Ausgabe 
4.4.1935
 
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sammeln zu dürfen. Das lvinterhilfswerk, fo betonte der Führer nachdrücklich, fei für uns ein Beweis, dah wir mehr find als eine bunt zusammengewürfelte Men­sch e n m a s s e. sondern dah wir uns alle miteinander verbunden fühlen in guten und in schlechten Tagen.

Der Führer schloß mit dem nochmaligen Aus­druck herzlichsten Dankes an die Gauamts- leiter der NSV. für die geleistete Arbeit, an die unzähli-gen Mitarbeiter des Winterhilfswerkes und an das ganze deutfche Volk. Dem für die Durch­führung des Wmterhilfswerkes verantwortlichen Reichsminister für Dolksausklärung und Propa­ganda, Reichsleiter Dr. Goebbels, sprach er in herzlichen Worten seinen Dank aus. Im Anschluß an den Empfang waren die Gauamtsleiter des Winterhllfswerkes Gäste des Führers beim Mittagessen in seiner Wohnung und hatten die große Freude, noch einige Zeit in angeregter Un­terhaltung bei ihm verbleiben zu dürfen.

Gauleiter Sprenger über die Vertrauensratswahlen.

Der Propagandafeldzug im Gau Hessen-Nassau eröffnet.

F r a n k f u r t a. M., 3. April. (LPD.) Am Mitt­woch wurde in Mainz-Amöneburg der Propagandafeldzug für die Vertrauensratswahlen im Gau Hessen-Nassau durch Gauleiter Sprenger mit einer Kundgebung in der Firma Dy ckerhoff & Wicking eröffnet. Der Gau­leiter erklärte u. a.: Die Vertrauensratswahlen würden klar zum Ausdruck bringen, wie der deutsche Arbeiter zum Nationalsozialismus und zum Führer stehe. Hierin liege ihre außerordentliche Bedeutung. Der deutsche Arbeiter sei in der Vergangenheit zum Objekt der Wirtschaft herabgesunken. Der Klasien- kampf sei am stärksten in der industriellen Wirt­schaft in Erscheinung getreten. Demgegenüber habe der Nationalsozialismus das Bekenntnis zur Dolksgemei n f ch a f t gestellt. Zu diesem Zweck sei schon in der Kampfzeit die NSBO. geschaffen worden. Die NSDAP, wollte keine neuen Gewerk­schaften gründen, sondern erst mußte die politische Grundlage geschaffen werden, dann konnten auch die wirtschaftlichen Fragen geordnet werden. Zwei Jahre schon seien wir ein werdendes Volk. Heute gebe es wohl niemand mehr, der die positi­ven Leistungen der Deutschen Arbeitsfront bezwei­feln wolle. Die Ganzheit der deutschen Wirtschaft spiegele sich am stärksten in der DAF. wider. Das Vertrauen sei die Grundlage jedes wirtschaftlichen Erfolges. Die Vertrau­ensmänner müßten charakterlich und nach ihrer Leistung die Besten im Betriebe sein. Höchster Einsatz werde von jedem verlangt. Keinen Klassenkämpfer und keinen Jnteressenvertreter dürfe es mehr geben. Wenn irgendwo Kritik notwendig sei, so solle sie jeder als freier deutscher Mann bei der z u - ständigen Stelle offen anbringen. Ar­beitgeber wie Arbeitnehmer müßten Sachwalter der ganzen Volksgemeinschaft sein.

Der Gauleiter schloß seine eindrucksvolle An­sprache mit den Worten: Durch diese Wahl wollen wir ehren den ersten Arbeiter des deut­schen Volkes, Adolf Hitlerl Der Betriebs­führer Dr. D y ck e r h o f f dankte dem Gauleiter für feine Worte. Mit dem Gesang des Horst-Weffel- Liedes fand die Kundgebung ihr Ende.

Vereinheitlichung der Hochschulverwattung.

Berlin, 3. April. (DNB.) Reichswifsenschafts- minister R u st hat Richtlinien zur Vereinheit­lichung der Hochschulverwattung her­ausgegeben. Nach diesen Richtlinien treten an die Stelle der bisherigen Vorschriften folgende Bestimmungen:

1. Die Hochschule gliedert sich in Dozenten­schaft und Studentenschaft.

2. Die Dozentenschaft wird gebildet von den an der Hochschule tätigen Lehrkräften und Assistenten.

3. Die Studentenschaft wird gebildet von den an der Hochschule voll eingeschriebenen Studenten deutscher Abstammung und Mutter­sprache unbeschadet ihrer Staatsangehörigkeit.

4. Führer der Hochschule ist der Rektor. Er untersteht dem Reichswissenschasts- m i n i |'t e r unmittelbar und ist ihm allein verantwortlich.

5. Der Leiter der Dozentenschaft wird nach Anhören des Rektors und des Gauführers des NS.-Dozentenbunües vom Reichswif- fenschaftsminister ernannt. Er u n - ter steht dem Rektor.

6. Der Leiter der Studentenschaft wird nach Anhören des Rektors und des Gauführers des NS.-Studentenbundes vom Reichs- wiffenschaftsminister ernannt. Er untersteht d e m Rektor.

7. Der Prorektor und die Dekane werden auf Vorschlag des Rektors vom Reichs- wissenschaftsminister ernannt.

8. Der Senat steht dem Rektor beratend zur Seite. Ihm gehören an die Leiter der Dozentenschaft und der Studentenschaft, der Prorektor, die Dekane und zwei weitere vom Rektor zu berufende Mitglieder der Dozenten­schaft, von denen eines dem NS.-Dozen­ten b u n d zu entnehmen ist; Stellvertretung ist unzulässig.

9. Die Fakultäten sind Träger der fach- wissenschaftlichen Arbeit.

10. Der Dekan führt die Fakultät. Er ernennt feinen Stellvertreter.

11. Der Fakultät sausschuß steht dem Dekan beratend zur Seite. Ihm gehören an die be­amteten ordentlichen und außerordentlichen Professoren der Fakultät sowie zwei vom Leiter der Dozentenschaft zu benennende nichtbeamtete Hochschullehrer.

12. Dien st licke Eingaben sind in wissen­schaftlichen oder Studienfragen an den Deka n, in Dozentenschaftsfragen an den Leiter d e r Dozentenschaft zu richten. Der weitere Dienstweg geht in jedem Falle an den Rektor zur Entscheidung oder Weitergabe.

Die Strafordnung für Studenten

Berlin, 2. April. (DNB.) Die Strafordnung des Herrn Reichswissenschaftsministers vom 1. April 1935 ist durch folgende Gesichtspunkte gekenn­zeichnet:

1. Mit ihr wird vereinheitlicht das akademi­sche Strafrecht von etwa 70 deutschen Universitä­ten und Hochschulen aller Art. Es ist das modernste

Strafrecht in Deutschland. Es kennt nur zwei 3 n ft a n 5 e n, die sich, bedingt durch die Auswahl der Richter, als schlagkräftig erweisen werden.

2. Bei der Umgrenzung des Pflichten- k r e i s e s ist von der Aufzählung vieler Einzeltat­bestände abgesehen und statt dessen eine all­gemeine Grundvorschrift geschaffen, die den Strafbehörden selbst bei der Bewertung akade­mischer Verstöße weitgehend freie Hand läßt. Trotzdem handelt es sich um einen inhaltlich klar bestimmten Tatbestand, der neben der selbstverständlichen Gehorsamspflicht gegenüber den akademischen Behörden die durch ) i e Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Hochschule selbst bestimmten Pflichten und diejenigen gegen Volk und Staat einander gegenüber stellt. Zn der Hand verantwortungsbe­wußter Rektoren und Strafausschüsse wird die Neu­regelung ihr Teil zur Erneuerung des deutschen Hochschulwesens beitragen.

3. Es ist eine Strafordnung, wie sie der auto­ritäre Staat erfordert. Der Rektor, der chon in der Verwaltung weitgehende Befugnisse hat, erhält auch alsRichter wieder eine über­ragende Macht st ellung, die ihm beige­gebenen Richter bilden einen so kleinen Kreis, daß jederzeit eine rasche Entscheidung gewährleistet sein wird. Oberste und letzte I n - tanz bleibt selbstverständlich der Wissen- chaftsminister, der, das ist auch eine Neue­rung, das jederzeitige Eingriffsrecht in allen Fäl­len hat.

4. Die Strafordnung sieht die Vergehen der Stu­

denten und Hörer vom Ehren st andpunkt. Es kommen daher die bisherigen Geld­strafen und Karzer strafen in Fortfall. Anderseits findet eine verfchärfteVeröffent- lichung (das Anschlägen jeber Strafe am Schwar­ten Brett) statt. Außerdem werden alle Strafen in d i e Papiere des Studenten einge­tragen, so daß dessen Verfehlungen während sei­ner akademischen Lausbahn jederzeit ersichtlich sind.

5. Die Strafordnung sieht lediglich Strafen gegen Verfehlungen vor, die im Rahmen des Ho ch - s ch u l l e b e n s begangen werden. Unberührt bleiben also das allgemeine Strafrecht so­wie die SA.- und P a r t e i g e r i ch t s b ar k e i t. Auch die Verfahren, die unter Berücksichtigung von wasfen studentischen Anschauungen bestimmt werden, bleiben unberührt. Vereinigt wer­den aber durch die Strafandrohung die bisherigen Strafbefugnisse der akademischen Behörden und die Strafbefugnisse der Führer der deutschen Studenten­schaft.

6. Das Verfahren der Strafordnung paßt sich im wesentlichen der geltenden deutschenStraf- prozeßordnung an, wobei davon abgesehen wurde, eine allzu eingehende Regelung für alle Fälle vorzunehmen. Die Rolle des Staatsanwalts und des Untersuchungsrichters ist in der Hand des Universitätsrates vereinigt. Damit wird aber auch insofern etwas Neues geschaffen, als der Universitätsrat nunmehr nicht mehr in den Kreis gehört, der über d i e Bestrafung der Studenten zu entscheiden hat, wie das bisher noch Hochschulsatzungen vorsahen.

Von Warschau nach Prag.

Eden seht seine Informationsreise fort. - Wenig Aussichten für einen Ostpakt.

Warschau, 3. April. (DNB.) Lordsiegelbewah­rer Eden hat Mittwoch Warschau mit dem Schnell­zug nach Prag verlassen. Minister Beck beglei­tete Eden an den Zug. Ein amtliches Kommu­nique über den Besuch Edens besagt u. a.: Im Laufe der Unterredungen mit Eden, die in einer offenen und freundschaftlichen Atmosphäre geführt wurden, hat Beck Eden über d i e Ansichten der polnischen Re g i e r u n g über die in dem Kommunique vom 3. Februar berührten Fragen und über die allgemeine internationale Sage unter­richtet. Die beiden Minister waren sich einig in der Erkenntnis, daß ihr Meinungsaustausch, der einen informativen Charakter hatte, seinen Zweck erfüllt hat. Sie unterstrichen die Zweck­mäßigkeit der Aufrechterhaltung eines engen Kon­taktes in bezug auf die weitere Entwicklung der politischen Lage in Europa.

*

Time s" meldet aus Warschau, Polen habe zwar teilweise den Ostpakt abgelehnt. Aber nach glaubwürdigen Nachrichten seien doch noch schwache Anzeichen für die Hoffnung vorhanden, daß ein Weg gefunden werden könne, der Polen die Mitarbeit ermögliche, ohne es in Gegensatz zu Deutschland zu bringen. Eden zweifle wahrscheinlich nicht daran, daß Polen eine große Abneigung gegen Vereinbarun­gen habe, die seine Grenzen deutschen und russischen Soldaten öffnen würden, aber sein Widerstand gegen den Ostpakt sei letzten Endes von der Furcht bestimmt, Deutschland entgegentreten zu müssen, mit dem es nach vielen Jahren bitteren Haders jetzt in guten B e - Ziehungen lebe. Wenn die Großmächte, die den Ostpakt vorgeschlagen hätten, den Bestand der GrenzenPolensverbürgen würden, dann würde Polen natürlich den Pakt unterzeich­nen. Aber ohne eine solche Bürgschaft seien die Aussichten auf Abschluß des Paktes gering.

Verstimmung in Paris.

Ist Po len noch Frankreichs Verbündeter?"

Paris, 3. April. (DNB.)Ist Polen noch Frankreichs Verbündeter?" fragen die Pariser Zei­tungen. Das Journal des Debats ist der Ansicht, daß Polen durch den ohneVorwissenFrank- r e i ch s mit Deutschland im Januar 1934 abgeschlos­senen Pakt seinen Bündnisvertrag mit Frankreich zu einem Papierfetzen ge­macht habe. Denn er habe gar keinen Wert mehr, wenn Polen sich nur zur Neutralität gegenüber Deutschland außer im Falle eines unmittelbaren Angriffs gegen Polen selbst verpflichte. Laval habe recht getan, die Einladung nach Warschau anzuneh­men, aber er müsse dort offen sprechen. Die Information erklärt, niemand verwehre es Polen, seine eigenen Belange zu verfolgen, aber das dürfe nicht dahin führen, daß es den Anschein habe, als ob Polen auf vielen Gebieten nahezu offen den mit ihm verbündeten Frankreich entgegenarbeite. Vor der Ostpaktfrage müsse zwischen Frankreich und Polen zunächst erst einmal die Frage der Anwendung des französisch-polnischen Bündnisses gelöst werden.

DerMatin" zieht aus den bisherigen Bespre­chungen Edens die Schlußfolgerung, daß man sich von der ursprünglich aufge ft eilten Sicherheitsformel entfernt habe, um

eine andere Lösung im Rahmen eines um­fassenden Abkommens zu finden, dessen Grundlage die Erklärung des Artikels 16, § 3, des Völker­bundspaktes (Gegenseitiger Beistand gegen Vertrags­brüchige Staaten) darstellen würde. Die letzte Ent­scheidung liege in Stresa, wo die verschiedenen Ansichten der drei beteiligten Regierungen sich kristallisieren würden. DerPetit Parisien" stellt fest, daß die Warschauer Besprechungen keinerlei Verständigungsgrundlage ergeben hätten. Das ein­zige Ergebnis des Warschauer Besuches Edens sei die erneute Weigerung Polens, einem Ostpakt bei­zutreten, so wie er in der Londoner Erklärung vom 3. Februar gedacht gewesen sei.

Echo de Paris" fordert trotz allem den Abschluß des Ostpaktes, so wie er ursprünglich gedacht war, auch ohne Polen und Deutschland. Man müsse berücksichtigen, daß selbst England seinen im Februar eingenommenen Standpunkt geändert habe. Die englische Regierung fühle sich unfähig, eine aktive Rolle zu spielen, und man dürfe von ihr nicht erwarten, daß sie irgendwelche Verpflichtungen übernehme. Das Luftabkommen stehe augenblicklich nicht zur Sprache. Ohne die Unterredungen mit London abzubrechen, müsse Frankreich lernen, eigene Entschlüsse zu fassen, ohne vorher die Genehmigung des Foreign Office einzuholen. Die regionalen Pakte des gegenseitigen Beistandes seien in der Erklä­rung vom 3. Februar vorgesehen. Diese Pakte müßten, so gut es gehe, verwirk­licht werden. Der Bericht Sir John Si­mons, der bereits seit mehreren Tagen dem Quai d'O r.s a y v o r l i e g e, habe auf die fran­zösische Regierung einen tiefen Eindruck ge­macht. Man könnte mit Sicherheit annehmen, daß die letzten militärischen Maßnahmen der franzö­sischen Regierung auf den Bericht Sir John Si­mons zurückzuführen seien.

Hoffnung auf Stresa.

Wird Mussolini neue Vorschläge machen?

London, 4. April. (DNV.-Funkspruch.)Daily Telegraph" meldet aus Warschau, es sei in unter­richteten Kreisen eine Nachricht eingetroffen, daß Mussolini in Stresa vielleicht einen eige - nen europäischen Friedensplan vor­igen werde. Sein Ziel sei, in Europa ein allge­meineres Gefühl d e s Vertrauens zu schaffen, bevor ein Versuch mit dem Abschluß von Ost Pakten gemacht werde. Wahrscheinlich werde er eine Wiederaufnahme von politischen und wirtschaftlichen Verhandlungen nach dem Vorbild der zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn im März vorigen Jahres unterzeichneten Vereinbarung Vorschlägen. In dieser Vereinbarung sei bekanntlich eine Beratung in allen politischen F r a- aen von allgemeinem Interessen vorge­sehen. Die Ueberzeugung, daß Italien einen solchen Plan habe, um Englands künftige Haltung festzu- stellen, fei teilweise verantwortlich für Polens augenblickliche Abneigung gegen Aenderung seiner Außenpolitik. Die Haltung Polens in der Frage eines östlichen Sicherheits­paktes sei vö11ig negativ gewesen. Stresa werde darüber entscheiden, ob es Zweck habe, die Bemühungen um die Sicherheit durch regionale Pakte fortzusetzen, oder ob eine ganze neue Politik beginnen solle.

Frankreichs militärische Absprachen.

Enthüllungen aus vertraulichen Sitzungen des Heeresausschuffes der Kammer

Paris, 4. April. (DNB. Funkspruch.) Der Unterausschuß für die Landesverteidigung hat Ausführungen des üriegsminifters und des Luft- fahrtminisiers über den gegenwärtigen Stand der französischen Landesverteidigung angehürt. Ob­wohl Vertraulichkeit über den Verlauf der Sitzung gefordert worden war,, hat der rechtsgerichtete Ab­geordnete Taittinger geäußert, die beiden Mi­nister hätten sich sehr pessimistisch gezeigt. Denain fei zwar mit der beschleunigten Herstel­lung von neuen modernen Flugzeugen zufrieden, halte aber den augenblicklichen Vorrat an Brand­bomben für vollkommen unzureichend. Zwi­schen den Generalftäben Frankreichs, Sow­jetrußlands, ferner der Tschechoslowakei und Italiens beständen Abkommen. Mit Belgien sei vereinbart, dah im Falle eines deutsch-französischen Krieges die französischen Truppen freien Durchmarsch hätten. Außerdem werde im Kriegsfall die Fliegerei Sowjetruhlands Frankreich sofort Hilfe l e i st e n. Denain soll sich ferner noch über umfangreiche französische Flugzeugbe- stellungen im Ausland geäußert haben.

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses,

Archimbauld und der Vorsitzende des Finanz­ausschusses, Malvy, haben die Presse gebeten, sich an die amtliche Verlautbarung zu hallen. Sie haben auch auf den ganzen Ernst der Folgen hingewiesen, den unter den augenblicklichen Umständen eine Veröffentlichung der Er­klärungen der Minister haben würde.

Scharfe Kritik an Laval.

Bertrand fordert deutsch-französische Verständigung.

Paris, 3. April. (DNB.) Das Mitglied der französischen Akademie Louis Bertrand tritt in La Presse" derinternationalistischen und anti- französischen Politik der Regierung" entgegen; er bezeichnet die Reise des französischen Außenmini­sters nach Moskau als Tollheit, ja sogar als Verbrechen am Vaterland. Frankreich tue nichts, sich mit Deutschland auszusprechen, zumal es doch nicht auf Durchführung eines Vertrages rech­nen dürfe, den es dem Gegner mit dem Messer an der Kehle aufgezwungen habe. Frankreichs Streitkräfte feien unversehrt und seine Finanzen gesund. Jetzt noch könnte Frankreich sich mit Deutsch­land aussprechen, ohne einen Fußbreit seines Ge­bietes zu verlieren und ohne auf feine Vorteile

zu verzichten. Die In Frankreich regierenden Män­ner führten das Land dagegen in eine Sack­gasse. Hypnotisiert durch die Furcht vor Deutsch­land, sehe Frankreich die Gefahr des Bol­schewismus nicht. Die Liebedienerei Frankreichs gegenüber England sei geradezu ekelyaft, gerade als ob man nicht 1914 erlebt hätte, welchen Wert die militärische Hilfe Englands habe. In Frankreich wolle man nicht begreifen, daß Frankreich, wenn es Verbün­dete suche, alles Interesse habe, sich an das in Europa militärisch stärkste Volk zu wenden, und zwar ohne irgendwelche Gefühls­duselei und ohne von diesem Volk etwa sein Herz oder Treue zu fordern, sondern nur aus bei­derseitigem Interesse heraus. Davon wollten die Freimaurer und die Linksfront in Frankreich aber nichts wissen. Sie dächten nur daran, Hitler niederzuwerfen, vergäßen aber, daß sie zu diesem Zweck erst ganz Deutschland niederschlagen müßten. Das Deutschland von heute lasse sich aber nicht mehr wie 1914 einkreisen. Es sei Unsinn, Deutschland in einen Pakt mit Rußland zwingen zu wollen, das Deutschland mit Recht als seinen schlimmsten Feind ansehe und das auch unser aller Feind sei. Wie könne man sich in Frankreich unter diesen Umständen darüber wundern, wenn Deutschland sich gegen Frankreich wende, da Frankreich es doch durch alle seine Handlungen davon überzeuge, daß es mit den schlimmsten Feinden Deutschlands gemeinsame Sache mache.

Dämmert es auch in Frankreich?

Paris, 4. April. (DNB.-Funkspruch.) Die poli­tisch-satirische WochenzeitungLe Canard enchainä stellt fest, daß der berüchtigte Artikel über die Schuld am Kriege im Versailler Vertrag e i n durch Gewalt erpreßtes Zuge st and- nis Deutschlands darstelle und schon deshalb nichtig sei. Wenn die siegreichen Staaten nach Verringerung des deutschen Heeres auf den Stand einer gewöhnlichen inneren Polizeimacht ihren vertraglichen Verpflichtungen auf Abrüstung nachgekvmmen wären, hätte man eine allgemeine Befriedung erhoffen kön­nen. Die Doktrin von derS i ch e r h e i t", die der französische Generalstab erfunden hat, und die alle Politiker von Tardieu bis Herriot predigten, ist in der Tat ausschließlich auf der Ungleichheit und nicht auf der Stärke begründet. Der gesunde Men­schenverstand hätte voraussehen müssen, daß ein Volk von 68 Millionen Menschen es auf d i e Dauer nicht zulassen würde, in der Stellung des Besiegten zu verharren. Geflissentlich habe man ferner dem französischen Volk verschwiegen, was die unbeeinflußte historische Forschung außerhalb Frank-, reichs über hie Ursprünge des Krieges einwandfrei festgestellt habe. Dabei aber fei durch diese Forschungsergebnisse die Grundlage des Versailler Vertrages erschüttert wor­den, der dummerweise auf der Alleinschuld Deutsch­lands aufgebaut fei. Es mußte daher notgedrungen ein Mann auftauchen, in dem die Hoffnungen und der Groll eines Volkes kristallisiert sind, oas jahrelang durch Hunger, Elend und Entwürdigung verfolgt war, und der ihm nun feinen Platz wieder inmitte/n der anderen Staaten einräumte.

Deutschlands Luftflotte.

Debatte in der englischen Deffentlichken.

L o n d o n , 3. April. (DNB.) Der Abg. Sir Char­les C a y s e r fragte im Unterhaus den englischen Außenminister Sir John Simon, ob ihm Reichs­kanzler Hitler in Berlin eine Andeutung über d i e Stärke der deutschen Luftwaffe gegeben habe. Sir John Simon erwiderte:Jawohl, im Verlaufe dieser Besprechungen teilte der deutsche Reichskanzler in allgemeinen Ausdrücken mit, daß Deutschland b i e Gleichheit mit England in der Luft erreicht hat."

Churchill machte den Premierminister daraus aufmerksam, daß Simons Antwort in bezug auf die Stärke der Luftstreitkräfte der beiden Länder in unmittelbarem Gegensatz z u den Er­klärungen stehe, die von der britischen Regie­rung bisher abgegeben worden seien. Infolge­dessen müßten besondere Vorkehrungen getroffen werden, damit das Unterhaus die Lage besprechen könne.

Der Führer der Arbeiteropposition, Lansbury, regte an, eine (Erörterung im Rahmen gewisser Finanzaussprachen stattfinden zu lassen, ohne daß ein besonderer Tag für diesen Zweck bereitgestellt werde.

M a c d o n a l d bat um vorherige Ankündigung dieses Vorschlages, fügte jedoch hinzu, daß seine Antwort nicht als eine Annahme des Vorschlages hingenommen werden dürfe.

*

Der Unterftaatsfetretär für das Flugwesen, Sir Philipp S a s s o o n, hat auf einer Versammlung der Völkerbundsunion eine Rede gehalten, in der er erklärte, er glaube ehrlich, daß man i n dem geplanten Luftpakt ein durch­führbares Mittel besitze, um Unsicher­heit durch Sicherheit zu ersetzen und auf diese Weise die Hauptursache übertrie­bener Rüstungen und des Krieges zu beseitigen. Sowohl in I a p a n als auch in den Vereinigten Staaten haben sich Be­strebungen gezeigt, die Luftstreitkräfte zu verstärken, während Rußland außer der Schaffung eines Heeres von 900 000 Mann jetzt be­anspruche, die größte Luftstreitkraft der Welt zu besitzen. Es gebe europäische Nationen, deren Gebiete an die der USSR. grenzen, die äußerst interessiert an demunheilvollen Anwachsen der militärischen Macht Rußlands" sein müssen. Das Wiederaufrüsten Deutschlands ist seit lan­gem der Gegenstand großen Interesses, um nicht zu sagen großer Besorgnis für das englische Volk gewesen. Es besteht Grund zur Annahme, daß das Tempo des Wiederaufrüstens in Deutschland be­schleunigt worden ist. Ich hoffe, daß die Bespre­chungen zwischen dem Staatssekretär des Aeuße- ren und dem Führer zu einer besseren Kennt- n i s auf beiden Seiten der Ziele und Ab­sichten unserer beiden Länder führen werden. Wenn sich dies fo verhält, so wird es ein großer Gewinn jein. Ein volles Verständnis der Lage der anderen Seite ist eine notwendige Vorbe- dingung für eine bauernbe Verein­barung. Auf bie Schwierigkeiten ein- qefjcnb, benen bie britische Regierung bei bem Ver­such begegne, anbere Nationen zu Überreben, ihre Luftrüstungspolitik zu änbern, bemerkte Sassoonr Wir haben bie Hoffnung nicht auf gegeben; wir wer­den unsere Versuche nicht aufgeben. Aber wir müssen Europa so nehmen, wie es ist. Wir stehen weiterhin an fünfter Stelle un­ter den Weltluftmächten, unb wenn wir uns begnügen, da stehen zu bleiben, wo wir äugen«