Nr. 3V Zweites Blatt
Dienstag, 5. Februar M5
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Sie Reichsmimster Göring und Dr. Goebbels aus dem Berliner Preiseball.
x >
^>7
■ /T, ;a.<" M
*'z. ■ L
• Jr
r< <
Auf dem Presseball, der in traditioneller Weise die Spitzen des geistigen und kulturellen Lebens vereinigte, erschienen auch Reichspropagandaminister Dr. Goebbels, Frau Magda Goebbels, Staatsschauspielerin Emmy Sonnemann und Ministerpräsident Hermann Göring.
schäft sowohl direkt als auch indirekt noch stark auf Auslandseinfuhren angewiesen.
Diese Gründe machen es verständlich, daß sich der Reichsnährstand im Jahre 1934 besonders der bäuerlichen Veredlungswirtschaft angenommen hat, und zwar in Form folgender Maßnahmen:
1. Die Preise wurden mit Hilfe der bei allen wichtigen Erzeugnissen durchgeführten Marktordnung auf eine für den Erzeuger auskömmliche, für den Verbraucher aber noch tragbare Höhe gebracht.
a) Die Milchpreise für den Erzeuger konnten sich sowohl für Trinkmilch als auch für Werkmilch durch organisatorische und betriebswirtschaftliche Verbesserungen und Ausgleiche aller Art im Vergleich zum Jahre 1933 weiter verbessern, obgleich die Milch,- Butter- und Käsepreise für den Verbraucher nicht erhöht wurden. Nur dadurch war es möglich, die deutsche Milcherzeugung im Jahr 1934 trotz der wesentlich geringeren Futterernte im Vergleich zum Jahr 1933 noch zu steigern.
b) Die Schlachtviehpreife konnten bei Schweinen auf eine angemessene Höhe gebracht und auf dieser auch gehalten werden. Da wir gerade bei Schmalz noch außerordentlich stark vom Ausland abhängen, ist eine auskömmliche Preisbildung die Voraussetzung für eine sich im Rahmen der vorhandenen Futtervorräte bewegenden pflegliche Schweinemast. Die Marktordnung hat sich auch bei Schlachtrindern segensreich ausgewirkt, wenn auch hier die Kürze der Zeit noch keine absolute Stabilisierung gebracht hat.
c) Die Eierpreise haben sich unter der seit April 1934 bestehenden Marktordnung für Erzeuger und Verbraucher befriedigend gestaltet. Die früher üblichen großen Preisschwankungen zwischen der eierknappen und eierreichen Zeit wurden sehr stark gemildert und die Spannen teilweise gesenkt. Bei Beibehaltung der diesjährigen Preishöhe dürfte das Jahr 1935 uns einen Schritt zu unserer Selbstversorgung weiterbringen.
Auch bei anderen Veredlungserzeugnissen, erinnert sei nur an Wolle, wurden vom Reichsnährstand Maßnahmen von weittragender Bedeutung unternommen.
2. Die auf dem inneren Markt geschaffene Ordnung gab die Grundlage für volkswirtschaftlich wertvolle Verträge mit dem Ausland ab. Durch die in Form von Reichsstellen zwischen den Zwischenstaatlichen- und dem Binnenmarkt eingebauten Schleusen gelangt die Einfuhr nicht mehr als lästiger Störenfried, sondern mengen- und preismäßig dem Binnenmarkt angepaßt, als Bedarfsergänzung herein. Auf diese Weise ist mit den für uns handelspolitisch besonders wichtigen Ländern Dänemark, Holland, Polen, Ungarn, Jugoslawien und anderen ein für beide Teile ersprießliches Einvernehmen geschaffen worden. Die Einfuhr wurdg weitgehend mit unseren industriellen Ausfuhrinteressen in Einklang gebracht und sie ermöglichte eine positive Handelspolitik.
Die deutsche Veredlungswirtschaft wird im Jahrü 1935 besonders stark im Zeichen der vom Reichsbauernführer aufgerufenen Erz e u g u n g s schlacht stehen. Die Arbeit des Jahres 1934 schuf hierzu die Voraussetzungen.
Schmerz, Seele und Körper.
Professor Sauerbruch über das Wesen des Schmerzes. — Oer Schmerz als Alarm. — Abstumpfung, Askese und Soldatentum.
Landwirtschastliche Veredlungswirlschafi 1934.
Verbesserung der Binnenmarktlage und Zusammenhang mit der deutschen Oevisenbewirtschastung.
Don Stabsabteilungsleiter im Reichsnährstand Or. Ludwig Herrmann.
Im Rahmen der Grünen Woche 1935 wird auf der Sonderausstellung des Reichsnährstandes ein Ueberblick über die Möglichkeiten der Nahrungsversorgung des deutschen Volkes auf Grund des heutigen Standes der einheimischen Landwirtschaft gegeben werden. Folgende Ausführungen befassen sich mit der Entwicklung der landwirtschaftlichen Veredelungswirtschaft im Jahre 1934, die in dieser Sonderausstellung einen breiten Raum einnehmen wird.
Um die rein wertmäßige Bedeutung der landwirtschaftlichen Veredelungswirtschaft würdigen zu können, muß man sie mit dem Wert der übrigen landwirtschaftlichen Erzeugung und auch der Hauptgruppen der i n d u st r i e l l e n Erzeugung in Vergleich stellen. Nach Abzug der im Wege der landwirtschaftlichen Veredelung verfütterten Mengen verblieben: Millionen RM.
Gesamternte:
Deutsche Getreideernte 1934 etwa 2000—3300
„ Kartoffelernte 1934 etwa 900—1400
„ Zuckerrübenernte 1934 etwa 300
„ Milcherzeugung 1934 etwa 2500
„ Schlachtoieherzeugung 1934
etwa 3600
„ Eiererzeugung 1934 etwa 500
„ Kohlenerzeugung 1934 etwa 1531
„ Roheisenerzeugung 1934
„ Roheisenerzeugung 1934 etwa 400—500
Diese Gegenüberstellung muß auch den Laien von
der ungeheuren volkswirtschaftlichen Bedeutung der
bäuerlichen Veredlungswirtschaft überzeugen. Nicht weniger wichtig als diese Untersuchung bezüglich des absoluten Wertes ist ihre Würdigung vom völkischen bzw. sozialpolitischen Gesichtspunkt aus: Die Veredelungswirtschaft war wegen ihrer großen Anforderung an persönliche Arbeit und Pflege seit jeher Domäne des mittel- und kleinbäuerlichen Besitzes, während sich der landwirtschaftliche Großbetrieb vornehmlich mit der Getreide- und Kartoffelerzeugung befaßt. Dieses Verhältnis veranschaulicht die folgende Tabelle.
Auf je 100 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche
kommen in Betrieben:
Kühe
Schweine
Hühner
bis 0,5 ha
36
344
2607
von 0,5— 5 ha
63
88
471
„ 5,0— 20 ha
40
51
199
„ 20,0—100 ha
27
38
115
über 100 ha
15
17
32
Wer also in erster Linie den Mittel- und Kleinbauern helfen will, muß sich besonders der bäuerlichen Veredlungswirtschaft annehmen. Ueber allem aber steht die höchste Aufgabe, das deutsche Volk aus eigener Scholle zu ernähren. Diese ernährungspolitische Mission der bäuerlichen Veredlungswirtschaft macht sie geradezu zum Zentralproblem der deutschen Volkswirtschaft. Während Brot und Kartoffeln dem deutschen Volk in normalen Erntejahren in genügender Menge zur Verfügung stehen, sind wir auf dem Gebiete der bäuerlichen Veredlungswirt-
Von Or. K Aßmann.
Das Erlebnis des Obersten.
Nach dem Todesritt von Mars-la-Tour! In mörderischem Ansturm hatten die deutschen Reiter die Franzosen aus ihren Stallungen geworfen und ihr Oberst ritt zurück, den Sieg zu melden. „Sie bluten ja! Sind Sie verwundet?" — Da erst bemerkte der Oberst, daß eine Kugel ihn getroffen hatte; sein Schenkel war zerschmettert. In der Begeisterung des Angriffs, in der Konzentration auf den Kampf hatte er den Schmerz der Verletzung überhaupt nicht empfunden. — So kann die seelische Einstellung die Schmerzwahrnehmung ausschalten, wie der berühmte Chirurg Professor Dr. Sauerbruch in einem Vortrag über „Wesen und Bedeutung des Schmerzes" vor der deutschen Philosophischen Gesellschaft, Berlin, erklärte: Körper und Seele sind an der Schmerzempfindung gemeinsam beteiligt; man darf den Schmerz nicht nur von der körperlichen Seite sehen, wie es leider viele Mediziner tun, nicht nur von der seelischen, wie vielfach die Psychologen. Der rechte Arzt muß beides bei der Heilung in Rechnung stellen.
Der Nerv meldet. . .
Jedes Lebewesen hat die Fähigkeit, Vorgänge seiner Umwelt wahrzunehmen. Das Bärentierchen besitzt sie ebenso wie der Mensch. Natürlich ist die Organisation beim Letzteren etwas komplizierter. Sein Nervensystem ist die Steuerung aller Lebensoorgänge und unterhält die Beziehungen zur Außenwelt. Wo die Außenwelt als Störung wirkt, geht eine Meldung über die Nervenbahnen zum Gehirn, das ist „der Schmerz". Ueberall, an der Oberfläche der Haut, im Muskel, in der Tiefe der Bauchhöhle liegen Empfangsorgane des Nervensystems, die an verschiedenen Stellen auf die Art und die Stärke der Störungen verschieden reagieren. Durch das Rückenmark laufen die Nachrichten der Nerven dann zum Gehirn. Die Wissenschaft
hat jedoch noch nicht ergründen können, wie dort der Erregungsstrom der Nervenbahnen zum Erleb« nis umgeformt wird. Hier beginnt das Seelen« Problem, das naturwissenschaftlich nicht mehr zN fassen ist.
Oas „starke^ Geschlecht ist empfindlicher.
Die Menschen verhalten sich je nach Rasse, Alter und Bildung sehr verschieden zum Schmerz: Frauett sind manchmal tapferer als Männer. Der Denker ist weniger widerstandsfähig. Starks Willensmenschen können den Schmerz unterdrücken. Niederkämpfen. Völlig Erschöpfte sind manchmal schon zu schwach, um den Schmerz noch zu empfin« den. So ist der Schmerz ein Persönlichkeitsproblem, er enthüllt oft erst das wahre Antlitz der Menschen. — Vom Organismus her gesehen ist der Schmerz ein Alarm! Er meldet die Störung durch die Außenwelt, er zeigt den Herd einer Krankheit an, ja er läßt nicht selten auf ihren Cha« ratter schließen.
Asketen und Soldaten.
Die für den Arzt, insbesondere für den Chirurgen wichtigste Frage ist natürlich: Wie lindere i'chden Schmerz, kann ich ihn ganz ausschalten? — Methoden seelischer Schmerzbekämpfung find ewiger Besitz der Menschheit. Die Griechen hatten Methoden der Abstumpfung, das Christentum gab dem Schmerz einen Glorienschein des wirklichen oder des geistigen Märtyriums in dem Gedanken des „Mitleidens mit Christus". Spartaner, Japaner, vor allem das Preußentum bildeten durch Erziehung eine soldatische Haltung heraus, dis dem Schmerz wenig zugänglich ist. Während aber diese Methode den Schmerz durch den Willen zu bezwingen sucht oder durch einen tief in der
Stube der Erinnerungen.
Von Theodor Engelmann.
Hier erzählt ein weitgereister Mann — der u. a. mit dem Dichter von „Volk ohne Raum", Hans Grimm, in jungen Jahren zusammen im gleichen Kontor in Südafrika gearbeitet hat — von den Erlebnissen und Erinnerungen, die sich mit den Raritäten in seinem Heim verbinden.
Wenn die naßkalten Wintertage da sind mit Nebel und grauverhängtem Himmel, dann sehnt man sich nach der Wärme und Helle des Südens. Den Frühling freilich möchte man nirgends anders als in Deutschland verleben, aber die übrige Zeit hindurch ist für den, der lange in südlichen Ländern gelebt, immer ein Heimweh nahe nach der Helle und Weite jener Länder und der Ursprünglichkeit ihrer Menschen und Lebensformen.
Wird das Fernweh gar zu mächtig, dann flüchte ich mich wohl in meine ,Stube der Erinnerung^. Dort sind allerhand Andenken an fremde Länder und ferne Zeiten aufbewahrt, und sie erzählen mir mancherlei von lieben Erinnerungen und alten Bildern, ,die längst ich vergessen geglaubl.. /
Wild und kriegerisch drohen dort aus der Ecke die scharfgeschliffenen Schwerter, die Bogen und Pfeile der damals noch „wilden" Völker im Innersten Afrikas, — selbstgefertigte Waffen jenes Nomadenstammes, der von Milch und Blut lebte: Milch — von den Herden, die sie mit sich treiben, Blut — das sie den erlegten Jagdtieren trinkend entnehmen. Den schönsten doppel-spießigen Wurfspeer hatte ich einem alten Häuptling abgekauft, dem der Silberglanz meiner neuen Rupiethaler in die gelb- gierigen Augen stach. Dann aber reute ihn der Handel, und ich sehe ihn noch, wie er bittend wie ein Kind hinter mir herrief: „Herr, gib mir meinen schönen Speer zurück!" Doch mein Kanoe war schon zu weit vom Ufer entfernt
Hier diese schöne, handgewebte Decke mit den Hakenkreuzen sei doch gewiß deutsches Erzeugnis aus jüngster Zeit, meinen meist die Besucher. In Wirklichkeit habe ich sie aus dem inneren Mexiko mitgebracht zu einer Zeit, wo man bei uns noch kaum an dieses Hakenkreuz dachte; es ist also offenbar das uralte Swastika-Symbol, das vor Zeiten aus asiatischen Ländern nach Mexiko gekommen ist. Schade, daß ich damals nichts von der späteren Bedeutung des Hakenkreuzes ahnte, — ich hätte wohl Wertvolles über die Herkunft der Decke und der Zeichen erfahren können!
Zur Teestunde mache ich mir zuweilen das Vergnügen, den südamerikanischen Mat6 nach echter Gaucho-Art aus der Bombilla zu schlürfen, jenem kleinen Kürbisgefäß mit dem versilberten Saugrohr. In primitiver Technik ist darauf das Bild eines kleinen Ranchos mit Frau und Kindern gezeichnet, davor hoch zu Pferd der mit Lasso und mächtigen Sporen bewehrte Gaucho und daneben das Kamp- Feuer, an dem der obligate Asado (Spießbraten) *brobelt. Noch habe ich den kräftigen Fettgeruch da- von in der Nase, unb es oerbinbet sich damit bie Erinnerung an jene unvergeßlichen Tage und Nächte, die man in den weiten, einsamen Pampas Argentiniens jugendfroh und sorglos verbracht hat.
Das kleine Aquarell über dem Schreibtisch birgt eine Fülle hübscher und interessanter Erinnerungen in sich: es ist ein Bild jenes Farmhauses in Südafrika, wo Hans Grimm, der Dichter von „Volk ohne Raum", lebte, damals noch Kaufmann und nicht wissend, daß er dieses bescheidene Fleckchen Erde einmal dichterisch verewigen werde. Wundervoll waren die Stunden, die wir, beide noch jung, dort in der sonnigen Weite des afrikanischen Veldts und an dem nahen Strande des Indischen Ozeans verlebten, und so klar und nahe ist die Erinnerung, daß ich es kaum fassen kann, sehe ich die Jahreszahl auf dem Bildchen: 1904, — also einunddreißig Jahre zurück!
Auch jener arabische Gebetsteppich mit den seltsam verblaßten Farben hat seine Geschichte. An einem kleinen Hafenplatz des Orients hatte unser Schiff angelegt, — nur für einen ganz kurzen Aufenthalt. Aber es war so viel an Land zu sehen und zu kaufen, daß man sich verspätet hatte und schon die bekannten drei Warnungspfiffe des zur Abfahrt klaren Schiffes vernahm. Gerade in diesem Augenblick muß ein arabischer Händler erscheinen und geheimnisvoll im dunklen Winkel des Basars einen herrlichen Teppich zu lächerlich niedrigem Preise anbieten. Zum Handeln und Prüfen ist keine Zeit mehr, der Kapitän wartet und versteht in dem Punkte keinen Spaß! So kaufe ich rasch das Stuck und bringe es triumphierend ob des Kaufglücks an Bord, es dort meinen Freunden vorlegend. „Drehen Sie mal den Teppich rum", meint da ein alter Oft- afienfahrer, und grinsend weist er mir die Marke „Made in Germany“ vor.
Seit dieser Erfahrung traue ich auch dem indianischen Tuche dort auf dem Rauchtisch nicht mehr so recht. Es wurde mir zwar in Kanada als echte Ein- geborenenarbeit verkauft, aber man hat mit der Zeit auf Reifen so allerlei gesehen und erlebt, was einen etwas mißtrauisch werden läßt. So erinnere ich mich, eimtral einen Hamburger Geschäftsmann ge
troffen zu haben, der in „Curios" reifte. In einem Dutzend mächtiger Koffer führte er Muster von Kuriositäten aller Art und Preislage mit sich: Götzenbilder aus dem Osten mit wahlweise bösen, freundlichen oder neutralen Gesichtern; Waffen und Kriegs- trophäen aus Zentralafrika mit oder ohne Blut- spuren und Menschenhaaren; Schmuckstücke aus der Südsee, zu jedem Wohnungsstile passend, und andere courante Sortimente von „Exotica", alles garantiert wahrheitsgetreu in Deutschland angefertigt, bei Dutzendorders billiger! —
Gleichfalls deutschen Ursprungs, aber keine wertlosen Fälschungen, sind jene Schnitzereien auf dem Schranke dort: Arbeiten, die in den düsteren Baracken der Kriegsgefangenenlager unseligen Angedenkens entstanden sind, oft nur mit einem alten Seemannsmesser als Werkzeug. Hübsch ist die einfache Form und Farbgebung, und man kann danach gut verstehen, daß mit der Zeit wahre Kunstwerke handgewerblicher Art in diesen Werkstätten hinter feindlichem Stacheldraht geschaffen wurden, die von kriegsgefangenen Künstlern stammten und in der ganzen Welt Zeugnis davon ablegten, was die Deutschen selbst im Elend der Gefangenschaft hervorzubringen fähig waren. Uns selbst aber, die wir ihre Leidensgefährten waren, sind diese Stücke wertvolle Erinnerungen an die freundlichere Seite jener Stacheldrahtjahre.
Von diesen Kriegsgefangenenlagern bis zur Felsen- infel St. Helena, wo der Franzosenkaiser Napoleon Bonaparte als Gefangener lebte und starb, ist gedanklich fein allzugroßer Sprung. Jenes kleine, vergilbte Bild wahrt die Erinnerung an die erste Begräbnisstätte des Kaisers auf der Insel; sie zeigt noch die beiden französischen Leibgardisten, die Wache an dem Grabe halten. Später sind die Gebeine Bonapartes bekanntlich nach Paris übergeführt worden...
„In welchem Erdteil bist du denn?" — das Telephon hat geklingelt — ertönt jetzt eine Stimme aus dem Wohnzimmer und bringt mich rasch zurück in die deutsche Wirklichkeit.
pof und pafachon zum letzten Mal.
Wir hatten geglaubt, die auch bei uns zu verblüffender Volkstümlichkeit gelangten Gestalten der Herren Carl Schenstroem und Harald Mad - s e n aus Kopenhagen seien bereits für immer von der Leinwand verschwunden; mit Nichten: sie erscheinen noch einmal, in ihrem letzten Tonfilm, wie das Programm verkündet, und „schlagen sich durch". (Produktion: Paladium, Kopenhagen, Regie: Lau Lauritzen.) Pat und Patachon, der
lange Große und der kleine Dicke, in einem Mäd« chenpensionat, auf einem Segelschiff, hinter den Kulissen einer Wanderschmiere. Was sie da treiben, ist konzentrierter Blödsinn, man kann es nicht anders nennen. Die ältesten Effekte der amerikanischen Groteske, der Watschelschritt Charly Chaplins feiern aufs neue ungeahnte Triumphe. Und »es ist beispielsweise erstaunlich, welcher Wirkungen, von andern Dingen zu schweigen, die volle Ladung eines Wasserschlauches fähig ist. Auf dem Schiff haben sie eine Szene, die man „Steuermannslied und Ma- trosenchor" nennen könnte, und die tatsächlich unwiderstehlich zum Lachen reizt. Weniger erheiternd, vielmehr etwas nachdenklich stimmt die Feststellung, daß das Haus weit besser besucht ist als in manchem guten deutschen Film. Und die Leute lachen nicht bloß, sondern sie schreien vor Vergnügen; eg scheinen also weitere kritische Betrachtungen über Pat und Patachon überflüssig zu sein. — Im Beiprogramm bringt das Lichtspielhaus die neue Wochenschau und die „Die Abenteuer der Biene Maja" nach dem bekannten Roman von Bons« e l s, ein Film, dessen Mikrophotographie unendliche Geduld und Routine der Kameraleute erfordert haben muß.
Zeitschriften.
In der Februarnummer von WestermannS Monatsheften unternimmt Herbert von Reyl- Hanisch den Versuch, malerischen Ausdruck zu fin« den für Gefühle und Zustände der menschlichen Seele. An acht farbigen Aquarellen zeigt der Künstler feine Gedanken, ohne sich anderer Vorbilder zu bedienen, als derer der Landschaft. Besonderes Interesse wird in gleichem Heft ein Bericht von seltsamen und seltenen Meeresbewohnern, von dem Direktor der Staat!. Biologischen Anstalt auf Helgoland, Prof. Dr. Arthur Hagmeier, finden. Aufnahmen von F Schensky geben Kunde von dem sonst dem menschlichen Auge verschlossenen phantastischen Leben am Meeresgrund. Eine Novelle zum 250. Geburtstage Georg Friedrich Händels „Der große Bär" von Kurt Arnold Findeisen, schildert die Begegnung Händels mit Friedemann Bach. Dr. h. c. Hugo Jbscher berichtet vom Schicksal der wichtigsten Papyrusfunde und von ihrer Erschließung. Urbayerisches von einer fröhlichen Schi-Fastnacht unter lauter „Zünftigen" schildert mit vielen bunten Zeichnungen Rotraut Hinderks-Kutscher. Erwähnt sei noch der Beitrag von Dr. Hellmuth San« genbucher „Kulturbesitz des deutschen Volkes", in dem der Verfasser eine Ueberschau auf die Neuerscheinungen der Literatur gibt, die unvergänglichen deutschen Kulturbesitz der Gegenwart nahe bringen
c
in £ as d- :r-
er V'b
ie V l- i» d, e-
- R. in le sch nd fein nd en eil n. u- ge er i -- er he ib r- m er zu
d
r


