Ausgabe 
5.3.1935
 
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185. Jahrgang

Nr. 54 Erstes Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 5. Marz 1935

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General-Anzeiger für Oberhe en BZW

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5r-nN°mm°!n'l1686 Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und SeschSftrftelle: Schulftrahe r M°ng°n°bschiüN° Stnffel s

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Oer Aufstand in Griechenland.

Ser Teschener Weiierwmkel.

Oie polnisch-tschechische Spannung.

fügen

des

Das von der Regierung erklärte Kriegsrech

t

Die Regierung meldet Erfolge in Thrazien

bisher drei Jahrgänge mobilisiert. Außerdem hat der Staatspräsident bereits ein Gesetz unterschrie­ben, durch das Kriegsgerichte eingesetzt wer­den. die bereits heute mit ihrer Arbeit beginnen sollen. Die Vermögen der Meuterer sollen beschlagnahmt werden.

Zwietracht, der brüderliche Haß und trotz einer glänzenden Anlage, die Verworrenheit im politischen Denken hat abermals zu einem Aufruhr ge­führt, der beweist, daß die Griechen heute dieselben sind, wie zu der Zeit, da die athenische Demokratie nach der Blütezeit des P e r i k l e s schnell verdarb und unter dem Demagogen Kleisthenes es sogar fertig brachte, jeden Dag einen neuen Staatspräsi­denten zu küren. Die unzähligen sich befehdenden Gruppen fielen dem R ö m e r t u m als Beute zu, das Griechenland erbarmungslos ausplünderte ohne eine eigene Kultur, die der griechischen ebenbürtig gewesen wäre, schaffen zu können. Unter der Herr­schaft von Byzanz wurde dann Griechenland der Tummelplatz jener Völkerkämpfe, die um die ost- römische Trutzstadt entbrannten bis schließlich der Türke, nachdem die Völkerstürme und der Sla­weneinbruch über Griechenland weggefegt waren, dem Lande die Friedhofsstille brachte.

halten. Aber die Entente republikanischen Parteien. Konstantin zum Rücktritt Alexander starb an

König K o n st a n t i n, Griechenland neutral zu verbündete sich mit den

oder der andere Partner sich von diesem unseligen Geist, der nicht in den Räumen entstanden war, iq denen er wirkte, lossagte.

In die Warschauer Aemter zogen neue M ä n - n e r ein, die Klärung der Beziehungen zur Tscheche« slowakei Hub an. Die polnischen Zeitungen sagte«

greift lief in das Athener Leben ein. Am Tage herrscht lebhaftes Treiben in den Straßen. Alle Läden sind geöffnet und es herrscht ein star­ker Fußgängerverkehr, da Automobile und Kraftdroschken nicht fahren dürfen, so­fern sie nicht besondere Erlaubnis dazu erhallen haben. Die Polizei übt eine strenge Kon­trolle der wenigen auf der Straße auftauchen­den Kraftwagen aus. Vom Morgen bis zum Abend erscheinen fast halbstündlich Exlrablät- t e r, die von den Zeitungsjungen laut ausgerufen werden. Diese Sonderausgaben finden stets beim Publikum reihenden Absatz und häufig sind selbst Frauen und Kinder lesend auf der Straße anzutreffen. 3m allgemeinen herrscht gro­ße Erregung gegen die Aufständischen. Nachts sind in Athen sämtliche Restaurants und Kinos geschlossen und der Kraflwagenver- kehr ist mit Ausnahme der Dienstautos der Diplo­maten gänzlich aufgehoben. Zivilpersonen dürfen nach 23 Uhr die Straße nicht betreten. Das ganze Stadtbild ähnelt dem einer Stadt bei Kriegsaus- bruch. Die Vororte Athens sind abends völ­lig von der Innenstadt abgeriegelt. Die allgemeine Stimmung ist zuversichtlich, man rech- net bestimmt mit einer Niederwerfung des Auf­standes.

Scherl-Bildma terndienst.

Karte zu der Aufstandsbewegung in Griechenland.

Die Politisierung der Armee im Sinne einer Teilnahme des Offizierkorps an den Partei- kämpfen hat sich seit längeren Jahren als eine e r - neute Gefahr für die ruhige Entwicklung Grie­chenlands gezeigt. Nachdem es aber damals gelun­gen war, die Empörung Plastiras an einem Tage

Athen, 5. März. (DNB.) Ganz Kreta, Teile Thraziens und Südostmazedoniens mit den Städ­ten Kawala und Drama, waren in den Händen der Aufständischen. Militärische Verstärkungen nach Saloniki sind von Athen aus abgegangen. In Thra­zien greift der regierungstreue General G i a l i - ft r a s die Aufständifchen an. Nach einem amtlichen Bericht der Regierung sind die Versuche der Auf­ständischen, ihre revolutionäre Bewegung auf die Nordprovinzen auszubehnen bereits gescheitert.Die geheimen Agenten, die nach Nordgriechenland entsandt worden waren, haben für ihre Pläne keinen günstigen Boden gefunden Eine unvoreingenommene Prüfung der allgemeinen Lage läßt mit einer vollständigen und schnellen Unterdrückung der revolu­tionären Bewegung rechnen. Aus einem von (Kreta) eingelaufenen Funkspruch geht hervor, daß die Auf­rührer auf Kreta sich zur Flucht vorberei- t e n und hoffen, Rhodos zu erreichen." Nach einer Mitteilung des Gouverneurs von Mazedo­nien herrscht in Saloniki völlige Ruhe. Auf Kreta wurden über der Stadt K a n e a , dem Aufenthaltsort Venifelos', Aufrufe ab­geworfen. Die Instandsetzung der beschädigten Kriegsschiffe ist nunmehr beendigt, so daß sie bald gegen die Aufständischen in See gehen können. Drei Torpedobootszerstörer sollen nach Kreta ausgelaufen sein, um mit Unter­stützung der Flugzeuge der Regierungstruppen gegen die Kriegsschiffe der Aufständischen oorzu- gehen.

Der 71jährige frühere Ministerpräsident Veniselos steht an der Spitze des Aufstandes.

die Ordnung in Griechenland vollkommen wiederhergestellt sein werde. Die Regierung plant, angesehene Anhänger von Veni­selos sestzunehmen und in Theben in einem be­sonderen Lager als Geißeln fest zusehen. Der Erzbischof von Athen versucht, auf friedlichem Wege den Aufstand beizulegen. Die Regierung hat

Zuversichtliche Stimmung in Athen.

Das Kriegsrecht verhängt. Ziege« Leben in der Hauptstadt.

Im Jahre 1917 wurde gezwungen, (sein Sohn einem mystischen Affenbiß im Schloßpark von Tatoi. Während der ganzen Zeit regierte Veniselos Griechenland. Nach Rückkehr Konstantins mußte er in die Verbannung. Konstantins Sohn, König Georg- II., regierte nur bis 1924, bis durch einen Volksentscheid sich etwa 75 Prozent für die Republik erklärten. Seitdem aber ist Griechen­land der Spielball der Parteien.

Erst nach langwierigen Kämpfen schlug für Grie­chenland im Juli 1830, also vor etwas über hundert Jahren, d i e Stunde der Befreiung, aber sofort setzte der Parteienkampf ein. König Otto I. aus dem Hause Wittelsbach mußte 1862 das Land verlassen. Der dänische Prinz Wilhelm wurde als König Georg auf Geheiß Englands eingesetzt, aber die Streitigkeiten gingen weiter. Sein Sohn, ' -versuchte, im Weltkriege

Athen, 5. März. (DNB.-Funkspruch.) 3n der Umgebung des Ministerpräsidenten zeigt man sich sehr optimistisch und versichert, daß im Lause heutigen oder spätestens des morgigen Tages

Von unserem v.-Korrespondenten.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?)

Prag, Februar 1935.

Benesch ist nicht mehr arbiter Europae. Er durfte sich einmal als Schiedsrichter des Kontinents fühlen. Aber diese Zeit ist vor- b e i. Die Unterhändler der Großmächte kommen heute auch ohne ihn aus. (Bei den Londoner Ver­handlungen 1925 sprach er noch ein gewichtiges Wort, zehn Jahre später wurde er gar nicht mehr zugezogen.)Außenminister der Kleinen Entente" ist angesichts der nur noch bedingten Uebereinstim- mung der Staaten, die die Legitimation für dieses Amt ausstellten, keine entscheidende Position mehr. Aber ehrgeizig und aktiv ist Benesch g e - blieben. Er kann sich nicht damit abfinden, daß fein Einfluß nicht weiter reichen soll als die Kräfte­ausstrahlungen des tschechoslowakischen Staates. Da ist er, weil er auf andere Wirkungsmöglichkeiten verzichten mußte, offen unter die Quertreiber ge­gangen und gibt gegen alle Entwicklungen, die dem Frieden dienen, hinterrücks Störungsfeuer.

Es ist ein Teil dieses Störungsfeuers, wenn er im Zuge gegen die angeblich imperialistische Kam­pagne des Deutschen Reiches, die darin bestehen soll, daß Berlin jetzt nach der Saarabstimmung so wird gelogen deutsche Volksgruppen zu Plebiszit­bestrebungen anstachele, behauptet, auch im Su­detendeutschtum mache sich eine solche Bewe­gung bemerkbar. Das ist absolut unsinnig. Denn die Sudetendeutschen wissen sehr wohl die politischen Möglichkeiten abzuschätzen, und ihre Zeitungen ha­ben auch sehr deutlich gesrchieben, daß es eine solche Bewegung im Augenblick nicht gebe.

Schwerere Granaten läßt die tschechoslowakische Politik seit Jahr und Tag gegen Warschau auf­fahren. Es ist nicht die Schuld Polens, wenn das Siedlungsgebiet der polnischen Minderheit in der Tschechoslowakei, das Teschener Schlesien, zu einem richtigen politischen Wetterwinkel gewor­den ist und das teschechisch-polnische Verhältnis sich so schlecht gestaltet hat, wie es heute ist. Die Ge­schichte dieser Beziehungen und des Teschener Lan­des ist vielmehr eine einzige Anklage gegen Prag.

Tschechen und Polen mochten sich schon vor dem Kriege nicht. Der Blick Warschaus war damals nach den Mittelmächten zu gerichtet. Die Tschechen aber liebäugelten mit Moskau und Paris und liefen dementsprechend im Kriege zu den Feindmächten über, wo sie Legionen bildeten, während die polnische Legion mit Deutschland focht. Die Tschechen hatten, als der Krieg seinem Ende nahte, Großes vor. Im Wiener Parlament erklärte am 3. Oktober 1918 der Abgeordnete Stanek, d i e Front der drei slawischen Staaten Polen, Tschechoslowakei und Südslawien müsse von der Ostsee über Prag bis zur Adria reichen, und Klofatsch als Wortführer des tschechi­schen Volkes fügte hinzu, Polen, die Tschechoslowakei und Südslawien würden dieVereinigten Staaten von Mitteleuropa" bilden. Die Dmowski und Pade- rewski schmetterten begeistert die Fanfare mit, aber die panslawistischen Träume der Tschechen ver­blaßten rasch, als die staatlichen Verhältnisse neu geordnet wurden.

Die Tschechen, die den Polen gegenüber sehr frei­giebig waren mit Ländereien, auf die sie selber keinen Anspruch erheben konnten, ließen es nicht zu, daß das Teschener Schlesien dem polni­schen Staat zugeschlagen wurde, wie es den Be- völkerungsverhältnissen entsprochen hätte. Das Ge­biet ist zwar klein, aber wichtig, denn es ist von reichen Kohlenlagern durchzogen. 1918 zogen polnische Truppen in das Land ein, denen sich die tschechische Armee entgegenstellte. Die Kämpfe gingen ein Jahr lang hin und her, bis neutrale Truppen Teschen besetzten. Der junge polnische Staat war damals in höchster Ge­fahr. Die Rote Armee stand vor den Toren War­schaus. Polen war gezwungen, sich mit einem faulen Kompromiß abzufinden. Eine neutrale Kom­mission, die unter tschechischem Einfluß stand, teilte das Teschener Land und gab Prag und Warschau je eine Hälfte. Daran, daß Polen damals in.einer brenzlichen Situation war, waren aber wieder die Tschechen schuld, Ungarn hatte den Polen eine Hilfsarmee zur Verfügung gestellt. Die Prager Regierung aber verbot den Durch­zug dieser Armee. Polen brauchte d'ringendst Waffen und Munition. Prag aber verbot sowohl die Ausfuhr als auch die Durchfuhr von Kriegs­material nach Polen. Prag fiel den Bolschewiken zuliebe der polnischen Armee in den Rücken, es verriet dieslawische Brudernation".

Gegen die polnische Bevölkerung im Teschener Schlesien aber richtete man genau das gleiche Willkürregiment auf, mit dem die Tschechen alle ihre Minderheiten seit der Gründung des Staates bis auf den heutigen Tag knebeln. Dmowski und Paderewski ließen es sich gefallen. Sie freuten sich, daß Benesch in der Frage der Tei­lung Oberschlesiens ein sehr wohlwollender Schieds­richter war, und sie freuten sich noch mehr darüber, daß die Prager Politik vom gleichen Geist der west­lichen nationalen Demokratie beherrscht war wie die ihre. Es war vollkommen klar, und keine dritte Macht brauchte etwas dazu zu tun, daß Polen und die Tschechoslowakei einander nicht verstehen konnte« und miteinander abrechnen mußten, wenn der eine

lich den Aufständischen zur Verfügung gestellt haben soll Das Wiedererscheinen dieses Mannes auf der politischen Bühne, der viele Jahre eine fast unbe­schränkte Macht in Griechenland ausgeübt und auch in der europäischen Politik eine große Rolle gespielt hat, wäre nicht nur für die Regierung Tsaldaris eine schwere Gefahr, sondern auch ein Ereignis von einer gewissen europäischen Bedeutung.

Ob Beweggründe der auswärtigen Politik mitsprechen, ist undurchsichtig. Für eine solche An­nahme scheint zu sprechen, daß der Außenminister Maximos, der zur Zeit in Paris ist, auf die Nachricht von dem Ausbruch der Bewegung feinen Abschied genommen und sich damit deutlich von der jetzigen Regierung distanziert hat. Unter seiner Lei­tung wurde der engere Anschluß an bie übrigen Balkanstaaten im Balkanbund und die intime Zusammenarbeit mit der Türkei voll­zogen, somit an ein System, das den Südosten Europas zu einem geschlossenen Block zusammen- und zu einem mitbestimmenden Faktor der

Immerhin war das kleine, kaum fünf Millionen ] Einwohner zählende Griechenland lebenskräftig ge- nug, um nach der vernichtenden Niederlage am . Flusse Sakkaria im Herbst 1922, die mit der Wie­dererrichtung der Türkenherrschaft in Kleinasien und der Austreibung der Griechen aus jenem Gebiet schloß, rund 1,5 Millionen Hellenen auf seinem Boden auszusiedeln. Aber durch diesen Zuzug wurden die Schwierigkeiten Griechenlands fast unerträglich und ganz natürlich kam im Streit um die Ansiedlung der griechischen Flüchtlinge, um die Art der Reformen bald Veniselos und bald die andere Gruppe ans Ruder. Bluturteile gegen frühere Minister wechselten ab mit dem Aufruhr gegen Veniselos oder dem Aufstand unterlegener Veniselisten. Im Jahre 1928 vereinigte die venise- listische Gruppe, die nur dem Namen nach liberal und demokratisch ist, noch rund 80 v. H. aller Stimmen. Sie hatte fast diktatorische Gewalt und hat sie jahrelang ausgeübt, aber im September 1932 verlsr Veniselos die Mehrheit. Die Royalisten holten auf und Veniselos mußte in die Verbannung gehen. Nach mannigfachen Wirren und einem er­bitterten Streit zwischen Veniselisten und den An­hängern einer mehr autoritär gerichteten Staats­form kam schließlich in der letzten Zeit der Mi­nisterpräsident T s a l d a r i s zur Macht, der aber die Opposition der Veniselisten im Senat und seine sehr schwache Mehrheit in der Kammer schmerzlich emp­fand, während die Veniselisten den Aufruhr vor­bereiteten, der am Freitag voriger Woche ausbrach.

Der Aufstand scheint zu einem Bürgerkrieg grö­ßeren Stiles zu führen, dessen Ausgang und Folgen heute noch nicht übersehen werden können. Die legitime Regierungsgewalt hat durch Mobilisierung von Land- und Seestreitkräften umfangreiche Geaen- maßnahmen getroffen, was allein schon zeigt, daß die ursprünglich von der Flotte ausgegangene Be­wegung größere Ausmaße genommen und auch einzelne Teile des Heeres mit sich gerißen hat Die Gesamtsituation scheint ungefähr so zu sein, daß es der Regierung T s a l b a r i s Zwar gelungen ist in der Hauptstabt Athen bie Gewalt in ben Händen zu behalten und sie durch standgenchtliche Urteile zu wahren, baß aber bie nach Kreta ausgelaufene meuterische Flotte bort bie Sympathie ber immer zu Unruhen geneigten Inselbewohner gefunben hat und sich bort eine feste Basis für bie Ziele der Be­wegung zu schaffen sucht; ebenso scheinen bie Trup­pen in ben Norbgarnisonen Griechenlanbs wenigstens zum Teil mit ben Aufrührern gemein­same Sache zu machen, so bah bie Regierung in die unangenehme Lage versetzt werben kann, von zwei Seiten angegriffen zu werben und schließlich einem in heller Empörung stehenden Lanbe sich gegenüber zu sehen. Zweifellos ist es ferner unb bies ist für bie politische Wurbigung der Vorgänge wichtig, baß bie Revolution v o n verab'schiebeten Offizieren der Flotte unb bes Heeres ausgegangen ist, also vermunicy von solchen, bie wegen ihrer früheren Teilnahme an bem vor einigen Jahren von bem jetzt in Cannes im Exil lebenben General P I a ft i r a s versuchten, aber mißlungenen Militärputsch aus Heer unb Marine entfernt worben waren. Der aktive Träger ber Revolution ist also bie Armee, deren Zuverlässigkeit schließlich ber letzte Grabmesser *fur Den Bestanb einer Regierungsgewalt bilbet.

europäischen Politik zu machen sucht. Da bieses Ziel zugleich eine nicht unwichtige Karte im Spiel ber französischen Diplomatie ist, liegt bie Vermutung nicht ganz fern, baß man in Paris einiges mehr über bie Hintergrünbe ber griechischen Vor­gänge weiß. Nicht ausgeschlossen ist auch, baß bie nationale Gärung, bie sich in letzter Zeit in ber griechischen Bevölkerung ber von Italien annektier­ten Zwölf-Inselgruppe (Dvbekanes) unb auf ber von Englanb einverleibten Insel Cypern sehr lebhaft gezeigt hat, auf bie Stimmung in Flotte unb Armee übergegangen ist unb von ben politischen Gegnern ber Regierung als Trumpf in bas Spiel um bie Macht gemischt würbe.

Die Beziehungen Deutschlanbs zu Griechen- lanb waren nach bem von Veniselos herbeigeführten Intermezzo ber Teilnahme am Weltkrieg unge­trübt unb freunbschaftlich. Dies wirb bei bem Fehlen jeben biretten Konfliktstoffes, bei ber gegenseitigen Wertschätzung ber beiben Völker unb bei bem gleichen Interesse an einer weiteren Ent­wicklung bes Hanbelsaustausches so bleiben, welchen Ausgang auch biete inneren Machtkämpfe nehmen werben. Man wirb beshalb in Deutschlanb in ber Beurteilung ber Vorgänge in Griechenlanb nur ben einen Wunsch haben, baß bem allzu oft von inne­ren Wirren heimgesuchten Lanbe halb bie Ruhe unb bamit bie Voraussetzung einer völligen lieber- roinbung ber vielen Schöben roiebergegeben wirb, bie auch Griechenlanb aus bem Weltkrieg, aus seinem Zusammenbruch in Kleinasien unb aus ber wirtschaftlichen Verwirrung ber% Welt baoonge- tragen hat.

Der Griechen größter Feind ist der Grieche. Diemederzuschlagen, schien sich eine Konsolidierung vor- ......*..... .... zubereiten, die durch die große Popularität des jetzigen Ministerpräsidenten Tsaldaris begün­stigt wurde. Aber die Gunst des Volkes wechselt sehr rasch, die Entscheidung wird bei den Waf­fen liegen. Ob die Führer der militärischen Be­wegung ein bestimmtes politisches Ziel verfolgen und von ben vorläufig im Hintergrunb stehenben politischen Gegenspielern ber Regierung Tsalbaris geleitet werben, ist noch unsicher. P la­st i r a s hat eine solche Verdinbung geleugnet, wäh- renb ber in Kreta lebenbe V e n i s e l o s sich angeb-

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