Ur. 259 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Dienstag, 5. November 1955
Kein Heger — kein Läger.
Don Ernst Holzel.
Eine Futterglocke für Rebhühner.
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Sein Wild zu hegen und zu pflegen hat der Weidmann schon immer als seine vornehmste Pflicht betrachtet. Aber nicht alle, die sich Jäger nannten, waren Weidmänner im besten Sinne des Wortes. Die erschreckend hohen Verluste des Notwinters 1928/29 wären nie in diesem Ausmaße eingetreten, hätten damals alle deutschen Jäger in gleicher Weise ihrem Wilde den Tisch gedeckt und ihm Schutz gegen Kälte und Raubzeug verschafft. In nicht wenigen Revieren waren bis heute Fütterungsanlagen irgendwelcher Art unbekannt.
Diesem Zustande hat das Reichsjagdgesetz ein Ende bereitet. Zum ersten Male in der jagdlichen Gesetzgebung ist in ihm die Hege pflicht im allgemeinen und die Fütterung sp flicht in Notzeiten im besonderen gesetzlich verankert. Damit wird jeder Eigentümer oder Pächter einer Jagd vor die Frage gestellt, welche Maßnahmen er er
greifen soll, um den Forderungen des Jagdgesetzes gerecht zu werden.
Abgesehen von sehr kalten und schneereichen Wintern, die bei uns bekanntlich in den letzten Jahrzehnten wenig häufig waren, ist eine starke Wild- futterung in unserer Höhenlage meist unnötig oder doch nur bei einzelnen Wildarten angebracht. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Vorkehrungen für eine solche Fütterung trotzdem getroffen werden müssen. Denn die Erfahrung zeigt, daß in Revieren, wo die Vorsorge unterbleibt, die Fütterung meist zu spät praktisch einsetzt oder die Futterstellen vom Wilde nicht gefunden werden.
Das, was unseren heimischen Revieren meist fehlt, ist die nötige Deckung im Winter. Hohlwege, Raine und Hecken sind zum großen Teile der Feldbereinigung zum Opfer gefallen oder vom Grundeigentümer beseitigt worden. Kahles Feld, soweit das Auge reicht, bei Schnee dem geübten Auge jedes Huhn, jeden Fasan, jeden Hasen leicht verratend. Kein Wunder, daß dann ganze Ketten Hühner den Räubern der Luft zum Opfer fallen.
Wer wirkliche Wildhege treiben will, muß daher zunächst an die Schaffung von Deckungen denken. Das ist meist nicht schwer, wenn nur der Wille vorhanden ist. Da liegt irgendwo im Revier eine aufgegebene Sandgrube oder ein alter Steinbruch, öde ober von wertlosen Unkräutern überwuchert. Der Eigentümer wird meist nichts dagegen einzuwenden haben, wenn der Jäger sie seinen Zwecken nutzbar machen will. Diesem steht aber auch das Jagdgesetz zur Seite, das bestimmt, daß der Eigentümer die Genehmigung zur Anlage einer Fütterung z. V. geben muß, wenn ihm die Duldung der Anlage zugemutet werden kann, er selbst also dadurch wirtschaftlich nicht beeinträchtigt wird. Brombeeren wachsen überall im Walde und lassen sich gut auf das Oedland verpflanzen, Ginster ist vielleicht auch zu haben. Wer Geld für einige Pflanzen des Sachalinknöterichs übrig hat, wird bald erleben, wie sich der kahle, deckungslose Boden überzieht. So können überall im Revier an Oedlandstellen kleine Schutzinseln entstehen.
Oft aber wird es möglich sein, Anlagen von größerem Ausmaße und vielseitigerem Werte zu schaffen. Der Jäger muß auch ein Freund der Natur sein, sonst ist er kein Jäger. Und nicht nur sein Wild leidet unter dem Deckungsmangel, sondern auch unsere Vogelwelt, unsere gefieberten Sänger, bie Auge unb Ohr erfreuen unb zugleich eine Unmenge von Schüblingen der Landwirtschaft unb besonders bes Obstbaues vertilgen. Bilb rechts unten zeigt solch ein
„Vogelschutzgehölz", gebacht für Vogelschutz unb Wildschütz zugleich. Es entstand im Jahre 1931 unter gemeinsamer Arbeit der Gemeinde Wieseck, des Obst- und Gartenbauoereins und der Jagdpächter. Weißdorn, Hainbuche, Heckenrose, Liguster, Vogelbeerbaum, kleine Fichtengruppen wachsen hier durcheinander und werden mit der Zeit eine Dornröschenhecke abgeben, in der im Sommer die Henne ungestört brüten und die Häsin setzen kann, während in den Astquirlen die Vogelnester stehen, und in her im Winter alles Schutz und Deckung findet, was ihrer bedarf. Aber auch der Tisch ist darin gedeckt, denn am Fuße der Tafel mit der Aufschrift „Vogelschutzgehölz" ist eine gedeckte Futterstelle, wo Hühner und Fasanen Aesung suchen können, ohne dem Raubwilbe ausgesetzt zu sein. Die gerabezu magnetische Anziehungskraft einer solchen Schutzinsel ergibt sich auch baraus, baß fast das ganze Jahr hindurch Rehwilb barin seinen Einstanb nimmt. Gar manche Ricke hat barin schon ihre Kitze vor ber Mähmaschine gerettet. Bilb links oben zeigt von einem Vogelschutzgehölz nur bie Tafel. Mehr ist auch bis jetzt kaum zu sehen, benn bie Bepflanzung würbe erst in biefem Jahre begonnen. Die Beschilderung ist aber zum Schutze ber Jungpflanzen nötig. Das Bilb soll uns zeigen, wie man in kürzester Zeit ohne Kosten eine durch» aus brauchbare Fütterunasanlage, zugleich als Winbschutz geeignet, für Rebhühner Herstellen kann. Eine Anzahl Fichtenreiser, zugespitzt unb im Kreise um ben Pfahl gesteckt, werben oben fest mit einer Schnur zusammengebunden, so baß eine glockenförmige Schutzhütte entsteht. Solche Fütterungen können in großer Zahl über bie ganze Feldmark verstreut angelegt werben. Es ist eine geringe Mühe, bie sich sehr bezahlt macht.
Wenn Oeblanb fehlt, bann wirb es oft möglich fein, einen Acker zu pachten unb bem Milbe nutzbar zu machen. Bilb links unten zeigt eine solche Schutzinsel. Die Pflanzen, bie wir barauf sehen, sinb Topinamburpflanzen, ein Knollengewächs, bas vielleicht mancher Leser vom Kriege her als Kartoffel» ersatz kennt. Die Stengel, bie bei guter Düngung über mannshoch werben, können als Trockenfutter für ben Winter getrocknet werben, bie Knollen nehmen Rehe, Hafen, Fasanen gleich gut an. Sie sinb babei frosthart unb können währenb bes Winters ruhig in ber Erbe bleiben. So geschieht es hier mit diesem mitten im freien Felde liegenden Acker. Wenn alles ringsum kahl ist, bann zieht sich alles mögliche Wilb borthin, währenb im Sommer regelmäßig Rehwilb barin steht unb selbst ber Dachs schon ben Weg zum Bau im Walbe offenbar für lästig unb unnötig empfanb unb sich beswegen hier einschob. Das Bild zeigt uns gleichzeitig eine erprobte Futterstelle aus Fichtenholz und Dachpappe.
Jedes Revier hat seine Besonderheiten. So wird
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Eine Futterstelle aus Holz und Dachpappe.
Mannshohes Vogelschutzgehölz. — Aufnahmen 14]: Neuner, Gieß. Anz.)
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Beim Herrichten einer sog. „Stocksulze".
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man in anderen Jagdbezirken mit gutem Erfolg andere Wege gehen.
Man kann z. B. in Hecken leicht schneedichte Dächer aus Fichtenreisern einbauen, die sich glänzend bewähren. Die Hauptsache ist, daß wirklich etwas geschieht.
Ist Deckung so gewonnen, ist beinahe alles gewonnen. Nun muß die Fütterung noch hinzukommen. Wo Fasanen vorkommen und gepflegt werden sollen, ist Fütterung unerläßlich. Hühner sind außerordentlich dankbar dafür. Der dauernde Rückgang der Hühnerjagd hat sicherlich mancherlei Gründe, aber bestimmt darunter den der meist vollkommen fehlenden winterlichen Fütterung und Pflege. Dabei ist gerade das Huhn so einfach zu füttern. UeberaU auf den Heuböden liegen die Heu» blumen, Gras- und Unkrautsamen in Menge. Sis sind das ideale Futter für die Hühner. Auch Fa- fanenfütterungen können damit beschickt werden, doch nimmt man hier besser ordentlich Kaff von der Dreschmaschine, Hinterkorn von Roggen oder Weizen oder solches Getreide selbst, wenn nicht etwa Mais ober Sonnenblumen zur Versütterung stehen. Eines vergesse man babei nie: S a n b. In jede Fütterung für Hühnervögel gehört grober Sand. Das Huhn will hudern, und es braucht Sandkörner in feinem Magen. Ferner wird sehr oft nicht daran gedacht, daß auch ein Futter mit einem gewissen Feuchtigkeitsgehalt nötig ist. Das findet sich im Haushalt. Wenn dort Wirsing ober Weißkohl verarbeitet wirb, gibt es Abfall genug. Ober man opfert feinem Milbe ganze Köpfe, beren Blätter zerhackt unb bann geschüttet werben. Rüben, Knollen bes Topinambur, rohe Kartoffelschalen können in gleicher Weise zerkleinert ben Fütterungen beigegeben werben.
Fasanenfütterungen, wie sie Bilb 3 zeigt, gehören auch überall in ben Wölb, wo der
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mild, leicht • chöumend, ganz wundervoll im Geschmack
London im November-Nebel
Von Dr. 3- Horn, Gießen
Den November nennen wir den „Nebelmonat", und wir tun gut daran, ihn mit diesem unpoetischen Namen zu tadeln. Die Londoner aber haben allen Anlaß, den düsteren Gesellen zu hassen, denn er beschert ihnen den gefürchteten Nebel, der die Gesundheit schädigt, den Verkehr stört und Unfälle veranlaßt, die den Verlust von Menschenleben zur Folge haben. Eine Riesenfaust fährt gleichsam mit grauem Pinsel über das Angesicht der Riesenstadt hin, im trostlosen Grau alles Lichtend alle Farbe auslöschend.
In seinem Buche „Wanderer in London" unterscheidet E. V. Lucas zwei Hauptarten des Londoner Nebels: Den schwarzen Nebel, der die Menschen zu blenden und zu ersticken droht, und den Dünnen Nebel, der nur einhüllt und verschleiert. Die erste Sorte herrscht eigentlich nur an den Ufern der Themse, und der Londoner bezeichnet ihn drastisch als thick as pea-soup (dick wie Erbsensuppe). Wenn bie Ausbünstungen ber Essex-Marschen von dem Ostwinb über London gejagt werden und die dampfgesättigte Herbst- und Winterluft die Zerstreuung des Rauches von Tausenden von Schornsteinen hindert, dann leiden sämtliche Sinne unter dieser seltsamen Atmosphäre; auch Geruch und Geschmack werden beleidigt, alle Gegenstände fühlen sich feucht und fettig an. Man muß sich seinen Weg an den Häusern entlang tasten und wird von seinen unsichtbar gewordenen Mitmenschen fluchenden Tones um orientierende Auskunft ersucht. Sorglich läßt der Polizist sein bull’s-eye (kleine Blendlaterne) über Straßen und Häuser hinblinken, denn den Spitzbuben ist die pea-soup zu ihrem stehlenden Gewerbe hochwillkommen.
Wenn jener spanische Diplomat an einem Tage solchen Nebels London zum ersten Male sah (bzw. nicht sah), dann sind die sehnsuchtsvollen Worte leicht zu begreifen, die er feinen heimkehrenden Freunden nach dem sonnigen Süden mitgab: „Grützt mir die Sonne in Spanien, benn hier sehe ich sie ja boch nicht!"
Ein Witzbilb erklärte bie beiben Nebelarten plastisch in folgenbem lieblichen Bilbe: Der bünne Nebel bietet benselben Anblick bar, wie wenn man den rauchenben Schornstein hinaufsieht; sieht man den Schornstein hinunter, so brodelt einem der schwarze Nebel lustig entgegen.
Ein Franzose machte sich Gedanken über den Ausspruch, daß die Sonne tlh Britischen Reich niemals untergehe. Eines TagLs aber, als er in
einem fürchterlichen Nebel in England an Land ging, rief er erfreut aus: „Jetzt habe ich es; sie geht hier überhaupt pid)t auf!"
Der andere Nebel, ber nur verschleiert, aber nicht au^loscht, ber nur linbert unb milbert, aber nicht schmutzig macht, ber Nebel, besten verschönenbe Eigenschaften der Maler W h i st l e r entdeckt hat, solch ein Nebel, meint Lucas, kann uns zur Wonne und zum Entzücken werden. Durch diesen weichen Nebel gesehen wird London zu einer romantischen Stadt, denn alles, was hart und häßlich ist an seinen Bauwerken, was düster und abstoßend wirkt, all das verschwindet. Armselige Gebäude, sagt Whistler, verlieren sich in dem düstern Himmel, die hohen Schornsteine der Fabriken werden zu schlanken Glockentürmen, die Warenhäuser erscheinen als Feenpaläste in der Nacht, und die ganze Stadt scheint wie im Märchenreich am Himmel zu hängen. So entdeckte also dieser Amerika-Pariser die Stadt London als Stätte geheimnisvoller Schönheit; was dem gewöhnlichen Sterblichen als Gegenstand sarkastischen Spottes und als Feind erscheint, kann dem künstlerisch fühlenden Menschen zur Freude sich wandeln.
Wie undankbar wäre es, bem ach so regelmäßig wieberkehrenben Gast unb populär geworbenen anhänglichen guten Bekannten kalt-abweichenb zu begegnen! Mit feinem ausgeglichenen Temperament nimmt ber Englänber auch seinen Nebel mit Gleichmut hin, unb sein Sprechen über bas Wetter ist ein untrügliches Zeugnis bafür, baß er allem, was bie Natur ihm bietet, Geschmack abgewinnt. In Län- bern ewig-blauer Einförmigkeit unb ba, wo bie klimatischen Bebingungen gerabeheraus schlecht sinb, spricht man nicht vom Wetter. John Bull hält es mit Heinrich Seibel, ber ben mürrischen November sogar liebevoll besingt:
Solchen Monat muß man loben: Keiner kann wie bieser toben, keiner so verbrießlich sein unb so ohne Sonnenschein.
In einem feiner Werke spricht ber berühmte Romanschriftsteller John Galsworthy (geft. 1933, Nobelpreisträger) von ben verfchiebenen Elementen, bie ben Charakter bes typischen Englänbers heraus- zubilben zusammenhelfen. Sein Klima sei zwar ge« funb unb neige nicht zu Extremen, aber es sei durchaus wechselhaft und verteufelt feucht. Wer solch ein herbes Klima jahrhundertelang erträgt, so meint Galsworthy, muß notwendigerweise in sich bas Gegengewicht einer trockenen Philosophie, eines trotzigen Humors unb einer erzwungenen mittleren
Temperatur bie Seele nähren. Er stellt eine große Portion unbekümmerten Gleichmutes, ja stoischer Abgestumpftheit, im Charakter des Typus John Bull fest. Und wir gehen gewiß nicht fehl, wenn wir bie Herausbildung dieses — nach deutschen Begriffen nicht erstrebenswerten — Wesenszuges bem miserablen Nebel auf sein reichhaltiges Schulb- konto setzen.
Zeitschriften.
— „Das Innere Reich". Zeitschrift für Dichtung, Kunst und beutsches Ceben. Herausgeber: Paul 211 oerbes und Karl Benno von Me» ch o w. Vierteljährlich 4,80 Mark, Einzelheft 1,80 Mark. Verlag Abert Langen-Georg Müller, Mün- chen. — Die große „Amerikanische Rebe" von Hans Grimm, bem Dichter von „Volk ohne Raum", steht unter ben zahlreichen im Novemberheft enthaltenen Beiträgen als ber in feiner volks- unb weltpolitischen Tragweite bebeutenbfte an ber Spitze. Sie ist ein menschliches und geistiges Dokument. Diese Anfang Oktober zum „Deutschen Tag" in Neuyork anläßlich bes 250. Jahrestages ber ersten großen Deutschen-Einwanderung vor ben vereinigten Der- bänben ber Deutschamerikaner gehaltene Rebe gibt nicht nur ein klares Bilb bes auslanbsbeutschen Schicksals, bas im Laufe ber Jahrhunderte unzähligen deutschen Menschen der räumlichen Enge ihres Vaterlandes wegen widerfahren ist und sie immer wieder zwang, für fremdes Land und Volk mit ihrem Gut und Blut zu bezahlen und sie dennoch in ihrem Glauben bestärkte, der fernen Heimat die Treue zu bewahren — sie ist vor allem auch eine eindringliche Mahnung, daß die „drei großen Nordleute England, Amerika und Deutschland" mit ihrem «gleichgearteten Wesen zu „Vormännern bie» 'de" berufen sind. An weiteren Beiträgen bringt das Heft einen Aufsatz über Heinrich Schütz, in dem Hans Joachim Moser einen deutschen Meister von erstem Range erkennt, ferner eine Betrachtung „Landschaft an Rhein und Main" von Franz Stegmeyer, und eine von Paul Alverdes beigesteuerte, klug abwägende und vortrefflich beratende Bücherschau über einige der wichtigsten Neuerscheinungen. Natürlich kommt daneben auch das rein Dichterische zu feinem Recht: außer den Versen von Oda Schäfer und Paul Appel bleibt besonders der Geschichte „Das seltsame Trauerge- folge" von Wilhelm von Scholz zu gedenken. Der Hauptteil des Heftes gehört der Erzählung „Katharina" von Günther Eich. Dieses Erlebnis einer frühen Liebe wird auf eine Weife erzählt, daß bar» aus ein kleines dichterisches Kunstwerk entstanden ist.
— Zur vielerörterten Frage: Wurde bas Christentum ben Germanen aufge- zwungen? weist im Nooemberheft ber „Zeit* wenbe" (Michern-Verlag, Berlin-Spanbau) Sieg» frieb Beyschlag anschaulich nach, baß der nordische Glaube in sich selber verbrach, aus seinem eigenen Ungenügen, und daß die Botschaft vom „weißen Krist" die Nordgermanen gerade in dieser Krisis ihrer arteigenen Religion erreichte und von ihnen willig als Erfüllung einer ungestillten Sehnsucht ausgenommen wurde. Mährend die große Mehrheit der deutschen Stämme die Lehre vom Heiland mit überraschender Schnelligkeit angenommen hat, haben die Sachsen erbittert und blutig gekämpft. Aber sie stritten in erster Linie nicht für ihren Glauben, sondern für ihre politische Unabhängigkeit; nach ihrer Eingliederung in das Reich Karls des Großen nahmen auch sie das Chrstentum überraschend schnell an. Hierüber berichtet Professor D. Dr. Malter Friedensburg in einem Aufsatz über „Das Christentum bei den alten Sachsen". Zwei weitere Beiträge des Heftes handeln vom Verhältnis der evangelischen Kirche zu den politischen Gewalten. Lic. Friedrich Loy spricht zum Reformationsfest „Vom einsamen Luther", der einsam wurde und blieb, weil er bas Evangelium weber an bie soziale Revolution ber Bauern noch an bie nationale Revolution ber Ritter noch an bie Weltanschauung ber Humanisten verraten wollte, unb bem bie lutherische Kirche ber Gegenwart auch um ben Preis ber Einsamkeit folgen muß, wenn sie ihre Senbung recht erfüllen will. Christian Stoll stellt eine grunbsätzliche Betrachtung über „Das Machtprinzip unb die Kirche" an; klar arbeitet er heraus, daß die evangelische Kirche, getreu der Regel Jesu und der Botschaft der Reformation, eine entpolitisierte Kirche sein will und sein muß, daß sie weder nach politischer Macht streben, noch das weltliche Machtprinzip in ihre eigene Leitung und Verwaltung hineintragen lassen darf.
6orf>fchulnacbrid)fen.
Professor Dr. Siegfried Kähler, Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte an der Univer» fität Halle, erhielt einen Ruf als Nachfolger von Professor Dr. Alexander kartellier i auf den Lehrstuhl für Geschichte an der Universität Jena.
Die S u d h o f f - M e d a i 11 e der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissen- Ichaft und Technik wurde Professor Dr. Wilhelm H a b e r l i n a, Extraordinarius für Geschichte der Medlin an der Medizinischen Akademie Düsseldorf, verliehen.


