Ausgabe 
5.8.1935
 
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Nr. 180 Erstes Blatt

185. Zahrgang

Montag, S. August 1955

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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rung nur eine das. Zurück zu

dienen, wir aber dienen dem Volke.

Wir rollen jede S la a l s f e l n d s cha f t

Berlin, 4. Aug. (DNB.) Generalfeldmarschall von Mackensen, der seit der Gründung des Stahlhelms" dessen Ehrenmitglied ist, hat mit dem 31. Juli die Ehrenmitgliedschaft des NS. - Deutschen Frontkämpferbun­des (S t a h l h e l m)" niet) er gelegt und die­sen Schritt den alten Stahlhelmkameraden m i t folgendem Schreiben bekanntgegeben:

An alle Angehörigen des RS.Deutschen Front- kämpferbundes (Stahlhelm)!

Das wichtigste Kampfziel des allenStahlhelms" ist durch das von der Reichsregierung am 16. Wär; 1935 beschlossene Gesetz zur Wiedereinführung der ckllgemeinen Wehrpflicht verwirklicht! In den allerersten schweren Nachkriegsjahren habt ihr euch unter den schwierig st en Verhältnis­se n im Sinne der alten, in Hunderten von Schlach­ten erprobten Weltkriegskämpser zusammenge­schlossen und euch immer kraftvoll und selbstlos für die Verwirklichung die­ses Zieles eingesetzt. Auch späterhin seid ihr als treue Verfechter des Stahlhelmgedankens tat­kräftig alsalte Kämpfer" auch vom Führer und Reichskanzler stets beson­ders a n e r k a n nt für die Erneuerung unseres geliebten deutschen Vaterlandes eingetreten! Damit ist die vom alten Stahlhelm sich selbst gestellte Hauptaufgabe erfüllt!

Es gibt im Staate nur einen Träger des politischen Willens, das ist un­sere Bewegung. Sie repräsentiert Staat und Volk. Sie mutz sein, sie ist unauflös­bar. Selbst wenn alle Deutschen national! o- zialistisch wären, müßte sie bleiben, um alle Deutschen nationalsozialistisch zu erhalten. So weit neben dieser Bewegung andere Ver­bände uni) Organisationen existieren, sind sie dienende Glieder der Partei. Es gibt neben der Partei keine Organi­sation, die das Recht auf ein politi­sches Eigenleben hätte. Die Wacht ge­hört ganz uns. Wir geben nichts davon ab, denn wir wissen: Kur im vollen Gebrauch der Wacht haben wir die Wöglichkeit, die großen Fragen der Gegenwart zu lösen.

Wir trauen den Verbänden an sich nicht viel Bö­ses zu, wir sprechen ihnen aber den Instinkt ab, den Feind an der richtigen Stelle aufzuspuren und zu wittern. Den Mangel an diesem Instinkt ha­ben sie in der Kampfzeit tausendfach unter Beweis gestellt. (Lebhafter Beifall.) Wenn sich in diese an sich harmlose Vereine und Verbände Gegner des Staates einschleichen, um dort im Schutze von patriotischen Phrasen und Fahnen Sa­botage am Staat zu betreiben, so sei ihnen gesagt: Sie fallen dann mit diesen ©lernen- t e n. (Starker Beifall.) Da hört die Sentimen­talität auf. Der Staat duldet keine Gegnerschaft. (Erneuter Beifall.) Sie täuschen sich, wenn sie glauben, daß das Volk irgend etwas mit ihnen zu tun haben wollte. Den Instinkt für das Volk haben wir niemals verloren. Auf die paar taufend Meckerer können wir gern Verzicht leisten, wenn nur die 66 Millionen deutschen Mmschen bei uns sind: denn das ist das Entscheidende. Vorrechte müssen bei uns durcb Vorvilicht-'n erwor­ben werden. (Stärkster Beifall.) Eine gewisse Auslandspresse sagt, das ist eine Staatskrise. (Stür­mische Heiterkeit.)' Das ist eine ganz gewöhnliche Reinigungskur! Das, was schon längst fällig war, wird jetzt Zug um Zug getan. (Neuer Beifall.) Die Auslandspresse macht aus einem Floh einen Elefanten. Schau in Berlin auf den Kurfürsten­damm einen Juden schief an, und du wirst das Wehegeschrei von London bis Peking hören!

Wenn die deutschfeindliche Presse jetzt in der S a u r e n - G u r k e n z e i t nach Sensa­tionen sucht, so gibt es in der Welt ein so großes Betätigungsfeld, daß sie sich nicht gerade ans Deutschland versteifen muh. Beispielsweise ist Krieg in Abessinien in Sicht. Eine an sich immerhin interessante Frone, über die es sich zu schreiben verlohnt, vor allem im Hin­blick daraus, daß unter dem Jubel derselben Weltpresse in Paris vor ein paar Jahren feierlich ein Kriegsächtungspakt von den Rationen, die jetzt einen Krieg nicht ver­hindern können, unterschrieben worden ist. (Lebhafter Beifall.) In Woskau redet man da­von, daß die Kommuni st ische Inter- nationale die Länder zur Revolution brin­gen will, und einige Wonate vorher singt man England zuliebe:Gott segne den König!" was die englische Presse anlangt, so sei sie daraus hinzuweisen:Warum in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah!" 3 n Belfastbrennendie häuser, und was die Sicherheit in Deutschland anlangt Flag­gen anderer Staaten haben wir durch Wob noch niemals von den Masten Herunter­reitzen lassen. Das tut man nur in Kultur-

Keldmarschatt von Mackensen legt die Ehrevmitgliedschast im Stahlhelm nieder

Bei der Weiterentwicklung des Ge­meinschaftsgedankens in unserem deutschen Vaterlande ist ein Bestehenbleiben von verbänden, denen keine besonderen Aufgaben zugewiesen werden können, im Inter­esse der vom Führer und Reichskanzler stets ange­strebten Einheitlichkeit nicht mehr angezeigt. Ich habe mich daher nach reiflichem Aeberlegen und Durchdenken heute entschlossen, meine Ehren­mitgliedschaft imR S.-Deutschen Frontkämp­ferbund (Stahlhelm)" niederzulegen.

Wit meinem wärmsten Dank für euer stets be­sonders anerkanntes kraftvolles Elst^ceten für die nationale Erhebung verbinde ich meine treuen kameradschaftlichen Grütze und den immer gleichen Wunsch, datz jeder alte Frontkämpfer, den ich mit zu dem wertvollsten Bestand augenblicklichen deutschen Wannes- t u m s zähle, sich an der ihm geeignet er­scheinenden Stelle bei dem Wiederaufbau unseres geliebten deutschen Vatertandes e i n s e h e n möge. In diesem Streben habe ich mich eins ge­wußt mit den Schöpfern und Witgliedern des Stahlhelms" und werde dies auch unter den ver­änderten Umständen weiterhin tun.

gez. v. Wackenfen, Generalfeldmarfchall.

W ü n st e r i. w., 3. Aug. (DRV.) Die Staats­polizeistelle für den Regierungsbe­zirk Wünster teilt mit:

Es ist gelungen, einen versteckten Angriff, der von derKolping-Familie" in Werne a. d. Lippe gegen SA. und andere RS.- Forma- ti o n e n gerichtet wurde, aufzuklären. In der Rächt zum 1. August wurden in Werne a. d. L. an katholische Einwohner Flugblätter verteilt, die ein Spotllied auf den Bischof von Wünster und ein Hetzlied gegen die Devisenverbrechen enlhiellen. Der Verdacht gegen die Verteiler des Flugblattes richtete sich sei­tens der katholischen Bevölkerung gegen die Witgtieder der SA. und die RS.-For­ma t i o n e n. Die sofort aufgenommenen Ermitt­lungen führten zu dem Ergebnis, daß als Her­steller und Verbreiter dieses Flugblattes neunWitgliederder,Kolbings-Fami­lie" aus Werne in Frage kommen. Acht Täler konnten fe ft genommen werden, während der neunte nach Holland flüchtete. Alle Beteiligten haben ein Geständnis abgelegt und gaben an, daß sie die Flugblätter verteilt haben, um die katholische Bevölkerung in Werne über die angeb­liche kirchenfeindliche Einstellung der RSDAP. und

Partei, Armee und Staat ein harter Granitblock.

Reichspropagandaminister Or. Goebbels spricht auf dem Essener Gautag der NSDAP

wir vergangene Sünden so leicht vergessen hätten. Wir achten jede religiöse Ueberzeugung. Der Ton liegt auf jede! Wir dulden keine neue In - quisition. Wir eignen uns nicht dazu, wie im Mittelalter Scheiterhaufen aufzurichten. Bei uns kann jeder nach seiner Fasson selig wer- d e n. Die Jugend zur Religiosität zu er­ziehen, mag Sache der Kirchen sein. Die Jugend politisch zu erziehen, ift . unsere Sache! Wenn die Kirchen Sportvereine gründen, so ist es denn doch sehr die Frage, ob diese Sport­erziehung auf das Jenseits gerichtet ist. (Stürmische Heiterkeit und lebhafter Beifall.) Die Jugend gehört uns, und wir geben sie an niemand ab. Auch eine konfessionelle Presse ift überflüssig. (Stürmischer, anhaltender Beifall.) Wir haben 400 Tote geopfert, um die parteipolitische Atomisierung unseres Volkes zu überwinden. Sollen wir t" was wir über die Vordertreppe hinuntergefeuert haben, über die Hintertreppe wieder herauflassen?

Gewissenlose Hetzer enllarvl.

Die Urheber eines heimtückischen Angriffs auf die SA entdeckt und verhaftet.

Boden eines positiven Christen­tums. Wir wünschen und verlangen aber, daß genau so, wie wir religiös positiv ch r i st l i ch sind, die Kirchen politisch po­sitiv nationalsozialistisch sein müs­sen. Lin Lippenbekenntnis kann nicht genügen, wir wollen ein Bekenntnis der Tat.

Daß in Deutschland überhaupt noch Kirchen stehen, ist der Tatsache zu verdanken, daß wir den Bolschewismus zu Boden geworfen haben. (Stür- mische Zustimmung.) Das Zentrum war zu schwach dazu und es wollte das auch im Ernst gar nicht; denn es fühlte sich dem Bolschewismus innerlich verwandter als uns. Sie sollen nicht glauben, daß

haben für Bewegung und Führer gekämpft, wir dulden es aber nicht, datz die Geschickten sich in die vordere Reihe drängen und die alten Kämpfer in den Hintergrund geschoben wer- den. Im übrigen überschätzte man diese kleinen Gruppen nicht, wir brauchten nur einen Teil unserer Wacht anzusehen, und sie kröchen wie­der wie im Februar und Wärz 1933 in ihre Mauselöcher zurück. Partei, Armee und Staat bilden einen harten, festen Granitblock und man kann sich an diesem Granitblock höchstens die Zähne ausbeitzen.

Was das Judenproblem anlangt, so möchte ich in aller Öffentlichkeit fragen: Wer hat provo­ziert? Die Juden oder wir? Wer hat mit einer wahren Schafsgeduld über zwei Jahre lang diesem aufreizenden Treiben zugeschaut? Das Judentum hat sich in Deutschland den Gesetzen des Gastvolkes unterzuordnen. Wir haben ihm eine Chance gegeben. Wenn es diese Chance mißbraucht, darf es sich nicht über die Folgen beklagen. Wir kennen die Juden, wir haben sie als Kommunisten, als Sozialdemokraten, als Schakale des Wirtschafts­lebens kennengelernt. Wir werden nicht müde wer­den, das deutsche Volk über die Gefährlichkeit dieser internationalen Rasse aufzuklären. Eheschlie­ßungen zwischen Deutschen und Juden werden in Zukunft nicht mehr gedul­det. (Stürmischer Beifall.) Wir lassen es nicht zu, daß die Rassenverderbnis auch in den zukünftigen Geschlechtern sich fortsetzt.

Auf die Frage der konseffionen eingehend erklärte Dr. Goebbels: Die nationalsozialistische Bewegung steht und bleibt stehen auf dem

Mittler zum Volk. Für die Kirchen aber gibt es Losung, die den Frieden gewährleistet: den Kanzeln! Die Kirchen sollen Gott

aus, wo immer sie sich zeigen mag. Wir wol­len keinen kullurkampf. Wir haben aber den Eindruck, daß es in ehemaligen Zen- lrumskreifen gewisse Eliguen gibt, die einen Kulturkampf herbeiführen möchten.

Was soll man beispielsweise dazu sagen, wenn in Westfalen Schmähflugblätter gegen den Bischof beschlagnahmt werden und sich heraus­stellt, daß sie verfaßt und vertrieben worden sind von Mitgliedern des katholischen Kolpingvereins! (Stür­mische Pfuirufe.) Das ift ein Spiel mit dem Feuer, und wir werden dafür sorgen, daß diese inneren Unruhestifter einer so drakonischen Strafe zugeführt werden, daß ihnen und ihresgleichen die Lust zu ähnlichen Experimenten vergeht. (Stürmischer Bei­fall.) Was soll man dazu sagen, wenn in derselben Provinz eine gemeine und niederträchtige Kir­chen- und Kanzelschändung festgestellt wird und sich bann ergibt, daß sie von katho­lischen Kreisen durchgeführt wurde, um den Nationalsozialismus damit zu belasten! (Lebhafte Pfuirufe.) Man sieht, wo die Kultur­kampfhetzer sitzen, und man wird in den nächsten Wochen zu sehen bekommen, was wir mit ihnen an­fangen. (Lebhafter Beifall.) Wenn ein Jude Devisen schiebt, so ift dabei nichts verwunderlich; denn die Katze läßt vom Mausen nicht. Wenn aber ein Diener am Wort des Evangeliums über die Grenze fährt und dabei Devisen in die Kutte eingenäht hat, so muß ich schon sagen, käme Christus wieder, er würde solche Verräter am Christentum mit der Peitsche austreiben und diejenigen dazu, die solche Verbrecher als Märtyrer erklären. (Star­ker Beifall.) Schon fett altersher haben wir mit dem Volke unmittelbar verkehrt. Wir brauchen keine

ihrer Gliederungen aufzuklären. Aus dieser Tat­sache ergibt sich klar und deutlich, mit welchen heim­tückischen und hemmungslosen Mitteln der politische Katholizismus seinen Kampf gegen Staat und Be­wegung führt.

Grabdenkmal eines SA.-Mannes geschändet.

Düsseldorf. 3. August. (DNB.) Wie der P r e s s e d e z e r n e n t beim Landgericht Cleve mitteilt, ift auf dem Grabdenkmal des SA.-Mannes Josef Arntz in Hau das Kreuz abgerissen worden. Auf die Ermittlung des Täters hat der Regierungspräsident eine Belohnung ausgesetzt.

Auch vom Dienst enthoben.

Berlin, 3. Aug. (DNB.) Die Pressestelle des Reichsforstamtes teilt mit, daß auf Grund der durch eine Veröffentlichung desAn­griffs" vom 2. August, 1. Ausgabe, bekanntgewor­denen Vorfälle außerhalb des Dienstes der Forst- affeffor Graf Fink von Finken st ein sofort seines Dienstes enthoben wurde. Eine disziplinarische Untersuchung gegen Forstassessor Graf Fink von Finkenstein ist be­reits am Nachmittag d e s 2. August an­geordnet worden.

Dr. Goebbels spricht.

Reichsminister Dr. Goebbels dankte zunächst den alten Parteigenossen für ihre Treue zur Bewegung, für die Standhaftigkeit und die stolze, feste lieber» zeugung von der Siegyaftigfeit der nationalsoziätt- stischen Idee. Es bereite ihm eine große Freude, wieder, wie am Gründungstage vor zehn Jahren, vor der alten Parteigarde zu stehen. Die kurze Sommerpause dieses Jahres sei nun zu Ende und derKampf beginne aufs neue. Gerade bei dieser ersten Großkundgebung der Partei nach der politischen Sommerpause solle das Gelöb­nis abgelegt werden: Wir sind uns klar über un­sere eigene Kraft, aber mir kennen auch u n - s er e Feinde; und sie sollen davon überzeugt sein: Wo sie uns entgegentreten, werden wir sie in Öen Staub werfen! Sie irren, wenn sie iglauben, daß unsere Langmut Schwäche sei. (Stür­mischer Beifall.)

Dr. Goebbels fuhr dann fort: Nach alten ge-, wohnten Methoden hat eine gewisse Ausland- presse auch in diesem Monat wieder aus den Gesundungserscheinungen des deutschen öffentlichen Lebens eine Krise zu machen ver­sucht. jedesmal bemerkt das Ausland bei uns eine .Krise, wenn wir in Deutschland aufräumen und be­sonders dann, wenn wir uns unterstehen, dabei auch einmal einen Juden anzufassen. Wie notwen­dig das war, mag man daran erkennen, daß bas ^Judentum es wagte, in der Reichshauptstadt offen gegen einen ihnen unangenehmen Film zu prote­stieren. Da allerdings ift der Augenblick gekommen, wo wir sagen: Bis hierher und nicht weiter!

wenn wir daraus Konsequenzen in mancherlei Hinsicht ziehen, so ist das ausschliehlich un­sere Sache. Richt die Auslandpresse, sondern w i r regieren in Deutschland! (Stürmischer Bei­fall.) Richt der Staat ist gefährdet, sondern die kleine Clique, die ihn zu sabotieren versucht. Dir haben uns nie in lautem Pathos zu Be­wegung und Führer bekannt, sondern wir

E s s e n, 4. August 1935. (DNB.)

Mit einer gewaltigen Kundgebung sämtlicher Gliederungen der NSDAP, und zugleich mit dem größten SA.-Aufmarsch, den Westdeutschland wohl je sah, erlebte der Gautag des Gaues Essen und die 10-Jahrseier der nationalsoizalistischen Be­wegung im Ruhrgebiet ihren Höhepunkt.

Gauleiter Terboven leitete mit kurzen Wor­ten die Kundgebung ein. Wer immer, so erklärte er, in Deutschland oder in unserer Umwelt noch Zweifel habe, ob das neue Reich Bestand haben wird, der mag sich diese gewaltige Kundgebung der Einheit und Geschlossenheit in sich aufnehmen und er wird dann wissen, das Reich, das von diesen Männern getragen und aehalten wird, ist uner­schütterlich und wird unerschütterlich bleiben.

Stabschef Lutze

erinerte an die Zeit des gemeinsamen Kampfes im Ruhrgebiet gegen Klassenkampf und Standesdünkel, gegen Marxismus und Bolschewismus, gegen Spie­ßertum und gegen Reaktion. Wir haben dem Volke durch die Praxis bewiesen, daß Nationalsozialismus und Sozialismus zwei Begriffe find, die ohne ein­ander gar nicht bestehen können. Wir haben uns immer mit Nachdruck für die Belange des ganzen Volkes eingesetzt, und wir werden dies auch in Zu­kunft fs halten. Wir haben jeden, der sich ehrlich bereit erklärte, mit uns für das deutsche Volk und den deutschen Staat zu arbeiten, immer i n offener Kameradschaft d i e Hand ge­boten. So wird es auch in Zukunft sein. Wir haben aber ebenso jedem, der sich offen oder ver­steckt uns entgegenstellte, der gegen uns, gegen das Volk und gegen den Staat arbeitete, schonungs­los, und wenn es fein mußte, mit brutaler Gewalt niedergekämpf. Auch das werden wir in Zu fünft so halten. Wir sind mehr als tolerant, wir inb großzügig gewesen, aber wir sind nicht chwach. Mit uns hat die Anständigkeit über die Inanständigkeit, die Vernunft über die Unvernunft gesiegt. Wer sich dennoch gestattet, aus diesen Tat- -sachen, die auch unsere unbelehrbaren Gegner im In- und Ausland heute nicht mehr leugnen kön­nen, falsche Schlüsse ziehen, muß sich nicht wun­dern, wenn plötzlich hart zugefaßt wird.

Stabschef Lutze wandte sich scharf gegen die politisierende Geistlichkeit und betonte, daß nach dem Willen des Führers einzig und allein die nationalsozialistische Bewegung die Po­litik mache. Wir wollen den Frieden im Innern und nach außen. Wir können je­doch niemals auf zwei Dinge verzichten, innerpoli- tisch auf den Totalitätsanspruch unserer Bewegung, und außenpolitisch auf die Ehre unseres Volkes. Diese beiden Dinge sind wir bereit, bis zum fetzten Atemzug zu verteidigen. Un­sere Treue zu unserem Führer ist unerschütterlich, und unbändig ist unser Glaube an Deutschland. Und hier wende ich mich insonderheit an meine alten Kameraden. Wir waren vor 10 Jahren tue Träger dieser Treue, dieses Glaubens und dieser Opferbereitschaft. Das, meine Kameraden muß immer so bleiben, und das wird immer so bleiben. W i r sind und bleiben d ie Alten.

Von den Tausenden stürmisch begrüßt nahm dann Reichspropagandaministev Dr. Goebbels das Wort.