Br. 235 viertes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheiieni Sanistag/Lonntas, 5 Moder 1935
Obecheffens Erntedank
Mit dem Obstpflücker am mächtigen Baum.
e
g
e
ie
ch
Flachs vom oberhessischen Acker beim Trocknen.
Jung und alt muß bei der Kartoffelernte helfen. — (Aufnahmen [7]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
r
19
l
er e- m ’n
se llt ;u i)t inen .
’l
für Deutschland in der zu gewinnen!
581. creit 671^
Erntedankfest. Ein bedeutsamer Feiertag, der noch vor wenigen Jahren nur auf dem Lande und bei den mit bäuerlichen Familien verwandten Städtern Geltung hatte. Die große Mehrheit des Stadtvolkes stand diesem Tag gleichgültig gegenüber. Heute dagegen, seit dem Durchbruch der nationalsozialistischen Revolution, ist dieser Tag ein Fe st der Volksgemeinschaft von Stadt und Land, ein besonderes Ereignis für alle deutschen Menschen. An diesem Tage offenbart sich eindrucksvoll sichtbar die tiefe Wirkung des Wortes: Stadt und Land, Hand in Hand! Die Städter ziehen hinaus in die Dörfer, wo sie in den bäuerlichen Familien mit altbekannter Gastfreundschaft ausgenommen werden. Dank gegen den allmächtigen Schöpfer der Welt für den Erntesegen erfüllt die Stunden des gemeinsamen Feierns, froh- gestimmte Herzen schlagen in gleichem Empfinden für die hohe Bedeutung dieses Tages. Durch diese Geineinschaftsfeiern des Erntedankfestes, die ihre höchste Vollendung und stärkste Wirkung auf dem Bückeberg in Anwesenheit des Führers finden, werden die Bande immer enger geknüpft, die den
In diesem unlöslichen Verbundensein aller deutschen Menschen durch die Kraft des deutschen Blutes und des deutschen Bodens wollen auch wir im Kreise Gießen uns am morgigen Erntedankfesttag wiederum die Hand drücken, als äußeres Zeichen unserer gemeinschaftlichen Verpflichtung gegenüber Führer, Volk und Vaterland. Wenn morgen unsere Gießener Volksgenossen hinaus aufs Land ziehen, die deutschen Brüder und Schwestern aus den anderen Städten unserer engeren Heimat ebenfalls die Bauernhäuser ihrer näheren Umgegend auf- suchen, so wissen wir alle, daß bei dieser Gelegenheit nur eine große deutsche Familie sich vereinigt. Wir Stadtmenschen wollen in diesen frohen Stunden der gemeinsamen Erntedankfestfeier im Geiste wieder den arbeitenden Landmann bei seinen -vielfältigen Verrichtungen im Dienste des deutschen Volkes schauen; wir sehen ihn beim Roggenschnitt, beim Bergen der Futterernte, beim Heimschaffen der Kartoffelfrucht, beim Sammeln des Ertrages der Obftbäume ufw. Aber wir find auch gewiß, daß der Landmann unsere Arbeit in der Stadt jetzt in rechter Weise zu würdigen versteht, daß er sich bewußt ist, wie wertvoll für das Volksganze auch der schaffende deutsche Mensch in den Arbeitssälen der Industriebetriebe, in den Werkstätten des Handwerks, in den Schreibstuben mm Hand^b, Gewerbe und Industrie unÄ auf den Straßen und Plätzen irgendwo in der Stadt ist. Und aus dieser verständnisvollen gegenseitigen Würdigung der Arbeit aller deutschen Menschen auf dem Lande und in der Stadt wird auch an dem morgigen Erntedankfesttag der Wille zu stetem, aufrechtem Zusammengehen im Dienste der deutschen Nation wiederum neue Kräftigung erfahren.
So wird der Erntedankfesttag 1935 im Schutze
haben bann während bis ganzen Zages, .bk Last der lanbwirtschaftlichen Arbeit allein zu bewältigen, bis am Abend ber Mann nach Hause zurückkehrt unb nun bas Werkzeug bes Industriearbeiters ober des Arbeiters auf einem Bau mit dem Gerät des Landmannes vertauscht, auf seine Aecker hinaus- geht und ebenfalls bis in die Nacht hinein alle die Arbeiten vollbringt, die von Frau unb Kindern nicht bewältigt werden konnten. Fürwahr, es ist ein schweres Stück Brot, das unsere Bauern unb unsere Kleinlandwirte sich erarbeiten müssen. Aber die Arbeit in der herrlichen freien Gottesnatur hat auch ihre schönen Seiten, sie ist trotz körperlicher Mühsal eine Erquickung für den naturfrohen Menschen. Und so kann man denn in unseren Dörfern der Lahngegend, ber Wetterau unb bes Vogelsberges ein zufriedenes Volk antreffen, das sich im Besitze feiner Arbeit glücklich schätzt.
Die Erntedankfestfeier, diesmal das dritte große Gemeinschaftserleben dieser Art von Stadt unb Lanb seit ber Machtübernahme durch Adolf Hitler, ist unserem Landvolk jetzt aber noch aus einem anderen Grunde wert unb bedeutsam geworden. Der Landmann weiß heute, daß — im ©egenfafj zu dem früheren politischen Kurs — fein Wirken unb feine Existenz nicht als das letzte Glied ber Kette angesehen wird, sondern unter der nationalsozialistischen Staatsführung als das Fundament für den Bestand des ganzen Volkes gilt. Bei dieser Bewertung ber bäuerlichen Arbeit ist es nur ganz natürlich, baß von der Regierung alles getan wird, um einen gesunden und leiftungsfräftigen Bauernstand zum Wohle des ganzen Volkes zu schaffen und zu erhalten. Und so konnte auch der Land- mann in unserer oberhessischen Heimat, in ber ber bäuerliche Mittel- unb Kleinbetrieb stark vorherrschend ist, die Feststellung machen, daß er nicht mehr wie früher das schutzlose Objekt eines hemmungslosen Spekulantentums ist, sondern daß seine Arbeit, feine ganze Existenz auf der Grundlage des gerechten Lohnes eingebaut ist in den großen Plan der Regierung, allen deutschen Volksgenossen durch gerechten Ertrag ihrer Arbeit eine befriedigende Entwicklung ihres Lebens zu ermöglichen. Erfreulicherweise ist auf dieser Ebene der in früheren Jahren leider vielfach vorhandene Gegensatz zwischen Stadt unb Land, der oft sogar die Formen des Hasses unb des Bruderkampfes annahm, nun überwunden und die Parole „Stadt und Land, Hand in Hand" zur Wirklichkeit geworden.
■tS*
81
Erntelied
Don Wolfram Brockmeier
Gutes Kom gab uns das Jahr, Apfel leuchtet prall und Birne.
Danket froh drum dem Gestirne, das der Reife freundlich war.
Lobt getrost die eigne Kraft, doch lobt auch des Bodens Güte, der aus Keimen trieb die Blüte und die Frucht gefüllt mit Safi.
Lobt die 6mte, lacht der Not! Sonne, Erde, Wind und Wolke brachten gutes Brot dem Volke. Ehrt und brechet fiumm das Brot!
Links oben: Das Futterfchneiden, eine wichtige Arbeit im Ablauf des Jahres. — Links unten: ©etreibeernte, die hohe Zeil des Bauern. Rechts oben: Rasche Arbeit mit ber Kartoffel-Erntemaschine. — Rechts unten: Die Dickwurzernte ist im Gange
M
(bau tietb |42d7
der durch den Führer wieder errichteten starken deutschen Wehr auch in Oberhessen ein weiterer wichtiger Markstein auf dem Wege unseres Volkes in eine glücklichere deutsche Zukunft fein, ein Tag, dessen wir uns von Herzen freuen wollen, um daraus gesteigerte Kraft zum weiterem Schaffen Gefolgschaft Adolf Hitlers
schaffenden deutschen Menschen der Scholle mit dem schaffenden deutschen Bruder in der Stadt zum Heile bes gesamten Volkes unb seines ewigen Bestands verbinden. Fürwahr, ein gewaltiges Erleben unserer Zeit, ein wahrhaftes Erntedankfest auch im höheren Sinne ...
*
Mit dem besinnlichen Bauer und der Bäuerin blicken auch die ernstdenkenden Stadtmenschen besonders an diesem Tage zurück auf die langen Wochen und Monate der bäuerlichen Arbeit, bis der Zeitpunkt der Ernte kam. Wir erinnern uns dabei, daß die Bergung des Arbeitsertrages für unsere Bauern ja nur ein einziges Mal im Jahre kommt, daß voraus Wochen und Monate des Risikos und ber Sorgen um das gute Gebeihen bes bäuerlichen. Werks liegen. Im Geiste burdjleben die nicht an ber Oberfläche haftenden Stadtmenschen an diesem Erntedankfest noch einmal die Kümmernisse mit, die im Verlaufe des letzten Sommers durch die wochenlange Trockenheit und ihre sengende Sonnenglut in unseren Bauernhäusern zu Hause waren. Wie oft hörten wir in jenen Wochen, wenn wir uns mit den Volksgenossen vom Lande irgendwo im Kreise Gießen über den Saatenstanb und die Ernteausfichten unterhielten, sorgenvolle Klagen über die Wirkungen der anhaltenden trockenen Hitze auf die Felder. Der Stand der Körnerfrucht gab damals zu mancherlei Sorgen Anlaß, die Heuernte ließ zu wünschen übrig, der Ansatz der Wiesen zur Grummetnutzung war weit entfernt von den Notwendigkeiten des bäuerlichen Betriebs, die Futternot und damit die Sorge um den Bestand der Viehhaltung wurde immer größer, auch bte Aussichten der Kartoffelernte waren noch vor wenigen Wochen alles andere als günstig. Da aber kam eine Wendung zum Guten. Die Ernte von den Fruchtäckern konnte als Mittelernte glücklich geborgen werden. Kaum war diese Arbeit beendet, da wurden die Aecker und Wiesen durch Regenfälle in gedeihlichem Maße befruchtet. Unsere Bauern konnten eine schöne Grummeternte heim- bringen. Die Sorgen um den Futtervorrat und den. Viehbestand wurden zum Glück gemindert. Und nun sind sie dabei, eine Kartoffelernte heimzubrin- gen, die sowohl dem Bauernhaus, als auch den Volksgenossen in der Stadt eine ausreichende Versorgung bis zur nächsten Ernte sichert. So sehen wir am morgigen Erntedankfesttag trotz mancher sorgenvollen Wochen des verflossenen Sommers einen befriedigenden Erntefegen unseres Feldes vor uns, wenn auch die Obsternte viel zu wünschen übrig ließ. Und mit frohem Sinn kann unser Landvolk nun wieder an den Altären der Kirchen, schöner alter Sitte gemäß, am Erntedankfesttag die Früchte des Feldes zur Ehre des allmächtigen Gottes als sichtbares Zeichen des Dankes für die himmlische Güte niederlegen, den Menschen zur Freude, dem gütigen Gott zu Preis und Ehre!
*
Am Erntedankfesttag erinnern wir uns aber auch, wie außerordentlich hart die Arbeit unserer Volks- genossen des bäuerlichen Berufes ist. Im Sommer, wenn kaum die Sonne mit ihren ersten Strahlen den jungen Tag verkündet, ist der Landmann bereits in'den Ställen und auf dem Hofe, die Land- frau schon am Küchenherd, um überall schnell die ersten Arbeiten zu erledigen, damit es dann un- behindert hinausgehen kann auf bte Aecker, die Wiesen oder in den Wald. Bei Wmd und Wetter, bei glühender Sonnenhitze, ober im Sturm und Regen wirkt der Landmann mit seinen 5<mtlien-
gliedern, den übrigen Hausgenossen und den getreuen vierbeinigen Helfern bis in die Nacht hinein. Erst am späten Abend, wenn den Volksgenossen in ber Stabt schon manche Stunde ber Ruhe unb Erholung vergangen ist, kommt ber ßanbmann mit seinen Helfern* zum Schluß ber täglichen Arbeit. Tobmübe sucht man bann in wenigen Nachtstunben neue Kraft für bas schwere Wirken am folgenben Tage. So vollenben sich bei ihm bie Wochen unb Monate, unb immer bringlicher unb anftrengenber wirb bie Pflicht der Arbeit, je mehr die Ernten auf den Aeckern sich zeitlich zusammendrängen. Da gilt es für ihn unb alle seine Mitarbeiter, bie Kräfte bis zum Aeußersten anzuspannen, unb immer schwebt bis zuletzt über seinem Werk bie bange Ungewißheit bes Wetters mit seinen mannigfachen Wanblungsmöalichkeiten. Ober ber Eigentümer einiger Morgen Land, ber halb Landwirt und halb Industriearbeiter ist, wie man es gerade im Kreise Gießen und in den benachbarten Bezirken häufig findet, muß schon am frühen Morgen von daheim zum Bahnhos wandern und zu seiner Arbeitsstätte irgendwo in der Stadt fahren. Frau und Kinder


