Ausgabe 
5.4.1935
 
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Nr. 81 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen)

5reitag,5. April 1935

Die Biologische Reichsanstalt.

Mittlerin zwischen Wissenschaft und Leben.

Don Or. Hans Hartmann.

Der Berliner Vorort oder noch jetzigen Be­griffen: Stadtteil Dahlem ist eine Stadt der Wissenschaft geworden. Wo vor 30 Jahren noch unbebautes Land lag, ragen jetzt, Hochburgen gleich, die Gebäude der großen Forschungsinstitute, deren Einfluß sich über das Deutsche Reich und weit dar­über hinaus nach den europäischen Ländern und nach Uebersee erstreckt.

Ein Teil ist durch die Institute der Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft in Anspruch genommen. Ein anderer, mehr nach Steglitz zu, gehört dem Bota­nischen Garten und direkt daneben dem Phar­mazeutischen Institut der Universität. Ein ganz großer Komplex wird durch die Biologische Reichsan st alt gebildet, die in besonderem Maße als Vermittlerin zwischen Wissenschaft und Leben gelten darf.

Als sie vor dreißig Jahren aus dem Reichs­gesundheitsamt, von dem sie einen Teil bildete, her­ausgenommen und auf eigene Füße gestellt wurde (auf denen sie sehr bald das Gehen lernte), trieb die Kleinstaaterei in Deutschland noch volle Blüten. Alle Reichs-Einrichtungen mußten von den maß­gebenden Stellen in hartem Kampf gegenüber klein­lichen, bürokratischen und partikularistischen Wider­ständen abgerungen werden. Was heute mit einem Federstrich geschieht, war damals das Werk auf­reibenden Einsatzes. Aber die Einsicht siegte: man hatte erkannt, daß tausend Gefahren unsre E r n*t e n bedrohten, und daß es unbedingt einer zentralen Stelle bedürfe, die die Uebersicht über die gesamte Boden- und Pflanzenkultur in Deutsch­land besitzt und zugleich die wissenschaftlichen und technischen Mittel zur Abwehr gegen alle Schädlinge bereitstellen kann. So ist die Schaf­fung der Biologischen Reichsanstalt ein erster Licht­blick in dem Prozeß um die Einheit deutscher Wissenschaft und der Anwendung ihrer Resul­tate auf die Wirklichkeit.

Um die hohe Bedeutung der Biologischen Reichs­anstalt zwischen Wissenschaft und Leben zu erfassen, müssen wir uns zunächst einen allgemeinen Ueber- blick verschaffen, was man dort eigentlich treibt: Wir treten in einen Raum, wo sehr viele Glasschalen untergebracht sind; ihr geheimnisvoller Inhalt be­steht aus Pflanzenteilen und merkwürdigen Lebe­wesen. Man erklärt uns, daß da Parasiten ge­züchtet werden. Parasiten? Die, so meinen wir, gibt es doch schon genügend sechsbeinige, vier­beinige und zweibeinige ... Warum züchtet man sie also noch? Aber bald entschleiert sich das Geheimnis. Wir erfahren, daß Parasiten unter Umständen sehr erwünschte' Lebewesen (Tiere oder Pflanzen) sein können. Sie sind mitunter Verbündete im Kampf gegen schädliche Insekten! Die Wissenschaftler zerbrechen sich den Kopf, warum sich in manchem Jahre eine plötzliche Massenvermehrung bestimmter Jnsektenarten einstelle, die dann Kar­toffeln, Getreide, Gemüse, Obst, Kiefern und andere Bäume rücksichtslos vernichten. Man hat in uner­müdlicher Forschungsarbeit untersucht, ob das Wet­ter, etwa überraschend viel Feuchtigkeit oder Hitze, daran schuld sein kann, und hat zu diesem Zweck mathematische Kurven und Gesetze aufgestellt. Einer der Mitarbeiter, Dr. Janisch, hat darüber sogar ein umfassendes Werk geschrieben:Das Exponential- gesetz in der Biologie" und darin unter anderem eine Behaglichkeitszone" für die Schädlinge abgegrenzt. Er hat untersucht, in welchemRahmen" (also Temperatur- und Feuchtigkeitsgrenzen usw.) P a - rasiten sich wohlfühlen und gut gedeihen, um von da aus die Möglichkeiten für ihre Be­kämpfung zu erkennen.

Während diese mühsame und ernste, aber auf die Dauer sicher erfolgversprechende Arbeit weitergeht, hat die Praxis der Parasitenzüchtung, weil sie von tausendfältigen wirklichen Naturvorgängen ausgeht,

es leichter gehabt, solche Erfolge bereits in nennens­wertem Umfange zu erzielen. Die Vorgänge verlau­fen. normalerweise so: wo eine schädliche Jnsekten- art auftaucht, da kommt im Gefolge der Parasit, der sie kurz und drastisch gesagt nach einiger Zeit auch auffrißt. In der Regel folge einer Massenver- mehruno der Schädlinge auch eine solche der Para­siten. Aber es gibt Ausnahmen, und dann wird eben eine Insektenplage übernormal, wie es die Menschheit immer wieder erlebt. Manche haben ja sogar schon gemeint, wir gingen einemZeit­alter der Insekten" entgegen. Es eröffnet recht interessante, aber nicht gerade angenehme Aus­blicke für das Menschengeschlecht, wenn wir die Sache einmal so ansehen: in der Urzeit haben die Urwelt-Riesentiere, wie man sie in Deutschland am besten im Frankfurter Senckenberg­museum sehen kann, sich nicht halten können, weil ihre Lebensbedingungen zu schwerfällig waren. Es kamen kleinere, beweglichere Wesen; dann fing die Natur an,auf Gehirn zu züchten", der Mensch wurde Sieger über die Tierwelt. Nun aber kommen die ganz Kleinen! Mit Gift, Freßsucht und dem Trieb zur Massenvermehrung behaftet, wälzen sie sich in Form von Heuschreckenschwärmen und vielen ähnlichen Gebilden gegen das Menschen­geschlecht heran, um es zu vernichten. Zu vernichten, indem es ihm zunächst einmal den Lebensraum ab­sperrt, die Ernten verkleinert oder ganz zerstört; dann, indem es die Umwelt des Menschen und schließlich auch seinen Körper selbst von innen und außen angreift.

Aber so schnell kapituliert der Mensch nicht. Er baut seine Stellungen aus, geht zum Gegen­angriff vor, und eine seiner stärksten Stützen in diesem Kampfe ist eben bie 58 i o I o g i fd) e 31 e i d) 5= anstalt. 2Ber die ganze Frage von einem über­legen-philosophischen Standpunkt aus ansieht und sich zugleich möglichst in das innere Getriebe, den Haushalt" der Natur versetzt, kommt leicht zu dem Resultat: es soll gar nicht unser Ziel sein, alle Schäd­lingerestlos" zu vernichten. Es könnte sich da an einer Stelle einFehlbetrag" zeigen, der, in ande­rer Weise vielleicht, dem Menschengeschlecht schaden würde. Unser Ziel muß sein, das Schädlingswesen so einzudämmen oder zukontrollieren", daß unsere Ernten kaum beeinträchtigt werden und unser Le­bens- und Existenzraum gewahrt bleibt.

Wir werden aus diesen Betrachtungen alsbald wieder in das praktische Leben zurückgeführt, wenn wir unsere Schritte weiter durch die fast endlosen Laboratorien, Klimakammern und Kelleranlagen der Reichsanstalt lenken. Da hat man also eine Klimakammer gebaut, in der das Verhalten der Insekten bei verschiedenen Temperaturen unter­sucht wird: die Schnelligkeit und Potenz ihrer Ver­mehrung, ihre Lebensdauer, ihre Fortpflanzungs­fähigkeit. Und es zeigt sich, daß ein ganz großer Unterschied besteht, ob sich diese Vorgänge bei 10, 15, 20 oder 30 Grad abspielen. Was hier an wenigen Versuchsobjekten durchgeführt wird, kann dann auf die Millionen Fälle der Praxis in allen Ländern angewandt werden. Es ist ein Triumph des Men­schengeistes, daß er durch sorgfältigste Untersuchung des Einzelfalles das Leben in der großen Wirklich­keit draußen beherrschen lernt. Freilich: wir können unser Klima nicht willkürlich verändern; da spielen höhere Gewalten mit. Aber wir haben schon Einfluß, sobald es sich um Temperaturen im Treibhaus han­delt, und darüber hinaus können wir planvoll die Anpflanzung bestimmter Pflanzen­arten und das bedeutet ja immer dasGe­folge" von bestimmten Schädlingen möglichst in solchem Klima vornehmen, wo die Schädlinge am wenigsten Lebensmöglichkeiten haben.

Wie alle Gebiete menschlicher Forschung ist auch die Arbeit der Biologischen Reichsanstalt nicht unbe­stritten. Es gibt Menschen, deren Naturverbunden­

Neue Erinnerungen an Hindenburg.

Eine Schilderung seines Leibarztes.

Wenn die Gesundheit des Siegers von Tannen­berg im allgemeinen auch sehr zufriedenstellend war, so wurde doch eine im' Jahre 1916 bei ihm festzustellende Neigung zu Luftröhrenkatarrh die Veranlassung, daß der Kaiser dem Feldmarschall eine besondere ärztliche Betreuung angedeihen las­sen wollte. Diese ehrenvolle Aufgabe fiel dem Ober­stabsarzt Professor M ü n t e r zu, der zweieinhalb Jahre lang bis zum Juli 1919 der ärztliche Be­rater und Helfer Hindenburgs gewesen ist. Natur­gemäß hat ein Leibarzt vielerlei Gelegenheit zu Beobachtungen aus nächster Nähe und die Mög­lichkeit, an den großen und kleinen Erlebnissen des seiner Obhut Anvertrauten Anteil zu nehmen. Man braucht nur an das Verhältnis zwischen Bis- m a r ck und seinem Arzt Professor S ch w e n i n g e r zu denken. So verdienen auch die Erinnerungen, die Professor Münter in derDeutschen Medizi­nischen Wochenschrift" veröffentlicht, große Beach­tung.

Der Generalfeldmarschall war die Pünktlichkeit selbst. Man konnte nach seinen Lebensgewohnheiten tatsächlich die Uhr stellen, ein Umstand, der ausge­nutzt wurde von allen Menschen, groß und klein, die ihn bei An- und Abfahrt sehen wollten. Im all­gemeinen war ihm diese Popularität lästig; er war gutmütig genug, sie sich mit Humor gefallen- zu lassen. Zuweilen machte er sich den Spaß, sich Daueranstellern, die er schon kannte, durch ein Umgehungsmanöver" zu entziehen. Die lieber» zeugung, daß eine hohe geistige Leistung durch einen disziplinierten robusten Körper unterstützt werden müsse, war dem alten Offizier, in dessen Stande körperliche Leistung immer ihren hohen Kurs be­halten hatte, selbstverständlich. Mehr als einmal ließ er sich abfällig über den Bildungsdünkel und die geistige Einseitigkeit des körperlich oftmals schlaffen Akademikers aus. Der tägliche Spazier­gang wurde pflichtgemäß unternommen, zumeist nach kurzer Autofahrt, die ihn vom Getriebe der Menschen löste. Auf diesen Spaziergängen, die auch geistige Entspannung darstellten, war der General­feldmarschall wortkarg; aber natürlich kam die Unterhaltung im Laufe der Zeit auf viele Einzel- dinqe."

Das Verständnis für die Natur war bei Hinden­burg ebenso stark entwickelt wie bei Bismarck; er hatte ein bewundernswertes Gedächtnis sowohl für

Ereignisse als auch für Gesichter. Aus der Ge­schichte holte er sich viele Anregungen. Wenn er auch nicht lebhaft war, so galt er doch mit Recht als ein behaglicher Plauderer, der viel Sinn für Humor bewies und der auch gegensätzliche Ansich­ten ohne Schärfe und Gekränktfein hinzunehmen wußte. Musikalisch war Hindenburg nicht. Daß er als alter Offizier die preußischen' Militärmärsche sehr hoch schätzte, war nur natürlich.

Sein kräftiger Körper hatte kaum Krankheiten gekannt. Nur manchmal klagte der Generalfeldmar­schall über rheumatische Beschwerden. Die Dienste eines Zahnarztes hat er zum ersten Male im Al­ter von siebzig Jahren in Kreuznach in Anspruch genommen. Hindenhurg erfreute sich eines gesunden tiefen Schlafs, und nur sehr selten brauchte er seine Zuflucht zu einem harmlosen Schlafmittel zu neh­men. Im Essen und Trinken war er maßvoll. Nach den Mahlzeiten rauchte er gern eine Zigarette und war auch ein Freund eines Gläschens Wein, ohne daß er jedoch größere Mengen zu sich nahm.

Die nähere Umgebung des Generalfeldmarschalls während der entscheidungsreichen Zeit waren die Angehörigen der Operationsabteilung der Obersten Heeresleitung, rund zwanzig Offiziere, eine aus­gezeichnete Auslese des Generalstabs, an deren Spitze der Generalquartiermeister Ludendorff stand. In diesem Kreise nahm Hindenburg die gro­ßen Mahlzeiten ein, während er sonst mit einigen ganz wenigen Vertrauten zu essen pflegte. Mit den Truppen an der Front war der Generalfeldmar­schall stets in engster Fühlung. Vor dem Durch­bruch im März 1918 fuhr er von Division zu Di­vision und hielt vor den für den Angriff zufam- mengezogenen Ersatztruppen anfeuernde Ansprachen. Das bedeutete eine Leistung, die schon vhysisch er­staunlich war. Hindenburg war fein Meister der elegant dahinfließenden Sprache; seine Formu­lierungen waren knapp und zündend, so daß sie eine tiefgehende Wirkung auf die Umwelt aus­übten.

Oie zwölf Eremiten von der Hudson-Bai.

Pelzjäger-Iunk in Kanada.

Die Radiostation von Churchill in Nord-Kanada unterbrach dieser Tage zum ersten Male ihre Sen­dung, um die Angehörigen von Pelzjägern am Mikrophon sprechen zu lassen. Fünf Frauen be­stellten ihren Männern, die augenblicklich in weiter i Ferne weilen, Grüße durch den Aether und teilten

Heck so groß und stark ist, daß sie sicher in bester Absicht der Wissenschaft keine entscheidende Mitwirkung bei der Bekämpfung der Schädlinge und der Sicherung unserer Ernährungsbasis zu­trauen. Da kann man das Wort hören:Nur wer selbst den Pflug geführt hat, kann wissen, was not tut." Aber das wäre doch eine Ueberspitzung der hohen Idee der Erdverbundenheit und Naturnähe; denn daß man in systematischer Forscherarbeit, mit Reagenzgläsern und Mikrotomen, die Jnsektenflügel in winzige Stücke zerschneiden, mit Statistiken und elektrischen Messungen van Kartoffelknollen Resul­tate für die Praxis erarbeiten kann, das ist einfach eine Tatsache. Und mqnche Pflanzenkrank­heiten, das steht fest, konnten nur dadurch über­wunden, ja unsere Getreideevzeugung nur dadurch so hoch gesteigert werden, daß die Biologi­sche Reichsanstalt sich unermüdlich am Kampfe be­teiligte an jenem Kampf, zu dem natürlich die Praktiker stets mit aufgerufen find, und der ohne sie auch überhaupt nicht geführt werden könnte.

Man will jetzt dieser besonderen Lage der Reichs­anftalt zwischenWissenschaft und Praxis" dadurch Rechnung tragen, daß man die praktische Schädlingsbekämpfung ganz in die Hand des Reichsnährstandes legt, dafür aber alle

polizeilichen, zollpolitischen und ähnlichen Maßnah­men, die mit der Staatsgesetzgebung zu tun haben und zur Aufgabe des Reichsernährungsministeriums gehören, der Reichsanstalt weiter betreut, während natürlich die ganze wissenschaftliche Arbeit dort zen­tralisiert bleibt. So wird die engste Verbindung aller Stellen in dem Kampfe, der ein Stück Le­benskampf des deutschen Volkes ist, ge­währleistet.

Es geht nichts über den persönlichen Eindruck; erst dann werden die Dinge und ihr innerer Sinn plastisch. So wandern wir denn jetzt durch die freien Felder der Reichsanstalt, wo sie die Probe aufs Exempel macht, wo sich exakt feststellen läßt, ob diese ober jene Sorten wirklich krebswider- st and s fähig sind das ist das Ziel unserer Kartoffelpolitik" und ob die Reichsanstalt, die zugleich Prüfungsan st alt für alle Sor­ten Saatgut ist, wirklich dem einzelnen Bauern sagen kann: auf diese Sorte kannst du dich ver­lassen. In feinsinniger Weise kann man heute mit Hilfe von technischen Mitteln, unter denen die elek­trische Messung sehr wichtig ist, feststellen, ob eine Saatkartoffel krank ist oder nicht. Mit bloßem Auge kann man das ja oft nicht sehen ... So wirkt hier der Gelehrte mit dem Landwirt zusammen?

gegen das Spiel der ersten Mannschaften in seinem Ausgang schwer zu bestimmen ist. Die Gäste wie auch die Mannschaft der Einheimischen stehen nach der nunmehr beendeten Verbandsserie jeweils an zweiter Stelle der Tabelle ihrer jeweiligen Gruppe der 2. Kreisklasse und steigen in die erste Klasse auf.

Der Führer des

Deutschen Ruderverbandes in Gießen.

Der Führer des Deutschen Ruderverbandes, Re­gierungspräsident Pauli, weilt gegenwärtig in Gießen, um sich über den Stand des Trainings in der Gießener Rudergesellschaft 1877, die ja be­kanntlich durch ihn zur Olympiazelle ernannt wurde, zu informieren. Am morgigen Samstag fährt er zum RuderklubSaar" Saarbrücken, der fein 50- jähriges Bestehen feiert. Am Sonntag, 7. April, demTag des deutschen Rudersports", wird Regie­rungspräsident Pauli um 11 Uhr durch den Rund­funk zu allen deutschen Ruderern sprechen.

Bestätigte Schwimmrerorde.

Die in Düsseldorf bei den Reichs-Olympia-Prü- fungskämpfen der Schwimmer ausgestellten Rekorde wurden jetzt amtlich anerkannt. Die neuen Best­leistungen:

10 0 Meter Kraul: 58,6 Sek., Helmuth Fischer, Bremen; 58,2 Sek., Helmuth Fischer, Bremen (auch Europarekord).

100 Meter Brust: 1:13,8 Min., Erwin

Sietas, Hamburg.

200 Meter Bkust: 2:42,4 Min., Erwin

Sietas, Hamburg (auch Weltrekord).

2 0 0 Meter Brust, Frauen: 3:00,8 Min., Martha G e n e n g e r , Krefeld (auch Europarekord).

Sportverein 1928 Garbente ch.

Die erste Mannschaft des Sportvereins Garben­teich löst am kommenden Sonntag eine Rückspiel­oerpflichtung in Hungen ein. Der Gastgeber konnte das Vorspiel in Garbenteich mit 5:2 Toren ge­winnen. Wenn Garbenteich die Form der letzten Wochen beibehält, dürfte die Revanche glücken.

Die erste Schülermannschaft von Garbenteich tritt gegen die Schüler des VfR. Lich an.

F.-Sp.-D. 1926 Steinbach

Am Sonntag empfängt eine kombinierte Mann­schaft Steinbachs die erste des Sportvereins Grü- ningen zum Gesellschaftsspiel. Die Gäste, die eine lange Spielpause hinter sich haben, werden wohl alles daransetzen, ein gleichwertiges Spiel zu liefern. F-chballabteiluna des Tv. Kinzenbach.

Am Sonntag tritt die erste Mannschaft des Tv. Kinzenbach wieder einmal mit einem Gesellschafts­spiel auf den Plan, und zwar weilt Alten-Buseck als Gast mit zwei Mannschaften hier. Das Zu­sammentreffen bei den Jugendmannfchaften sollte einen knappen Sieg für die Gäste zeitigen, wo-

Handball im DfB.-Reichsbahn.

Vorwärts" Vockenheim in Gießen.

Die Handballabteilung des V. f. B. R. hat sich für kommenden Sonntag die 1. Mannschaft des bekannten T. D.Vorwärts" Bockenheim verpflich­tet. Um die 1. Mannschaft auf Ostern gegen Herrnsheim technisch vorzubereiten, konnten die Gießener inVorwärts" Bockenheim keinen besse­ren Partner finden. Die Frankfurter Turner stellen eine Kombinationsmannschaft dar, die auch in den bekannten Frankfurter Hallenhandballspie­len schon Endspielteilnehmer waren. Da die VfBer nicht mit ihrer kompletten Mannschaft an­treten können Herrmann und Langenohl sind zum Sportkursus in Berlin ist der Ausgang dieses Spieles offen.

Ruttershausen hat die 2. Mannschaft des VfB. R. zum Rückspiel eingeladen. Das Vorspiel konn­ten die Gießener auf eigenem Platze 12:0 gewin­nen. Die PfBer werden als Sieger erwartet.

Kurze Sportnotizen.

Europameister Hornfischer - Nürn­berg gewann in Bamberg wieder ein internatio­nales Ringerturnier. Von seinen vier Gegnern, Ur­ban-Tschechoslowakei, Charlier-Belgien, Gwozdz- Polen und Köstner-Bamberg hielt ihm keiner län­ger als vier Minuten stand.

Ein Staffellauf Heidelber gM an n« heim wird in diesem Jahre erstmals ausgetragen. Der Lauf führt über 18 Kilometer, jede Mann­schaft besteht aus 30 Läufern. Bisher liegen Zusagen^ von sechs Mannheimer und vier Heidel­berger Vereinen vor. Termin ist der 1. Sep­tember.

49 Amateure sind am Sonntag an den Prüfungskämpfen des Deutschen Radfahrer-Ver­bandes zur Bildung der deutschen Nationalmann­schaft der Bahnfahrer in Leipzig beteiligt.

Nach Spanien und Ungarn werden in diesem Jahre deutsche Schwimmer reifen. - _

18 Nationen, darunter auch Deutschland, haben zu den Europameisterschaften der Fechter vom 19. bis 29. Juni in Lausanne ihre Meldungen abgegeben.

ihnen mit, daß im Haushalt alles in Ordnung fei. Diese Familiennachrichten werden von Pelzjägern und Trappern empfangen, die zum ersten Male mit Radio-Apparaten ausgerüstet sind. Der Pelzjäger­funk ist einfr Neueinrichtung der kanadischen Sen­der, die erstmalig im März 1935 einsetzte und von den Hörern sehr beifällig aufgenommen wurde. Die erste Rundfunksendung richtete sich in der Hauptsache an die sogenannten zwölf Eremiten der Hubfonbai, zwölf in ganz Kanada bekannte Pelzjäger, die jedes Jahr vom Oktober bis Juli droben im kanadischen Norden ausharren, um ihrem gefährlichen Berufe nachzugehen. Die zwölf Pelzjäger hoben eine Ge­nossenschaft gebildet. Im Oktober chartern sie ein kleines Schiff, das sie an die Küste der Hudsonbai transportiert. Alle hundert Kilometer etwa verläßt ein Pelzjäger das Schiff, um feinen Standort zu beziehen. Er ist ganz allein, und nur ein Hund befindet sich in feiner Begleitung. Voriges Jahr wurden zum ersten Male Radioapparate, Akkus und Batterien von den Pelzjägern mitgenommen.

Jeder von ihnen errichtet sich eine primitive Hütte, in der er den Winter zubringt. Viele Monate ver­gehen in völliger Einsamkeit, die dieses Jahr zum ersten Male durch Radiounterhaltungen verkürzt wurde. Tag für Tag kontrolliert der Pelzjäger die ausgestellten Fallen und bringt die Beutestücke in die Hütte. Im Frühjahr holt das Schiff die Ein­siedler nacheinander wieder ab. Manchmal kommt es auch vor, daß die Gefährten vergebens auf einen der ihren warten. Dann geht eine kleine Expedition an Land und hält Ausschau nach dem überfälligen Pelzjäger. 9Neift ist die Hütte leer und der Trapper spurlos verschwunden. Schnee und Eis bergen in ihrem Grab ein Geheimnis, das sie niemals preis­geben. Im nächsten Jahre wird ein neuer Teil­nehmer in die Genossenschaft aufgenommen.

Obwohl jeder der zwölf Pelzjäger von der Hud­sonbai täglich dem Tode zu trotzen hat, ist der Gewinn, den der Trapper über Winter erzielt, nicht allzu beträchtlich. In den seltensten Fällen übersteigt die Ausbeute an Pelztieren die Summe von tausend Dollar. Nur wenn der Zufall ein paar gesuchte Modepelztiere in die Falle führte, ist der Ertrag um einige hundert Dollar höher. Doch dieses Glück wird den Eremiten von der Hudsonbai nur alle paar Jahre einmal zuteil.

Don dem Ertrag feiner Winterarbeit muß der Pelzjäger den Sommer über leben und, wenn.er verheiratet ist, die Familie das ganze Jahr ernähren. Der Ankauf von Fallen, die Instandsetzung der alten Fanginstrumente und die übrige Ausrüstung ver­schlingen beträchtliche Summen.

Für diese Einsiedler muß der Besitz eines Radio- Apparates eine besondere Freude bedeuten. Das Abhören der kanadischen und sonstigen nordamerika­nischen Rundfunkdarbietungen brachte ihnen Zer­streuung in ihrer einsamen Holzhütte. Seit nun auch noch die Verbreitung von Familiennachrichten speziell für die zwölf Pelzjäger der Hudfondai ein­geführt wurde, haben sie sich nicht mehr zu beklagen. In regelmäßigen Abständen und zu bestimmter Zeit sprechen Frau und Kinder am Mikrophon, und ihre Stimmen klingen hinaus in die tödliche Eiswüste, in der man sonst ein halbes Jahr abgeschlossen hauste vom Leben. Wenn auch die meisten von den zwölf bekannten Eremiten Junggesellen sind und keine Angehörigen besitzen, so werden sie doch genau so wie ihre verheirateten Kollegen in atemloser Spannung der Stimme im Lautsprecher lauschen, die ihnen Familiennachrichten übermittelt.

In einigen Monaten wird bas Schiff die zwölf Pelzjäger wie immer nacheinander abholen. Man hofft, daß dieses Mal keiner fehlt. B.

Hochschulnachrichten.

Der bisherige Rektor der Technischen Hochschule Darmstadt, der Professor des Maschinenbaues Dr.-Jng. Friedrich H ü b e n e r, ist von dem Reichs­und Preußischen Minister für Wissenschaft, Erzie­hung und Volksbildung für die neue Amtszeit er­neut zum Rektor der Technischen Hochschule ernannt worden.

Professor Dr. Philipp S t ö h r, Abteilungsvor­steher am Anatomischen Institut der Universität Bonn, ist als Nachfolger des am 1. April in den Ruhestand getretenen Professors Sobotta zum Direktor des Anatomischen Instituts in Bonn er­nannt worden.

Der Privatdozent Dr. Strack von der Univer­sität Bonn hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für alte Geschichte an der Universität Kiel erhalten und angenommen.

Oberregierungsrat Dr. W. Noddack, Leiter des chemischen und photochemischen Laboratoriums der Physikalisch-Technischen Reichsanftalt Berlin, er­hielt einen Rus auf das Ordinariat für physikalische Chemie an der Universität Freiburg i. Br. als Nachfolger von Professor Dr. G. v o n Hevesy.

Professor Dr. Paul Diepgen, Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin und der Natur­wissenschaften, Berlin, rom-bc von der Gesellschaft der Aerzte in Wien zum korrespondierenden Mit­glied ernannt.