Ausgabe 
5.4.1935
 
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grettag. 5. April 1935

185. Jahrgang

Nr.81 Erster Blatt

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Nach dem Urteil des Achener Kriegsgerichts wurden 13 angeklagte Offiziere wegen ihrer Teilnahme an der Revolte zur Degradation verurteilt. Den Offi­zieren wurden die Achselstücke, Kokarden und Uni­formknopfe heruntergerissen.

Or. Goebbels spricht in Frankfurt am Main.

Durch dringende Inanspruchnahme des Herrn Reichsministers muhte der ursprünglich festgelegte Termin für die Kundgebung in der Festhalle in Frankfurt a. M. verschoben werden. Die Kund­gebung findet nunmehr endgültig am Donnerstag, 11. April, 20.30 Uhr, in der Festhalle statt. Die mit dem Aufdruck12. April" versehenen, bereits im Umlauf befindlichen Eintrittskarten behalten ihre volle Gültigkeit. Es wird nochmals daraus hin­gewiesen, dah der Vorverkauf durch alle Geschäfts­stellen sämtlicher Ortsgruppen der NSDAP. des Kreises Groh-Frankfurt sowie an den Tageskassen des Opern- und Schauspielhauses (täglich von 11 bis 13 Uhr) sowie durch die VS.-Kulturgemeinde, Abt. Deutsche Bühne, Frankfurt a. 7N.» Gärtner­weg 8, erfolgt.

Prag, 4. April. (DNB.) Die Beratungen Lordfiegelbewahrers Eden mit dem Minister Auswärtige Angelegenheiten, Dr. Benesch, die kurz nach 10 Uhr im Arbeitszimmer des Ministers im Czernin-Palais begannen, endeten kurz nach 12 Uhr. lieber die Unterredungen wurde der fol-

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logen. Dort ist er kurz nach 17 Uhr eingetroffen. £r wurde begrüßt von dem englischen Generalkon- ul, einem Vertreter des Kölner Regierungspräsi­denten und dem Polizeipräsidenten von Köln. Eden wird infolge des ungünstigen Flugwetters seine Weiterreise nach London erst Freitag früh f o r t s e tz e n.

Aussichtslosigkeit des Ostpattes.

Der Eindruck in England.

L o n d o n, 5. April. (DNB. Funkspruch.)Times" berichtet, Eden habe feststellen können, daß die Tschechoslowakei für den Fall, daß Deutsch­land und Polen sich abseits halten sollten, entschlos­sen sei, den Ostpakt mit Frankreich und Sowjetrußland abzuschließen. Von Polen erwarte Dr. Benesch nicht mehr, daß es sei­nen Standpunkt noch ändern werde. Geschehe es doch, so sei das um so besser. Auf alle Fälle werde der Pakt Paris - Moskau - Prag zustande kommen, wenn ein annehmbarer anderer Weg nicht noch gefunden wer­den sollte. Nach diesen Erklärungen sei wohl kaum mehr ein Zweifel an der Aussichtslosigkeit des O st paktplanes vorhanden. Vermutlich sei Eden nunmehr genötigt, einzusehen, daß die ein­zige brauchbare Methode der Sicherung des euro­päischen Friedens nicht in einem System regionaler Pakte bestehen könne, sondern in einer umfas­senden gesamteuropäischen Regelung. Daß England nicht bereit sein werde, irgendwelche weitere Garantien für gewisse Grenzen in Europa zu übernehmen, habe man in Europa jetzt begriffen. Trotzdem aber sei man auf dem Kontinent der Meinung, ein Eng-

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Sucht Frankreich nach einer neuen Formel?

Meinungsverschiedenheiten im französischen Kabinett.

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genbe amtliche Bericht ausgegeben:

Lordsiegelbewahrer Eden ist Donnerstag früh in Prag eingetroffen. Bei der Zusammen­kunft, die im Ministerium für auswärtige An­gelegenheiten in Prag siattfand, tauschte Eden mit Dr. Benesch in herzlicher und freundschaft­licher Weise die Ansichten über alle im Lon­doner Kommunique vom 3. Februar 1935 ent­haltenen Fragen aus. Dr. Benesch dankte Eden herzlich für seinen Besuch in Prag und für die Mitteilung, die Seine Exzellenz ihm über die Ergebnisse seiner Reise in die übrigen Haupt­städte gab. Seinerseits gab ihm Dr. Benesch eine ausführliche Darstellung der Friedenspoli­tik der Tschechoslowakei. Beide Minister stellten eine vollständige U e Verein st im- mung in den Zielen der Politik ihrer Länder hinsichtlich der Erhaltung des allgemeinen Friedens und ihre aufrichtige und unabänderliche Ergebenheit der Politik des Völkerbundes gegen- über fest."

Nach bei- Konferenz lud her tschechische Außen­minister seinen Gast zu einem Mittagessen in kleinem Kreise ein. Während des Essens hielten die beiden Staatsmänner Trinkfprüche. Dr. Benesch dankte zunächst Eden für seinen Be­uch und erklärte dann u. a.: Die Tschechoslowakei et durch ihre geographische Lage, durch ihre Geschichte, durch ihre gegenwärtige Politik und ihre Bestrebungen für die Zukunft dafür bestimmt, in Mitteleuropa eine wahrhafte Friedensaufgabe zu erfüllen. Die Außen­politik der Tschechoslowakei stehe denen zur Verfü-

land, das die Rolle des allgemeinen Friedensstifters spielen wolle, müsse sich auch bereit zeigen, a n einem europäischen System teilzuneh­men, das einen etwaigen Bruch des Friedens a b - zuwehren bestimmt fei.

In ftanzösischen, italienischen und sowjetrussischen Kreisen sei man enttäuscht über die War­schauer Verlautbarung. Man mache kein Geheim­nis daraus, daß man eine deutlichere S t e l» lungnahme erhofft habe. Anscheinend hätte man in diesen Kreisen ein endgültiges pol» nische Nein zum Ostpaktplan der jetzigen zweideu­tigen Haltung vorgezogen. Dagegen sei Warschau sehr befriedigt über den Besuch, weil man hoffe, daß nunmehr die Gründe für Polens ablehnende Haltung in England, und vielleicht auf dem Umweg über London in Frankreich besser verstanden werde.

In Frankreich fei man geneigt, jede Hoffnung auf greifbare Ergebnisse hinsichtlich des Ostpaktes auf­zugeben, und sich wieder einer umfassenden europäischen Regelung im Rahmen des Völkerbundes zuzuwenden. Damit meine man offenbar eine Regelung in der Art des Gen­fer Protokolls einschließlich eines allgemeinen Systems gegenseitigen Beistandes und einer gleichzeitigen Rüstungsbegrenzung. Ferner neige man zu der Auffassung, daß Groß­britannien gewissermaßen verpflichtet sei, einen Teil der Verantwortung für die Auf­rechterhaltung des europäischen Friedens mit zu übernehmen. Wenn man auch einen Ostpakt für wirksamer gehalten hätte, so glaube man doch jetzt, daß sich die Organisation gegenseitigen Bei­standes auf einer europäischen Grundlage als leichter erreichbar erweisen dürfte.

wickelte sich in eine Revolution.

Unter den Angeklagten der ersten Serie befinden sich besonders zwei markante Gestalten: die Gebrü­der Tzi gante s. Der eine ist Oberst, der an­dere Hauptmann. Sie spielten bei der Wegnahme des Garderegimentes der Evzonen und der Ka­dettenschule eine Hauptrolle. Ihre Gesichtszüge sind äußerst energisch, ihre Vergangenheit ist eine durch­aus kriegerische. Oberst Tzigantes kämpfte tm Weltkriege am <Sfra de Legen in Mazedonien, ver­ließ trotz einer erheblichen Verwundung das Schlachtfeld nicht und floh noch unausgeheilt heim­lich aus dem Krankenhaufe, um sofort wieder in die erste Reihe der Kämpfer an der Front emzu- treten. Beide Offiziere sind in der Athener Gesell­schaft bekannt und haben weitgehende Beziehungen. Sie erklären nur aus reinem Idealismus gehan­delt zu haben. Irgendwelcher Vorteil sei für sie nicht zu erwarten gewesen, weder militärisch m Form von Beförderungen, noch finanziell, Sie kämpften für ihre Ehre, nicht um ihr Leben! Tiefen Eindruck, sowohl auf tue Anwesenden, w,e auf bas Gericht rief eine Bemerkung des Obersten Tzigantes hervor, bei der er nur mit äußerster Anstrengung die Tränen verbergen konnte und auf fein glückliches Familienleben hinwres: er habe alles zu verlieren, aber nichts zu oewmnen

Der Vorsitzende mußte an dieser Stelle die Sitzung um 5 Minuten unterbrechen. Wird der Appell an die Sentimentalität des Gerichtshofes wirken?

Dagegen boten die Aussagen der meisten anderen Angeklagten eher ein lächerliches Bild. Sie ope­rieren nach dem berühmten Prinzip: keiner will's gewesen sein. Sie befanden sich u fallsweise" in der Kaserne,zufallsweise hat­ten sie eine Waffe in der Hand undzufallsweise nur haben sie geschossen! Viele von ihnen wollten überhaupt nichts wissen, daß es sich iw Augenblick um eine Revolte handelte. Die Evzonen, die Sol­daten also, betrachteten im Anfang die ganze 2in= gelegenheit als ein Vergnügen und waren erfreut, daß etwas los" war. Als aber die Kanonen dröhn­ten und die Maschinengewehre knatterten, verzogen sie sich in den Keller. Es ist schon möglich, daß man­cher in dem allgemeinen Durcheinander nicht mehr wußte, wem er eigentlich diente. Dor einem Kriegs­gericht ist es aber mißlich, das nachzuweisen.

Die beschuldigten Offiziere behaupteten, weder mit dem flüchtigen, sich in Frankreich und Italien aufhaltenden General Plastiras etwas zu tun zu haben, noch mit V enis elo s. Dieser für Griechen­land so verhängnisvolle Staatsmann hat auch ge­zaudert, sich offen an die Spitze der Bewegung zu stellen, inzwischen von der Sicherheitspolizei und der Untersuchung beschlagnahmte Dokumente weisen jedoch nach, daß der Umsturzplan schon seit

lichen Freiheitsstrafen verurteilt! Wer aber die letzten Aufstandsgeschichten Griechenlands kennt, weiß, daß die Amnestie nicht lange auf sich warten lassen wird, und daß die verurteilten Offt- ziere vielleicht sogar wieder zu Dienst und Korn- mando kommen. Z. B. ist der nach Bulgarien ge» flüchtete Adjutant des Generals des IV. Armee­korps in Kawalla, Kamenos, bereits zum dritten Male an einem Putsch beteiligt und schon zwei- mal zum Tode und Degradation ver- urteilt gewesen. Trotzdem befand er sich wieder als aktiver Offizier bei der Armee. Erwirkte" auch beim letzten Putsch wieder auf der Aufstands- feite mit. ,, .,

Die angeklagten Offiziere selbst waren sich diesmal doch nicht so ganz sicher. Wenn man auch wußte, daß die beantragten 13 Todesurteile vom Kriegs­gericht nicht ausgesprochen werden würden, so rech­nete man doch mit mindestens sechs Todesurteilen gegen dieFühre r" der Bewegung in Athen: Oberst Sarasis, Oberstleutnant Tzigantes, Oberst­leutnant Stephanakos, Hauptmann Tzigantes, die Zivilisten Zalawutas und Bombakis. Noch bis kurz vor dem Urteilsspruch stand deren Todesurteil als sicher fest. Jedenfalls war der Kriegsminister Kon- dylis über die Milde, die das Kriegsgericht malten ließ, wie er selbst öffentlich erklärte, sehr erstaunt. Er hatte bereits vorher erklärt, daß der Staat, der eine Mobilisation gegen die Aufrührer anzuordnen gezwungen sei, die schwersten Strafen einschließlich der Todesstrafe über die Urheber verhängen müsie. Man kann infolgedessen schon das Erstaunen des Kriegsministers über das milde Urteil des Kriegsgerichtes verstehen, das auch bei einem großen Teile des griechischen Volkes keine begeisterte Zustimmung finden dürfte, weil man be­fürchtet, daß die bewiesene Milde nur den Willen gewisser Offizierskreise zu neuen Putschen stärken könne.

gung, die für die Zusammenarbeit der Völker, für das europäische politische Friedens­ziel und für die Befriedungstätigkeit des Völker­bundes arbeiten. In allen diesen Punkten habe die Tschechoslowakei die gleichen Ziele wie Großbritannien. Lordsiegelbewahrer Eden erin­nerte in seinem Trinkspruch zunächst an seine häu- ige Zusammenarbeit mit Benesch in Genf und erklärte dann u. a.: seine Besuche hätten kein an­deren Ziel gehabt, als den Frieden zu wah­ren. Die Zeit sei vorbei, da die Völker glauben konnten, daß ihre Entwicklung und ihr Wohl durch einen Krieg gesteigert werden könnten. In der gegenwärtigen Welt könne kein Volk auf den Ruinen eines anderen Volkes ge­deihen. Das fei die Hauptlehre, die der Welt­krieg erteilt habe.

Zwischenlandungen Edens in Halle und Köln.

Lordsiegelbewahrer Eden ist am Donnerstag um 14.25 Uhr mit dem planmäßigen Verkehrsflugzeug von Prag kommend auf dem Flughafen HalleLeipzig gelandet und mit dem glei­chen Flugzeug um 14.35 Uhr nach Köln weiterge-

Eden hat feine Erkundungsfahrt beendet.

Oie lehie Etappe Prag. Oie Tschechoslowakei für den sofortigen Abschluß des Ostpakts auch ohne Polen und Deutschland.

Paris, 5. April. (DNB. Funkspruch) Die französischen Minister treten morgen noch einmal zu einem Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik zusammen, um vor der Konferenz von Stresa und dem Zusammentritt des Völkerbundsrates die Richtlinien für Stresa festzu­legen. Man betont jedoch, daß diese Richtlinien sehr geschmeidig sein werden, um es dem französischen Außenminister zu ermöglichen, in Stresa eigene Initiativen zu ergreifen.

Die allgemeine Stimmung nach der Rundreise Edens ist in Paris immer noch recht pessimistisch. DasOeuvre" weist darauf hin, daß in Kreisen der französischen Regierung Meinungsver­schiedenheiten über die weitere Entwicklung der Lage beständen. Diejenigen Minister, die von jeher gegen den Abschluß eines französisch-sowjet­russischen Beistandspaktes gewesen seien, versuchten jetzt, neue Vorschläge s-inzubringen, die in gewissem Sinne auf eine Wiedergeburt des Genfer Protokolls von 1924 hinausgin- gen. Andere hätten sich mehr und mehr dem ena- lischen Standpunkt genähert, wonach man Deutsch­land vor irgendeiner Entscheidung noch einmal auf­fordern müsse, sich zu beteiligen. Andere Minister, die dem Abschluß eines französisch-sowjetrussischen Abkommens wohlwollend gegenüberständen, hätten den Vorschlag gemacht, in Genf einen allge­

meinen europäischen Beistandspakt oorzuschlagen, dessen erste Unterzeichner Frankreich und Sowjetrußland sein sollten. Die französische Politik ähnele nach Ansicht eines geistreichen Staatsmannes einer Theater­bühne, auf der man sämtliche vorhandene Kulissen aufgestellt habe.

Echo de Paris" schreibt, die Geschäfte Frankreichs gingen schlecht. Sir John Simon arbeite an­scheinend einen Entschließungsvorschlag für den Völkerbund aus, der darauf hinausgehe, den fran­zösischen Protest schritt in Genf zu e r st i ck e n. Deutschland werde sich höchstens einen akademischen Tadel" zuziehen, und man werde auf d i e Bildung einer Verteidigungs­liga verzichten, die die einzige Hoffnung für die Aufrechterhaltung des Friedens wäre. Das fran- zösische-englische Abkommen vom 3. Februar sei seines ganzen Inhaltes beraubt, der Geist, von dem es getragen gewesen sei, bestehe heute nicht mehr. Wenn aber kein entschlossenes Aktionsprogramm aufgestellt werde, so werde Mussolini sich wahr­scheinlich auf das Protokoll vom 18. März 19 3 4 mit Oesterreich und Ungarn z u - rückziehen, das den Höhepunkt der Schwierig­keiten zwischen Rom, Paris und der Kleinen Entente gebildet habe. Laval fei kaum sechs Monate am Quai d'Orsay, und man sehe schon, was seine

Das Kriegsgericht tagt.

Das Nachspiel des griechischen Aufstandes.

Von unserem C. ^.-Äerichterstatier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Athen, 31. März 1935.

Die Schatten der sechs an einem trüben November­tage des Jahres 1922 erschossenen Männer aus der Regierung des Königs Konstantin schweben über dem in Athen tagenden Kriegsgericht. Einer der jetzt Angeklagten, Oberst S p a i s, soll da­mals das Hinrichtungskommando ge­führt haben eine Beschuldigung, die der um fein Leben Kämpfende zurückweist. Er gibt nur zu, dienstlich an jenem grauenvollen Novembermorgen bei der Hinrichtung zugegen gewesen zu fein.

Die Offiziere leugnen ihre Handlung nicht. Sie wurden mit der Waffe in der Hand gefaßt und wissen, was ihnen nach bestehendem Kriegsrecht bevorsteht. Angesichts des Todes verweigern sie je­doch mutig die Preisgabe bisher unbekannter Mit­schuldiger. So war es dem Kriegsgericht unmöglich, von ihnen den Führer des Aufstandes in Athen zu erfahren. Alle erklären, keine blutige Revolte im Auge gehabt zu haben. Nach ihrer Auf­fassung sei die Republik in Gefahr ge­wesen. Die monarchistischen Kundgebungen mehrten sich, und die Regierung hätte nur halbe Maßnahmen getroffen. Deshalb hätten sie geglaubt, Zuflucht zu einem unblutigen Militäraufstand nehmen zu müssen, wobei ihnen als Vorbild die Militärrevolte vom 15. August 1909 oorgeschwebt habe. Ihre Absicht sei lediglich gewesen, die Regierung auf den Ernst der Lage aufmerksam zu machen. Die Entwicklung des Aufstandes habe aber eine andere Richtung genommen: Politiker und Zivilisten mischten sich ein, und die als energischer Protest gedachte Aktion ent-

langem vorbereitet wurde. Es scheint aller­dings, als ob Plastiras erst am 25. März, statt wie geschah, am 1. März, losschlagen wollte. Sicherlich aber hatte es Veniselos eilig. Er wird feinem Freunde Plastiras wohl nicht ganz getraut und be­fürchtet haben, daß dieser bei einem Gelingen seines" Putsches ihn, Veniselos, beiseite drängen würde. Veniselos kann aber bekanntlich niemanden neben sich dulden und wenn es selbst ein Pla­stiras wäre!

In dieser dunklen Aufstandsangelegenheit, die wieder einmal beweist, daß das Militär sich nicht an Parteien anlehnen darf, sondern der Nation gehört und deren Willen auszuführen hat, gibt es auch gewiße lichte Momente. Besonders die Schüler der Kadettenschule zeigten sich würdig, in Zukunft die Offizierscharge zu bekleiden. Sie lehn­ten oon Anfang an jede Beteiligung am Aufstande ab! Allen Zureden und Drohungen gelang es nicht, sie von ihrem Standpunkt abzubringen, und zum Schluß jagten sie die Aufrührer zur Schule hinaus. Weniger rühmlich benahmen sich dagegen zwei Offiziere dieser Schule, die, als sie merkten, daß die Sache brenzlich wurde, sich krank meldeten und ... nach Hause gingen! Dort, hinter den vier Wänden, konnte man ja ruhig abwarten, wie die Dinge sich entwickeln würden, um sich dann mit voller Be­geisterung auf die Seite des Siegers zu stellen.

Die Regierung erklärte, daß alle beteiligten revo­lutionären Offiziere strengstens bestraft wurden. In allen Zeitungen konnte man lesen, daß unbarm­herzig mit ihnen verfahren werde. Man rechnete jedenfalls mit einigen Todesurteilen. Doch die Re­gierung Tsaldaris wünscht kein Blutvergießen. Sie steht auf dem Standpunkte, daß die Haupt - rädelsführer ins Ausland geflüchtet sind und daß die Angeklagten zu den von ihnen Verführten gehören. Wie dem auch fei: Alle An­geklagten wurden nur zu schweren und lebensläng-