Ausgabe 
5.6.1935
 
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Nr. 129 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Mittwoch, 5. Zuni 1935

Aus der Provinzialhauptstadt.

Polizeidirektor Meusel.

Das Bild zeigt den neuen Leiter der Polizeidirektion Gießen, Polizeidirektor Meusel, über dessen Ein­führung in sein Amt wir gestern berichteten.

(Aufnahme: Photo-Pfaff.)

Segler in den Wolken.

lieber unseren Dächern fliegen die Schwalben. Sehr schnell und ohne Schwere jagen sie dahin, kleine, zierliche Kreuze vor dem Wind, und in ihrem jauchzenden Spiel schwingt hell die Heiter­keit sommerlicher Tage. In die steinerne Enge der Stadt tragen sie die sonnige Weite des Himmels, die grenzenlose Freiheit unbekannter Fernen als ein Geschenk. Wenn sie pfeilschnell aufsteilen in die schweigsamen Gebirge der silbernen Wolken, wenn sie aus dem Dunst der Straßen sich aufwärts werfen in die durchsichtige Bläue, gleichen sie schmalen, lebendigen Brücken, unvermutet ausge­spannt zwischen uns und der großen Unendlichkeit.

Wo die geschäftige Unrast der Städte Stein auf Stein zu kahlen Mauerzügen schichtete, wo hohe Wände die sonnige Weite der Landschaft jäh ver­stellten, floh das freie Getier und ließ den Stadt­menschen allein im Alltag seiner Straßen. Aber alljährlich, wenn der Frühling das schüchterne Grün der Vorgärten erweckte und sich die blassen Fliederknospen an den Gittern öffnen, steigen an den weißleuchtenden Ufern des Mittelmeeres, in den Palmengärten Nordafrikas die Schwalben auf und kommen herüber zu uns. Sie fliegen rasch über die blauschimmernde See, sie jagen eilig über die schneehäuptigen Berge und über die bunten Ebenen, und eines Tages schweben sie hoch über den grauen Firsten der Stadt, die ihnen Heimat ist um einer alten Treue willen. Vergebens winkte unterwegs den pfeilschnellen Wanderern die lockende Abenteuerlichkeit blauer Fernen, sie ka­men unbeirrbar und wie selbstverständlich, um ihre kleinen Nester an unsere Simse zu bauen, unbe­kümmert um den Ruß der Kamine und das Gewirr der Antennen.

Nun werfen sie den klingenden Schrei ihrer rastlosen Unbändigkeit stürmenden Fluges in un­sere offenen Fenster, und auf ihren schmalen Schwingen bringen sie die Weite unbekannter Landschaften mit sich in den Himmel über unseren Dächern. Wenn der Feierabend den Alltag endet, wenn die müden Menschen in ihren Gärtchen sitzen, oder aus den dunklen Fenstern lehnen, dann heben sie wohl ihren Blick auf zu den kleinen Schwalben, die hoch oben im verlöschenden Licht der Sonne schimmernd kreisen im schwebenden Schwung. Dann werden leise Gedanken und zage Wünsche wach und sinnen den schnellen Vögeln nach, wie sie heiter sich wiegen vor dem glühen­den Gold des glimmenden Horizonts, als gebe es keine Sorge und nie ein Traurigsein.

Nichts schöneres gibt es gewiß als der Schwalben Flug über dem Abend der Städte, nichts kann freier und stolzer sein als sie, wenn sie wild und jubelnd um die steinernen Türme jagen, wenn sie jäh herabschießen in die Schluchten der Straße, wenn sie gelassen im Winde gleiten, anmutige Segler in den weißen Wolken. Viel zu kurz ist ihrer Unrast der Tag, viel zu lang ihrer Hnn- melssehnsucht das Dunkel der Nacht. Einen un­bändigen Drang, einen verzehrenden Willen ken­nen sie nur: Fliegen! .

Ein heißes, stürmisches, fernenhungnges Sofern ohnegleichen leben sie so, trunken von Luft, Welte und 'Wind, schwingend ohne Ruhe zwischen un­serer Erde und dem Glanz des Himmels, der ihre unendliche Heimat ist. M.

Warnung vor unbefugter Beschaffung von Maien.

Wenn zum Pfingstfest wieder Häuser und Woh­nungen mit frischen Maien geschmückt werden, muß dafür gesorgt werden, daß die Herbeischaffung des Schmuckgrüns überall in geordneter Weife erfolgt und jeder ungeregelte oder zerstörende Eingriff in unsere Baum- und Strauchbestände vermieden wird.

Solche Eingriffe sind leider im vorigen Jahre an vielen Orten Deutschlands vorgekommen und haben zu schweren Schädigungen von Wäldern, Forsten und Baumpflanzungen geführt. Abgesehen von der Strafbarkeit solcher Handlungen stehen Uebergriffe der geschilderten Art mit dem hohen Gedanken des Pfingstfestes in grellem Widerspruch. Die Bevölke­rung wird daher ermahnt, das junge Birkengrün (Maien) und sonstiges Schmuckgrün für das Pfingst­fest nur von den zur Abgabe befugten Stellen, oder von den ordnungsmäßig zum Zwischenhandel be­rechtigten Personen zu entnehmen.

Nach § 14 der preußischen Tier- und Pflanzen­schutzoerordnung vom 10. März 1935 hat sich z. B. derjenige, der Schmuckreisig zu Handelszwecken an- bietet oder befördert, über den rechtmäßigen Er­werb auszuweisen. Als Schmuckreisig gelten Bäume oder Sträucher also auch Birken (Maien) und bereit Zweige oder Zweigspitzen, die ganz oder

geteilt geeignet sind, als Zimmerschmuck oder zur Kranzbinderei verwendet zu werden.

Wird das Schmuckreisig vom Nutzungsberechtigten des Grundstückes, auf dem es gewachsen ist, ange­boten ober befördert, so gilt als Ausweis eine für das laufende Kalenderjahr gültige Bescheini­gung der Ortspolizeibehörde, aus der hervorgeht, welche Baum- und Strauchart auf dem Grundstück genutzt werden.

Für Wiederverkäufer gilt als Ausweis die vom Verkäufer ausgestellte und eigenhändig unterschrie­bene Rechnung, die Ausstellungstag, Namen und Wohnung des Verkäufers, und des Empfängers und Art und Zahl der Ware enthalten muß. Stammt das Schmuckreisig aus einem Forstbetrieb, gilt der amtliche Verabfolgungszettel als Ausweis. '

Eine volkswirtschaftliche Schädigung des deutschen Waldbestandes und der Baumpflanzungen muß künftig vermieden werden-

Deutsche Arbeitsfront.

NS.-GemeinschastKraft durch Freude".

Kabarett der Komiker zehnmal herausgerufen!

Ungeahnter Erfolg des Gastspieles im Gau. Die weltberühmten Humoresk-Melodios, die Nachfolger der bekannten Comedian-Harmonists, die heute abend im Stadttheater imKabarett der Komiker" gastieren, hatten bei der Erstaufführung im Gau ungeahnten Erfolg. Sie wurden nach einer Nummer nicht weniger als zehnmal herausgerufen. Keiner versäume diese Gelegenheit. Karten sind noch an der Abendkasse zu haben.

Rheinfahrt!

Es sind noch einige Plätze zu der Rheinfahrt am 23. Juni frei. Arbeitskameraden, meldet euch mög­lichst umgehend zu dieser schönen Fahrt an, ehe sie ausverkauft ist.

Wissenschaft

im Dienst für das deutsche Volk."

Am Donnerstag, 6. Juni, abends 8 Uhr, findet der nächste Vortrag in der Vortragsreihe der Universität statt. Dr. Kranz spricht über das Thema:Erb­forschung mit besonderer Berücksich­tigung der Zwillingsuntersuchung".

Herr Dr. Kranz schreibt uns hierzu folgendes: Die Zwillingsforschung hat sich besonders in den vergangenen Jahren zu der idealsten und wichtiasten Forschungsmethode der menschlichen Erblichkeitslehre entwickelt. Mit ihrer Hilfe ist es bereits gelungen, die Erblichkeitsverhältnisse für eine große Anzahl von Merkmalen und Krankheiten zu bestimmen. Sie ist heute die einzige Methode auf dem Gebiet der menschlichen Erbforschung, mit dem wir die beiden großen EntwicklungskräfteErbanlage" undUm­welteinflüsse" feststellen und in ihrem gegenseitigen Wirken erfolgreich beurteilen können. Die praktische Auswirkung ihrer Ergebnisse ist daher für das deutsche Volk, in das wieder rassisches und erbbiolo­gisches Denken Eingang gefunden hat ,von unge­heurer Bedeutung und unentbehrlichem Wert.

Volksgenossen, Arbeitskameraden, besucht diesen wichtigen Vortrag am Donnerstagabend in der Uni­versität Gießen. Der Eintritt ist frei!

NS. Bund Deutscher Technik (früher KD AZ ), Bezirk 6, Gießen-

Alsfeld - Lauterbach - Schotten.

Für Sonntag, 30. Juni, vormittags 11 Uhr, ist ein großer Tonfilm-VortragForschen und Schaffen" in Aussicht genommen, zu dem außer Partei und Behörden die technischen und wirtschaft­lichen Organisationen, die Wehrmacht, Arbeitsdienst, DAF., NS.-Hago eingeladen werden.

Um einen Ueberblick über die erforderlichen Plätze zu bekommen, wird gebeten, schon jetzt die Anzahl der benötigten Eintrittskarten anmelden zu wollen.

Der Eintritt ist frei! Karten werden recht­zeitig zur Verfügung gestellt. Besondere Einladun­gen werden folgen.

NS.-Bund Deutscher Technik, Gießen, Postfach 81, Ruf Nr. 2044/2045.

Amt für Bolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Güd.

Am Donnerstag, 6. Juni, und Freitag, 7. Juni, findet in der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenfchaft die Opferringsammlung (Lebensmittelsammlung) für die NS.-Volkswohl- fahrt statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelspende (Pfundpakete) zur Abholung bereitzuhalten.

LandschastsbundBolkstum undHeimat.

Orlsring Gießen.

Heute, 19 Uhr, Führung durch die Luftfahrt- Werbe-Ausstellung im Cafe Leib. Ein­tritt frei.

ZortbildungSkurfus für Aerzte.

Die Medizinische Fakultät der Uni­versität Gießen veranstaltet in der Woche vom 13. bis einschließlich 19. Oktober für prak­tische Aerzte einen allgemeinen Fort­bildungskurs mit dem HauptthemaVorbeu­gendes Schaffen des Arztes". Am Mittwoch findet ein mit Vorträgen bzw. Vorweisungen verbundener Ausflug nach Bad-Nauheim statt. Zur Deckung der Unkosten wird von jedem Teilnehmer der Betrag von 10 RM. erhoben; weitere Kosten entstehen nicht. Prospekte und Anfragen durch Professor Georg Herzog, Pathologisches Institut, Gießen, Klinik­straße 32 g.

Vornotizen.

Tageskalender für- Mittwoch: NSG. Kraft durch Freude" 20 Uhr im Stadttheater Kabarett der Komiker". NSG.Kraft durch

Kinder in der Ferienerholung.

Die Kinder-Landverfchickung der NSV., die im vorigen Jahre durch die Beschaffung von Ferien­aufenthalten für hilfsbedürftige Kinder bereits in sehr segensreicher Weise gewirkt hat, setzt auch in diesem Sommer ihr anerkennenswertes Werk zum Besten der deutschen Kinder in umfangreicher Weise fort. Dabei wird im Rahmen dieses Aufbauwerkes im Kreise Gießen von der Kreisamtsleitung der NSV. unter Führung des Kreisamtswalters Pg. K l ö s eine außerordentlich emsige Tätigkeit ent-

Pflegeeltern, zum Teil von Volksgenossen aus dem Kreise Gießen zur Weiterfahrt nach ihren Ferien­orten erwartet. Kreisamtswalter Pg. K l ö s nahm auf dem Bahnsteig die Verteilung der Kinder auf die verschiedenen Ferienorte vor, dann setzten die im Kreise untergebrachten kleinen Gäste ihre Fahrt fort, während die in der Stadt Gießen verbliebenen Buben und Mädels zum Teil mit ihren Pflege­eltern nach Hause gingen, die übrigen aber, sämtlich Buben, von einer Abteilung des Jungvolks unter

sind mit Linoleum belegt, alles blitzt und blinkt nut so, daß bei jedem Besucher nur uneingeschränkte Freude über diese vorzügliche Heim - Einrichtung herrschen kann. Dazu kommen noch die beiden Spiel­wiesen und die übrige reiche Bewegungsmöglichkeit im Garten, um den kleinen Gästen der NSV. den »ilt in diesem Ferienheim zu einer beson- nnehmlichkeit und Freude zu machen.

Man möchte wünschen, daß wir noch an vielen anderen Orten ebenso vortreffliche Kinderheime

Die Verteilung der Kinder durch Pg. K l ö s am Bahnhof.

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Im Parterre dieses Gebäudes befindet sich der Tages-Aufenthaltsraum.

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Die Kinder im Tagesraum bei der ersten Erfrischung. Das Haus mit den Schlafräumen des Kinderheims.

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wickelt, die zwar nach außenhin nicht sichtbar wird, aber an dem Umfang des Ferienwerkes selbst doch ermessen werden kann, und auf die einmal in der Öffentlichkeit mit besonderer Anerkennung hinge­wiesen sei.

Die Arbeit, die auf diesem Gebiete von den An- gehörigen der Kreisamtsleitung der NSV. ge­leistet wird, ist Aufbau am deutschen Volk im besten Sinne des Wortes. Darum kann man auch nur den dringenden Wunsch äußern, daß dieses Werk immer und überall eifrige Helfer und opferfreudige Förderer finden möge, denn alles, was hier geleistet wird, bringt unserem deutschen Volke tausendfältige Früchte.

Am gestrigen Dienstag schickte die Kreisamts­leitung der NSV. wiederum 20 4 Kinder aus Stadt und Kreis Gießen auf vier Wo­chen in Erholungsferien, die von rund 150 Kindern in Wiesbaden und der näheren Umgebung, von den übrigen Kindern in Stadt und Kreis Alzey verbracht werden. Gestern nachmit­tag empfing die Kreisamtsleitung der NSV. für die Stadt und den Kreis Gießen 82Kinder aus den Kreisen Groß-Gerau und Erbach. Von diesen Kindern blieben etwa 30 in der Stadt Gießen, die übrigen wurden in einer Reihe von Orten des Kreises Gießen als gerngesehene Ferien- gäfte ausgenommen. Die Kinder kamen gegen 15 Uhr in Begleitung von Erwachsenen in Gießen an und wurden am Bahnhof zum Teil von ihren

Vorantritt der Jungoolk-Trommler und -Bläser nach dem Kinderheim der NSV. auf dem Grundstück des Provinzial-Kinderheims in der Licher Straße ge­leitet wurden. Hier finden diese Buben für die kommenden vier Wochen einen vortrefflichen Fe­rienaufenthalt.

Das Kinderheim der NSV., das wir gestern nachmittag anläßlich der Ankunft dieser Ferien­gäste besuchten, macht in allen Teilen einen vorzüglichen Eindruck, hier ist in ausgezeich­neter Weise alles getan, was auf dem Gebiete der heimgestaltung für die Zwecke der Kinder­betreuung überhaupt nur möglich ist.

Das Heim liegt an der westlichen Seite des großen Grundstückes am Alten Steinbacher Weg nach dem Nizza zu, inmitten des Gartens und am Rande zweier Spielwiesen, die mit gutem Graswuchs ver­sehen sind. Es hat einen in lichten und warmen Farben gehaltenen, mit zweckmäßigen Modeln gut ausgestatteten Tages-Aufenthaltsraum, mit zahlreichen Fenstern, die Licht und Lust in reichlichstem Maße Einlaß gewähren. Ferner gehört zu dem Heim eine ebenso freundlich ausgeftattete Abteilung mit schneeweißen Betten und ebensolchen Schränken und Nacht­tischen, alles untergeteilt auf eine Reihe von Zimmern, in denen zum Teil zwei, zum Teil drei Schlafstätten eingerichtet sind. In beiden Abtei­lungen des Heims sind außerdem alle neuzeitlichen sanitären Einrichtungen vorhanden, die Fußböden

hätten, wie es in diesem Werk der NSV. in Gießen der Fall ist.

Die Buben wurden gestern nachmittag bei ihrer Ankunft in dem Kinderheim von dem Kreisamts- roalter der NSV. Pg. K l ö s mit kurzen, herzlichen Worten willkommen geheißen und ihnen die beste Pflege und liebevollste Betreuung zugefichert. Hier­auf sprach ein Jungoolkführer in kameradschaftlicher Weise zu den jungen Kameraden, die er auf die Aufbauarbeit im Dritten Reich und namentlich auf die daraus für die deutsche Jugend sich für die Zu­kunft ergebende Verpflichtung hinwies. Dann wurde, während das Jungvolk das Lied der Jugend fang, in feierlicher Weife die Flagge der Hitler-Jugend an dem Fahnenmast gehißt, die nunmehr für die ganze Dauer der Ferienaufenthalte dieses Som­mers über diesem Lager der Jugend wehen wird. Nunmehr begaben sich die Kinder in das Heim, wo sie mit strahlenden Gesichtern ihre wundervollen Schlafstätten in Augenschein nahmen und sich dann im übrigen häuslich einrichteten, während alsbald auch eine Erfrischung als willkommene Stärkung nach der Reife zur Stelle mar.

Ueberatl sah man bei den Kindern ein frohes Leuchten auf den Gesichtern.

Daran konnte man ihre innere Freude über die vortreffliche Unterkunft und die überaus liebevolle Aufnahme, sowohl von feiten der KreisamtsleitunA der NSV., als auch von den Heimfchwestern und den übrigen Betreuern, deutlich und eindrucksvoll erkennen.