Ausgabe 
5.3.1935
 
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** Arbeitsvergebung. Das städ und Tiefbauamt veröffentlicht in unsere, Anzeigenteil eine Bekanntmachung übei gebung von Erd-, Pflaster- und Cho arbeiten zum Ausbau von Straßen. Ji seien auf die Bekanntmachung besonders h

** Stadttheater - Abonnem Bürgermeisterei fordert in einer Bekar in unserem heutigen Blatte zur Ein! 6. Abschnittes des Stadttheater-Abonnei Näheres in der Bekanntmachung.

** Städtische Brennholzve rung. Am kommenden Freitagvormii eine Brennholzversteigerung der Stadt C dem Bezirk der Försterei Rödgen stad in der heutigen Bekanntmachung.

**Bauern reden aus der $ Die Landesbauernschaft weist auf einen S Reichssender Frankfurt hin, der im Ri Erzeugungsschlacht am heutigen Dienstag bis 20 Uhr gehalten wird. Das Thei Bauern reden aus der Praxis".

** Sterbefälle in Gießen. Es in Gießen in der Zeit vom 16. bis 28 Fe Heinrich Balßer, Maurer, 55 Jahre alt, 9 16 Wilhelm Risten, Schneider, 51 Iah gaffe 23; 17. Willi Fritz, 7 Jahre, Diezstr Wilhelm Lenz, Kanalarbeiter, 36 Jahr« gaffe 20; 19. Helene Christel, geb Asch, Horst-Wessel-Wall 54; 21. Wilhelm Schi valide, 72 Jahre, Lindengasse 18; 22. Ko Keil, Weißbinder, 33 Jahre, Weidenga Lina Grün, geb. Ziegler, 67 Jahre, Neue 25. Heinrich Debus, Rentner, 77 Jahre, 2 berg 18; 26. Eva Zanger, geb. Dreher,

bische Generalfeldmarschall Alfred Gra derfee in Hannover gestorben; 1933 Erhebung in Deutschland; Reichstagwah Laler Mehrheit.

Kurse zur Vernichtung der Wi

Die Landesbauernschaft läßt demn einen geeigneten erfahrenen Wühlmm vielen Orten im Gebiet der Landes Fangkurse von eintägiger Dauer abh Kurse sollen Baumwärtern, Feldschütze stigen Personen die Möglichkeit geben, s gen der Wühlmäuse mit Fallen aus- i zubilden. Die zuständigen Obstbaumbear men die Ortschaften in ihrem Kreisgeb chen der Kursus durchgeführt wird. £ haben sich bei den zuständigen Obstbau zu melden. Eine Teilnehmergebühr rot hoben.

Gießener Wochenmarktprell

* Gießen, 5. März. Auf dem Heutic markt kosteten: Molkereibutter, das Pfu 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) Wirsing, das Pfund 20 bis 22, Weißkrc kraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bi Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, U 8 bis 10, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bi salat 70 bis 90, Zwiebeln 10 bis 12, 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Pfund 20 bis 25 Pf., Blumenkohl, da bis 60, Salat 18 bis 20, Endivien 15, I 10, Sellerie 10 bis 40 Pf-

Vornotizen.

Tageskalender für D Stadttheater: 20 bis 23 UhrDer golder Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,^Junc Mönch". Spielvereinigung 1900 Gieß Maskenball im Caf6 Leib. Oberhessis verein, Turmhaus am Brandplatz: III. stellung von 16 bis 17 Uhr.

Fasching er ft ins Stadt Au^ dem Stadttheaterbüro wird uns Unsere diesjährige Karnevals-Operette1 Pierrot" von Walter W. Goetze kommt l zum letztenmal zur Aufführung. Acht luf mit tollen Einfällen und beschwingtem trerben unter Führung von W r e d e - Rabenau Plank bereiten güns mung. Die Vorstellung ist außer Abonn fang 20 Uhr; Ende 23 Uhr.

Helma lachet

Kriminalroman von Klothilde von &

Urheberrochtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, S

22 Fortsetzung Nachdruck

Können Sie sich erklären", fragte Ho ganz verstört vom Telephon zurückkam, was nun eigentlich dieser rätselhafte de Gu..Ov ..... der ganzen Mordgeschichte zu tun hat? Auf einmal ist der spurlos von der Bildfläche verschwunden und wer weiß, wo wir seiner habhaft werden."

Dundee lächelte.

De Sanzo ist nicht so schuldig, wie Sie denken. Er ist ein alter Bekannter von mir ein ver­bohrter Narr, aber harmlos."

Ja, wie denn? Steht er nicht mit Bastieni in Verbindung? War er nicht ein Helfershelfer und ist nur aus bisher noch undurchsichtigen Gründen vor der Zeit hier verschwunden?"

Nein, er steht nicht mit Bastieni in Verbindung, oder vielmehr nicht mehr. Die ganze Geschichte ist folgendermaßen zu erklären. Bastieni und de Sanzo waren früher Freunde. Sie haben zusammen auf der Universität Cordoba studiert. Da haben sie irgendeine alte Handschrift ausgegraben, die einen Hinweis enthielt auf diesen Weihkelch und seine Bedeutung. Wer die Inschrift des Weihkelche« ent­ziffert hatte, der hatte jenen sagenhaften Schatz, von dem in den alten spanischen Handschriften noch aus der Maurenzeit berichtet wurde. Gemeinsam machten sich die beiden auf die Suche. Später ver­uneinigten sie sich aber, als Bastieni immer mehr auf die schiefe Ebene geriet. Seit er seine hypnoti­schen Fähigkeiten entdeckt hatte, benutzte er die, um immer mehr Menschen in seinen Bann zu ziehen. Durch seine willenlosen menschlichen Werkzeuge ließ er Verbrechen über Verbrechen begehen, schreckte nicht vor Diebstahl, Raub und Mord zurück. Er selbst blieb immer im Hintergründe. Er hatte ja die Menschen, die, ganz in seinem Bann, alles für ihn nach seinen Befehlen erledigten. Ja, diese Men­schen machten in der Hypnose alles viel besser, als es Verbrecher tun konnten, die mit klarem Be­wußtsein arbeiten. Fällt doch bei den Hypnotisierten jede Angsthemmung und Kenntnis der Gefahr weg. Wurden diese Unglücklichen erwischt nun, dann hatten sie auf Befehl Bastienis seinen Namen voll­kommen vergessen und büßten allein für eine Tat, die man ihnen nur suggeriert hatte und für die sie eigentlich nicht vor den Richter, sondern zum Arzt gebracht werden mußten.

... zu gleicher Zeit hier gearbeitet, nur daß de Sanzo nicht wußte, daß der famose Diener Charles der Beauftragte und Helfershelfer von Ba­stieni war. Uebrigens Charles war der einzige, der nicht in Hypnose für Bastieni gearbeitet hat, sondern bei vollem Bewußtsein, und daher ist die Geschichte auch schief ausgegangen. Sowie de Sanzo hier spürte, es sind Verbrecher am Werk, bekam er es mit der Angst zu tun. Und als Sie, lieber Hoprnan, hier begannen, herumzuschnüffeln, da dachte er bei sich: Vorsicht ist die Weisheit des Tapferen. Er hatte wohl so kalkuliert: Wenn er erst das Geheimnis des Schatzes aus den Inschrif­ten des Weihkelches herausgelesen hatte, wollte er Fräulein Helma oder Herrn von Gernsheim eine Partnerschaft vorschlagen: Sage ich euch den Ort, so gebt ihr mir die Hälfte des Schatzes!, war seine Berechnung.

Bastieni war weniger bescheiden. Er hatte, seit­dem er den alten Herrn von Gernsheim von dem Weihkelch hatte reden hören, feinen bestimmten Plan.

Erst mußte der alte Herr ermordet werden, dann sollte Fräulein Helma drankommen und man wollte eine falsche Helma hier unterschieben. Den jungen Herrn von Gernsheim wollte man schon vorher unschädlich machen. Da das nicht gelang, wäre es sicherlich noch einmal und auf die gleiche Weise geschehen, wie man den alten Herrn umge­bracht. De Sanzo sollte durch den Smaragdendieb­stahl verdächtigt und so unschädlich gemacht werden." Gottlob", sagte Hoprnan aufatmend,so war ich zwar^ in bezug auf den guten de Sanzo auf falscher Fährte, aber in bezug auf diesen famosen Diener Charles doch nicht. Gut, daß ich meine Kenntnisse über die südamerikanischen ©iftbäume gehabt und erweitert habe.

Auf lange Sicht haben die Schurken den Plan angelegt, das kann man wohl sagen."

Und wenn Sie den Plan haben, mein guter Hopman, noch auf lange Sicht diese Abendunter­haltung fortzusetzen, ich für meine Person denke

Bald war alles im Schloß ruhig. Der Kreisarzt war abgefahren, nachdem er keinerlei Besorgnisse wehr für die schlafenden jungen Mädchen zu hegen brauchte.

Fanny hatte es sich nicht ausreden lassen, im Zimmer ihrer Herrin zu wachen. Und Hopman hatte ihren Wunsch erfüllt.

Er fühlte sehr wohl, daß in diesen kleinen Dienst­leistungen für Fanny eine kleine Minderung ihrer Schuld lag. Ohnehin hatte das junge Ding ihren Leichtsinn und ihre Bindung an den Verbrecher Eharles, der einer sehr harten Bestrafung entgegen­sah, schwer gebüßt.

23. Kapitel.

Horst von Gernsheim war durch das zweite Attentat, das man auf ihn verübt, vollkommen ver- ftort ©eine Nerven versagten. Erst als man ihm die Nachricht von dem Tode des Verbrechers Ba­stieni, der sich ihm als füdamerikcmifcher Verleger genähert, mitteilte, wurde er ruhiger. Nun endlich erzählte er auch dem Hamburger Polizeikommis- sar von dem Wiedersehen mit Helma und der eigentümlichen Veränderung, die mit Helma im -^erlauf von wenigen Stunden vor sich gegangen

Ich möchte am liebsten gar nicht mehr nach Gernrode fahren", sagte er heftig,die Erinnerung an die ganze Art, die Helma diesem Verbrecher gegenüber hatte, ist zu abscheulich und abstoßend. Es müssen da irgendwelche Zusammenhänge sein, Oie ich noch mehr durchschaue; vielleicht war es überhaupt eine Verabredung zwischen meiner Adoptioschwester und diesem Bastieni, mich beizei­ten aus bem Wege zu räumen", fügte er leiser hin- 3V'.a^,enb ein schmerzliches Zücken über fei'n bleiches Gesicht ging.

per Hamburger Polizeikommissar lächelte. Aus Bitten Hopmans hatte er diesem die letzte Auf­klärung überlassen.

Die Dinge verhalten sich vollkommen anders, Herr von Gernsheim', begütigte der Polizeimann,.

nute gerettet wurde. Sie sehen also, daß Ihr Ver­dacht vollkommen abwegig ist. Sie wie Ihre Adop­tivschwester waren als Opfer ausersehen und eine andere vermutlich auch; aber mehr kann und will ich jetzt nicht sagen. Aber ich mache Ihnen einen Vorschlag: Ich muß in diesen Tagen dienst­lich nach Gernrode, um mit dem Kollegen Hopman die ganze Geschichte durchzusprechen und dem Prä­sidenten hier dann Bericht zu erstatten. Wie wäre es, wenn Sie mit mir reiften sozusagen unter polizeilichem Schutz?"

Am liebsten gleich!" sagte Horst von Gerns­heim stürmisch. Der Gedanke, daß Helma unschul­dig und durch unglückliche Verkettung von Ver­hängnissen in falschem Licht vor ihm gestanden, gab ihm seine Kräfte wieder.

Als der Arzt zur Visite kam, fand er Horst von Gernsheim wider Erwarten frisch und zuversichtlich. So gestattete er die Reise für die allernächsten Tage allerdings unter allen erdenklichen Vor­sichtsmaßregeln.

Es war schon gegen Mittag, als die beiden Patientinnen auf Schloß Gernrode aus ihrem tie­fen Erfchöpfungsfchlaf erwachten. Die erste, die die Augen aufschlug, war Helma. Noch etwas be­nommen, sah sie sich um, richtete sich auf da war auch schon Fanny von ihrem Stuhl aufge­sprungen:

Gnädiges Fräulein!" Sie zitterte, Tränen stan­den in ihren Augen. Und nun vergaß sie alles, was Hopman ihr eingeschärft, daß sie Helma nicht auf­regen sollte, daß sie tun sollte, als wäre nichts geschehen. Alles vergaß sie, fiel vor dem Bett Hel­mas in die Knie, bedeckte ihre Hand mit Küssen. Gnädiges Fräulein", stammelte sie unter Tränen, verzeihen Sie!" Und immer wieder:Verzeihen Sie!"

Nun wurde Helma vollkommen munter. Ein leichter Schwindel war noch in ihrem Kopse, und eine schwache llebelfeit im Magen; aber dennoch vermochte sie durchaus klar zu denken.

(Fortsetzung folgt!)