Jas Mchsnaturschutzgeseh.
Lavals Kampf
Von Professor Or. Walter Schoenichen, Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen.
Durch das Reichsnaturschutzgesetz, das am 26. Juni 1935 vom Reichskabinett beschlossen worden ist, ist eine Lücke in der deutschen Gesetzgebung ausgefüllt worden, die in. den Kreisen aller Heimat- und Naturfreunde seit Jahren schwer empfunden worden ist. Bei ihren Maßnahmen zum Schutze der heimischen Natur konnten gerade die größeren der deutschen Länder — so Preußen, Bayern, Württemberg und Baden — sich bisher nur auf gesetzgeberische Notbehelfe stützen, und oft genug mußte man dem Untergang wertvoller Teile der deutschen Land' schäft und bedeutungsvoller Naturdenkmale mit ver- schräVlkten Armen zusehen, weil eben die Gesetzgebung keine Handhabe zur Rettung bot. Dazu kommt, daß die Naturschutzbestimmungen in den einzelnen deutschen Ländern nicht bloß unvollkommen, sondern auch durchaus uneinheitlich waren, ein Zustand, der einer gleichmäßigen und gleichsinnigen Entwicklung der Naturschutzbelange . hemmend im Wege stand.
Durch das soeben verkündete Reichsnaturschutzgesetz werden diese Mißstände mit einem Schlage ausgeräumt, und die deutsche Naturschuhbewegung hat mit ihm ein Werkzeug in die Hand bekommen, das es ihr ermöglichen wird, die Belange des deutschen Naturschutzes künftig in vollem Umfang so wahrzunehmen,wie es ihrer großen kulturellen Bedeutung entspricht. Nach mancherlei Vorarbeiten von anderer Seite hat letzthin der Herr Ministerpräsident Hermann Göring sich der Frage des Naturschutzgesetzes angenommen, und seinem machtvollen Eintreten ist es in erster Linie zu danken, daß das Gesetz schon nach wenigen Wochen fertig vorliegen konnte.
In dem Reichsnaturschutzgesetz vom 26. Ium 1935 wird zunächst sein Anwendungsbereich umschrieben. Demnach erstreckt es sich auf den Schutz von Planzen und nichtjagdbaren Tieren, auf den Schutz von Naturdenkmälern aller Art einschließlich ihrer Umgebung auf die Einrichtung von Naturschutzgebieten sowie auf den Schutz der freien Landschaft, soweit es sich darum handelt, störende oder verunstaltende Eingriffe von ihr fernzuhalten.
Unter Naturdenkmalen sind im Sinne des Gesetzes Einzelschöpfungen der Natur zu verstehen, die zu erhalten aus völkischen, wissenschaftlichen, geschichtlichen Gründen oder wegen ihrer Eigenart im öffentlichen Interesse liegt. Es gehören hierher also beispielweise Felsen, Wanderblöcke, Gletscherspuren, Quellen, Wasserläufe, Bäume, Baumgruppen und dergleichen mehr. Naturschutzgebiete sind demgegenüber flächenhaft ausgedehnte Bezirke, in denen die Natur entweder in allen ihren Erscheinungen oder in einzelnen ihrer Teile unter Schutz gestellt ist. Demnach kann man wohl unterscheiden zwischen Dollnaturschutzgebieten oder Banngebieten sowie Teilnaturschutzgebieten, zu denen etwa Dogelfreistatten, Pflanzenschonbezirke usw. zu rechnen wären.
Besonders wichtig ist, daß das Gesetz die Möglichkeit bietet, ganz allgemein verunstaltende Eingriffe in das Lands chaftsbild auszuschließen. Die bisherigen in Preußen und einer Reihe von anderen Ländern geltenden sogenannten Verunstaltungsgesetze waren in dieser Beziehung völlig unzureichend, besonders auch deshalb, weil sie nur für sogenannte landschaftlich hervorragende Gegenden Anwendung finden durften. Das neue Gesetz bietet die Möglichkeit, die deutsche Landschaft überall und nicht bloß in ihren Schlagern und Glanzpunkten dem deutschen Volke unverfälscht und unverdorben zu erhalten.
Neu geregelt ist in dem Reichsnaturschutzgesetz auch die Frage der Z u st ä n d i g k e i t. Künftig wird an Stelle des Reichserziehungsministers der Reichsforstmeister ober st e Natur- schutzbehörde für das ganze Reich sein. Die Nachgeordneten Naturschutzbehörden sollen nach dem in Preußen bewährten Muster einheitlich über das ganze Reich organisiert werden. Jede Naturschutzbehörde wird für ihren Amtsbereich eine besondere „Stelle für Naturschutz" einrichten, deren Aufgabe es ist, innerhalb ihres Wirkungskreises alle schützenswerten Naturerscheinungen zu ermitteln, zu erforschen und dauernd zu beobachten sowie für deren Sicherung die erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Daneben gehört es zu ihren Pflichten, in der Allgemeinheit für die Förderung des Naturschutzgedankens zu werben. Der obersten Naturschutzbehörde steht als Beraterin eine „Reichsstelle für Naturschutz" zur Seite, die u. a. auch den Auftrag hat, für eine einheitliche Wirksamkeit aller übrigen Naturschutzstellen zu sorgen. Bis zur Errichtung dieser Reichsstelle werden ihre Aufgaben der schon seit 1906 bestehenden „Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen" übertragen.
Aeußerst wichtig für die Tätigkeit der Naturschutzstellen ist der § 2Ö des Gesetzes, der es allen Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden auferlegt, vor Genehmigung von Maßnahmen oder Planungen, die zu wesentlichen Veränderungen der freien Landschaft führen können, die zuständige Naturschutzbehörde rechtzeitig zu beteiligen. Damit ist die bisher schmerzlich entbehrte Grundlage dafür geschaffen, daß der Naturschutz seine im Interesse der deutschen Volksgesamtheit erhobenen Ansprüche überall und zu jeder Zeit geltend machen kann. Für den Einbau dieser Bestimmung in das Reichsnaturschutzgesetz werden alle Natur- und Heimatschützer, insbesondere aber auch die heimatliebende wandernde deutsche Jugend und Jungmannschaft, besonders dankbar sein.
Noch zahlreiche Einzelheiten werden in dem Gesetzeswerk, das insgesamt 28 Paragraphen umfaßt, behandelt, so z. B. die Führung eines Natur- d e n k m a l b u ch e s bei den unteren Naturschutzbehörden, Vorschriften über Eintragungen und Löschungen in diesen Naturschutzbüchern, Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen für Naturdenkmale und Naturschutzgebiete, Vorschriften über einstweilige Sicherstellung, über Begründung von Reichsnaturschutzgebieten sowie Straf- und Üebergangsvorschrif- ten. Völlig in Kraft tritt das Gesetz am 1. Oktober 1935. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß diese neue Schöpfung sich würdig anreiht den ihr vorangegangenen, in ähnlicher Richtung liegenden Gesetzeswerken des nationalsozialistischen Staates.
Meine politische Nachrichten.
Der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch, nimmt vom 7. bis 9.Juli an der Kraftwagensport' Übung des Wehrkreises IV (Dresden) teil.
um innerpolitische Festigung in Frankreich
Vor kritischen Tagen.
Frankreich besindet sich offenbar nicht nur immer noch in einer akuten parlamentarischen Krise, die durch die Bildung des Kabinetts Laval einstweilen nur notdürftig überbrückt worden ist, sondern darüber hinaus scheinbar auch in einer schleichenden innerpolitischen Krise. Die brennende Frage ist heute: Was wird der 14. Juli, der N-ationalfeiertag, bringen? Don der Linken, die inzwischen soweit unter einen Hut gebracht werden konnte, als es sich um den Kampf gegen rechts handelt, werden große D e - m o n st r a t i o n e n für den 14. Juli vorbereitet, an denen alles teilnehmen soll, was irgendwie unter der Flagge republikanischer Parteien und Verbände segelt, von den Kommunisten und der sozialistischen Partei angefangen bis zu den Neusozialisten und Sozialrepublikanern, Nadikalsozia- listen, der Liga für Menschenrechte, dem Allgemeinen Gewerkschaftsbund usw., eine Demonstration für die republikanischen Menschenrechte und gegen angebliche Putschpläne der patriotischen Verbände. Diese wiederum behaupten, daß die Linke ihrerseits zur Machtübernahme in Frankreich rüste.
Das Parlament ist zwar inzwischen in die Ferien gegangen, so daß von dieser Seite her der Regierung Laval wenigstens bis zum Herbst keine Gefahr drohen würde. Die Frage ist nur, wieweit im Augenblick noch das Sein oder Nichtsein der Regierung lediglich durch das Parlament bestimmt wird und nicht etwa von der Straße. Von dem Ermächtigungsgesetz zur Sanierung der Staatsfinanzen hat die Regierung bisher nur einen sehr beschränkten Gebrauch gemacht. Einen wesentlichen Teil ihrer Vorlagen hat sie zunächst wieder zu rückgezogen, um vor den Parlamentsferien auf jeden Fall der Gefahr einer neuen Regierungskrise entgehen zu können. Dieser Aktionsmangel wird der Regierung allerdings in weiten Kreisen stark verübelt, die darauf warten, daß endlich etwas geschehe.
Von der Frank-Krise ist zwar seit der Neubildung der Regierung durch Laval wenigstens im Parlament kaum noch die Rede gewesen, ohne daß damit jedoch die Gefahr für die französische Währung als überwunden gelten könnte. Mindestens läßt die Kursentwicklung der Staatsrenten erkennen, daß gerade in den Börsen- und Wirtschaftskreisen der Finanz- und Währungsfrage nach wie vor die größte Aufmerksamkeit geschenkt und noch immer eine drohende Gefahr für die Währung erblickt wird. Inzwischen hat allerdings nach Entlassung des Parlaments in die Ferien eine erste Beratung der Regierung über die zu ergreifenden Sparmaßnahmen stattgefunden, doch ist die erwartete Veröffentlichung der beschlossenen S p a r v r- ordnungen noch ausgeblieben. Hatte die Regierung zunächst die Parlamentsferien herankommen lassen wollen, bevor sie mit ihren nicht eben populären Maßnahmen herausrückte, so hat sie deren Veröffentlichung nunmehr offenbar im Hinblick auf den 14. Juli nochmals hinausgeschoben, um die für diesen Tag geplante Demonstration „gegen den Faschismus" nicht den Charakter einer Demonstration gegen die Regierung annehmen zu lassen.
Diese Gefahr liegt immerhin nahe, da sich auch
Neue Fronten ii
Von unserem (—
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Chardin, Juni 1935.
Während im fernen europäischen Westen — dem „Herd aller Unruhe", sagen die Chinesen — die politischen Leidenschaften in Wallung sind und die Gegensätze mit unverminderter Gewalt aufeinanderprallen, beginnt im asiatischen Osten eine Jahreszeit, in der sich das Blut langsam und träge durch die Adern wälzt, in der die Sonne die mandschurischen und mongolischen Steppen unbarmherzig ausdörrt und in der man also weniger denn je geneigt ist, an herannahende politische und militärische Umwälzungen zu glauben. Die heraufziehende kontinentale Hitze in der Mandschurei und in der Mongolei müßte, so sollte man meinen, jeden Willen zu neuen Aktionen im Keime ersticken und die Hirne der Menschen zu einem neuen Entschluß unfähig machen.
Und dennoch — und dennoch ... Liest man nicht jede Woche von Grenzverletzungen hüben und drüben der mandschurisch-mongolischen und der mandschurisch-sowjetrussischen Grenze, von Reibungen der Chinesen in der Inneren Mongolei und der Japaner mit den Chinesen in der Mandschurei, von neuen Verhandlungen über Grenzfestsetzungen, von Bestrebungen, sich über den Kopf anderer mit drtt- ten zu verständigen, von Besetzungen fremder Städte, Einrichtungen von Kraftverkehrslinien und Flugplätzen auf fremdem Gebiet, von neuen Kämpfen und Schlachten?
Freilich muß man an die Berichte aus Oftafien, die in der Weltpresse als „entscheidende Auseinandersetzungen" erscheinen, einen sehr verkleinerten Maßstab anlegen. Die Mühlen im Asiatischen Osten mahlen sehr, sehr langsam, und wegen eines zur Unzeit losgegangenen Gewehrschusses an irgendeiner Grenze in Ostasien pflegt noch kein Weltkrieg auszubrechen! Auch wenn ein kleines Flüßchen, das zufällig die Grenze zwischen der Mandschurei und der Mongolei bildet, sich plötzlich im Wüstensande einen anderen Weg sucht und mandschurisches Gebiet auf diese Weise — denn es ist doch die „Grenze"? — der Mongolei zuschlägt, auch wenn es darob zu einer Schießerei kommt, in der ein japanischer Unteroffizier getötet wird, wird die Kriegsgefahr kaum erhöht. Denn es genügen einige japanische Tanks und mehrere schwere Bomber, um die Mongolen wieder zurückzutreiben, trotz der launenhaften Willkür dieses Wüstenflüß- chens, das sich einbildete, Weltgeschichte zu machen. Die japanischen Bomber und Tanks sind überhaupt ein Faktor, der auf viele erhitzte Gemüter, die militärischen und sonstigen Abenteuern nicht abhold sind, einen sehr abkühlenden Einfluß ausüben. Die Achtung vor ihnen ist ungeheuer groß, und sie könnten sogar ein Element der Stetigkeit der gegenwärtigen Entwicklung, d. h. der Fortdauer der japanischen Expansion, bilden, wenn — ja, wenn nicht jenseits der Mandschurei ebensolche Tanks und ebensolche Bomber sow- setrussischen Ursprungs stünden!
Bisher zeigten diese roten Kriegsmaschinen eine gewisse Beharrungstendenz, sie wirkten durch ihr
die bürgerliche Linke, die einen wesentlichen Bestandteil der Regierungsmehrheit bildet, an dieser Demonstration beteiligen wird, nachdem der für das Linkskartell eingenommene D a l a d i e r die Gelegenheit einer vorübergehenden Abwesenheit des radikalsozialistischen Parteiführers Herriot benutzt hat, diesen Beteiligungsbeschluß der bürgerlichen Linken herbeizuführen.
Während also über die Sparmaßnahmen der Regierung noch keine absolute Klarheit besteht, hat Laval doch auf Befragen andeutungsweise zugegeben, daß sein Plan auf eine Kürzung der Beamtengehälter und des Dien st es der Staatsanleihen hinauslaufe, wobei angenommen wird, daß diese Kürzung etwa 10 bis 15 v. H. ausmachen werde. Da es aber zwischen dem Wege in die Frankabwertung und Inflation und dem energischer Sparmaßnßahmen zwecks Sanierung der Staatsfinanzen einen anderen Ausweg nicht gibt und das Kabinett Laval ja ausdrücklich zur Rettung der Währung berufen wurde, wird sich Frankreich wohl oder übel mit den zwar unpopulären aber allein wirksamen Sparmaßnahmen ab- finden müssen. Dabei ist natürlich für eine erfolgreiche Arbeit der Regierung das Vertrauen des Parlaments und der Oeffentlichkeit, um das Laval bei der Negierungsübernahme inständig gebeten hatte, eine wesentliche Voraussetzung. Von unserem Standpunkt aus können wir jedenfalls nur wünschen, daß die stanzösische Regierung die gegenwärtige schwere Krise überwinden möge, da wir gerade im Hinblick auf die notwendige Klärung unserer außen- und handelspolitischen Beziehungen zu Frankreich e i n besonderes Interesse an einer fest - gegründeten Regierung in Frankreich haben müssen.
Hemot bleibt.
Der Ritz bei den Radikalsozialisten noch einmal verkleistert.
P a r i s , 3. Juli. (DNB.) Der Vorstand des Vollzugsausschusses der Radikalsozialistischen Partei stimmte geschlossen einer Erklärung zu, die der Vorsitzende der Partei Staatsminister Herriot in der mit Spannung erwarteten Sitzung des Vollzugsausschusses am Mittwochabend verlas. Die Erklärung besagt, daß im Vorstand des Vollzugsausschusses eine Einigung zwischen den verschiedenen Tendenzen innerhalb der Partei erzielt worden sei Er, Herriot, fordere als Parteivorsitzender, daß die Partei jeder Art von Diktatur gegenüber ablehnend bleibe und ihre Unabhängigkeit ebenso wie die anderen Parteien bewahre. Man werde weder auf dem linken noch auf dem rechten Flügel der Partei irgendjemanden ausschließen, der die Republik verteidigen wolle. Herriot selbst wolle für seinen Teil für die Republik kämpfen, aber unter sämtlichen drei Farben ihrer Fahne. Aus dem Schlußwort der Erklärung Her- riots scheint hervorzugehen, daß er nicht vorzeitig den Parteivorsitz niederlegen, sondern den normalen Ablauf seines Amtes im Herbst dieses Jahres abwarten wird. Herriot erklärte allerdings, daß er zum letzten M a l die Arbeit des Vollzugsausschusses leite, und daß er in die Reihen der Partei zurücktreten werde.
n Fernen Osten.
fS) Berichterstatter.
bloßes Dasein. Jetzt scheinen aber Umgruppierungen im Gange zu sein, neue Stellungen werden bezogen, neue Fronten bilden sich und in das ganze Bild kommt Bewegung. Die Sowjetrussen haben Verträge der gegenseitigen Unterstützung abgeschlossen, um durch diesen geschickten Schachzug die japanische Mandschurei von drei Seiten zu umklammern. Und während die Japaner mit verdächtigen Vorbereitungen in Nordchina beschäftigt find, finden sie im Norden ihrer Stellung auf dein asiatischen Kontinent eine neue Lage vor.
Nach dem Verkauf der chinesischen Ostbahn an Mandschukuo-Japan haben die Roten nicht die Hände in den Schoß gelegt. Auf javanischer Seite will man Beweise dafür haben, daß ein bedeutender Teil des Erlöses für die Bahn von ihnen zu Zwecken der Bolschewisle- rung Chinas und zu einer Verstärkung der Propaganda in der Mandschurei selbst verwendet wird. In Charbin ist es offenes Geheimnis, daß nicht alle diejenigen ehemaligen Angestellten der Sowjets bei der Bahn, die auf eine Rückkehr n^ach der Heimat verzichtet haben, zu den sogenannten „Nichtheimkehrern" gehören, die aus politischen Gründen die Rückkehr scheuen, sondern daß viele von ihnen vielmehr mit Wissen und Billigung der Moskauer Regierung ihren Wohnsitz nach China verlegt haben.
Mit diesen Versuchen, „die revolutionäre Situation" von innen heraus zu schaffen, begnügt man sich aber nicht. In diesen Wachen wird in der ganzen fernöstlichen Presse eine Meldung viel besprochen, die davon wissen will, daß es dem sagenhaften Sowjetgeneral Blücher gelungen fei, in der Aeußeren Mongolei durch einen Vertrag des gegenseitigen Beistandes — ganz nach berühmten Mustern — sich weitgehenden Einfluß in Ulan B a t o r (dem ehemaligen Urga) zu sichern. Gegen die Hergabe eines Rüstungskredits von 10 Millionen Goldrubel sei ihm non der Regierung der Aeußeren Mongolei die Zusage eine Intensivierung der kommunistischen Propaganda, die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahnlinie Ulan Bator — Tschita und das Versprechen erteilt worden, sowjetrussischen Truppen „im Ernstfälle" freien Durchzug zu gewähren. Also auch ein Durchmarschartikel — ebenfalls nach berühmten Mustern! Die mongolische Armee soll schließlich eine weitere Anzahl, von Sowjetinstrukteuren erhalten und mongolische Truppen sollen für diesen „Ernstfall" den sowjetischen „Beistand" leisten.
Soweit dieser Bericht. Will man mandschurischen Blättern glauben, so hat diese Meldung auch in der Weltpresse großes Aufsehen erregt. So großes, daß eine der bedeutendsten westeuropäischen Agenturen sich mit einer Anfrage an das Moskauer Auswärtige Amt gewandt und dort — natürlich! — ein Dementi erhalten hat. So natürlich diese Ableugnung ist, so selbstverständlich kann sie aber auch falsch sein. Denn erstens liegt den Sowjets nichts daran, ihre sämtlichen Karten schon jetzt aufzu- decken, und zum zweiten braucht dieses Abkommen
gar nicht in der Form eines hohen „Staatsver- träges" unter Dach gebracht worden zu fein, wie es die erwähnte Meldung geschehen sein lassen wollte. Man schlage in einem Geschichtsbuch nach und man wird dort finden, daß die Aeuhere Mongolei ohnehin sowjetische Einfluß.
phare ist. Seit 1921 besteht dort die Bolsche- wiken-Herrschaft-, die Verfassung der Mongolei ist der kommunistischen nachgebildet, der Kommums» mus herrscht in allen Aemtern und Behörden 1 kurz, die Aeußere Mongolei ist ein Sowjet- t a a t. Drei Jahre später wurde zwar die djine* fische Oberhoheit anerkannt und die Zurückziehung der bolschewistischen Truppen zugesagt — ausgefuhrt wurde dieses Versprechen aber bis heute nicht. Soll Moskau die Notwendigkeit zu einem Staatsvertrag einsehen, wo alles auf dem Wegs einer bloßen Verwaltungsmaßnahme erreicht werden kann? Natürlich nicht, und so stimmt auch das Dementi...
Gleichwohl werden diese Pläne sehr bald Tatsachen werden. Und dann wird sich Japan folgender Lage gegenüberjehen: im Osten grenzt die Mandschurei an die russische Küstenprovinz mit ihrem erstklassigen Kriegshafen W l a d i w o st o k (in der. Uebersetzung: Beherrsche den Osten!). Im Norden wird die Sowjeteisenbahn am großen Amurbogen zweigleisig ausgebaut. Bis zum Baikalsee im Nordwesten sind über 300 000 Mann konzentriert, dazu über 1000 Flugzeuge, zum Teil mit außerordentlich weitreichendem Aktionsradius, etwa 800 Tanks und Panzerwagen und Artillerie schwersten Kalibers. Durch den Bau der Bahnlinie Ulan Bator—Tschita aber wird diese Umklamme, rung der Mandschurei auch auf die Aeußere.- Mongolei ausgedehnt. Ein neues Sprungs brett ist hier geschaffen worden, von dem aus nichts nur die Mandschurei und die von den Japanern besetzten Gebiete von Dschehol und Tschachar, sondern auch die nordchinesischen Provinzen bedroht werden können.
Wie reagiert Japan auf diese neue Lage? SeiÜ einigen Wochen werden die Verhandlungen-, mit den mongolischen Fürsten besonders intensiv von den Vertretern der Mandschurei (lies Japans) geführt. Es ist das Bestreben Japans, mit der Eroberung Dschehols, einer Provinz der Inneren Mongolei, und der Besetzung Tschachars nicht Schluß zu machen, sondern' die ganze Innere Mongolei — so oder anders — unter seinen Einfluß zu bekommen. Mit Geld und guten Worten sucht man sich die Sympathien der Mongolen zu erwerben, denn der mongolische Korridor wird -einst das Aufmarschgebiet der beiderseitigen Heere sein, wen der Kampf um die Vorherrschaft in diesem Teil Asiens zwischen der roten und der gelben Macht ausbricht. Schon wurde D o l o n N o r — mitten in der Inneren Mongolei— von den Japanern erobert, das seither von der japanischen Kwantungarrnee als Sprungbrett erkannt und festgehalten wird. Japan unterhält dort 5000 Mann, es hat eine eigene Autostraße nach Dschehol ge- baut, eine Funkstation, ein Flugplatz u. a. m. wurden errichtet. „Um die Kommunisten zu vertreiben", hieß es in der amtlichen japanischen Begründung, wurde Dolon Nor erobert, ebenso wie die Besetzung Dschehols — die von wenig über 200 Mann durchgeführt wurde, vor denen eine chinesische 30 000 Mann-Armee die Waffen streckte — mit der bolschewistischen Gefahr begründet wurde.
Den Hauptschlag aber gedenkt Japan durch die schließliche Angliederung der Inneren Mongolei an feine Einflußsphäre zu führen. Im Kloster Pailingmiao, weit in der Binnenmongolei, hat der junge, ccker energische mon- gotlische Fürst Teh - wang die mongolische Autonomiepartei begründet, die die Einigung der Stämme erstrebt. Ihre politische Linie ist zwar noch nicht restlos, geklärt, — einerseits hat Teh-wang den mandschurischen Kaiser zu einem mongolischen „Ehrenfürsten" ernannt, andererseits verhandelt er mit der Nankinger Regierung über die Gewährung der Autonomie — aber es hat allerorts das größte Aufsehen erregt, daß in diesen Wochen ein hoher japanischer Militär in einem Sonderflugzeug in der Nähe des Klosters landete und dem Fürsten die Bildung eines selbständigen Staates „M o n g u k u o" versprach, wenn er einwilligt, ein Bündnis mit Mandschukuo abzuschließen, japanische Ratgeber aufzunehmen, Bahnen zu bauen, die Grenze gegen die sowjetische Aeußere Mongolei zu verstärken usw.
So sind die Agenten und die Gelder sowohl der gelben wie der roten Macht gleichermaßen in der Aeußeren und in der Inneren Mongolei tätig. Und ein Blick auf die Karte bestätigt die Auffassung des japanischen Generals Dohihara, der nach einer Inspektionsreise durch die Mandschurei, Nordchina und die von Japanern besetzten mongolischen Provinzen erklärte, keine der beiden Seiten wünsche zwar den Krieg, aber die Entwicklung dazu sei unaufhaltsam.
Der diesjährige Reichsbauerntag.
Aus Mnorbnung des Reichsbauernführers findet der diesjährige Reichsbauerntaq in der Zeit vom 10. bis 17. Neblung (November) 19 3 5 in der Reichsbauernstadt Goslar statt. Um den Reichsbauerntag besonders herauszuheben, und die Führerschaft des Reichsnährstandes auf biefe Tagung genügenb vorzubereiten, hat der Reichsbauernführer eine Sperre aller Kundgebungen und Arbeitstagungen des Reichsnährstandes bis zum Reichsbauerntag verfügt. Von dieser Anorbnung sind allein die Vorbereitungen zum diesjährigen Erntedanktag ausgenommen.
Kurheffenschau des Reichsnährstandes
In der Woche vom 12. bis 20. Gilbharb (Oktober) 1935 wirb in Kassel bie Kurhessenschau bes Reichsnährstanbes burchgeführt. Die Ausstellung wirb in ber neuerbauten Kurhessenhalle, bie für Woll-Auktionen unb Viehoersteigerungen geschaffen worben ist, errichtet. In ber Abteilung ber Lehrschauen werben bie Maßnahmen ber Reichsregierung zur Errettung bes beutschen Bauern gezeigt, insbefonbere bie agrarpolitischen Maßnah' men. Weiterhin werben bie kulturellen Zusam« menhänge unb bie kulturelle Vebeutunq unseres Bauerntums bargestellt, wobei bas Kur hessische Bauerntum besonbere Berücksichtigung finben wirb. Einen großen Platz werben bie Abteilungen Viehzucht, Ackerbau, Betriebsführung unb Genossenschaftswesen im Kurhessenlanb ein« nehmen. Hanbel unb Hanbwerk, — unter befonberer Berücksichtigung ihrer Verbinbung zur Lanbwirtschaft —, werben ebenfalls in ber Ausstellung an bie Oeffentlichkeit treten. Auf bem Freigelände vor ben Ausstellungshallen wird eine umfangreiche Schau lanbwirtschaft« licher Maschinen ihren Platz finben. Ferna» wirb auf bem Freigelänbe bie Vorführung von Zuchttieren erfolgen. Des weiteren ist ! eine Kleintierschau geplant.


