Ausgabe 
5.8.1935
 
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ländern. (Anhaltender Beifall.) Mr sehen mit Ernst auf diese von Streiks, Aufständen und Krisen durchschültelte Wett. Dir glauben, daß Europa nicht eher zur Ruhe kommen kann, als bis es sich über die primitivsten Grund­lagen seines Lebens geeinigt hat.

Mit Stolz können wir andererseits sagen, daß Deutschland, gereinigt durch die national­sozialistische Revolution, fest und unbeirrbar über der Weltkrise steht. Bei uns trägt eine starke Partei den Staat. Bei uns schützt eine neuer ft anbene Armee die Nation. Bei uns ist Volk und Führung eines Willens und vollbringt die nationale Einigkeit Wunder der Arbeit. Wir leben nicht in einem Paradies, aber wir leben ein Leben, das sich zu leben immerhin verlohnt. Wir können mit Stolz bekennen: Die­ser großen Zeit haben wir die Bahn gebrochen, und wir lassen sie uns nicht ver­derben. Als Ehrenwache über den deutschen Staat stehen diese alten Gardisten, die treuesten Mit­kämpfer unseres Führers.

Das Ziel, das wir uns einmal steckten, ist uner­schütterlich. Die Mittel, die wir zur Erreichung die-1 ses Zieles anwenden, sind elastisch und biegsam.! Wir haben einen Führer, an den wir glauben, und auch in dieser großen Treuekund-1

Das Zudenproblem.

Essen, 3. Aug. (DNB.) Jrn Rahmen des Esse­ner Gautages fand Samstagabend im Zirkus Ha- genbeck eine Massenkundgebung der Be­amten unb Lehrer unb ber DA F. statt, auf der Reichsinnenminister Dr. Frick in einer großen Rede u. a. auch auf die vom Ausland erhobenen Vorwürfe einer angeblichen Judenverfolgung in Deutschland einging und erklärte: Die Juden- frage wird langsam aber sicher so gelöst werden, wie es das Programm der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei oorsieht. Sie wird voll­kommenlegal gelöst werden, und ich möchte ausdrücklich vor wilden Einzel­aktionen warnen, die uns nur schädigen und den Enderfolg gefährden können. Ich vertraue der unbedingten Disziplinder Partei, daß sich Parteigenossen nicht durch staatsfeindliche Pro­vokateure zu gewaltsamen Maßnahmen hinreißen lassen. Aber die Juden in Neuyork sollen ja nicht glauben, daß sie durch bezahltes kommunistisches Gesindel, das gegen Deutschland demonstriert, ihren Rassegenossen m Deutschland irgendwie helfen kön­nen, sie werden damit höchstens das Gegenteil er­reichen.

Die Katholische Kirche.

Auch zu der angeblichen Verfolgung der Katho­liken in Deutschland nahm der Minister Stellung. Ich lehne, so erklärte er, hier ausdrücklich jeden neuen Kulturkampf ab und es ist mir nicht bekannt, daß der Führer bis heute den Programmsatz von 1920 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter­partei, wonach die Partei für ein positi­ves Christentum eintritt, aufgehoben hätte. Es besteht also nach wie vor zu rechtens. Das aber muß ich allerdings sagen, wir verlangen auch von den Kirchen in Deutschland, ebenso von der katho­lischen wie von der protestantischen, daß sie sich rückhaltlos in den nationalsozialisti­schen Staat einordnen und für den natio- nalsoziallstischen Staat und seine Staatsführung ein­treten. Wir wachen eisern darüber und werden es nicht zulassen, daß die Kirchen sich in die Staats­politik einmischen. Die Politik machen ausschließlich die nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und der Führer Adolf Hitler. Es soll jeder nach seiner Fasson selig werden, aber in der Politik soll die Religion in Deutschland keine Rolle mehr spielen, denn wir haben wahrhaft in der deut­schen Geschichte genug gelernt. Deswegen legen wir so außerordentlichen Wert auf die konfessionelle Be­friedung des deutschen Volkes.

Dr. Frick wiederholte dann seine in Münster zur Frage des Sterilisationsgesetzes ab­gegebene Erklärung, daß Reichsgesetze für

aebung, die wir für ihn, für seine Bewegung und sein Volk veranstalten, wiederholen wir Den Leit- jpruch unseres Lebens auch für die Zukunst: Füh­rer befiehl, wir folgen! (Langanhaltender stürmischer Beifall.)

Keine Weiterarbeit des Bundes reisender Kaufleute.

Berlin, 3. Aug. (DNB.) Der Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, erläßt folgende Anordnung:

Ich habe festgestellt, daß immer noch der frühere zum DHD. gehörende Bund reisender Kauf­leute in Untergliederungen besteht und weiter arbeitet. Da durch den Ausbau der DAF. alle sozialpolitischen Fragen der Handelsvertreter und Geschäftsreisenden in der Reichsbetriebsge­meinschaft Handel bearbeitet werden, gilt der Bund reisender Kaufleute als auf­gelöst. Ich untersage hiermit die Weiter­oerwendung der Briefbogen dieses Bundes und be­stimme in diesem Zusammenhang, daß imAmt für Arbeitsführung und Berufserziehung" die frü­here AbteilungGruppe der reisenden Kaufleute" mit sofortiger Wirkung die Bezeichnung führt:Ab­teilung Handelsvertreter und Geschäftsreisende".

alle Deutschen verbindlich sind, auch für die deutschen Katholiken, und daß dies auch nach dem Konkordat rechtens ist. Nun hat, fuhr der Mi­nister fort, der Off eroator e Romano es für nötig gehalten, mir hier fchärfstens entgegenzutre- ten in einer offiziösen Kundgebung des Vatikans, die auch auf den Kanzeln der katholischen Kirchen Deutschlands verlesen worden ist. Man hat ar­gumentiert, dieses Gesetz verstoße gegen göttliches Gesetz: Nun frage ich Sie, deutsche Volksgenossen: Wenn Gott ein Volk gesund geschaffen hat, so glaube ich eher, es ist göttliches Gesetz, daß dieses Volk auch gesund erhalten wird. Ich muß also diese Argumentation schärfstens zurückweisen. Dieses Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuch­ses stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wie sie die Vererbungslehre uns gegeben hat. Wir haben schon erlebt, daß Päpste versucht haben, wissenschaft­liche Erkenntnisse durch dogmatische Lehren zu wi- verlegen oder aus der Welt zu schassen. Ich erinnere nur an die Grundsätze des Kopernikus, an Galilei, die als gegen die Bibel verstoßend bezeichnet mür­ben. Heute, glaube ich, wird auch vom Vatikan nicht mehr in Abrede gestellt, daß sich endlich die Erde um die Sonne dreht. Genau so liegt es auch hier mit diesem sachlichen Problem, mit der wissenschaft­lichen Erkennens. Heute sträubt sich die katholische Kirche angeblich, weil die Sterilisation gegen das göttliche Gesetz verstoße. Gegen diese Erkenntnis und gegen die Schlußfolgerung, die man daraus vernünf­tigerweise ziehen muß, und ich hoffe, daß in einiger Zeit der Vatikan auch genau so wie Kopernikus die Richtigkeit der Erkenntnis auch seinerseits anerkennt.

Der Stahlhelm.

Zu anderen Behauptungen der ausländrschen Presse im Zusammenhang mit dem verschiedentlich notwendig gewordenen Vorgehen gegen den Stahlhelm erklärte Minister Frick: Ich stelle als eine unbestreitbare Tatsache fest, daß der Stahl­helm vielfach, sicherlich ohne und gegen den Willen feiner Bundesführung, zum Sammelbecken staats- femdlicher ober die Partei ablehnender Elemente geworden ist. Es wurde deswegen auch verschiedent- sich von Reichsstatthaltern und Oberpräsidenten der Stahlhelm in verschiedenen Teilen des Reiches ver­boten, und ich habe schon wiederholt den verant­wortlichen Stellen des Stahlhelms gesagt, daß d i e Aufgaben des Stahlhelms durch die Tat des Führers vom 16. März 1935, mit der Ein­führung der allgemeinen Wehrpflicht eigentlich erfüllt feien, und ich würde als die beste Lösung finden, und ich möchte hoffen und wünschen, daß daraus die Bundesführung die Schlußfolgerung zieht, und von sich aus den Stahlhelm a u flö st oder überführt in einen all-

»Deschlußstelle in Rechtsangelegen­heiten der Evangelischen Kirchen

Berlin, 3.Aug. (DRV.) Nachdem durch Erlaß des Führers und Reichskanzlers vom 16. Juli 1935 die bisher im Reichs- und preußischen Ministerium des Innern sowie im Reichs- und preußischen Minl- slerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbil­dung bearbeiteten kirchlichen Angelegen­hei t e n auf den Reichsminister k e r r l übergegan­gen sind, hat der Reichsminisler des Innern die An­gelegenheiten der Veschluhftelle in Rechlsangelegen- heilen der Evangelischen Kirche ebenfalls Herrn Reichsminisler kerrl übertragen, der den Vorsitz übernommen hat.

Au Beisitzern der Veschluhftelle sind ernannt worden die Lehrer für öffentliches Recht Professor Dr. Weber in Berlin und Professor Dr. Dahm in kiel sowie die Sachbearbeiter für kirchliche ver- safsungsfragen in der kirchenableilung des Reichs- minisiers kerrl Ministerialrat S l a h n und kon- sislorialrat Dr. R u p p e l in Berlin. Der Beschluß- stelle liegen schon zahlreiche Prozesse vor, so dah damit zp rechnen ist, dah sie ihre Arbeiten bald aufnimmt.

gemeinen Soldatenbund, wodurch bann dieser leidige Streitpunkt am besten aus der Welt geschafft würde.

Die Freimaurerlogen.

Dr. Frick beschäftigte sich sodann kurz auch mit den Freimaurerlogen. Es paßt nicht, er-

Köln, 4. August (DNB.) Der Kölner Kreistag der NSDAP, erhielt besondere Bedeutung durch Ansprachen des Reichsjuristenführers, Reichsmini­sters Dr. Frank, und des Reichsorganisations­leiters Dr. Ley. Reichsminister Dr. Frank beschäf­tigte sich mit der K i r ch e n f r a g e.

Niemals war das Christentum in Deutschland so unbeschwert, wie es heute der Fall ist. Gar nicht möglich wäre es, daß nationalsozialistisch wirklich gläubige Deutsche irgendeiner kirchlichen Handlung entgegentreten würden. Andererseits wird aber auch niemand in Deutschland wieder einen 30jährigen Krieg der Selbstzerfleischung aus konfessionellem Haß predigen dürfen. Der Kampf, der gegen uns geführt wird, ist immer derselbe. Früher trat man uns in Deutschland offen gegenüber, heute ist das schwierig, und so wird der Kampf der internatio­nalen Juden und internationalen Jesuiten vom Ausland her gegen Deutschland geführt. In diesem Kamps müssen wir uns immer wieder klar werden, daß von unserem kämpferischen Elan und von unserer kameradschaftlichen Geschlossenheit das Schicksal der Bewegung und der deutschen Freiheit abhängen wird. Und weiter wollen und dürfen wir nie vergessen, daß wir nicht an der Macht wären und alles nicht tun könnten, wenn nicht unser Führer mit solcher grandiosen Genialität diese Bewegung geschaffen und unter furchtbaren Opfern zum Siege geführt hätte. Keiner weiß besser wie er, wie Revolutionen durchzuführen find, und keiner von uns wäre im­stande, irgendeine Maßnahme besser und sicherer zu treffen, wie er. Daher bleibt auch ihm immer d i e Entscheidung über die Weiterführung des nationalsoziali­stischen Kampfes vorbehalten. Die Auf­gaben, die der Führer heute zu erfüllen hat, laufen nicht allein darauf hinaus, den Nationalsozialis­mus im innerpolitischen Geschehen restlos zur Macht zu verhelfen, sie gefjen vielmehr dahin, einem 70» Millionen-Volk wieder die Existenz und den

klärte er, in das Dritte Reich, daß matt hier noch einen Geheimbund hat mit dunklen Zielen, und es ist allerhöchste Zeit, daß nun auch die Frei­maurerlogen aus Deutschland verschwinden, genau so, wie sie aus Italien verschwunden sind. Und wenn diese Erkenntnis in den Kreisen der Freimaurer nicht selbst allmählich durchdringt, banit werde ich demnächst in dieser Richtung nachhelfen.

Die Partei bildet den politischen Willen der Nation.

Nach kurzem Eingehen auf die außenpolitischen Vorgänge in Genf, wobei er das Versagen des Völ­kerbundes feststellte, schloß Reichsminister Dr. Frick: Zehn Jahre sind im Leben einer Nation eine kurze Spanne Zeit, und es kann keiner davon reden, daß deswegen, weil wir die Macht im Staate erobert haben, das Weiterbestehen der Partei überflüssig ge­worden sei. Im Gegenteil, die Partei ist heute notwendiger denn je. Es ist die Aufgabe der Partei, von der HI. angefangen, über SA., SS. und Arbeitsfront, NS.-Frauenschaft und aller ein­zelnen Parteig'liederungen und angeschlossenen Ver­bände, jeden deutschen Mann und jede deutsche Frau zu betreuen, von der Wiege angefangen sozusagen bis zum Grabe. Dann wird das erreicht, was dem Vorkriegsdeutschland nicht ge­lungen, der einheitlich geschlossene Wille der Nation, der die Voraussetzung dafür ist, daß sich Deutschland in seinem Lebenskampf und seiner Existenz auch behaupten kann. Niemals ist Deutsch­land besiegt worden, außer durch Deutsche s e( b ft, durch ihre Uneinigkeit. Deswegen ist es so wichtig, daß das ganze deutsche Volk, jeder einzelne Volksgenosse erfaßt wird von dem Gemeinschafts­willen, von der wahren Volksgemeinschaft, daß sich jeder Volksgenosse in einer Lebens- und Schicksals­gemeinschaft verbunden fühlt mit der Gesamtheit und daß diese Einheit immer mehr vertieft wird, bis der letzte Volksgenosse ein echter und wahrer. National­sozialist geworden ist.

Aufbau der Freiheit au ermöglichen. Kritik am Werk des Führers ist heute nicht mehr am Platze. Für uns gibt es nur eins: Treue und Ge­horsam zum Führer, damit er in die Möglichkeit versetzt wird,, das letzte Ziel des Nationalsozialis­mus um so schneller und besser zu erreichen.

Reichsorganisalionsleiler Dr. Ley

geißelte die destruktiven und unheilvollen Kräfte, die heute wieder versuchen, das große Aufbauwerk des Führers zu sabotieren. Er erklärte u. a.:Ge­rade ihr, die ihr vom Göttlichen redet, solltet be­greifen, was Religion ist, und ein wenig von der Mission, die der Nationalsozialismus zu erfüllen hat. Das kann man nicht studieren, und alle theolo­gische Weisheit der Jahrtausende zusammengetra­gen, bringt uns hier keinen Schritt weiter. Während der einfache Bauer, der einfache Arbeiter, der schlichte Mann aus dem Volke die große Zeit er­lebte, ergingen sich die anderen in theologischen Konstruktionen. Ihnen müsse erklärt werden: Die Partei ist da und sie bleibt da, solange Deutschland bleibt! Jene Kräfte sollen uns in Ruhe lassen, wenn wir versuchen, auch ein klein wenig vom Jenseits auf diese Erde zu übertragen, wenn wir uns be­mühen, diese Erde schön zu machen. Wenn be­hauptet wird, wir greifen die Religion an, so er- klären wir: Wer hat denn für diese Religion ge­kämpft? Wir haben Tote in unseren Reihen, wir haben Märtyrer, wir haben Heilige der Gegenwart. Wir verteidigen Kirche und Religion. Wäre der Na- tionalsozialismus nicht gekommen, so würde Mos­kau über Deutschland geschritten sein. Während unsere Helden gefallen sind, haben jene Kräfte mit den Gottesleugnern paktiert. Ihr habt versagt. Ihr hattet Gelegenheit, einmal Seelsorger dieses Volkes zu sein, aber ihr seid es nicht gewesen. Der neue Seelsorger des deutschen Volkes ist heute der poli- tische Leiter und der SA.-Mann. Ihr tragt eine heilige Mission in euch. Das ist tiefste Religion.

DasnaüonalsozialWscheDeuWlandlehnijedenKullurkampfab

Reichsinnenminister Br. Krick fordert Entkonfessionalisierung des öffentlichen Lebens.

Nationalsozialismus und Christentum.

Reichsjuristenführer Dr. Frank und Reichsorganisationsleiter Dr. Ley zur Kirchenfrage.

Zu Hause auf dem Bettrand rechnet er in seinem 1 Notizbuch. Er kraut sich verwundert den Kopf. Aber schließlich wurde doch auch allerlei gespart; listig schmunzelnd zieht er einfach die Ersparnisse von den Ausgaben ab.

Zufrieden fällt Krause in das Kopfkissen zurück. Die beiden Alten drücken sich noch einmal die Hand. Dann schlafen sie ein nach diesem schönen, schönen Tag: dem Sonntag für drei Mark.

Staub rollen, die Autos und Motorräder vorbei­flitzen. Endlich kommt eine Bahn, die einen rnit- nimmt. Für fünfzig Pfennige fahren die beiden lange und genußreich. Sie kommen an der Kneipe vorbei, die Krause bevorzugte, als er noch mit Mutter verlobt war, an dem Laden, den Frau Grünspecht hatte, als sie noch lebte ...

Endstation: Hoppla! Vater Krause lacht. Wie ungeschickt Mutter in den letzten Jahren geworden ist. Er ist froh, wenn er sie glücklich vom Trittbrett bugsiert hat.

Ei, wie viele Leute unterwegs sind. Zwar pumpt man einigen Staub in die Lungen, aber immerhin, man spürt, daß Sonntag ist. Eine wahre Pracht, diese Parade von Sonntagsanzügen und Sonntags­kleidern, dieser rollende Park Kinderwagen, heftig umklafft von Adjutanten, die rastlos den Zug ab- jagen. Eine frohgelaunte Völkerwanderung unter hohen Kiefern.

Da liegt der märkische See wie ein nordischer tyjorö. Von Booten schallen die Grammophone. Die Muggelberge ragen stolz. Vater Krause knöpft die Weste auf, schultert den Stock. Ein fremder Hund springt jauchzend an ihm hoch. Mutter Krause hat sich in die zierliche Fracht eines Kinderwagens Der» hebt. Sie erzählt von ihren Enkeln in Werdau. -8ater Krause zeigt einen) Herrn eine Photographie:

Sangerhausen. Und schon hat man Anschluß! Vater Krause mußAhoi!" rufen und den Hut schwenken, denn Schulzes sind natürlich wieder ganz hinten.

Frau Schulze fallen immer kleine Steine in die p.uJe' Schrecklich, man verliert sich so leicht. Man r '?ondU acht, noch ein Kinderwagen, noch zwei Hunde, Vater Krause übernimmt die Führung. Eine Wegblegung, da liegt das Gartenrestaurant. Ein­zug der Zwölftausend!

Der Kellner beschreibt Kurven schwerbelasteter Höflichkeit. Die Tassenpyramiden klirren. Der Wirt segelt handereibend, die Völker grüßend, über die Tanzflache und durchs Jnselmeer der Tische. Kra- chend fallt das Orchester ein. In Mutters Händen ringelt sich der Strickstrumpf, Vater Krause nimmt em großes Klrschwasser zu sechzig. Und vor zu» iriedenen Augen wippt tanzende Jugend, ein leben» Des Planetarium, durch das der unglückliche Kellner wie em fremder Komet irrt...

Ober! Zahlen! Zweimal Kaffee, ein Kirsch­wasser.Eine Mark und achtzig, bitte!" Am ^sgang nimmt Vater Krause für den wohl» geratenen Kuchen, den Mutter im Pompadur mit»

Berliner Sonntag für drei Mark...

Von per Gchwenzen.

Sieben Tage machen eine Woche. Hundert Pfen­nig machen eine Mark. Auf sechs Tage kommt ein Sonntag, und auf jede Mark kommen gewöhnlich, bildlich gesprochen, für etwa eine Mark siebzig not­wendigste Anschaffungen: Nahrung, Licht und Stie­felsohlen. Aber der Trieb zur Freude, das Recht auf Entspannung und Erholung, das bißchen Glanz auf den Kanten des Lebens, das liebe, zähe Herz unter der sorgengemusterten Weste des Familien­vaters haben auch eine Stimme in der Debatte der Zahlen. Es ist ein Machtwort, das sich über die Sorge und alle Gas- und Wäscherechnungen hin- wegsetzt: Drei Mark für den Sonntag! Denn auf dem himmlischen Lohn am Ende der meltaufenb Bürogänge, auf die Chore der Seligen zu warten, nein, das verlangt der gütige Himmel nicht!

Vater Krause versteht zu genießen. Zuerst der Sonntagmorgendauerschlaf. Der Wecker, raffinier­terweise wie immer auf sieben Uhr gestellt, schrillt. Krause erwacht, fährt hoch, Büro, Hauptbuch, alle Requisiten der Pflicht bedrängen den erwachenden Geist. Dann aber trifft der Blick den Kalender: Rot! Vater Krause fällt erlöst in die Kissen zurück. Der Wecker wird abgestellt, und ein glücklicher Mor­gentraum hält bis zur sonntäglichen, geblümten Kaffeekanne an ... Der erquickliche Schlummer war ein Gratisgeschenk des Himmels.

Punkt zwölf Uhr kommt Mutter mit dem Essen. Dann machen die alten Leutchen ein Nickerchen und schreiben später eine Postkarte an Emil, der in Sangerhausen Arbeit, und an Erna, die in Wer» bau Mann und Kinder hat. Um drei kommen Schulzes herüber. Vater Krause macht selbst das Holz für die Küche klein, ordnet seine Marken» und Schmetterlingssammlung und liebt, liebt das Da­sein. Er hockt aber nicht den ganzen Tag zu Hause. Nein, er und Mutter haben einen frohen Sinn für das öffentliche Leben ... Man bricht endlich um­ständlich auf.

Was es doch für ungeduldige Menschen gibt! Leutchen, es kommt doch gleich wieder eine Stra­ßenbahn! Das findet Vater Krause gerade so nett, an der Haltestelle zu schauen, wie sich die Leute mit den Kuchenpaketen, die Kinder mit den Schmetter­lingsnetzen heranschieben, wie die Dackel durch den

*u beachten. So darf die Braut auf feinen Fall chr Brautkleid selber nähen; denn das könnte die traurigsten Folgen für die junge Ehe nach sich ziehen. Es soll junge Mädchen geben, die lieber in ihrem Hauskleid vor den Altar treten würden, als m dem schönsten Seidenkleid, das sie sich selbst genäht haben. Auch soll es nicht ratsam sein, daß die Braut das Kleid schon vor der Hochzeit anzieht, wenn es vollständig fertig ist. Besonders in Eng- land ist man ängstlich darauf bedacht, der Braut das Kleid auszuhändigen, wenn es noch irgend- welche Mängel hat. Dann muß erst noch geändert und ausgebessert werden, und erst bei der Trauung darf die Braut zum ersten Male das fertige Kleid tragen.

Zn vielen Londoner Schneiderateliers ist man auch der Anschauung, daß es den dort beschäftigten Näherinnen Glück bringt, wenn sie in jedes Kleid, öas sie Herstellen, eines von ihren Haaren mit hineinnähen. Wer diesem Brauch bei einem Brautkleid entspricht, der wird im nächsten Jahre selber Braut werden und ein Brautkleid benötigen Als eine Dame der englischen Gesellschaft allerdings einmal em rotes Haar in ihrem Kleid eingenäht fand, gab sie es sofort wieder an die Schneiderstube 3uru(f; benn sie fürchtete, baß ein rotes Haar ihr Unglück bringen werbe.

Gtne Diel verbreitete Regel in ber Schneiderei warnt bavor, bie Arbeit am Montag gerabe mit Auftrennen zu beginnen.Trennt man am Montag, 1° trennt man bie ganze Woche." Deshalb hütet man sich in manchen Schneiberstuben am Wochen­anfang vor dem Auftrennen. Auch die Nadeln spielen im Schneiderglauben eine große Rolle. Wenn man an einem Kleid etwas näht, und handle es sich auch nur um die Befestigung eines Knopfes, io durchsticht man dabei angeblich bie Freunbschaft, unb Nabeln, bie in einem Kleib gefunben werben, loüen ankünbigen, baß bie Trägerin bes Kleiber noch so viele Jahre auf bie Ehe warten muß, als Nabeln im Kleib finb. Auch für ben Umgang mit per Schere gibt es viele Regeln. Sv soll es Feinb- chaft unb Streit anzeigen, wenn man bie Schere so weltergibt, daß die Spitze dem Empfänger ent* gegensteht. Diesem Aberglauben liegt aber wohl bie einfache Erfahrung zu Grunbe, baß sich ber Ab­nehmer ber Schere auf biefe Weise sehr leicht stechen kann. Vielleicht waren auch bie anberen abergläubischen Grunbsätze ursprünglich solche zweck­mäßigen Ermahnungen, die in Vergessenheit ge­raten finb.

nahm, für zehn Pfennig Schokolabe. Den letzten Walzer fummenb, strebt man auf roalbigen Um­wegen ber Straßenbahn zu.

Abenbs hat Mutter Heringsalat gemacht. Weil das Wetter so schön ist, kann man zu Fuß noch zumBiervalast" gehen, wo Vaters Kegelbrüder vom VereinAlle Neun" warten. Mutter sitzt mit Frau Schulze in ber Gaststube. Vater Krause aber steht in Hembsärmeln, kneift ein Auge zu, reckt ben Hals, hüpft im Wechselschritt, schiebt bie Kugel glanzvoll über bie Bohle, macht glücklichalle neune'7 unb hat sich freigekegelt. Fröhlich klopft sein ökonomisches Hausvaterherz. Krause bestellt einen Portwein unb einen Pfannkuchen für Mutter, baß sie wohlig ver­spürt, was es heißt, bas Weib eines Siegers zu fein! Die erste unb bie zweiteMolle" hält er ben Kampf burch, bie Kreide leuchtet gewinnend für ihn, bie Hölzer fallen schwächen bie Börsen feiner Partner.

Bis elf Uhr sitzt man zusammen, Mutter wehrt mit verschämtem Lachen ab, aber beim vierten Glas Bier, zwischen bem ersten unb bem zweiten Korn, kauft er ihr laut unb deutlich eine Tafel Schokolade. Arm in Arm gehen die Alten nach Hause. Sie plaudern von den Kindern in Sangerhausen und Werdau.

Man nähe ein Haar ins Brautkleid.

Die Frauen stehen nun einmal ob zu Recht oder Unrecht soll dahinaestellt bleiben in bem Ruf, abergläubischer zu fein, als bie Männer, unb so werben in ben Schneiberstuben, in benen bie Frauenkleibung hergestellt wirb, viele seltsame Vor­stellungen unb Bräuche überliefert. Vielfach wirb bas Vorurteil genährt, baß manche Farben ihren Trägerinnen Unglück bringen; befonbers Grün und Gelb gelten als Unheilsfarben, die nach bem Aber­glauben ber Näherinnen ben Kunbinnen nicht emp­fohlen werben bürfen.

Vor allem aber finb bei ber Herstellung eines Brautkleibes viele scheinbar nebensächliche Umftänbe