Ausgabe 
5.9.1935
 
Einzelbild herunterladen

düng und laufende Schulung des aus allen Krei­sen der Bevölkeruna gestellten Personals.

Die technischen Arbeiten sind dabei ebenso modern wie verblüffend einfach. Man kann die Leiter der Fluawachkommandos um ihr Personal beneiden. Auch im Ernstfall würden ja im allgemeinen waf­fenfähige Männer für diesen Warndienst nicht ver- fügbar sein; auch dann müßten es Frauen, Jnoa- liden und Jugendliche erledigen. Das sind die W a r n z e n". Das ist die Abkürzung fürWarn- zentrale". Wie man sieht, wird die Arbeit mit Humor erledigt.

Am Dienstagabend ist der Versuch gemacht wor­den, den Schutz eines lebenswichtigen Industrie- wertes gegen Fliegerangriff bei Nacht dadurch zu erhöhen, daß in der Nähe dieses Werkes eine Täuschungsanlage errichtet worden ist. Der Zweck einer solchen Anlage ist, den in der Dunkel­heit anflieaenden feindlichen Fliegern die oer- schiebenen Arbeitsvorgänge des au schützenden Wer­kes an einer Stelle vorzutäuschen, bei der der Bombenabwurf ohne nachhaltige Wirkung auf das Werk bleiben muß. In diesem Falle war es auf Grund eingehender Vorbereitungen geglückt,, diese Forderung weitgehend zu erfüllen.

Es liegt in der Natur der Sache, daß auch nach den Manövern ein eindeutiges Urteil über den Er­folg oder Mißerfolg eines Angreifers oder der abwehrenden Partei nicht gegeben werden kann. Der Verlauf der Uebungen hat aber gezeigt, daß unsere junge Flakartillerie durchaus in der Lage ist, einen Angreifer abzuwehren. Die Zusammen­arbeit der Bodenkräfte und der abwehrenden Jagdflieger war ausgezeichnet und zeitigte auch greifbare Erfolge. So wurde von den beiden Bom­benangriffen am Montag einer bereits sehr früh­zeitig den Abwehrkräften durch den gut funktionieren­den Flugwachtdienst bekannt. Außerdem konnten die Flaks bei dem ersten Angriff von den sechs angrei­fenden Maschinen drei nach schiedsrichterlichem Urteil a b s ch i e ß e n. Bei dem zweiten Angriff war ein eindeutiges Ergebnis der Abwehrarbeit nicht zu er­zielen, da die Kampfflieger in sehr großer Höhe ihr Ziel überflogen.

100 Flugzeuge über München.

München, 4. Sept. (DNB.) Trotz schlechten Wetters überflogen am Mittwoch ungefähr hun­dert Flugzeuge in mehreren Staffeln und Ge­schwadern unter Führung des Obersten C h r i - stiansen die Haupt st adt der Bewegung. Nachdem es am Dienstag bei dem Uebungsflug von Nord- nach Süddeutschland im Zusammenwirken mit den Uebungen des Heeres über der Donau zuLuft- kämpfen" gekommen war, versammelten sich Mitt­woch morgen die Verbände nördlich Münchens. Nach ihrem Geschwaderflug über der Stadt sind sie wieder in ihre Flughäfen zurückgekehrt. Den Uebungen wohne General Weyer bei, der in seinem Einsitzer die Luftkämpfer, die Landungen, die Versammlungen in der Luft und den Geschwaderslug über der Stadt begleitete.

Ernennungen im Auswärtigen Dienst.

Berlin, 4. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat folgende Ernennungen im Auswärtigen Dienst oorgenommen: Den Gesandten zur besonderen Verwendung von Keller zum Botschafter in Ankara, den Gesandten in Kairo, von Stohrer, zum Gesandten in Bukarest, den Vortragenden Legationsrat Bode zum General­konsul in Marseille, den Vortragenden Legationsrat Voigt zum Generalkonsul in Zürich und den Ge- fandtschaftsrat bei der Botschaft in Paris Döhle zum Generalkonsul in Jerusalem.

Or. Goeobels auf dem Bückeberg.

Hannover, 4. Sept. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels traf Mittwoch mittag im Flug­zeug in Hannover ein und fuhr dann in Begleitung des Gauleiter-Stellvertreters Schwarz nach dem Bückeberg, um sich persönlich vom Stand der Vorarbeiten für das Erntedankfest zu überzeugen. Die Sacharbeiter der Organisationsleitung berich­teten dem Minister über das, was bereits geleistet worden war, und über die Maßnahmen, die noch im Gange sind.

Welttreffen der HI. dankt Reichsminister Dr. Frick.

Berlin, 4. Sept. (DNB.) Dom Welttreffen der HI. ist Reichsminister Dr. Frick folgendes Danktelegramm zugegangen:

Die große, über 5000 Kilometer führende Deutsch­landfahrt des Welttreffens der HI. ist beendet, und wir wissen es als einen Erfolg der nationalsoiza- ltstischen Bewegung, daß hier Deutschtum des Rei­ches erfuhr und erlebte, die Größe der völkischen Bewegung durch den Nationalsozialismus und wie­derum das Auslandsdeutschtum spürte, daß Volk Heimat ist. Das ist der schönste Dank, den wir Ihnen für Ihren Besuch und Ihre verständnisvolle Unterstützung sagen können.

Heil Hitler! Unterschrift."

Generaloberst von Blomberg an Dr. Ley.

Berlin, 4. Sept. (DNB.) Der Reichskriegs­minister Generaloberst von Blomberg hat an Reichsleiter Dr. Ley folgendes Danktelegramm gerichtet:

Für Ihre und der Deutschen Arbeitsfront Glückwünsche zu meinem Geburtstag danke ich herzlich. Der deutsche Soldat wird es nie vergessen, daß er die Grundlage seiner Kraft in der Einigkeit und Schick­salsverbundenheit wiedergefunden hat, die das deutsche Volk seinem Führer ver­dankt. v. Blomberg."

,MemelerOampfboot- beschlagnahmt.

Memel, 4. Sept. (DNB.) Die Ausgabe des M e m e l e r D a m p f b o o t s" vom 4. September wurde wegen der nochmaligen Veröffentlichung einer Anzeige, in der die Wähler aufgefordert werden, zur Deckung der Wahlunkosten für die E i n h e i t s l i st e Spenden zu stiften, vom Kriegskommandanten b e - s ch l a g n a h m t. Die Anzeige hatte folgenden Wortlaut:

Wähler! Die Wahl kostet Geld. Pflicht aller Wähler ist es, zu den Unkosten beizutragen!"

Diese Maßnahme zeigt erneut, daß auch die harm­loseste Wahlpropaganda für die memelländische Ein- heitsliste in Memel unterbunden werden soll. Wäh­rend die litauischen Zeitungen und das in deutscher Sprache erscheinende Litauer BlattMemeler Be­obachter" schon jetzt zu Beginn der Wahlvorbereitun­gen gegen die Memelländer hetzten, ist es diesen ver­boten und nicht möglich, auch nur den Versuch zu unternehmen, für ihre Liste Propaganda zu machen.

Oer gemeinsame Weg der deutschen Arbeiter.

Eine programmatische Rede Or. Leys an die Beiriebsführer und Betriebsgefolgfchasten.

Kaiserslautern, 4. Sept. (DNB.) Die Be­zirksgruppe Saarland-Pfalz der Reichsgruppe In­dustrie veranstaltete am Dienstagabend hier eine Arbeitstagung, die von dem bekannten Saarindu­striellen Röchling geleitet wurde.

Dr. Ley

hielt dabei eine fast zweistündige Rede, die sich an die gesamten Betriebsführer und Unternehmer Deutschlands wandte und damit auch für die Ge­folgschaften aller deutschen Betriebe eine Kund­gebung programmatischer Bedeutung wurde. Dr. Ley führte u. a. aus:

Es galt früher als allgemein üblich, daß man mit dem Arbeiter nicht so reden könne, wie mit dem Unternehmer, und es galt als ausgemacht, daß vor dem Betriebsführer anders gesprochen werden müßte, als vor der Belegschaft. Schon allein darin lag peinlichste Unwahrhaftigkeit. Wenn ich das, was ich vor einem Teil der Nation sagte, nicht ebenso gut vor dem anderen Teil sagen kann, dann muß etwas falsch sein, oder ich muß irgend etwas an­deres wollen. Hier allein lag schon die Unwahrhaf­tigkeit des Systems. Hier wurden systematisch beide Teile belogen und betrogen.

Deshalb als erstes und vor allem: Dahr- haftigkeik!

Nur dann kann man wirklich etwas leisten, wenn man eine Gemeinschaft hat, wenn man er­kennt, daß das Leben hart ist, ein ewiger Kampf. Für diesen Kampf muß die Gemeinschaft eingesetzt werden. Die Menschen müssen begreifen, daß bei aller Unterschiedlichkeit in der Ansicht über irgend- eine Sache ein Glaubenssatz alle beherrschen muß.

wir bilden eine Gemeinschaft! Der Betrieb ist eine Einheit!

Wer sich dagegen sträubt, den muß man belehren, zunächst in Gutem. Wenn er dann noch nicht will, muß man ihn hart anfassen. Und wenn er schließ, lich und endlich überhaupt nicht will, muß man ihn vernichten. Wir werden eifersüchtig darüber wachen, daß diese Einheit von keiner Seite angetastet oder zerstört wird. Wir sind eine unzertrennbare Kame­radschaft von treuen Kämpfern. Wir haben uns ge­tagt: Wollen wir den Klassenkampf über- winden, dann müssen wir dort unten beginnen, wo die Menschen schicksalhaft beisammen sind, wo sich keiner dieser Gemeinschaft entziehen kann, selbst wenn er wollte. Dort müssen wir beginnen: i m Betrieb! Drei Zellen sind es, in denen sich das menschliche Leben entfaltet und abspielt: der B e - i r i e b, die F a m i l i e und die G e m e i n d e ! Diese drei Urzellen sind eine Einheit und man darf sie nicht zerstören. Und einem zweiten Gesetz muß man Zur Geltung verhelfen: Alles, was die Menschen innerhalb dieser Gemeinschaften ordnen wollen, müs- sen sie untereinander ordnen. Man darf sich nicht einmischen.

3m Betrieb darf man nicht nötig haben, den Treuhänder, die Arbeitsfront, die Partei ober sogar den Staat damit zu belasten, weil dort im Betrieb Hemmungen und Schwierigkeiten auftreten.

Der ist mir ein netter Betriebsführer, der damit nicht fertig wird, oder ein netter Betriebswalter, der. die Schwierigkeiten nicht meistert.

Gewiß, es gibt Dinge, die außerhalb des Be­triebes liegen, bann muß es auch hier Stellen geben, die es ordnen. Aber an sich muß der Schwerpunkt der sozialen Ordnung nicht an der Spitze, oder in Berlin oder in der Provinz liegen, sondern im Betrieb. Immer wieder muß ich sagen: Ihr müßt Euer Schicksal selb st ordnen. Lieber Freund, schwimmen muß du selbst. D i e Verantwortung t r ä g ft d u selbst. Du willst Herr im Hause sein, schön. Herr sein heißt aber, Verantwortung haben! Infolge- dessen verlangen wir: Ordne deine Verhältnisse selber! Unternehmer und Arbeitnehmer werden solange mit ihren Dingen beschäftigt, bis sie sie s e l b st g e l ö st haben. Und wenn sie sagen, es geht nicht, wir werden nicht einig, dann ant­worten wir: Ins Zimmer, schließt ab! Ordnet Eure Sachen!

3hr habk Luch jahrelang bekämpft, zum Schaden des Volkes. Jetzt müht Ihr Luch einigen. Richt des Linzelnen wegen oder der Tttaffe wegen, ober eines Berufes ober einer Klasse wegen, sonderen der Ration wegen.

Wir wollen Euch helfen, wenn Ihr nicht einig wer­det. Wir werden der ehrliche Makler sein. Ihr Ar­beiter sollt geistig die gleichen Waffen erhalten wie die Unternehmer, aber einigt Euch! Wenn man das einmal durchgeführt hat, wenn das jeder weiß, was glauben Sie wohl, wie harmonisch unser so­ziales Leben wird. Der Betrieb ist unsere Burg. Sie geht uns gemeinsam an, weil wir innerhalb dieser Burg eine gemeinsame Ehre verteidigen wer­den. Dann haben wir den Klassenkampf über­wunden.

Der Klassenkampf tobte ja nicht nur zwi­schen Unternehmern und Arbeitern. Ich möchte so­gar sagen, das war der kleinste Klassenkampf. Der Klassenkampf war manchmal in einem Werk zwi­schen Werkmeister und Arbeiter viel grö­ßer; viel schärfer noch zwischen Vorarbeiter und Arbeiter. Nur gab das der Marxist nicht zu, weil er damit offenbart hätte, daß sein Klassen­kampf falsch war, Damit wäre sofort klar gewor­den, daß der Klassenkampf, weil er nichts Hohes und Edles war, sondern etwas Niederträchtiges und Häßliches, auf einem geeigneten Wege Überwunden werden konnte, daß bestimmte Möglichkeiten da waren, ihn zu überwinden. Das ist unsere Lehre. Wir sagen, man kann es überwinden, w i r haben es überwunden. Wenn Sie heute mit dem Arbeiter reden, bann können Sie ihm ruhig bie Schwere seines Berufes, bie Härte seiner Ärbeit vor Augen führen. Aber Sie müssen dem Arbeiter eine Gewißheit verschaffen: daß man i h n un- ter keinen Umständen betrügt und i h n nicht untergehen läßt.

wenn der Arbeiter weih, bah ber Unterneh­mer ber Kamerad ist, bann können Sie vom brutschen Arbeiter alles verlangen. Rarren Sie ihn aber nicht mit Mätzchen unb nicht mit hu- manitälsbufelel. Der beutsche schaftenbe Mensch hat ein feines Gefühl bafür, baß Sozialismus kein Geschenk unb keine Wohlfahrt unb kein Mitleid ist. Kein Milleib, fonbern Gerechtigkeit.

Sie sind wirklich Offiziere des Volkes. Es gibt fein Volk, das lieber Soldat wäre und be­fere Soldaten birgt als das deutsche Volk. Aber es

ist notwendig, daß es wahre Führer und Of­fiziere hat. Die Kompanie ist immer so, wie der Hauptmann ist und nicht anders. Wenn Sie ein richtiger deutscher Offizier sind, nicht nur laut Pa­tent, sondern laut Führertum, bann können Sie von Ihren Solbaten alles verlangen. Das wahre Führertum offenbart sich in der Ge­folgschaft. Eine Mahnung scheint mir ange­bracht. Lassen Sie Ihre Kameradschafts­abende nicht ausklingen, wie es früher bei Kaiser- geburtstagsfetern üblich war. Mit der dicken Trom­mel unb mit bem Absingen vaterlänbischer Lieber allein ist es nicht getan. Führertum heißt vernünf­tig sein. Vernunft aber ist bas Produkt aus Instinkt unb Verstaub. Wissen ohne Instinkt unb Charakter ist schäblich für ein Volk. Ich frage Euch: Für wen sch a f f t Ihr? Für bie Maschinen, ober für bie Bankguthaben, ober für die Menschen? Das ist das ro e r t d o 11 ft e Kapital, das unser Volk be­sitzt. Alles andere kann man ersetzen. Alles andere können auch andere Völker machen.

Den deutschen Betriebsführer, den deutschen Ar­beiter, den deutschen Menschen gibt es nur ein­mal. Darum soll man ihn erhalten und pflegen und gesundhelllich nicht ermüden lassen.

Stellen Sie sich vor, wie man sich über die Frage des Urlaubs erhitzt und gestritten hat. Kann der Arbeiter, wenn er mübe ist, so viel schassen, als wenn er noch nicht mübe ist? Ganz unmöglich! Die Wanderer-Werke" in Dresden schlossen ihren Be­trieb, ließen lediglich 100 Mann für die wichtigsten lausenden Arbeiten zurück und fuhren gemeinsam zehn Tage weg. Ein leuchtendes Beispiel, dessen Durchführung den klugen Betriebsführern ein be­trächtliches Plus verschafft. Zur erfolgreichen Aus­wirkung des Urlaubs muß yinzukommen, daß der Arbeiter ihn nicht daheim verbringt, sondern daß Kraft durch Freude" ihm wirklich zehn tage un­beeinträchtigte Erholung verschafft.

Lassen Sie sich auch einiges über das Thema Lohnerhöhungen" sagen. Sie haben nur da Sinn und Zweck, wenn unb wo in ber Vergangen­heit etwas versäumt worben ist, etwa bei den Heim­arbeitern. Dort mußte man eingreifen. Wir sind keine Gewerkschaften, die die Debatte über Lohn­erhöhungen immer wieder in Fluß bringen, um ihre Daseinsberechtigung zu erweisen.

Richt höberes Lohnniveau, sondern höheres Lebensniveau muß das Ziel sein.

Verbessern Sie Ihre Werke, Ihre hygienischen Ein­richtungen! Eröffnen Sie Sport- und Spielplätze und Badeanstalten! Es kommt Ihnen letzten Endes wieder zugute. Sie dienen damit der Gesamtheit des Volkes.

Als ich zum erstenmal den Betriebsappell proklamierte und auf das Soldatische innerhalb des Betriebes hinwies, hat man mir die verschie- benften Vorwürfe gemacht. In einer Wirtschafts, zeitung wurde besonders moniert, daß man von Offizieren der Wirtschaft rede. Das fei unerhört. Der Soldat müsse sich bas verbitten. Ich habe mir gedacht und habe es auch ausgesprochen: Was sind das für erbärmliche Menschen! Es verlangt kein Mensch, daß in einem Riesenwerk die Uhr ab­geschafft wird. Ich verlange nur, daß man wieder eine Gelegenheit findet, bie Menschen zusam- menzuführen. Vor allen Dingen verlange ich, daß ber weltanschauliche Begriff von Offizier und

Berlin, 4. Sept. (DNB.) Am 4. September trat der Beirat der Reichswirtschaftskam- m e r in Gegenwart des kommissarischen Reichswirt- schaftsministers Präsident Dr. Schacht unb ande­rer Beamter des Reichswirtschastsministeriums zu seiner ersten Sitzung zusammen.

Der Beirat ber Reichswirtschaftskammern setzt sich aus den Leitern der Reichsgruppen und der Hauptgruppen der gewerblichen Wirtschaft, den Lei­tern der Wirtschaftskammern und dem Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskam- mern in der Reickswirtschaftskammer zusammen. Um eine enge Zusammenarbeit zwischen gewerb­licher Wirtschaft und Reichsnährstand und Gemein­den herzustellen, gehören bem Beirat ferner an ber Reichsbauernführer (Reichsminister Darrs) unb sein Vertreter (Staatsrat Meinberg), sowie ber Leiter des Deutschen Gemeindetages (Oberbürgermeister Fiehler) als Vertreter ber Gemeinden.

Der Leiter ber Reichswirtschaftskammer Präsident Hecker- Hannover gab den Mitgliedern des Bei­rates zunächst einen kurzen Ueberblick über den Stand der gewerblichen Wirtschaftsorganisation, deren Aufbau nunmehr im wesentlichen als abge- schlossen gelten kann. Dann führte

Präsident Dr. Schacht

u. a. folgendes aus: Die Tatsache, daß mir in die­sem Gremium eine große Anzahl von Mitgliedern ber Partei in biesen Apparat eingefügt sehen, gibt mir die Zuversicht, daß alle Beratungen des Bei­rates stehen werben unter bem einen großen Ge­danken der Durchführung ber nationalsozialistischen Aufgaben, wie sie uns ber Führer vorgezeichnet hat.

Die Reichswirtschaftskammer als solche ist eine selbstänbige Organisation. Die Organisation ber ge­werblichen Wirtschaft ist korporatives Mitglied der Arbeitsfront, aber sie regelt ihre Angelegenheiten selbst, unb ber Verkehr ber Arbeitsfront mit uns vollzieht sich über die Leitung unserer Organisation. Ich kann versichern, daß zwischen ber Leitung ber Arbeitsfront und mir ein absolut vertrauensvolles Verhältnis herrscht.

Das ungeheuer Große, was uns Adolf Hit- l e r und seine Bewegung gebracht hat, ist, daß der frühere Gegensatz zwischen Arbeitnehmern und Ar­beitgebern aus ber Welt geschafft ist.

Wer etwa noch in den allen Gedankengängen befangen Ist, bem kann ich nur dringend raten, sich einmal vorzuslellen, was werden sollte, wenn der alte Gegensatz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder auflebte, wenn wir nicht alle versuchen müßten, an dem einen großen Ziel zu arbeiten: daß wir auch in dieser Beziehung in einem Boot sitzen und daß der eine ohne den anderen nicht leben kann.

Wenn die Organisation ber Wirtschaft auf ber einen Seite steht, unb auf der anderen Seite

vorn Soldaten hineingetragen wird, daß nicht mehr erklärt wird:Weil ich ein Unternehmer bin, weil ich Aktien habe, ober weil ich Betriebsführer bin, bin ich etwas Besseres mit einer anberen, ja viel­leicht sogar mit einer höheren Ehre." Ich ver­lange, baß jeber erkennt: Ich stehe auf einem Kvmmanbvpvften, habe also eine bestimmte Be­fehlsgewalt. Alle zusammen, ob General ober Musketier, haben wir eine gemeinsame Ehre.

Unsere Bille an Sie lautet: helfen Sie uns mit! Wir sind selbstverständlich auf Sie mil­angewiesen, eine für mich keineswegs neue Lr- kennlnis. Ich habe das von Anfang an gesagt, als man mir einreden wollte, ich sollte ledig­lich die Gewerkschaften zusammensafsen zu einem Berband und sonst nichts tun. Rein, habe ich diesen falschen Ratgebern zugerufen, das wäre an sich das Alte, nur in einer anderen Form, dann hätten wir erst recht den Klassenkampf. Ich muh auch den Unternehmer erfassen und mithineinhaben. Die Deutsche Arbeitsfront wäre nicht nur halb, sie wäre überhaupt gar nicht, wenn mir die Unternehmer nicht hätten.

Wenn Sie noch nicht die unsrigen sind, werben wir nicht nachlassen. Sie zu gewinnen. Wir bestehen auf unseren Forderungen nicht aus Leichtsinn ober Wol- lust am Diktieren, aber wir denken voll Grauen an bie Ereignisse zurück, an bie Tage, an benen wir erleben mußten, baß ber eine Volksgenosse ben anderen erschlagen hat. Brubermorb im eige­nen Volk! Äergessen Sie bas nie! Denkt Ihr an jene Silber zurück, dann werbet Ihr merken, baß bas, was wir von Euch verlangen, wahrhaftig keine Opfer sind. Alles bas, was einst ber Ar- beiter gefordert hat, soll unb muß die gleiche For­derung von Euch fein. Wir predigen die Vernunft. Was vernünftig ist, nützt auch Euch, weil es allen nützt. Ihr tragt die Verantwortung für Tausende von Menschen. Letzten Endes hängt nicht nur das Glück ber Menschen, bie Ihr zu betreuen habt, von Eurem Tun ab, sondern bas Glück Deutschlanbs. Ich derlange nichts Unmögliches, und ich habe eine letzte Bitte an Sie:

hämmern Sie sich ein, Sie alle, die Sie hier sind, und auch die anderen, die Arbeiter, die Bauern, die Handwerker:Mag kommen was will, wir kapitulieren niemals!" Das muh der

Dahlspruch jedes Deutschen sein.

Das Paradies können wir Ihnen nicht bringen. Wir haben es nicht. Versprechungen sind billig. Ich verspreche Ihnen nichts, aber ich sage Ihnen eines zu, bas, was ich auch heute ben Arbeitern in den Betrieben sagte: Er wird uns, seinen Gauleiter, sei­nen Kreisleiter, den Führer niemals hinter der Front finden, sondern immer vor der Front! Eure Sorge soll unsere Sorge sein. Es soll keiner mehr in Deutschland untergehen, der wertvoll ist. Nicht wegen des einzelnen, sondern weil er ein Kapital darstellt in der Gesamtheit, auf bas wir nicht verzichten können, wenn wir wieder hoch kommen wollen. Wir sind alle Solbaten. Höchste Opfer und Einsatz des Lebens verlangt das Schick­sal von allen Kämpfern. Wenn wir fallen, dann fal­len wir für Deutschland. Heil unserem Führer Adolf Hitler!

die Deutsche Arbeitsfront, der zwar der Unternehmer als Einzelperson angehört, so wird, wenn hier nicht eine organische Zusammen­arbeit zwischen diesen beiden Organisationen ge­schaffen wird, tm Lause der Zeit die Gefahr immer größer, daß sich die Arbeitsfront zu einer Gewerk- schaftsorganisatwn und die Unternehmerfront zu einer Arbeitgeber-, d. h. auch zu einer klassenkämp­ferischen Organisation entwickelt. Daher gab es hier nur eine Möglichkeit: Dem anderen Teil d i e Hand zur gemeinsam en Arbeit hin- ft r e d e n, ihm ganz genau sagen, was man will, ihm sagen: Wir haben Verständnis für deine Auf­gaben; diese Aufgaben sind gemeinsame, wir kön­nen sie nicht gegeneinander lösen, wir können und müssen sie nur miteinander lösen.

Bei den zahlreichen Unterhaltungen habe ich in Dr. Ley einen Mann gefunden, der nicht nur für diese Dinge das vollste Verständnis hat, sondern an diese Dinge mit etwas vorangeht, was ich als das Unerläßliche für jede politische und soziale Arbeit halte, einen Mann, der mit dem Herzen d a - b e i ist, der ganz offen ausspricht und nach dem handelt, was er fühlt, und was in der Richtung biefer Verstänbigung liegt, bie auf bem mensch- licben, als bem sozialen Gebiet zu beginnen hat. Ich muß auch an biefer Stelle roieber einmal aus­sprechen:

Ich habe vor dem deulschen Arbeiter und vor feinem Verhallen in den letzten Jahren eine unerhörte Hochachtung. Als Menschen haben sich die deutschen Arbeiter in dieser Zeit ge­zeigt, wie ich es früher vielleicht nie für mög­lich gehalten hätte.

Diese Stimmung unb diesen Willen der Arbeiter- schäft werden Sie nur feschalten können, wenn Sie Ihrerseits dasselbe Gefühl unb blefelbe Stim­mung bem Arbeiter gegenüber haben unb burch- setzen. Dazu soll die Leipziger Vereinbarung das Mittel sein. Daß sich dabei noch manche Schwie­rigkeiten untergeordneter organisatorischer unb per­soneller Art zeigen werden, ist selbstverständlich, aber in bem Grundsatz unb in bem Grunbgefühl sind sich die Führenden einig.

Es hindert nicht, daß wir neben der Zusammen­arbeit in der Arbeits- und Wirtschaftskammer un­sere eigenen Aufgaben in der Reichs» Wirtschaftskammer haben. Einrichtungen, die sich bei der Beratung und der Betreuung der Unternehmen bilden, diesen als Selbstverwaltungs- organ in ihren wirtschaftspolitischen Sorgen und Fragen beistehen, werden immer notwendig fein und wird es immer geben müssen. Allerdings mit Aufgaben, wie sie die alten Arbeitgeberverbände sich gestellt hatten, hat die Organisation ber gewerb­lichen Wirtschaft in keiner Weise etwas zu tun.

Ich habe als Minister die BorausfehMgen der Zusammenarbeit geschaffen, seht ist es Ihre Aufgabe, mit derselben Loyalität, aber auch

Wirtschaft und Arbeitsfront.

Präsident Or. Schacht spricht vor der Reichswirtschastskammer über die Leipziger Vereinbarung.