Fest zugestellt. Der Absender kann den Text der Glückwunschtelegramme entweder beliebig fassen, oder im Verkehr mit einigen Ueberseeländern und mit Schiffen in See über die Küstenfunkstellen oder Vereinigten Staaten von Amerika den gewünschten Text unter einer größeren Zahl von feststehenden Textfassungen auswählen und dabei bestimmen, in welcher der zugelassenen Sprachen (deutsch, englisch, spanisch usw.) das Telegramm für den Empfänger ausgefertigt werden soll. Schmuckblattausfertigung ist möglich, soweit das Bestimmungsland Schmuckblattausfertigung eingeführt hat. Die Gebühren betragen etwa die Hälfte bis ein Drittel der vollen Sätze. Nach Nordamerika und Mexiko sind in diesem Jahre zum ersten Male auch verbilligte Glückwunschtelegramme mit beliebig abgefaßtem Text zugelassen. Ueber Einzelheiten geben die Telegrammannahmestellen Auskunft.
Vermittlung landwirtschaftlicher Wanderarbeiter für das Jahr 1936.
Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsver- inittlung und Arbeitslosenversicherung teilt im Einvernehmen mit dem Reichsnährstand folgendes mit:
Die Vermittlung landwirtschaftlicher Wanderarbeiter wird in diesem Jahre durch die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung planmäßig vorbereitet, um Bedarf und Angebot an Arbeitskräften der Arbeitslage und den örtlichen Verhältnissen anzupassen.
Eine eigene Werbung von Wanderarbeitern durch Beauftragte der Betriebe oder sonstige Personen ist nicht gestattet. Auch diejenigen Bauern und Landwirte, welche dieselben Wanderarbeiter, die sie in diesem Jahre beschäftigt haben, für die nächste Saison wieder einstellen wollen, haben dem zuständigen Arbeitsamt einen entsprechenden Auftrag zu erteilen. In den Aufträgen sind diese Arbeitskräfte namentlich zu benennen.
Da das Angebot an landwirtschaftlichen Wanderarbeitern 1936 geringer als in diesem Jahre sein wird, ist es unbedingt notwendig, daß alle Bauern und Landwirte ihre Aufträge auf auswärtige Wanderarbeiter auf das äußerste Maß beschränken. Zunächst muß unter allen Umständen versucht werden, den Bedarf an Arbeitskräften unter Inanspruchnahme der Arbeitsämter aus der näheren Umgebung der Betriebe zu decken.
Jeder Auftrag an das Arbeitsamt wird hinsichtlich der arbeitseinsatzmäßigen Notwendigkeit durch die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und den Reichsnährstand vor- geprüft.
Bei der Auftragserteilung ist zu beachten, daß Gruppen, die nur aus Mädchen bestehen, keinesfalls gestellt werden können. Den einzelnen Gruppen werden notgedrungen in größerer Zahl Burschen, zum Teil auch verheiratete Landarbeiter beigegeben werden müssen.
Der unbedingt notwendige Bedarf an auswärtigen Wanderarbeitskräften ist bis zum 10. Dezember 1935 beim zuständigen Arbeitsamt unter Verwendung der dort erhältlichen Vordrucke zu beantragen. Spätere Anforderungen können nicht berücksichtigt werden.
Hierzu teilt der Präsident des Landesarbeitsamts Hessen mit: Auf Grund einer Neueinteilung der Anwerbegebiete können vom Frühjahr 1936 ab den Betriebsführern im Landesarbeitsamtsbezirk Hessen weder Hultschiner Mädchen, noch Wanderarbeiter aus Schlesien oder aus dem Bayerischen Wald zugewiesen werden. Es wird deshalb den Betriebsführern dringend empfohlen, ihren Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeitskräften soweit als möglich durch Einstellung von Landarbeiterfamilien oder durch Beschäftigung von Landhelfergruppen zu decken. Ueber alle Einzelheiten gibt das zuständige Arbeitsamt Auskunft.
Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnasiums Gießen.
Man berichtet uns: Wenn die „Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnasiums Gießen" nur auf ein gemütliches Beisammensein 'und einen mehr oder weniger sentimentalen Austausch von Jugenderinnerungen hinausliefe, hätte sie heute keine Berechtigung mehr. Aber sie hat Berechtigung; denn im Hintergrund steht ein sehr ernster Aufbauwille und eine verwirklichte Aufbauarbeit.
In froher Erwartung waren ehemalige Angehörige des Realgymnasiums, die Jugendwalter, Lehrer und Schüler der zwei oberen Klassen am Abend des 30. November zur Hauptversammlung der Vereinigung erschienen. In der Begrüßungsansprache hob der zweite Vorsitzende der Vereinigung, Rechtsanwalt Dr. Möller, Wesen und Wirken der Der-
Hessensriedhöfe in Südbelgien.
Kameradschastsabend der Kriegerkameradschast von 1814.
Im Mittelpunkt des Dezember-Kameradschaftsabends der Kriegerkameraschaft von 1874, der am gestrigen Dienstag im Caf6 Ebel abgehalten wurde, stand ein Vortrag über „Die Hessen- sriedhöfe in Südbelgien". Eingangs des Abends gedachte der Kameradschaftsführer, Landgerichtsrat Trümpert, der in der letzten Zeit verstorbenen Kameraden Metzgermeister Klein, Oberforstmeister Schneider und Geheimrat G i s e v i u s, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Mit besonderer Freude sprach er dann dem Kameraden Sanitätsrat Dr. Schliephake zu seinem 75. Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche aus und widmete dem edlen Menschenfreund und treuen Kameraden warme Dankesworte. Eine vorgelesene Verfügung des Chefs des Stabes der Obersten SA.- Führung Lutze vom 22. November dieses Jahres regelt die Frage der SAL.
Nach weiteren geschäftlichen Mitteilungen widmete Kameradschaftssiihrer Trümpert durch einen Vortrag Über „H e s s e n f r i e d h ö f e in S ü d b e l g i e n" den Gefallenen der hessischen Regimenter vom 22. August 1914 Worte ernsten Gedenkens, um dadurch das Verständnis für die Notwendigkeit der Pflege und Unterhaltung ihrer Gräber erneut zu wecken. Zwei Millionen Deutsche find während des Weltkrieges gefallen, mehr als eine Million schlafen in Frankreich. und Belgien den letzten Schlaf. Derjenige, der sein Leben für die Erhaltung des Vaterlandes gab, hat ein Anrecht auf eine treue und gute Pflege feiner letzten Heimstatt. Für ein Volk ist das eine Frage der Ehre.
Zu den Friedhöfen, die seit Kriegsende von deutscher Pflege unberührt geblieben sind, gehören jene, auf denen die 1100 Toten der hessischen Division ruhen, die am 22. August 1914 bei Anloy- Maissin gefallen sind. Mit wenig Ausnahmen sind die Gefallenen des 22. August 1914 auf den Friedhöfen bei Anloy-Maissin beigesetzt, nämlich 175 vom Leibgarde-Regiment, 348 vom Infanterie- Regiment Nr. 116, 113 vom Infanterie-Regiment Nr. 117 und 316 vom Infanterie-Regiment Nr. 118. Die Kämpfer wurden meist da zur Ruhe gebettet, wo sie gefallen waren. So entstanden zahlreiche Einzelgräber, die weithin über das ganze Kampfgelände verstreut waren. Lediglich in der Nähe von Maissin und an dem Weg nach Redu wurden kleine Friedhöfe geschaffen. Später entstand die Vereinigung in größere Friedhöfe, die in Südbelgien den Charakter von gemischten Friedhöfen erhielten, da deutsche und französische Soldaten zusammenliegen. Am 16. und 17. Juni 1918 wurden die Friedhöfe in Anwesenheit von Abgeordneten der Truppenteile der 25. Infanterie-Division eingeweiht.
Lange Jahre hindurch war das Schicksal der Friedhöfe ungewiß, bis vor kurzer Zeit die endgültige Entscheidung folgte. Die in ganz Südbelgien in der Kriegszeit entstandenen Friedhofsanlagen legten Zeugnis ab von bester deutscher Friedhofskunst, die durch ihre innere Geschlossenheit und ihre einfache, aber doch wuchtige Monumentalität eindringlich auf den Besucher wirkten, so daß selbst die Franzosen ihre Anerkennung rückhaltlos zugeben. Die Ehrenstätten von A n l o y und Maissin hinterlassen in ihrer herben und schlichten Schönheit einen guten und reinen Zusammenklang mit der Natur. Ihr Anblick weckt neben dem Gefühl der besonderen Ehrfurcht vor der Größe des Opfers die Erkenntnis, daß gerade
diese Gräber der besonderen Pflege würdig und bedürftig sind. Denn es sind Ehrenstätten, die von den Angehörigen der hessischen Regimenter zu erhalten und zu pflegen sein werden, solange der Tag von Anloy und Maissin seine außerordentliche Bedeutung behält. Es muh alles getan werden, um gerade diese Friedhöfe in Patenschaft zu nehmen.
Die vier Friedhöfe bei Anloy und Maissin, auf denen die Helden der 25. Hessischen Division» ruhen, sind der Waldsriedhos und der Heidefriedhof bei Anloy, der Terrassenfriedhof und der Rundbaufriedhof bei Maissin. Der Waldfriedhof weist heute die Gräber von 111 Deutschen und 147 Franzosen auf. Mehr als die Hälfte der Gräber trägt die Regimentsnummer J.-R. 116 (1. Batl. 116), andere die der R.-J.-R. 28 und 68 und des Pionier-Batls. 21. Auf dem Heidefriedhof ruhen jetzt 842 deutsche und 411 französische Soldaten. 277 der deutschen stammen vornehmlich vom II. und III. Bataillon I. - R. 116, 102 Kameraden vom Leibgarde-J.-R. Nr. 115. Aus dem Terrassenfriedhof Maissin-Tran- sine, der viele Kameradengräber mit sechs und acht Kameraden aufweist, überwiegt die Zahl der deutschen Toten (329). Es ruhen hier sieben Kameraden vom Leibgarde-J.-R. 115, unter ihnen der Regiments - Kommandeur, Oberstleutnant v. Oven; 41 Kameraden vom J.-R. 117 und 121 vom J.-R. 118, außerdem Angehörige der R.-J.-R. 17 und 30 Auf dem Rundbaufriedhof Maissin-National sind 3281 Franzosen und 429 Deutsche zur letzten Ruhe gebettet. Es sind dies 65 Kameraden vom J.-R. 115, drei vom J.-R. 116, 63 vom J.-R. 117 und 182 vom J.R 118. Angesichts feiner besonderen Bedeutung (3281 Gefallene) ist er von den Franzosen zum Nationalfriedhof erklärt und feit der Errichtung eines alten bretonischen Steinkreuzes im Jahre 1932 auch Wallfahrtsort der Franzosen.
Für diese Gräber zu sorgen sollte Aerzenspslicht jedes Deutschen fein. In den Patenschaften im Volksbund findet er die Möglichkeit dazu, damit das Wort wahr bleibe: Wer für fein Vaterland gefallen ist, der ist nicht tot, nur fern; tot ist, wer vergessen!
Kreisschießwart Albin Klein übergab sodann der Schießgruppe eine Auszeichnung des Landesschießmeisters Oberst a. D. F e st für den 5. Platz im Kleinkaliberverbandsschießen der Landesgruppe und den Einzelschüßen Willi Schilling jr. mit 152 Ringen an 4. Stelle, Heinrich A p p e l mit 152 Ringen an 5., Willi Georg mit 137 an 57., Georg Schilling sen. mit 135 an 65. und H e i n b a ch mit 134 Ringen an 70. Stelle im Einzelwettschie- ßen der Landesliste je eine Sonderurkunde. Dabei verwies er auf die besondere Pflege, die dem Schießsport in Zukunft zugewendet werden soll.
Am Donnerstag, 12. Dez., findet im Schützenhaus das Zimmerstutzenschießen für das Winterhilfswerk statt, bei dem Urkunde und Preise ausgeschossen werden. Reger Besuch, auch der Frauen, ist notwendig um einen besonderen Betrag für das WHW. zu erzielen. Anfang Januar läuft der für alle Gießener zugängliche Film „Im gleichen Schritt und Tritt", zu dem auch die Landbevölkerung aufgefordert wird. Am 11. Januar feiert die Kameradschaft das 62 Stiftungsfest durch ein Festkonzert des SA.-Musikzuges unter Leitung von Musikzugführer Herrmann.
einigung hervor und gedachte in ehrenden Worten der Jugendwalter, des Direktors und der Lehrerschaft der Anstalt und ihrer ersprießlichen Zusammenarbeit zum Segen für Volk und Vaterland. Den Geschäftsbericht der 413 Mitglieder zählenden Vereinigung erstattete Oberstudienrat Seiler. Nach der Ehrung der im letzten Jahre verstorbenen acht Mitglieder dankte er im Namen der Schule mit herzlichen Worten für die altbewährte, treue und tatkräftige Hilfe der Vereinigung. Die alten Freunde hatten, wie seither, die Anschaffung wichtiger und wertvoller Werke für die Schülerbücherei, namentlich solcher Bücher, die den Geist des neuen Deutschlands atmen, ermöglicht, und neben dieser geistigsittlichen und weltanschaulichen Betreuung der Schüler hatten die alten Freunde, beseelt von dem Ganzheitsgedanken der neudeutschen Erziehung, der leiblichen und soldatischen Ertüchtigung der Jugend gedient dadurch, daß sie für die allwöchentlichen Schießübungen der Oberklassen ein Sportgewehr stifteten. Der Kassenbericht, den Oberstudienrat Seiler für
den verhinderten verdienten Schatzmeister der Vereinigung, Studienrat Scharmann, verlas, und den Kaufmann Fuhr und Fabrikant K r e u« der für richtig befanden, zeigte ein sehr günstiges Ergebnis. Auf einhelligen Beschluß der Versammlung wurde von der Vereinigung ein den Kassenverhältnissen entsprechender Betrag dem Winterhilfswerk überwiesen.
Im Mittelpunkt des Abends stand der Lichtbildervortrag eines Inders, des Herrn Pratap K a m b a a aus Bombay, der ein guter Freund Deutschlands und ein Verehrer unseres Führers ist, über Indien, feine Stellung zu England und seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland. Die Ausführungen dieses im schwersten Kampfe um sein Volkstum stehenden, bis ins Innerste aufgewühlten Menschen wirkten ungemein stark und nachhaltig. Dabei vermittelte er der gespannt lauschenden Zuhörerschaft eine Fülle von Kenntnissen und befonbers auch geschichtlichen und geistigen Erkenntnissen über das so wenig als „Märchenland" zu bezeichnende Indien,
— ob er nun einleitend von der Jahrtausende alten Kultur seines Landes sprach, oder von der Politik der Engländer, oder von dem Kampf Indiens um die Freiheit des Landes, nachdem es so schmählich in Versailles betrogen worden war. Er ließ aus seinen Darlegungen die schicksalschweren Folgen er- stehen, die ein hochentwickeltes arisches Volk erleidet, das tiefsinnig, aber tatenlos den Erscheinungen des Daseins gegenüber steht, dabei über der immer mehr vertieften Beschäftigung mit Dingen feingeistiger Art die naturgegebenen Gesetze von Blut und Rasse übersieht, der Rassenmischung unterliegt und ewige Knechtschaft oder schwerste Kämpfe um feinen Bestand als furchtbares Verhängnis herabbeschwört. In eindrucksvollen Bildern zeigte er die Methode der Engländer und legte zum Schluß dar, daß Deutschland nur deshalb mit dem an Rohstoffen so reichen und mit seinen 350 Millionen so aufnahme- bereiten Indien nicht in nähere wirtschaftliche Beziehungen treten kann, weil in dem von Juden beeinflußten England eine verleumderische Hetz- und Lügenpropaganda betrieben wird.
Dr. Möller dankte dem Redner für seine lichtvollen, von stärkstem Beifall aufgenommenen Ausführungen, verglich den Freiheitskclmpf Gandhis für Indien mit dem Freiheitskampf Adolf Hitlers für Deutschland und schloß mit einem Sieg-Heil auf den Führer. Das Schülerorchester des Realgymnasiums mit feinen Darbietungen, verschiedene Gedicht- und Gesangsvorträge der Schüler Schmulbach la, Woelke 2a und Niebsch 3a trugen sehr dazu bei, den schönen Abend abwechslungsreich, genußreich und erinnerungsreich zu gestalten.
Mitgliederversammlung der oberhessischen evangelischen Frauenhilfe. Im Cafe Leib zu Gießen fand am gestrigen Dienstag die Hauptversammlung der oberhessischen evangelischen Frauenhilfe, gut besucht aus allen Teilen der Propstei, statt. Nach dem Lied „Macht hoch die Tür" begrüßte die Vorsitzende, Frau Heraeus die Versammlung und stellte mit Freude und Dank fest, daß der Bestand der Frauenhilfe in Nassau-Hessen im letzten Jahre unversehrt geblieben ist.
Fräulein Wahrendorf gab als Geschäftsführerin den Jahresbericht. Im Reichsmütterdienst konnte der Mütterdienst der Evangelischen Frauenhilfe ungestört in seiner Art sich betätigen. Der Landesverband Nassau-Hessen ist im Austausch der beiderseitigen Kräfte sich nähergekommen. Alle Versammlungen waren sehr gut besucht, z. T. überfüllt. Die verschiedenen Arbeitstagungen und Freizeiten hatten guten Zuspruch. Der Hirschpark mußte als Erholungsheim aufgegeben werden. Die Zahl der Frauenhilfen beträgt jetzt 279 mit 40 000 Mitgliedern, die Arbeit geht allenthalben mehr aus der Oberfläche in die Tiefe (Bibelarbeit). Die Verbindung mit den befreundeten evangelischen Organisationen blieb aufrechterhalten. Das Bedürfnis nach Liederbuch und Abzeichen blieb rege. Die ordentliche Einnahme betrug 24 975 RM., die ordentliche Ausgabe 23 006 RM. Das Vermögen von 5414 RM. bildet einen guten Baustein für die Erweiterung des Verbandsheims in Nieder-Ramsiadt. Für Müttererholung konnte der Verband einen ansehnlichen Betrag zur Verfügung stellen. Die Vorsitzende erinnerte an die ausgegebenen Wunschzettel für die Erweiterung des Erholungsheimes.
Sodann hielt Pfarrer Weinberger (Darmstadt) einen Vortrag über: „Luther, was er war und was er wollte". Der Redner führte etwa aus: Die Frage nach Luther ist heute nicht nur in der Kirchs wieder lebendig geworden. Luther war mehr als Vorkämpfer der Gewissensfreiheit, als Schöpfer deutscher Sprache, als der nationale Held nordischen Geistes (Rosenberg). Am Lutherbaum wollen auch die tragenden Wurzeln gesehen fein Wir brauchen heute eine radikale Lutherschau, die zum Wesentlichen hinabstößt. Der Allerweltsluther ist schuld an der Verwirrung im geistigen Ringen. Wer den Luther des Rechtfertigungsglaubens der Bibel nicht will, verfälscht ihn. Luther war einer der wenigen, die den heiligen Gott und den sündigen Menschen ganz ernst nenommen. Sein Versuch, vom Menschen aus die Brücke zu schlagen, scheiterte, da Gott sie in Christus gebaut durch die Balken seines Kreuzes. Glauben heißt, es wagen, über diese Brücke zu schreiten. „Zurück zu Luther" heißt heute „vorwärts mit Luther". Unsere Sorge muß sein, daß heute keine Begriffsverwässerung eintritt bei dem, was
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Nicht müde werden, Annelies!
Vornan von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin.
1. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Um Gottes willen! Daß Günter die nicht mag, ist wahrhaftig kein Wunder."
„Erlaube mal! Wieso denn?", fuhr Frau Eugenie jetzt aus ihrer stummen Zurückhaltung auf. „Wenn du schon zugibst, in solchen Fragen nicht zuständig zu sein, so sage wenigstens, was du gegen das Mädchen einzuwenden hast!"
„Diese steife, hölzerne Puppe! Die hat ja das reine Fischblut in den Adern. Das ist bestimntt nichts für einen Menschen wie Günter."
„Da bin ich allerdings anderer Ansicht. Dor allen Dingen aber hat Irmgard Geld, schweres Geld, und das dürfte jedenfalls nicht zu verachten fein."
„Stimmt! Aber das macht den Braten auch nicht verlockender, wenn man nun einmal keinen Appetit hat. Ich kann es dem Jungen jedenfalls nicht verdenken, daß er darauf verzichtet, ein ganzes Leben an der Seite einer solchen Frau zu oer- br Ingen und dabei schließlich selber zu Eis zu ge- fri^ren. In wen hat er sich denn übrigens ver-
Frau Eugenie schwieg wieder.
„In Annelies!" antwortete der Senator an ihrer Stelle.
Ueber des Onkels Gesicht zog bei diesen Worten ein vergnügtes Schmunzeln.
„Das habe ich mir gedacht!" erklärte er mit offenkundiger Genugtuung und Befriedigung.
„So? Uns kam es ziemlich überraschend. Annelies ist zweifellos ein liebes Mädel. Die beiden sind zusammen ausgewachsen und haben sich immer gut verstanden, aber an die Möglichkeit einer Heirat haben wir natürlich nie gedacht."
„Tja? Es kommt eben manchmal anders, als man gedacht hat. Ich gönne dem Jungen das Mädel jedenfalls von ganzem Herzen."
„Aber sie hat doch nichts!" warf Frau Eugenie wieder ein „Rein gar nichts. Nicht mal eine standesgemäße Ausstattung. Das bißchen altes Gerümpel von der Mutter her kommt gar nicht in Frage."
Korbinian Sartorius ließ die Hand durch die Luft gleiten und sah aus halb geschlossenen Augen auf seine Zigarre herab.
„Was das anbetrifft ...", sagte er langsam. „Es wäre ja nicht der erste Fall, daß ein wohlhabender junger Mann ein armes Mädchen freit. Man hat ja Beispiele ..."
Frau Eugenie fuhr mit einem Ruck herum. Ihr Gesicht hatte sich mit einer dunklen Röte übergossen.
„Soll das vielleicht eine Anspielung fein?" erregte sie sich heftig.
Diese Vermutung war nicht ganz unbegründet, denn Eugenie Sartorius hatte in der Tat auch kein Vermögen eingebracht. Als Tochter eines hochstehenden, aber vermögenslosen Regierungsbeamten hatte sie, da noch mehr Kinder vorhanden gewesen waren, nur eine bescheidene Aussteuer bekommen können. Aber Onkel Korbinian schien ganz harmlos. Er sah sie erstaunt an.
„Wie denn? Ach so ...! Daran habe ich natürlich wirklich nicht gedacht. Aber da wir nun einmal davon sprechen: Sieh mal, es hat dir doch niemand jemals einen Vorwurf gemacht, daß du kein Vermögen gehabt hast — nicht wahr? Es wäre ja auch ebenso geschmacklos wie ungerecht gewesen, wenn man es hätte tun wollen. Und die Firma ist deswegen nicht pleite gegangen. Sie wird auch weiterbestehen, ohne daß Günter gezwungen ist, sich einen Goldfisch zu angeln. So eine kleine Frau wird schon noch mit satt. Und Annelies ist doch in jeder Beziehung anspruchslos und bescheiden. Was die Aussteuer anbetrifft, fo braucht ihr euch wirklich keine Gedanken zu machen — die stiftet der alte Korbinian als Hochzeitsgeschenk. Bei der Gelegenheit will ich auch verraten, daß Annelies sowieso einen Teil meines Vermögens erben wird. Es bleibt also alles hübsch in der Familie, wenn sie Günters Frau wird. Findet euch also ruhig mit der Sachlage ab, auch wenn sie euren Plänen zuwiderläuft. Die Hauptsache ist doch, daß das junge Volk zu seinem Lebensrecht kommt. Und für euch beide wird bestimmt auch ein bißchen Sonnenschein
dabei abfallen. Für mich übrigens auch, wie ich stark hoffe."
Der Senator stimmte ihm sichtlich erleichtert bei. Ihm persönlich war die in der Tat erkältend steife und temperamentlose Irmgard Brunner keineswegs sympathisch. Da war Annelies schon ein anderer Mensch. Man war ja auch an sie gewöhnt, und man mußte das liebe, bescheidene Mädelchen einfach gern haben.
Auch Frau Eugenie war wieder besänftigt. Sie war Annelies, der Tochter ihrer verstorbenen Schwester, im Grunde genommen sehr zugetan. An die Möglichkeit einer Heirat zwischen den beiden jungen Leuten hatte sie allerdings wirklich nicht gedacht, und es war ihr einfach gegen den Strich gegangen, daß ihr Plan durchkreuzt werden sollte. Man hatte sich das so schön gedacht. Aber man konnte die Entwicklung natürlich nicht aufhalten. Es war keine angenehme Aufgabe für sie, Irmgard Brunners Mutter die Aussichtslosigkeit des gemeinsam gehegten Wunsches beizubringen, aber es half nun alles nichts, man mußte sich schon mit den Tatsachen abfinden.
Die hell erleuchtete elektrische Uhr über dem Por- tal der Gewerbeakademie zeigte gerade die neunte Abendstunde an, als Günter Sartorius mit eiligen schritten vorüberkam und dem elterlichen Hause zustrebte. Er sah mit einiger Verwunderung, daß öie beiden mittleren Fenster des ersten Stockwerks erleuchtet waren. Anscheinend hatte man Besuch bekommen. Hoffentlich war es nicht schon wieder diese unausstehliche Frau Brunner mit ihrer noch unausstehlicheren Tochter, liebel konnte es einem m dieser Gesellschaft werden!
Er warf ejnen Blick nach der linken Wohnung iw 8®eiten Stockwerk hinauf. Da war alles dun- keh Annelies war sicher mit unten, und wahrfchein- lid) ließ sich die eingebildete Irmgard Brunner wleoer von ihr bedienen. Es empörte ihn jedesmal aufs neue wenn er sah, wie bas hochmütige Ge- Jopf es daraus anlegte, Annelies wie einen Men- 'chen Zweiten Grades zu behandeln.
Er schloß die Haustür auf. Die Falte über feiner ui enroü5deI verschwand wieder, als er die Diele betrat. Von der Treppe herab kam ein Duft, der feine augenblickliche Mißstimmung mit einem Male wieder verschwinden ließ. Kartoffelpuffer! Die alte Kathrin hatte also Wort gehalten. Immer ein paar
Stufen auf einmal nehmend, sprang er die Treppe hinauf. Er stellte sich im Geiste das Gesicht vor, das Irmgard Brunner machen würde, wenn er ihr sagte: „Gnädiges Fräulein! Soeben habe ich eine Riesenportion Kartoffelpuffer vertilgt! Das ist nämlich mein Leibfutter!" Wie sie die Nase rümpfen würde! Um Gotteswillen — Kartoffelpuffer! Wie gewöhnlich!
Als er die Küche betrat, nahm die alte Kathrin gerade die letzten Puffer vom Herd.
„Na, Kathrin, bin ich nicht auf die Minute pünktlich?" lächelte er.
„Recht fo, junger Herr!" strahlte sie ihn an. „Ich bin eben fertig. Sie sind gerade noch schön knusperig."
„Du bist ein Engel, Kathrin. Und einen Hunger habe ich — wie ein Wolf. Oder wie ein Löwe, wenn du willst!"
Er ließ sich am Küchentisch nieder, auf dem bereits eine Ecke für ihn gedeckt war, und langte zu. Er war zu einer Sitzung gewesen, und da es von vornherein festgestanden hatte, daß er allein würde zu Abend essen müssen, hatte er die Gelegenheit benutzt und sich nach langer Zeit wieder einmal die auch im Hause Sartorius etwas verpönten Kartoffelpuffer bei Kathrin bestellt.
„Was ist denn eigentlich los?" forschte er während des Essens. „Ist Besuch da?"
„Nein — aber .. "
„Was denn — aber?"
Kathrin tat sehr geheimnisvoll.
„Ich habe Herrn Korbinian herunterbitten müssen. Zu einer Besprechung."
„Nanu! So feierlich? Hast du eine Ahnung, was für Staatsgeschäfte da beraten werden sollen?"
Kathrin hob die Schultern, schien aber darauf zu warten, daß er weitersprechen sollte. Doch Günters Gedanken waren schon einen Schritt weitergegangen.
„Ist Annelies mit unten?" forschte er.
„N—nein!"
„Nicht? Oben ist doch alles dunkel."
„3a! — Sie wird wohl noch im Garten sein."
Günter spülte den letzten Bissen mit einem Schluck Kaffee hinunter.
„Im Garten?" zweffelte er. „Um diese Zeit noch?"
(Fortsetzung folgt 1)


