Ausgabe 
4.11.1935
 
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M. 258 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheflen)

Montag, 4-November (955

Maskerade der Tiere.

Ein interessantes Kapitel Naturgeschichte.

Don Dr. E. Walther.

Eine der seltsamsten Erscheinungen, die es im Tierreich überhaupt gibt, ist zweifellos jene erstaunlich weit durchgeführteMaske­rade", die von manchen Tieren als ungemein wirksamer Schutz vor ihren Feinden ange­wendet wirdM imikry" nennt das der Wissenschaftler. Man kann Fälle dieser Art schon bei einem kleinen Waldspaziergang häufig beobachten: Da gibt es Raupen, die genau wie kleine Aeste aussehen, Schmetter­linge, die täuschend ein welkes Blatt nach­ahmen usw. Die Wissenschaft hat sich mit diesem außerordentlich interessanten Problem schon seit langem eingehend beschäftigt; in letzter Zeit sind unsere Kenntnisse auf diesem Gebiet um einige recht wesentliche Ent­deckungen bereichert worden.

Der Kampf ums Dasein in der freien Natur erlaubt keine Schwachheit; die Anforderungen, die das Leben beim Nahrungserwerb, bei der Verteidi­gung gegen stärkere Feinde und der Aufzucht der Nachkommenschaft an jedes Tier stellt, merzen ein kampfunfähiges Individuum sehr bald aus. Des­halb finden wir in der Tierwelt eine so ungeheure Mannigfaltigkeit in der Ausrüstung mit Angriffs­und Verteidigungswaffen; alle Arten von Schutz­panzern, Gehäusen und Zangen, giftigen Stacheln und Zähnen, widerlichen Geschmack oder Geruch, gute Verstecke oder auch außerordentliche Schnellig­keit, Geschicklichkeit und Kraft. Nun gibt es aber eine große Anzahl von Tieren, die entweder keine einzige dieser Waffen haben oder nur solche, die ihnen infolge besonders erschwerter Lebensbedin­gungen nicht genügen. DiesenSchwachen" hat die Natur den einfachsten und zugleich kompliziertesten Schutz gegeben: sie sind nämlich unsichtbar d. h. sie ahmen durch Körperfarbe und -gestalt ihre Umgebung möglichst getreu nach, um dadurch den Blicken ihrer Feinde zu entgehen.

Tiere, hfc wie pflanzen aussehen.

Der großzügigste Fall dieser Art ist die lieber- einstimmung ausgedehnter Wohngebiete mit ihrer Tierwelt, wie in den arktischen Zonen und Wüsten, wo die sonst verschieden gefärbten Tiere je nach ihrer Umgebung dieselbe weiße oder fanbgelbe Farbe haben. Diese Anpassungsfähigkeit geht soweit, daß manche Tiere, wie Polarfuchs, Alpenhase und Schneehuhn mit schwindender Schneedecke im Sommer ihr nun zu auffälliges Winterkleid abwerfen und ein dem sommerlichen Boden entsprechendes Sommerkleid anlegen. Wir brauchen aber gar nicht an so extreme Gegenden wie Pol und Wüste zu denken, denn das gleiche Prinzip ist auch in unseren Wiesen und Laubwäldern verwirklicht, wo Frösche, Ei­dechsen und zahllose Insekten sich durch die gras­grüne Färbung dem Blick entziehen. Sonst sind es vor allem Schmetterlinge, besonders Nachtfalter, die sich durch die Nachahmung des grau-braunen Farbtones ihrer Ruheplätze in mor­schem Holz und Mauernischen verbergen. Meist ist nur die Oberseite der Flügel dunkel, die beim Sitzen unsichtbare Unterseite leuchtet oft in den buntesten Farben. Hand in Hand damit geht die völlige Um­wandlung der Instinkte, vor allem das Verhalten bei Gefahr, der nicht mehr durch Flucht oder Ver­stecken begegnet wird, sondern durch S t i l l h a l - te n in der richtigen Stellung. So kann man z. B. die auf der Baumrinde lebenden Spinnen und Käfer oft erst entdecken, wenn man sie durch Ab­

reißen eines Stücks Flechte zur Aufgabe ihrer Ge- fahrstellung zwingt; vorher sind sie infolge ihrer mit eigenartigen Flecken und Höckern versehenen Korperoberfläche kaum von der Rinde zu unter­scheiden. Noch höhere Ansprüche an den Instinkt­mechanismus werden bei Tieren gestellt, die auch im Körperumriß die Form der Unterlage, meist von Pflanzenteilen, nachahmen. Die überraschendsten Beispiele hierfür bieten die bekannten Stabheu - schrecken der Tropen, die zu Hunderten einen Strauch besetzen können, ohne daß sie ein daoor- stehender Mensch entdecken könnte. Sie gleichen durch ihre Stabform völlig den Sprossen der von ihnen bewohnten Büsche, manche haben sogar die Gestalt knorriger Zweige, an denen abgebrochene Anhänge und Flecken vorgetäuscht werden.

Auch unsere einheimischen Tiere, vor allem Schmetterlingsraupen, haben solche Mei­sterleistungen aufzuweisen, wie die Raupe des Bir- kenspanners, die sich an einem Ende festklammert und ihren Körper starr und unbeweglich in die Höhe reckt und so vollkommen wie ein Birkenästchen aussieht. Auch Blätter werden häufig ausgezeichnet nachgeahmt, besonders von Heuschrecken und Schmetterlingen, wobei erstere grüne, letztere da- gegen dürre Blätter nachahmen. Beide erreichen die geradezu verblüffende Aehnlichkeit mit den Vorbildern dadurch, daß sie nicht nur durch Flügelumriß und Farbe, sondern auch durch die Flügeladern ein Blatt mit Beschädigungen, Pilz- flecken und Verwelkung mit einer überraschenden Genauigkeit vortäuschen. Manche Schmetterlinge haben sogar einenBlattstiel" in Form eines be­sonderen Fortsatzes der Hinterslügel, der aus einem Aestchen der Planze hervorzuwachsen scheint und sich als Streifen in die Mittel- und Seitenrippen der Flügel fortsetzt.

Fälschungen" im Demich.

Das mag genügen, um ein Bild dieser merkwür­digen Mittel und Wege zu geben, die die Natur findet, um ihreSchwachen" zu schützen. Dagegen sei noch auf eine viel merkwürdigere Methode hin­gewiesen, die auch auf dem Prinzip der Nach­ahmung beruht. Es gibt nämlich im Tierreich außer der Schutzfärbung eine Warnfärbung: ein grelles, auffallendes Farbenkleid, welches die Ver­folger belehren soll, daß die betreffenden Tiere gif­tig, widrig schmeckend oder sonstwie gefährlich sind. Dieseimmunen" Tiere werden nun von allen mög­lichen unbewehrten Arten nachgeahmt, um die Feinde zu täuschen und so vor ihren Angriffen sicher zu sein. Besonders beliebt ist dieser Trick bei den Insekten: diebeliebtesten" Vorbilder sind die stechenden Wespen- und Bienenarten, die durch schwarzgelbe oder gelbbraune Warntracht gut ge­schützt sind. Auffallend erstaunlich ist hierbei die Tatsache, daß sie nicht nur von mehr oder minder verwandten Arten nachgeahmt werden, sondern von den Angehörigen aller möglichen anderen Familien wie von Schmetterlingen, Fliegen, Käfern und Heu­schrecken. Eigentlich scheint es doch unmöglich, etwa einen Falter mit einer Wespe zu verwechseln und doch ist das bei den sogenannten Glasfaltern der Fall, die nicht nur den Körperumriß und alle Farbschattierungen, sondern auch Flügelschnitt und Durchsichtigkeit der Flügel nachahmen. Sogar ihre Flugart und ein ganzecht" klingender Brummton erinnern an Bienen und Hummeln. Auch der Un­terschied zwischen Fliege und Biene scheint unver­kennbar, und doch werden beispielsweise die

Schlammfliegen von den meisten Menschen nicht angefaßt aus Furcht vor dem Stachel der an­geblichen Biene.

Die neuesten Untersuchungen haben Übrigens er­geben, daß Bienen, Hummeln usw. von den Vögeln weniger ihres Stachels als wegen ihres für die meisten Vogelarten überaus widrigen Ge- s ch in a ck e s gemieden werden. Bei den Versuchen wiesen die Vögel jede mit dem Safte einer Biene beschmierte Nahrung sofort zurück. Die durch ihre Aehnlichkeit geschützten Nachahmer sind im Gegen­satz dazu, wie weitere Versuche lehrten, für die Vögel durchaus wohlschmeckend, aber ihre Feinde lassen sich durch dasgefälschte" Aussehen jener Insekten täuschen. Beliebte Vorbilder sind auch die wehrhaften Ameisen, die besonders von Spinnen, Wanzen, Heuschrecken und Käfernge­fälscht" werden. Die Mimikry so nennt der Zoologe die Nachahmung anderer Tiere der Ameisen bietet sogar einen interessanten Spezial­

fall. Es gibt nämlich im Ameisenbau sog.Gäste". Das sind fremde Tiere, die durch Brut- und Eiraub ziemlichen Schaden anrichten, aber den kriegerischen Charakter der Ameisen nicht zu fürchten brauchen, da sie von ihnen infolge ihrerMimikry" für Stam- mesgenossen gehalten werden. Es ist nun durch ein­gehende Versuche nachgewiesen worden, daß diese Täuschung ganz genau auf die Fähigkeiten der je­weiligenWirte" eingestellt ist. Bei den Ameisen, die gut entwickelte Augen haben, wird die Farbe urtb gestalt nachgeahmt, während bei blinden Ameisen öie Täuschung auf der Aehnlichkeit der Form und Behaarung beruht, also von denFälschern" mit dem Tastsinn ihrer Wirte gerechnet wird. Schließ­lich sei noch auf die Schmetterlingsmimikry hinge­wiesen, bei der durch widerlichen Geschmack ge­schützte Arten von ungeschützten so genau nachge­ahmt werden, daß selbst das geübte Auge des Sammlers Vorbild und Nachahmer beim Fluge nicht unterscheiden kann.

Obecheffen.

Gemeindeaufträge

nur an Mitglieder der OAJ.

* (Brünberg, 4. Nov. Der Bürgermeister hat auf Grund des §3 Abs. 1 der Deutschen Gemeinde­ordnung folgende Satzung der Stadt Grün­de r g erlassen:

1. Arbeits- und Lieferungs-Aufträge der Stadt Grünberg werden nur noch an Volksgenossen und Firmen vergeben, die mit ihrer gesamten Gefolgschaft Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront sind. Der Bürgermeister ent­scheidet im Einzelfall, ob die Zugehörigkeit zu einem anderen Verband oder einer anderen Körperschaft (z. B. Reichsnährstand, Bund Na­tionalsozialistischer Deutscher Juristen) der Mit­gliedschaft bei der Deutschen Arbeitsfront gleich­zuachten ist.

2. Außerdem werden bei der Ausschreibung von städtischen Aufträgen die Angebote derjenigen Firmen bevorzugt, deren Inhaber Mitglie­der der NS. - Volkswohlfahrt sind.

3. Die Mitgliedschaft bei der DAF. und bei der NSV. ist der Stadtverwaltung auf Verlangen nachzuweisen.

Landkreis Glesien.

s. Rödgen, 3. Nov. Die Doppelfeier des Ehepaares Wilhelm Kraushaar gestaltete sich zu einem Fest, an dem die ganze Gemeinde teil- nahm. Schon früh um 6.30 Uhr überraschte Kranken- schwester Emma Schuck mit ihrer Sängergruppe das Jubelpaar mit einigen schönen Liedern. Dann kamen in frühester Vormittagsstunde an die Gratu­lanten, und bald füllte ein Wald von Blumen, Ge­schenken das Festzimmer. An dem Gottesdienst um 15 Uhr nahm die halbe Gemeinde teil und brachte dadurch zum Ausdruck, wie beliebt und angesehen das Ehepaar Kraushaar in der Dorfgemeinschaft ist. Als am Abend der Gesangverein sich zu einem Ständchen einfand, waren Hunderte von Menschen qcfommen, um an der Ehrung teilzunehmen. Der Vereinsführer N o ck e r überbrachte die Wünsche des Vereins und wies darauf hin, daß das Ehepaar Kraushaar als erstes Paar von dem Verein vor 50 Jahren gesungen bekam und heute abermals als erstes Paar, das die goldene Hochzeit feiert. Seine Worte gipfelten in dem Wunsch, daß das Ehepaar auch die diamantene Hochzeit feiern möge.

= Steinbach, 3. Nov. In öffentlicher Sitzung im festlich geschmückten Rathaussaal fand die V e r- pslichtung des neuen G e m e i n d e r a t e s statt. Zwei Beigeordnete: Landwirt und Kirchen­rechner Karl R e u f ch l i n g IV. und Landwirt Karl

Reu schling I., sowie sechs Gemeinderäte: Hein­rich Ludwig Gerhard, Landwirt und Kassenrech­ner; Wagner Karl Nicolaus I., Theodor Mül­ler, Metzger, SA.-Führer, Landwirt Jakob Sehrt, Landwirt Philipp M. Haas, Arbeiter Jakob Schneider I. wurden von Bürgermeister und Ortsgruppenleiter H. R i n k mit einer An­sprache in ihr Amt eingewiesen.

Y Watzenborn-Steinberg, 2. Nov. In der jüngsten Gerne in beratssitzung, in der auch die politischen Leiter der hiesigen Ortsgruppe anwesend waren, wurden die beiden Beigeord­neten und sechs Gemeinderäte eingeführt und verpflichtet. Bürgermeister Schäfer wies in seiner Ansprache auf die Art der Betätigung in dem verantwortungsvollen Amte hin. Nachfolgend genannten Beigeordneten und Gemeinderäten wur­den die Urkunden ausgehändigt: 1. Beigeordneter: Landwirt Johannes Philipp II., 2. Beigeord­neter: Kanzleigehilfe Ludwig Fett. Gemeinde- röte: Landwirt Karl Hirz I., Kaufmann Balthasar Häuser II., Landwirt Joh. Heinrich Hammel, Zimmermann Richard Reinhold Engel, Landwirt Karl Hirz III. und Kaufmann Gottfried B r ü ck e l. Bei der Erledigung der Tagesordnung wurden zu Wiesenvorstandsmitgliedern ernannt Joh. Georg Schmandt II., Karl Kloos I., Georg Häu­ser XVI., Balthasar Philipp IX., Heinrich Schäfer I. und Heinrich Hammel. U. a. wurde noch der Beschluß gefaßt, daß ein Erlaß der Gewerbesteuer eintritt, sobald eine Wertmin­derung des Gewerbesteuerkapitals von 20 v. H. vor­liegt. Die Bürger st euer wurde um 200 Pro­zent gesenkt, so daß für das kommende Jahr der 300-Prozentsatz in Frage kommt.

Kreis Friedberg.

pb. Butzbach, 3. Nov. In Zusammenarbeit mit der hiesigen Ortsgruppe der N S. - Kultur­gemeinde sand gestern abend die Ausführung der FischerkomödieLotse an Bord" von Ferd. Oesau durch das Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main im großen Saal desHessischen Hof" statt. Die Spielleitung hatte Intendant Fritz Richard W e r k h ä u s e r. Die Aufführung war ein glänzender Erfolg. Da die Darsteller ihr Bestes gaben, steigerte sich der Beifall von Auszug zu Auszug. Der Saal war gut besetzt.

Kreis Schotten.

Groß-Eichen, 3. Nov. In der Turnhalle fand ein Elternabend statt, der durch Lehrer Appenheimer eröffnet wurde. Die Filmstelle für Reichs-Schulfilme im Bezirk Laubach zeigte sechs kurze Lehrfilme, die mit großer Aufmerksamkeit

Großer Abend

der Aeichskuliurkammer.

Im Frankfurter Opernhaus.

In dem bis auf den letzten Platz besetzten Opern­haus in Frankfurt am Main fand am Sams­tagabend in Anwesenheit führender Persönlichkeiten der Partei, der staatlichen und kommunalen Be­hörden, der Wehrmacht, der Wissenschaft und natür­lich besonders des Kunstlebens einGroßer Abend der Reichskulturkammer" statt. Die Veranstaltung bot schon rein äußerlich ein sehr eindrucksvolles Bild; aber ihre eigentliche Note er­hielt sie erst durch ihre innere Bedeutung und die wesentlichen Gründe ihrer Abhaltung: hier sollten zunächst einmal Kunstschaffende und Kunstinter­essierte näher zusammengeführt werden; sie sollten sich im breiten Rahmen ihres Schaffens und Die­nens einmal kennenlernen und innerlich näher­kommen.

Aber darüber hinaus wurde durch die Veranstal­tung noch ein weiteres erreicht: den zahlreichen Be­suchern wurde einmal die Breitenarbeit der Reichskulturkammer und ihr Wirken in verschiedenen von ihr erfaßten Tätigkeitszweigen, die Förderung auch wirtschaftlicher und sozialer Angelegenheiten der Kulturberufe und nicht zuletzt die Schaffung eines Ausgleichs zwischen den ver­schiedenen Pestrebungen der ihr angehörenden Gruppen gezeigt.

Allerdings konnte an einem Abend, wie Landes- kulturwalter Wilhelm Müller-Scheld, Frank­furt am Main, in seiner Begrüßungsansprache her­vorhob, nur ein kleiner Ausschnitt aus der Arbeit der 7 Einzelkammern der Reichskulturkammer ge­boten werden. Auch sollte die Veranstaltung, wie Müller-Scheld betonte, nicht Ausdruck einer schon geschlossenen und vollendeten Weltanschauung der nationalsozialistischen fein, sondern durch sie sollte lediglich das Wollen zu gemeinsamer Arbeit innerhalb einer in sich geschlossenen Or­ganisation zum Ausdruck gebracht werden.

Und so wurde der Abend eine große querschnitt- liche Schau der Arbeit und der Leistungen, wie sie in verschiedenen kulturellen Arbeitsgruppen des Gaues lebendig zutage treten. Berufsmusiker und Berufsschauspieler boten neben Liebhaberorganisa­tionen ihr Bestes auf, so daß das Programm zu einer bunten Fülle und in mannigfacher Gestalt eine Auslese aus dem Kunstschaffen im Rhein-Main-Gebiet wurde.

Nachdem kurz nach 20 Uhr Gauleiter Reichsstatt­halter Sprenger im Opernhaus eingetroffen mar, leitete die vom Orchester der Frankfurter Städtischen Bühnen ufiter der temperamentvollen Leitung von G. L. Joch um gespielte wuchtige Iubelouvertüre" von C. M. v. Weber die 23er-

anftaltung ein. Noch klang das Thema des Deutsch­landliedes aus der Ouvertüre im Raum, als Lan- deskulturwalter Müller-Scheld im Namen der Reichskulturkammer die Gäste begrüßte und in den teils schon erwähnten Gedankengängen den Sinn und die Bedeutung des Abends erläuterte. An- knüpfend an die Kulturrede des Führers in Nürnberg streifte er die Bedeutung des Künstlers im Dritten Reich und wies auf die organisatorische Eigenart der Arbeit in der Reichskulturkammer hin.

In der weiteren Programmfolge wechselten Dar­bietungen musikalischer und rezitativer Art, von Mitgliedern der verschiedenen Bühnen im Rhein- Main-Gebiet bargeboten, mit Gesangs- und Jnstru- mentalDorträgen Frankfurter Gesang- und Musik­oereinigungen in bunter Reihe ab.

Der Schulersche Männer- und Knabenchor sang vier Lieder von Franz Philipp. In bunter Ma­trosenkleidung spielte der Groß-Frankfurter Har- monika-Spielring Lieder und Tänze. Professor G a m b t e leitete den vom Lehrergesangverein und der.Frankfurter Singakademie vorgetragenen Wein­chor aus Joseph Haydns Jahreszeiten". Der Frankfurter Zitherverein, ein Lautenchor und die Bezirksgruppe Frankfurt des Deutschen Mandolinen- und Gitarren- Spielerbundes ließen ihr Können hören.

Aus der Reihe der Rhein-Mainischen Bühnen sprach Elisabeth Reuwirth vom Rhein-Maini- schen Künstlertheater Gedichte von S ch i r a ch und An acker. Schöne Tänze zeigten Mitglieder des Hessischen Landestheaters, des Mainzer und des Hanau-Aschaffenburger Stadttheaters. Dazwischen hatte das Orchester des Reichssenders Frankfurt unter der Stabführung von Hans R o s b a u b bie Ouvertüre zu C. M. v. WebersE u r y a n t h e" gespielt.

Starken unb ungeteilten Beifall ernteten Gustav Bley unb Wilhelm Greif vom Gießener Stabttheater, bie unter ber musikalischen Lei­tung von Arthur Grüber bas Buffo-Duett zwi­schen Falstaff unb Fluth aus bem zweiten Akt von NicolaisLuftigen Weibern von Winbsor" san­gen. Ihr Beitrag bewies, baß bas Gießener Stabt­theater nicht außerhalb bes Gesamtleistungsgrabes ber Rhein-Mainischen Bühnen steht, fonbern sich ohne weiteres mit ben übrigen Theatern bes Gaues messen kann.

Nach weiteren Gesangsoorträgen von Künstlern d-s Hessischen Lanbestbeaters unb ber Stäbtischen Bühnen Frankfurts beschloß bas Finale bes zweiten Aktes berFledermaus" für Soli, Chor unb Tanz­gruppe ben bestens gelungenen Abenb ber Reichs­kulturkammer.

Im Anschluß an bie künstlerischen Darbietungen fanben sich Künstler unb Besucher in ben Dorräu­men bes Opernhauses zu einem geselligen Derwei­len mit Tanz zwänglos zusammen. k. h.

Morgenfeier derHiiler Jugend

Karl Götz in der Neuen Aula.

Am Sonntagvormittag veranstaltete die Gießener Hitler-Jugend, Bann 116, in der Aula ber Universität eine Morgenfeier, in ber ber schwäbische Dichter Karl GÖtz, Ratsherr ber Stabt Stuttgart, vom Auslandsdeutschtum erzählte unb aus seinem mit bem Volksdeutschen Schrifttumspreise ausgezeich­neten BuchDas Kinderschiff" (Verlag I. Engel­horns Nachf. in Stuttgart) vorlas. Die mit den Fahnen ber HI. unb mit einer Büste bes Führers roürbig geschmückte Aula war stark besetzt; insbe­sondere die Hitler-Jugend, das Jungvolk und der Bund Deutscher Mädel waren in großer Zahl er­schienen. Nach bem Einmarsch ber Fahnen würbe bie Feier mit einem von ber HI. gesungenen Liebe unb einem Vaterlanbsspruch eröffnet. Darauf hielt Bannführer Schreiber eine kurze Ansprache, in der er auf bie Bedeutung dieser Veranstaltung an­läßlich ber Woche bes deutschen Buches hinwies; es gelte, bem beutschen Volke bas gute deutsche Buch wieder nahezubringen, das gelte vor allem auch für die Jugend. Wir freuen uns, so schloß der Bannführer seine Ansprache, den Dichter Karl Götz unter uns begrüßen zu können. Gausach- schaftsleiter H. Köster sprach namens der Buch­händler unb betonte bie ben Jungbuchhänbler ver- pflichtenbe Berufsaufgabe, bas beutsche Buch gerabe ber beutschen Jugend nahezubringen. Aus solchen Gedankengängen sei diese Morgenfeier entstanden; das Wichtigste sei, wie es hier geschehen könne, eine lebendige Begegnung zwischen Dichtung und Volk, zwischen dem Dichter und der Jugend zu ver­wirklichen.

Dann betrat Karl Götz das Podium und be­gann alsbald sehr frisch und in unverfälschter schwäbischer Mundart aus seinem Buche vorzulesen und zu erzählen von Palästina, wo er als Dorf­schulmeister in einer deutschen Schule lange gelebt hat inmitten eines der vielen kleinen deutschen Volkssplitter auf der weiten Welt. Er berichtete da­von, sehr anschaulich und eindringlich, wie in die­sen auslandsdeutschen Gemeinden immer und un­auslöschlich die große Sehnsucht nach der alten Hei­mat lebendig bleibt und der große, geheime, meist unerfüllbare Wunsch, einmal nach Deutschland zu fahren. Aber die Gemeinde ist klein und arm, und die Reise ist weit und kostet viel mehr Geld, als je dafür zusammengebracht werden könnte. Da setzt sich eines Tages der Lehrer Karl Götz in Palästina hin unb schreibt einen Brief an bie beutsche Levante­linie in Hamburg, einen Brief so aufs Geratewohl unb ohne viel Hoffnung auf Erfüllung; er schildert denen daheim, wie es ihnen zumute ist, und bittet sie, doch mit einem ihrer Schiffe die Kinder seiner Schule einmal mitzunehmen nach Deutschland.

Mit diesem Brief begann die Geschichte einer großen Sehnsucht und einer glücklichen Reise übers

weite Meer nach Deutschland. Dies war nun frei» lid) nur der erste Anfang, und es ist noch viel Zeit darüber hingegangen, sie haben lange warten unb mandje Träne vergießen und manche herbe Ent- tauschung auf sich nehmen müssen, bis es endlich o weit war. In der Vorgeschichte zu dieser Meer- ahrt mit demKinderschiff" spielten eine Elternver- ammlung, ein Hamburger Frachtdampfer und son­derbarerweise auch die Zwiebelernte in Aegypten eine schicksalhafte Rolle, ferner ein langwieriger Briefwechsel und der Besuch eines Generaldirektors der Schiffahrtslinie. Ader am Ende war es soweit, daß sie sich freuen durften, und nicht bloß freuen, sondern auch mancherlei lernen mußten, zum Bei­spiel was eine Tonne und was eine Seemeile fei, und manches andere mehr. Dann beginnt die Kin­derfahrt, endlich, endlich, durch die südliche Land­schaft bis nach Kairo, wo es, wie in aller Welt, auch schwäbische Landsleute gibt. Und dann nimmt ber DampferGaliläa", Kapitän Brathering, sie auf, unb bie Fahrt bes Kinberfchiffes beginnt. Die Geschichte bieser Fahrt ist reich an Zwischenfällen unb Anekboten, auch an schönen unb unvergeßlichen Erinnerungen, voll von ben Wundern bes Meeres, ber fremben Welt unb ber großen Ferne unb bes Lebens mit Kinbern. Aber bas größte ber Wunber beißt boch Deutschlanb, bas herrlichste Lanb der Welt.

Dann folgten eine Reihe von Bildern und Schil­derungen aus dem Buche: vom Erlebnis des nächt­lichen Sternhimmels auf dem Meere, von der See­krankheit und dann von dem großen Palästina- deutschen Abend in Hamburg, auch von der Begeg­nung mit einer alten schwäbischen Landsmännin, von der Heimkehr ins Schwabenland und von der unvergeßlichen Reise durch Deutschland, von der hier einige der markantesten Stationen festgehalten wurden: in Potsdam, im Harz, im Siebengebirge. Und am Ende dann wieder bie Heimkehr in die zweite, die neue Heimat Palästina.

Reicher Beifall lohnte die fesselnden Schilderun­gen des schwäbischen Dichters Karl Götz, ber hier feinen jungen Hörern ein lebenbiges Bild vom grö­ßeren Deutschlanb gegeben hatte, von ber Verbun­denheit und von der Sehnsucht unserer Landsleute da draußen. Dann folgte ein markiges Fahnen­lied der HI. Der stellvertretende Kreisleiter Pg. Hopfenmüller richtete ein Schlußwort an btt jungen Kameraden: Aufgabe und Verpflichtung für die Zukunft sei es, ihr unverbildetes gesundes Jun- gentum sich zu bewahren im Sinne des Führers. Dazu sei auch das Buch ein Helfer: sucht die Seele unseres Volkes im Buch! Nachdem der Bannfüb. rer bem Dichter gebankt hatte, würbe bie Morgen­feier mit bem Gruß an ben Führer, mit bem ge- meinfamen Gefana bes LiebesVorwärts, vor­wärts!" unb mit Dem Auszug ber Fahnengruppe beschlossen. __ y __