Ausgabe 
4.5.1935
 
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unter Laut alles

übi me land reich scha Jahr

den

blies:

und Millionär und um die Ohren herum schon

Wacht auf, ihr Schläfer groß und Mn, Es wacht schon längst der Kapitem, Er ruft euch guten Morgen zu. Wacht auf, ihr Schläfer, aus der Ruh!

von dessen Ursprung wir nur soviel wissen, daß es nicht in uns selber liegt.

Hat aber ein Werk die Kraft, das Chaos m uns nicht zu stillen, sondern uns vielmehr in den härte­sten Knoten unserer Verworfenheit zusammenzu­pressen, selber aber vor uns zu stehen als stray- lende Offenbarung der reinen Gesetze, als Erfüllung des Möglichen: so bist du aber w'.e ich konntest du sein! hat es diese Kraft, uns zu spalten daß wir, uns selbst in der Tiefe wissend, dennoch Die Höhe des Reinsten sehen, was ist das?

Das wissen wir alle sehr gut

das ist sie.

Denn ich sah, was ich hundertmal gesehen hatte: die seit Kindheit mir vertraute Madonna in Blau und Rot, ein tiefäugiges Kind im Arm, stehend zwischen knienden Heiligen, Raffaels Sixtinische Madonna. ,, ,

Was im nächsten Augenblick geschah, kann ich wiederzugeben versuchen, ohne zu wissen, ob ich es begreiflich machen kann. , n .

Das Bild, das ich sah, wurde durchsichtig aber nicht wie Glas, sondern wie ein Zeugstoff, der fadenscheinig ist, gegen das Licht gehalten So wurde es durchlässig und zerflackerte, wahrend zu­gleich von links her ein anderes Bild hinter das vergehende geschoben wurde. Dies war so wirklich, daß mir die Augen davon flimmerten, und daß ich, erschrocken, den Vorgang nicht mehr wahr haben roollk. Da war es schon vorüber. Das erste Bild war verschwunden und nur noch das zweite sicht­bar, das wahre.

gestellt oder im bequemen Deckftuhl die ewig wech­selnde Schönheit der unvergleichlichen Natur ge-

* Vergleiche auch den ersten Bericht in Nr. 100 desGießener Anzeigers" vom 30. April.

Sehr schlecht kann ich nur angeben, was es in mir bewirkte. Es war etwas, das bis dahin nichts m der Welt in mir bewirkt hatte durch Größe oder Kraft oder Erhabenheit oder Schönheit. Was ich sah, das vernichtete; es erhob sich selber zugleich über mir; es zerknirschte mich, indem es unerreich­bar neben mir glänzte, so daß mir, dem religiöse Sprache nur aus der Kindheit erinnerlich war, die Worte ins Innere trafen: Ich elender Sünder.

Nach einer Weile, da wir still blieben, fuhr der

angeblich jeder in den Staaten ist. Tellerwäscher, Liftboy, Kindermädchen, Lehrer für deutsche Sprache und Strahensänger; bis er den fand, nach dem er so lange suchte, einen mit viel Geld und wenig Verstand, einen mit Oelkonzessionen in Mexiko. An den hängte er sich wie Schusterpech. Und nach zwei Jahren hatte der Gustav Häcker, das Bauernbüble aus dem Unterland, das Geld und die Oelkonzeffion, und der andere allerdings noch keinen Verstand. Und wie er reich war, da wurde er bald sehr reich und schließlich ganz reich. Da hieß er Mister Haker und war vierzig Jahre

vorstellen, könnten durch eine solche Kräfteäußerung i Oesterreichs zum Anschluß an die Mittelmächte und Rußland infolgdessen zur Schwächung seiner West­front gezwungen werden. Italien schleunige Kriegs­erklärung könne alle diese Gefahren aufheben und werde von bester Wirkung auf die Politik Rum^ niens, der Pforte und Bulgariens sein. Endlich hoffte er, Serbiens Politik günstig zu beinflussen: es werde sich, sagte er vertraulich, vor der ita­lienischen Rivalität in Dalmatien fürchten und da­her zu größerer Botmäßigkeit gegen Rußland ge­nötigt sehen. ri.. ... _.

Seine Verbündeten waren weniger stürmisch. Sie verkannten die Wichtigkeit einer baldigen Teilnahme Italiens keineswegs und waren gern bereit, der ita- lienischen Regierung in freundschaftlichen Bespre- chungen die vorgeschlagenen Vorteile in Aussicht zu stellen, aber die von Sasonow gewünschte ge­meinsame Aufforderung zur Kriegs- erklärung lehnten sie ab, weil Italien darin einen diplomatischen Druck und eine Kränkung sei­nes Selbstgefühls erblicken werde. Man müsse, sag­ten sie, den Italienern schon für ihre Neu­tralität sehr dankbar sein und versuchen, sie ganz allmählich durch Hinweise auf den in Aussicht stehenden Gewinn vorsichtig weiter zu fuhren. Bei diesem Verfahren werde man bald Hilfe von der öffentlichen Meinung erhalten. Den von Sasonow befürchteten Besuch der österreichischen Flotte im Schwarzen Meere versprach man, durch die franzö­sische zu verhindern. v t ...

Sasonow mußte sich seinen Verbündeten fugen und auf ein gemeinsames Drängen in Rom verzich­ten, aber er setzte die Verhandlungen fort und er­langte wenigstens bald die Zusicherung, daß Ita­lien niemals das Schwert gegen die Entente ziehen werde Aber er war damit noch nicht zufrieden. Nach dem Siege in Polen und Galizien (Mitte Septem­ber) hielt er dem italienischen Botschafter von neuem vor, der deutsche Widerstand werde sich binnen kur­zem an den unerschöpflichen Mitteln Rußlands und Englands brechen, die Alliierten würden mit den Waffen in der Hand den Frieden diktieren, und ein neutrales Italien werde leer ausgehen.Nichts für nichts", hätten die Verbündeten bei der Fest­legung ihrer Politik in London (4. Septpember)

Begegnung in Dresden.

Don Albrecht Schaeffer.

Der Maler sagte:

Es gibt eine Art von Malerei und es gibt eine andere. Die eine malt das Sichtbare, wie Mo­net oder am höchsten Velasquez, von dem em Blumenstrauß die Seele so erhellt wie ^" Son­nenaufgang. Die andere Art malt das Unsichtbare.

Um eine Aufklärung hierfür gebeten, fmg der

nicht reichen werde.

Aber gerade vor dem untersten Knopf, in Lud­wigsburg, drehte sich der Amerikaner um, schrieb ein paar deutsche Worte auf einen Notizblock und gab ihm dem Sekretär:Telegraphieren Sie das . Das Telegramm hieß so: An Karolme gacker, Bäuerin, Iäcklingen, hinter dem Goldenen Ochsen. Komme um acht Uhr. Wart' mit dem Abendessen. Koch' geschmelzte Spätzle und Apfelbrei. Dein Gustav

Deutsche Arbeiter auf hoher See!

Bordleben auf dem KdI.-llrlauberschiff. - Erlebnis der Semeinschast. Oer Eindruck im Ausland.

Von unserem Sonderberichterstatter?

Scherl-BHdmatemdienet

Der bekannte deutsche Tondichter Emil Nikolaus v o n R e z n i c e k, der in Wien geboren wurde, begeht am 4. Mai seinen 75. Geburtstag. Die Opernbühne verdankt ihm eine Reihe häufig aufgeführter Werke.

beschlossen. v .

War ts diese Drohung, war es der Eindruck der österreichischen Niederlage in Galizien und des deutschen Rückzuges von der Marne: jedenfalls be­gann sich Italien jetzt der Entente zu nähern. Bald darauf (Ende September) berichtete der russische Botschafter aus Rom, die italienische Regierung habe jetzt endgültig die Kriegserklärung für das kommende Frühjahr beschlaf- e n. Vorher sei sie mit ihren Rüstungen nicht fer­tig und im Winter würde überdies die militärische Aktion zum völligen Stillstände verurteilt sein. Man wolle daher die Zeitbis zum Frühjahr ausnutzen, um die starken Lücken im militärischen Organis­mus, besonders in der Artillerie, auszufüllen und sich so mit dem geringsten Risiko die tiefe Dankbar­keit der Sieger und eine große Zukunft zu sichern.

Sofort begann Italien mit dem Versuche, sich die Dankbarkeit" der künftigen Sieger zu sichern, den­selben Weg betrat Rumänien, der andere ab­gefallene Bundesgenosse der Mittelmächte. Beide verhandelten über ein gemeinsames Eintreten m den Krieg und stellten zugleich ihre Forderungen: Rumänien begehrte von Rußland die Auslieferung des Stückes Bessarabien, das ihm im Jahre 1878 abgenommen worden war, und Italien von Frank­reich eine Grenzberichtigung bei Nizza und die Abtretung von Tunis ganz oder zum Teil (Sept.- Okt.). Beide zogen sich eine scharfe Zuruckweisung zu. Er werde keinen Fetzen russischer Erde an Rumänien abtreten, erklärte der Zar, und Italien erhielt von Frankreich auf die erste inoffizielle An­deutung seiner Wünsche eine nicht weniger deut­liche Antwort. .. ... . , ,

Die Zeit war in der Tat ungünstig für solche Forderungen. In Frankreich hielt die alliierte Front, wenn auch unter blutigsten Kämpfen, fest, in England begannen neue große Rüstungen, und in Rußland erwartete man gar von der bevor­stehenden Ankunft neuer Massen,der Darnpf-

75. Geburtstag

des Komponisten E. 71 von Veznicek«

nassen.

Der erste Abend aber auf offener See, wo es bald nicht mehr viel zu schauen gab, brachte auch das erste Bordfest, einen Rheinischen Abend, improvisiert von einigen Fahrtteilnehmern, die sich auf Deck oder auch in den Kabinen kennengelernt hatten, und diese Abende häuften sich in einer Fülle und mit einer Abwechslung in den Program­men, daß man glauben mochte, jeder der 32 Gaue habe seinen besonderen Unterhaltungskunstler mit- gebracht. Ernste und heitere Vorträge, Dialektdich- tungen, gemeinsame Lieder wechselten in bunter Folge, die Bayern tanzten ihre Schuhplattler, und schon nach wenigen Tagen hatte sich ein eigener GesangvereinÄzoren-Ozeana" gebildet, der über ein ganz ausgezeichnetes Stimmenmatenal ver­fügte und vor allem in Ponta Delgada und Horta mitreißenden Anklang fand.

Diese Bordfeste mit den Deutschen waren über- Haupt unvergeßliche Erlebnisse. An beiden Abenden waren die Vizegouverneure der Inseln San Miguel und Fayal, der deutsche Vizekonsul und zahlreiche portugiesische Deutschenfreunde an Bord des Pracht- vollen deutschen KdF.-Urlauberschiffes und alle konnten sich nicht genug darüber verwundern datz aus den Reihen der Fahrtteilnehmer em solch an- regenber, von allen Plattitüden freier, auf wirk- lieber Volkskunst aufgebauter Abend zustande ge­bracht wurde, der Teilnehmer und Gäste für einige Stunden in beschwingteste Laune versetzte. An beiden Landeplätzen gaben zwei Azorenfahrerinnen Konzerte b e ft e r deutscher Musik (Kia- vier und Geige), zu denen auch die gastgebenden Vortugiesen Zutritt hatten, die der reifen Kunst der beiden Künstlerinnen dankbaren Beifall Zollten und erklärten, daß die deutsche Musik der beste Mittler zwischen den Völkern sei. 21 m Karfreitag gab es in der Halle mit Lautsprecherübertragun- auf allen Decks eine Feierstunde, die aus klassisthen Musikvorträgen und der Lesung hochwertiger Dich­tungen bestand. Daß der Geburtstag des Führers ein Festtag allererster Ordnung war, bedarf nicht der besonderen Erwähnung.

Es fehlt an Raum, um alle die zahlreichen lieber- raschungen aufzuzählen, die gewissermaßen außer­halb dieses feststehenden Programms an der Tages- ordnung waren. Nicht nur die Portugiesen, die Ge- = legenheit hatten, an den Bordfesten hllzunehmsn, - sondern auch die Besatzungen und Passagiere vor- , beifahrender Schiffe, die den prächtigen deutschen = Urlauberdampfer begrüßten und gespannt das sroy

Geschichte vom reichen Schwaben

Von Walter -Gnch (Schäfer.

Ja, die Schwaben sind ein komischer Schlag. Wenn einer von Leonverg nach Ravensberg muß, da bricht ihm das Herz, da ist er nimmer daheim. Aber nach Pernambuco, das geht schon besser.. Und wo man hinkommt draußen in der Welt, von der Wolga bis nach Sao Paulo, da findet man Schwaben, und überall sind sie was, weil sie zäh und fleißig und bauernschlau sind, obwohl sie nicht viel für einen Groschen reden und man sie deshalb gern für dumm verkauft.

Auch der Gustave Haker ist ein Schwabe. Jawohl, der Haker, der reiche, der ganz reiche Haker. Na­türlich heißt er eigentlich Gustav Häcker.

Ein Bauernsohn irgendwo aus dem Unterland, wo die Mädchen braune Augen haben und der Weizen wie Grenadiere dasteht. Aber dem Gustav gehörte nicht viel von diesem Weizen, sozusagen gar nichts, sondern er war Schlosserlehrling und bekam von einem Meister immer drei Ohrfeigen auf ein Vesperbrot. Und eines Tages sagte der kleine Häcker, was man in diesem Fall in Schwa­ben sagt, packte fein Sach zusammen und rückte aus. Er war damals neunzehn Jahre alt, braun und munter, und er fand von Stuttgart bis Ham­burg hinauf jeden Tag fein Essen und Nachtquar­tier und in Hamburg einen Frachtkapitän, der ihn nach den Staaten hinübernahm, weniger seiner Schlosserkenntnisse wegen, als wegen seiner lustigen schwäbischen Lieder und seiner frechen Zähne im Mund Drüben war er eine Zeitlang alles, was

walze", die Entscheidung auf dem polnischen Kriegsschauplätze. Die militärischen Ereignisse waren maßgebend für die politischen. SBie an­ders hätten Italien und Rumänien ihre Politik ge­staltet, wenn der vorzeitige Ruckzug an der Marne nicht geschehen wäre, und wenn die Mittelmächte im Osten einige Armeekorps mehr besessen und Die österreichische Niederlage im September oermieDen hätten. Daß in Galizien eine größere Truppen­zahl bei anoerer Oekonomie der Kräfte erst aus dem serbischen und später auf dem westlichen Kriegsschauplätze hätte vorhanden fern können, isi oft erörtert worden.

Das anfängliche Vordringen der Armee des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch in Polen (Okto­ber, Anfang November) erweckte m Petersburg die stolzesten Hoffnungen. Italiens Teilnahme am Kriege sei jetzt, nach dem Zusammenbruch Oester­reich-Ungarns, ganz gleichgültig, vielleicht könne es sogar als Mitbewerber im Orient unbequem wer­den, heißt es in einer Aufzeichnung des Ministe­riums des Auswärtigen (8. November). Aber Ita­lien hatte Glück. Denn nun begann sich EnglanD für feine Beteiligung zu interessieren, da es nach der Kriegserklärung der Türken italienische Trup­pen zur Verteidigung des Suezkanals und Aegyp­tens heranzuziehen beabsichtigte. Und bald zog auch Rußland wieder andere Saiten auf. Die Niederlage im Weichselbogen in der zweiten No-

Maler an: . A .

Als ich Dresden vor einer Reihe von Jahren das erste Mal besuchte, sagten mir Freunde zuvor, daß ich in der dortigen Gemäldegalerie ja einige be­sonders schöne Werke sehen würde; Giorgiones 23enus, auch das Familienbild von Mantegna. Auch die Madonna von Raffael wohl? fragte ich, und sie sagten: Ja, die auch.

Wenn ich dann in der Galerie bald die Richtung zu dieser Madonna nahm, geschah es.sozusagen m Der Neugier, nun selber zu sehen, wie die Wirk­lichkeit dieses Bildes stimmen würde einerseits zu seinem Ungeheuern Ruhm; denn es ist in Ko­pien das verbreitetste in allen fünf Erdteilen, an= oererseits zu eben diesen unzählbaren Wiedergaben, die mir nie großartig zu sein schienen; em from­mes Bild in schwachen Farben und einfacher Aus­teilung und etwas süß. . _...

So kam ich auch durch den Vorsaal zu der Tur, deren seitlich geraffter Vorhang mir wie jedem hier einen besonderen Raum verhieß; und ich sah eln- tretenb zuerst an der dem Bilde gegenüber befind­lichen Wand eine Anzahl Menschen stehen und sitzen, die mir den Eindruck machten, als ob ich sie störte, weil sie da mit sich selbst beschäftigt waren. Aber ich wandte mich schon rechts und sah das Bild übergroß voll im Licht und dachte: Ja

ein bißchen grau. .___x

Aber auf einmal packte es ihn doch; memano wußte, wieso, aber auf einmal, an einem schonen blauen Sommermorgen, läutete er nach seinem Se­kretär und sagte:Well, wir reisen nach uer- many!" Er sagte ein paar Dutzend Konferenzen, Tagungen und'Wohltätigkeitsfeste ab, bestieg einen deutschen Dampfer, den schnellsten der Weltbund raste in sechs Tagen über den Atlantik. Dabei sah er nicht sechsmal auf das Meer, das unter Regen und Sonne wechselte, stürzte in Bremen tn Den nächsten Schnellzug und fuhr nach Süden. Bor den breiten Fenstern glitten Dörfer, Windmühlen, Kuhherden vorbei, ein Stück Deutschland. Aber Haker schlief oder las.

Köln. Der Rhein. Frankfurt. Darmstadt. Heil­bronn. Da stand er auf.Well, wir steigen aus Der Sekretär meinte:Dieser Zug fahrt bis Stutt­gart".Ich weiß", sagte Gustave Haker und stieg aus. Stieg in einen langen Personenzug, dritte Klasse, ließ das Fenster herunter und lehnte sich hinaus, soweit es ging. Als ob wir über den Grand Canon fahren, dachte der Sekretär und wunderte sich. Denn was er da draußen sah, Der Fluß, das war kein Mississippi und kein Rhein, und die Hügel und Berge keine Alpen, d,e Felder klein, die Dörfer eng und alt und die Leute sahen auch nicht viel gleich. Aber der Gustav Hacker schaute hinaus, daß seine beiden Kniee sich voll Vergnü­gen durch die strammen Bügelfalten bohrten, er kannte die Bauern auf den kleinen Feldern, die wie ein großes welliges Schachbrett lagen, die alten Dörfer unter den Kirschbäumen, den Neckar, die Brücke die gewundenen Weae, er roch den kräf­tigen Duft von Heu und Mist, und er hatte die Luft gern und das Licht und den Staub, er winkte den Kindern zu, die am Bahndamm standen und mit offenen Mäulern dem Zug nachstarrten, als ob der nicht jeden Tag um ein Uhr fünfzehn da vorbeiführe. Und auf einmal beaann er sich mit dem Zugführer in einer fremden Sprache zu unter­halten, von der der Sekretär kein Wort verst-ind, obwohl er auf der Schule Deutsch gelernt hatte. Auf jeder Station, auf der das Zügle 1)1611, und das Zügle hielt auf jeder Station, knöpfte sich der Häcker einen Knopf von feiner Weste auf, und der Sekretär hatte Angst, daß die Weste schließlich

II.

Drei Wochen auf hoher See! Das muß, meinen die Unkundigen, doch langweilig fein, zumal, wenn man dabei fast 14 Tage lang nichts als Wolken und Wasser, ja nicht einmal andere Schiffe sieht. Und wie anders ist es doch in Wirk­lichkeit. Jeder der 640 Azorenfahrer wird bestätigen, daß der Tag viel, viel zu kurz war, wie die ganze Reife. Als an einem der Bvrdabende im Scherze eine Mitteilung der NS.-GerneinschaftKraft durch Freude", Amt für Reisen, Wandern und Urlaub, verlautbar wurde, daß die Reise wegen der gluc^ haften Fahrt um drei Wochen verlängert, nach Amerika und durch den Stillen Ozean bis nach Indien ausgedehnt würde, da erhob sich ein Jubel, dessen Ausmaß mehr als deutlich zeigte, daß Tage und Reise leider nur zu kurz bemessen waren. Und vielleicht darf man auch den Umstand, daß es mehrfacher ernster Hinweise bedurfte, wenigstens in der Zeit vor 7 Uhr und nach 24 Uhr Ruhe im Schiff zu bewahren, anführen als Beweis dafür, wie allen Azorenfahrern die Zeit im Fluge ver­strich. Ruhe haben die Unentwegten zwar bewahrt, aber niemand konnte sie hindern, um 4 Uhr in der Frühe dem Sonnenaufgang beizuwohnen oder bis tief in die Nacht in den gestirnten Himmel zu schauen. In vollen Zügen tranken die KdF.-Urlauber die herrliche, reine Luft, so als wollten sie, ehe es heimwärts in die Mauern der Städte ging, noch einen recht ansehnlichen Vorrat mitnehmen. Wenn es auch leider, mehr als heb, diesig war, wenn die See unaufhörlich gegen Den stolzen Schiffsrumpf dröhnte oder die schnellsegeln- den Wolken unerwünschtes Naß schickten, eines konnten alle Widrigkeiten nicht wegnehmen: Die herrliche, erfrischende, bräunende und verjüngende Brise, die aus 640 bleichen Landratten in wenigen Tagen frische, gebräunte Seefahrer machte.

Wenn der Trompeter morgens feinen Weckruf

vemberhälfte stimmten seinen Hochmut herab und riefen neue Aufforderungen an fallen zum schleu­nigen Eingreifen hervor. Italien liefe bch nach wie vor Zeit in der Gewißheit, daß die Mttelmachte so rasch nicht überwältigt werden wurden, und daß eine Hilfe desto höher bewertet werden wurde je größer die Not der Entente sei Mit zym cher Offenheit sprach sich ein italienischer Diplomat zu einem russischen darüber aus:Je langer der Krieg dauere, desto schwächer wurden m qualita­tiver und quantitativer Hinsicht die Armeen der Parteien werden. Folglich werde die Stimme Ita­liens und Rumäniens um so mehr an Bedeutung gewinnen, je später diese Lander ihre Kräfte in die Waagschale werfen würden.

Das Bekenntnis läßt an Offenheit nichts zu wün­schen übrig, zeigt aber zugleich, w-lche En11 au- schunq der Verlauf der Ereignisse den toben Rechnern bringen mußte: anstatt eines leichten Sieges stand ihnen ein mehrjähriges opferreiches Ringen und eine schwer e N i e der la g e bevor, und der endliche Sieg wurde nicht durch sie, sondern durch di- Amerikaner errungen. Sv konnte der Ausgang des Krieges auch nicht die Hoffnungen, die er geweckt hatte, erfüllen. Der politische und militärische Ehrgeiz der Nation blieb unbefriedigt und mußte nach dem Kriege eine Ent­ladung suchen.

dann waren die meisten Urlauber schon auf Beinen. Um 7 Uhr aber turnten unter fachlicher . Anleitung die Männer auch bei Wind und Regen ; auf dem Vorschiff, die Frauen mit einer Gymnastik- lehrerin auf dem Promenadendeck oder in der Halle, um sich den rechten Appetit für das umfangreiche erste Frühstück zu verschaffen, soweit das bet Der hungermachenden Seeluft überhaupt notwendig war. Um 8 Uhr fanden sie sich auf dem Achter­schiff zur Flaggenparade ein, zu der jeDes- mal neben den Nationalliedern auch Das Saar- und das FlottenlieÄ gespielt wurden. Eine halbe Stunde später gab es dann den großen 100- Kilometer-Marsch rund um das Promena­dendeck mit der Bordkapelle und der des Reichs- luftschutzbundes Hamburg und vielen humoristischen Einlagen. Dieser Marsch hatte bald ungewöhnlichen Anklang gefunden und viele Teilnehmer haben ihre Seefestigkeit dadurch erhalten aber erworben, daß sie den ersten und wichtigsten Grundsatz für alle Seefahrenden beherzigten: Viel Bewegung und noch mehr frische Luft. Mit sanftem Zwange wurden die allzu Verzärtelten mitgezogen und bald marschierten, liefen und fangen sie mit den anderen um die Wette und hatten bald ganz vergessen, daß sie ja eigentlich seekrank werden oder sein wollten. Diel Zeit blieb nicht einmal für Die Deckspiele, dann blies es schon zum Mittag­essen. Die ersten Nachmittagsstunden gehörten dem Sonnenbad oder einem Verdauungs­spaziergang oder -schläfchen. Die Unentwegten aber stürzten sich wieder auf das geliebte Schauf e I - spiel; das Ringewerfen, den Boxball oder be­teiligten sich am Eselrennen, bei dem der Letzte ft6§)ann gabes die ersten Tagesnachrichten, Mit- teilungen über Standort des Schiffes, Windstärke, Wetteraussichten und anschließend auch ein Kapitel aus der Ozeanographie. Zur Kaffeestunde konzer­tierte die Bordkapelle, und es darf getrost ver- raten werden, daß der selbstgebackene Kuchen in geradezu unwahrscheinlichen Mengen vertilgt wurde. War das Wetter schlecht, gab es in der Halle Vor­träge oder Musik, im Speisesaal große Tonfilm- nachmittage. Um 18 Uhr blies der Trompeter wie- I der zum ersten Abendtisch. Solange es hell blieb, wurden schnell noch die letzten Beobachtungen an-

Maler fort:

Ein Bild, meint ihr? Gemaltes? Menschenwerk? Nein, es war eine Erscheinung, nach deren Stoff­lichkeit ich nicht fragte. Später habe ich die auch gesehen, aber sie unterschied sich nicht wesentlich von den gedruckten Wiedergaben. Nur in der Hal­tung der heranschwebend stehenden Jungfrau er­kannte ich eine andere Hoheit, die Himmelskönigin, und deren Ursache auch, den Schwung der Kontur. Vieles war deutlich sichtbar, aber mit meiner Er­schütterung hatte es nichts zu tun.

Höchste Schöne? Höchste Wahrheit? Was für ein Wort soll ich nennen? Wir haben heute nur noch eine etwas widerwillige Erinnerung an eineklast sische Schönheit", deren Wiederholung mit Recht für uns abgetan fein mag, weil wir andere sind, die anderes bedürfen das, was wir Wahrheit nennen, was alfo gewiß unsere Wahrheit ist. Ge­naue Beobachtung und Wiedergabe der Wirklich­keit, das heißt denn Wahrheit, die dann mitunter als Häßlichkeit erscheint ähnlich wie schon ein­mal im gotischen Zeitalter, wo freilich die Ursachen ehr andere waren. Zu bemerken ist aber, daß heu­tige Maler, die den Menschen malend nach allen Regeln der Häßlichkeit verfälschen, dies durchaus nicht tuen, wenn sie Blumen malen ober eme Land- chaft. Wäre die Landschaft also schön? So schon, daß ihr Häßlichkeitsverlangen davor Halt machen muß? Keineswegs; sondern die Natur ist weiter nichts, und wenn ein Maler sie so malt, daß wir schön" sagen, so hat er sie geliebt, den Men-

ab« i>at er gehaßt. Mik der Schönheit, aber ist es so, daß wir nicht daran denken dürfen, auch wenn wir sie haben. Wenn der Maler jedoch eine Landschaft oder Blume schon sieht, so denkt er nicht an seine eigene Schönheit; denn vom Men­schen vermag er zu denken: ich hätte ihn anders gemacht, aber von der Natur nicht.

Schönheit eines Menschen, eines Kunstwerks, einer Landschaft hat die Wirkung auf uns daß wir unsere Unschönheit vergessen und sroy darüber sind, daß es in der Welt wirklich Schon- heit gibt. Je größer und vollkommener sie ist um so mehr bewirkt sie, daß unsere Zerstreutheit sich sammelt, unsere Verworrenheit sich klärt, unsere Be- ladenheit sich löst,unsere Trübe zu Helle und Freu­digkeit wird. Wir werden umschlossen und gesichert; wir fügen uns dankbar in die Macht des Gesetzes,