Ausgabe 
4.7.1935
 
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Reichseinheitliche Prüfungs­anforderungen für Kaufmannslehrlinge.

Vom Sozialen Amt der Reichsjugend­führung wird geschrieben:

Die bisherigen Erfahrungen, die von den In- dustrie- und Handelskammern bei den K a u s - manysgehilfenprüfungen gemacht wer­den konnten, haben nicht nur die Notwendigkeit der Prüfungen selbst bestätigt, sondern immer wie­der auch oie Einheitlichkeit der Prü­fungsordnungen und Prüfungsan- forderunaen als erforderlich erwiesen. Der Wert einer Leistungsprüfung erscheint fragwürdig, wenn weitgehend auf Art und Umfang des Lehr­betriebes Rücksicht genommen werden muß.

Die Industrie- und Handelskammer zu Berlin hat nun neue Prüfungsanforderungen an Verkaufs­lehrlinge des Kolonialwareneinzelhandels der Oef- fentlichkeit übergeben. Sie stellen einen Versuch dar, die Grundlage einer objektiven Lei­st ungsbewertuny zu schaffen und die Kauf- mannsgehilfenpflichtvrüfungen loszulösen von den Bedingungen des Lehrbetriebes. Die Anforderun­gen, die eingehend die Gebiete Einkauf, Lager, Warenkunde, Verkauf, Kaffe, Expedition, Korre­spondenz, Registratur, Buchhaltung, Geldverkehr, Handelsrecht, Sozialrecht und nationalsozialistisches Allgemeinwissen behandeln, sollen dazu dienen, den Prüfungsbewerber rechtzeitig zu belehren, wel­ches Maß an kaufmännischen Kenntnissen und praktischen Fertigkeiten er in der Kaufmanns­gehilfenpflichtprüfung nachzuweisen hat.

Wenn der Lehrling also zu Beginn der Lehrzeit dies Heftchen erwirbt, dann hat er Gele­genheit, sich im Laufe seiner drei Lehrjahre auf die Prüfungsanforderungen systematisch v o r z u - bereiten. Dem Lehrherrn sollen die Prü-

Deutschlands Oelbilanz.

Auf der in diesen Tagen in Hamburg abgehal­tenen Kraft- und Brennstoff-Tagung hielt u. a. der Generaldirektor der Rhenania-Ossag Mineralölwerke A. G. Hamburg, Dr. K r u s p i g, ein aufschlußrei­ches Referat über das ThemaFremde Oele in der deutschen Wirtschaf t", das darum ein besonderes Interesse beanspruchen darf, weil diese Ausführungen eine im weiteren Sinne volks­wirtschaftliche Frage behandeln. Dem Problem der Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Oelen hat sich in letzter Zeit in besonderem Maße das In­teresse der politischen und wirtschaftlichen Führung, der Fachkreise und darüber hinaus weitester Kreise der gesamten Öffentlichkeit zugewandt. Es ist in stärkerem Maße akut geworden durch die außer­ordentlich schnell fortschreitende Motorisierung, die notwendige Einschränkung jeder Einfuhr, die irgendwie durch Eigenproduktion ersetzt werden kann und schließlich durch die Ueberlegung, daß überhaupt auf diesem wie anderen Gebieten eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit vom Aus­lande zu erstreben ist.

Trotz der absolut betrachtet großen Men­gen- und Wertzahlen, um die es sich bei dem Oel- problem handelt, erscheinen diese doch zum Teil stark verkleinert, wenn man sie am Maßstab des gesamten deutschen Außenhandels und selbst an dem einzelner anderer Einfuhrwaren mißt. Wenn auch 116 Millionen Mark als einzelner Einfuhrposten heute mehr denn je einen Betrag darstellen, der schon eine Rolle spielt, so mag diese Summe, die den Gegenwert der gesamten deutschen Mineralöl- Einfuhr in Höhe von 2,9 Millionen Tonnen (nach Abzug des Re-Exports) ausmacht, doch wieder re­lativ niedriger erscheinen, wenn man berücksichtigt, daß wir mit dieser überwiegend in Deutsch­land erst verarbeiteten Oelmenge fast '3 ro e i Drittel unserer Kraftwagen, Zehntausende von Zugmaschinen, Tausende von großen und klei­nen Dieselmotoren betreiben, rund vier Fünftel un­serer Maschinen schmieren, Straßen asphaltieren, Dächer decken und anderes mehr machen, daß diese 116 Millionen immerhin er st 2,6 Prozent der gesamten deutschen Einfuhr ausmachen, daß die deutsche Obsteinfuhr nur um 7 Millionen Mark geringer war, und daß schließlich diese Oelein- fuhr bereits mit Ausfuhrerlösen bezahlt werden konnte, die 1934 nur 2,8 Prozent des Ge­samterlöses unserer Ausfuhr ausgemacht haben.

Don besonderem Interesse mag die in dem er­wähnten Referat geäußerte Annahme fein, daß wir mit unserem Verbrauch von leichtem Treibstoff vor­aussichtlich nicht mehr weit von unserem Gipfel­punkt entfernt sind, weil trotz der stark zunehmen-

fungsanforderungen als Richtlinien für die Ausbildung seiner Lehrlinge dienen, so daß er sich mit Abschluß eines Lehrverhältnisses auf eine Ausbildung verpflichtet, die nicht mehr allein dem eigenen Ermessen unterworfen ist. Die B e - ruf s» und Fachschulen werden gleichzeitig über die 'Wünsche der Wirtschaft hinsichtlich der Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses un­terrichtet, während die Wirtschaft ihrerseits von der Notwendigkeit und dem erforderlichen Maß der schulischen Berufserziehungsarbeit Kenntnis hat.

Der Vorstoß der Berliner Industrie- und Han­delskammer unterbindet automatisch jede Spe­zialisierung des Lehrlings während der Lehrzeit, weist' den Lehrling vielmehr an, zunächst die erforderlichen kaufmännischen und fach­lichen -Kenntnisse zu erwerben. Ebenso automatisch wird daher die Lehrlingsausbildung in Spezialbe­trieben des Einzelhandels, in Einheitspreisgeschäf­ten usw. beseitigt. Der Lehrherr ist selbst dann nicht zur einseitigen Ausbildung des Lehrlings etwa nur in der Buchhaltung oder in der Kasse berechtigt, wenn die Eltern oder sonstigen Erzie­hungsberechtigte des Lehrlings ihre Zustimmung dazu geben. Es soll für alle Zukunft verhindert werden, daß dem Lehrling die Fortkommensmöglich­keiten bereits während der Lehre auf ein bestimm­tes Fachgebiet beschränkt werden. Don der Reichswirtschaftskammer wurde nun ein Ausschuß ins Leben gerufen, der mit der Aus­arbeitung reichseinheitlicher Richtlinien für die übrigen Fachgruppen des Lebens­und Genußmitteleinzelhandels beauftragt wor­den ist

den Motorisierung die ebenfalls in aussichtsreicher Entwicklung begriffene Verwendung von festen und gasförmigen Treibstoffen die Steigerung des Benzinverbrauches voraussicht­lich in viel engeren Grenzen halten wird, als man im Hinblick auf die zunehmende Motorisierung zu­nächst anzunehmen geneigt fein könnte. Ueberhaupt ist heute schon die deutsche Bedarfsdeckung an leich­ten Treibstoffen in nicht mehr so hohem Maße von der Auslandseinsuhr abhängig; denn von dem vor­jährigen Bedarf in Höhe von 1 650 000 Tonnen wurden rund 650 000 Tonnen durch Eigen- erzeugung gedeckt. Auch die Eigenerzeu­gung an Schmieröl konnte im letzten Jahre bereits von 20 auf 24 0. H. des heimischen Bedarfs gesteigert werden. Dafür haben wir allerdings auf anderen Gebieten noch eine wesentlich größere Ab­hängigkeit vom Auslande. So konnte beispielsweise 1934 von dem Asphaltbedarf erst ein Anteil von 4 0. H. durch die deutsche Erdöl-Produktion gedeckt werden. Diese großen Unterschiede ergeben sich in der Hauptsache daraus, daß naturgemäß die deutsche Industrie in erster Linie diejenigen Oele herstellt, mit denen sie mit den Preisen am gün­stigsten liegt. In diesem Zusammenhänge dürfen schließlich noch die Angaben ein besonderes Inter­esse beanspruchen, daß von den im Jahre 1934 ins­gesamt von der deutschen Wirtschaft für die Oel- versorguna aus dem In- und Ausland ausgegebe­nen 700 Millonen Mark etwa 500 Millionen auf Zölle und Mehrkosten der inländischen Herstellung, insbesondere auf die zusätzliche Belastung des Treib­stoffpreises aus der S pritbeimischung entfallen und daß die Frage des T r e i b st 0 f f p r e i f e s und seiner Zusammensetzung aus den eigenb lichen Kosten der Ware und staatlichen Abgaben von entscheidender Bedeutung für die weitere Ent­wicklung der Motorisierung in Deutschland sein werde.

Trotz der zwingenden Notwendigkeit, für die Deckung unseres Oelbedarfs jede mögliche heimische Quelle zu erschließen, ergeben sich naturgemäß hier­für auch gewisse Grenzen, die sowohl von der Wirt­schaftlichkeit her wie von handelspolitischen Er­wägungen gezogen werden, da die Oeleinfuhr schon heute im Warenverkehr mit einigen Ländern e i n wichtiges Kompensationsobjekt für zusätzliche deutsche Ausfuhrmöglichkeiten bildet. Hierauf bezog sich insbesondere die Schlußbemer­kung Dr. Krrrspigs, daß die gegenwärtige anormale Lage des Welthandels nicht zu überstürzten, von einer extrem autrakifchen Einstellung diktierten Investitionen führen dürfe.

Geistige Wehrbereiffchast.

Die jungen Wehrpflichtigen Haben die ersten Musterungen hinter sich. Die Berichte darüber besagen, daß die deutsche waffenfähige Jugend mit Freude und Eifer die Aushebungen verfolge. Die Feststellung dieser Tatsache erscheint vielleicht man­chem in unserer Zeit überflüssig, weil sie nur eine Selbstverständlichkeit bestätigt. Die Wehrbereitschaft unserer Jugend ist ein im deutschen Volkscharakter beruhender Schatz, dessen Hebung und neu erstrah­lender Glanz ein unbestreitbares Verdienst des Dritten Reiches ist. Vielfach aus den Scharen Adolf Hitlers hervorgegangen, die Blut und Leben für die Wiedererstarkung des Reiches opferten, treten diese jungen Männer nun in das graue Heer und werden im Sinne ihres Führers bewußte Träger der ruhmvollen "Tradition deutschen Soldatentums, das feine höchste Vollendung im Weltkriege fand. Aus jener Zeit wissen wir, welche Bedeutung neben der Wehrpflicht b i e Wehrwilligkeit' besitzt. Im Kriege erfuhren wir ferner, daß Heer und Heimat erfüllt sein müssen von ein und demselben Geist. Diese Erfahrung, ditz sich die nationalsozia­listische Bewegung zu eigen gemacht hat, ist eine der Kraftquellen unserer Zeit. Von besonderer Bedeu­tung ist sie im Hinblick auf die Landesverteidigung. Hier muß schon in Friedenszeiten die Vorarbeit ge­leistet sein, auf der sich im Ernstfall der weitere Aufbau zur seelischen Erstarkung des Volkes voll­ziehen kann. Man mag dieses Fundament nennen, wie man will es muß ein Ziel und einen Erfolg zeitigen: d i e geistige Wehrbereitschaft.

Wie ist diese zu schaffen, und was gehört zu ihr? Der Nationalsozialismus kann mit Recht von sich sagen, daß.er in allen Teilen der Volksgemeinschaft weitestgehendes Verständnis für Wehrfragen aller Art findet. Eine Hauptaufgabe der Gegenwart ist es darum, dieses Verständnis mit allen Mitteln zu fördern und auszubauen. Es gilt das Erkennen un­seres Volkes für die eigenen Wehrprobleme an Hand derjenigen unserer Nachbarländer und des übrigen Auslandes zu vertiefen. Mit Recht kann eine solche Aufklärungsarbeit Wehrpropaganda genannt wer­den. Sie unterscheidet sich grundsätzlich von jeder Art Kriegspropaganda und bezweckt stattdessen das wehrhafte Denk en in der Volksge­mein s ch a f t als ein lebensnotwendiges Gebot un­serer Tage. Sie ist also eine völlig ideelle Ange­legenheit eines Volkes, das sich auf wehrpolitischem Gebiet mit Fragen und Problemen beschäftigt, die eines Tages akut werden könnten. Der moderne Landesschutz erfordert von der ganzen Bevölkerung größtes Verständnis und völligen Einsatz. Dafür die rechte geistige Einstellung zu erwecken und zu pflegen und so eine ständige Wehrbereitschaft zu garantieren, ist ein wehrpolitisches Gebot, das in den hochgerüsteten Staaten eifrig befolgt wird

Wehrpropaganda vermittelt dementsprechend die Kenntnis von dem Rüstungsstand der Nachbarn und des sonstigen Auslandes, sie unterrichtet ob­jektiv über das militärische Vorhaben anderer Staaten, sie berichtet über den Stand der Kriegs­technik kurz; sie gibt im Hinblick auf die eigene Lage und deren Erfordernisse genaue Kunde oon dem militärischen und wehrpolitischen Geschehen der Umwelt, damit dadurch der eigene Blick geschult und die Wehrbereitschaft wachgehalten wird.

Diese Wachsamkeit und Bereitschaft kann mehr als früher als ein besonderes wehrpolitisches Kenn­zeichen der Gegenwart angesprochen werden. Denn infolge des in Zukunft dreidimensionalen Kampfes, bei dem die Heeresmotorisierung sowie die Luft­streitkräfte eine wesentliche Rolle spielen dürften, wird das Moment der plötzlichen Entscheidung so wie der Ueberraschung in den Vordergrund treten. Hierfür muß heutzutage ein Volk innerlich gewapp­net sein. Das ist aber nur möglich durch die all­gemeine geistige Wehrbereitscbast des Volkes, das sich beizeiten über diese Pflichten klargeworden ist und diesen Anforderungen unerschrocken ins Auge blickt. Es genügt heute nicht mehr die Ab­leistung des Waffendienstes des einzelnen Wehr­pflichtigen. Erforderlich ist vielmehr die Wehrbe- reitfchaft des ganzen Volkes, das im Ernstfall ein­mal in feiner Gesamtheit den Folgen eines Maf- fenganges ausgesetzt ist. Das alte Soldatenwort Bereit sein ist alles!" hat darum heute ebenso Geltung wie die Forderung, daß die geistige Wehrbereitschaft einen festen Platz innehaben muß im deutschen Gedankengut des Dritten Reiches!

Helgoland.

45 ,3obre in deutschem Besitz.

Grün in das Land, Rot ist die Kant, Weiß ist der Sand. Das sind die Farben Von Helgoland!"

Der 1. Juli 1890 war für Helgoland ein historischer Tag. Damals, also von 45 Jahren, wurde der deutsch-englische Vertrag abgeschlossen, der dem Deutschen Reich diese Insel, denSchlüssel zur Deutschen Bucht", sicherte, unter Verzicht auf Teile des neuerworbenen ostasrika- nischen Kolonialgebietes. Es war politischer Wen- blick, der damals auf wertvolles Kolonialland ver­zichtete; aber der Besitz von Helgoland war noch wertvoller, noch entscheidender für Deutschlands Zukunft. Das hat Helgoland im Weltkriege be­wiesen, kein Feind wagte die stark befestigte Insel anzugreifen, die für sämtliche Unternehmungen un­serer Flotte in der Nordsee ein unschätzbarer Stützpunkt war. Tragik des Schicksals, daß da­mals, als am 28. August 1914 bei der Insel leichte deutsche Streitkräfte in schwerem Kampf gegen englische' Schlachtkreuzer standen, wobei die Kreu­zerMainz",Köln ,Ariadne" und das Tor­pedobootV. 187" versenkt wurden, die Batterien der Insel wegen Nebels nicht hatten eingreifen können. Welche Bedeutung der Feind der Festung Helgoland beimaß, geht zur Genüge daraus hervor, daß die Entente im Versailler Diktat festlegte, sämt­liche Befestigungsanlagen und Hafenbauten müßten gesprengt werden.

So dient Helgoland heute friedlichen Zwecken, es hat eine Biologische Anstalt, ein stattliches, 1892 gegründetes M e e re s l a b 0 ra t 0 r i u m. Es ist vielleicht von Interesse, darauf hinzuweisen, daß Ern st Haeckel bereits 1854 auf Helgoland Meeresforschung betrieb. Seit 1910 hat die Insel eine Vogelwarte, die, ähnlich wie die von Rossitten auf der Kurischen Nehrung, an der Feststellung des Vogelfluges arbeitet und durchziehende Vögel be­ringt. Weltbekannt ist Helgoland als Seebad. Im Jahre 1826, angesichts der Not und des Elends unter der Bevölkerung in der Zeit nach den napo­leonischen Kriegen damals gehörte die Insel bereits England, das sie 1807 den Dänen abgenom­

men hatte hat ein Helgoländer, Siemens, sich dafür eingesetzt, daß man auf der Insel Ein­richtungen für die Ausnahme von Badegästen traf. Das Badeleben selbst vollzieht sich auf der 1500 m von der Insel entfernt liegenden sogenannten Düne, die noch bis zum älnfcr.g des 18. Jahrhunderts mit der Hauprlnsel in unmittelbarer Verbindung, durch einen Sleinwall, LenWaal" stand. Eine Hochflut hat dann 1711 diesen Steinwall weggerissen, wie ja überhaupt Helgoland im Laufe der Jahrhunderte durch die stürmische See und durch die Verwitterung des Felsens immer kleiner wird. Heute hat die Insel bei einer Einwohnerzahl von etwa 2500 Menschen eine Größe von 0,64 qkm.

Auch für die deutsche Fischerei ist Helgoland von großer Bedeutung. Wie oft suchen bei stürmi­schem Wetter besonders die Kutter aus Finkenwär­der und Cuxhaven den kleinen Schutzhafen auf, wie oft gehen im Schutz der Insel Handelsdampfer vor Anker, um besseres Wetter abzuwarten.

Zäh halten die Inselbewohner an ihren alten Rechten, an denB e l i e b u n g e n" fest, die man ihnen auch nach Möglichkeit belassen hat. So ist Hel­goland auch heute noch Zollausland, es bildet einen eigenen Kreis, den ein dreigliedriger Jnselausschuß leitet. Schließlich wird das Gemeindewahlrecht nur dem verliehen, der mindestens fünf Jahre auf der Insel seinen Wohnsiß hat. Rot grüßt Helgolands Felsen über die Wasser der Nordsee, jedem unver­geßlich, der einmal die Insel besucht hat. Dankbar müssen wir aber des Tages gedenken, der von 45 Juhren die Insel mit Deutschland vereinigt hat.

Weitere Förderung der Kleinsiedlung.

Berlin, 3. Juli. (DNB.) Die Reichsregierung hält die tatkräftige Förderung der Kleinsiedlung für eine der wichtigsten und vordringlichsten Aufgaben. Nachdem erst kürzlich ein Betrag von zunächst 70

Millionen RM. für die Gewährung von Reichsdar­lehen für Kleinsiedlungen verteilt worden ist, hat der Reichs- und Arbeitsminister einen weiteren Runderlaß an die zuständigen Behörden gerichtet, der die Möglichkeit gibt, die beträchtlichen Vergün­stigungen und Erleichterungen steuerlicher, baupoli­zeilicher und sonstiger Art, die für Kleinsiedlungen gewährt werden, auch solchen Siedlungs­vorhaben zuzuwenden, für die k e i n e R e i ch s - darlehen oder Reichsbürgschaften in Anspruch genommen werden. Bei dieser privat finanzierten Kleinsiedlung kann dem Siedler eine größere Bewegungsfreiheit eingeräumt werden als sonst im Darlehens- und Bürgschaftsverfahren. Ins­besondere sind auch hinsichtlich der Grundstücksgröße und der Bau- und Einrichtungskosten weitere Grenzen gezogen als dort. So ist der A u s - bau eines zweiten Vollgeschosses für die eigenen Bedürfnisse des Siedlers, und unter gewissen Voraussetzungen der Einbau einer Einliegerwohnung zugelassen. Die strengen Bestimmungen des Darlehens- und Bürgschaftsver­fahrens über die Einschaltung von Verfahrensträ- gern, über die Beschränkung des Personenkreises (auf Minderbemittelte mit nicht mehr als 200 RM. Monatseinkommen), über die Eigenleistung der Siedler, über die dreijährige Bewährungsfrist u. a. brauchen hier nicht angewandt zu werden. Auch die Daukostengrenzen sind aufgelockert worden. Danach können jetzt auch solche Vorhaben noch als Kleinsiedlungen anerkannt werden, bei denen die Kosten für Ausbau und Einrichtung, ausschließlich der Kosten des Grunderwerbs und der Gelände­erschließung, äußerstenfalls bis zu 6000 Reichsmark betragen. Anträge auf Anerken­nung von Siedlungsvorhaben als Kleinsiedlung sind unmittelbar an die Anerkennungsbehörden (in Preu- ßen die Regierungspräsidenten, die Verbandspräsi­denten in Hessen, in den übrigen Ländern durchweg die obersten Landesbehörden Ressort für die Kleinsiedlung) zu richten.

Außenminister Beck Gast des Führers.

Berlin, 3. Juli. (DNB.) Der polnische Außen­minister Oberst Beck stattete um 10.45 Uhr in Be­gleitung des polnischen Botschafter Lipski im Aus­wärtigen Amt dem Reichsaußenminister Frhrn. v. Neurath einen Besuch von etwa 15 Minuten Dauer ab. Anschließend begab sich Minister Beck, vom Botschafter und vom Reichsaußenminister be­gleitet, zu Fuß in d i e Reichskanzlei, wo die Wachen das Gewehr präsentierten. Der Adjutant des Führers und Reichskanzlers, Obergruppenfüh­

Oberst Beck beim Verlassen der Reichskanzlei; - neben ihm Obergruppenführer Brückner. (Scherl-M.)

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rer Brückner, empfing die Gäste am Eingang und geleitete sie zum Führer.

Außenminister Beck und Frau Beck nahmen dann an einem Frühstück teil, das Freiherr v. Neurath zu ihren Ehren veranstaltete. Bei dem Frühstück waren zugegen von deutscher Seite der Staatssekretär v. Bülow, der deutsche Bot­schafter in Warschau, v. M 0 ltke, Ministerialdirek­tor Meyer mit Gattin, sowie der Protokollchef Graf Bassewitz und einige Herren des Aus­wärtigen Amtes.

Der Führer und 'Reichskanzler gab abends in seinem Hause zu Ehren des polnischen Außenministers und seiner Gattin ein Abend­essen, an dem auch der polnische Botschafter Lipski, der deutsche Botschafter in Warschau v. Moltke und die Herren der Begleitung des Außenministers Beck, sowie mehrere Mitglieder der Reichsregierung u. a. führende Persönlichkeiten des politischen Lebens mit ihren Damen teilnah­men. Im Anschluß an das Essen fand ein Kon­zert statt, bei dem die Damen Luise Willer, Maria Müller und die Herren Wilhelm Rode, Max Lo­renz, Julius Patzak, Professor Wilhelm Kempff und Michael Raucheisen mit vollendeten Darbietungen die Gäste des Führers erfreuten.

Kunst und Wissenschaft.

48. Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker.

Die allgemeine Sitzung der 4 8. Hauptver­sammlung des Verein deutscher Che­miker in Königsberg, wurde durch den Vorsitzen­den des Vereins, Prof. Dr. Paul Duden (Frankfurt a. M.) mit einer Begrüßung eröffnet. Prof. Dr. Duden erläuterte die Aufgaben des Vereins im Dienste an der Volksgemeinschaft. Es handele sich darum, den Verein deutscher Chemiker durch die Sammlung aller Berufsgenossen immer vollständiger in die Aufbauarbeit des Führers hineinzustellen, ferner allgemein für chemische Arbeit Verständnis und Wertschätzung zu gewinnen und neue nützliche Ar. beitsmöglichkeiten zu schaffen.

Professor Dr. Duden gab dann Kenntnis von einer neuen Stiftung, die dem Verein deutscher Chemiker von der IG. Farbenindustrie A. G. zur Verfügung gestellt worden ift. Sie gilt dem An» denken des Geheimrats Professor Dr. Karl Suis- berg, dessen bahnbrechendes Wirken der deutschen Chemie Weltruf verschafft hat, und bezweckt, den Nachwuchs zu fördern. Die Stiftung erbringt jähr­lich ein Stipendium von 1000 Mark für denjenigen Chemiker, der in Göttingen, Jena oder München studiert und die beste wissenschaftliche Jahresleistung vollbracht hat. Professor Dr. Duden überreichte dann im Namen des Vereins deutscher Chemiker die Emil-Fischer-Denkmünze an Professor Dr. Adolf Butenandt (Danzig) für hervorragende Forschungen auf dem Gebiete der Keimdrüsenhormone und die Liebig-Denk, münze an Professor Karl Ziegler (Heidelberg), sowie an den Professor für physikalische Chemie Dr. Roth (Braunschweig).

OerFord Frankreichs".

Der französische Autoindustrielle Andre Citroen)*.

Wir erinnern uns: im vorigen Jahre erst war der Name Citroen in aller Munde, als sein Unterneh­men zusammengebrochen war. Den Untergang seines Geschäftes hat der Großindustrielle nicht mehr lange überlebt, er ist eben an einer Krebskrankheit ge­storben. Wenn man Citroen als denFort Frank­reichs" bezeichnete, so darum, weil er nicht nur wie der amerikanische Autokönig ins Große strebte, son­dern weil auch seine wirtschaftlichen Ansichten denen Fords glichen. Jedem sein Auto! war auch seine Parole, er sah in dem Auto das wichtigste Zu­behör der kommenden Jahre. Darum forcierte er dis Autoerzeugung ins Unermeßliche, und waren int Jahre 1924 noch 400 Automobile in feiner Fabrik hergestellt worden, so verließen 1930 schon 200 000 und im Jahre 1931 300 000 Wagen die Werkstätten. Eine weitere Steigerung wäre zwar möglich ge< wesen, doch ging schon damals der Umsatz zurück, so daß sich Citroen zur Vorsicht gezwungen sah.

Als die allgemeine Krise ausbrach, kamen auch über das Unternehmen des französischen Autokönigs größere Schwierigkeiten. Mehrere Stützungsaktionen brachten die Fabriken noch über die nächsten Jahrs hinweg, bis vor ganz kurzer Zeit in der Gläubigevt