Ausgabe 
5.4.1935
 
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Nr. 81 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

5reitag.5. April M5

Sport im Reichsheer.

Varrenturnen.

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Am Pferd.

Muttersprache in Den gefahrvollen Außenzonen, das war es, wofür sie sich immer wieder einsetzte. Und in wunderbar dichterischer Sprache weiß sie ihrem Glauben, ihrem Hoffen und Sehnen Aus­druck zu geben. Als Sendbotin reift sie zu den Ba­nater Schwaben, noch Siebenbürgen, ins Sudeten­land, ins Baltenland, noch Südtirol, ins Elsaß, nach Oesterreich, zu den Kolonialdeutschen, spricht und schreibt überallvon dem ewigen Mutterlands Deutschland, von dem starken, stolzen, wanderseligen und heimwehmüden Blut, das uns alle verbindet, von dem, was groß' und heilig ist im deutschen Wesen, und von dem, was uns so elend und so jammervoll gemocht hat in diesen großen Tagen."

Neben dem nationalen war es das soziale Ele­ment, dem Maria Kahle ihr besonderes Augenmerk gewidmet hatte und das sie in ihrem Tagebuch Akkordarbeiterin", das aus eigenen Erfahrungen stammte, und in ihrer ohne Verfassernamen er­schienenen GedichtsammlungProletarierin" er­greifend verfolgt hatte. Sie faßt auch dieses Pro­blem mit starken Händen an:

Fühlst du der Brüder und Schwestern Not?

Du hungerst nach Lichtsie hungern nach Brot Laß deine Träume! Es gilt Brot zu schaffen.

Die deutsche Erneuerung war für sie Erfüllung und schönster Ausdruck dessen, woran sie stets ge­glaubt hatte. Galt ihr doch schon immer, was sie einst stark ausgedrückt hatte:

Durch das Versailler Diktat wurde unserem Volke die allgemeine Wehrpflicht genommen, diese hohe Körperschule der deutschen männlichen Jugend, die selbst von unseren Feinden als solche anerkannt und gerade aus diesem Grunde restlos zerschlagen und beseitigt werden mußte. Im Volke selbst suchte man Ersatz dafür in der Turn- und Sportbewe­gung; Turn- und Sportvereine fanden vermehrte Unterstützung und wurden zu Sammelpunkten der Jugend beiderlei Geschlechts. Es steht ohne Zweifel fest, daß sie den Verlust nicht restlos zu ersetzen vermochten; andererseits verdient hervorgehoben zu werden, daß hier für das Geschlecht, das körperlich durch Krieg und Inflation Not gelitten hatte, wert­volle aufbauende Arbeit geleistet worden ist und noch geleistet wird.

Turnen und Sport stärken die Gesundheit, machen den Körper gewandt und geschmeidig, legen die Grundlage zur Selbstzucht, zur Ein- und Unter­ordnung, zur Kameradschaft und zum Korpsgeist und damit zu den hohen ethischen Werten, die schon immer der Inbegriff des WortesSoldat" sind. So ist es eine Selbstverständlichkeit, daß Sport und Turnen auch im Reichsheer eine Pflegestätte ge­funden haben mit dem Ziel, einen gewandten jun­gen Menschen zu formen, der es versteht, seinen Körper vollständig zu beherrschen; den Körper, der durch Berufstätigkeit seine Fehler und Schwächen aufweist, der besonders bei denen, die dem Sport ferngestanden haben, ungelenk und steif ist, zu lockern und somit vorzubereiten für das Exerzieren, für den Schieß- und Geländedienst. Turnen und Sport werden hier bewußt in den Dienst der mili­tärischen Ausbildung gestellt, sind also Mittel zum Zweck. Letztes Ziel ist, einen geschmeidigen Körper zu bilden, der in vorbildlicher Weise sich dem Ge­lände anzupassen versteht, ihm die Elastizität und Schwungkraft einer Stahlrute zu geben, so daß er vorkommende Hindernisse mit Leichtigkeit zu über­winden vermag, der allen Härten standhält, der sich einsetzt bis zum letzten. Einsatzbereite Menschen werden besonders durch Einzel- und Mannschafts- Wettkämpfe erzogen. Rückblickend läßt sich also fest­stellen, daß ter Sport auch der Charakterbildung dient, daß Entschlußfähigkeit, Härte, Willensstärke und Kampfgeist geweckt und gefördert werden, daß, wie schon oben erwähnt, die militärischen Tugen­den in ihm verankert sind.

Die besonders hervorgehobenen Ziele werden im Reichsheer durch einen ganz planvollen Aufbau des gesamten Turn- und Sportbetriebes zu erreichen versucht. Der Ausbildungsgang gliedert sich in die Grundstufe" und in dieLeistunasstufe". Anschlie­ßend an das Können und die Veranlagung des jungen Soldaten werden zunächst Hebungen in den Vordergrund gerückt, durch die der Körper gelockert und gewandt gemacht wird, die inneren Organe und die Muskeln eine Stärkung erfahren und die Grundlagen für Kameradschaft und Zusammenhalt gelegt werden. Diesem Zweck dienen Spiele, Gym­nastik mit und ohne Gerät, leichtes Boden- und Hindernisturnen, Schwimmen und Geländelauf. Später findet dann eine Erweiterung statt durch Einführung von Kurzstreckenlauf, Sprung und Wurf.

Den Abschluß bilden die Erzielung von Aus­dauer und Kampfgeist. Diese Eigenschaften werden durch Steigerung der Leistungen auf den angegebe­nen Gebieten erreicht, weiterhin durch Wettkämpfe und sportliche Veranstaltungen in feldmarschmäßi­ger Ausrüstung.

Die Vollendung findet die sportliche Ertüchtigung in derLeistungsstufe". Hierbei wird zur Erzielung von Best- und Höchstleistungen auf die Veranlagung des einzelnen Mannes vermehrt Rücksicht genom­men Da der Sport gegenüber dem anderen Dienst doch mehr in den Hintergrund tritt, ihm nur Hilfs­dienste leistet, muß eine sorgfältige Auswahl bei der Zusammenstellung der Hebungen getroffen wer­den Neu kommen auf der Leistungsstufe hinzu das Boren und Jiu-Jitsu. Kampfspiele und Geräte­turnen nehmen einen breiteren Raum em. Hierbei ist letztes Ziel, die Durchschnittsleistungsfahiakeit noch mehr zu steigern. Spitzenleistungen besonders veranlagter Soldaten (H i r s ch f e l d) sind nach den bisher gemachten Erfahrungen als em ganz be­

deutender Ansporn zu zielbewußter, eigner Arbeit zu werten. Nur der Lehrer wird einen besonderen Erfolg aufzuweisen haben, der es versteht, bei den Soldaten die Freude am Sport und damit am Kampf zu erhalten, dann wird der Soldat in frei­willigem Einsatz mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften um den Sieg ringen. Spitzen­leistungen und Erfolge bei den Wettkämpfen wer­den nur durch planmäßiges Training erreicht.

Sachgemäße Ausbildung ermöglicht es jedem Soldaten, das deutsche Sportabzeichen zu erwerben und die Prüfungen der Deutschen Lebens-Rettungs- Gesellschaft zu bestehen.

Den Verhältnissen entsprechend wird der Sport vorwiegend im Freien betrieben. Wenn es die Witterungsverhältnisse irgend zulassen, wird mit entblößtem Oberkörper geturnt.

Den Abschluß bilden die Wettkämpfe, die als Einzel- und Mannschafts-Wettkämpfe ausgetragen werden. Wie eingangs schon kurz betont, werden dabei Selbstvertrauen, Selbständigkeit, Kampfgeist,

Maria Kahle.

Die Dichterin und künderin des neuen Deutschtums.

Die westfälische Dichterin Maria Kahle, die sich schon seit Jahren große Verdienste um das Deutschtum Südamerikas erworben hat, war im vergangenen Herbst als Send­botin des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland auf einer Reise durch Argen­tinien, Brasilien und Paraguay, wo sie stürmisch gefeiert von den Deutschen Vor­träge über das neue Deutschland und über die volksdeutschen Aufgaben hielt. Am mor­gigen Samstagabend wird die Dichterin in einer volksdeutschen Feierstunde des VdA. in der Aula der Unioerfität sprechen.

In Brasilien, wohin Maria Kahle kurz vor Aus­bruch des Weltkrieges gegangen war, fern der Hei­mat und doch mit ihr durch die tiefsten Herzströme verbunden, erwachte zugleich mit dem nationalen Gefühl die poetische Ausdruckskraft der Dichterin. Voll Stolz bekennt sie:

Hnd gehe ich dann durch die fremde Stadt, So folgt mir mancher feindliche Blick;

Eine Deutsche!" rings man gemurmelt hat... Da werf ich den Kopf zurück: Jawohl, ich bin eine Deutsche!

Die unendlich geliebte deutsche Heimat ist und bleibt das Ziel aller Gedanken Maria Kahles, ihr zu dienen in Werk und Tat die höchste Aufgabe. Mag sie der Betrachtung derHrwaldblumen" nach­gehen, der deutsche Wald rauscht mit heimlichen Schauern durch ihre Verse.Liebe und Heimat" bringt schon im frühesten geschlossenen Dichtungs­

Willensstärke und Siegeswillen gefördert. Die Sportvorschrift hebt hervor, daß durch die Wett­kämpfe der Soldat zu einem Kämpfer wird, der rücksichtslos gegen sich selbst seelisch und körperlich das letzte hergeben kann.

Welcher Beliebtheit sich der Sport bei unseren Soldaten erfreut, erkennt man daraus, daß nach Beendigung des Dienstes viele auf dem Kasernen­hof sportliche Betätigung suchen, daß fast in jedem Standort militärische Turn- und Sportvereine be­stehen, die besonders im Fuß- und Handballspiel ganz beachtliche Leistungen aufzuweisen haben. Heber ihre Aufgabe sagt die Sportvorschrift:Der Zusammenschluß in einem Militärsportverein för­dert den kameradschaftlichen Geist, weil die Truppe auch außerdienstlich Gelegenheit hat, sich zusammen­zufinden und geschlossen vor der Oeffentlichkeit auf­zutreten. Er soll auch Leute mit schwächeren Lei­stungen zum Wettkampf bringen und damit die Breitenarbeit fördern."

band durch den Titel die Grundlinien ihres Dich­tens und Denkens. Hnd die verfolgt sie konsequent durch alle weiteren Arbeiten, inRuhrland",Volk, Freiheit, Vaterland",Deutsches Volkstum in der Welt",Die deutsche Frau und ihr Volk" usw. Schon lange vor der Nationalen Revolution glaubt sie vertrauend den guten Kräften in unserem Polks- ggnzen, das sie immer im Zusammenhang aller Deutschen der Welt sieht und schreibt:

Heber eigenes Leid und eigenes Sieben Hat der Deutsche hoch ein Wort geschrieben: Vaterland!

Heber Werktagsarbeit und Bemühen, Heber Geistesforschung muß es glühen: Vaterland!

Alles, was ein eigen Sein geschienen. Ist nur da, dem Ganzen froh zu dienen: Vaterland!

Als Maria Kahle nach dem Kriege in die deutsche Heimat zurückkehrte, hatte sie durch ihre Vorträge, ihre Schriften und Bücher und durch Sammlungen einen Betrag von rund 400 000 Mark zusammen­gebracht, den sie dem Generalfeldmarschall v. Hin­denburg als Spende der brasilianischen Deutschen für die Ostmarkhilfe überreichen konnte. In unbeirr» barem und unwandelbarem Zukunftsglauben hielt sie an Den besten Kräften ihres Volkes fest, spornte sie an, verwies mit Stolz immer wieder auf sie und half so im idealen wie werktätigen Sinne, die Zeit des Wiederaufstiegs herbeizuführen. Die Wiederge­winnung der deutschen Freiheit, die Erstarkung des Nationalgefühles, die feste und treue Verbundenheit aller Deutschen in der Welt, die Erhaltung unterer

In meinem Herzen die Blüten, Ich will sie alle zertreten; Nur eine Liebe kenn ich, Nur ein Beten: Deutschland!

Vom VDA. nun als Botin zu den Deutschen Südamerikas geschickt, war es eine ihrer schönsten Aufgaben, den Deutschen jenseits des großen Ozeans vom Ausstieg des Vaterlandes zu erzählen und in tausend leuchtenden Augen, in tausend glühenden Herzen den Glauben an Deutschland dort auch be­stätigt zu finden.

Reklame am Bauernhaus.

Noch immer hat sich die Landbevölkerung auf die Bestimmungen des Werberates der deutschen Wirt­schaft über den Außenanschlag auf dem Lande nicht ganz eingestellt. Aus den verschiedenen Gegenden erfährt man, daß Bogenanschlag und Daueranschlag von Häusern und Scheunen unberechtigt entfernt werden, was zu Gegensätzlichkeiten zwischen den

Bodenturnen.

Werbungtreibenden und der Landbevölkerung ge­führt hat. Es scheint daher notwendig, die Rechts­lage noch einmal klarzustellen. Bekanntlich hatte der Liberalismus auf dem Gebiete des Außenanfchlags besonders gesündigt. Häßliche Gerüste in blühenden Gärten, Plakatsriedhöfe an den Giebelfronten von Bauernhäusern und Scheunen hatten das Auge der schönheitsempfindenden Kreise der Bevölkerung in Stadt und Land schon lange verletzt, ohne daß es möglich war, diese Schandflecke in der Natur zu beseitigen. Mit dem Ende des liberalistischen Den­kens und Handelns der bäuerlichen Bevölkerung mußte auch der Kampf gegen das Reklameunwesen auf dem Lande ausgenommen werden. Naturschutz- vereine und Landbevölkerung nahmen sich der Frage durch tatkräftige Eingriffe an, die über das Ziel hinausgeschossen wären, wenn nicht der Werberat der deutschen Wirtschaft im Einvernehmen mit dem Reichsnährstand eingegriffen hätte. Dieser Eingriff des Werberates der deutschen Wirtschaft wollte und konnte natürlich nicht jede Werbung auf dem Lande unterbinden, denn es besteht ein berechtigtes Be­dürfnis auch für die Werbung durch Außenanschlag in ländlichen Bezirken. So kam eine Regelung zu­stande, die sich von einseitigerBilderstürmerei" ebenso freihielt, wie sie die bisherigen Mißstände beseitigte. In feiner neunten Bekanntmachung vom 1. Juni 1934 hat der Werberat die endgültigen Be­stimmungen erlassen, die vom Reichsnährstand ge­billigt wurden. Diese Bestimmungen bilden nunmehr die Rechtsgrundlage für den Anschlag auf dem Lande, nach denen sich jeder zu richten hat.

Die Bestimmungen befassen sich einmal mit dem Naturschutz. Sie untersagen mit Ausnahme der Stätte der eigenen Leistung grundsätzlich jeden Boden- und Daueranschlag in der Landschaft. Damit sind die Bestrebungen der naturliebenden Land- und Stadtbevölkerung fast völlig Gesetz geworden. Nur einige Ausnahmen mußten gemacht werden. Man denke an ein kleines Städtchen, in dem sich zwei Gasthäuser befinden. Eine Gaststätte liegt an Der Durchfahrtstraße, Die anDere in einer Nebengasse. WürDe man Der Gaststätte in Der Nebenstraße nicht einen Werbehinweis an Der Einfahrt Der Ortschaft gestatten, so würde der rege Kraftwagenverkehv ausschließlich der Gaststätte zugutekommen, Die an Der Durchfahrtsstraße liegt. Es mußte daher der Gaststätte in der Nebenstraße Die Möglichkeit ge­geben werden, kurz vor der Einfahrt ein Werbe- schild aufzubauen. Aehnliche Bedürfnisse bestehen für Zapfstellen, Kraftwagenschlossereien usw. Firmen dieser Art haben das Recht, Werdehinweise durch Außenanschlag vor der Einfahrt in die Ortschaft anzubringen.

Was den Kulturschutz innerhalb Der Dörfer an­langt, so ist auch hier den berechtigten Wünschen her Landbevölkerung Rechnung getragen. Außer am Ort her eigenen Leistung, also z. B. beim Kauf­mann am Sahen, sinh Daueranschläge an Bauern- Häusern grunhsätzlich untersagt. Ausnahmen hanott machen lediglich hie fensterlosen Wände und Giebel, an denen ein Schildanschlag angebracht werden kann. Wer die fensterlosen Wände und Giebel ge­sehen hat, weiß, daß sie in ihrer kahlen Nüchtern-

Ein eleganter Sprung,

Gmo Pyvanttde. Mufnahmanr Photv-Pfafj.)

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Tauziehen.

Aus der Provinzialhauptstadt.