Ausgabe 
4.5.1935
 
Einzelbild herunterladen

Ur. 103 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Samstag, 4. Mai 1035

Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte Don Ernst von Tliebelschüh

Zu den aussterbenden Pflanzenarten gehört auch die blaue Blume der Romantik. Wo man sie aber in seltenen Fällen noch antrifft, ist sie blauer als je. Was soll man z. B. dazu sagen, daß in der alten Stadt Saragossa in Spanien ein Rechtsanwalt namens Eugento Laskaris lebt, der auf Grund emsiger Familienforschungen der rechtmäßige Herrscher von Griechen­land zu sein behauptet? Es heißt sogar, griechische Monarchisten hätten ihm die dornenreiche Krone der Hellenen bereits in aller Form angeboten, und seine Ansprüche seien von den beiden' zuständigen Patriarchen von Jerusalem und Konstantinopel auch anerkannt worden.

Laskaris führt seine Abstammung in gerader Linie auf jenen heldenmütigen Theodor Laskg- r i s zurück, der nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Jahre 1204 die Reste der byzantinischen Herrschaft in Kleinasien sammelte, i n N i c a e a ein neues legitimes Kaisertum auf den Thron hob und eine Dynastie gründete, die aller­dings schon im dritten Gliede ausstarb, indem der ehrgeizige Feldherr Michael Palaeologus den letzten Laskaris beseitigte, selbst den Purpur nahm und durch die glorreiche Wiedereroberung der Reichshauptstadt am Goldenen Horn im Jahre 1261 dem bis zum Türkensturm blühenden Herrscherhause der Palaeologen den Namen gab

Da nun Hellas zur Zeit der Laskaris staatsrecht­lich, wenn auch nicht faktisch ein Glied des Kaiser­tums Nicaea war, sieht der spanische Anwalt, falls die Ahnenkette überhaupt stimmt, in seinen kühnen Träumen wirklich nicht ganz ohne einen Schein von Recht das Diadem Constantins des Gro­ßen über seinem Haupte funkeln, wenn auch nicht anzunehmen ist, daß sich die derzeitige griechische Regierung dadurch beunruhigen lassen wird. Uebrigens gab es schon einmal einen Prätendenten auf den erledigten Thron von Byzanz, nur daß er klug genug war, sich durch Anmeldung unerfüll­barer' Ansprüche nicht vor aller Welt lächerlich zu machen. Er hieß Maurice Paleologue, weiland französischer Botschafter am Hofe von St. Petersburg. Seine für Deutschland unheilvolle Rolle im Weltkrieg ist noch in aller Gedächtnis

Der Kun st besitz der Bereinigten Staaten von Amerika macht seit dem Kriege eine volkswirtschaftlich recht interessante Wandlung durch, die darin besteht, daß die Kaufkraft der Trustmagnaten und Dollarkönige abnimmt, die der staatlichen und kommunalen Kunstinstitute aber dementsprechend wächst. War vor dem Kriege der Privatbesitz unbedingt führend, so kann heute keine Rede mehr davon sein. Jede halbwegs größere Stadt in USA. hat heute ihr Museum, und da im allgemeinen, besonders im Vergleich mit Eu­ropa, noch immer recht beträchtliche Mittel zur Verfügung stehen, sind die öffentlichen S a m m langen in der letzten Zeit zahlenmäßig, aber auch qualitativ dergestalt bereichert worden, daß der Privatbesitz schon deshalb immer mehr zu­rückbleibt, weil gerade er es ist, der seine in den glücklichen Zeiten derprosperity angehäuften Schätze jetzt zu verkaufen genötigt ist. Wenn festgestellt werden kann, daß eine der großen Privatgalerien nach der anderen Pierpont, Mor­

gan, Wanemaker sich auflöst und ihr Bestand in der Hauptsache von den amerikanischen Museen er­worben wird, so scheint das doch ein Zeichen dafür zu sein, daß sich nun auch Amerika von dem bis­lang herrschenden individualistischen Prinzip ab- wendet und die Pflege der Kunst fortan dem Staate und den Gemeinden anvertrout wissen will. Mellon und sein noch immer riesi­ger Vrivatbesitz an Kunstgegenständen ist kein Gegen­beweis. Auch'er hat bereits einen großen Teil sei­ner Erwerbungen dem Staate geschenkt, um, wie man sagt, dessen Steuernachforderungen zu mildern.

Jedenfalls scheint auch in Amerika das Museum immer mehr ein Instrument der öffentlichen Er­ziehung werden zu wollen.

Das Gedächtnis ist eine Gottesgabe, voraus­gesetzt, daß sie nicht mißbraucht wird. Ueberbürdung des Gedächtnisses hat zur Folge, daß der Mensch nicht allein sein persönliches Ich verliert, sondern auch die Fähigkeit des zusammenhängenden Den­kens, die dann durch das spezifische Gewicht des angesammelten Wissensstoffes gleichsam außer K r a ft gesetzt wird. Von Schopenhauer stammt die Beobachtung, daß unter Schauspielern der Wahnsinn am weitesten verbreitet sei, was dieser Philosoph auf die Nötigung des Schauspielers zu- rückführt, dauernd einen ungeheuren Gedächtnis­stoff in sich aufstapeln und sich die Psyche der aller- verschiedensten Menschen aneignen müssen- ein Der- fahren, das in besonders krassen Fällen mit dem Verluste des Ichbewußtseins, d. h. dem Wahnsinn ende. Aehnlich scheint es sich mit dem Sprachstudium zu verhalten: wird es über­trieben, so kann es schlimme Folgen haben. So wird jetzt von einem Professor an der Pariser Sor­bonne gemeldet, daß er nach der Erlernung der 45 fremden Sprache unheilbar erkrankt sei, weil er das Erinnerungsvermögen so vollständig ver­loren hat, daß er sich nicht einmal mehr in der Muttersprache verständlich ausdrücken kann. Durch­aus glaubhaft: unter dem Zwange, sich mit 45 fremden Idiomen ständig identifizieren zu müs­sen, hat das.Ich die Herrschaft über sich selber ver­loren-, es ist seinem Besitzer buchstäblich abhan­den gekommen. Ein bündiger Beweis dafür, daß Geisteskrankboit in Wirklichkeit Geistesabwesen­heit ift

In Chikago ist em Geschäftsmann aus eine Idee verfallen, die festgenagelt zu werden verdient, weil sie zeigt, zu welchen Ungeheuerlichkeiten die zeitgemäße Sucht, immer neue Geldquellen zu er­schließen, einmal führen muß. Dieser kundige The- baner hat nämlich von sterbenden Menschen in den Krankenhäusern G r o m m o p h o n p l a t t e n besprechen lassen, die dann in den Grabstein eingebaut werden. Die Hinterbliebenen haben nur einen kleinen Hebel in Bewegung zu setzen, um noch lange über das Grab hinaus die Stimme der Entschlafenen zu vernehmen. Mit einer solchen Er­hebung der Technik zumSieger über den Tod", die sozusagen die menschliche Stimme mumifiziert, scheint uns allerdings der Tief st and der seelischen Kultur erreicht worden zu sein. Man wendet sich mit Grauen von diesem abge­schmackten Spiel mit dem Geheimnis des Sterbens.

In einer osteuropäischen Großstadt wurde vor kurzem der Schadenersatzklage einer be­kannten Bühnenkünstlerin stattgegeben, die in Sportkreisen lebhafte Beunruhigung hervor­gerufen hat, weil man befürchtet, die Auffassung dieses Gerichtes könne möglicherweise auch von an­deren Gerichtshöfen geteilt werden. Die Dame hatte den Besitzer eines Rennstalls verklagt, weil er eins feiner Pferde n ach ihr benannt, dabei aber nicht bedacht hatte, daß der Gaul von der Natur mit einem trägen Temperament ausgestattet worden war, also gerade der Untugend, die man der betreffenden Schauspielerin am wenigsten nach­sagen konnte. Kein Wunder, daß sie sich durch ihren vierbeinigen Namensträger in ihrer Berufsehre be­trächtlich gekränkt fühlte und durch eine Schadens­ersatzklage, die schon um ihrer Originalität willen den so' leichtfertig geschändeten Namen in aller Mund zu bringen geeignet war, ihren guten Ruf, immer als erste durchs Ziel zu gehen, wiederherzu­stellen suchte. Somit wäre alles wieder in schönster Ordnung, wenn es nicht unter den französischen Rennpferden so vieleGreta Garbos" undLilian Harveys" gäbe, die sich nun alle ganz gewaltig an- strengen müssen, sollen ihre Eigentümer nicht Ge­fahr laufen, ihre darin ausgedrückte Bewunderung für berühmte Filmschauspielerinnen gleichfalls mit einer Klage auf Schadenersatz belohnt zu sehen.-Es scheint also, als ob Undank auch hier der Welt Lohn sei.

Zwei Lahre NG.-Volkswohlsahri.

Ein neues Oienstgebäude in Berlin eingeweiht.

*

e

EMI

|f *

. ?

Ci

NM fe

' J

: L £ L S. .W MW M r

8 ie

WGM MWGM i

/ML

Scherl-Bildmatemdienst

Anläßlich des zweiten Jahrestages der Grün­dung der NSV. fand am Freitagmittag die feier­liche Einweihung des neuen Gebäudes der Haupt­amtsleitung der NSV. in Berlin-Neukölln, May- bachufer 48 bis 51 statt. Nach einem Konzertstück von Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters unter Leitung von Generalmusikdirektor Stange eröffnete der Reichsoberrevisor der NSV., Partei­genosse I a n o w s k l, die Feierstunde. Er betonte, daß die zu lösenden Aufgaben der NSV. vollstän­dig neuartige gewesen seien, da man ohne Bei­spiel, lediglich aus dem Geist des Nationalsozialis­mus heraus, ein gewaltiges Werk habe aufbauen müssen. Vor zwei Jahren sei aus dem Nichts heraus eine Organisation geschaffen worden, die

heute mit vier Millionen Mitgliedern neben der NSDAP, und der Arbeitsfront eine der groß» t en Organisationen Deutschlands sei.

Hauptamtsleiter H i l g e n f e l d t legte dann dar, wie die NSV. im Sommer und Winter f ü r das Wohl des ganzen Volkes gear­beitet hat. Er erwähnte das HilfswerkMutter und Kind", die Kinder-Landoerschickung, die Müt- tererholungsfürsorge, die Tuberkulose- und Diph» theritisbekämpfung, die Schadenverhütungsaktion und andere Betätigungsgebiete der NSV. An die Feierstunde schloß sich eine Besichtigung aller Einrichtungen des Hauses und ein gemeinsames Eintopfessen an.

Italiens Eintritt in den"

eltkrieg.

Die Werbung der Entente um Italien im Licht der russischen Akten.

Don Universiicitsprofessor Dr. Gustav JRotoff, Gießen.

Die russischen Akten über die Vorge­schichte des Weltkrieges brachten in ihrem letzten hier vor einigen Monaten besprochenen Bande weniger Enthüllungen über die Politik Ruß­lands und seiner Bundesgenossen als über die Haltung Italiens in den letzten. Friedens­wochen. Danach hatte sich Italien vom ersten Auf­tauchen des serbisch-österreichischen Streites an so ententefreundlich gezeigt, daß man die Frage auf­werfen konnte, warum die römische Regierung bei dieser Gesinnung sich nicht sogleich den Feinden der Mittelmächte anschloß, sondern noch ungefähr drei Vierteljahr mit dem Entschluß wartete. Hier­über gibt nun die Fortsetzung des russischen Akten­werkes, das die Zeit vom August bis Dezember 1914 in zwei Bänden umfaßt, ziemliche Aufklärung.

Es ist verständlich, daß die Entente mit Italiens Anschluß in absehbarer Zeit rechnete, und nament­lich war es der russische Minister Sasonow, der, sanguinischer und beweglicher als seine Kollegen Grey und Delcasse in London und Paris, die Um­werbung Italiens mit Eifer betrieb. Er drängte 1 unmittelbar nach Kriegsbeginn darauf, daß die En­

tente den Italienern den Erwerb des Trentino, Triests, Valonas und der Vormachtstellung tm Adriatischen Meere anbieten solle, unter der Be­dingung, daß sie sogleich den Krieg an Oesterreich- Ungarn erklärten, in Tirol einbrächen und die öster­reichische Flotte im Adriatischen Meere blockierten. Mit großen Worten suchte Sasonow Italien vorwärts zu treiben: wenn es zögere, würde die Entente mit den Mittelmächten allein fertig werden, und von den Siegern werde Italien keine Zugeständ­nisse erhalten.

In Wahrheit war der russische Minister weni­ger zuversichtlich. Er besorgte, österreichische Ge­schwader könnten, solange die französische Mittel­meerflotte mit der Deckung der Truppentransporte von Algier nach Frankreich und die englische mit der Verfolgung deutscher Kreuzer beschäftig sei, unter Duldung der Türkei ins Schwarze Meer ein- dringen, wo sie verstärkt durch türkische und deut­sche Schiffe das Einlaufen derGäben" und der Breslau" in die Dardanellen stand bevor den Russen den größten Schaden tun würden. Bulga­rien und Rumänien, ließ er in London und Paris

lich unvorj

Zeit

Gestaltung.

Fal- ohne

nannt worden

Professor Dr. für Mathematik zum Ordinarius nannt worden.

Professor Dr.

Georg F e i g 1, Extraordinarius an der Universität Berlin, ist an der Universität Breslau er­

nt Winkler, Extraordinarius

des Vaterlandes ft^bt üb<*r dem Schicksal des ein­zelnen

Die Aufführung wurde vom Spielleiter, Herrn L ü p k e , in einer Form herausgebracht, welche die Qualitäten des Schauspieles ins beste Licht rückte. Man sah ein federndes, fesselndes, Beteiligung for­derndes Theaterstück, das von einem Kenner der Bühne gebaut ist. (Die Szenen mit dem Eingebore­nen Assis streifen übrigens fast an die Grenzen des reißerisch Sensationellen.) Daß sie von unheimlicher Wirkung waren, versteht sich von selbst-, das ungleich höhere spezifische Gewicht haben freilich die Szenen der großen Auseinandersetzung zwischen Keßler und Eggerth, zwischen Eggerth und Agar, und die ent­scheidende letzte Szene. Daß die Regie gerade hier über das bloß Effektvolle hinaus zum Kern der Ereignisse vorstieß und die Idee des Stückes bloß­legte, ist allein für die Bewertung maßgebend. Von den Szenenentwürfen des Herrn Löffler darf der Gesandtschaftsraum mit besonderer An­erkennung hervorgehoben werden

Herr Löser spielte den Gesandten, wie wir glauben, ganz im Sinne des Autors: als geschickten und verbindlichen Diplomaten, vor allem aber als einen Mann von Klugheit, Ehrenhaftigkeit und hohem Derantwortungsbewußtsein, der einen guten und schweren Kampf führt auf seiner einsamen In­sel inmitten der fremden und feindlichen Welt. Herr Mieten als Keßler wirkte in feiner Offen­heit, seiner mannhaften Haltung nicht minder über­zeugend als in den Augenblicken, wo seine Gestalt zweideutig und schwankend erscheint. Frl. Decker zeichnete die Umrisse der abenteuerlichen und inner­lich entwurzelten Frau von Larski interessant und mit geschmeidigen Uebergängen. Herr Kühne (Agar Khan) entwickelte die erschreckenden und ab­gründigen Wesenszüge des gefährlichsten Gegen­spielers mit einer unerschütterlichen und undurch­dringlichen Kälte, Herr Neuhaus gab den Risa Khan klar und bestimmt, dennoch gleichsam auf der schmalen M'tte zwischen den feindlichen Fronten

Die sichere Hand des erfahrenen Theatermannes erkennt man nicht zuletzt an der Formung der min­der wichtigen Figuren-, auch die meisten der kleine­ren Rollen find für einen gewandten Darsteller nicht unergiebig und nicht ohne Reiz. Herr Nieren (Holzmann) und Herr Tank (Schubert), auch Fräu­lein PUua (Ellen) und Herr Göbel (Assis)

für Religionsphilosophie an der Universität Hei­delberg, ist zum Ordinarius an der Universität Breslau ernannt worden

Professor Dr. H. Bartels, Extraordinarius für theoretische Physik an der Universität Bres­lau, wurde zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in Hannover ernannt.

Professor Dr P. A. Thiessen, Extraordina­rius für anorganische Chemie an der Universität Göttingen, wurde zum ordentlichen Profesior an der Universität Münster ernannt.

Daß der Vertrag zuletzt dennoch unterzeichnet wird, ist an sich erfreulich; erfreulicher die Erkennt­nis des Preises, die Würdigung des Opfers, das hier gebracht wird; das aus einer sehr deutschen Gesinnung kommende Bewußtsein: die Sache das

' gilt mrhr al? der M^nn. c"

daß selbst

Unschuld überzeugt ist

und Q u a d f l i e g fügten sich ebenfalls gewandt dem sauber zusammenwirkenden Ensemble ein

Für den kräftigen Beifall konnte sich zuletzt mit den Hauptdarstellern auch der Spielleiter bedanken, hth.

Zeitschristen.

Zum 25jährigen Regierungsjubiläum des englischen Königs bringt dieLeipziger Jllu- st r i r t e Zeitung" in ihrem neuen Heft einen großen Sonderbeitrag, der in interessanten, wenig bekannten Bildern und einem aufschlußreichen Text einen Rückblick über die Vergangenheit des eng­lischen Herrschers gibt. Außerdem enthält die Num­mer einen sehr bemerkenswerten Artikel über alt­germanischen Schiffsbau. Ein mit treffenden Zeich­nungen illustrierter ArtikelGefahren im Haus­halt" wird ebenso wie die Modeseite der Frauen­welt besondere Anregungen bieten. Dazu schöne Bilder aus einem alten Zerbster Park, aus Aegypten und von der Konradsburg im Ostharz.

Hochschulnachnchten.

Professor Dr. H Faßbender, Extraordina­rius für Maschinenwesen an der Technischen Hoch­schule Berlin, wurde daselbst zum Ordinarius ernannt.

Professor Dr. C K r a u s p e , Extraordinarius für Pathologie an der Universität Berlin ist zum Ordinarius an der Universität Königsberg er­

ste stückweise Entwicklung und Lösung des les würde übrigens dem späteren Besucher Not vieles vorwegnehmen nicht nur an äußerer Spannung. Uns genügt es, die Voraussetzungen an­gedeutet zu haben und den eigentlichen Sinn der Vorgänge begreiflich zu machen: in dem Zusammen­stoß zweier Erdteile zugleich, wie Buch sich aus­drückt, den Zusammenstoß von Charakter und Schicksal als ein Grundelement jeder dramatischen

Vom Ausgang des Prozesses hängt aber natür­lich auch der Abschluß des Vertrages ab und zwar auf eine Weise, die dem Deutschen und dem Europäer überhaupt schwer begreiflich ist. Buchs Schauspiel schildert ungemein fesselnd und mit einer ganz unmittelbaren Spannung den Zusammenstoß zweier Welten: Europa und Asien stehen einander mit unüberbrückbaren Gegensätzen gegenüber. Und diese Konfrontierung scheint uns wesentlicher, als den Ablauf der Ereignisse im einzelnen zu ver­folgen. Sie spielen wiederum auf jenerInsel , auf dem exponierten, gefährdeten, mit ungeheurer Verantwortung belasteten Außenposten in einem fremden Erdteil, wie dies ähnlich vor einiaer im Film aeftoftef worden ist

und praktisch der Ingenieur Keßler führt, stehen kurz vor dem Abschluß; die Verhandlungen sind so weit gediehen, daß sie hoffen dürfen, der gefähr­lichen japanischen Konkurrenz zuvorzukommen. Da kommt ein unerwarteter Zwischenfall, der die Sach­lage verhängnisvoll kompliziert "vd h»n Abschluß de? Vertran»« in Frane ft1,1,4

Gießener Giadttheater.

Fritz Peter Buck: Vertrag nm Karakal'

Der Autor dieses Schauspiels, den wir unseren Lesern gestern mit einer kleinen Erzählung im Feuilleton vorgestellt haben, war vor einigen Jah­ren als Spielleiter am Frankfurter Schauspielhaus tätig, und wir erinnern uns aus dieser seiner Tätigkeit beispielsweise heute noch gerne der von ihm' geleiteten ausgezeichneten Inszenierung des Gneisenau" von Wolfgang Goetz. Wir erwähnen das in diesem Zusammenhang nur, um B u ch als einen sehr begabten und erfahrenen Mann vom Bau zu kennzeichnen, und weil man dem Schau­spiel, das mir gestern sahen, bald anmerkt, daß es aus der Hand eines vollblütigen Theatermenschen kommt

Dos ist ohne Zweifel ein großer Vorzug, oder noch nicht entscheidend für den Kern der Sache, Buch selber legt, in etlichen Anmerkungen tm Pro- qrammhest, vor allem Wert auf den Umstand daß sein Stuck nicht am Schreibtisch entstanden ist; er hat vielmehr die fremde und abenteuerliche Welt, welche den Schauplatz der sieben Bilder ausmacht, mit eigenen Augen gesehen: als Kriegsfreiwilliger und spater als Offizier in der türkischen Armee an den Fronten zwischen Persien und dem Roten Meer. (Einige persönliche Erlebnisse und Eindrücke aus diesen Jahren enthielt die bereits erwähnte kleine Schilderung, die wir gestern brachten^

Auch die Urbilder der Gestalten, die das Drama bewegen, sind dem Autor auf diesen Fahrten im Orient leibhaftig begegnet; die Umrisse der Fabel gehen ebenfalls auf tatsächliche Begebenheiten zu­rück. Für uns ist wichtig, was unter den Händen des Dramatikers daraus' entstand, wie Spiel und Gegenspiel entwickelt, die Fronten abgesteckt und die Fäden geknüpft wurden, damit die Handlung den Sinn erhielt, der über den einmaligen Anlaß und Sonderfall hinaus bedeutsam ersch°int

Im Äriegsmini)ieriuni .|i emgebroujin worden; Papiere von größter Wichtigkeit wurdkn entwendet. Keßler wird auf Grund bedenklicher Indizien ver­haftet; der Ausgang des Prozesses scheint minde­stens zweifelhaft, zumal Keßler, obwohl völlig un­schuldig, aus persönlichen Motiven ein leicht zu be­schaffendes Alibi verweigert und sich durch ziem- -sichtige Angaben noch mehr belastet, so der Gesandte nicht mehr völlia von seiner

Professor Dr. K. vom Hofe, (Ertraorbinarius epOodiichc.n Szenen recht kbendin und i für Augenheilkunde an der Universität Köln ist t.ix i . s;» Korrtm * n r n cA n - /j zum Ordinarius inG reifswald ernannt worden.

Das Stück spielt in der Hauptstadt eines nicht näher gezeichneten, kleinen mittelasiatischen Landes. Es handelt sich um die Ratifizierung eines Kon­zessionsoertrages, der Deutschland als dem einen Vertragspartner die Erschließung großer Oelquellen glatten und wirtschaftlich von weittragender Be- UrS SaTarche konnte' ihr; . ,

bipÄtito" b®Ä Dr''Eggerth techn.fch l Ganze, die P-m-insch-ft, das Wohl des Staates und i P-rMich g«st°ü°n; die Herren Schorn, Geiger z