Ausgabe 
4.12.1935
 
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Das Kabinett Laval im Endkampf mii der Kammer.

Stürmischer Auftakt in -er parlamentarischen Aussprache über -ie Kampfbün-e.

Paris, 3. Dez. (DNB.) Die langerwartete Aus­sprache über die Kampfbünde begann vor spärlich besetzten Bänken. Der kommunistische Abgeordnete Ramette brachte Schriftstücke und Zeitungsaus­schnitte vor, die die Gefährlichkeit derFeuerkreuz- ler" und der übrigenfaschistischen Bünde" und die sträfliche Duldsamkeit" der Regierung beweisen soll. Der radikalsozialistische Abgeordnete Rucart warf der Regierung vor, die Bünde trotz wieder­holter Herausforderungen ermutigt zu haben. Die Regierung habe Aufforderungen zum Mord und zu Gewalttaten und Generalproben zum Bürgerkrieg zugelassen. Als der Sprecher einige Fälle aufzählte, in denen angeblich Angreifer gegen politische Persön­lichkeiten nicht zur Verantwortung gezogen worden seien, und als er besonders an die Verletzungen des Abgeordneten Elbel erinnerte, der bei einem solchen Zusammenstoß ein Auge verloren habe, be­mächtigte sich der Kammer steigende Unruhe. Von der linken Seite des Hauses wurde wiederholt der Rücktritt des I u st i z m i n i st e r s gefor­dert. Ministerpräsident Laval erwiderte, daß eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Die Worte des Ministerpräsidenten gingen in dem Lärm unter, der von der linken Seite des Hauses kam. Die Unruhe dauerte fort, als der Justizminister anschließend seine Haltung in den erwähnten Fällen rechtfertigen wollte. Der Kammerpräsident hob schließlich die Sitzung auf. Nach der Sitzungspause setzte Rucart seine Kritik an der Haltung der Regierung fort. Die Verordnung zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung hätte auf Seiten der Bünde nur Lachen hervorgerufen, sie enthalte kein Wort von der privaten Miliz, deren Auflösung schon der Aus­schuß vom 6. Februar verlangt habe.Die Menge vom 14. Juli" (damit ist die Kundgebung der Volks­front an der Bastille gemeint) habe kein Ver­trauen mehr zur Regierung.

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In Frankreich hat der politische Winterfeldzug be­gonnen. Der Bauernsohn aus der Auvergne, der gegenwärtig die französische Politik als Ministerprä­sident führt, Pierre Laval, hat es vermöge seiner Leihen Verhandlungstaktik erreicht, daß die ersten Angriffe der gegnerischen Vorhut zurückgeschlagen wurden. Der Kammersieg, den er in der vergange­nen Woche in der Haushaltsfrage über die Links­parteien davontrug, ist noch in Erinnerung. Aber Laval ist nicht nur ein defensiv eingestellter Mensch, sondern er geht, wenn ihn die Verhältnisse dazu zwingen, auch mutig zur Offensive über. Das zeigt sich jetzt in der zweiten Woche der französischen Par­lamentssession, wo die Kommunisten und die Sozia­listen das schärfere Geschütz gegen die von ihnen so genanntenfaschistischen Verbände" auffahren.

Etwa ein Dutzend Interpellationen hpt die Linke in dieser Frage eingebracht. Aber die Regierung hat ihrerseits dieses heikle Thema heikel deshalb, weil auch die Radikalsozialisten Herriots am liebsten ein Verbot der Rechtsverbände sehen würden bei

den Hörnern gepackt, indem sie auf die taktischen Vorteile verzichtete, die ihr die parlamentarische Geschäftsordnung durch die gleichzeitige Beratung der Verbände und des Haushalts bot. Laval hat schon vor einer Woche in der Kammer erklärt, daß die Regierung nicht eine bloße Bewährungsfrist zu erhalten wünsche, sondern daß sie eine klare Entscheidung herbeiführen wolle. Man darf also gespannt sein, ob die kommende Abstimmung das energische Vorgehen der Regierung rechtfertigen wird.

Einstweilen jedenfalls ist Laval der marxistischen Opposition dadurch zuvorgekommen, daß er sich mit der ununterbrochenen Beratung der Kampfbund­frage einverstanden erklärte. Wenn man überhaupt über bevorstehende Entscheidungen eines so unzu­verlässigen, schwankenden Gremiums, wie es ein Parlament darstellt, im Voraus ein Urteil abgeben will, so muß man nach vorsichtiger Abwägung aller Umstände wohl zu dem Schluß kommen, daß Laval sich auch dieses Mal gegenüber der Meute seiner Widersacher behaupten wird. Auch in Frankreich

glaubt wohl niemand ernstlich an einen Kabinett­sturz. Denn wer sollte die Nachfolge Lavals übernehmen?

Rein zahlenmäßig hat dieVolksfront" die Mehrheit im Parlament. Aber so einig dieses Links­konglomerat im Negativen ist, so uneinig ist es im Positiven. DieFront commun Kommunisten, Marxisten und Radikalsozialisten hat kein ge­meinsames, f e st umrissenes politi­sches Programm. Sie ist daher auch nicht fähig, die Verantwortung für eine neue Staats­führung zu übernehmen. Der von den Kommunisten eifrig geschürte Haß gegen die nationalen Front­kämpferverbände mag daher zu einigen rednerischen Explosionen in der Kammer führen. Doch ist es unwahrscheinlich, daß sich Laval das Gesetz des Handelns entreißen läßt, indem er der Forderung nach Auflösung der Rechtsverbände entspricht. Denn für sehr viele und nicht die schlechtesten Franzosen sind heute die Frontkämpferbünde an ihrer Spitze dasFeuerkreuz"! das Gewissen der Nation.

Günstige Prognose für Laval.

Die pariser presse spürt eine wachsende Entspannung.

Paris, 4. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der Be­ginn der Aussprache über die Kampfbünde hat nach Ansicht der Pariser Presse nicht das gebracht, was die in der Öffentlichkeit seit sechs Monaten stark behandelte Frage versprochen habe. Die Stimmung in der Kammer sei nicht übermäßig nervös geworden. Wenn die Abkühlung der Leidenschaften zugunsten der Regierung Laval spreche, so seien doch unvorhergesehene parlamentarische Zwischen­fälle eine Gefahr. Nach Ansicht desEcho de Paris" liegen die großen Erfolgsaussichten für La­val in der Tatsache, daß man für ihn keinen Er­satzmann wisse.

In derRepublique" äußert sich der Innen­minister des 6. Februar 1934, der Abg. F r o t, ver­hältnismäßig beschwichtigend. Er ist erstaunt dar­über, daß die Führer der Kampfbünde ihrerseits be­ruhigende Versicherungen gegeben hätten, und möchte nun wissen, ob diese ernst gemeint seien, und Ent­spannung bringen könnten oder nur unehrlich ge­meint seien. Frot benutzt diese Gelegenheit, um seinerseits zu versichern, daß die Volksfront kei­nerlei Angriffe vorbereite, sondern nur von dem Willen beseelt sei, die persönliche und die öffentliche Freiheit in dem Maße zu verteidigen, wie sie mit Gewalt bedroht werden würde. Wenn die Feuerkreuzler genau so dächten, dann möge man es deutlich sagen, und auf eine allgemeine Entspannung hinarbeiten. Man möge unver­züglich für die Entwaffnung der politischen Ver­

bände sorgen und die moralische Sicherheit wieder .herstellen.

ImPopulaire" bläst dagegen der Marxisten­führer Leon Blum zum Kampf. Nach seiner An­sicht sei bereits erwiesen, daß die militärähnlichen Einheiten der Faschisten nicht nur bewaffnet seien, sondern auch, daß sie von ihren Waf­fen Gebrauch machen und einen militäri­schen Gewalt st reich planten. Ihre Führer bereiteten einen Anschlag auf die republikanische Staatsform vor. Sie wollten sie mit Gewalt stürzen. Es sei erwiesen, daß der Regierungschef gegen alle von ihm gegenüber der republikanischen Mehrheit übernommenen Verpflichtungen verstoßen habe, und daß seine absichtliche Blindheit oder seine beharrliche Gefälligkeit nichts anderes als mit der Bezeichnung Beihilfe belegt werden könne.

Der Führer der vaterländischen Jugend, Abgeord­neter T a i t t i n g e r, schreibt dagegen: Wann haben denn die Kampfbünde jemals die republikanische Staatsform bedroht? Wann haben sie die Wirt­schaftsform angegriffen? Wann haben sie das Heer und die Fahne geschmäht? Die Kampfbünde wol­len eine saubere Republik und ein sau­beres Parlament, sie wollen ein starkes, ge­achtetes Frankreich. An die Fabel von der Notwen­digkeit einer Verteidigung der Republik glauht niemand. Die Kampfbünde verhindern die Revolu­tion und insofern verteidigen sie die Re­publik.

Eröffnung -es neuen britischen Parlaments.

Die Thronre-e verspricht Behauptung -es alten Kurses. Die Meinung -er Opposition.

London, 3. Dez. Das neue Parlament ist am Dienstagmittag eröffnet worden. Die Thronrede des Königs wurde vom Lordkanzler im Oberhaus verlesen. Sie beginnt mit der Feststellung, daß d i e Beziehungen zu den fremden Mächten nach wie vor freundschaftlich seien. Die. Außenpolitik gründe sich auf eine unzweideu­tige Unterstützung des Völkerbundes. Die Regierung bleibe gewillt, in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern des Völkerbundes die Verpflichtungen der Genfer Satzung zu erfüllen. Insbesondere sei sie entschlossen, zu jeder Zeit ihren Einfluß für die Erhaltung des Friedens geltend zu machen. In Verfolg dieser Politik habe sich die Regierung verpflichtet gesehen, in Zusammenarbeit mit fünfzig Völkerbundsstaaten gewisse Maßnahmen wirtschaftlicher und finanzieller Natur gegen Italien anzuwenden. Weiterhin werde sie auch künftig ihren Einfluß zugunsten eines Friedens ausüben, der für alle drei Par - t e i e n, Italien, Abessinien und den Völkerbund annehmbar sei.

Die Thronrede erwähnt hierauf kurz die dem­nächst in London beginnende Flottenkonfe­renz. Der König vertraue darauf, daß die Arbei­ten der Konferenz von Erfolg gekrönt sein würden. Die Erfüllung der internationalen Verpflichtungen aus den Völkerbundssatzungen ebenso wie der ange­messene Schutz des Britischen Reiches machten es zu einer zwingenden Notwendigkeit, die Mängel in der Landesverteidigung zu beseiti­gen.

Die Thronrede kündigt dann die Fortsetzung der Bemühungen zur Förderung der wirtschaftlichen Erholung. Besondere Aufmerksamkeit werde man den Gebieten schenken, wo die Arbeitslosig­keit am größten sei. Die Vereinheitlichung der Verkaufseinrichtungen des Berg­baues sei ins Auge gefaßt, Gefälle und Schürf­gerechtsame sollten unter staatliche Kontrolle gestellt und die Sicherheitsverhältnisse unter Tage ver­bessert werden. Die Modernisierung des Eisenbahn­wesens soll durch eine Anleihe unter Staatsgarantie eingeleitet werden.

Beginn der Aussprache im Unterhaus.

Wegen der Hoftrauer sind die üblichen prunk­vollen Zeremonien bei der Parlamentseröffnung unterblieben. Bei dem Eröffnungsakt wurde der König durch die königliche Kommission vertreten, deren Führer der Lordkanzler ist. Im Unterhaus wurde dann die Dankadresse an den König von dem neugewählten Abgeordneten Wakefield verlesen. Er ist Fliegerleutnant und bekannter inter­nationaler Rugby-Spieler. Nachdem Wakefield das Beileid der Abgeordneten zum Tode der Schwester des Königs ausgedrückt hatte, erklärte er u. a., die bisher verfolgte Sühnepolitik werde von der über­wältigenden Mehrheit des englischen Volkes unter­stützt. Der Führer der Arbeiteropposition Attlee erklärte, die Opposition lehne die Thronrede des Königs ab. Sie berücksichtige die dringenden außen­politischen Angelegenheiten nur in sehr geringem Maße. Die englische Regierung habe Italien zu gelinde behandelt und in den letzten vier Jahren dauernd zwischen den Völkerbundsgrund­sätzen und imperialistischen Gesichtspunkten ge­schwankt. Die Auffassung, daß ein Plan zur Bei­legung des italienisch-abessinischen Streitfalles auch

für Italien annehmbar sein müsse, sei gesetzwidrig. Der Hauptpunkt in der Thronrede sei natürlich die Aufrüstung. Auch hinter dem geplanten Aus­bau der Luftverbindungen stecke die Absicht einer Verstärkung der Luftaufrüstung.

Ministerpräsident Baldwin

erklärte, in Artikel 8 der Genfer Satzung heiße es, daß die Erhaltung des Friedens die Verminderung der nationalen Rüstungen auf den niedrigsten Stand gebiete, der mit der n a t i o n a l en Sicherheit und der Erhaltung internationaler Verpflichtungen durch gemeinsames Vor­gehen vereinbar sei. Hier stehe nichts davon, daß die Sicherheit eines Landes ausschließlich aus dem internationalen Schutz beruhen solle. Aber als derjenige, der die Verantwortung für das englische Staatsschiff in höchst schwierigen Gewässern trage, werde er keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um den Frieden anstatt den Krieg zu sichern. Wenn der Völkerbund auf Grund der oft erwähnten Bedingungen dem augenblicklichen schrecklichen Streitfall ein Ende bereiten könne, dann werde jeder in Europa, der den Frieden liebe, hierfür dankbar sein. Baldwin erwähnte eine Bemerkung eines Vor­redners über einseitige Aufkündigung von Verträgen und erklärte:Es ist durchaus wahr, daß die Heiligkeit der Verträge geachtet wer­den muß. Das bedeutet aber nicht, daß irgenein gegebener Vertrag nicht abgeändert werden kann, oder daß er für alle Zeiten die Ge­stalt behalten muß, die er heute hat. Aber die Mo­difizierung eines Vertrages ist etwas anderes als eine Aufkündigung' (repuckwtivn). (Bei­fall.) Die einseitige Aufkündigung bedeutet die Herr­schaft der Gewalt. Das Zerreißen eines Vertrages will dcks moderne Europa verhindern. Alle Ereig­nisse dieses Jahres haben dies klar zum Ausdruck gebracht, weil zum Angreiferstaat ein Land erklärt worden ist, mit dem alle Länder Europas auf freundschaftlichem Fuße stehen. England werde jedoch festzustellen versuchen, ob es einen ehren­haften Weg gebe, um diesen Streitfall nach Maß­gabe der Bedingungen zu beenden, die sich den bei­den Parteien und dem Völkerbund nach Prüfung selbst empfehlen

Ser Vorsitzende der Oppositions­liberalen (Sir Archibald Sinclair

nannte den Wahlsieg der Regierung eine Der - trauens? unbgebung für Baldwin. Die Negierung müsse vor einer Rückkehr zur früheren Art des Lavierens gewarnt werden. Von der heute in Regierungskreisen vertretenen Ansicht, man müsse im afrikanischen Krieg eine für d i e drei Parteien (Italien, Abessinien und Völkerbunds annehmbare Regelung erstreben, wollte Sinclair nichts wissen. Ein solches Ergebnis würde keinen der drei Beteiligten befriedigen. Sollte es keinen klaren Sieg der Gerechtigkeit über den Rechtsbrecher geben, dann werde das Ende des abessinischen Krieges die Saat zu neuen Kriegen sein. Ferner erwähnte der Redner noch die Notwendigkeit, die wirtschaftlichen Ursachen von Kriegen auszumerzen, zu denen er besonders die Frage der kolonialen R o h st o f f e rechnet. Er bestritt, daß das Land sich bei den Wahlen zu den Fragen der Aufrüstung

geäußert habe, die Regierung habe nichts bestimmtes über ihre Pläne mitgeteilt.

Der Abänderungsantrag der Arbel- teroppofition zur Antwortadresse auf die Thronrede ist am Dienstagabend von dem neuge­wählten Vollzugsausschuß der Partei erwogen wor­den. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der Abänderungsantrag der Regierung vorwirft, sie habe vor Ausbruch der abessinischen Krise dem Völ­kerbund keine tatkräfti g e Unter st ützung zuteil werden lassen. Der Antrag wird vor­aussichtlich auch Kritik daran üben, daß die Thron­rede keine umfassend en Pläne für die notleidenden Jndustriebezirke und keine deutlichen Vorschläge zur Umänderung der Bedin­gungen für den Bedürftigkeitsnachweis der Arbeits­losen enthalte.

Dr. Hanfstaengis Veleidigungs- klage gegen denDaily Expreß"

London, 3. Dez. (DNB.) Die feit Dezember 1934 schwebende Ehrenbeleidigungsklage des Aus­land s p r e f s e ch e f s der NSDAP. Dr.Ernst Hanfstaengl gegen den bekannten Londo - ner Expreß-Zeitungskonzern Lord Beaverbrooks kam am Freitag, 29. Novem­ber, vor dem englischen Gerichtshof zur Verhand­lung. Schon der erste Verhandlungstag brachte für Dr. Hanfstaengl und seine Privatsekretärin Frau Agathe Hausberger ein mehrstündiges Kreuzverhör, in dessen Verlauf trotz der Versuche von - feiten des gegnerischen Anwalts Sir Patrick Hastings die Stellung des Dr. Hanfstaengl voll­ständig unerschüttert blieb. Eine Reihe unvorhergesehener Wendungen, die die Folge der durchaus sachlichen Einstellung Dr. Hanfstaengis waren, führten bereits am Montagmorgen zum Angebot einer gütlichen Einigung durch den Gegner. Trotz der ausgesprochen gün­stigen Prozeßlage entschloß sich Dr. Hanfstaengl im allgemeinen Interesse zu einem Abbruch des Verfahrens, nachdem die Gegenseite erstens lm offenen Gerichtssaal ihre Beleidigungen zu rückgenommen und ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht und zweitens die lieber» nabme öer gesamten Dr. Hanfstaengl entstande­nen Kosten zugefichert hatte.

Es ei hinzugesügt, daß von.Dr. Hanfftaengl der Gerichtsweg gegen denDaily Erpreß" erst 'dann beschritten worden ist, als sämtliche Bemühungen, die Angelegenheit auf friedlichem Wege beizulegen, felilgeschlagen waren. Die Verteidigung des Dr. Hanniaengls lag in den Händen der berühmten Londoner Anwaltsfirma Kenneth, Brown Baker und des bekannten Kings Council Sergeant ^o n. Wie wir hören, hat seinerzeit' der (5lpre^t bie Meldung eines amerikanischen Blattes über ferne angebliche abfällige Aeußerung des Auslandspressechefs der NSDAP. Dr. Hanf- staengl über eine englische Universität, und zwar n gehässiger Form, wiedergegeben. Durch den Ausgang des Prozesses ist nustmehr klar er­wiesen daß solche Aeußerungen von Dr. Hanf- sta-NKl n t Cf) t g e m a Cf) t wurden, sondern daß der »Daily Expreß zumindest das Opfer einer Täuschung geworden war.

Sicherheit für Japan."

Von unserem N W.-Berichierstatier.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! , Tokio, November 1935.

Die große F l o 11 e n p a r a d e in Tokio nach Beendigung der diesjährigen Manöver vermittelte ein anschauliches Bild von der beträchtlichen Stärke dieser Streitmacht, die der Stolz Japans ist. In der Tat kann man sich dem Eindruck nicht» entziehen, daß sich in den Großkampfschiffen, den schnellen Kreu­zern, den modernen U-Booten, den Torpedoboots­und Zerstörerflottillen und endlich in den Flugzeug­trägern und Flugzeugmutterschiffen eine Kraft zu­sammenballt, diestark genug ist, der Lebens- l i n i e des Kaiserreichs Schutz und Rückhalt zu ver­leihen". Mit dem BegriffLebenslinie" verbindet der Japaner schlechthin dievon der Geschichte Über­tragene Aufgabe, den Frieden im Fernen O st e n sicherzustellen."

Die zu sichernde Friedenszone ist zunächst ein rein strategisch-militärischer Begriff, d. h. inner­halb dieser Zone sollen alle Ängriffsmöglichkeiten auf Japan beseitigt werden. Sie ist ferner ein strate­gisch-wirtschaftlicher Begriff, d. h. Japans Absatz­gebiete und umgekehrt die Versorgung mit Roh­stoffen sollen feindlichem Eingriff entzogen werden. Innerhalb dieser Friedenszone find wieder zwei Fronten zu unterscheiden: die kontinentale Front im Norden und Osten und die pazifi­sche maritime Front im Südosten (Formosa), Süden (äquatoriale Südseemandate), Osten (180. Grad) und im Nordwesten die Aleuten.

Die Friedenszone zeigt gleichzeitig die Stärke der von Japan geforderten Vormachtstellung auf, die sich mehr und 'mehr zu dem Begriff desj apa= nischen Imperiums" verdichtet hat. Japans Gegner sind infolgedessen alle diejenigen Staaten, die den Anspruch Japans alsstabilisierenden Fak­tor in Fernost" (so bezeichnet Japan seine imperia­listischen Ansprüche) nicht gelten lassen wollen. Das sind also Rußland, England und die Ver­einigten Staaten, während China notge­drungen in die Rolle desneutralen Zuschauers gedrängt ist". Die Holländer werden alsauf­merksame, nach den sichersten Gelegenheiten zur Verteidigung ihres Kolonialbesitzes spähende Beob­achter" bezeichnet, ebenso wie die Philippinen, deren Zukunft nach Erreichung derUnabhängig­keit" vorwiegend von wirtschaftlichen Erwägungen bestimmt wird.

Ueber den Ausgang eines Krieges gegen die ver­einigte Front Sowjetrußlands, Englands und Ame­rikas ist kein Zweifel möglich. Darüber werden sich auch diejenigen japanischen Kreise im klaren sein, die von einer unerhörten Reihe siegreicher Kriege sprechen, die allerdings nur gegen Korea, China, gegen ein Teilgebiet des kaiserlichen Rußlands, oder gegen einen nicht vorhandenen Gegner im Welt­krieg geführt wurden. Freilich sorgte die politische Kräfteverteilung im Westen und Osten dafür, daß Japan nach menschlicher Voraussicht einen Krieg gegen seine geeinten Gegner nicht zu befürchten braucht. Es sind bisher auch keine Voraussetzungen für einen vollen Einsatz der militärischen Kräfte Amerikas und Englands gegen Japan gegeben, wie überhaupt das japanische Jnselreich durch politische und geographische Gegebenheiten vom Glück begün­stigt ist.

Was nun den so oft angekündigten Ausbruch von Verwicklungen zwischen Japan und Sowjet­rußland anbelangt, so muß man in Rechnung stellen, daß gegenwärtig beide Teile mehr auf Verteidigung und Sicherung, als auf Angriff und Eroberung bedacht sind. Das lassen schon die Verhandlungen über die Einrichtung von Grenzkommissionen erkennen, die den Zustand eines latenten Waffenstillstandes" andeuten. Aber auf die Dauer verträgt eine Waffenruhe weder den ständig wachsenden Ausbau des sowjetrussischen, das nördliche Mandschukuo umklammernden Si­cherungssystems (das bei gegebener Gelegenheit automatisch offensive Kräfte'auslöst), noch den bei­derseitigen stärkeren Einsatz mobiler diplomatischer Kräfte in Gebieten, die sich bislang als politisches Niemandsland behaupteten. Es handelt sich hier um den unverkennbar anwachsenden Druck Japans und Mandschukuos auf die Innere und Aeußere Mon­golei, der eines Tages dem sowjetrussischen Ge­gendruck nicht mehr ausweichen kann.

In China, der Front des geringsten mili­tärischen Widerstandes, arbeitet Japans Diplomatie und Wehrmacht mit Hochdruck an der Ausgestaltung der FontmenFaTen Sicherungszone. Freilich läßt sich heute noch nicht sagen, ob die zum Einsatz gebrach­ten Mittel zum erwünschten Ziele führen, d. h. zu einer geschlossenen politischen, militärischen und wirt­schaftlichen Einheit beider Länder. Aus dem Wege zu diesem Ziel sind noch viele Hindernisse zu be­seitigen, die durch die Abtrennung der nordwest­lichen Provinzen (Mandschukuo) und durch den im­mer stärkeren Druck auf Nordchina (die japanische Presse spricht von der Bildung eines selbständigen, von Nanking unabhängigen Fünfprovinzenblocks) äußerlich gekennzeichnet find.

Schwerer wiegt noch der Kampf gegen den ver­meintlichen inneren Feind in China, gegen die sog. antljapanische Bewegung, zu deren Be­seitigung, wie die diplomatischen und militärischen Konferenzen noch jüngst lehrten, alle verfügbaren Kräfte geschlossen eingesetzt werden. Es handelt sich hier nicht nur um die Träger der nationalistischen Bewegung in China, also um die Kuomintang und ihre <5onu^?organijationen, sondern auch um diew e st l e r i s ch e n" Einflüsse (in erster Linie England und Amerika), in denen Japan eine Bedrohung seines fernöstlichen Friedens zu erken­nen behauptet. Und endlich wird der Nanking-Re­gierung vorgeworfen, daß sie sich auch in Mos­kau nach Bundesgenossen umsähe, mit deren Hilfe dem Vordringen Japans in Nordchina entgegenge­treten werden solle" Die japanische Presse'beschäf­tigt sich unausgesetzt in langen Berichten ihrer Ver­treter. in China mit diesen nicht immer richtig ge­schilderten Vorgängen und verlangt entschiedene Ab­kehr der Nankinger Zentralregierung von ihrer doppelzüngigen und unaufrichtigen Politik". Es bleibt also eine offene Frage, ob die japanische Sicherungspolitik sich in China durchsetzen kann, ob es gelingt, den vorsichtig zurückhaltenden Chinesen als aktiven Bundesgenossen in den fernöstlichen Block einzugl'edern.

Mit diesen Ueberlegungen geht Japan auf die Flottenkonferenz nach London. Hier wird der Kampf um die Sicher st ellung der ma­ritimen Front weitergeführt, nachdem er mit der Kündigung der Washingtoner Formel im letzten Jahr eingeleitet wurde. Das Ziel Japans ist be­kannt: England und Amerika sollen dem Sicher­heitsverlangen Japans Rechnung tragen und Japan als den maßgebenden und verantwortlichen Faktor in Dftafien anerkennen. Japan will den Frieden in Oftafien garantieren, aber dieser Friede ist angeblich bedroht, wenn sich nicht die großen Seemächte zu