Ausgabe 
4.10.1935
 
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Die Deutsche Arbeitsfront n.9.=6cmcinf(haftKraft durch Freude"

Am Sonntag, 6. Oktober, 20 Uhr, am Tag des deutschen Bauern, findet im Stadttheater in Gießen die Uraufführung des lustigen Dolksstückes von Hermann August Weber

Holzappel­

statt. Die Preise der Plätze sind 0,70, 1,00, 1,30 und 1,50 Mark. An der Abendkasse reguläre Schau­spielpreise. Karten - Vorverkaufsstellen: Musikhaus Challier, Frau Huntemann, Oberhessische Tages­zeitung, Kreisdienststelle der NSG. .Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18.

SportamtRroft durch Freude^.

Heute beginnen folgende Kurse:

Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer: Von 20.30 bis 22 Uhr, Turnhalle Lyzeum, Dammstraße.

Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen: von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, Kantinengebäude der Fa. Buderus.

Schwimmen: Don 20.30 bis 21.30 Uhr, für Frauen und Männer, Dolksbad; von 21.30 bis 22.30 Uhr, nur für Frauen.

Reiten: Von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs.

kostenlose Sporlkurfe in dieser Woche!

Alle Volksgenossen, die bisher noch nicht an KdF.-Sportkursen teilgenommen haben, können in dieser Woche obige Kurse, mit Ausnahme von Reiten und Schwimmen, k o st e n l o s besuchen. Auch der morgen, Samstag, 5. Oktober, beginnende Kursus Waldlauf (von 17 bis 18.30 Uhr, Universi­tätssportplatz) ist für Neulinge gebührenfrei.

Sportprogramm.

lieber weitere Kurse (Skigymnastik, Skitrocken, Hallentennis, Kleinkaliberschießen) gibt das neue Sportprogramm Auskunft. Dasselbe ist auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, kostenlos erhältlich.

Hinein in die Sportkurse der NS. - G.Kraft durch Freude"!

An alle Sportwerbewarte der Ortsgruppen und Betriebe!

Das neue Vierteljahres-Sportprogramm für Ok­tober-Dezember ist von allen Sportwerbewarten der Ortsgruppen und Betriebe bis spätestens 5. Ok­tober auf dem Sportamt abzuholen und zur Ver­teilung zu bringen.

Landschastsbund Volkstum und Heimat

Ortsring Gießen.

Pilzgang.

Am Samstag, 5. Oktober, findet am Nachmittag anter Führung des Herrn Universitäts-Garteninspek­tors i. R. R e h n e l t ein Pilzgang statt. Wir tref­fen uns um 14.30 Uhr an der Schneise 3 auf der Straße GießenAnnerod (hinter dem Abzweig von der Straße GießenRödgen) und wandern von dort zu einem noch zu bestimmenden Punkt (Hohe- warte oder Rödger Aussicht am Leuchtturm). Rück­kunft gegen 18 Uhr. Die Frauen werden gebeten, ein kleines Sammelkörbchen mitzubringen. Gäste sind willkommen.

Steuerforderungen im Entschuldungs- Verfahren.

In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will zu Gießen herausgegebenenAktuellen Steuer­fragen" (Rundschreiben Nr. 10) lesen wir:

Für die Geltendmachung von Steuerforderungen im landwirtschaftlichen Entschuldungsverfahren hat der Reichsfinanzminister neue Richtlinien heraus­gegeben. Nach diesen sollen in Zukunft im Entschul­dungsverfahren Steuerbeträge von unter 100 Mark für jede Steuerart nicht mehr geltend gemacht, son-

HI. an die Front!

Der Gauarbeitsführer an die HI.

Auf den Schultern der Heranwachsenden Gene­ration ruht eine schwere Verantwortung, die wir mit eisernem Willen und unbestechlicher Härte uns selbst gegenüber tragen müssen, wenn Geschlechter der Zukunft leben sollen!

Diese Verantwortung wird nur der in ihrer gan­gen Bedeutung erkennen und tragen, der durch die HI. in den Geist nationalsozialistischer Weltanschau­ung eingeführt und gefestigt ist, durch die Arbeit und die Härte des Arbeitsdienstes gestählt wurde und durch den Dienst als Soldat und Waffenträger der Nation den Beweis feiner jugendlichen Kraft und feines unbrechbaren Willens gegeben hat.

Ich begrüße daher die Aktion der HI.! Möge ihr Ruf bet der deutschen Jugend und bei den deutschen Eltern volles Gehör und innere Aufnahmebereit­schaft finden!

Arbeitsdienst und HI. fühlen sich einander kampfverbunden, weil sie in der Erfüllung ihrer Aufgaben sich ergänzen und gegenseitig befruchtend, dem gleichen Ziele dienen: der körperlichen und seelisch-geistigen Ertüchtigung der deutschen Jugend, die auf ihren starken Schultern Deutschlands Zukunft tragen soll.

Heil Hitler! Fautz

Gauarbeitsführer XXV.

Gemeinsame Sache der Schule und der HI.

Der Regierungspräsident in Wiesbaden fordert im amtlichen Schulblatt die gesamte Lehrer­schaft des Bezirks auf, sich mit allen Kräften bei der Propaganda-Aktion der HI. zu betätigen. Die Aktion muß eine gemeinsame Sache der Schule und der HI. sein, und es muß der Ehrgeiz einer jeden Schule sein, in diesem Werbekampf den höchsten Prozentsatz an neuen Mitgliedern der HI. zuzuführen.

Abendfeier der Hitler-Jugend und des Jungvolks.

Die Gefolgschaft 3/116 der Hitler-Jugend und das Fähnlein 4/116 des Jungvolks bereiteten am gestri­

gen Abend allen, die sich für eine Stunde frei- machten, um der Jugend zu lauschen, ein schönes feierliches Erlebnis. Der äußere Rahmen für diese Feier war denkbar glücklich gewählt. Hitler-Jugend und Jungvolk marschierten mit Fahnen, mit Trom­meln und Fcmfpren vor dem mit Fahnentuch aus- geschlagenen Portal des Stadttheaters auf, ent­zündeten ihre Fackeln, deren flackerndes Licht über das Mauerwerk und das Grün der Bäume vor dem Portal spielte. In einem Feuerbecken wurde eine hohe Flamme entzündet, die Ausdruck des Bekennt­nisses der Jugend zum Licht, zur Kraft, zur nordi­schen Art und zum Heldischen wurde.

Die Darbietungen der feierlichen Stunde waren ganz dem Heldischen gewidmet. Der Ruf der Trom­meln und Fanfaren klang zuerst auf, dann sangen die Jungens das schneidige LiedUnter der Fahne schreiten wir", in dem die Einheit einer Jugend zum Ausdruck kam, die sich bewußt als der Träger der deutschen Zukunft fühlt und fühlen kann. Mit großer Freude lauschte man hierauf einem Sprech­chor, der in der Stimme des einzelnen und dann in der Stimmenvielheit des Chores, schließlich im raschen Wechsel zum gesungenen Wort zu einer starken und großartigen, ja zu einer künstlerischen Wirkung gesteigert wurde. Die Jugend hatte sich aut vorbereitet und in gemeinsamer Arbeit zu einer Ausdrucksform gefunden, die ihresgleichen in der Vergangenheit nicht hatte. Eine große Rezitation ein Abschnitt aus einem heldischen Buche er­innerte an das Fronterlebnis des Weltkrieges, schil­derte in eindrucksvoller Sprache und scharf aus­geprägten, auf das wesentliche ausgerichteten Ge­danken, das wahrhaft Heldische in der Beziehung zum Göttlichen.

Nach einer kurzen Ansprache des Gefolgschafts­führers Rabenau, in der das Wollen der heuti­gen Jugend umrissen wurde, in der gleichzeitig auch an die noch fernstehenden Jungen die Aufforde­rung erging, sich einzureihen, fand die Feier mit dem LiedeVorwärts, vorwärts!" und mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf den Führer ihren Ab­schluß.

dem niedergeschlagen werden. Auch schon erfolgte Anmeldungen sind zurückzuziehen. Auf die art sich mit dem 1. Januar 1935 fällig gewordenen Säum­niszuschläge sollen die bisher entstandenen Verzugs­zinsen angerechnet werden, so daß bei den Beträgen über 100 Mark keine Doppelbelastung durch mehr­fache Zuschläge entsteht.

Sitzung des Kreisausschusses.

Am Mittwoch, 9. Oktober, vormittags 9 Uhr, fin­det im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffent­liche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gie­ßen statt. Auf der Tagesordnung steht die Fürsorge- fache betr. Klage der Gemeinde Hungen gegen die Gemeinde Langsdorf wegen Hilfsbedürftig­keit der Margarete Bausch aus Langsdorf.

Hindenburg-Gedenkfeier des Sparerbundes.

Zu einer ernsten Feierstunde anläßlich des 88. Ge­burtstages des verewigten Reichspräsidenten Gene- ralfeldmarfchalls von Hindenburg versammelten sich die Mitglieder des Sparerbundes am vergange­nen Dienstag imHessischen Hof". In einer einstün­digen Rede so berichtet man uns entwarf Vorstandsmitglied Fr. N o r t h ein Bild über das Leben des Siegers von Tannenberg. Er erinnerte an die Feldzüge 1866 und 1870/71, an denen Hin­denburg teilnahm. Durch den gewaltigen Sieg bei Tannenberg ist Hindenburg zum bedeutendsten

Heerführer des Weltkrieges geworden. Nach der Rettung im Osten wurde ihm und Ludendorff im Jahre 1916 die Oberste Heeresleitung im Westen und an allen Fronten übertragen, unter deren Lei­tung die deutschen Heere einen heldenhaften Ab­wehrkampf führten. Als der Krieg schließlich über die Kraft des deutschen Volkes ging, als Verhetzung und Hunger die Heimat erschütterten, als die Tech­nik über Menschenkraft und Menschenwillen die Oberhand gewann, als der Zusammenbruch kam, da führte Hindenburg in unerschütterlichem Pflicht- bewutztsein das deutsche Heer in die Heimat zurück und stellte sich verantwortungsbewußt in den Dienst des neuen Staates zur Abwehr der bolschewistischen Gefahr. Als das deutsche Volk zum zweiten Male seine Hilfe brauchte, sagte Hindenburg, unter Zu­rückstellung seiner persönlichen Neigungen, aus rein­stem Pflichtbewußtsein gegenüber Volk und Vater­land nach reiflichem Ueberlegen zu und wurde am 26. April 1925 zum Reichspräsidenten gewählt. Von großer geschichtlicher Bedeutung war dann der Tag, an dem Hindenburg und Adolf Hitler den Weg zu­einander fanden. Wenn nun auch das deutsche Volk in aller Zukunft nach den Leitsprüchen Hindenburgs Ora et labora" undNichts für uns, alles für Deutschland" in der Praxis handele, so brauche es uns um die Zukunft Deutschlands nicht bange zu sein, - zumal uns der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler die allgemeine Wehrpflicht zur Verteidigung unseres Vaterlandes wieder zurückge- geben hätte. Die fesselnden Ausführungen des Herrn

North wurden durch einige Lichtbilder ergänzt, worauf dann auf Schallplatten zwei Rundfunkreden Hindenburgs übertragen wurden. Im zweiten Teil der Veranstaltung behandelte der Versammlungs­leiter H. Lorenz eine Anzahl Sparerbundsange­legenheiten und geschäftliche Fragen.

Werbung für den deutschen Wein.

Heute morgen traf aus Oppenheim am Rhein ein schwerer Lastkraftwagenzug in unserer Stadt ein, der in riesigen Fässern nichl weniger denn 10 000 Liter 1934er Oppenheimer Wein in unsere Stadt brachte. Der Wein ist für den Verbrauch während der Wein-Werbewoche in unserer Stadt bestimmt. Der Lastkraftwagenzug, der mit frischem Grün und mit'Blumen bekränzt war, erregte all­gemeine Aufmerksamkeit. Bei einem kurzen Aufent­halt der Wagen in der Schulstraße wurden die Passanten rasch zu einem Gläschen Wein einge­laden, daß sicherlich allen recht gut gemundet hat. Der Lastkraftwagenzug machte dann eine Rundfahrt durch die Stadt. Im Gemeinschaftslager der Gieße­ner Weinhändler wird der Wein bis zu seinem Ver­brauch untergebracht.

Oer Weg zum Eigenheim.

Der Ring der Vauwirte hatte am gestrigen Don­nerstagabend Interessenten aus Stadt und Kreis Gießen zu einem Vortrag ins Hotel Schütz einge- laden. Herr Fellenberg, als Redner des Abends, behandelt das Thema:Der Weg zum Eigenheim und zum schuldenfreien Hausbesitz". Er kam zunächst auf den Bauspargedanken überhaupt zu sprechen, der in Deutschland noch relativ unbe­kannt fei. Im Gegensatz zu England und Amerika gäbe es in Deutschland noch verhältnismäßig wenig Eigenheimbesitzer, die meisten Volksgenossen würden irgendwo in Miete wohnen. Dies habe seinen Grund darin, daß es früher sehr schwierig gewesen fei, ohne großen Kapitalbesitz zu bauen, da die Tilgung der in den meisten Fällen aufgenommenen Hypotheken sehr lange Zeit in Anspruch genommen hätte. Die junge deutsche Bauspärbewegung dagegen wolle jetzt auch dem Volksgenossen, der nur über geringe Mittel verfüge, zum Besitz eines Eigen­heims verhelfen. Viele Einwände führe man heute noch gegen die Bausparkasse^ an, aber durch den Umstand, daß von 300 Kassen heute nur noch 48 beständen und diese durch das Reichsaufsichtsamt ständig überwacht und kontrolliert würden, seien die Hauptckefürchtungen beseitigt. Auch gäbe es heute und besonders im Gießener Bezirk keine lange Wartezeit mehr, bis der Sparer seine Zuteilung er­halte, ferner sei die Sicherheit der Gelder gewähr­leistet und die Auszahlung werde gerecht und genau nach dem Eintritt oorgenommen. Ohne Einwilligung des Bausparers könne auch nicht ein Pfennig von seinem eingezahlten Konto abgehoben werden. Man sei daher jetzt wieder zum Bausparen gekommen, weil ein Volksgenosse allein zu schwach sei und nur die Zusammenfassung mehrerer das Eigenheimbau­programm ermögliche. Die Bausparer müßten zuerst Pflichten übernehmen, dann könnten sie auch Rechte fordern. An Hand zahlreicher Lichtbilder gab der Redner Beispiele über Vorteile des Bausparens.

** Straßensperrung beim Herbst- markt. Während der Dauer des Herbstmarktes (Scbaumesse) vom 5. bis einschließlich 13. Oktober wird die Kirch st raße zwischen Neustadt und Wetzsteingasse täglich von 11 Uhr ab für den ge­samten Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Die auf­gestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten.

** Ernennungen. Ernannt wurden zu Gen­darmeriehauptwachtmeistern die Gendarmeriehaupt­wachtmeister auf Probe Alfred Bender in Fried­berg mit Wirkung vom 1. September 1935 und Ernst Kühn in Butzbach mit Wirkung vom 16. Juni 1935; zum Kanzlisten unter Berufung in das Be- amtenverhältnis: der Meß- und Kanzleigehilfe beim Feldbereinigungsamt Oberhessen in Büdingen Ri-

WMWMl.

Vornan von Anny von panhnys

Urheberrechtsschutz Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

8 Fortsetzung. ' Nachdruck verboten!

In Mainz bestieg Gerhard Diendorf einen der großen Rheindampfer und da es ein sonniger Sonntagvormittag »ar, befanden sich darauf viele Ausflügler. Gewaltsam wurde Gerhard Diendorf von seinen trüben Gedanken abgelenkt. Lautes Lachen und froher Gesang war um ihn herum. Es herrschte die Stimmung, wie sie auf einem Rhein­dampfer herrschen muß.

Gegen Mittag war das vorläufige Ziel von Ger- Hard Diendorfs Reife erreicht, das kleine romantische Städtchen, in dem Vetter Konrad Wilderling, den er Onkel nannte, wohnte. Musiklehrer und Kom­ponist war der alte Junggeselle, mit dem seine Mutter ein paarmal im Jahre Briefe wechselte. Dr. Diendorf nahm sich ein Zimmer in derKrone" am Ritterplatz, wo vor dem Rathaus der riesige Ritter wachte mit dem unheimlich breiten Schwert.

Er speiste im Gästezimmer und wanderte ein Stündchen am Rhein entlang, dann erst machte er sich auf, den Vetter feiner Mutter zu besuchen. Konrad Wilderling wohnte in einer der schmalen bergigen Straßen und war nicht daheim, als Dr. Diendorf nach ihm fragte.

Die behäbige Frau, bei der er wohnte, schüttelte den Kopf.

Am Sonntag brauchen Sie hier niemals nach ihm zu fragen." Da sitzt er von morgens an am Rhein und in den Wirtschaften, ist sehr vergnügt, trinkt und singt. Er sagt, das brauche er, sonst wäre die ganze Welt dunkel." Sie lachte:Er ist zwar ein komischer, aber herzensguter Mensch und seine Lieder sind beliebt am ganzen Rhein, die hören alle gern."

Gerhard Diendorf war enttäuscht, weil er Konrad Wilderling nicht angetroffen. Man sah es ihm an.

Die Fau riet:Wenn Ihnen besonders viel daran liegt, ihn noch heute zu sprechen, müssen Sie sich ein bißchen nach ihm umschauen. Vielleicht treffen Sie ihn am Rheinufer, möglich ist's aber, er fitzt in derForelle", vielleicht auch in den Winzerstuben" oder beimGockel". Wenn Sie ihn da nirgends finden, sollten Sie in derStadt Köln" Ihr Heil versuchen oder imBurgfrieden" oder"

Sie brach erschrocken ab, denn der Besucher rief fast schroff:Verehrte Frau, um alle die Wirt­schaften abzuklappern, die Sie nannten, brauchte ich ja mehrere Tage."

Letzt lachte dis grau laut aus.

So schlimm ist's nun doch nicht, Herr Wilder- lina schasst das in ein paar Stunden, wenn es ihm nicht gerade irgendwo besonders gut gefällt."

Gerhard Diendorf versprach, morgen gegen Mit­tag wiederzukommen, falls er den Gesuchten heute nicht mehr fände und hinterließ eine Karte, schrieb unter seinen Namen:Wohne im Hotel ,Krone' und würde mich sehr freuen, wenn du mich morgen gegen Mittag aufsuchen würdest."

Er empfand leichte Heiterkeit bei dem Gedanken an die Liste von Wirtschaften, die Wilderlings Wirtin heruntergeschnurrt.

Als er über den Ritterplatz ging, blieb er un­willkürlich vor dem Ritter stehen, betrachtete ihn, betrachtete auch den alten Platz, fand ihn beson­ders reizvoll m dem Dämmerlicht des heranbrechen­den Abends. Da drüben, das alte Eckhaus gefiel ihm besonders. Er ging langsam näher, entzifferte die Inschrift über dem seitlichen Torbogen: Johan­nes Hochwald stellt Haus und ehrsam Handwerk unter des Herrn Schutz. 1730.

Er erinnerte sich, er hatte vor zehn Jahren, ge­legentlich seines Besuches in der kleinen Stadt, auch zu abendlicher Stunde vor dem Hause gestanden und die Inschrift gelesen. Seine Mutter war dabei gewesen. Aber es war Herbst damals und Wochen­tag und das Goldschmiedslädchen war hell erleuchtet gewesen. Der Mutter hatte er damals ein Andenken im Laden gekauft. Scheußlich! Er wollte morgen Vormittag hier wieder etwas für die Mutter kau­fen, es würde ihr Freude bereiten.

Er wanderte noch ein Weilchen durch die engen Straßen und ging dann in fein Hotel. Nachdem er noch im Gästezimmer zur Nacht gegessen, suchte er fein Zimmer auf. Er empfand Müdigkeit und begab sich früh zur Ruhe. Ein Fenster ließ er ein wenig offen, die Luft, die sanft und dock spürbar war, brachte einen frischen Hauch vom Ryeine mit.

Gerhard Diendorf war müde, aber feine Gedan­ken weilten wieder bei seinem Unglück. Er hatte sich vorgenommen, heute abend so wenig wie mög­lich daran zu denken, um gut und ruhig einzu­schlafen, aber er war machtlos dagegen, daß feine Gedanken sich immer wieder mit dem beschäftigten, was ihn so elend gemacht. Und schließlich schlief er doch ein, abet nicht leicht und frei, sondern mit wil­dem Haßbegehr.

Sein letztes verworrenes Denken krampfte sich um eine hohe Männergestalt, die er zu sehen glaubte. Ein herbes stolzes Gesicht schaute ihn herausfor­dernd an. Endlich aber verwirrten sich die Gedan­ken zusammen zu einem Traum, der iym den Atem festpreßte.

Mit hämmernden Schläfen und heißer Sttrn fuhr Gerhard Diendorf plötzlich aus dem Traum empor, er mußte sich erst besinnen, daß er nicht im Rhein lag, sondern in einem Bett des Hotels ^Zur Krönet

Eben schlug die Rathausuhr mit müdem blecher­nen Ton Die zehnte Stunde.

Gerhard Diendorf trank ein Glas Wasser. Erst zehn Uhr und wie lang ist eine Nacht, wenn Kopf und Herz aufsässig sind. Von ferne klang ein Wald­horn, von ferne tönte Gesang. Ueberall saß man noch im Freien und genoß den Zauber der rheini­schen Frühlingsnacht.

Ein Tor war er, so früh wie ein alter Spießer ins Bett zu kriechen.

Er kleidete sich wieder an und ging aufs gerade­wohl los. Er wollte irgendwo noch ein paar Schop­pen trinken, wollte Vergessen trinken.

12. Kapitel.

Das Bild des Gehaßten.

Komteß Gretel betrat am Montagvormittag ge­gen zehn Uhr den Goldwarenladen am Ritterplatz.

Bettina kam aus dem Zimmer mit den Bieder­meiermöbeln und auf ihrem Gesicht zeigte sich Ver­legenheit. Sie hatte Gretel nicht mehr gesehen seit dem bösen Tag und hatte ein unsicheres Gefühl, ob Gretel etwas von dem wußte, was ihr Hans Syden so grausam offenherzig bekannt.

Aber nein, Gretel wußte nichts, sie lächelte ja so harmlos froh:Bist letzthin ausgekniffen, Bet- ünalein, hast dich ohne Abschied von mir fort­geschlichen. Aber du hattest natürlich recht. Für deinen wunderhübschen Gesang wurdest du von uns behandelt wie'n gröhlender Straßensänger, vor dem man seinen Ohren zuliebe ausreißt."

Sie reichten sich die Hände und Gretel ließ sich auf einem Stuhl vor dem langen Verkaufstisch nieder.

Ich bitte, verzeih, mir, Bettina, verzeih uns allen. Hans war ein bißchen durcheinander. Er ist dir ja noch begegnet, als du heimgingst. Er sagte es mir. Weißt du, er war ganz konfus, er hat nämlich etwas erlebt, für das er gar nichts kann und das ihn trotzdem sehr beschwert. Er hat mir das Erlebnis angedeutet. Er muß nämlich irgend jemand weggeschickt haben, eine Besorgung zu ma­chen, und dabei ist dann die betreffende Person ums Leben gekommen. Deshalb fühlt er sich schul­dig. Wahrscheinlich handelt es sich um einen An­gestellten seiner Firma." Sie zog die Schultern hoch.Das ist natürlich eine traurige Geschichte, aber mein Bruder kann doch nichts dafür, nicht wahr?"

Sie blickte die Freundin fragend an.

Bettina wußte jetzt, Hans Syden hatte, um et­waigen besorgten Fragen wegen seines veränder­ten Benehmens zu begegnen, ein ganz winziges Staubkörnchen feines Erlebnisses aufgenommen und den Seinen gezeigt. Aber die Großchens und Gretel waren sicher froh, nun zu wissen, was den geliebten Enkel und Bruder bedrückte, sie würden 'es sich an der Erklärung genügen lassen.

Gretel wiederholte:Nicht wahr, mein Hansl- bruber kann doch nichts dafür?"

Bettina antwortete, ruhig scheinend:Natürlich Sann ec nichts dafür!"

Aber sie dachte, selbstsüchtig und rücksichtslos hatte Hans Syden gehandelt, als er einem anderen Mann die Braut stahl, selbstsüchtig und rücksichtslos hatte er auch gehandelt, als er ihr das alles mit­geteilt und die Mahnung daran geknüpft, sie brauche weder Mitleid noch Liebe für ihn zu haben, er würde weder für das eine noch für das andere dankbar fein.

Er hatte erkannt, daß sie ihn liebte und ihr ab­sichtlich sehr weh getan, um sich ihrer Liebe zu er- wahren. Und sie würde ihn doch niemals damit be­lästigt haben. Sie hatte nichts weiter gewollt, als daß sie still und geheim ihre Gedanken um ihn auf dem Altar ihres Herzens, den sie ihm errichtet, wei­ter hätte heilig halten dürfen.

Gretel ahnte nichts von dem, was in der Freun­din vorging. Sie war mit Bettinas Antwort voll­kommen zufrieden.

Sie plauderte:Hans ist auch schon wieder leid­lich ruhig, der Aufenthalt im Waldschlößchen tut ihm sehr gut." Sie lächelte:Aber ich habe jetzt nicht mehr viel Zeit, ich muß noch allerlei besorgen. Auch bei euch möchte ick etwas kaufen. Ich habe bet Hans eine neuere Fotografie von ihm entdeckt, er hatte sie in seinem Koffer und wußte es selbst nicht. Großchen Jutta hat nun in vier Tagen Geburts­tag, und da schlug ich Hans vor, er soll ihr fein neues Bild in einem besonders hübschen Rahmen schenken, sie würde sich sehr darüber freuen. Sie stellt es dann sicher auf ihren Schreibtisch. Groß- chen Jutta liebt das Prunkende und ich dachte, in einem Silberrahmen von der Art, wie ihr ein paar draußen im Schaufenster ausgestellt jjabt, müßte sich das Konterfei meines Brüderchens ganz famos ausnehmen."

Sie holte aus ihrer großen Handtasche einen Umschlag hervor, zog daraus eine große Foto­grafie, hielt sie der Freundin entgegen.Famos getroffen, nicht wahr? Also weißt du, Bettina, wenn ich nicht feine Schwester märe, in den da auf dem Bild verliebte ich mich Hals über Kops."

Sie lachte vergnügt. Was wußte denn die kleine Komtesse davon, wie weh Bettina Hochwald jedes der Worte tat, die sie so sorglos ftoh heraus- sprudelte.

Ja, dein Bruder ist ausgezeichnet getroffen", be­eilte sich Bettina zu versichern, es blieb ihr nichts anderes übrig, sonst hätte Gretel weitergeschwärmt.

Sie öffnete einen Schrank, entnahm ihm mehrere Silberrahmen, in die das Format des Bildes paffen mußte. Gretel wählte. Ein Rahmen gefiel ihr be­sonders gut und sie entschied sich dafür, wünschte aber, daß unten auf ein breites Silberblatt ein- Graviert werden sollte: Meinen lieben Großchen utta von ihrem Hans. Da^u Tag und Jahr.

Bettina bedauerte:Es könnte sofort gemacht werden, aber Vater ist fortgegangen und der Ge­hilfe ist feit ein paar Tagen krank. Vater wird Je- doch bald zurückkommen. Bitte, warte auf ihn."

(Fortsetzung folgty