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Nr. ,53 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstags. Zmi
Gaben des Frauenbundes in Gießen für Deutsche in Afrika. — (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)
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E: 15 Pf.-RM 1.00 / ÖL: 35 Pf.-RM 1.20
Am findet
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Aus- Rech-
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Ser provmzialta
Oer Provinz Oberhesieü
nungsjahr 1935.
Voranschlag über die Einnahmen gaben des Wasserwerks Inheiden nungsjahr 1935.
und für
beete rechts und links vom Ausgang. Rotdorn und Kastanien haben freilich ausgeblüht, aber schon bilden hohe Dahlien die ersteh Knospen, wie bald werden sie die Reisenden mit ihrer Farbenpracht erfreuen!
Äeteranin aus vier Krieaen.
Aus den alten Indianer- und Trappergeschichten ist uns die Gestalt der mutigen und tüchtigen weißen Frau bekannt, die im Wilden Westen ebenso ihren „Mann stand" wie ihre männlichen Gefährten und die Lasso und Büchse ausgezeichnet handhaben konnte. Daß sich solche Menschen aber noch unter uns befinden, berührt uns wie eine Botschaft aus einer längst verklungenen Zeit. Zu den wenigen Veteranen dieser Vergangenheit gehört Minerva Hartmann von „Fort Minerva", die ungefähr zehn Kilometer südlich von San Franzisko nach einem wechselvollen Dasein in aller Rübe ihren Lebensabend zu beschließen gedenkt. „Mutter Minerva", wie die Greisin allgemein genannt wird, hat gerade ihren 103. Geburtstag gefeiert und eine große Anzahl von Freunden und Bekannten von'Rah und Fern um sich gesehen, die sich von der alten Frau noch einmal die schicksalsvollen Ereignisse ihres Lebens erzählen ließen. Mutter Minerva war eine gute Freundin der berühmten Florence Nightingale, der englischen Krankenpflegerin, die während des Krim-Krieges bie freiwillige Krankenpflege orga- nifierte, und sie bat nicht weniger als vier Kriege mitgemacht, nämlich die amerikanischen Bürgerkriege, den Kampf gegen die Indianer unter General Custer, den amerikanisch-spanischen Krieg und den Aufstand auf den Philippinen. UebcraÜ war Mutter Minerva in ihrem Dienst an den Kranken und Verwundeten an erster Stelle und darf heute mit Recht auf eine ruhmreiche Vergangenheit zu. ruckblicken. u
arbeiten) der Eisenbetonbrücke über die Lumda im Zuge der Lumdastraße öffentlich vergeben werden sollen. Die Bedingungen liegen beim Kulturbauamt zur Einsicht offen. Dort sind auch die Angebote kostenlos zu haben. Die Eröffnung der Angebote erfolgt am 10. Juli 1935, vormittags 9 Uhr.
Kilmvonükrunqen für d e Gchu r
3m Lichtspielhaus in der Bahnhofstraße wurde am Dienstagvor- und -nachmittag den Schülern aller Schularten unserer Stadt und der Nachbarorte der Film „Triumph des Willens", der Film vom Parteitag der NSDAP. 1934 in Nürnberg, vor Augen geführt. Mit größtem Interesse verfolgten die aufmerksamen Besucher die Vorführungen und
„Viola" dem frechsten der Jungen. Der griff zu und bewies uns damit, daß er vorher nur neidisch gewesen war. Nach zwei Tagen war die „Viola" wasserdicht, nach einer Woche hatte sie bereits eine Schwester, die auf den Namen „Harry Piel" getauft wurde und dem Muster der „Viola" haargenau nachgebildet worden war. Die Altstadtjungen hatten das „Seefahren" und Teeren besser heraus als wir. Uns aber umstrahlte der Ruhm genialen Erfindergeistes.
Bis eines Tags ein Schiffer einen kleinen Jungen aus dem Main fischte, der nur durch Anwendung der Sauerstoffpumpe ins Leben zurückgerufen werden konnte.
Man fischte auch das Boot heraus. Die Uferpolizei ließ es photographieren und reihte das Bild ihrer Sammlung verbotener Wasserfahrzeuge ein. Wenn man genau hinsieht, kann man noch die Beschriftung erkennen, in wehmütig anklagenden halbverwaschenen Lettern: Viola.
des Frauenbundes zu fördern. Frau Scholz- Klink betonte in einer großen Ansprache, die sie an die beiden kolonialen Frauen-Verbände richtete, daß die Frau nicht nur hier bei uns in Deutsch- lanb das Wesen und den Geist der Familie bestimme, sondern daß dies auch ganz genau drüben [o sei. Die deutsche Frau hier bei uns gibt durch ujre geistige Haltung mitbestimmend der deutschen Frau drüben die seelische Kraft für ihr hartes und einsames Leben.
Die Ausstellung des Inhalts der Weihnachtskiste für die Abteilung Kilimandjaro bewies die stille und zielbewußte Arbeit des Frauenbundes. Mögen sich immer'weitere Frauenkreise dieser Arbeit anschließen.
und begann eine Schulstunde abzuhalten, und zwar mit allen Schikanen. Klassenbucheintragungen. Arrest und so
Gegen diefe Art der Unterhaltung empfand' ich eme unwiderstehliche Abneigung. Ich kannte das ja zur Genüge aus der Praxis! Ich nahm Viola die Puppen weg und feuerte sie in sämtliche Ecken des Stübchens. Darob erregte Einsprüche, Püffe, Verbalinjurien aus dem Reiche der Zoologie und schließlich eine ganz ernsthafte Hauerei, während der mir stets „zufällig" die Schweineschwänzchen in die Hande gerieten Viola vergaß in solchen Augenblicken alle damenhafte Zurückhaltung und brüllte los Dann erschien „Mutti" im Türrahmen, warf entsetzt die langen dünnen Arme in die Höhe und nahm die Schweineschwänzchen wieder in den Besitz der Familie Meyer —
Als Viola vierzehn Jahre alt war, fing ich, der Fünfzehnjährige, an, bei meinen Klassenkameraden mit ihrer Zuneigung zu prahlen. Auf meiner Schulbank war ihr Name zu sehen, umgeben von den Konturen eines dickbäuchigen Herzens,' und in meinem Portemonnaie trug ich, in einen alten Straßenbahnfahrschein eingewickelt, die letzten Endchen eines der beiden, nunmehr längst zum Knoten aufgesteckten Schwänzchen. — Nicht lange darauf ging unsere Freundschaft etwas plötzlich zu Ende Und das kam so-
Ich beschloß eines Tages, gemem|am mit einem Klassenkameraden ein Paddelbot zu erbauen und auf dem Main zu erproben. Die Konstruktion dieses Bootes war einzigartig und verdient in die Geschichte der Technik einzugehen; sie bestand nämlich im wesentlichen aus den Latten einer entzwei gegangenen spanischen Wand und deren Leinwandbespannung. Da diese Bespannung der ansehnlichen Größe des Bootes wegen aber nicht ausreichte, eroberten wir einen Ballen Bettleinwand, „Kriegsqualität", der schon seit Jahren wegen Unbrauchbarkeit auf der Mansarde schlummerte. Wir fügten zwei lange und etliche kurze Latten zu einem leiterähnlichen Gestell zusammen, nagelten daran eine „Heckspitze" und einen „Bug", führten seitlich senkrechte Stäbe hoch und verbanden ihre oberen Enden wiederum mit zwei langen Latten und nach unten gebogenen Heck- und Bug-Winkeln. Jetzt wurde die miserable Baumwolldecke übergezogen, mit Kupferstiften befestigt und schließlich, nachdem nur noch ein rechteckiger Raum in der Mitte des Bootes als Sitzgeleaenheit herausschaute, mit einer dreifachen Firnisschicht versehen. Als wir die Ueberzeugung gewonnen hatten, daß die Baumwolldecke nun endlich wasserdicht war, strichen wir das Ganze noch mit dicker Oelfarbe und
Rechnungsabschluß über die Verwaltung des Ueberlandwerkes Oberhessen für das Rechnungsjahr 1935.
Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben des Ueberlandwerkes Oberhessen im Rechnungsjahr 1935.
Arbettsvergebunq
Samstag, 6. Juli 1935, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes Landgraf-Philipp-Platz 3, die diesjährige' ordentliche Tagung des Provinzialtages der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung:
Verwaltungsbericht des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen über den Stand der Provinzialoerbandsangelegenheiten und Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben der Provinz Oberhessen im Rechnungsjahr 1933. Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben der Provinz Oberhessen im Rechnungsjahr'1935. Rechenschaftsbericht des Prooinzialausschusfes über die Verwaltung des Wasserwerks Inheiden und Rechnung über die Einnahmen gaben des Wasserwerks Inheiden
Eine Sommerfahrt mit der Bahn durch das deutsche Land birgt soviel Abwechslung und so viel Reize, daß es sinnlos ist, sich ohne Teilnahme an die umgebende Natur auf seinen Platz zu setzen und zu schlafen. Wir sollten mehr zum Fenster hinausschauen und die weite deutsche Landschaft und ihre Schönheit bewundern, bann aber auch nicht die schmucken Blumengärtchen bei den Bahnwärterhäuschen und den blühenden Eisenbahndamm vergessen. Wir werden uns eine lange Eisenbahn- fabrt auf das schönste verkürzen und aroße Freude haben
DieArbeif des Frauenbundes derOeufschen Kolonialgesellschast
Mitgliederversammlung der Gießener Abteilung.
Die Gießener Abteilung des Frauenbundes der Deutschen K o l o n i a l g e s e l l s ch a f t veranstaltete am Mittwoch ihren ersten Mitgliedernachmittag dieses Jahres. Der Jahresbericht bewies, wie viele, gute Vorträge und Veranstaltungen der Fauenbund im letzten Jahr gehalten hat, die leider nur vom Gießener Publikum immer noch üitl zu wenig besucht werden. Der Frauenbund setzt seine ganze Kraft ein, um durch Aufbringung von Geldmitteln, Versand von guten Büchern und Zeitschriften und einer jährlichen Weihnachskiste das Deutschtum drüben in unseren früheren Kolonien wachzuhalten und zu vertiefen und die Bindungen der deutschen Volksgenossen in Ueberfee mit ihrem Mutterland zu festigen. Durch Zusammenarbeit mit der NS.-Frauenschast ist es gelungen, auch die arbeitende Frau für diese wichtigen Belange zu interessieren, und das Mitsorgen und das Mitfühlen für die hart um ihr Dasein kämpsende Familie drüben zu wecken. Der Kassenbericht zeigte, daß die Interessen des Frauenbundes noch viel weitere Kreise ziehen müßten, daß es gelingen müßte, im kommenden Jahr eine weit größere Anzahl von Mitgliedern zu gewinnen, und es möglich wird, daß auch die Gießener Abteilung immer mehr zur Förderung des Deutschtums in Ueberfee beitragen kann
Das hiesige Schättler-Quartett spielte zwei Sätze aus dem ^-Moll-Quartett von Schubert und trug einen wesentlichen Teil zur Unterhaltung und Erbauung bei.
Bevor die Vorsitzende ihren großen Bericht über die Reichs-Kolonialtagung in Freiburg brachte, warb sie unter' vielem anderen für die Verwendung von deutschem Kaffee und deutschen Bananen und kündigte an, daß in Zukunft öfter die Mitgliederversammlungen abends stattfinden würden, um auch den arbeitenden Volkskreisen die Teilnahme daran zu ermöglichen.
Die Vortragende gab sodann den Bericht über die Freiburger Tagung, der einen kleinen, aber doch abgerundeten Ausschnitt über die mannigfaltigen Versammlungen und erhebenden Kundgebungen jener Tage brachte Aus den unendlich vielseitigen Vorträgen, einem gut aufgeführten Theaterstück von Paul Keding „Deutsch-Südwest", aus den großen Ansprachen von Gouverneur Schnee General Ritter von Epp und vielen anderen und der in großem Stil aufgezogenen Werbekundgebung auf be-rn Münsterplatz ging immer wieder eindeutig folgendes hervor:
Uns Deutschen ist durch das Versailler Diktat und
den Raub unserer Kolonien ein bitteres Unrecht zu- gefügt worden. Es gibt keine Gleichberechtigung ohne Gleichberechtigung auch auf dem Gebiet unserer Kolonien. Die Frage der Rückgabe unserer Kolonien ist für uns Deutsche eine Frage des täglichen Brotes, für die wir handeln müssen, bevor es ZU spät ist. Unser deutsches Volk braucht Kolonien so gut wie jedes andere Volk" Deshalb muß das Wissen von unseren Kolonien, das Kämpfen um unsere Kolonien und das Sorgen für unsere deutschen Volksgenossen drüben eine Sache des ganzen Volkes sein. Jeder einzelne von uns muß sich dafür persönlich einsetzen. Und nur durch den persönlichen Einsatz kann es gelingen, die das Deutschtum erhaltenden Einrichtungen und Bestrebungen
Aus Der Provinzialhaupistadl.
Der blühende Gsenbahndamm.
Die Wiesen sind gemäht, duftendes Heu wurde auf hochbeladenen Wagen zur Scheune gefahren. Blumen und Gräser fünfen unter dem Schnitt der unbarmherzigen Sensen oder der Mähmaschinen. Einige Tage nur lagen die Gräser welk und dürr auf der weiten Fläche, dann hatte die Sonne ihr Werk getan
Nun sind die Wiesen leer. Wohl sproßt wieder junges Grün — nach den letzten Gewitterregen ■— gor kräftig aus dem Boden, wohl werden wieder einige Blumen blühen, aber es find nicht gar Zu viele Die Hauptblumenpracht der Wiesen ist zu Ende Eine ernste Mahnung, daß der schönste Teil des Sommers, der kaum erst zu uns kam, aeschwunden ist. Wenn der Wind über die kahlen Wiesen weht, dann ist die Höhe des Jahres überschritten, dann geht es, wenn auch langsam, abwärts. Die Tage werden kürzer.
Wenn wir durch die weiten deutschen Gaue sab- ren, dann grüßen uns nicht mehr die bunten Wie? senteppiche in den Tälern und auf den Höhen. Auch die wogenden Getreidefelder fangen an und werden gelb Wie lange wirds dauern, und auch hier werden Sensen und Sicheln ihr Werk beginnen können.
Und doch gibt es noch gar schöne' Plätzchen mit blühenden Blumen und Sträuchern, mit grünem Laubdach und köstlichem Schatten Das 'ist der deutsche Wald, der eben im hohen Sommer der schönste Aufenthalt ist. Er lädt uns ein, und gern folgen wir seinem Ruf.
Aber Blumen und blühende Sträucher grüßen uns auch, wenn^ uns der Zug durch die deutschen Lande trägt Sensen und Sicheln mußten hier Halt machen an dem blühenden Eisenbahndamm. Schon im Frühjahr fing es an, das Blühen links und rechts von den Schienen. An den steinigen Abhängen leuchteten die goldgelben Ginsterbüsche, wilde Kirschbäumchen, blühender Weißdorn. Hahnenfuß und Gänseblümchen. Dann aber kamen neue Arten und hellere Farben Und so stehen eben ZU beiden Seiten der Eisenbahnschienen die wilden Lupinen neben der stolzen Königskerze, ausdauernde Blumen, die jedes Jahr wiederkehren und hier an den Abhängen des Bahngeländes einen geschützten Platz haben Labkraut, breite Wucherblumen, die rosafarbene Hauhechel und viele, viele andere Blumen und Stauden geben sich an dem Eisenbahndamm und an den Böschungen links und rechts der Schienen ein Stelldichein
Und wenn der Zug an einem Stellwerk, an einem Bahnwärterbäuschen vorbeifährt, wird man jedesmal aufs neue überrascht von der Farbenpracht, die uns aus den kleinen Anlagen und Gärtchen entgegenleuchtet. Welche Liebe und welche Geduld sitzen uns Deutschen doch im Blut, daß wir jedes Plätzchen, das uns anvertraut wird mit Blumen bepflanzen und sie treulich pflegen.
Da hört am Ende des Bahnhofes ein Schienen- ftrang auf Ein Erdhügel ist aufgeworfen worden. Aber darauf pflanzte der Bahnwärter einen Kranz blauer Stiefmütterchen, dahinter Rittersporn, Levkojen und Nelken. Ein kleines Gärtchen mitten in dem Wirrwarr der Schienenanlagen. Das ist etwas für unser Auge, das erfreut uns immer wieder, wenn eine solche freundliche Abwechslung die lange Bahnfahrt abkürzt. Und wir werden unwillkürlich an den schweren Dienst der Eisenbahner erinnert, wie sie Tag und Nacht auf ihrem Dosten fein müs- fen Dann aber, in jeder freien Minute, eilen sie bin zu ihren Blumen, zu ihrem kleinen Gärtchen!
Weiter saust der Zug durch die Landschaft, weite Wiesenflächen und wogende Kornfelder dehnen sich vor unfern Augen aus, dahinter der deutsche Wald. Nun macht die Bahn einen Bogen, durchfährt eine tiefe Schlucht, wieder leuchten links und rechts die hohen, schönen Lupinen Dann begleitet uns ein Bächlein An seinen Ufern blühen Schwertlilien, Dotterblumen, Vergißmeinnicht Lustig plätschert das Wasser durch die Blumenstraße. Aber wir sind schneller Der Zug fährt in den kleinen Bahnhof. Auch hier grüßen uns Blumen vor den Fenstern des Stationsgebäudes Auch hier sind Blumen-
Vrota
Xton Mario Heil de Brentan
Wir waren die besten Freunde und die ärgsten Feinde. Je nach der Witterung. Schien die liebe Sonne in den Garten, so hockten wir einträchtig vor einem halbmannshohen Berg von Gartenerde, bastelten mit kleinen Schippen und allerlei Werkzeugen dar n herum und sprachen möglichst wenig dabei. Denn wir bauten ja den Märchenberg, dessen Gipfel eine stolze Ritterburg zierte, und der von phantastischen Serpentinen umzogen war.
Der Märchenbertz stammte aus einem Kinderbuch Violas. Die Zehnjährige hatte ihn unter meiner Mithilfe in die Wirklichkeit versetzt und mit phantasievoll ausgesuchten Zutaten versehen. So standen an den Serpentinen Tische, Bänke, sogar Bettchen aus einem außer Dienst gefetzten Puppenhaus, und es war den müden, den Berg hinaufkriechenden Ritterrössern auch die vom hygienischen Standpunkte höchst begrüßenswerte Möglichkeiten gegeben, flugs ein erfrischendes Bad in einer am Wege aufgepflanzten Puppenbadewanne zu nehmen.
Ich erhob Protest gegen diese allzu hausmütterliche Betreuung der rauhen Rittersmänner und schloß schließlich, als ich auf eisernen Widerstand stieß, einen Kompromiß dergestalt, daß neben der unritterlichen Badewanne ein Schild zur Aufstellung kam: „Trinkwasser für Raubritter und Rösser" Viola runzelte die Stirn, nahm, wie immer, wenn sie Nachdenklichkeit markierte, die beiden hellbraunen, wie Schweineschwänzchen vom Kopfe abstehenden Zöpfe in die Hände, brummelte etwas daher und griff wieder friedfertig zur Schippe.
Wir waren die besten Freunde, wenn die Sonne schien. Bei schlechtem Wetter aber guckten wir aus Violas mit Puppen und Blechspielwaren vollgepfropften Zimmerchen in unfern Garten und sahen die Ritterburg mit den Elementen kämpfen. Die graugelben Regenbächlein ranr^n die Serpentinen herab und nahmen Roß und Reisige, Tische, Bänke, Kanonen und — ach, auch die Errungenschaft raub- ritterlicher Hygiene mit. Dann waren wir übler Laune, und es wäre besser gewesen, ich wäre zu meinen Geschwistern gegangen und hätte die Spielkameradin allein bei ihren Puppen gelassen; aber bann kam Mama Meyer und bat mich, doch bei ihrem Mädelchen zu bleiben, ich sei ja ihr einziger Freund und könne auch so artig mit den Puppen spielen!
Das sah dann immer so aus: Viola stellte ihre ;<roei Dutzend Lieblinge wie eine Galerie Panz- stundenbackfische an eine Wand, setzte sich vor sie
Das Kulturbauamt Gießen macht daraus ausmerksam, daß für die Gemeinde Lollar die Instandsetzungsarbeiten (Beton- und Pflasterbauten eine Vorrichtung zur Befestigung eines Treib- fegels ein.
Jetzt war der Augenblick der Taufe herangerückt. „Wir nennen es ,Trolly'", schlug der Freund vor, "so heißt unser Dackel daheim!" Ich würdigte ihn keiner Antwort, dann nahm ich den Pinsel, tauchte ihn in blendendes Bleiweiß ein und zog in schrägen Druckbuchstaben den einzig möglichen Namen am Bug des ockergelben Fahrzeugs hin: „Viola"
Der Stapellauf gestaltete sich zu einem von den Gassenjungen der Altstadt am Untermainkai kommentierten Ereignis. Viola hatte freudestrahlend die Ausführung des Taufaktes übernommen. Sie brachte eine mit Wasser gefüllte Sektflasche mit und warf sie nach den erhebenden, mit Piepsstimmchen vorgetragenen Worten: „Du sollst.Viola' heißen und deinem Fahrer immer Glück und Freude bringen!" aus Zweckmäßigkeitsgründen an die Kaimauer! Die Bootswand wäre wahrscheinlich jämmerlich zu Bruch gegangen.
Die Flasche zerplatzte, wie bei richtigen Schiffstaufen. Dann stiegen die stolzen Erbauer ein und ließen die winkende Viola am Ufer zurück. Es war sehr romantisch. Da das Boot keinen Kiel besaß, fchaukelte es bedenklich; so ergriffen wir denn die entzweigesägten Enden eines langen Paddelholzes und machten schleunigst, daß wir davonkamen. Die Eltern mögen die Hände über den Kopf zusammengeschlagen haben, auch die Uferpolizei hätte gewiß die nötigen Maßnahmen gegen uns ergriffen, wenn wir längere Zeit unsere Wasserkunststückchen zum Besten gegeben hätten. Aber gegen diefe Möglichkeit ergriff „Viola" jelbft die Initiative: sie erwies sich als nicht wasserdicht. Jeweils nach einer halben Stunde Paddeln mußten wir zum Ufer zurück, um die putzige Nußschale „trockenzulegen".
Natürlich wurde auch Viola zum Paddeln eingeladen. Sie erschien vorsorglich im Badekostüm an der Anlegestelle, lächelte nervös, setzte das linke Füßchen ins Boot, zog das rechte nach und lag im Wasser. Wir retteten sie unter heroischen Anstrengungen und stellten dabei zu unserem Schrecken fest, daß sie überhaupt nicht schwimmen konnte. Sie hatte es uns verschwiegen, um als „echte Sportsdame" zu erscheinen. Wir platzten vor Verantwortungsgefühl: „Viola", entschieden wir schließlich, „bevor du schwimmen gelernt hast, darfst du das Boot nicht mehr betreten!"
Als es uns auf die Dauer zu langweilig wurde, das trotz immer neuer Firnis- und Oelfarben- anstriche nicht wasserdichte Boot zum Gaudium der Altstadtjungen weiter in den Dienst der sportlichen Eroberung des Mains zu stellen, schenkten wir die


