sammeln zu dürfen. Das lvinterhilfswerk, fo betonte der Führer nachdrücklich, fei für uns ein Beweis, dah wir mehr find als eine bunt zusammengewürfelte Mensch e n m a s s e. sondern dah wir uns alle miteinander verbunden fühlen in guten und in schlechten Tagen.
Der Führer schloß mit dem nochmaligen Ausdruck herzlichsten Dankes an die Gauamts- leiter der NSV. für die geleistete Arbeit, an die unzähli-gen Mitarbeiter des Winterhilfswerkes und an das ganze deutfche Volk. Dem für die Durchführung des Wmterhilfswerkes verantwortlichen Reichsminister für Dolksausklärung und Propaganda, Reichsleiter Dr. Goebbels, sprach er in herzlichen Worten seinen Dank aus. Im Anschluß an den Empfang waren die Gauamtsleiter des Winterhllfswerkes Gäste des Führers beim Mittagessen in seiner Wohnung und hatten die große Freude, noch einige Zeit in angeregter Unterhaltung bei ihm verbleiben zu dürfen.
Gauleiter Sprenger über die Vertrauensratswahlen.
Der Propagandafeldzug im Gau Hessen-Nassau eröffnet.
F r a n k f u r t a. M., 3. April. (LPD.) Am Mittwoch wurde in Mainz-Amöneburg der Propagandafeldzug für die Vertrauensratswahlen im Gau Hessen-Nassau durch Gauleiter Sprenger mit einer Kundgebung in der Firma Dy ckerhoff & Wicking eröffnet. Der Gauleiter erklärte u. a.: Die Vertrauensratswahlen würden klar zum Ausdruck bringen, wie der deutsche Arbeiter zum Nationalsozialismus und zum Führer stehe. Hierin liege ihre außerordentliche Bedeutung. Der deutsche Arbeiter sei in der Vergangenheit zum Objekt der Wirtschaft herabgesunken. Der Klasien- kampf sei am stärksten in der industriellen Wirtschaft in Erscheinung getreten. Demgegenüber habe der Nationalsozialismus das Bekenntnis zur Dolksgemei n f ch a f t gestellt. Zu diesem Zweck sei schon in der Kampfzeit die NSBO. geschaffen worden. Die NSDAP, wollte keine neuen Gewerkschaften gründen, sondern erst mußte die politische Grundlage geschaffen werden, dann konnten auch die wirtschaftlichen Fragen geordnet werden. Zwei Jahre schon seien wir ein werdendes Volk. Heute gebe es wohl niemand mehr, der die positiven Leistungen der Deutschen Arbeitsfront bezweifeln wolle. Die Ganzheit der deutschen Wirtschaft spiegele sich am stärksten in der DAF. wider. Das Vertrauen sei die Grundlage jedes wirtschaftlichen Erfolges. Die Vertrauensmänner müßten charakterlich und nach ihrer Leistung die Besten im Betriebe sein. Höchster Einsatz werde von jedem verlangt. Keinen Klassenkämpfer und keinen Jnteressenvertreter dürfe es mehr geben. Wenn irgendwo Kritik notwendig sei, so solle sie jeder als freier deutscher Mann bei der z u - ständigen Stelle offen anbringen. Arbeitgeber wie Arbeitnehmer müßten Sachwalter der ganzen Volksgemeinschaft sein.
Der Gauleiter schloß seine eindrucksvolle Ansprache mit den Worten: Durch diese Wahl wollen wir ehren den ersten Arbeiter des deutschen Volkes, Adolf Hitlerl Der Betriebsführer Dr. D y ck e r h o f f dankte dem Gauleiter für feine Worte. Mit dem Gesang des Horst-Weffel- Liedes fand die Kundgebung ihr Ende.
Vereinheitlichung der Hochschulverwattung.
Berlin, 3. April. (DNB.) Reichswifsenschafts- minister R u st hat Richtlinien zur Vereinheitlichung der Hochschulverwattung herausgegeben. Nach diesen Richtlinien treten an die Stelle der bisherigen Vorschriften folgende Bestimmungen:
1. Die Hochschule gliedert sich in Dozentenschaft und Studentenschaft.
2. Die Dozentenschaft wird gebildet von den an der Hochschule tätigen Lehrkräften und Assistenten.
3. Die Studentenschaft wird gebildet von den an der Hochschule voll eingeschriebenen Studenten deutscher Abstammung und Muttersprache unbeschadet ihrer Staatsangehörigkeit.
4. Führer der Hochschule ist der Rektor. Er untersteht dem Reichswissenschasts- m i n i |'t e r unmittelbar und ist ihm allein verantwortlich.
5. Der Leiter der Dozentenschaft wird nach Anhören des Rektors und des Gauführers des NS.-Dozentenbunües vom Reichswif- fenschaftsminister ernannt. Er u n - ter steht dem Rektor.
6. Der Leiter der Studentenschaft wird nach Anhören des Rektors und des Gauführers des NS.-Studentenbundes vom Reichs- wiffenschaftsminister ernannt. Er untersteht d e m Rektor.
7. Der Prorektor und die Dekane werden auf Vorschlag des Rektors vom Reichs- wissenschaftsminister ernannt.
8. Der Senat steht dem Rektor beratend zur Seite. Ihm gehören an die Leiter der Dozentenschaft und der Studentenschaft, der Prorektor, die Dekane und zwei weitere vom Rektor zu berufende Mitglieder der Dozentenschaft, von denen eines dem NS.-Dozenten b u n d zu entnehmen ist; Stellvertretung ist unzulässig.
9. Die Fakultäten sind Träger der fach- wissenschaftlichen Arbeit.
10. Der Dekan führt die Fakultät. Er ernennt feinen Stellvertreter.
11. Der Fakultät sausschuß steht dem Dekan beratend zur Seite. Ihm gehören an die beamteten ordentlichen und außerordentlichen Professoren der Fakultät sowie zwei vom Leiter der Dozentenschaft zu benennende nichtbeamtete Hochschullehrer.
12. Dien st licke Eingaben sind in wissenschaftlichen oder Studienfragen an den Deka n, in Dozentenschaftsfragen an den Leiter d e r Dozentenschaft zu richten. Der weitere Dienstweg geht in jedem Falle an den Rektor zur Entscheidung oder Weitergabe.
Die Strafordnung für Studenten
Berlin, 2. April. (DNB.) Die Strafordnung des Herrn Reichswissenschaftsministers vom 1. April 1935 ist durch folgende Gesichtspunkte gekennzeichnet:
1. Mit ihr wird vereinheitlicht das akademische Strafrecht von etwa 70 deutschen Universitäten und Hochschulen aller Art. Es ist das modernste
Strafrecht in Deutschland. Es kennt nur zwei 3 n ft a n 5 e n, die sich, bedingt durch die Auswahl der Richter, als schlagkräftig erweisen werden.
2. Bei der Umgrenzung des Pflichten- k r e i s e s ist von der Aufzählung vieler Einzeltatbestände abgesehen und statt dessen eine allgemeine Grundvorschrift geschaffen, die den Strafbehörden selbst bei der Bewertung akademischer Verstöße weitgehend freie Hand läßt. Trotzdem handelt es sich um einen inhaltlich klar bestimmten Tatbestand, der neben der selbstverständlichen Gehorsamspflicht gegenüber den akademischen Behörden die durch ) i e Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Hochschule selbst bestimmten Pflichten und diejenigen gegen Volk und Staat einander gegenüber stellt. Zn der Hand verantwortungsbewußter Rektoren und Strafausschüsse wird die Neuregelung ihr Teil zur Erneuerung des deutschen Hochschulwesens beitragen.
3. Es ist eine Strafordnung, wie sie der autoritäre Staat erfordert. Der Rektor, der chon in der Verwaltung weitgehende Befugnisse hat, erhält auch alsRichter wieder eine überragende Macht st ellung, die ihm beigegebenen Richter bilden einen so kleinen Kreis, daß jederzeit eine rasche Entscheidung gewährleistet sein wird. Oberste und letzte I n - tanz bleibt selbstverständlich der Wissen- chaftsminister, der, das ist auch eine Neuerung, das jederzeitige Eingriffsrecht in allen Fällen hat.
4. Die Strafordnung sieht die Vergehen der Stu
denten und Hörer vom Ehren st andpunkt. Es kommen daher die bisherigen Geldstrafen und Karzer strafen in Fortfall. Anderseits findet eine verfchärfteVeröffent- lichung (das Anschlägen jeber Strafe am Schwarten Brett) statt. Außerdem werden alle Strafen in d i e Papiere des Studenten eingetragen, so daß dessen Verfehlungen während seiner akademischen Lausbahn jederzeit ersichtlich sind.
5. Die Strafordnung sieht lediglich Strafen gegen Verfehlungen vor, die im Rahmen des Ho ch - s ch u l l e b e n s begangen werden. Unberührt bleiben also das allgemeine Strafrecht sowie die SA.- und P a r t e i g e r i ch t s b ar k e i t. Auch die Verfahren, die unter Berücksichtigung von wasfen studentischen Anschauungen bestimmt werden, bleiben unberührt. Vereinigt werden aber durch die Strafandrohung die bisherigen Strafbefugnisse der akademischen Behörden und die Strafbefugnisse der Führer der deutschen Studentenschaft.
6. Das Verfahren der Strafordnung paßt sich im wesentlichen der geltenden deutschenStraf- prozeßordnung an, wobei davon abgesehen wurde, eine allzu eingehende Regelung für alle Fälle vorzunehmen. Die Rolle des Staatsanwalts und des Untersuchungsrichters ist in der Hand des Universitätsrates vereinigt. Damit wird aber auch insofern etwas Neues geschaffen, als der Universitätsrat nunmehr nicht mehr in den Kreis gehört, der über d i e Bestrafung der Studenten zu entscheiden hat, wie das bisher noch Hochschulsatzungen vorsahen.
Von Warschau nach Prag.
Eden seht seine Informationsreise fort. - Wenig Aussichten für einen Ostpakt.
Warschau, 3. April. (DNB.) Lordsiegelbewahrer Eden hat Mittwoch Warschau mit dem Schnellzug nach Prag verlassen. Minister Beck begleitete Eden an den Zug. Ein amtliches Kommunique über den Besuch Edens besagt u. a.: Im Laufe der Unterredungen mit Eden, die in einer offenen und freundschaftlichen Atmosphäre geführt wurden, hat Beck Eden über d i e Ansichten der polnischen Re g i e r u n g über die in dem Kommunique vom 3. Februar berührten Fragen und über die allgemeine internationale Sage unterrichtet. Die beiden Minister waren sich einig in der Erkenntnis, daß ihr Meinungsaustausch, der einen informativen Charakter hatte, seinen Zweck erfüllt hat. Sie unterstrichen die Zweckmäßigkeit der Aufrechterhaltung eines engen Kontaktes in bezug auf die weitere Entwicklung der politischen Lage in Europa.
*
„Time s" meldet aus Warschau, Polen habe zwar teilweise den Ostpakt abgelehnt. Aber nach glaubwürdigen Nachrichten seien doch noch schwache Anzeichen für die Hoffnung vorhanden, daß ein Weg gefunden werden könne, der Polen die Mitarbeit ermögliche, ohne es in Gegensatz zu Deutschland zu bringen. Eden zweifle wahrscheinlich nicht daran, daß Polen eine große Abneigung gegen Vereinbarungen habe, die seine Grenzen deutschen und russischen Soldaten öffnen würden, aber sein Widerstand gegen den Ostpakt sei letzten Endes von der Furcht bestimmt, Deutschland entgegentreten zu müssen, mit dem es nach vielen Jahren bitteren Haders jetzt in guten B e - Ziehungen lebe. Wenn die Großmächte, die den Ostpakt vorgeschlagen hätten, den Bestand der GrenzenPolensverbürgen würden, dann würde Polen natürlich den Pakt unterzeichnen. Aber ohne eine solche Bürgschaft seien die Aussichten auf Abschluß des Paktes gering.
Verstimmung in Paris.
„Ist Po len noch Frankreichs Verbündeter?"
Paris, 3. April. (DNB.) „Ist Polen noch Frankreichs Verbündeter?" fragen die Pariser Zeitungen. Das Journal des Debats ist der Ansicht, daß Polen durch den ohneVorwissenFrank- r e i ch s mit Deutschland im Januar 1934 abgeschlossenen Pakt seinen Bündnisvertrag mit Frankreich zu einem Papierfetzen gemacht habe. Denn er habe gar keinen Wert mehr, wenn Polen sich nur zur Neutralität gegenüber Deutschland außer im Falle eines unmittelbaren Angriffs gegen Polen selbst verpflichte. Laval habe recht getan, die Einladung nach Warschau anzunehmen, aber er müsse dort offen sprechen. Die Information erklärt, niemand verwehre es Polen, seine eigenen Belange zu verfolgen, aber das dürfe nicht dahin führen, daß es den Anschein habe, als ob Polen auf vielen Gebieten nahezu offen den mit ihm verbündeten Frankreich entgegenarbeite. Vor der Ostpaktfrage müsse zwischen Frankreich und Polen zunächst erst einmal die Frage der Anwendung des französisch-polnischen Bündnisses gelöst werden.
Der „Matin" zieht aus den bisherigen Besprechungen Edens die Schlußfolgerung, daß man sich von der ursprünglich aufge ft eilten Sicherheitsformel entfernt habe, um
eine andere Lösung im Rahmen eines umfassenden Abkommens zu finden, dessen Grundlage die Erklärung des Artikels 16, § 3, des Völkerbundspaktes (Gegenseitiger Beistand gegen Vertragsbrüchige Staaten) darstellen würde. Die letzte Entscheidung liege in Stresa, wo die verschiedenen Ansichten der drei beteiligten Regierungen sich kristallisieren würden. Der „Petit Parisien" stellt fest, daß die Warschauer Besprechungen keinerlei Verständigungsgrundlage ergeben hätten. Das einzige Ergebnis des Warschauer Besuches Edens sei die erneute Weigerung Polens, einem Ostpakt beizutreten, so wie er in der Londoner Erklärung vom 3. Februar gedacht gewesen sei.
„Echo de Paris" fordert trotz allem den Abschluß des Ostpaktes, so wie er ursprünglich gedacht war, auch ohne Polen und Deutschland. Man müsse berücksichtigen, daß selbst England seinen im Februar eingenommenen Standpunkt geändert habe. Die englische Regierung fühle sich unfähig, eine aktive Rolle zu spielen, und man dürfe von ihr nicht erwarten, daß sie irgendwelche Verpflichtungen übernehme. Das Luftabkommen stehe augenblicklich nicht zur Sprache. Ohne die Unterredungen mit London abzubrechen, müsse Frankreich lernen, eigene Entschlüsse zu fassen, ohne vorher die Genehmigung des Foreign Office einzuholen. Die regionalen Pakte des gegenseitigen Beistandes seien in der Erklärung vom 3. Februar vorgesehen. Diese Pakte müßten, so gut es gehe, verwirklicht werden. Der Bericht Sir John Simons, der bereits seit mehreren Tagen dem Quai d'O r.s a y v o r l i e g e, habe auf die französische Regierung einen tiefen Eindruck gemacht. Man könnte mit Sicherheit annehmen, daß die letzten militärischen Maßnahmen der französischen Regierung auf den Bericht Sir John Simons zurückzuführen seien.
Hoffnung auf Stresa.
Wird Mussolini neue Vorschläge machen?
London, 4. April. (DNV.-Funkspruch.) „Daily Telegraph" meldet aus Warschau, es sei in unterrichteten Kreisen eine Nachricht eingetroffen, daß Mussolini in Stresa vielleicht einen eige - nen europäischen Friedensplan vorigen werde. Sein Ziel sei, in Europa ein allgemeineres Gefühl d e s Vertrauens zu schaffen, bevor ein Versuch mit dem Abschluß von Ost Pakten gemacht werde. Wahrscheinlich werde er eine Wiederaufnahme von politischen und wirtschaftlichen Verhandlungen nach dem Vorbild der zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn im März vorigen Jahres unterzeichneten Vereinbarung Vorschlägen. In dieser Vereinbarung sei bekanntlich eine Beratung in allen politischen F r a- aen von allgemeinem Interessen vorgesehen. Die Ueberzeugung, daß Italien einen solchen Plan habe, um Englands künftige Haltung festzu- stellen, fei teilweise verantwortlich für Polens augenblickliche Abneigung gegen Aenderung seiner Außenpolitik. Die Haltung Polens in der Frage eines östlichen Sicherheitspaktes sei vö11ig negativ gewesen. Stresa werde darüber entscheiden, ob es Zweck habe, die Bemühungen um die Sicherheit durch regionale Pakte fortzusetzen, oder ob eine ganze neue Politik beginnen solle.
Frankreichs militärische Absprachen.
Enthüllungen aus vertraulichen Sitzungen des Heeresausschuffes der Kammer
Paris, 4. April. (DNB. Funkspruch.) Der Unterausschuß für die Landesverteidigung hat Ausführungen des üriegsminifters und des Luft- fahrtminisiers über den gegenwärtigen Stand der französischen Landesverteidigung angehürt. Obwohl Vertraulichkeit über den Verlauf der Sitzung gefordert worden war,, hat der rechtsgerichtete Abgeordnete Taittinger geäußert, die beiden Minister hätten sich sehr pessimistisch gezeigt. Denain fei zwar mit der beschleunigten Herstellung von neuen modernen Flugzeugen zufrieden, halte aber den augenblicklichen Vorrat an Brandbomben für vollkommen unzureichend. Zwischen den Generalftäben Frankreichs, Sowjetrußlands, ferner der Tschechoslowakei und Italiens beständen Abkommen. Mit Belgien sei vereinbart, dah im Falle eines deutsch-französischen Krieges die französischen Truppen freien Durchmarsch hätten. Außerdem werde im Kriegsfall die Fliegerei Sowjetruhlands Frankreich sofort Hilfe l e i st e n. Denain soll sich ferner noch über umfangreiche französische Flugzeugbe- stellungen im Ausland geäußert haben.
Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses,
Archimbauld und der Vorsitzende des Finanzausschusses, Malvy, haben die Presse gebeten, sich an die amtliche Verlautbarung zu hallen. Sie haben auch auf den ganzen Ernst der Folgen hingewiesen, den unter den augenblicklichen Umständen eine Veröffentlichung der Erklärungen der Minister haben würde.
Scharfe Kritik an Laval.
Bertrand fordert deutsch-französische Verständigung.
Paris, 3. April. (DNB.) Das Mitglied der französischen Akademie Louis Bertrand tritt in „La Presse" der „internationalistischen und anti- französischen Politik der Regierung" entgegen; er bezeichnet die Reise des französischen Außenministers nach Moskau als Tollheit, ja sogar als Verbrechen am Vaterland. Frankreich tue nichts, sich mit Deutschland auszusprechen, zumal es doch nicht auf Durchführung eines Vertrages rechnen dürfe, den es dem Gegner mit dem Messer an der Kehle aufgezwungen habe. Frankreichs Streitkräfte feien unversehrt und seine Finanzen gesund. Jetzt noch könnte Frankreich sich mit Deutschland aussprechen, ohne einen Fußbreit seines Gebietes zu verlieren und ohne auf feine Vorteile
zu verzichten. Die In Frankreich regierenden Männer führten das Land dagegen in eine Sackgasse. Hypnotisiert durch die Furcht vor Deutschland, sehe Frankreich die Gefahr des Bolschewismus nicht. Die Liebedienerei Frankreichs gegenüber England sei geradezu ekelyaft, gerade als ob man nicht 1914 erlebt hätte, welchen Wert die militärische Hilfe Englands habe. In Frankreich wolle man nicht begreifen, daß Frankreich, wenn es Verbündete suche, alles Interesse habe, sich an das in Europa militärisch stärkste Volk zu wenden, und zwar ohne irgendwelche Gefühlsduselei und ohne von diesem Volk etwa sein Herz oder Treue zu fordern, sondern nur aus beiderseitigem Interesse heraus. Davon wollten die Freimaurer und die Linksfront in Frankreich aber nichts wissen. Sie dächten nur daran, Hitler niederzuwerfen, vergäßen aber, daß sie zu diesem Zweck erst ganz Deutschland niederschlagen müßten. Das Deutschland von heute lasse sich aber nicht mehr wie 1914 einkreisen. Es sei Unsinn, Deutschland in einen Pakt mit Rußland zwingen zu wollen, das Deutschland mit Recht als seinen schlimmsten Feind ansehe und das auch unser aller Feind sei. Wie könne man sich in Frankreich unter diesen Umständen darüber wundern, wenn Deutschland sich gegen Frankreich wende, da Frankreich es doch durch alle seine Handlungen davon überzeuge, daß es mit den schlimmsten Feinden Deutschlands gemeinsame Sache mache.
Dämmert es auch in Frankreich?
Paris, 4. April. (DNB.-Funkspruch.) Die politisch-satirische Wochenzeitung „Le Canard enchainä“ stellt fest, daß der berüchtigte Artikel über die Schuld am Kriege im Versailler Vertrag e i n durch Gewalt erpreßtes Zuge st and- nis Deutschlands darstelle und schon deshalb nichtig sei. Wenn die siegreichen Staaten nach Verringerung des deutschen Heeres auf den Stand einer gewöhnlichen inneren Polizeimacht ihren vertraglichen Verpflichtungen auf Abrüstung nachgekvmmen wären, hätte man eine allgemeine Befriedung erhoffen können. Die Doktrin von der „S i ch e r h e i t", die der französische Generalstab erfunden hat, und die alle Politiker von Tardieu bis Herriot predigten, ist in der Tat ausschließlich auf der Ungleichheit und nicht auf der Stärke begründet. Der gesunde Menschenverstand hätte voraussehen müssen, daß ein Volk von 68 Millionen Menschen es auf d i e Dauer nicht zulassen würde, in der Stellung des Besiegten zu verharren. Geflissentlich habe man ferner dem französischen Volk verschwiegen, was die unbeeinflußte historische Forschung außerhalb Frank-, reichs über hie Ursprünge des Krieges einwandfrei festgestellt habe. Dabei aber fei durch diese Forschungsergebnisse die Grundlage des Versailler Vertrages erschüttert worden, der dummerweise auf der Alleinschuld Deutschlands aufgebaut fei. Es mußte daher notgedrungen ein Mann auftauchen, in dem die Hoffnungen und der Groll eines Volkes kristallisiert sind, oas jahrelang durch Hunger, Elend und Entwürdigung verfolgt war, und der ihm nun feinen Platz wieder inmitte/n der anderen Staaten einräumte.
Deutschlands Luftflotte.
Debatte in der englischen Deffentlichken.
L o n d o n , 3. April. (DNB.) Der Abg. Sir Charles C a y s e r fragte im Unterhaus den englischen Außenminister Sir John Simon, ob ihm Reichskanzler Hitler in Berlin eine Andeutung über d i e Stärke der deutschen Luftwaffe gegeben habe. Sir John Simon erwiderte: „Jawohl, im Verlaufe dieser Besprechungen teilte der deutsche Reichskanzler in allgemeinen Ausdrücken mit, daß Deutschland b i e Gleichheit mit England in der Luft erreicht hat."
Churchill machte den Premierminister daraus aufmerksam, daß Simons Antwort in bezug auf die Stärke der Luftstreitkräfte der beiden Länder in unmittelbarem Gegensatz z u den Erklärungen stehe, die von der britischen Regierung bisher abgegeben worden seien. Infolgedessen müßten besondere Vorkehrungen getroffen werden, damit das Unterhaus die Lage besprechen könne.
Der Führer der Arbeiteropposition, Lansbury, regte an, eine (Erörterung im Rahmen gewisser Finanzaussprachen stattfinden zu lassen, ohne daß ein besonderer Tag für diesen Zweck bereitgestellt werde.
M a c d o n a l d bat um vorherige Ankündigung dieses Vorschlages, fügte jedoch hinzu, daß seine Antwort nicht als eine Annahme des Vorschlages hingenommen werden dürfe.
*
Der Unterftaatsfetretär für das Flugwesen, Sir Philipp S a s s o o n, hat auf einer Versammlung der Völkerbundsunion eine Rede gehalten, in der er erklärte, er glaube ehrlich, daß man i n dem geplanten Luftpakt ein durchführbares Mittel besitze, um Unsicherheit durch Sicherheit zu ersetzen und auf diese Weise die Hauptursache übertriebener Rüstungen und des Krieges zu beseitigen. Sowohl in I a p a n als auch in den Vereinigten Staaten haben sich Bestrebungen gezeigt, die Luftstreitkräfte zu verstärken, während Rußland außer der Schaffung eines Heeres von 900 000 Mann jetzt beanspruche, die größte Luftstreitkraft der Welt zu besitzen. Es gebe europäische Nationen, deren Gebiete an die der USSR. grenzen, die äußerst interessiert an dem „unheilvollen Anwachsen der militärischen Macht Rußlands" sein müssen. Das Wiederaufrüsten Deutschlands ist seit langem der Gegenstand großen Interesses, um nicht zu sagen großer Besorgnis für das englische Volk gewesen. Es besteht Grund zur Annahme, daß das Tempo des Wiederaufrüstens in Deutschland beschleunigt worden ist. Ich hoffe, daß die Besprechungen zwischen dem Staatssekretär des Aeuße- ren und dem Führer zu einer besseren Kennt- n i s auf beiden Seiten der Ziele und Absichten unserer beiden Länder führen werden. Wenn sich dies fo verhält, so wird es ein großer Gewinn jein. Ein volles Verständnis der Lage der anderen Seite ist eine notwendige Vorbe- dingung für eine bauernbe Vereinbarung. Auf bie Schwierigkeiten ein- qefjcnb, benen bie britische Regierung bei bem Versuch begegne, anbere Nationen zu Überreben, ihre Luftrüstungspolitik zu änbern, bemerkte Sassoonr Wir haben bie Hoffnung nicht auf gegeben; wir werden unsere Versuche nicht aufgeben. Aber wir müssen Europa so nehmen, wie es ist. Wir stehen weiterhin an fünfter Stelle unter den Weltluftmächten, unb wenn wir uns begnügen, da stehen zu bleiben, wo wir äugen«


