Margarete Kampf, geb. Müller, Wwe., 77 Jahre alt, Am Wingert 4. 17.: Johann Joseph Sauer, Kaufmann, 70 Jahre alt, Bleichstraße 6. 20.: Elisabeths Weller, geb. Walther, 73 Jahre alt, Neuenweg 50; Carl Haberkorn, Bankbeamter, 57 Jahre alt, Moltkestraße 5; Ernst Wende, Oberzugschaffner, 57 Jahre alt, Mühlstraße 8. 23.: Christian Jnder- thal, Kaufmann, 81 Jahre alt, Neuen Baue 27. 26.: Susanne Krämer, geb. Kissel, Wwe., 66 Jahre alt, Ederstr. 16; Marie Möller, geb. Schöttler, 54 Jahre alt, Liebigstraße 86. 27.: Marie Lina Löchel, Hausangestellte, 25 Jahre alt, Welckerstraße 14; Melchior Wadenpfuhl, Invalide, 85 Jahre alt, Bleichstraße 38; Elfriede Schnabel, Dienstmädchen, 17 Jahre alt, Wißmarer Weg 13. 29.: Fritz Dickhardt, Kanzlist, 40 Jahre alt, Schottstraße 5. 31.: Helene Eckert, ohne Beruf, 40 Jahre alt, Kreuzplatz 6.
** Osterpakete und Ostergrüße. Oster- gaben und Osterwünsche, die man fernen Lieben mit der Post übersendet, sollen natürlich pünktlich zum Fest bei ihnen eintresfen. Die Post hat hierfür wieder alle Vorkehrungen getroffen, sie bittet aber auch die Versender um ihre verständnisvolle Mitarbeit. Die Pakete, Postgüter und Päckchen wie die brieflichen Ostergrüße sollte niemand erst in allerletzter Stunde einliefern; -denn bei dem gesteigerten Reiseverkehr vor dem Feste sind immerhin Zug- verspätungen und Anschlußverfehlungen möglich;
eht verspätetes Eintreffen der Sendungen beeinträchtigt aber leicht die Festfreude bei den Empfängern. Die Paketsendungen müssen gut verpackt und verschnürt, die Aufschriften haltbar angebracht werden; obenauf in jede Sendung gehört ein Doppel der Aufschrift, damit die Ostergaben auch ihr Ziel erreichen, wenn die äußere Aufschrift etwa verloren gehen sollte. Auch für Päckchen soll man nicht schwache Pappschachteln verwenden, da sie bei der Beförderung in Säcken leicht eingedrückt werden. Die Anschrift des Empfängers und des Absenders sollen auf den Paket- wie auf den Briefsendungen vollständig und recht deutlich angegeben werden. Wer dies alles beachtet, sichert sich den Dank der in diesen Tagen ohnehin stark in Anspruch genommenen Post und den Empfängern die ihnen zugedachte Osterfreude!
** Oeffen11iche Büch erh alle. Im März wurden 1956 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Zeitschriften 79, Gedichte und Dramen 1, Erzählende Literatur 1194, Jugendschriften 311, Länder- und Völkerkunde 123, Kulturgeschichte 2, Geschichte und Biographien 133, Kunstgeschichte 6, Naturwissenschaft und Technologie 44, Heer- und Seewesen 11, Haus- und Landwirtschaft 4, Gesundheitslehre 3, Religion und Philosophie 15, Staatswissenschaft 19, Sport 4, Fremdsprachliches 7 Bände.
Die neue Aufgabe Ser deutschen Schule.
Die Kundgebung des Nationalsozialistischen Deutschen Lehrerbundes des Kreises Gießen unter dem Vorsitz von Schulrat Pa. N e b e l i n g am gestrigen Nachmittag im CafL Leib wurde eingeleitet und umrahmt von Darbietungen des NS-Lehrerorchesters unter Leitung von Musiklehrer N e b e l i n g.
Geschäftsführer Heun erledigte einige geschäftliche Mitteilungen, die sich u. a. auf die Teilnahme an Lehrkursen bezogen, Lehrer Mohr warb für die turnerischen Veranstaltungen, u. a. für den Segelflieger-Lehrgang in Nieder-Ofleiden und für die olympischen Vorarbeiten.
Kreisschulrat N e b e l i n g gab der Entrüstung über das Urteil gegen d i e Memeldeut- s ch e n Ausdruck, wobei er daran erinnerte, daß Litauen seine Autonomie deutschen Soldaten, deutschem Heldentum und deutschem Einsatz verdanke. Deutschland ernte heut? den Dank. Wie Deutschland sich durch ein solches Urteil nicht einschüchtern lasse, jo würden auch die Memeldeutschen um so fester und enger zusammenstehen in Treue zu ihrem Deutschtum. Ihr Beispiel der Opferbereitschaft für unser Volkstum müsse jeden Deutschen anspornen zu gleicher Treue ihnen gegenüber. Zum Zeichen der Schicksalsverbundenheit sang die Versammlung das Deutschlandlied. Hierauf sprach
ßreWulrat Pg. Rebelmg
über „Die Wesensgestaltung der neuen deutschen Schule als Aufgabe verdeutschen Erziehe r". Er sagte u. a.: Der Umbruch hat neue Gesetze und Maßnahmen erforderlich gemacht. Träger der neuen Formen ist die Bewegung mit ihren Gliederungen. Diese formen den neuen Staat, der Willensträger der Partei ist. Die überragende Idee ist die nationalsozialistische Gesamtheitsidee, die Anschauung, daß das Volk eine organisch gewachsene, rassisch und blutsmäßig bedingte, von Gott gegebene Ganzheit darstellt.
Dieser Ganzheilsgedanke erfordert die Abkehr von dem bisherigen Denken und eine neue Ausrichtung der Lebensformen. Die neue Lebensform bedingt für den Staat, daß er nicht mehr Selbstzweck, sondern Diener des Volkes ist, verantwortlich für das Leben des Volkes, nach dem Grundsatz: e i n Volk, e i n Reich, ein Führer!
Diese Umschichtung erfordert auch eine neue Gesell- schaftsordnung. Der Führer hat gejagt, baß trie Erziehung eine bedeutsame Aufgabe ist. Bisher kam
die Erziehung nicht über die Theorie hinaus. Die Schule trug den Stempel der jeweiligen Weltanschauung, und wie diese keine völkische war, so war auch die Schule keine völkische. Adolf Hitler hat über -die bisherige Schulerziehung ein hartes, vernichtendes Urteil gesprochen. In toer Vergangenheit war die Erziehung beeinflußt von der Wissenschaft, und da diese zunehmend lebensfremd geworden mar, war es auch die Erziehung. Der volks- und lebensfremden, auf zersetzendem Liberalismus aufgebauten Gelehrsamkeit stellte sich eine Bewegung unter Adolf Hitler entgegen. Er fand die denkbar ungünstigsten Verhältnisse, den schlechtesten Boden vor, und so kann man nur mit dem größten Staunen vor seinem Werk stehen.
Dem Erzieher fällt die Aufgabe zu, die neue Form der Erziehung zu schaffen und zu bilden. Diese ist gekennzeichnet in den Grundgedanken der Lebensordnung, der Lebenswerte und der Lebensaufgabe, die gemeinsam die Einheit bilden: das Leben.
Heute muß die Schule bei der Bewegung und beim Führer in die Lehre gehen. Früher war die Universität maßgebend für den Aufbau, und die höhere Schule war eine Universität im Kleinen. Die Volksschule strebte der höheren Schule nach. Mit der Spezialisierung und der Lebensfremdheit der Universität entfernte sich auch die Erziehung vom lebendigen Leben und verlor den Blick für Die Wirklichkeit. Die Erziehung ging Theoriest nach, und der Schüler verstand vieles nicht, weil Blut- und Rassenfremdes nichts in ihm zum Mitschwingen bringen konnte. Adolf Hitler beachtete in erster Linie bei seiner Erziehung des Volkes die Faktoren der Lebensordnung und der Lebensaufgabe. Entgegen dem bisherigen System forderte der Führer an Lebenswerten: Verantwortung, Mut, Opfersinn, Führertum, mithin die besten deutschen Tugenden. Die Lebensordnung, vom Schöpfer uns gegeben, find Familie, Gemeinschaft, Volk, aus denen kein Mensch herauskommt. In diesem gewaltigen Räderwerk ist der Mensch ein kleines Rädchen. Die Erziehung will dieses Rädchen so formen, daß es sich einfügt. Die Familienerziehung ist durch das Gemeinschaftsleben so stark, daß schon hier der einzelne Form und Prägung erhält.
Der natürlichen Erziehungsschule entsprechend, schuf Adolf Hitler die kleinsten Zellen seiner Bewegung. Daraus baute er die Pyramide der Bewegung auf. Aufgabe der Erziehung ist die ver
antwortliche Autorität ober die Auslese der Besten. Das Vorbild gab der Führer selbst.
Hauptaufgabe der Erziehung ist die Eharakter- erziehung. Charakter bildet sich nur in der Gemeinschaft. Die Schule, Schüler und Lehrer müssen darum eine Gemeinschaft bilden. Darum ist keine Forschungsarbeit zu treiben, wie es früher in den höheren Schulen war, sondern es ist Allgemeinbildung zu vermitteln, Eharakter- erziehung zu leisten.
Liebe und Vertrauen müssen die Abstände überbrücken. Um dieses Ziel zu erreichen, soll der Erzieher folgende Fragen ausarbeiten, um der Praxis näherzukommen:
1. Wie komme ich zu einer wahren Klassengemeinschaft?
2. Wie können die organisatorischen Grundsätze der nationalsozialistischen Bewegung nutzbringend auf die Schulen angewandt werden?
8 Wie kann die erzieherische Wirkung durch Lebensaufgaben in der Schule angewandt werden?
4. Nach welchem Grundsatz ist das Bildungsgut der nationalsozialistischen Schule auszuwäylen?
Im Folgenden gab der Redner praktische Hinweise zur Durchführung der erzieherischen Gemeinschafts« aufgabe, z. B. Ausflüge, Wanderungen, Lagerzeiten, Gruppenarbeiten usw.
Notwendig ist, daß auch der Erzieher sich er. ziehen läßt, damit das harte Urteil, das der Führer über die Vorkriegsschule gefällt Hal, für ' die Gegenwart und Zukunft hinfällig wird. Nur wenn die Besten, die Tüchtigsten in der Schule schon erkennbar sein werden, wird die Schule ' die Leislungsschule werden, die sei fein soll. 1 Dann hat der Erzieher seine Pflicht getan an Volk, Staat und Führer.
Nach einer Pause und einem Schlußwort schloß die Kundgebung nach üblichem Brauch.
Ein schöner Heimatabend.
Die Winterveranstaltungen des Landschafts- bundes Volkstum und Heimat wurden am gestrigen Mittwoch mit einem Heimatabend im Studentenheim am Leihgesterner Weg abgeschlossen. Wieder hatten sich Mitglieder und Gäste zahlreich eingefunden, die im Verlaufe des Abends mancherlei Eindrücke mit Befriedigung in sich aufnehmen konnten.
In uneigennütziger Weise hatte sich der G e s a n g- verein „Sängerkranz" zur Verfügung gestellt, der mit seinen vorzüglichen Darbietungen die Veranstaltung umrahmte und verschönte. Der Ortsringleiter Dr. Michel begrüßte in seiner Ansprache die Besucher und dankte vor allem den Mitwirkenden für ihre freiwillige Unterstützung. Der Zweck der Veranstaltungen des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat sei, die Schönheiten der Heimat in Wort und Lied in sich aufzunehmen, um so immer tiefer einzudringen in die Geschichte des Heimatbodens. Gemeinsame Heimat binde und schaffe Gemeinschaft.
Unter Leitung seines Dirigenten Kasten brachte bann der gemischte Chor des Gesangvereins „S ä n g e r k r a n z" den Frühlingschor aus den „Jahreszeiten" von Jos. Haydn zum Vortrag. Die ausgezeichnete Wiedergabe des Werkes fand bei den Zuhörern allgemeine Anerkennung. Herr Eberhard Schwarz (Gießen) brachte aus eigenen Dichtungen „Die alte Straße" zum Vortrag, in der er die Vorzüge und Eigenschaften der alten heimatlichen Straße und die Begebenheiten auf ihr schilderte.
In einem interessanten Lichtbildervortrag sprach bann Stadtbaurat Gravert an Hand von nach Plänen hergestellten Photographien über alte und neue Straßen um Gießen. Der Redner ging dabei zunächst auf die frühgeschichtliche Entwicklung des Straßenbaues, der Siedlungen und des Städtebaues ein und wies die vermutliche Lage und Führung der alten Durchgangsstraßen rund um Gießen nach. Diese eigenen Untersuchungen des Vortragenden sollten, wie er ausführte, als Anregung dazu dienen, das Thema einmal allgemein zu erfassen und durch eigene Studien und Wanderungen in die tiefere Kenntnis und Erkenntnis der Heimat vorzudringen. Dabei müsse man natürlich zunächst vom kleinsten Raum ausgehen, und das sei Gießen und seine Umgebung. Auf diese Weise sei auch er, der Redner, bei einer Untersuchung der Städte Hessens gegangen, um zu erforschen, wie sich allmählich der Städtebau und die Straße überhaupt entwickelt habe. Bei diesen Untersuchungen traten besondere Schwierigkeiten in und um Gießen auf, da gerade in Gießen durch das rasche Vordringen des Verkehrs und des Bahnbaues viel zerstört worden fei. Auch beim Studium der Literatur über die Straßen und Siedlungen Gießens könne man feststellen, daß nirgends so viele Fragen hinsichtlich der Straßenführungen auftauchen. Der Redner ging dann über zur Schilderung der Entwicklung der Wege in vor
geschichtlicher Zeit, zum eigentlichen Straßenbau und zur Entstehung des Siedlungswesens. Währeyd die alten Straßen meistens Höhenstraßen und reine Naturwege gewesen seien, führten die neueren Straßen von Siedlung zu Siedlung und hätten nach Möglichkeit vermieden, über Höhen hinwegzuführen. Näher eingehend auf die vermutliche Lage und die Entwicklung des Straßenbaues in und um Gießen kam der Redner am Schlüsse seiner Ausführungen auf die Führung der Reichsautobahn in Oberhessen zu sprechen, die den Ring des Straßenbaues schließe und als Spezialverkehrsstraße dieselbe siedlungsvermeidende Eigenschaft zeige, wie bereits die großen Verkehrsstraßen in der Vorzeit. Reicher Beifall dankte dem Vortragenden für seine interessanten Darbietungen.
Zwei wirkungsvoll zum Vortrag gebrachte Chöre der Sänger, „Morgenwanderung" von Dürrner und „Aus der Jugendzeit" von Radecke, schlossen sich an. Herr Schwarz brachte dann aus feiner Sammlung noch einige Dichtungen zum Vortrag, von denen insbesondere „Die Hohle" (Hohlweg in der Heide) allgemeinen Beifall fand. Nach den beiden Chören „Gondelfahrer" und dem Hirtenlied aus „Rosamunde" von Franz Schubert wies in einer kurzen Schluß-Ansprache der Ortsringleiter Dr. Michel darauf hin, daß die Gegend um Gießen eine Fundgrube für die Heimatkunde sei. Es sei deshalb geplant, in Zukunft gemeinsam mit dem VHC. Wanderungen zu unternehmen. Die Arbeit in den Wintermonaten sei von Erfolg begleitet gewesen. Seit dem Bestehen des Reichsbundes für Volkstum und Heimat sei dieser bereits in Gießen auf 800 Mitglieder angewachsen. Es sei eine Arbeit, die im Zeichen stehe für Volk und Vaterland. Mit einem Siegheil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler und mit dem gemeinsamen Gesang des ersten Verses des Deutschlandliedes und des Horft-Wessel-Liedes wurde der Abend geschlossen.
Rundfunkprogramm.
Freitag, 5. April.
6 Uhr: Bauernfunk. 6.15 und 6.30: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch — Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9.15: Volksmusik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13:
wundervoll
Die Zfflandstöchtee und ihre Freier.
Vornan von 3- Schneider-Ioerstl
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau t. Sa. 22 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Luch Niels wunderte sich darüber. Was mochte Bob da wohl geschickt haben? Für Klaudine war keine Post habet gewesen. Sie wußte warum und beklagte sich nicht darüber. Was irgendwie wissenswert war, würde ja Bob in seinem Brief an Niels berichten. Das erfuhr sie bann schon von ihm.
Es war ein heiliger Abenb, wie ihn jebes Jahr- zeht nur einmal schenkt: Von einer Klarheit unb Schöne, daß die Bergspitzen ringsum wie Silberpfeile in den Himmel stachen. Am Firmament standen Millionen Sterne, und die Erde war eingehüllt in ein Kleid von glitzernden Schneekristallen.
Klaudine hatte auf ihrer letzten Fahrt nach Bruck Kerzen und Kugeln, sowie eine Menge Flitter gekauft. Damit schmückte sie nun den Baum. Barthel- mes war noch einmal nach den Almhösen hinuntergestiegen, um Frischfleisch und Eier zu holen. —
Ein gläserner Silberstern glitt Pöttmes aus den Fingern und zersprang am Boden in tausend Stücke. „Mein Stern!" klagte Klaudine. „Der einzige, den
ich hatte!"
„Soll ich Ihnen dafür einen anderen holen? fragte Niels, durchs Fenster gegen den Himmel zeigend, wo es weihnachtlich glitzerte und funkelte.
Sie lächelte, merkte an einem fluchtigen Zucken seines Mundes, daß er wieder Schmerzen hatte und drückte ihn sanft auf die Bank. „Bleiben Sie mal hübsch sitzen!" Sich niederbückend, sagte sie: „Sehen Sie, nun ist der Knöchel schon wieder geschwollen! Warum laufen Sie auch schon seit heute morgen so zwecklos herum."
„Zwecklos?" fragte er entrüstet.
„Natürlich! — Am Vormittag sind Sie zweimal in den Schnee hinausgelaufen, um Ausschau zu halten, ob der Knecht mit der Post noch nicht kommt. Nach Tisch haben Sie sich auch nicht hingelegt, wie es Ihr krankes Bein erfordert. Sie sind recht eigensinnig."
„Ich will recht brav fein", versprach Niels lächelnd. „Trotzdem ich noch gar nichts geschenkt bekommen habe."
Barthelmes, der eben von den Almhöfen zurückkehrte, stellte seinen Rucksack ab und brummelte mit einem Seitenblick auf Pöttmes: „Den gonz'n Tog umananbarutfdj’n und auf d' Nocht neammer steh'n können vor lauter Wehdam."
Eine halbe Stunde später strahlten aus den kleinen Fenstern der Karrer-Hütte die Weihnachtsker
zen.
Barthelmes schimpfte ganz offen: „A so vül Geld ausgeb’n weg'n meiner! A so an Hauf'n Sach' kauf'n für mi. Jesus Maria und Josef! I moan grab, i hab a- Erbschaft g'macht!"
Klaubine aber ftanb wortlos vor bem kostbaren grünen Koffergrammophon, auf bem ein Tannenzweig lag. Niels suchte in ihrem Gesicht, als sie hie erste Platte auflegte. „Stille Nacht, heilige Nacht."
Ihr Munb zuckte. Sie hatte so lange nicht mehr gesungen. Unb als sie nun bie Lippen öffnete, starrte Niels ungläubig, von Schauern burchflutet, auf bas Mäbchen. Es war, als habe ein Engel selbst Einkehr in der Karrer-Hütte gehalten und verströme nun die Süßigkeit seiner Stimme in bie Enge bes Raumes.
Klaubine stand, die Hände verschlungen, mit Augen, in denen ein Himmel voll Seligkeit glänzte. „Stille Nacht, heilige Nacht." Barthelmes' nicht ungeübter Baß fiel ein. Niels war zwar Fein Sänger, aber in diesem Liebe fand auch er sich zurecht.
Mit einem leisen Schnarren sprang die Platte aus, gerade in bem Augenblick, als bie brei bie letzte Strophe zu Enbe gesungen hatten.
Barthelmes' Munb war noch zur Hälfte geöffnet. „Jetzt fo was! Wann's no a Platzt auf ba Wölt gibt, wo's fo a Weihnacht'n feiern, wia auf ber Karrer-Hütt'n, nachher nehmat i bie Füaß' auf’m Buck'l und laufat hin. — Aber 's gibt ja koans mehr."
„NehmenSie bitte vorlieb", sagteKlaudine zu Niels, und öffnete ein Etui. Darin lag: Ein Silber löffel.
Noch nie, feit Pöttmes auf der Hütte war, hatte Barthelmes ein fo helles, jungenhaftes Lachen von ihm gehört.
„Jetzt, do schau her!" rief der Alte. „Jetzt hat er's wirkli durchg'setzt, der Herr Pöttmes, und i hab mi fcho g'freit g'habt, daß er’s Ess'n so schön g’Iernt hat mit meine Blechernen. Jetzt hat er do no an Sülbernen kriagt. A sowas!"
Gegen elf Uhr braute Klaudine noch einen Punsch. Dazu spielte das Grammophon ernste unb heitere Musik. Barthelmes rauchte unb brehte seine Zigarre genießerisch zwischen den Fingern. Dabei schielte er von Pöttmes nach Klaubine hinüber, bie am Herb ftanb. „Ich wer's frag’n, ob's bobleib’n mecht'", meinte er. — „Für ganz. Platz is! Dös bist! was ißt, b' Klaubinia, bös bring i im Summer schon roieba eina! Is all'weil was schön's, so a jung's Leb'n. I hob' mei Freib bran unb ihr is g'holf'n. Unb Angst braucht's a foane z' Ham, baß ihr aoner was tuat. I wer scho schaun, baß faner um sie umananeranscharwanzelt im Summer, wann b' Hollobri roiaber z' Berg steig'n. Wann ebba aoner moant, er börf glei z' pulsieren anfang’n, roann’s eahm an Trunk Milch hinstöllt, bo bin i scho ba! I paß' scho auf! Unb Pratz'n hob i a, roann’s Maul nimmer g’Iangt. Do fahlt fi nix!"
Pöttmes sah nachbenklich auf diese festen, breiten Hände des Barthelmes, bann nach Klaubines schlanken Rücken, der ihm vom Herde aus zugekehrt war.
„Bei Ihnen wäre sie jedenfalls am besten aufgehoben, Barthelmes. Ich könnte sie ja ohne weiteres in einem Büro ober sonstwo unterbringen, aber ich weiß sie lieber hier. Im Spätsommer, wenn keine Leute mehr auf ber Hütte finb, komme ich bann roieber."
„Ja", sagte Barthelmes. „Ja, ja. Da können s bann a roieber bie Kammer hrin hab'n. Leicht, baß ich bann a Deferl nei’ ftöll'n laß. A so is a G'frett. Unb bo nia fei richtige Wärm' jetzt, wann a b’ Tür' offensteht. — — Hab'ns Eahna etroan verbrennt, Fräul'n Klaubinia?" fragte er nach bem Herd hinüber, von wohH ein leiser Schrei gekommen war, zog sich am Tisch hoch unb hielt ihr ben Tops, aus bem sie ben Punsch in bie Gläser schöpfte.
„Ich habe mich nicht aufzustehen getraut", sagte Pöttmes, als Klaubine mit glühenbem Gesicht an ben Tisch trat. „Damit mir bas Christkinb meinen Silberlöffel nicht roieber abnimmt."
Er bekam einen Klaps auf bie Hanb unb einen Teller Gebäck vor sich hingestellt. —
Erst nach zwölf ging man zu Bett. Pöttmes ließ ber Punsch nicht schlafen, unb Klaudine drehte sich ebenfalls unruhig von einer Seite nach ber an- bern. Wenn Niels wüßte?--Wie konnte man
es anstellen, baß man Bobs Brief zu lesen bekam? Er schrieb sicher allerhanb Wissenswertes, in ber Ueberzeugung, daß sie burch Niels ohnehin bavon Kenntnis erhalten würbe.
Sie hob ben Kopf unb horchte nach ber Wankr hinter der Pöttmes schlief. Alles war still. Wenn sie's riskierte?--Bobs Brief lag noch so auf
bem Tisch, wie Niels ihn hingelegt hatte. Er hatte überhaupt nichts roeggeräumt.
Die Füße langsam auf ben Boben stellenb, horchte Klaudine noch einmal. Nichts regte sich.
Ueber der kleinen Stube lag ein milchiges Licht. Die Deckenbalken gähnten schwarz und klobig. Der rötliche Schein ber Herbglut ließ ben Flitter bes Christbaumes aufleuchten. Klaubine ging langsam zum Tisch. Mit einem Griff nahm sie bas Bri^- ölatt an sich unb wollte eben roieber zurückhuschen, als Pöttmes Stimme von nebenan fragte: „Was ist Klaubine?"
Wie ein Verbrecher schrak sie zusammen. Sie mußte Antwort geben: „Hatten Sie nicht gestöhnt? Haden Sie Schmerzen?"
Er hatte keine Schmerzen.
„Gottlob, baß ich mich getäuscht habe. Gut Nacht, Herr Pöttmes."
„Gute Nacht, Klaubine", sagte er unb schüttelte ben Kopf. Warum log sie benn?
Klaubine brannte ber Brief in ben Fingern. Sie hatte seit Wochen von zu Hause nichts mehr gehört, und Bob schrieb:
„Liebster Niels!
Anbei das Geschenk, von bem ich glaube, baß es der jungen Dame Freude machen wird. Ich hoffe auch Dich damit einverstanden. Etwas Besseres habe ich nicht gefunden. Ich verbringe meine
Ferien hier auf Haslbach. Mama ist nach Hamburg gefahren. Ich habe keine Ahnung, was sie dort macht. Von den Töchtern ist nur Luzie hier. Margot ist, wie ich Dir bereits geschrieben habe, verheiratet, und bie Aelteste auf Reisen. Trotzbem hoffe ich auf ein wunberschönes Weihnachtsfest, bei bem nur Du fehlen wirst — wie immer. Auch Fritz Jfflanb kommt nicht unb verbringt bie Feiertage mit Freunben im Gebirge.
Wie steht es mit Deinem Fuß? Unb sonst? — Wann sehen wir uns roieber? Ich habe große Sehnsucht nach Dir, mein Niels. Laß' nicht mehr zulange auf ein Wiedersehen warten
Deinen B o b."
Das war also alles. Henriettes Reise nach Hamburg würbe wohl ihre Gründe haben. Klaudine hatte sich eigentlich mehr von diesem Briefe erwartet und empfand doch wieder eine gewisse Beruhigung dabei, daß zu Hause alles in Ordnung war. —
Als Pöttmes gegen zehn Uhr vormittags aus der Kammer trat, lag der Brief wieder auf dem gleichen Platz, wohin er ihn gestern abend gelegt hatte. Daß in Klaubines Gesicht auch nicht eine Spur von Verlegenheit stand, stimmte ihn nachdenklich. Vielleicht hatte er sich doch getäuscht. Um so besser.
Während er frühstückte, setzte Klaudine bas Grammophon in Bewegung, stützte sich auf die Tischkante und, leicht gegen Niels geneigt, fang sie den Schlager mit: „Schenk' mir eine Tafel Schokolade — und ich schenk' dir einen Kuß!"
„Klaudine!" drohte er mit bem Finger.
„Denn ich schwärme so für Schokolabe, mal für Mandel, mal für Milch unb mal für Nuß!"
„Warten Sie mal", rief Pöttmes lachend — aber es fand sich unter den vielen Süßigkeiten, bie Bob mit beigepackt hatte, nicht eine einzige Tafel Schokolade. Mit einem bedauernden Achselzucken stellte Niels die Platte ab.
Ein junger Mensch keuchte den vereisten Hang heraus, verharrte eine Weile atemschöpsend und wischte sich ben Schweiß von ber Stirn; griff wieher mit festen Schritten aus unb winkte ^Klaudine zu, bie mit bem Dackel vor ber Karrer-Hütte ftanb, unb sich an ber glitzernden Herrlichkeit ber Bergkette erfreute. „Sinh Sie das Fräulein Klaudine Jffland?" fragte ber Bursche mürrisch. Es war ein mühseliger Weg herauf von Bruck gewesen. Die Skier hatte er unten aus, dem ersten Almhof zurücklassen müssen. Er wäre sonst eher zehnmal hinunter, als einmal hinaufgekommen.
„Bitte", sagte Klaubine, bie Hanb nach bem Brief ausstreckenb, den der Bote aus feiner Brust- tasche zog. Es war Luzies Handschrift. Als der Ucberbringer mit verdrießlichem Gesicht wartete, griff sie in die Tasche und legte ein Fünsschilling- stück in seine Hand. Ein erstauntes „Dank'schön! , bann machte her Mann kehrt unb stapfte wieder den Almhöjen zu. (Fortsetzung folgt)


