängen, ist der Bahnverkehr, ebenso der Straßenverkehr, vollständig unterbunden. Der Bahnoerkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Anscheinend ist der Einsturz auf die Unterspülung durch die großen Wassermengen zurückzuführen, die in den letzten Tagen infolge Regen und Schneeschmelze zu Tal gegangen sind.
Saarspende der Deutschen Studentenschaft.
Kundgebung in Gießen am 8. Februar.
Am Freitag, 8. Februar, findet an allen deutschen Hoch- und Fachschulen eine Sammlung zur Saarspende der Deutschen Studenten! ch a st statt. Der gesammelte Ertrag wird von der Deutschen Studentenschaft am Tage der Rückgliederung des Saargebietes an Gauleiter B u r ck e l als Ehrengabe der Studenten übergeben. Wie chon immer, wenn es galt, für das nationalso^alistlsche Deutschland einzutreten, wird auch mit vieler Spende die Deutsche Studentenschaft erneut ihren Willen und ihre Treue zu Adolf Hitler bekunden.
Auch an der U n i v e r s i t ä t G l e ß e n wird der kommende Freitag ganz unter dem Zeichen dieser Sammlung stehen. Früh morgens findet em kur- zer Appell der gesamten Studentenschaft statt, bei dem auf die Bedeutung dieses Tages hingewiesen wird. Dann wird den ganzep Tag über in den Instituten und in der Universität gesammelt und das für die Saarspende der Deut- schen Studentenschaft geprägte Abzeichen verkauft
Im Zeichensaale der Schillerschule fand am Samstag eine Tagung der Fachschaft Volksschule (Gießen-Stad t) unter dem Vorsitz des Leiters der Fachschaft Lehrer Heinrich Frank statt. Der Fachschaftsleiter begrüßte die Versammlung und gab dann verschiedene Mitteilungen bekannt. Hierauf sprach Lehrer Roth über
„Volksdeutsche Arbeit und volksdeutsches Opfer“. Der Redner erörterte zunächst die Verpflichtung zur volksdeutschen Arbeit und zum volksdeutschen Opfer. Diese Verpflichtung tragen alle Erzieher und Erzieherinnen in sich; sie bildet einen wesentlichen Teil der Berufsaufgabe. Das Gebiet des Grenz- und Auslandsdeutschtums wird sehr pfleglich behandelt. Lehrende und Lernende spüren, wenn von den Brüdern in außendeutschen Landen die Rede ist, etwas von der blutsmäßigen Verbundenheit unseres Hundertmillionenvolkes. Die Bereitschaft zur volksdeutschen Arbeit ist durchaus vorhanden. Wenn eine vom VDA. eingeleitete Maßnahme in den Schulen durchgeführt wird, stehen alle Amtsgenossen und Amtsgenossinnen den Leitern der Schulgemeinschaften hilfreich zur Seite. Die erste Volksschulgruppe des VDA. ist seinerzeit von Rektor Reul an der Goetheschule eingerichtet worden. Heute besteht in allen Schulhäusern eine Schulgemeinschaft. An der großen Pfingstfahrt des VDA. nahmen in den letzten Jahren auch Volksschüler Gießens teil. Die volksdeutsche Einordnung der Volksschule im Kreise Gießen ist eingeleitet, die Leitung liegt bei Schulrat N e b e l i n g in guten Händen. Volksdeutsche Arbeit wird ergänzt durch das volksdeutsche Opfer. Volksdeutsche Arbeit, volksdeutsches Opfer sind allgemeine, sind überragende Verpflichtung. Der VDA. ruft: Hilf, deutscher Erzieher, hilf, deutsche Erzieherin, daß der „Volksbund" verwirklicht wird!
Nach dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag sprach der Kustos des Gießener Museums, Herr Szczech, über das Thema
„Die Kulturkreise der Bronzezeit“.
Der Redner führte u. a. aus: Um das Jahr 2000 v. Ehr. beginnt die Bronzezeit. Die Geschmeidigkeit des neuen Materials, der Bronze, öffnet den Weg zu ungeahnten Formen. Als Rohmaterial und Fertigware ist sie nach Deutschland gekommen. Händler sind die Träger der Bronzekultur und haben die hauptsächlichste Bewegung nach Deutschland gebracht. Ueberall schließt sich die neue Kultur an die neolithischen Siedlungen an. Der Gegensatz zwischen Norden und Süden bleibt weiter bestehen. Bei uns ist die neue Kultur besonders vertreten in der sogenannten Hügelgräber- Bronzezeit. Die Grabanlagen entsprechen denen der letzten Steinzeit. Man glaubte früher, daß die Kultur der Bronze aus dem Osten nach Europa gelangt sei. Ebenso wie man heute weiß, daß das
werden. Am Freitagabend (20.15 Uhr) findet als Abschluß in der Tageshalle des Gießener Stu- dentenhauses ein Vortragsabend statt, dessen Reinerlös ebenfalls der Saarspende zugeführt wird. Dr. Alfred Kaufmann- Gießen pricht an diesem Abend über „Das Deutschtum im Orient". Dr. Kaufmann, der über 15 Jahre an der deutschen Schule in Alexandrien gewirkt hat, wird viel Interessantes von unseren Brüdern im Orient berichten; u. a. wird Dr. Kaufmann auch auf die Familie Heß, die Eltern des Stellvertreters des Führers, als Vorbild einer deutschen Familie im Ausland zu sprechen kommen. Dozenten, Studenten und alle interessierten Kreise sind zu diesem Abend eingeladen.
Alle statten ihren Dank für die Treue unserer Volksgenossen an der Saar ab und spenden bei der Sammlung der Deutschen Studentenschaft zur „Saarspende".
indogermanische Urvolk sich im europäischen Raum gebildet hat, weiß man auch, daß dort die Bronzetechnik entstanden ist, deren Entfaltung nirgends so reich uns entgegentritt wie gerade im Norden. Von dieser Erkenntnis unberührt bleibt die Tatsache, daß das Rohmaterial selbst, Kupfer und Zinn, nur im Süden und Nordwesten vorkommt (Spanien, England). Verfehlt wäre es, für die Zeit der Hügelgräber-Bronzeleute schon bestimmte Volksund Stammesnamen aufzustellen. Denn noch ist um diese Zeit West-, Mittel- und Süddeutschland nicht „germanisiert", sondern nur „indogermcmi- siert".
Der Gräberbefund unserer Heimat ermöglicht uns, Tracht, Bewaffnung und Schmuck der damaligen Menschen einigermaßen genau zu bestimmen und zeigt uns, daß ein für allemal Schluß zu machen ist mit jener phantastisch romantischen Vorstellung, die man bisher über die Menschen der deutschen Vorzeit gehabt hat.
Am Ende der Hügelgräber-Bronzezeit beginnt eine Kultur sich in unser Gebiet auszudehnen, die sehr verschiedene Beurteilung erfahren hat, deren Erscheinungen uns klar sind, über deren Ursprung jedoch die Meinungen nicht Übereinstimmen: die Urnenfelder st ufe. Das Siedlungsgelände hat gewechselt. Wir treffen die Urnenfelderkultur wiederum an den alten Siedlungsplätzen der Bandkeramiker und sehen wie das Gebirge nun wiederum menschenleer wird, nachdem es über 700 Jahre lang die Menschen beherbergt hatte, so daß die Ebene verlassen war. Die Hügelgräberbronzeleute waren Hirten. Die Urnenfelderleute leben von dem Ackerbau. Man glaubte an ein Wiederaufleben der Bandkeramiker aus der Steinzeit, man kann aber anderseits einen Volkszuzug aus dem Süden nicht weg- leugnen. Der Charakter der Kultur selbst ist stark östlich bedingt, und die überraschende Äehnlichkeit mit der Lausitzer Kultur veranlaßte den Vortragenden, auf diese Erscheinung des deutschen Ostraumes näher einzugehen. Man braucht nicht an eine Menscheneinwanderung aus dem Osten in unser Gebiet zu denken, man darf hier durchaus den Begriff der „Mode" einführen. Insbesondere die originelle Keramik hat der Kultur Eingang in den Westen verschafft. In ganz Oberhessen macht sie sich bemerkbar. Ueberall, wo wir die Kultur treffen, ob in der Lausitz, ob in der Wetterau, haben mir die gleiche Art der Bestattung. Die Skelettbestattung der vorausgegangenen Stufe ist der Brandbestattung gewichen. Mannigfach sind die Grabanlagen der Urnenfelderleute. Doch allen ist die Urne mit der Leichenasche gemeinsam.
Während die Hügelgräber der vorhergehenden Jahrhunderte reichen Bronzeschmuck (Nadeln, Spiralen, Beil- und Dolchklingen) lieferten, Keramik aber äußerst selten war, treffen wir nun den umgekehrten Befund: sehr wenig Bronze, aber reiche
und vielgeftattete Keramik. Die Fülle der VeigabH und die Sorgfalt der Grabanlage zeigen uns ei® wohlvermögendes Ackerbauvolk, das in feinen offe« nen Dörfern wohl allen kriegerischen Verwicklungen abhold war. Für solche Fälle zogen sie sich auf ihrj Fliehburgen zurück, die in der Steinzeit entstanden, während der Bronzezeit unbenutzt geblieben waren. Diese Burganlagen sind die politischen Mittelpunkt» des Landes gewesen.
In diesem Zusammenhang zeigte Herr Szczech, wie die vergleichende Sprachwissenschaft die Vor« geschichte oft ergänzt. Diese Burganlagen, zu denen der G l a u b e r g in Oberhessen gehört, stellen ost auch eine Grenzbefestigung dar, besonders in dem Gebiet nördlich unserer Heimat, wo sie die Stütz, punkte der Kelten gegen die Germanen bildeten, die um diese Zeit ihre ersten Vorstöße gegen de« Westen und Süden unternehmen.
Die Ausführungen des Vortragenden erweckten großes Interesse und ernteten reichen Beifall. Herr Szczech wird feinen Vortrag durch eine Führung im Museum praktisch erläutern.
Herr Frank schloß die anregend verlaufen» Tagung in der üblichen Weise.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
ck. Heuchelheim, 5. Febr. Sein diesjährige, Winterfest, verbunden mit feinem 80. StiftungsfH beging am Samstagabend der Gesangverein „Teutonia" in der hiesigen Turnhalle. Nach einem Begrüßungsmarsch hielt der Vereinsführer Albert V o l k m a n n eine Ansprache, in der er einen kurzen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte des Vereins gab und auf die hohe Aufgabe him wies, welche die Gesangvereine durch die Pflege des deutschen Liedes zur Erreichung einer wahren Volksgemeinschaft zu erfüllen haben. Seine Aus- führungen schloffen mit einem „Sieg-Heil!" au| den Führer Adolf Hitler. Die gesanglichen Vorträge unter Leitung des Dirigenten Bender (Steinberg) standen auf einer beachtlichen Stufe des Könnens. Die Theaterabteilung fand mit einem gut gespielten Dreiakter reichen Beifall. Für den musikalischen Teil sorgte in bekannt guter Weise di» Kapelle Bender-Menges. Tanz beschloß den harmonisch verlaufenen Abend. — Die Sammlung für das Hilfswerk „M utter und K i n d", die von der SA.-Referoe vorgenommen wurde, er* brachte in unserer Gemeinde den Betrag von 85 Mark.
£ Wieseck, 5. Febr. Der hiesige Ziegenzuchtverein hielt bei Gastwirt Walter seine diesjährige Generalversammlung ab, die sehr gut besucht war. Der Vorsitzende, Schuhmachermeister Heinrich Weller XVI., leitete die Versammlung. Nachdem der Schriftführer das letzte Protokoll verlesen hatte, gab der Vorsitzende den Jahresbericht bekannt. Es wurden im verflossenen Jahre drei Versammlungen und zwei Vorstandssitzungen ab« gehalten. Der Verein beteiligte sich mit 14 Tieren an der Prämiierungsschau in Gießen, bei der fast alle Tiere Preise erhielten. Um der durch die vor« jährige Trockenheit verursachten Futterknappheik entgegenzuwirken, wurde ein gemeinschaftlicher Bezug von Dickwurz organisiert, bei dem alle Käufer' zufriedengestellt wurden. Ankörungen wurden bet 8 Tieren durchgeführt, eine sehr geringe Zahl; es wird für die Folge hier eine stärkere Beteiligung gewünscht. Der von Rechner Stark erstattete Kassenbericht kann als befriedigend bezeichnet werden. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Der Vorstand wurde wiedergewählt. Zum Schluß wurden noch einige Zuchtfragen besprochen. Es sollen: Salzlecksteine bezogen und unter die Mitglieder für deren Tiere verteilt werden. Mit dem Wunsche auch im laufenden Jahre der Ziegenzucht die größte Aufmerksamkeit zu schenken, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Im Anschluß an die General- Versammlung fand eine Gratisverlosung von Zucht- gegenständen statt.
* Lang-Göns, 6. Febr. Dem hiesigen Bahnarbeiter Heinrich Rudolf wurden dieser Tage sechs seiner neunjährigen Obstbäumchen dicht über der Erde angesägt und von dem Sturm in der Nacht zum Sonntag umgeworfen.
(Weitere Berichte auf Seite 4.)
Tagung Der Fachschaft Volksschule des AM.
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Oie Reise.
Erzählung von K. X Neubert.
Jeden Monat hatte Fritz dreißig Mark zurückgelegt. Vier Monate lang. Nun hatte er hundertundzwanzig Mark zusammen. Dieses Sparen war ihm sauer genug geworden, aber jetzt hatte er sein Ziel erreicht. Jetzt ging er in das Reisebüro, dessen Plakate ihm von jeder Litfaßsäule entgegenleuchteten, und wurde Teilnehmer an der Gesellschaftsfahrt in die Bayerischen Alpen. Nächste Woche begann die erste Hälfte seines Winterurlaubs.
Vergnügt steckte er das Geld in die Tasche und machte sich auf den Weg zum Reisebüro. Er war mit den Gedanken schon in den Bergen. Als er am Kanal entlangging, erregte jedoch eine Menschenansammlung seine Aufmerksamkeit. Männer und Frauen sprachen durcheinander. Vi^leicht hatte es ein Verkehrsunglück gegeben. Er trat näher und sah auf der Bank am Kanal einen älteren Mann sitzen, dem die Verzweiflung im Gesicht stand, während die anderen sich bemühten, ihn zu beschwich- Eigen.
„Suchen Sie doch mal in allen Taschen nach!" riet ihm eine Frau. Und der Mann begann kopfschüttelnd und mit Tränen in den Augen in den Taschen nachzukramen, ein Beginnen, das er in der letzten Viertelstunde wohl schon öfter versucht hatte.
"Was ist hier denn geschehen?" wandte sich Fritz an die Frau.
„Der Mann hat Geld verloren!" erklärte sie. „Zwei Fünfzig-Mark-Scheine!"
„Viel Geld!" sagte Fritz. Dann wollte er sich entfernen. Aber der Mann sah ihn plötzlich an, und es war ein Ausdruck in feinem Gesicht, der ihn erschütterte. Der Blick der verzagten, flehenden, ratlosen Augen ließ ihn nicht los.
„Ja, was soll man da machen?" seufzte Fritz. „Wie kam das denn überhaupt?" Er setzte sich zu dem Manne auf die Bank. Von den Umstehenden, die dessen Geschichte wohl schon gehört hatten, entfernten sich einige. Manche schienen ehrlich betrübt zu sein, andere zuckten die Schultern, und es gab auch welche, die lächelten ungläubig.
„Ich bin in einem Büro angestellt, mache dort Portier- und Botendienste. Lange bin ich noch nicht dort. Erst ein halbes Jahr. Ich war froh, daß ich diese Stellung bekam in meinem Alter!" begann der Mann zu erzählen. „Heute sollte ich nun hun- dert Mark zu einem Lieferanten bringen, und wie ich dort bin, finde ich das Geld nicht mehr."
„Waren Sie vorher irgendwo anders?" forschte Fritz.
in feinen Augen, einem Nicken bi
„Ja, meine Adresse — —", meinte Fritz und seufzte. Er schrieb die Adresse aus ein Blatt feines Notizbuches und reichte es dem Mann. Der faßte plötzlich feine Hände, und Tränen standen wieder wandte lich Fritz rasch mit ies Kopfes um.
„Nur in einem Tabakladen, aber da war ich gleich noch einmal, nachdem ich den Verlust des Geldes entdeckt hatte. Der Besitzer des Ladens kennt mich, dort habe ich das Geld bestimmt nicht verloren."
Die letzten Zuhörer waren nun gegangen, Fritz saß mit dem Mann allein auf der Bank, nur links am Brückengeländer lehnte ein junger Mann, der nachdenklich ins Wasser starrte. Wenn Passanten vorbeikamen blickten sie verwundert auf die beiden Männer auf der Bank, von denen der eine sich immer wieder die Tränen aus den Augen wischte.
„Es ist wohl das beste, wenn Sie ins Büro gehen und den Verlust melden!" sagte Fritz, der eine Gelegenheit suchte, sich wieder zu entfernen. Er fühlte sich in der Nähe des Mannes bedrückt und befangen, als hätte ihm jemand plötzlich und hinterrücks eine schwere Last aufgebürdet, die er nun nicht so leicht abwerfen konnte.
Der Mann stand jetzt auf. „Ich danke Ihnen!" sagte er. Bemühen Sie sich doch nicht mehr."
„Wohin wollen Sie denn?" fragte Fritz. „Ich begleite Sie ein Stück!" Er dachte, daß der Mann ins Büro zurückgehen wollte. An der Ecke konnte er sich ja verabschieden. Aber der Mann drehte sich jah $ur Seite, lief zum Brückengeländer und wollte sich in den Kanal stürzen.
t "Was machen Sie?" schrie Fritz und hielt ihn fest. Er führte den Mann, der am ganzen Körper SU zittern begann, wieder auf die Bank zurück. „Das ist doch Unsinn!" sagte er. „Wegen hundert Mark!"
„Man wird mir aber nicht glauben, daß ich das Geld verloren habe", stammelte der Mann, und wenn man es mir glaubt, wird man mich entlassen, po) bin alt, habe niemand. Untätig kann ich nicht fein. Lieber--" 1
Es war unerwartet, was jetzt kam, und selbst rZritz hatte das Gefühl, daß ein anderer in ihm bandelte, ihm einen fremden Willen aufzwang. Er zog feine Brieftasche. „Ich werde Ihnen die hundert Mark borgen!" sagte er. Es war, als wäre er selber erschrocken über seine Stimme.
Erschraken sah ihn auch der Mann an, als konnte sich das Wunder, das vor feinen ratlosen verzweifelten Augen erstand, im nächsten Augenblick als em plumper Scherz ober ein Irrtum heraus- stellen. Aber Fritz hatte die beiden Geldscheine schon m der Hand.
können es mir zurückzahlen, wenn Sie dazu m der Lage sind! sagte er. Mit zitternder Hand griff der Mann nach den Scheinen. Das Wunder roar 3u groß, als daß er es begreifen konnte.
Unb Ihre Jörcffe--" flüsterte ber Wann,
L,oie muß ich doch wissen.*
; Er ging schnell weiter. Er war wie benommen. • Nach einigen Schritten hörte er eine Stimme hinter i sich: „Einen Augenblick mal, Herr!" Er drehte sich i um und stand dem jungen Manne gegenüber, der i vorhin am Brückengeländer gewartet hatte.
„Ich fürchte. Sie haben eine Dummheit began- , gen!" sagte der Fremde.
„Wieso?" fragte Fritz, obwohl er es ahnte.
„t9lauben Sie denn wirklich die Geschichte von : den verlorenen hundert Mark? Es ist ein Trick! । Und wie plump sein Selbstmordversuch wirkte! . Wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, mein Herr, beeilen Sie sich, noch können Sie den Mann ' durch einen Polizeibeamten feststellen lassen!"
Fritz blickte über die Straße. Dort ging der Mann, dem er die hundert Mark gegeben hatte. 1 Für einen Augenblick stellte er sich noch sein Gesicht l vor, die Verzweiflung, die Angst, die Ratlosigkeit, die inbrünstige Hoffnung auf ein Wunder.
\ „Nein!" sagte da Fritz, „was Sie sagen, glaube lch nicht. Der Mann dort ist kein Betrüger!"
„Sie sind ein Optimist!" lachte der Fremde. ,Sie glauben, daß er Ihnen eines Tages das Geld zurück- gibt? Sie haben ihm zu diesem Zweck Ihre Adresse gegeben?"
„Allerdings!"
„Unb haben Sie benn feine Abresse, Herr?"
„Stein!" sagte Fritz verblüfft. Daran hatte er gar nicht gebucht.
"Na, Mahlzeit!" verabschiebete sich ber Fremde Fall!eme Handbewegung: „Hoffnungsloser Gefühlen jetzt- F-jtz feinen -Ißeg fort. Manchmal war er wirklich geneiat sick einen Dummkopf zu schelten. Don einer Rekl'am^ fauk blickte ihn wieder bas Werbeplakat des «Reife- buros an. Es schien ihm in diesem Augenblick wie eme Ironie. „Meine schöne Reise!" dachte er Mein Mjones Geld!" Dann suchte er seine Handlungsweise ßHoöer au entschuldigen, zu begründen. Er geriet so m einen immer größeren Zwiespalt. Er ging in
SnachW^ “ unruhig und unjt
Seme Wirtin kam ihm gleich entgegen. Ein fierr märtet schon eine Stunde auf Sie?" sagte fie qebeim- nisootf Er dachte sofort an Polizei. „Vielleicht hat nrnn ihn schon festgenommen!" war sein erster Ge-
Als er in sein Zimmer trat, saß dort der Mann, dem er die hundert Mark gegeben hatte. „Wie kom« men Sie hierher?" fragte Fritz verlegen, da er ihn eben noch in so schwerem Verdacht gehabt hatte.
Der Mann zog freudestrahlend zwei Fünfzig. Mark-Scheine aus der Tasche.
"Fch kann sie Ihnen schon wiedergeben!" fagtd er „2ßie ich ins Büro zurückgekommen bin, stellt midj unser Kassierer zur Rede, warum ich denn das Geld liegengelaffen hätte? Stellen Sie sich vor, ich hatte die hundert Mark gar nicht eingesteckt, und was wäre bald aus dieser dummen Vergeßlichkeit geworden Na, ich hab dann dem Kassierer alles ^ahlt, ich war natürlich froh, daß es sich so auf« geflart hatte, und er gab mir gleich Urlaub, damit ich Ihnen das Geld zurückbringen konnte. Aber zu« erst wollte er es aar nicht so recht glauben!" r » a^c, unb Fritz dankbar an. Mit eine- foft zärtlichen Sorgfalt steckte Fritz die beiden Scheine in die Brieftasche, in der sie schon früher gelegen hatten. Es war ihm, als wären sie nicht mehr hundert, sondern tausend Mark wert. Noch viel mehr!
Unb bie Reise... dachte er und lächelte vor sich hm, wird nun noch einmal so schon!
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Hans Niederweyer (Eitra»
ÄS «C "ää““"*’
Zeitschriften.
~ Verlag F. Bruckrnann AG.,
München, gibt IN Ihrem Februarheft in anfprechen. der Weise Berichte und Bilder aus den verschiedene» Bereichen der schönen Künste, so eine Betrach, tung der Werke des Norweger Malers Edvard Munch mit vielen chonsn Bildreproduktionen, eine
Wiedergaben von eigenartigem Reiz unb einen Nachruf zum Gedächtnis des im Weltkrieg aefaUe« nen Malers Götz von Seckendorfs. ent^ücEenÖe au - nahmen des Lichtbildners Adolf Last Stuttgart, begleiten den Artikel „Zur künstlerischen Photo« graphie Als Mittler zwischen Kunst und Leben behandelt der Teil über Wohnkultur nrth Nnn-v-inrLLL
^"MsZönen Au^L'' d°u' Lassta-
3en=M üchisp V , ."Wir gehen Pieler" sagte Wug, gab es bereut, seir chinesischen Sc Al, und nicht
Pnb 3au ™in man (o »enbtn Nach »durch bas A durch dk ®*enb ich > erinn fe bto <f)i Mte vom ' £e SM »ta [ojar „ yt so viel r Zuchni, unb Wen tenni. .Mi, bet E, «Werte
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