Ausgabe 
5.3.1935
 
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dann etwa 700 Schilling Bargeld geraubt. Nach verübter Tat legte Uebermasser an das Anwesen Preinings Feuer. Der Hof ging bis auf die Mauern in Flammen auf. Der jugendliche Ver­brecher gestand ohne eine Spur von Reue, daß er einen Haß auf seinen Dienstgeber hatte, weil dieser ihn im Herbst vorigen Jahres wegen eines Diebstahles gerügt hatte. Er wollte seine Untat schon zu Weihnachten verüben. Als der jugendliche Uebeltäter an die Stätte seines Verbrechens geführt wurde, spielte ein Lächeln um seine Lippen. Die gerichtsärztliche Untersuchung der drei Leichen er­gab, daß der Bursche mit solcher Wucht zugeschlagen hatte, daß die Hacke, die er als Mordinstrument be- nuAe, die Schädel der Opfer bis zur Wirbelsäule gespalten hatte.

Raubmord im Pfarrhaus. Zwei Todesopfer.

In Geiftingen an der Sieg wurden in ihrer Woh­nung der im Ruhestand lebende 58jährige katholische Pfarrer Stanislaus Friederichs und seine 64- jährige Schwester, die ihrem Bruder den Haushalt führte, ermordet aufgefunden. Der Pfarrer lag mit schweren Schädelverletzungen im oberen Stock­werk, während seine Schwester mit zerschnittener Kehle in den Räumen des unteren Stockwerkes ge­funden wurde. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt Raubmord vor. Von dem oder den Tätern fehlt noch jede Spur. Vermutlich ist die Tot bereits am Freitagvormittag verübt worden.

Entmannung eines zweifachen Lustmörders.

Die Große Strafkammer in Breslau erkannte gegen den jetzt 34 Jahre alten Paul S ch i e w e ck , einen zweifachen Frauenmörder, nachträglich auf Entmannung. Schieweck war am 17.No­vember 1930 vom Breslauer Schwurgericht wegen Mordes in zwei Fällen zweimal zum Tode und zu dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden. Ermatte im Januar 1928 die Prostituierte Marie Kristen und im Februar 1930 seine von ihm geschiedene Ehefrau ermordet. Bei beiden Bluttaten handelt es sich um typische Lust­morde. Im September 1931 war die Todesstrafe in eine lebenslängliche Zuchthaus st rafe umgewandelt worden.

Wegen schwerer Steuervergehen in Untersuchungshaft genommen.

Der Generaldirektor der Deutschen Continentalen Gas-Gesellschaft in Dessau, Oberbaurat Bruno Heß in Dessau, ist wegen Steuervergehens in besonders schweren Fällen in Verbindung mit der bereits erfolgten Verhaftung einer seiner Brüder in Berlin in Untersuchungshaft genommen worden. Die Verhaftung des Generaldirektors Heß erfolgte allein wegen seiner Privatgeschäfte und hat mit der Continentalen Gas-Gesellschaft nicht das Geringste zu tun. Die Führung der Untersuchung befindet sich in den Händen des Generalstaatsanwalts in Berlin- Moabit.

Iubiläumsstiftung zum Regierungsjubiläum des Königs Georg von England geplant.

Der Prinz von Wales teilte vor einer Versamm­lung von Oberbürgermeistern, Provinzgouverneuren und Vertretern der Kirche in London seinen seit län­gerer Zeit angekündigten Plan für eineDank­sagung des englischen Volkes zur

Feier des königlichen Regierungs- jubiläums" mit. Der Thronfolger schlägt die Schaffung einer Jubiläums st iftuna für die Heranwachsende Generation vor. Diese Stiftung soll den großen Freiwilligen-Oroanisationen, die sich mit der Wohlfahrt und Erziehung der Knaben und Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren befaffen, neuen Aufschwung geben. Durch die Sammlung von Geldern in ganz England sollen die Pfadfinder­bewegung, dieKnabenbrigade", der Verein christ­licher junger Manner und ähnliche Organisationen in die Lage versetzt werden, neue Möglichkeiten zur Erholung und zur erzieherischen sportlichen und beruflichen Ausbildung der Jugend zu schaffen.

Geheimnisvolles verschwinden von Pariser Geldsendungen.

Nachdem bereits vor einigen Wochen ein Postsack mit 1,5 Millionen Franken Lohngeldern im Vor­ortverkehr von Paris verschwunden ist, ohne daß man bis jetzt das Geld wiederfinden oder die Täter ermitteln konnte, verlautet gerüchtweise, daß ein von Paris nach Maifons-Laffitte bestimm­ter Postsack mit 900 000 Franken in Banknoten ebenfalls verschwunden ist. Die Polizei stellt gegenwärtig diese Gerüchte noch in Abrede, einige Pariser Zeitungen schenken jedoch diesem Dementi wenig Glauben.

Zwei glanzvolle Rosenmontagsziige am Mein.

Hier hawwe nix druff" in Mainz

Die närrische Welle, die seit Samstagnachmittag durch die Stadt Mainz flutet, wurde zur förm­lichen Springflut beim großen Rosenmontag s- zug. Schon Stunden vor Eintreffen des Zuges waren die Straßen von erwartungsvollen Men­schenmassen umsäumt, und als die ersten Herolde das Erscheinen der närrischen Prozession ankündig­ten, wurden sie mit jubelnden Rufen empfangen. Die lokalen Ereignisse und die Vorgänge in der Welt fanden in zum Teil prächtig ausgestatteten Gruppen ihre närrische Glossierung. Daß dabei das so ungewollt berühmt gewordeneRieweloch" nicht fehlte, versteht sich von selbst. Warum die Jupiter- süule noch immer ohne Jupiter dasteht, beantwor­tete eine witzige GruppeMir hawwe nix druff, weil mir nix druff hawwe". In das Gebiet der hohen Politik führte der WagenDer lachende Dritte", der hinter streitenden Chinesen und Russen einen mächtigen Japps zeigt. Ein wenig schmeichel­haftes, aber treffendes Bild des Völkerbundes brachte die GruppeDumme Kälber wählen ihre Metzger selber". Die innerdeutsche Säuberung hatte eine ganze Gruppe zum Gegenstand. Eine wirkliche Zeitgeschichte im närrischen Spiegel. So dieEnt­rümpelung im Dachstock",Michel hat ausgemistet", ein Wagen, auf dem sich allerleiSchmutz und Schund" befand, dieStraßburger Märchentante mit ihren Hörern", einem halben Dutzend ausge­wachsener Esel. Eine besondere Gruppe galt dem Jubel über die Rückkehr der Saar und der Freude über das Mißlingen des Ränkespiels der Franzosen und Emigranten. Eine ganze Anzahl weiterer tref­fender Einfälle, ost in künstlerischer Weise ausge- sührt, rief immer wieder lebhafte Zustimmung und Helle Begeisterung bei der dichtgedrängten Zu­schauermenge hervor. Zugteilnehmer und Zuschauer sangen gemeinsam das Mainzer Lied. Alle fühlten sich offensichtlich als eine Einheit. Daß der Wagen mit dem Brautpaar Düsseldorf-Mainz besonders freundlich begrüßt wurde, kann nicht verwundern. Mainzer Handkäs und Düsseldorfer Mostrich vertra­gen sich ja auch ganz vortrefflich. Zwischen all den närrischen Gruppen zogen in farbenprächtigen Uni­formen die alten Garden mit ihren Musikkapellen zu Fuß und zu Pferde. Den eindrucksvollen Schluß bildete das Staatsministerium seiner närrischen Hoheit. Echt rheinischer Frohsinn und Mutterwitz

haben einen Zug geschaffen, der seine Aufgabe, die Festesfreude auf den Höhepunkt zu bringen, in vollem Maße erfüllt hat.

Hier kriege Freud" in Düsseldorf

Als Auftakt zum Düsseldorfer Rofen- montagszua fand nach altem Brauch mittags der Empfang des Prinzen Karneval und der Prin­zessin Venetia durch den Oberbürgermeister statt, der sich dieses Jahr zum erstenmal in aller Oeffent- lichkeit auf dem Marktplatz vor dem Rathaus voll­zog. Nach dem offiziellen Zeremoniell auf dem Marktplatz wurde der Empfang im wundervoll aus- geschmückten Sitzungssaal des Rathauses in An­wesenheit geladener Gäste bei einem guten Trünke abgeschlossen.

Dann rückte der Höhepunkt des Rosenmontages, der Rosenmontagszug selbst, immer näher heran. Vom Planetarium kommend traf der Zug auf der Königsallee ein, die einschließlich der Tri­bünen von mindestens 50 000 Menschen umsäumt war. Man kann schon sagen: der Zug war präch­tiger, bunter und origineller als je zuvor. Wirklich ein Triumph der Narretei! Bevor die Spitze des Zuges sichtbar wurde, spielten sich noch vor der Hosloge Jan Wellems (des volkstümlichen, prunk- und prachtliebenden Kurfürsten, der vor 200 Jahren in Düsseldorf residierte und nun von seinem Postament vor dem Rathaus heruntergestiegen ist, um im Jahre 1935 mit seinem Düsseldorfer Volk den Karneval zu verleben), in der neben Jan Wellem mit feinem Hofstaat der Oberbürgermeister Dr. Wagenführ mit seinen Stadträten in mittelalterlicher Amtstracht und zahlreiche Ehren­gäste Platz genommen hatte, köstliche Szenen ab. Das Interessanteste war wohl, als der Ueberfall- wagen der närrischen Polizei kam und der Ober­bürgermeister verhaftet und in die Zelle des Ueber- fallwagens gesperrt, ein Stück über die Königsallee gefahren und schließlich an der Hofloge wieder haftet wurde. Diese Szene rief unter den Zehn­tausenden eine ungeheure nicht endenwollende Be­geisterung der singenden und schunkelnden Volks­menge hervor. Wirklich in diesem Jahre ein echter Volkskarneval, in dem aber auch jeder mit­machte.

Der Zug selbst, in dem immer wieder das Motto Von Jan Wellem bis heut, mer kriege Freud'"

feinen Ausdruck fand, bot ein herrliches Bild, lieber 40 Wagen, an die hundert der verschiedensten Fuß­gruppen, zahllose Kapellen wechselten in bunter Reihenfolge. Ein Wagen schöner als der andere, eine Fußgruppe lustiger und bunter als die andere. Alle möglichen Probleme fand man in echt Düsseldorfer Humor dargestellt. Auch die anderen Straßen, die der Zug insgesamt etwa vier Stunden lang durch­zog, waren von dichten Menschenmengen umsäumt. Nicht nur der Zug war prächtiger als früher, son­dern auch die Stimmung lustiger und überschäumen- der denn je. So kann man wohl sagen, der dies­jährige Düsseldorfer Rosenmontagszug war ein großes Erlebnis. Das hörte man auch von den Fremden, die auch diesmal wieder in großer Anzahl nach Düsseldorf gekommen waren.

Wetterbericht

der Reichswetterdienskes. Ausgabeort Frankfurt.

Die Südwest-Verlagerung des mächtigen Hoch­druckgebietes hat weitere Fortschritte gemacht, so daß sein Einfluß auf die Witterung Deutschlands im allgemeinen zugenommen hat. Da vor allem in Mittel- und Ostdeutschland, begünstigt durch Aus­strahlung über der Schneedecke, besonders kräftige Fröste aufgekommen sind, macht sich im Westen noch eine leichte Störung bemerkbar. Sie brachte auch unserem Gebiet am Dienstagmorgen verbrei­teten Schneefall. Da sich jetzt über dem Kontinent von West nach Ost ein kräftiger Hochdruckrücken er­streckt, kann auch bei uns mit häufiger Aufheite­rung und, begünstigt durch die aufgefommen» Schneedecke, mit stärkeren nächtlichen Frösten gerech­net werden.

Aussichten für Mittwoch: Heiter big wolkig, im wesentlichen trocken, nachts starke Fröste^ meist nördliche und östliche Winde.

Aussichten für Donnerstag: Fortdauer der teilweise heiteren und besonders nachts recht kalten Witterung.

Lufttemperaturen am 4. März: mittags 1,7 Grad Celsius, abends1,2 Grad; am 5. März: morgens 3,4 Grad. Maximum 2,8 Grad, Minimum4,0 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. März: abends 2,6 Grad: am 5. März: morgens 1,4 Grad Celsius.

Wintersport.

Schwarzwald. Feldberg: Bewölkt, 6 Grad, 186 cm Gesamtschneehöhe, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.

Harz: Schierke: Heiter,14 Grad, 53 cm Ge- samtschneehöhe, Pulverschnee, Ski und Rodel gut

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 35: 11790. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei

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