Ausgabe 
5.10.1935
 
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Haftungsbescheid angefordert und nötigenfalls im Verwaltungszwangsoerfahren beigetrieben wird.

SportamtKraft durch Freude".

FolgendeKdF."-Sportkurse sind in dieser und nächster Woche für neu hinzukommende Teilnehmer kostenlos!

Sam s t a g : Waldlauf, für Frauen und Männer. Von 17 bis 18.30 Uhr, Umversi- tätssportplatz.

Montag: Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 19.45 bis 20.45 Uhr, Großen-Buseck, Gasthaus Wagner.

Dienstag: Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Alte Pestalozzischule, Werner wall. Skigymnastik, für .Frauen und Män­ner. Don 20.30 bis 21.30 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße.

Mittwoch: Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lyzeum, Dammstraße. Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Wieseck, Gasthaus Braun. Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer. Von 19.45 bis 20.45 Uhr, Großen- Buseck, Gasthaus Wagner.

Donnerstag: Allgemeine Körper­schule, für Frauen und Männer. Von 16 bis 18 Uhr, Universitätssportplatz. Fröh­liche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 20 bis 21 Uhr, Lyzeum, Damm- straße. Von 21 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße.

Freitag: Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer. Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße. Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, Kantinengebäude der Firma Buderus.

Ferner betreut das Sportamt Gießen noch fol­gende Kurse: Schwimmen, Reiten, Skitrocken, Klein­kaliberschießen und Hallentennis, lieber die Uebungs- zeiten und Kosten der Kurse gibt das neue Sport­programm Auskunft. Dasselbe kann unentgeltlich auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, abgeholt werden.

Leibesübung ist Gebot der Selbst- er h altun g !

Das deutsche Frauenwerk gegen das Borgunwesen.

Das deutsche Frauenwerk schreibt uns zum Feld­zug gegen das Borgunwesen:

Es liegt im Sinne der inneren Umgestaltung des deutschen Menschen, daß er es mit seiner Ehre wie­der ernst nimmt. Kredit geben ist Vertrauenssache. Das Vertrauen ungezählter deutscher Handwerks­meister ist aber auf das schmählichste getäuscht wor­den. Es wurden Bestellungen gemacht, oder Ein­käufe getätigt, für die keine Deckung da war. Es entstand ein Borgunwesen, das heute droht, den deutschen Handwerksmeister zu ruinieren. Die In­flation hat den meisten ihr Stammvermögen ge­nommen. Bekommt der Handwerker nicht rechtzeitig sein Geld für die gelieferte Ware, so ist auch er ge­zwungen, fein Rohmaterial gegen Kredit einzu­kaufen.

Wir deutschen Hausfrauen, die wir in diesen Jah­ren oft mit einem Minimum an Mitteln ein Maxi­mum an Leistungen bewältigen mußten, kennen die Rot, die dann entsteht, wenn z. B. ein kleiner Be­trag zurückgelegt werden konnte für die Beschaffung eines notwendigen Gegenstandes des Haushalt und der Kleidung, der dann bis zur Fertigstellung durch ganz unvorhergesehene schwierige Zwischenfälle an­gebrochen werden mußte und uns in peinliche Ver­legenheit brachte, unserer übernommenen Pflicht nicht nachkommen zu können. Der Appell des Reichs- Handwerksmeisters aber richtet sich ebenso an das Ehrgefühl des Käufers, wie an feine Einsicht.

Bedauerlicherweise sind es gerade die Kreise, de­nen es wirtschaftlich möglich ist, gegen Barzahlung zu kaufen, die demAnschreibenlassen" besonders huldigen. Es ist aber auch für die kleinen Gewerbe-

DieLmtedMestseiemderGießenerOrisgnippen

Oer Sonderzug Gießen-Süd nach Lang-Göns.

Zur Erntedankfeftfeier der Ortsgruppe Gießen- Süd in Gemeinschaft mit den Volksgenossen in Lang-Göns fährt der Sonderzug Gießen-Süd vom Bahnhof Gießen um 12.45 Uhr ab und trifft um 13.03 Uhr in Lang-Göns ein. Die Rückfahrt er­folgt ab Lang-Göns um 22.18 Uhr, die Ankunft in Gießen um 22.32 Uhr. Die Fahrkarten und Ouartierfcheine sind im Zigarrengeschäft von Alfred M ä n n ch e, Liebigstraße 83, abzuholen. Am Bahn­hof sind keine Fahrkarten zu haben.

NSDAP., Sießen-Nord.

Belr.: Erntedankfest am 6. Oft in Großen-Linden.

Die Abfahrt des Sonderzuges zum Erntedankfest erfolgt um 12.45 Ahr ab Bahnhof Gießen, die Rück­fahrt um 22.25 Uhr ab Grohen-Linden.

Der Fahrpreis betragt 0,20 Mark hin und zurück. Kinder von vier bis zehn Jahren zahlen die Hälfte, während Kinder unter vier Jahren kostenlos mit­genommen werden können.

Die Fahrkarten werden den Teilnehmern durch die Blockwalter ausgehändigt.

Rachmeldungen zur Teilnahme werden auf der Geschäftsstelle, Walltorftrahe 16, entgegengenommen.

Letzte Anordnung.

Die Teilnehmer der Ortsgruppe Gleßen- Rord sammeln sich zellenweise um 12.15 Uhr vor dem Bahnhofsgebäude. Geschlossene Formationen treten um dieselbe Zeil ebenfalls vor dem Bahn­hofsgebäude an.

Transportierter find:

1. Ortsgruppenleiter Pg. Thomas,

2. stellv. Ortsgruppenleiter pg. Wen z e l.

Den Anweisungen dieser Transportleiter ist un­bedingt Folge zu leisten.

Die Abfahrt des Sonderzuges erfolgt, wie be­reits durch die presse bekanntgegeben, um 12.45 Uhr. Rach der Ankunft in Großen-Linden schließen wir uns dem Festzug der dortigen Ortsgruppe an und marschieren geschlossen zum Festplah. Dort findet bann die Uebertragung der Führerrede statt. Anschließend werden für die Bedürftigen Essen- scheine für ein Rachtessen verausgabt, und zwar in der Reihenfolge der Zellen 1 bis l. Bekanntgabe erfolgt noch auf dem Festplah. Rach einigen Dar­

bietungen der HI. und des BDM., die noch auf dem Festplah ftattfinden, ist in sämtlichen Lokalen Grohen-Lindens gemeinsam mit der dortigen Be­völkerung zwangloses Zusammensein und Tanz.

Rachzügler können die fahrplanmäßigen Züge benutzen, doch haben hierzu selbstverständlich die Fahrkarten für den Sonderzug keine Gültigkeit.

Die Rückfahrt des Sonderzuges nach Gießen er­folgt um 22.25 Uhr.

NSDAP. Ortsgruppe Gieheu-Ost.

Erntedanktag in Großen-Buseck.

Der Sonderzug nach Großen-Buseck fährt

ab Bahnhof Gießen 12.20 Uhr, ab Haltestelle Licher Straße 12.25 Uhr. Rückfahrt ab Großen - Vuseck 22.10 Uhr, an Gießen Licher Straße 22.24 Uhr, an Gießen Bahnhof 22.29 Uhr.

Der Fahrpreis beträgt für hin- und Rückfahrt 0,40 Mark. Für Kinder vom vollendeten 4. bis vollendeten 10. Lebensjahr 0,20 Mark.

Fahrkarten können gegen Erstattung des Fahrpreises ab geholt werden: in der Wirtschaft Germania", Kaiserallee 141, Sams­tag von 14 bis 20 Uhr.

An der Bahn werden keine Karten mehr aus­gegeben.

Es empfiehlt sich, wenn sich mehrere Teilnehmer zusammenschliehen und die Karlen durch einen Be­auftragten abholen lassen.

Ortsgruppe Gießeu-Mitte.

Die Ortsgruppe Giehen-Mitte fährt zur morgigen 'Erntedankfestfeier nach Geilshausen. Die Fahrtteilnehmer und die beiden der Ortsgruppe zu- geteilten Stürme der SA. treten um 11 Uhr in der Bahnhofstraße / Ecke Alicenstraße an. Abfahrt des Sonderzuges ab Bahnhof Gießen 11.26 Uhr. Fahr­preis für Hin- und Rückfahrt 90 Pf. pro Person, Kinder von 4 bis 10 Jahren zahlen die Hälfte, Kinder bis zu 4 Jahren werden umsonst befördert. Die Fahrkarten werden durch die Blockleiter und die Führer der beiden Stürme ausgehändigt. Rückfahrt ab Geilshausen 22 Uhr, Ankunft in Gießen 22.45 Uhr.

Fahrzeuge (Autos) zur Fahrt nach Geilshausen müssen punkt 11 Uhr an der Goetheschule ver­sammelt sein.

treibenden, besonders z. B. für die Fleischer und Bäcker, ein Verlust gar nicht zu vermeiden, der dann im Preis auf die Waren umgelegt werden muß.

Wir deutschen Hausfrauen begrüßen darum die Aktion des Reichshandwerksmeisters gegen bas Borg­unwesen und werden ihm in seinen Bestrebungen nach besten Kräften behilflich fein, und es wird die Ehre der deutschen Hausfrau sein, ihren Pflichten gegenüber dem Handwerk ebenso gewissenhaft nach­zukommen, wie es die Ehre des Handwerks sein wird, die ihm übertragenen Aufträge pünktlich und gewissenhaft zu erledigen.

Schützt den Kettenhund.

Das Kreisamt Gießen hat an die Ortspolizeibe­hörden und die Gendarmeriebeamten des Kreise^ die nachstehende Verfügung erlassen:

Die Pflege der Kettenhunde läßt vielfach zu wün­schen übrig, sei es, daß die Hundehütte keinen ge­nügenden Schutz gegen Kälte und Rässe bietet, sei es, daß unzureichendes Futter gereicht, oder daß nicht für Reinlichkeit in der Hütte und Umgebung gesorgt wird. Grobe Vernachlässigung in der Hal­tung und Pflege von Tieren ist nach den Para­graphen 2 und 9 des Reichstierschutzgesetzes vom 24. November 1933 verboten und strafbar. Wir

weisen Sie daher unter Bezugnahme auf unser Aus­schreiben vom 24. April 1933 an, die Haltung der Hof- und Kettenhunde bei jeder sich bietenden Ge­legenheit nachzuprüfen und gegebenenfalls Straf­anzeigen zu erheben.

Verwendet Wohlfahrtsbriefmarken!

In diesen Tagen beginnt der Vertrieb der Wohl­fahrtsbriefmarken. Es werden in diesem Jahr zehn verschiedene Marken mit Bildern von Frauen und Mädchen deutscher Stämme in ihren Trachten ver­kauft. Neben diesen Briefmarken wird eine Wohl­fahrtspostkarte mit eingedruckter 6-Pf.-Marke, die das Bild eines Mädels vorn BDM. trägt, ausge­geben. Es ergeht hiermit der Aufruf an die Be­völkerung, recht viel von diesen Wohlfahrtsbrief­marken zu verwenden.

Noch keine Kraftpostverbindung mit Allendorf (Lahn).

Vom Postamt Gießen wird uns mitgeteilt: Die in dem Druck der neuen Kraftpost-Fahrpläne be­reits vorgesehene Einbeziehung des Ortes Allen­dorf (Lahn) in die Kraftpostlinie GießenHochel­heim kann vorerst noch nicht ausgeführt werden, weil die Reichsbahn Einspruch erhoben hat.

Textilbetriebe zur verstärkten Kurz­arbeiter-Unterstützung zugelaffen.

Dec Präsident der Reichsanstalt für Arbeiter, mittlung und Arbeitslosenversicherung hat mit Wir- tuna oom 1. September 1934 auch die Betriebe aller Gewerbearten der Textilindustrie, in denen reael- mäßig weniger als zehn Arbeiter oder Angestellt, beschäftigt werden, zur verstärkten Kumarbe,ter- Unterstützung zugelassen. chausgewerbebetriebe sind nur insoweit mit eingeschlosten, als der Hausge. werbetreibende Betriebsarbeiter beschäftigt, für die die allgemein gesetzlichen Vorschriften über die Ar­beitszeit gelten.

Heimarbeit für das Bekleidungs­gewerbe.

Vom Arbeitsamt Gießen wird uns mitgeteitt: Der Sondertreuhänder für das Bekleidungsgewerbe hat die Listen für die im Bekleidungsgewerbe täti­gen Heimarbeiter eingefordert. Deshalb sind dem Arbeitsdienst Gießen die Heimarbeiterlisten für das Bekleidungsgewerbe in doppelter Ausfertigung spätestens bis zum 10.11. einzureichen. Aufzufuh­ren sind diejenigen Heimarbeiter, die in der Zeit vom 1.5. bis 31.10.1935 in Heimarbeit beschäftigt worden sind. Die Listenoordrucke sind durch die Firma W. Kohlhammer, Buchdruckerei, Stuttgart, zu beziehen.

Schwerer Verkehrsunfall an der Schottstraße.

Heute morgen gegen 7.30 Uhr ereignete sich ein üenjängnisDoüer Derkehrsunfall. Der hiesige Händ­ler Kremer aus der Hammstraße 5, der sich un­terwegs nach Daubringen befand, geriet mit feinem Opelkraftwagen an der Ecke Schottstraße und Hit- lerwall auf dem nassen Pflaster ins Schleudern. Da­bei fuhr der Personenkraftwagen gegen einen im gleichen Augenblick vom Walltor her kommenden, schwer mit Sand beladenen Lastkraftwagen einer Wiesecker Firma. Der Lastkraftwagenführer lenkte geistesgegenwärtig seinen Wagen scharf nach rechts und fuhr auf den Bürgersteig, hart an dem dortigen Gartenzaun entlang, er konnte den Zusammenstoß aber trotzdem nicht verhindern. Der Führer des Personenautos wurde bei dem heftigen Anprall mit großer Wucht gegen das Schaltbrett gestoßen und erlitt dabei eine schweren Bruch des linken Beines, unmittelbar unterhalb des Knies. Da die Windschutzscheibe in Trümmer ging, erlitt her Fah­rer auch einige Schnittverletzungen an der Hand. Die Frau des Verunglückten, wie auch deren Mut­ter, blieben glücklicherweise unverletzt. Der vordere Teil des Kraftwagens wurde bei dem Zusammen­stoß schwer beschädigt; der linke Kotflügel und das linke Vorderrad wurden völlig eingedrückt, der Stoßdämpfer und die Lampen zerstört, das Steuer­rad brach. Der Wagen mußte abgeschleppt werden. Den Verunglückten brachte die Freiwillige Sanitäts­kolonne vom Roten Kreuz nach erster ärztlicher Hilfeleistung in das Katholische Schwesternhaus. Die Polizei nahm sofort die notwendigen Ermitt­lungen^ über den Unfall auf.

Freiwillig länger Dienende im Arbeitsdienst.

Das Inkrafttreten der Arbeitsdienstpflicht ist mit der Einberufung eines Teiles des Jahrgangs 1915 zum 1. Oktober Wirklichkeit geworden. Die dienst­pflichtigen jungen Männer haben bis Mitte Sep­tember sämtlich den Musterungsbefehl erhalten, in­dem entweder die Einberufung zum 1. Oktober 1935 oder die Mitteilung stand, daß die Einberufung erst zum 1. April 1936 erfolgen wird. Außer den Dienst­pflichtigen stellt der Arbeitsdienst, offenbar zur Be­reitstellung der nötigen Autoführer,freiwillig län­ger Dienende" zum 1. Oktober 1935 ein, die dann über 17 und unter 25 Jahre alt sind. Es kommen

Roman von Anny von panhnys

Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

9 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Gretel erhob sich.Nein, bann komme ich lieber wieder, Bettina. Ich kaufe inzwischen ein, und dicht vor der Heimfahrt hole ich mir den Rahmen. Nach zwölf Uhr. Laß das Bild nur gleich darin."

Bettina nickte:Um zwölf Uhr ist die Gravierung fertig."

Gretel Syden bezahlte gleich und entfernte sich mit einem Scherzwort. Bettina aber lag das Herz zentnerschwer in der Brust. Wie schade, daß Gretel bas Bild im Rahmen gelassen. Sie wollte es nicht ansehen unb mußte es doch tun. Sie wollte Hans Sybens Züge hart und häßlich finden unb fand sie dock vornehm und stolz. Sie hätte das Bild im Raymen auf den Fußboden schleudern mögen, da­mit das Schutzglas in Scherben zerklirrte, und strich doch halb unbewußt mit fünften Fingern über das Bild hin, dachte verwirrt: Meine Liebe ist doch tot, weil er so grausam gegen mich gewesen. Warum tut denn aber nur noch alles so bitterweh?

Die Ladenklingel riß sie aus ihrer Versunkenheit, sie sah einen gut aussehenden Herrn eintreten. Er grüßte und sie erwiderte höflich den Gruß, legte as gerahmte Bild etwas seitab auf den Verkaufs- tisch. Sie kannte den Herrn nicht, aber vom Früh­jahr bis Spätherbst rechnete man hier am meisten mit Fremden, die den Rhein besuchen.

Bettina fragte höflich:Womit kann ich Ihnen dienen, mein Herr?"

Er antwortete:Ich möchte etwas für meine Mutter kaufen, ein Andenken, ein Mitbringsel. Sie haben Schmuck in der Auslage, der nach einem Hinweis in eigener Werkstatt angefertigt wurde. Der Amethystanhänger interessiert mich."

Bettina nahm das mit violettem Samt über­spannte Brettchen aus dem Schaufenster und ließ den Kunden die darauf ruhenden Schmucksachen be­trachten. Der Amethystanhänger gefiel ihm. Es war ein daumennagelgroßer klarer Stein von satter Farbe, der schon geschliffen von einer Vogelklaue aus Weißgold gehalten wurde.

Bettina pries das Stück an.Vater ist vor allem Goldschmied, in richtiger Bedeutung des Wortes. Den Schmuck, der aus den Fabriken kommt unb der er im allgemeinen verkaufen muß, weil bie Leute nicht viel ausgeben können ober wollen, mag er nicht. Wenn er so etwas geschaffen wie zum Bei- spiel ben Anhänger, ist er sehr glücklich."

Gerharb Diendorf lächelle zustimmend.

Man fühlt, daß Lust und Liebe bei der Arbeit geholfen." Er entschied sich.Den Anhänger nehme ich gern."

Der ziemlich hohe Preis störte ihn nicht, weil es sich wirklich um kunstvolle, sorgfältige Handarbeit handelte.

Er zahlte und steckte bas ihm überreichte Etui, bas jetzt ben Anhänger barg, in feine Brusttasche. Zufällig blieben jetzt seine Augen auf dem seitlich liegenben Silberrahmei? haften, unb feine Hanb streckte sich unwillkürlich banach aus.

Darf ich den Rahmen von nahe betrachten, er scheint sehr hübsch."

Bettina nickte:Bitte sehr!" und die Rechte des Kunden faßte den mattsilbernen Gegenstand, hob ihn auf.

Bettina bemerkte mit Erstaunen, die Hand, die den Rahmen hielt, zitterte plötzlich. Ganz deutlich sah sie es.

Sie blickte den Fremden an und sah mit Be­stürzung, sein Gesichtsausdruck, der noch vor weni­gen Sekunden freundlich und liebenswürdig ge­wesen, war jetzt hart und kalt. An seiner einen Schläfe war die schmale Aber angeschwollen. Er betrachtete auch gar nicht bön Rahmen, fonbern bas Bilb in bem Rahmen. Hans Sybens- Bilb.

Bettina erschrak vor ben Augen, bie sie jetzt an­sahen.

Dem verbinblichen Herrn, ber eben von ihr ben Amethystanhänger gekauft, hätte sie nicht zuge­traut, baß seine Augen so böse, so zornig funkeln konnten. Angst erfaßte sie. Vielleicht war ber Frembe krank.

Sie bachte an bie Irrenanstalt, bie ein Viertel- stünbchen von ber Stabt entfernt auf einem Hügel lag. Es sollte ja schon vorgekommen sein, baß Kranke baraus entwichen waren. Gerharb Diem borf beachtete nicht bas ängstliche Gesicht bes blon- ben Mäbchens, er war ja völlig in Anspruch ge­nommen von ber seltsamen Ueberraschung, bie ihm ber zufällig in bie Hanb genommene Rahmen be­reitet. Eine größere unb bessere Ueberraschung hätte es für ihn auf ber ganzen Welt nicht geben kön­nen, benn er hielt bas Bild bes Mannes in Hän­den, ber fein Glück vernichtet hatte. Das Bilb stellte den Menschen bar, mit bem er am frischen Grabe Wally Walds so seltsame Fragen unb Antworten gewechselt.

Zu beutlich hatte sich ihm bas Gesicht eingeprägt. Ja, es war die gebogene Nase bes Fremden, sein Trotz unb Eigenwillen oerratenbes Kinn unb seine herrischen Augen, bie auf ber mattbraunen Foto­grafie erkennen ließen, sie waren sehr bunfel.

Gerharb Dienborf fragte mit heiser flingenber Stimme:Ich möchte gern wissen, wer ber Herr auf ber Fotografie ist?"

Er fühlte, kaum baß er bie Frage ausgesprochen, ber Ton ber Frage war nicht richtig gewählt unb er setzte mit mühsamem Lächeln hinzu:Ich meine nämlich, in bem Herrn einen Studienfreund zu er­

kennen, von bem ich seit langen Jahren nichts mehr gehört."

Bettina glaubte nicht, was ber Frembe gesagt. Seine noch sichtbare Erregung strafte bie Worte Lügen unb in feinen Augen brannte ein Licht, bas Haß entzünbet haben mußte.

Sie gab nicht gleich Antwort, ba fragte er noch einmal unb bas erquälte Lächeln glich einer Gri­masse:Wer ist ber Herr auf bem Bilb?"

Sie wollte ben Namen nennen, benn schließlich war ja weiter nichts babei. Schon öffneten sich ihre Lippen, ba wieberholte er feine Frage abermals, aber merklich ungebulbiger. Zu ungeduldig und auf­fallend.

Eben horte Bettina den Vater in das Hinter­zimmer eintreten. Nun war Schutz in ihrer Nähe. Sie brauchte nur auf den kleinen Klingelknopf un­ter dem Verkaufstisch zu drucken und der Vater träte ein.

Sie antwortete:Wenn Sie in dem Herrn einen Studienfreund erkennen, müssen Sie doch seinen Namen wissen."

Dr. Diendorf ärgerte sich, weil er seine Frage so ungeschickt gestellt. Er nahm Haltung an. Er sah ein, er benahm sich auffallend, aber er war zu fieberhaft erregt.

Natürlich weiß ich seinen Namen, ich drückte mich falsch aus. Bitte, Fräulein, ich möchte nur wissen, wo mein Studienfreund jetzt wohnt. Wir haben uns aus den Augen verloren."

Das klang leidlich glaubwürdig und vernünftig, aber Bettina glaubte nun unb nimmer, baß es sich um eine vorhin falsch gestellte Frage gehanbelt. Sie war fest überzeugt, ber Frager hatte keine Ahnung, wie ber hieß, ben bas Bilb barstellte, aber er ver­suchte, es jetzt auf bem Umwege ber Frage nach feinem Aufenthalt aus ihr herauszubringen.

Es war, als warne sie eine laute Stimme, bie jetzt gewünschte Auskunft zu geben.

Ein wenig kurz erroiberte sie:Ich bebaure sehr, mein Herr, Ihre Frage nicht beantworten zu kön­nen. Ich kenne ben Herrn auch nicht unb weiß We­ber Namen noch Wohnort von ihm."

Er fragte trotzbem:Von wem haben Sie bie Fotografie, für men ist ber Rahmen bestimmt?"

Für eine Kunbin, weiter kann ich Ihnen keine Auskunft geben."

Dr. Dienborf sah ein, auf bie Weise kam er nicht weiter. Die Verkäuferin handelte korrekt, sie brauchte ihm keine Fragen über bie Kunbschaft zu beantworten. Er griff also nach seinem Hut, aber er fühlte sich mit einem Male unsagbar schlecht. Er hatte gestern abend zuviel schweren Wein getrun­ken, hatte unruhig geschlafen und dazu gesellte sich jetzt bie Aufregung über bas Bilb.

Er bat:Würden Sie mir nicht ein Glas Wasser besorgen, Fräulein, ich wäre Ihnen dafür sehr dankbar."

Sie sah, wie müde und abgespannt feine Züge waren. Jetzt tat er ihr ein wenig leid. Sie hätte

nun eigentlich den Vater von nebenan rufen müssen, damit sich jemand im Laden befände, während sie von der Leitung im Flur ein Glas Wasser besorgte. Aber der Vater würde inzwischen jede Frage des Kunden harmlos beantworten, und das mußte sie verhindern, denn eine erschreckende, aber das Betra­gen des Fremden erklärende Ahnung tauchte in ihr auf. Eine Ahnung, die, wenn sie stimmte, Hans Syden nichts Gutes verhieß.

Sie mußte, um die Person des Vaters auszu­schalten, den Fremden eine Minute allein lassen. Das war blitzschnell durch ihren Kopf gegangen.

Sie antwortete:Ich hole Ihnen sofort ein Glas Wasser."

So schnell sie konnte, verließ sie ben Laben burch bie schmale Tür nach bem Flurgang, wünschte nur inbrünstig, ber Vater möge inzwischen nicht ben Laben betreten. Auf bem Borb über ber Wasser­leitung auf bem Flur stauben immer ein paar saubere Trinkgefäße bereit, aber gar nicht schnell genug schien sich heute so ein kleines Glas zu füllen.

Nun kehrte sie in ben Laben zurück.

Der Frembe saß jetzt auf einem ber Stühle, fast schien es ihr, er hätte sich bereits etwas erholt. Er trank hastig, bankte unb ging mit flüchtigem Gruß.

Bettina grübelte vor sich hin. Die Ahnung von vorhin, wer ber fonberbare Mensch gewesen fein konnte, verbichtete sich immer mehr in ihr, sie kam nicht mehr bavon los.

Bettina horte, wie ber Vater, ber anscheinend nebenan in ber Morgenzeitung gelesen, roieber hin­überging in bie Werkstatt. Da fiel ihr ein, bie Gravierung mußte ja sofort gemacht werben. Sie nahm ben Rahmen zur Hanb, ber mit ber Dorder- feite auf einem Bogen ©eibenpapier lag, aber ihre Liber zwinkertest plötzlich, als zweifelten bie Augen, richtig zu sehen, benn ber Rahmen war leer, bie Fotografie Hans Sybens steckte nicht mehr hinter bem Glas.

Es beburfte keines Nachbenkens, wo sie geblieben fein könne. Der Käufer bes Amethystanhängers hatte sie an sich genommen, währenb sie für ihn bas Mas Wasser besorgt. Unb kaum zwei Minuten war sie fort gewesen.

O, hätte sie boch bie Bitte abgeschlagen, ober, ehe sie den Laden verließ, wenigstens den Silberrah­men mit dem Bild eingeschlosten! Sehr leichtsinnig hatte sie gehandelt, aber an die Möglichkeit, der Fremde könne das Bild wegnehmen, hatte sie nicht im entferntesten gedacht.

Sie war verzweifelt. Das Fehlen ber Photo­graphie wäre an unb für sich wohl unangenehm, aber schließlich nicht so schlimm gewesen, schlimm würbe es erst durch die besonderen Umstände.

Vor allem, was hatte der sonderbare Mensch damit vor?

t Ihre Ahnung von vorhin quälte sie, versetzte sie in Helle Angst.

(Fortsetzung folgte