Nr. 55 Zweites vlaü Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, §.Mrzl935
Der letzte Tag der Saarbefreiungsfeiern.
Rudolf Heß fährt durch das Saarland.
Saarbrücken, 2. März. (DNB.) Die Rundfahrt, die der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß und die noch anwesenden R e i ch s l e i t e r mehrere Stunden lang durch das zur Heimat zurückgekehrte Saarland führte, brachte sie zunächst nach Bürbach. Nach dem Regen des Vortages war endlich die Sonne strahlend hervorgebrochen und lag über der Landschaft. Schon in Bürbach, das früher eine Hochburg des Kommunismus war, bekam man einen Eindruck von der Stimmung im Saarland. Kein Haus ohne Fahnen und Girlandenschmuck. Ueberall werden die Hoheitszeichen der Bewegung gezeigt. Den Straßenrand säumen dichtgedrängt die Men-
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Der Führer begrüßt den Reichskommissar Gauleiter B ü r ck e l.
schen, Jugend mit Fähnchen in der. Hand. Lieder ertönen beim Eintreffen des Stellvertreters des Führers. Von den Hochöfen herab heulen die Sirenen. In Obervölklingen sind die Arbeiter aus den Betrieben gekommen. In ihren braunen Kitteln mit rußigen Gesichtern stehen sie an der Straße und grüßen den Stellvertreter des Führers. Immer wieder hört man den Ruf: „W o i st der Führer?" In Völklingen ist es das Jungvolk, das besonders aufzieht. Der Reichtum dieses Landes liegt in seinen Kindern mit ihren blanken Augen auf lächelnden Gesichtern. In Völklingen wird auch Kommerzienrat Röchling vom Stellvertreter des Führers begrüßt.
Weiter geht es nach Saarlouis. In langer Front ist der Arbeitsdienst angetreten, den der Reichsminister abschreitet. An der Saar entlang geht es dann nach Fremersdorf. Hier weichen die Leute nicht von den Straßen. Der Wagen des Stellvertreters des Führers ist fest eingekeilt, und erst der Ordnungsdienst der Deutschen Front mußte ihm durch die begeisterte Menge den Weg bahnen. Kurzer Aufenthalt ist wieder in Merzig. Hier wurde kein Aufmarsch vorbereitet oder die Bevölkerung informiert, da erst am Abend vorher bekannt wurde, daß der Stellvertrete des Führers die Reise durch das Saarland beabsichtige. Um so eindrucksvoller war der Empfang durch die Bevölkerung. Niemand kommandiert, sondern alles war spontan auf die Straße geeilt, um seiner Freude Ausdruck zu geben über des Saarlandes Heimkehr zum Vaterland.
In D i l l i n g e n wird der Stellvertreter des Führers mit Böllerschüssen empfangen. Hier sind auch die Hochöfen, die Schornsteine festlich geschmückt. Es gibt wohl keine Mauer, keine Häuserwand, die nicht Grün und Fahnen träat. In Beckingen sperrt das Jungvolk, die kleinsten Pimpfe von 9 bis 12 Jahren, mit Schulterriemen die Straße, ganz so, wie sie es von den Alten gesehen haben, man muß sagen, daß das Jungvolk seinen Ordnungsdienst mit Umsicht und mit großem Eifer versieht. Die Jungen sind sehr stolz darauf, daß man ihnen dies überlassen hat und die Diszi- plin der Bevöllkerung ist so groß, daß dieses Spalier der Pimpfe auch an keiner Stelle eingedrückt
wird, obwohl die Begeisterung ungeheuer ist. In Beckingen steht plötzlich an der Straße e i n Brautpaar, das erste Brautpaar im freien Saargebiet. Der Stellvertreter des Führers ruft den beiden herzliche Glückwünsche zu. Heber Diefflen aeht dann die Fahrt nach Nalbach, wo der Bund Deutscher Mädel den Wagen von Rudolf Heß umringt, eine freudige Ueberraschung, die sich der Stellvertreter des Führers gern gefallen läßt. Er kann nicht weiterfahren, ehe er nicht jedem der etwa 50 Mädel die Hand gedrückt hat.
Jetzt geht die Fahrt durch eine Reihe von saarländischen Bauerndörfern, wo in seiner Bauerntracht überall das Landvolk an den Straßen steht, überall kleine Musikkapellen, die Reiter- vereine zu Pferd an der Straße aufgestellt. Die ganzen Dörfer sind in Bewegung und auf allen Nachbardörfern ist das Landvolk ebenfalls zur Straße geströmt. An vielen Stellen sehen wir die alten Giebelinschriften, die seinerzeit auf Anordnung der Regierungskommission überstrichen werden mußten und jetzt wieder freigelegt sind. Auf einem Transparent lesen wir dann: „Fließ Thel- bach hin zum deutschen Rhein. Nimm Botschaft mit: Wir kehren heim!"
In St. Wendel ist wiederum Arbeitsdienst mit Musikkapellen angetreten. Der Stellvertreter des Führers geht durch die Menge hindurch, die ihn
auf die Schultern heben will, hinüber zum Arbeitsdienst, dessen Front er abschreitet. In Ottweiler sind es genau so wie in Neunkirchen, Sulzbach und Dudweiler gerade die Arbeiterhäuser, die ziegelroten Fronten der Wohnungen der Saarkumpels, die am allerschönsten, mit außerordentlich viel Liebe, geschmückt sind. Riesige Bilder des Führers, mit schwerer Hand, aber doch mit Sorgfalt und Liebe gemalt, verdecken oft ganze Fensterfronten. Sulzbach, früher oft verschrien als Hochburg des Marxismus, bietet sich dar als eine Symphonie von Fahnen und Grün, eine Stadt, die ganz erobert ist für die Idee des Nationalsozialismus. Einige Häuser sehen wir, an denen die Läden völlig heruntergelassen sind. Mit Kreide steht an der Fassade geschrieben: „Verzogen nach Frankreich!" Das sind auch die letzten Zeichen, die uns auf der ganzen Fahrt von jenen Volksverrätern noch begegnet find, die sich einst als Herren des Saargebiets dünkten. An einem Haus Studen- ten mit Burschenband. Wie sich dann ergibt, hat eine deutsche Burschenschaft in jedem Jahre aus Sulzbach eine Reihe von Arbeiterkindern ins Reich hinübergenommen und ihnen eine längere Erholungszeit ermöglicht, während in den Ferien die Studenten in Sulzbach auf den Gruben arbeiteten und so die Verbindung herstellten von Arbeitern und Studenten.
Die Uebergabe des Saarlandes durch die Vertreter des Völkerbundes an den Vertreter des Reiches. Reichsinnenminister Dr. Frick, im Kreisständehaus. Links Reichsinnenminister Dr. Frick, der Dritte von rechts ist der Vorsitzende des Dreierausschusses, Baron A l o i s i.
Der Sreierausschuß verläßt das Saargebiet.
Saarbrücken, 3. März. (DNB.) Die Mitglieder des Dreier-Ausschusses, Baron A l o i s i und Lopez Olivan, haben mit ihrer Begleitung und mit dem Saarreferenten des Völkerbundssekretariats, Krabbe, von Schloß Halberg kommend, in St. Ingbert den Sonderwagen der Reichsbahn bestiegen und das Saargebiet verlassen. Das dritte Mitglied des Dreierausschusses, der argentinische Botschafter C a n t i l o , war bereits Samstagfrüh aus dem Saargebiet abgereist. Die übrigen Herren machten noch im Laufe des Tages eine ausgedehnte Kraftwagenfahrt durch das Saargebiet, die sie auch nach Trier führte. Dort besichtigten sie unter Führung von Professor Krüger vom Provinzialmuseum den Dom, die Frauenkirche, sowie die römischen Altertümer, besonders die porta nigra und die Thermen. In ihrer Begleitung befanden sich Regierungspräsident S a a s ° s e n und Mitglieder der Familie von Stumm, in deren Haus sie als Gäste der Reichsregierung während der letzten Tage wohnten.
Der Vorsitzende des Dreier-Ausschusses, Baron A l o i s i, hat sich einem Berliner Berichterstatter gegenüber sehr befriedigt über die Eindrücke geäußert, die er während seines Aufenthalts im Saargebiet erhalten hat. Aloisi erklärte u. a., er fei vom Führer auf das herzlichste empfangen worden. Während der Unterhaltung mit dem Führer t)abe die Menschenmenge auf dem Rathausplatz den Führer auf den Balkon gerufen. Dieser habe dar- auf Aloisi und die beiden anderen Mitglieder des Dreier-Ausschusses ge- beten, zu ihm auf den Balkon zu treten. Aloisi versicherte, daß der I.März für ihn
eine unvergleichliche Erinnerung bleiben werde. Er habe Gelegenheit gehabt, sich von der tiefen Verehrung zu überzeugen, die das deutsche Volk für feinen Führer empfinde. Ueber die außenpolitischen Auswirkungen der Rückgliederung des Saargebietes erklärte Aloisi recht zuversichtlich: „Es bestehen heute starke Tendenzen zur Verständigung unter den Völkern Europas. Diese Tendenzen sind mit hervorgerufen worden durch das erfreuliche Ergebnis der Abstimmung und der heute erfolgten Rückgliederung des Saargebietes in das Reich."
Vereidigung des Landesverbandes Saar des Stahlhelms.
Saarbrücken, 2. März. (DNB.) Der aus Anlaß des Führerbesuches und der Saarrückgliederung in Saarbrücken weilende Bundesführer des Stahlhelms, Reichsminister Frang S e I b t e , hat am Samstag, den jetzt den NSDFB. eingegliederten Landesverband Saar auf den Führer Adolf Hitler und die Bundessatzung vereidigt. Sämtliche ins Saargebiet gekommenen Verbände marschierten mit den saarländischen Stahlhelmkameraden unter den Klängen zahlreicher Musikkapellen zum Waldhaus, wo die Feier stattfand. Nach kurzen Worten des Führers des Landesverbandes Saar, Altenburg, sprachen ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher. Dann nahm Reichsminister S e l d t e die Vereidigung vor. Die Fahnen der saarländischen Stahlhelmgliederungen wurden mit den Farben des Reiches geschmückt. Den Abschluß
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der Feier bildete ein Vorbeimarsch vor dem B u n d e s f ü h r e r, der sich vor dem historischen Gebäude der „Wartburg", wo am 15. Januar die Stimmzählung vorgenommen worden war, aufgestellt hatte. Dor seiner Abreise hat Minister Seldte auf dem neuen Friedhof an den Gräbern von zwei in den Jahren 1928 und 1929 von Kommunisten erschossenen Stahlhelmmitgliedern Kränze nieder« gelegt.
Der Fackelzua.
Nach der Rückkehr des Stellvertreters des Führers von seiner Triumphfahrt durch das Saargebiet sammelten sich Tausende von Menschen vor dem Hotel Excelsior. Gegen 20.30 Uhr verläßt Rudolf Heß das Hotel, um sich mit seiner Begleitung auf den Rathausplatz zu begeben. In festlicher Beleuchtung strahlt das Rathaus. Tausende von Lampen glitzern: taghell ist der große Platz beleuchtet, dessen hinterer Teil ganz durch bie vollbesetzte Riesentribüne ausgefüllt ist. Wenige Minuten später beginnt ber große Fackelzua. Heute marschieren ung neben alt, Arbeiter neben Kaufmann. Man sieht Uniformen ber ßanbjöger, ber blauen Polizei, Straßenbahner im gleichen Schritt unb Tritt. Musikzug löst Musikzug ab; SA.-Kapellen, Musikkapellen des Arbeitsbienstes unb bes ßuftfportoerbanbes, Bergmannskapellen, sie alle spielen bie Marschweisen bes neuen Deutschlanb. Dazwischen hört man das Glockenspiel auf bem Saarbrückener Rathaus. Nicht enben will der Zug der Männer von ber Saar, Bergleute in ihrer Tracht erscheinen, geführt von Peter Kiefer, dessen Verdienste um das Saar- urbeitertum durch die Ernennung zum Reichstagsabgeordneten geehrt wurden. In einem anderen Glieds marschiert der Kommandant des Ubootes 77, Kapitänleutnant Meyer, bas bas einzige amerikanische Truppentransportschiff währenb des Krieges versenkte. Man sieht vereinzelte SA.-Uniformen der ßeute, denen die Willkür der Regierungskommission aufzwang, ihre Uniformen auszuziehen. Nur der Jugend an der Saar war es erlaubt, Uniformen zu tragen. Und nach ihren endlosen Kolonnen folgt Fähnchen auf Fähnchen des Iu NL - v o l k es. Mit besonderer Freude schaut sich der Stellvertreter des Führers diesen Aufmarsch der Jüngsten an, die mit leuchtenden Augen an ihm vorüberziehen. Diesen Kleinen folgen die katholischen Jugendverbände mit ihren Fahnen, angeführt und begleitet von ihren Geistlichen.
Das Msenseuerwerk.
Tagelang hat man am Winterbera geschafft und alles für das Feuerwerk vorbereitet. Das Denkmal dort oben ist das Wahrzeichen von Saarbrücken, auf heiligem Boden errichtet. Hier fielen am 6. Aug. 1870 die ersten Kämpfer der Schlacht bei Spi« t e r n. Von seinen Höhen überblickt man das ganzS chlachtfeld und sieht vor sich den Roten Berg, den einst pommersche Musketiere tobesverachtend
Die saarländischen Bergknappen grüßen vor der Bergwerksdirektion in Saarbrücken Sen Tag der wiedergewonnenen Freiheit/
Der Führer bei seiner Triumphfahrt durch Saarbrücken.
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Do» Vorbeimarsch der Formationen vor dom Führer.
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