Nr. <54 Zweites Blatt_______________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)_______________Freitag, 5.Wi 1935
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3um Ausbruch -es Vesuvs.
Wie wir gestern „Aus aller Welt" berichten konnten, hat der Vesuv, der schon seit einiger Zeit in Tätigkeit war, in der Nacht zum Mittwoch wieder einen nicht unerheblichen A u s b r u ch gemacht. Durch einen Zufall können wir heute eine aktuelle Ausnahme zu dem interessanten Naturereignis bringen. Amtsgerichtsrat Jockel (Gießen) stellt uns aus einer Serie von Ausnahmen, die er selbst vor kurzem vom Vesuv gemacht hat, das nebenstehende Bild zur Verfügung, das einen plastischen Eindruck vom rauchenden Berggipfel und dem davor liegenden Lavafeld vermittelt.
Europas Kampf gegen SasVerbrechertum
Unterredungen mit den Polizeiführern Deutschlands und Dänemarks.
Von unserem B.-Berichterstatter
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Kopenhagen, im Sommer 1935.
Die dänische Hauptstadt ist nicht nur die „Stadt der Radfahrer und des Smörebröd", wie sie im Gedächtnis vieler Touristen lebt. Sie ist vielmehr häufig genug der Treffpunkt europäischer Fachleute auf allen Gebieten des Forschens und Wissens, und daß nach der Kongreßarbeit dann die Schönheit der Umgebung und die Heiterkeit der Bewohner den ausländischen Gästen angenehme Unterhaltung und Entspannung bietet, berührt nicht die Ernsthaftigkeit des eigentlichen Zwecks der Zusammenkunft.
Im letzten Monat waren es sogar sehr ernste Männer, die aus aller Herren Länder im lustigen Kopenhagen zusammentrafen: die Meister des Fingerabdrucks, des Kreuzverhörs und der geheimen Recherche.
Der Internationale Kriminalpolizeiliche Kongreß war von 22 Ländern beschickt, alle großen Polizeistationen Europas hatten ihre hervorragendsten Vertreter entsandt, und es war anzunehmen, daß sich bei den Besprechungen im schönen „Polizeihof" Kopenhagens ein Material anhäufen würde, von dem alle Kriminalschriftsteller und Kriminalreporler der Welt jahrelang hätten zehren können. Der liebenswürdige Polizeichef Dänemarks, Thune Jacobsen, empfing denn auch die in- und ausländische Presse, um einen Ueber- blick über das Programm zu geben. Thune Jacobsen schilderte in den'verlockendsten Farben alle Genüsse, die den fremden Polizeileuten zugänglich gemacht würden: ein Mittagessen auf diesem und ein Abendessen in jenem Restaurant, eine Autofahrt nach Nordseeland, ein Frühstück im Klampenborg, ein Empfang beim König und dann zur Abwechselung ein kleines Essen beim Justizminister — ehemaliger Journalist, der er ist, wußte er, was die dänische Presse interessiert,' aber schließlich wurde doch gefragt, wie es denn eigentlich mit der Arbeit sei. Die Arbeit? fragte der Polizeichef erstaunt. Ach, das ist nicht weiter interessant, und außerdem sind die Beratungen vertraulich. — So schmackhaft und nett können Absagen serviert werden!
Tatsächlich sind über das Ergebnis des außerordentlich wichtigen Kongresses kaum Mitteilungen in die Öffentlichkeit gedrungen. Dagegen hatte der Befehlshaber der deutschen Polizei, Generalleutnant
D a l u e g e, der an der Spitze der deutschen Abordnung stand, die Freundlichkeit, Ihrem Berichterstatter grundsätzliche Ausführungen über die internationale Zusammenarbeit der Polizei zu machen. Diese täglich wirksame Zusammenarbeit findet ihren Höhepunkt in den Kongressen der Kriminalpolizeilichen Kommission, in der nur die führenden und sachverständigsten Polizisten jedes Landes vertreten sind. Generalleutnant D a - l u e g e betonte, daß Deutschland ein Förderer des Zieles ist, die Zusammenarbeit der Kriminalpolizei aller Länder Europas zum Segen und Nutzen ihrer Völker nach besten Kräften zu unterstützen. Hier sei eine Möglichkeit gegeben, ein völkerverbindendes Werk zu schaffen, Mittel und Wege zur Bekämpfung des internationalen untMes „nationalgebundenen" Verbrechertums gemeinsam zu finden. Mit Nachdruck wies der Führer der deutschen Polizei darauf hin, daß die Arbeit der internationalen Kommission selbstverständlich völlig unpolitisch sei. Der leiseste Anschlag einer politischen Richtung würde die mühselige Arbeit von Jahren zunichte und die zukünftige Tätigkeit unmöglich machen. Die Bekämpfung der politischen Verbrecher ist Angelegenheit der einzelnen Nationen, da die politischen Verhältnisse in jedem Lande andere Voraussetzungen und Grundlagen haben. Bei der Arbeit der Kommission sind bisher keine Schwierigkeiten durch kriminelle Fälle politischer Art entstanden, schon deswegen nicht, weil die Beratungen sich nicht auf einzelne Fälle beschränken, sich vielmehr in den großen Richtlinien der Verbrecherbekämpfung überhaupt bewegen.
Auf eine Frage nach dem Grund für den starken Rückgang der Kriminalität seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus erklärte Generalleutnant D a l u e g e, daß die Maßnahmen zur Bekämpfung des gewerbsmäßigen Verbrechertums zum Teil deshalb so erfolgreich sein konnten, weil das gesamte deutsche Volk durch die Erziehung des Nationalsozialismus willens war, die Polizei in ihrem Kampf zu unterstützen. Dazu komme, daß mit ganz neuen Mitteln, vor allem auf dem Gebiet der Dorbeugungshaft, dem Verbrechertum ein vernichtender Schlag zuaefügt worden' sei. Durch den persönlichen Meinungsaustausch auf solchen Tagungen und den anknüpfenden Schrift-1
verkehr werden internationale Verbindungen von Dauer hergestellt, die einen erfolgversprechenden Kampf gegen das Verbrechertum sichern. So wie das berufsmäßige Verbrechertum „international lernt", so will die Polizei international die Mittel und Wege finden, den Kampf gegen das Verbrechertum zu führen. Durch neuartige Angriff s m e t h o d e n, die in einem Land erstmalig versucht und oft durch die Zeitungen bekannt werden, lassen sich auch die Verbrecher anderer Länder warnen. Gegen solche Methoden schafft die Polizei bald neuartige Abwehrmittel, die dann durch per- önlichen Meinungsaustausch oder über die Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission in Wien so schnell als möglich den anderen Ländern übermittelt werden.
Generalleutnant D a l u e g e betonte zum Schluß, daß er mit besonderer Freude nach Dänemark gekommen sei. Der Besuch führender dänischer Polizeibeamter in Deutschland habe zu angenehmen persönlichen Verbindungen geführt, so daß der Wunsch rege wurde, bei einem Gegenbesuch das Land und die mustergültigen Arbeitsstätten der dänischen Polizei kennenzulernen.
Nach Abschluß des Kongresses trafen sich die dänischen und deutschen Teilnehmer bei einem Festabend auf der Deutschen Gesandtschaft, der, vom deutschen Gesandten Freiherrn von Richthofen verständnisvoll und zwanglos arrangiert, weiter Gelegenheit zu allgemeinem Gedankenaustausch bot.
Der Chef der dänischen Staatspolizei und Polizeidirektor von Kopenhagen, Thune Jacobsen, empfing ihren Berichterstatter zu einer Unterredung, in der er seine Eindrücke über den Verlauf des Polizeikongresses schilderte. Aus dem täglichen Zusammensein mit Vertretern von 22 Nationen ergab sich eine Fülle von Anregungen, und es war interessant zu beobachten, wie sich die Polizeifachleute der verschiedensten Länder und mit den ver
schiedensten Interessen auf einem gemeinsamen „Kampfplatz" trafen. Der erste und stärkste Eindruck von dem Zusammentreffen der europäischen Polizei* führer war die gute Verträglichkeit der Teilnehmer, die alle den ehrlichen Willen mitbrachten, ohne Rücksicht auf ihre politischen Anschauungen reibungslos zusammenzuarbeiten. Wie die Verhältnisse heute nun einmal in Europa liegen, existieren ja genug Möglichkeiten, die eine Störung der internationalen Polizeiarbeit bringen könnten. Solche Hemmungen waren jedoch nirgends zu spüren, und von allen Seiten bemühte man sich, die vorliegenden Fragen in objektiver Einstellung zu betrachten. Selbstverständlich machten sich auch dabei die speziellen Auffassungen geltend, aber das konnte nur den wertvollen gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und Anregungen fördern.
Das Zusammenwirken der Polizeibehörden in den nordischen Ländern charakterisierte Polizeidirektor I a c o b s e n mit der Feststellung, daß bei der Verfolgung eines Kriminalfalles automatisch alle Landesgrenzen fallen. Das enge Freundschaftsverhältnis zwischen den nordischen Ländern garantiert jedem ausländischen Verbrecher, daß er genau so „herzlich" und mit offenen Armen von der Polizei empfangen und behandelt wird, als geschähe das im eigenen Lande. Die Einbeziehung des Flugzeuges in die Arbeitsmittel der modernen Polizei haben den Meinungs-, aber auch den Derbre- cheraustausch zwischen Kopenhagen — Stockholm — Oslo noch inniger gestaltet. Bei dieser Situation hat der oberste Befehlshaber der dänischen Polizei, die übrigens seit langer Zeit sehr enge Beziehungen zu der Berliner Polizeizentrale unterhält, mit besonderer Freude auch im großen Kreise der europäischen Polizeileute den Wunsch zur Verwirklichung des Zieles gespürt: internationaler Kampf gegen internationales Verbrechertum.
Die Führung des Wareneingangshuches
Am 1. Oktober 1935 tritt die im Reichsgesetzblatt veröffentlichte Verordnung vom 20. Juni über die Führung eines Wareneingangsbuchs in Kraft. Diese Verordnung bestimmt in ihrem § 1:
Gewerbliche Unternehmer (selbständige Handeloder Gewerbetreibende einschl. der selbständigen Handwerker jeder Art) sind verpflichtet, für steuerliche Zwecke ein Wareneingangsbuch zu führen. Don der Verpflichtung zur Führung eines Waren- eingangsbuchs find befreit:
1. diejenigen gewerblichen Unternehmer, die zur Führung von Handelsbüchern (§ 38, Absatz 1 des Handelsgesetzbuches) verpflichtet sind und solche ordnungsgemäß führen; v
2. diejenigen gewerblichen Unternehmer, die durch eine andere gesetzliche Vorschrift zur Führung von gleichwertigen (dem Wareneinaangsbuch im wesentlichen entsprechenden) Büchern verpflichtet sind und solche ordnungsgemäß führen.
In das Wareneingangsbuch sind diejenigen Waren (einschl. der Rohstoffe, Halberzeugnisse, Hilfsstoffe und Zutaten) einzutragen, die der gewerbliche Unternehmer zur gewerblichen Weiterveräußerung oh^r zur gewerblichen Vermittlung erwirbt. Waren, die nach der Art des Betriebs üblicherweise für den Betrieb, und zwar zur gewerblichen Weiterveräußerung, erworben werden, sind auch dann einzutragen, wenn sie für betriebsfremde Zwecke verwendet werden.
Die Eintragung in das Wareneingangsbuch ist vorzunehmen, einerlei ob
1. der Lieferer der Waren ein Unternehmer oder ein Nichtunternehmer ist;
2. die Waren unverändert oder nach Bearbeitung oder Verarbeitung weiterveräußert werden;
3. der gewerbliche Unternehmer die Waren entgeltlich ober unentgeltlich auf Ziel, gegen Kaffe, bui'4 Tausch ober auf Gegenrechnung erwirbt;
4. ber gewerbliche Unternehmer Eigentümer ober unmittelbarer Besitzer der Waren wird ober ob er an ben Waren weder Eigentum noch unmittelbaren Besitz erlangt; _____________
5. der gewerbliche Unternehmer die Waren auf eigene oder auf fremde Rechnung erwirbt.
Das Wareneingangsbuch muß über jeden Posten Waren die folgenden Angaben enthalten:
1. fortlaufende Nummer der Eintragung;
2. Tag, an dem der gewerbliche Unternehmer den Warenposten erwirbt (das Eigentum, den unmittelbaren Besitz ober die Derfügungsmacht erlangt);
3. Name (Firma) und Anschrift des Lieferers;
4. Art des Warenpostens (handelsübliche Bezeichnung). Sammelbezeichnung (zum Beispiel: Kolonialwaren, Kurzwaren, Eisenwaren) genügt;
5. Preis des Warenpostens;
6. wenn ein Beleg (z. B. eine Rechnung, eine Quittung, ein Kassenzettel, ein Frachtbrief, ein Lieferschein oder eine Nachnahmekarte) erteilt worden ist: Angabe, wo (zum Beispiel unter welcher Nummer ber Belegsammlung) der Beleg aufbewahrt wird.
Die Eintragungen in das Wareneingangsbuch sind laufend, und zwar noch an dem Tage zu machen, an dem der gewerbliche Unternehmer den Warenposten erwirbt (das Eigentum, den unmittelbaren Besitz ober bie Derfügungsmacht erlangt). Gleichzeitig ist auf dem Beleg (wenn ein solcher erteilt worden ist) die fortlaufende Nummer des Wareneingangsbuchs, unter der der Warenposten eingetragen ist, zu vermerken. Der gewerbliche Unternehmer hat die Beträge monatlich und jährlich zusammenzurechnen. Das Wareneingangsbuch und die dazugehörigen Belege müssen zehn Jahre aufbewahrt werden.
Das Finanzamt kann für einzelne Fälle Erleichterungen bewilligen. Eine solche Bewilligung kann jederzeit zurückgenommen werden, auch wenn das bei der Bewilligung nicht vorbehalten worden ist.
Zuwiderhandlungen gegen die Verordnung sind nach § 413 der Reichsabgabenordnung strafbar, wenn nicht nach anderen Vorschriften (zum Bei-
3tu Grase liegend ...
Von Wilhelm Luetjens
Sonnenglut und Regenfluten sind über die Gärten hingegangen und haben den Fleiß der Menschenhände mit verschwenderischer Fülle an Blüten und reifenden Früchten gelohnt. Unser kleiner Garten hintsrm Haus, am Rande der Wiesen, steht im dichten Laub der Bäume und Büsche, das alle Wege überhängt und jeden freien Raum gebieterisch für sich beansprucht. Die Erbsen sind an ihren Reiser- spalieren mit heftigem Wachstum zu grünen Wanden emporgerankt und werden bald übervoll hängen von prallen Schoten. Bohnen und Salat prangen mit rauhem und glänzendem Grün in dichten Reihen. Dolle, dunkelrote Erdbeeren leuchten versteckt im Laub, und die Kirschen sind reif. Die Blumen am Haus: lilafarbene Levkojen und bunte Stiefmütterchen, die gelben Blütensterne der Arnika, die stolzen Kelche der Feuerlilien, der wuchernde rote Mohn im barock gezackten Dickicht seiner Blätter, Fingerhut, Zinnien, duftende Heckenrosen und erste Marguen- ten — sie alle überbieten einander in der gesteigerten Entfaltung ihrer farbigen Pracht.
Für unsere Hände bleibt nicht mehr viel zu tun. Die Arbeit ist Ernte und frohes Genießen, der Garten ein Paradies im kleinen, in dem es sich heiter leben und träumen läßt. Und doch bin ich ihm heute untreu geworden.
Seltsam: durch all die Tage und Wochen vorher, während der es unserer täglichen Mühe bedurft hatte, die Beete zu bestellen und zu pflegen, hatten wir mit keinem Gefallen hinauverlangt aus dem engbegrenzten Bereich. Wohl hatten die Wiesen ringsherum den Blick erfreut, ber flüchtig von der Arbeit sich aufhob. Den grasenden Kühen, die rupfend vor dem Gartenzaun weideten oder träge in der schweren Sonne lagen, den braunen, glänzenden Pferden, die lustig vorübersprangen und für eine Weile mit großen Augen hineinlugten in das umhegte Reich unseres Gartens, waren wir nachbarlich zugetan. Aber kaum jemals hatten wir selber den Fuß in die Weite der blühenden Gräser gesetzt, obwohl doch eine kleine, immer verriegelte Pforte seitlich hinausführt in diese andere Welt. Nur die Kinder, die ja aller Freiheit soviel selbstverständlicher sich zuwenden, hatten hin und wieder ihre selbstvergessenen Spiele, jenseits der Grenze der wohl- aeordneten Beete und Wege getrieben. Nur zwei- oder dreimal, in den duftüberströmten Tagen des Mai, hatten auch wir Großen den Weg durch die Wiesen genommen, um die Pracht der blühenden
Weihdornhecken an den Knickrändern näher zu betrachten ..
Heute nun, ganz ohne alle vorgefaßte Absicht, liege ich schon den geschlagenen Nachmittag lang hier draußen im Grase, jenseits des (9artens. Wirklich, ich liege im Grase, auf der Wiese, außen vor dem Gartenzaun, in Wind und Sonne und empfinde diesen plötzlichen Wechsel des Domizils wie einen köstlichen Genuß. Ich weiß nicht, wie es kam. War ich des Gartens überdrüssig und seiner gepflegten Ordnung, der Beete in Reih und Glied, der allzu bunten Blumenfülle, überdrüssig des täglichen, gebundenen Gleichmaßes der gewohnten Dinge? Genug, ich weiß es nicht. Ich liege mit einemmal hier draußen und fühle mich unsagbar wohl. Ich erlebe meinen wohlabgegrenzten, engen und täglichen Bereich aus einer anderen Perspektive. Das Haus ist hinter grünen Vorhängen fast verschwunden. Die weiß gekalkte Wand schimmert nur eben zwischen den Stämmen hindurch. Hinter dem dichten Himbeerspalier hantiert meine Frau, mir unsichtbar,, bei den Stachelbeerbüschen und wirft ab und zu ein paar Worte zu mir herüber, zu dem Landstreicher hinter dem Zaun, wie sie mich spöttisch benennt. Aber das kümmert mich nicht.
Mir ist alles verzaubert. Das Buch, das ich mir geholt habe, liegt ungelesen neben mir. Ich habe mich lang ausgestreckt und sehe den Wolkenzügen zu, die über den blauen Sommerhimmel gehen. Einige kriechen, geballt und niedrig hängend, mit dunkler Stirn, kaum spürbar vorwärts. Andere, leichtere, gleiten über sie hin und zwischen ihnen hindurch — phantastische Urwelttiere, — ein Dromedar, mit riesigem Halse ins Blaue schnuppernd, langbeinige Flamingos, vom Abendlichte rosig angehaucht —und zerflattern wie Rauch.
Alles ist anders. Die bekannte Welt ist mir fremd und neu geworden. Ich habe eine seltsame Reise getan und liege beglückt an verzauberter Küste. Der stammende Mohn am Gartengitter, drei Schritte vor mir entfernt, umsäumt ein fremdes, unbekanntes Paradies, das zu betreten kein Cherub mir ver- wehrt. Aber mich verlangt nicht nach ihm. Ich will hier bleiben.
Die hohen Halme umschmeicheln mich und streifen meine Stirn, wenn ein Windstoß sie bewegt. Die Millionen von Halmen sind wie ein Wald um mich her, und die zwei kleinen, spielenden Mädchen, die nun durch ihn auf mich zukommen, sind wie zwei Riesinnen groß.
„Du liegst |a hier draußen", sagt die eine, ganx und gar verwundert. Ich nicke nur, und während ich schon wieder entrückt und der Betrachtung hinge- geben, in den Himmel hinaufsehe, kommt sie heimlich
von hinten her und kitzelt mir mit einem Grashalm verstohlen die Nase, daß ich hochfahre Lachend trollen die beiden sich davon ...
Es ist Abend geworden, und die Sonne ist untergegangen. Der westliche Himmel ist wie ein grüngoldenes Meer, in dem die schattenblauen Aoend- wolken gleich fernen, wunderbaren Inseln mit dunklen Bergwänden und riesigen Urwaldbäumen ins Unendliche verschwimmen.
Der Wind streicht kühl durch die Gräser. Ich habe mich ein wenig auf gerichtet und betrachte sie einzeln, bestaune die unendliche Mannigfaltigkeit ihrer Formen. Einige sind feinverzweigt, zarte, gefieberte Bäumchen mit weitausgreifenden Spitzen, in denen es flimmert vom Widerschein des Lichtes. Andere, weniger reich gegliedert, wiegen an ihren Enden runde, walzenförmige Gebilde aus hunderten blühender Staubgefäße; noch andere wieder haben schmiegsame Schäfte, von kurzen Blattansätzen an jedem Knoten rhythmisch gezackt, wie feine Sägenblätter. Und alle schwanken sie hin und her und gegeneinander in ewiger Bewegung, deren verhaltenes Rauschen meine Sinne wie leise Musik umfängt. Die dunklen Gruppen der hohen Distelstauden, etwas weiterhin, starren fremd ins ungewisse, verblassende Licht.
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Dies ist ein Ondra - Lustspiel der Bavaria, eine recht sommerliche Angelegenheit, harmlose Unterhaltung für zwei Stunden, aber ganz luftig ausgedacht und nicht so gewaltsam und überspannt wie mehrere der letzten Filme mit Anny O n d r a. Sie spielt hier die Anführerin einer Reinigungskolonne der Firma „Blitzblank" und findet im Fasching in einer der ihr anvertrauten Wohnungen ein verdächtiges Subjekt, das offenbar soeben eingebrochen hat; sie kann nicht wissen, daß dies ein seriöser und gutbür- gerlicher Herr ist, der von der Dame des Hauses aufgefordert wurde, sie zu einem Lumpenball zu begleiten. Was sich daraus an Mißverständnissen und Überraschungen entwickelt, muß sich jeder selbst ansehen; eine Beschreibung würde zu weit führen. Die kleine O n d r a spielt diesmal recht gemäßigt und beinah mit Gefühl. A 1 bach - Re11y ist ihr ein munterer und eleganter Partner. Unter Karl Lamacs Regie tun sich ferner Ernst D u m ck e, Friedl H a e r I i n, Fritz Dbemar, Heinz S a l f- n e r und Hans Richter hervor. — Dazu bringt das Lichtspielhaus einen Kulturfilm mit Bll- dem aus Birma, zwei Mickymaus-Scherze und die Wochenschau.
Zeitschriften.
— Das neue „Inselschif f" (16. Jahrgang, 3. Heft, Sommer 1935) wird eingeleitet mit der sommerlich - schwärmerischen „Studentenfahrt" von Eichendorff. Reinhold Schneider entwirft eine Schilderung der guten alten Stadt Quedlinburg, ein Bild deutscher Vergangenheit. Aus einem kommenden Roman von Karl Heinrich Waggerl lesen wir das Kapitel „Heimkehr", von Friedrich Schnack ein .Meines Tropenbild" aus dem Geleitwort zu einem neuen farbigen Insel-Band. Ungemein interessant sind die Aufzeichnungen Goethes aus der Zeit seiner Theaterleitung, wovon hier einige Proben aus dem letzten Bande der Sammlung Kippenberg mitgeteilt werden: Was Goethe da zu einzelnen Inszenierungen bemerkt und notiert hat, ist nicht nur für Theaterleute und Literarhistoriker aufschlußreich und lesenswert. Wir nennen noch eine „Trorede" aus den ergötzlichen plattdeutschen Predigten des Jobst Sackmann, Gedichte von Binding, Otto Freiherrn von Taube und Hans Jochen Kehrl, und etliche schmückende Bildbeigaben.
— Ein aufsehenerregendes Selbstzeugnis des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich veröffentlicht Dr. Egon Cäsar (Tonte (Torti in einem mit bisher ebenfalls unbekannten Bildern geschmückten Aufsatz über die Kaiserin Elisabeth und ihren Sohn. Der Beitrag, der geschichtlich wie menschlich gleich wertvoll ist, eröffnet das soeben erschienene Juli- Heft von Delhagen & Älafings Monatsheften. Mit prachtvollen farbigen Bildern geschmückt sind die Beiträge von Prof. Dr. Max Geis- berg über die Wiedertäufer von Münster vor 400 Jahren und von Dr. Franz Dülberg über das Genrebild unserer Zeit. Die deutsche Jagd unter dem neuen Reichsjagdqesetz behandelt ein mit herrlichen und seltenen Naturaufnahmen geschmückter Aufsatz von Hans Stephainsky. Aus der den wenigsten bekannten Geschichte berühmter Sportpreise er- zählt Dr. Max Ostrop allerlei fesselnde Einzelheiten. Höchst unterhaltend und dennoch von wissenschaftlichem Geist erfüllt ist Dr. Heinrich Riedels Betrachtung über Roulette und Roulette-Systeme. Damen wie Herren wird der Kleine Schokoladenführer von Walter Berg Vergnügen machen. Ernste und heitere Novellen von Jakob Schaffner, Karla Höcker und Henner Frisch, der Roman von Florian Seidl und viele anekdotische Beiträge über Familiengeschichten, Aberglauben, indische Frauen, Rundschauen über Bücher, Kunstgewerbe, Theater, Kunstblätter tn vollendeter Wiedergabe machen dieses fröhliche Sommerheft zu einer wahren Augen- und Herzensfreude.


