Ausgabe 
5.8.1935
 
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Oie Einigung in Genf.

Lngangbringen des Schlichtungsverfahrens. Bericht an den Bölkerbundsrat und allgemeine Aussprache am 4. September.

Genf. 3.Aug. (D3tB.) Dem Völkerbunds- rat wurden Samstagabend zwei Entschlie­ßungen vorgelegt. Die zweite, die die politisch wichtigere ist, lautet folgendermaßen:Der Rat be­schließt. in jedem Fall am 4. September zusammenzutreten, um die allgemeine Prüfung der Beziehungen zwischen Italien und Abessinien nach ihren verschiedenen Seiten aufzu­nehmen.- Die erste längere Entschließung befaßt sich ausführlich mit der Fortsetzung der Schlichtungs- und Schiedsverhandlungen. In ihr heißt es: Der Rat stellt fest, daß die Arbeiten des Schlichtungs­und Schiedsausfchusses unterbrochen worden sind. Der Rat ist der Auffassung, daß die Z u st ä n - digkeit des Lüsschusses auf den Vereinbarungen zwischen den Skreitparteien beruht, die beiden Par­teien nicht darüber einig gewesen sind, daß der Ausschuß die Grenzfragen prüfen oder die Abkommen und Verträge über die Grenze ju­ristisch interpretieren sollte; deshalb gehört dieser Gegenstand nicht zur Zuständigkeit des Aus­schusses. Seine Entscheidung über den Zwischenfall von Ual-Ual darf also nicht der Lösung der Fragen vorgreifen. die nicht zu seiner Zuständigkeit gehören. Der Ausschuß hat den Umstand nicht zu berücksichtigen, ob Ual-Ual der Souveränität der einen oder anderen Partei unter­steht. sondern hat sich allein an die anderen Ele­mente des Streites über den Zwischenfall zu halten.

Der Rat nimmt zur Kenntnis, daß die beiden Parteien ihrem Willen Ausdruck gegeben haben, ein Schlichtungs- und Schiedsverfahren unter den in Artikel 5 des Vertrages von 1928 festgesetzten Bedingungen wieder aufzunehmen. Der Rat nimmt die Erklärung der beiden Parteien zur Kenntnis, nach der die vier Mitglieder des Schlich­tungs- und Schiedsausfchusses ohne weitere Frist einen fünften Schiedsrichter benen­nen werden, dessen Ernennung für die Durchfüh­rung ihrer Arbeit nötig werden könnte. Der Rat rechnet damit, daß dieses Verfahren vor dem 1. September 1 935 mit der Regelung des Streites abgeschlossen sein wird und fordert die beiden Regierungen auf, ihn von dem Ergebnis spätestens am 4. Sep­tember 1935 in Kenntnis zu fetzen.

Die Ratssitzung.

Einstimmige" Annahme bei Stimm­enthaltung Italiens.

Der abessinische Vertreter Ieze er­klärte, daß Abessinien im Interesse des Weltfriedens sich veranlaßt sehe, ein großes Opfer zu brin­gen. Der Text der Resolutionen spreche eine deut­liche Sprache, aber die abessinische Regierung wolle dem Rat nochmals den Beweis ihres Vertrauens und ihres guten Willens bringen und ihm die Lö­sung der schwierigen Aufgaben erleichtern, die er im Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens un­ternommen habe. Der italienische Dele­gierte Baron Aloisi erklärte, die e r st e Entschließung anzunehmen. Was jedoch die zweite Entschließung anlange, die sich auf die Ratstagung vom 4. September bezieht, so werde er sich der Stimme enthalten.

Der französische Ministerpräsident Laval stellte fest, daß die Verhandlungen sich sehr schwierig ge­staltet haben. Die Ernennung des fünften Schieds­richters berechtige den Rat zu der Hoffnung, daß alles getan werde, um den Zwischenfall von Ualual endgültig zu regeln.

De* englische Delegierte Eden erklärte: Im Namen der britischen Regierung im Vereinigten Königreich befürworte ich die Annahme der uns vorgelegten Entschließungen. Ich tue das in dem Glauben, daß.das geplante Verfahren die besten Aussichten auf die Herbeiführung einer friedlichen Lösung der Differenzen zwischen Italien und Aves- sinien bietet. Eine solche Lösung wird von allen Ländern der Erde sehnlichst und dringlichst erwartet. Auf jeden Fall wird der Rat am 4. Septem­ber zusammentreten, um die allgemeine Frage der Beziehungen zwischen Ita­lien und Abessinien zu prüfen. Wir alle hoffen, daß an jenem Zeitpunkt die gegenwärtigen Schwierigkeiten in befriedigender Weise beseitigt sein werden. Sollte dies jedoch unglücklicherweise nicht der Fall sein, so wird es eine Pflicht des Rates sein, die Gesamtfrage, wie sie dann besteht, zu behandeln. Ich schließe mit der nachdrück­lichen Versicherung an den Rat, daß die britiscke Regierung alles aufbieten wird, um eine friedliche Erledigung dieses Streitfalles in Einklang mit den Grundsätzen des Völkerbundspaktes zu sichern.

Litwinow erklärte, er habe mit Befriedigung festgestellt, daß die beteiligten Mächte einig gewor­den sind, untereinander in Verhandlungen einzutre­ten. Die erste Entschließung (Fortsetzung des Schlichtungs- und Schiedsgerichtsverfahrens) wurde einstimmig angenommen. Bei der zweiten Entschließung, die die Prüfung des Gesamtproblems am 4. September d. I. vorsieht, enthielt sich der italienische Vertreter der Stimme. Nach der Ge­schäftsordnung gilt diese Entschließung gleichfalls als einstimmig angenommen. Litwinow schloß hierauf die Tagung mit Worten des Dankes an die Vertreter Frankreichs und Englands für ihre ausgezeichnete Arbeit.

Italien behalt freie Hand/'

Rom, 4. August. (DNB.) In einem Genfer Bericht desPopolo di Roma" wird hervorgeho­ben, wie nichtssagend die zweite Entschließung über die Eröffnung einer Generalaussprache über den abessinischen Konflikt am 4. September sei. Italien als wichtigste interessierte Macht habe es nicht für zweckmäßig gehalten, dieser Entschließung zuzustimmen. Die allgemeine Frage der abessinisch-italienischen Beziehungen sei nach dem Willen Italiens von jeder Erörterung durch den Völkerbund ausgeschlossen. Italien behalte völlig freie Hand bei jeder etwaigen kommenden Verhandlung vor dem Völ­kerbund. An zuständiger Stelle wird erklärt, daß der italienische Standpunkt in Genf vollkommen durchgedrungen sei und entsprechend der italieni­schen Forderung keine Ausdehnung der Aussprache stattgefunden habe. Es wird aus- drücklich daraus hingewiesen, daß die vorgesehenen

Dreierverhandlungen auf Grund des Vertrages von 1906 außerhalb des Völker­bundes beschlossen wurden und durchgeführt werden, und daß dieser Vertrag eine nur die drei interessierten Länder Italien, Frankreich und England betreffende Abmachung,darstelle.

Wie Italiens Kriegsplan aussehen soll.

Paris, 4. Aug. (DNB.) Die Genfer Sonder­berichterstatterin desOeuvre" gibt Gerüchte wie­der, die in Genf über die militärischen Absichten Italiens in Abessinien umlaufen. Danach stellt sich der italienische Kriegsplan etwa folgendermaßen dar: Fünf italienische Abteilungen würden von I t a li e n i s ch - S o ma li l a nd in die Pro­vinz Ogaden Vordringen und dabei dem Lauf von fünf Flüssen folgen. Sie hätten etwa 500 Kilometer nach Addis Abeba zurückzu- legen, wo sie auf etwa 20 000 Abessinier unter dem Oberbefehl von Nassibu stoßen würden. Drei italie­nische Abteilungen würden von Assab in Eri­trea aus den fünf anderen entgegen­marschieren und dabei die Wüste von Dankali zu durchqueren haben, wo das Thermometer bis auf etwa 45 bis 50 Grad Celsius steigt. Der abes­sinische Thronfolger werde sich ihm an der Spitze von 40 000 Mann a u f b e Höhen von Wolla entgegen st eilen. Die wirklichen mi­litärischen Operationen würden sich im Norden von Abessinien abspielen, wo eine starke italienische

London, 4. Aug. (DNB.) Die Genfer Kom- promißformel im italienisch-abessinischen Konflikt wird von der englischen Sonntagspresse durchweg ungünstig und wenig optimistisch beur­teilt. Die überwiegende Ansicht der Blätter geht dahin, daß Genf praktisch so gut wie nichts zur Lösung des Problems beigetragen habe.S u n d a y Expreß" schreibt:Unsere Minister haben hart für den Frieden zwischen Italien und Abessinien ge­arbeitet. Sie haben aber genau nichts erreicht. Wir sind dem Frieden nicht näher, wird sind dem Krieg nicht ferne r."

Mit beißendem Spott sagt Garvin imObserver": Eine Atempause von einem Monat ist gewonnen" worden. Das ist ungefähr der Zeit­abschnitt, der ohnehin ablaufen muß, bevor mili­tärische Operationen in Nordabessinien durchführbar sind. Der Völkerbund hat ferner sein unerschütter­liches Recht bestätigt, solange zu schwätzen, bis der Krieg ausbricht. Im übrigen hat sein Verfahren nicht den geringsten Einfluß auf die abessinische Gefahr gehabt."

S u n d a y D i s p a t ch" schreibt:Alles,, was sich ereignet hat, ist, daß das Genfer Geschwätz um einen weiteren gefährlichen Monat aufgeschoben und daß die Unbeliebtheit Englands in Italien auf einen weiteren Monat verlängert worden ist. Keine süße Musik aus Genf kann die Zielbewußt-

Potsdam, 4. Aug. (DNB.) Zu einer erheben­den Kundgebung des Frontsoldatentums wurde der Frontsoldaten- und Kriegsopfer-Ehrentag in Pots­dam. Tiefgestaffelte Kolonnen der NSKOV., des Kyffhäuserbundes, der SA. und der HI. füllten den weiten Raum des Lustgartens. Unaufhörlich rück­ten weitere Kolonnen an. SA., NSKOV. und Reichstreuebund, Hitler-Jugend mit Marine-Jugend bildeten einen einzigen Aufmarschblock. Rings um die Rednertribüne waren die kriegsverletz­ten Kameraden mit ihren Fahrstühlen auf­marschiert. Nach kurzem Willkommensgruß durch den Kreisleiter und Oberbürgermeister Fried­rich, überbrachte

Oberst Reinhardt

die kameradschaftlichen Grüße des Kyffhäuserbundes. Kameradschaft und Disziplin, so führte er u. a. aus, sind von jeher seelische Träger soldatischer Haltung. Wir wollen durch diese von uns über alles gestellte Gemeinschaft soldatischen Wesens der Heranwachsen­den Jugend lebendiges Vorbild sein. Die Soldaten ruhmvoller Weltkriegstradition wollen der jungen Generation, den Soldaten von morgen, das hohe Gut der Kameradschaft praktisch zeigen. Denn Kameradschaft kann nicht gelehrt, sondern muß v o r g e l e b t werden. Aus dieser Kamerad­schaft in den eigenen Reihen, wie sie in unseren Organisationen gepflegt wird, erwächst dann auch folgerichtig die Kameradschaft zwischen alten Front-

Moskau, 3. Aug. (DNB.) Auf dem Komin­tern-Kongreß berichtete;Genosse" Dimitroff überdas Vordringen des Faschismus" und die Aufgaben der Komintern im Kampfe um die ge­werkschaftliche Einheitsfront". Es könnte, so meinte dieser berüchtigte Agitator, hier und dort die Lage eintreten, in der die Bildung einer Regierung der proletarischen Einheitsfront" oder derantifaschi­stischen Volksfront" (Einschluß der bürgerlichen Par­teien) im Interesse des Proletariats notwendig erscheine. In diesem Falle werden wir, ohne zu zögern, für die -Schaffung einer solchen Regie­rung eintreten! Dimitroff warnte davor, diean­steckend wirkende Kraft der faschistischen Ideologie" zu unterschätzen. Das Gegenrezept bestehe darin, die kommunistische Ideologie" in breiter Front unter den Massen zu entfalten auf der Grundlage einer klaren volkstümlichen Beweisführung und einer gut durchdachten Anpassung an die Psychologie der Massen, wobei sie an ihrervölkischen Eyre und die geschichtliche Vergangenheit ihrer Völker" (!) gepackt werden sollen. Diejenigen Kommunisten, die es nicht verstünden, im reinen Geiste der Marx, Lenin und Stalin den Massen die Vergangenheit chrer eigenen

Armee die weiten Flächen von Wolquit durchqueren werde, um gegen Gondar vorzustotzen. Hier würde sich eine abessinische Streitmacht von etwa 70 000 Mann unter dem Oberbefehl des Ras Kaf-a entgeaenstellen. In Italien setze man die größten Hoffnungen auf die Truppe, die von Tosmanara in Eritrea auf Addis Abeba marschieren und hierbei den klassischen Weg einschlagen würde, den jahrhundertelang alle Eroberer Abessiniens eingeschlagen hätten, ebenso wie die Italiener, als sie im Jahre 1895 in Adua geschla^n wurden. -

Ruhigere Auffassung in Addis Abeba.

London, 5. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie die Times" aus Addis Abeba meldet, ist am Sonntag der Bericht des abessinischen Vertreters in Genf, Prof. Jeze, eingetroffen. Er habe wesentlich zu einer ruhigeren Auffassung der Lage beige­tragen. Der Kaiser habe einen Sendboten an die in der Umgebung von Addis Abeba lagernden 60 000 Wallami- und Konta-Krieger geschickt und ihnen sagen lassen, sie wollten nicht in die Haupt­stadt einmarschieren, da der Kaiser mit Rücksicht auf den Völkerbund keine kriegerische Kund­gebung wünsche. Die einzige Kundgebung, die infolgedessen am Sonntag veranstaltet worden sei, sei die der abessinischen Jugend gewesen, die patriotisch und ruhig verlaufen sei.

heit Mussolinis übertönen. Keine Drohungen europäischer Mächte können eine Hand festhalten, die so fest das Schwert für eine Sache, die er für gerecht hält, ergriffen hat."

Daily Telegraph" glaubt behaupten zu können, daß während der Genfer Besprechung Frank­reich und Großbritannien sich wieder sehr viel näher gekommen seien. Es sei richtig, was Eden getan habe für die Verstärkung der englisch-französischen Front gegen weitere Zuge­ständnisse an Italien. Aber es sei dabei vollkom­men klar gewesen, daß Laval und seine Ratgeber einstimmig die engste Arbeit mit Großbritannien wünschten. Nicht weniger zweifelhaft sei die er­neute französische Ueberzeugung gewesen, daß die französisch-britische Zusammenarbeit für Frankreich die wertvollste Sicherung gegen eine Kriegsgefahr bilde. Diesen Punkt werde man wohl in Rom während der nächsten Wochen nicht unbeachtet lassen. Was die Dreimächtebesprechungen angehe, so sei bereits italienischerseits zu verstehen gegeben worden, daß britische Belange im Bezirk des Tsanasee wohl erörtert werden könnten. Hieran liege andeutungsweise das Angebot eines Tausches, zugleich aber auch eine ver­hüllte Drohung in einer Frage, von der die lebenswichtigen Belange Aegyptens tief be­rührt werden.

kämpfern überhaupt, aus der der Gedanke der Frontkämpferverständigung heraus ge­boren worden sei.

Reichskriegsopferführer Oberlindober würdigte unter brausendem Beifall der Anwesenden die ruhmreiche Vergangenheit der Frontkämpfer, deren Opfer nicht umsonst gewesen seien. Er wür­digte auch nicht nur den Kämpfer im deutschen Vaterland, sondern auch den Streiter im Gegen­graben, der genau so sein Leben eingesetzt habe wie der deutsche Soldat. Mit besonderer Genugtuung stellte er fest, daß bei dem heutigen Appell eng­lische Frontkämpfer zugegen seien, die gelernt hätten, deutsche Gegner zu achten. Mit aller Schärfe verurteilte er die Kriegstreiber, die im Ernstfälle nie im vorder st en Graben zu finden seien. Deutschland wolle den Frieden und diene nach dem Willen seines Führers der Wohlfahrt. Der deutsche Frontsoldat habe den Grundsatz geschaffen für die Bewegung, die heute den Staat trägt. Der Frontsoldat sei immer Vor­bild der Disziplin, d-er Kameradschaft und des Opfersinns gewesen. So würden auch immer Kameraden bleiben die Angehörigen der jungen deutschen Wehrmacht, des Reichstreue­bundes, des Kyffhäuserbundes und der NSKOV. Mit einem Vorbeimarsch aller Formationen endete dieses erste große Auftreten der NSKOV. vor der i Öffentlichkeit.

Völker vor Augen zu führen, überließen freiwillig das Feld den Faschisten.

Obwohl Dimitroff bestätigt, daß die Kommunisten unversöhnliche Feinde des bürgerlichen Nationalis­mus in allen seinen Schattierungen und auch keine Anhänger desnationalen Nihilismus" seien, will er die nationalen Gefühle als Köder für die Massen gelten lassen. Er sagt:Derjenige, der annimmt, daß der Grundsatz des proletarischen Internationalismus es ihm erlaubt, auf alle natio­nalen Gefühlen der breiten Massen zu pfeifen, ist weit entfernt vom echten Bolschewismus." Dimi­troff will sich mit einer Einheitsfrontbildung zwi­schen Kommunisten und Sozialisten noch nicht zu­frieden geben. Er fordert vielmehr eine einheit - I i cf) e politische Massenpartei des Pro­letariats in jedem Lande. Diese Partei müsse eine kämpferische und revolutionäre Partei sein, tapfer genug, um das Proletariat in dem Kampf um die Macht zu führen! Dimitroff meinte höhnisch, es gebe tatsächlich noch besonders Schlaue, die in all dem einen Rückzug aus den grundsätzlich eingenom­menen kommunistischen Stellungen und eine Art Rechtsschwenkung von der Generallinie des Bolsche­

wismus witterten. Das sei aber nur die Meinung politischer Hühner", die im Hungerzustande stets von Hirse träumten.

Die Klänge derInternationale" belohnten Dimi- troffs agitatorische Rede. Ein Durcheinander von Rufen setzte ein:Hipp, hipp Hurra!"Eoviva!", Rotfront!" Schließlich singt der ganze Kongreß. Italienische, polnische, deutsche und chinesische kom­munistische Haßgesänge ertönen durcheinander. Den Abschluß bildet das französische Barrikadenlied Carmagnole" mit dem kriegerischen Kehrreim: dansons la carmagnole! Vive le son du canon!

Antifaschistische" französische Front­kämpfer in Moskau.

Moskau, 4. August (DNB.) DasJournal de Moscou" berichtet von dem Besuch eineranti­faschistischen" Gruppe französischer Kriegsinvaliden und ehemaliger Frontkämpfer in Moskau unter Führung von Abgeordneten, die der parlamen­tarischen Frontkämpfergruppe angehören. Bei einem Empfang durch den Volkskommissar für soziale Für­sorge betonte der Führer der französischen Abord­nung, Abgeordneter Planche die freundschaft­lichen Gefühle für die Sowjetunion und erklärte, man wolle beiderseitsgegen Faschismus und Krieg" tätig sein. Aus der Aufmachung des Besuches imJournal de Moscou" ist deutlich ersichtlich, daß es sich um ein beabsichtigtes a n t i => faschistisches" Gegenmanöver gegen die Annäherung der großen Frontkämpferverbände handelt, die zwischen den ehemaligen Kriegsgegner­staaten im Gange ist und die Verständigung der beiderseitigen staatlich positiven Kräfte auf natio­naler Grundlage anstrebt.

Kommunisten-llnruhen in Palästina.

Paris, 4. August. (DNB.)Petit Parisien" berichtet von kommunistischen Unruhen in Pa­lästina, die zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei geführt hätten. Die Kommunisten hätten in Jerusalem und Haifa Straßenumzüge veranstaltet und die Einführung des politischen Re­gimes in den Gefängnissen gefordert. Dabei seien kommunistische Druckschriften verteilt worden, iij denen sich die Kundgeber mit den letzthin verhafte­ten Kommunisten solidarisch erklärten, die in den Gefängnissen in den Hungerstreik getreten seien. Als die Kundgeber der polizeilichen Auf­forderung, sich zu zerstreuen, nicht Folge leisteten, habe die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch gemacht.

SA , SG. und TlSKK. bei der Bekämpfung von Waidbränden.

Berlin, 3. August. (DNB.) Nachdem die Führung der SA., SS. und des NSKK. sich zum Einsatz ihrer Verbände zur Verhütung und Be­kämpfung von Waldbränden bereit erklärt haben, hat nunmehr der Reichsforstmeister bestimmte Richtlinien für die Verwendung von Ein­heiten dieser Verbände herausgegeben. Diese wer­den einmal als Waldstreifen zur Unter­stützung der Forstbeamten an Tagen beson­derer Waldbrandgefahr eingesetzt, zum anderen zur Bekämpfung von Wald­bränden selb st herangezogen, wobei durch einen wohlvorbereiteten Alarmplan ein möglichst schnelles Eingreifen der Verbände sichergestellt ist. Die Leitung sowohl der Waldstreifen wie auch der Brandbekämpfung liegt in den Händen des zu­ständigen For st beamten.

Eröffnung der Großglocknerstraße.

Am Samstag wurde die Großglockner-Hochalpen­straße nach Fertigstellung des letzten Teilstückes feierlich dem Verkehr übergeben. Die Straße führt vom Tal der Salzach ins Tal der Drau. Von Bruck bei Zell am See geht die Straße in ununter­brochener Steigung bis auf 2500 Meter Höhe, wo zuletzt ein 312 Meter langer Tunnel den Hochtor­grat an der Landesgrenze Salzburg Kärnten durchbricht. Dann windet sich die Straße südwärts in zahllosen Serpentinen nach Heiligenblut. Aus Anlaß der Verkehrsübergabe flatterten auf dem höchsten Punkt der Straße die Flaggen fast sämt­licher kraftfahrenden Völker des Erdteils, darunter die Hakenkreuzfahne. Zum Festakt hatten sich mit dem Bundespräsidenten M i k l a s auch Vizekanzler Starhemberg, die Mitglieder der Bundesregierung, des Diplomatischen Korps, dar­unter der deutsche Gesandte von Pap en, sowie Vertreter der Behörden, der Wirtschaft, der Indu­strie und viele Kraftfahrer des In- und Auslandes eingefunden. Bundespräsident M i k l a s beglück­wünschte die am Bau beteiligten Stellen zu ihrer großen Leistung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß das neue Werk dem Frieden Europas dienen möge. Nachdem der Bundespräsident dem leitenden Ingenieur Wallak das Kompturkreuz des öster­reichischen Verdienstordens überreicht hatte, übergab er die neue Straße der Öffentlichkeit. Hierauf nahm der Fürsterzbischof von Salzburg die kirch­liche Weihe der Straße vor. Unter den zahllosen Kraftfahrzeugen, die schon am ersten Tag die Groß­glocknerstraße befuhren, bemerkte man auch etwa 30 reichsdeutsche Wagen, die die Wimpel mit dem Hoheitszeichen trugen.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgobeort Frankfurt.

Während bei Island wieder lebhafte Wirbeltätig­keit in Gang kommt, hat sich gleichzeitig das atlan­tische Hochdruckgebiet auf den Kontinent hin ent­wickelt. Dementsprechend hat sich bei absteigender Luftbewegung sein Einfluß auf unser Gebiet ver­stärkt und wird auch vorerst noch erhalten bleiben.

Aussichten für Dienstag: Trocken und überwiegend heiter, mittags recht warm, nördliche und östliche Winde.

Aussichten für Mittwoch: Fortdauer der heiteren und trockenen Witterung, tagsüber recht warm.

Lufttemperaturen am 4. August: mittags 22,7 Grad Celsius, abends 14,1 Grad; am 5. August: morgens 12,1 Grad. Maximum 23,1 Grad, Minimum 9,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. August: abends 20 Grad; am 5. August: morgens 16,6 Grad. Sonnenscheindauer 10,2 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton i.V.: Dr.F.W. Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenlelter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10150. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K -G, sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.

Lliiiällschlmg in der englischen presse.

Kameradschaft, Disziplin, Opferfinn!

Großer Frontsoldaten- und Kriegsopfer-Ehrentag in Potsdam.

Die Kampfmethoden des weltrevolutionären Kommunismus. Oer bulgarische Agitator Dimitroff auf dem Weltkongreß der Komintern.