dum Dienstag, 5. Februar, zwischen 17 und 19 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden.
Ortsgruppe Gießen-Mitte.
Betr.: Pfundsammlung.
Am Mittwoch, 6. Februar, wird in der Ortsgruppe Mitte die nächste Pfundsammlung durchgeführt. Wir richten an alle Volksgenossen die Bitte, auch diesmal in der Gebefreudigkeit nicht zu erlahmen. Es ist notwendig, daß jeder nach seinen Kräften spendet.
Wir bitten die Hausfrauen, die Spenden ab 9 Uhr vormittags bereitzuhalten und den Inhalt durch Aufschrift auf der Umhüllung kenntlich zu machen, um damit die Sammlerin in ihrer Arbeit zu unterstützen. Für jede Spende wird eine Quittung erteilt.
Deutsche 9/rMfofront
NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude".
Am Sonntag, 17. Februar, findet im Coss Leib ein großes „karnevalistisches Konzert", ausgeführt von der Reichswehrkapelle unter Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e, statt.
Eintrittspreise im Vorverkauf 0,50 RM., an der Abendkasse 0,60 RM. Karten sind im Vorverkauf zu haben auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße, Zimmer 10, und im Caf6 Leib, Walltorstraße 38.
Wintersportzug nach der Rhön.
Wir haben die Absicht, am Sonntag, 10. Februar, einen Wintersportzug nach Gersfeld (Rhön) fahren zu lassen. Der Fahrpreis beträgt pro Person zirka 5,— RM. bei mindestens 300 Teilnehmern.
Wir bitten Vereine und Ikinzelteilnehmer, sofort ihre Meldung an uns zu geben, bis spätestens Mittwoch, 6. Februar, damit wir feststellen können, ob uns die Fahrt möglich ist. Teilnehmer aus Grünberg, Alsfeld, Lauterbach usw. können von ihrem Ort aus an der Fahrt teilnehmen.
NSLB.,
Bezirk Gießen-Stadt und Gießen-Ladn
Arbeitsgemeinschaft für Fibelbesprechung.
Mittwoch, 6. Februar, 15.30 Uhr, Zusammenkunft in der Schillerschule zu Gießen.
AusparteiamtlichenBekanntmachungen
Der NSLB. Gießen-Stadt hält am kommenden Mittwoch, 6. Februar, um 17.30 Uhr, in der Neuen Aula eine Pflichtoersammlung ab, in der Professor Dr. Krüger über „Die Stellung der Deutsch-Amerikanet zum neuen Deutschland" sprechen wird. Zu der Versammlung sind auch die Angehörigen der Mitglieder des NSLB. eingeladen.
Die Mitglieder des NSLB. Kreis Gießen, besonders die Lehrerinnen, werden auf die Ausstellung von Spitzen und Stickereien durch den Reichs'bund „Volkstum und Heimat" aufmerksam gemacht, die am 7. Februar, 17 Uhr, durch Herrn Ministerialrat Ringshausen im Turmhaus am Brandplatz eröffnet wird.
Marine-Besuch in Gießen
Am Samstagabend vereingten sich die Marine- Stürme des Standortes Gießen zu einer Kameradschaftsfeier in der Turnhalle am Oswaldsgarten.
Zu der Veranstaltung waren neben den Angehörigen der SA.-Kameraden vor allem eine z. Z. in Gießen befindliche Wander st reife der 3. Torpedoboothalbflottille der Reichsmarine, ferner ein Vertreter der Gießener Reichswehr-Garnison, sowie Vertreter der SA. und SS. erschienen.
Der Abend begann mit einem Eröffnungsmarsch des Gießener Musikzuges der Marine-SÄ.-Stan- darte, ferner mit einem von Angehörigen des Marine-Sturmes 11 durchgegebenen Flaggen-Signalspruch: „Herzlich Willkommen". Nach dem Fahneneinmarsch begrüßte der Führer des Marine-Sturmbannes II Gießen, Mettenheimer, mit herzlichen Worten die erschienenen Gäste und Kamera
den. Die Ansprache schloß mit dreifachem Sieg-Heil auf Deutschland und den Führer Adolf Hitler und mit dem Horst-Wessel-Lied.
Hierauf danke Oberleutnant zur See S ch u u r namens der gesamten Wanderstreife der 3. Torpedo- bootshalbslottille für die herzliche Aufnahme und den Empfang in Gießen. Er berichtete dann in fesselnder Weise von dem Leben und Wirken der Reichsmarine.
Bald sah man dann die 12 Mann starke Abordnung der Reichsmarine (2 Offiziere, 3 Unteroffiziere, 7 Mannschaften von den 4 Torpedobooten „Tiger", „Iltis", „Wolf" und „Jaguar") da und dort mitten unter ihren Kameraden „vom Binnenlands", immer wieder herzlich begehrt, in herzlicher Kameradschaft vereint.
Die Wanderstreife, die direkt von Wilhelmshaven nach Gießen kam, beabsichtigt, voraussichtlich noch die Orte Fulda und Kassel zu besuchen.
Das gemeinsame Lied „Wir sind SA.", die mit großem Beifall aufgenommenen Darbietungen des Marine - Standarten - Musikzuges, eine Tombolaverlosung und einige Stunden Tanz hielten alle Besucher lange in herzlicher Kameradschaft beisammen.
Vornotizen.
— Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon schlagen sich durch". — Deutsche Kolonial-Ausstellung von 15 bis 21 Uhr im Einhorn. — Gießener Hochschulgesellschaft: 20 Uhr c. t. Vortrag von Professor
Dr. Zwick über „Studienreise in den Vereinigten Staaten" im großen Saale des Studentenhauses. — Kneipp-Bund e. V., Ortsgruppe Gießen: 20 Uhr, im „Bayerischen Hof", Vortrag von Frau Josefine Schleiter über „Naturkräfte, unsere Lebenselemente".
— Der Goethe-Bund schreibt uns: Am kommenden Freitag veranstaltet der Goethe-Bund ■■■■«■■■■
Denkt an die Linderung der Hof!
Verwendet die Wohlsahrlsbriesmarken!
seinen zweiten dieswinterlichen Dichter-Abend. Der Dichter Manfred Hausmann, dessen Werke in unserer Stadt eine große Lesergemeinde gefunden haben, liest aus eigenen Werken. Manfred Hausmann ist ein trefflicher Interpret feiner Dichtungen und läßt feinen Vortrags-Abend zu einem starken Erlebnis werden. (Siehe heutige Anzeige!)
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** Ein Fünfundsechzigjahriger. Am gestrigen Sonntag vollendete der Pensionär Peter Schmidt, Frankfurter Straße 177, in körperlicher und geistiger Frische sein 65. Lebensjahr. Der alte Herr ist seit 30 Jahren treuer Bezieher des Gießener Anzeigers.
Verbandstag hessischer Wohnungsunternehmen
in Gießen.
Der Verband hessischer Wohnungsunternehmen (Baugenossenschaften und -Gesellschaften), Sitz Kassel, dem alle Baugenossenschaften und -Gesell- fchaften in Hessen und Hessen-Nassau angeschlossen sind, hielt am Samstagnachmittag im Hotel Prinz Carl zu Gießen seine diesjährige Mitglieder - Versammlung ab. Aus allen Teilen des Derbandsgebiets waren etwa 300 Vertreter der Genossenschaften zu der Tagung erschienen.
©er Berbaudsführer, Landesrat Görling, Kassel, eröffnete die Verhandlungen mit dem von den Vertretern freudig erwiderten Gruß Heil Hitler!, ermahnte zu weiterem festen Zusammenstehen mit dem Führer und Volkskanzler Adolf Hitler in enger Verbundenheit aller deutschen Menschen, von Blut und Boden, und begrüßte dann die Vertreter der Partei, der Behörden, der Presse und die sonstigen Gäste. Er erinnerte dann an das starke und eindrucksvolle Bekenntnis unserer saardeutschen Volksgenossen zum deutschen Vaterlande und grüßte die Brüder und Schwestern an der Saar in herzlicher Verbundenheit. Weiter wies er aus den zweiten Jahrestag der Machtübernahme des Nationalfozialis, rnus hin, die er als starkes Fundament für den Wiederaufbau Deutschlands und damit auch iter Baugenossenschaften begrüßte. Er entbot dann dem Führer des Hauptoerbandes deutscher Wohnungsunter- Nehmen, D ö t s ch (Berlin-München), den Willkom- rnengruß des hessischen Verbandes und feierte in diesem Zusammenhang die Beseitigung der früheren Gegensätze zwischen Nord und Süd, die lieber» brürfung der einstigen Mainlinie. Zum Schluß rühmte er die hohen Werte der baugenossenschaftlichen Selbsthilfe. '
Im Namen der Baugenossenschaft 1894, der Krie- gersiedlung und des Eisenbahner-Heimstättenvereins zu Gießen brachte
Herr H. Schneider, Gießen
den Willkommengruß der Gießener Baugenossenschaften an die Tagung zum Ausdruck. Er betonte dabei den Wert der Baugenossenschaften in der Hilfe ■für die minderbemittelten Volksgenossen und in der
Zielsetzung, die baugenossenschaftliche Arbeit nur unter dem Gesichtswinkel des Wohls des VolksMnzen zu vollbringen. Dabei erwähnte er, daß in Gießen von den Baugenossenschaften bis jetzt 459 Wohnungen bzw. Einfamilienhäuser errichtet wurden. Der Tagung und der baugenossenschaftlichen Arbeit wünschte er weiteren reichen Segen zum Wohle des ganzen Volkes.
©er Geschäftsbericht
Der Verbandsführer, Landesrat Görling- Kaffel, erstattete hierauf den Geschäftsbericht für das Jahr 1933. Seinen Darlegungen fei folgendes entnommen: Dem Verband hessischer Wohnungsunternehmen gehören jetzt, nach dem Zusammenschluß der Baugenossenschaften von Hessen- Nassau und Hessen, 149 Baugenossenschaften und -Gesellschaften an, die insgesamt 33 645 Wohnungen in ihren Häusern geschaffen haben. Die Summen einer Bilanzseite dieser Verbandsmitglieder belauft sich auf insgesamt 310 Millionen Mark. Das Jahr 1933 brachte überall die Durchführung der Gemein- nützigkeitsverordnung. Der Redner betonte, durch den Zusammenschluß der Baugenossenschaften sei im Verbandsgebiet in großer Linie das erfüllt worden, was der nationalsozialistische Staat verlangen könne und müsse. Hinsichtlich der Verbandsbeiträge bemerkte der Redner, deren Höhe werde nach der Zahl der Wohnungen jeder Baugenossenschaft bzw. Gesellschaft gestaffelt, die Setträge würden in mäßigen Grenzen gehalten, da die Verbandsleitung bemüht sei, die Verwaltungskosten auf das geringste Maß zu beschränken und überall die größte Sparsamkeit anzuwenden. Sodann begrüßte der Verbandsführer mit großer Genugtuung den von der Reichsregierung durch das jüngste Gesetz vorgenommenen Schritt der organischen Zinssenkung, und er betonte, daß bei einem Zinssatz von 4,5 Prozent das Bauen künftig viel besser sich entwickeln könne als bisher. Er betonte hierzu: „Ich glaube mit gutem Grund sagen zu können, wir sind durch die Maßnahmen der Reichsregierung einen so entscheidenden Schritt vorwärtsgekommen, daß wir an die Schaffung von Wohnungen für Minderbemittelte nun mit größerer Aussicht auf Erfolg Herangehen können. Das ist besonders wichtig, denn mit dem er-
as soll ich denn
mit einem Auto?
ROMAN VON KÄTHE METZNER. Urheberrechtsschutz: Füns-Türrne-Verlag, Halle (S.). 25 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Ein haßerfüllter Blick traf Gerlinde aus Rias dunklen Augen. Ria wußte natürlich von Sachs schon längst, daß Gerlinde eine Schwester hatte; die Sache in der Verdi-Diele damals war eine zwischen ihr und Sachs verabredete Sache gewesen. Sie hatte genau gewußt, daß Gisela nicht das Mädchen war, das Gersheim liebte, sondern ihre Schwester. Aber sie hatte sich nicht gescheut, in ganz brutaler Weise zwischen Gersheim und Gerlinde ein bißchen Schicksal zu spielen; dachte sie doch, Gersheim auf diese Weise zurückzugewinnen. Aber es war ihr nicht gelungen.
Ria Velten war jetzt wieder Sachs' beste Freundin. Sie hatte wenig Chancen noch beim Film. Ihr Typ hatte in der neuen Zeit abgewirtschaftet. Das Publikum hatte genug von diesen Filmen.
Gerlinde wußte nicht, wie sie heimgekommen war.
Scholzchen war außer sich und begriff zunächst gar nichts, als das Mädchen ihr stockend und schluchzend die ganze Geschichte erzählte. Nur eins fühlte sie immer deutlicher heraus, daß Gerlinde sich unsinnig um die Schwester bangen mußte, die — vielleicht krank — ohne eine bekannte Seele in dem großen Paris war.
Wieder vergingen acht Tage, in denen Gerlindes Unruhe immer größer wurde. Da — als sie eines Tages heimkamen, lag ein Wertbrief da, und als Gerlinde ihn öffnete, fielen ihr fünf Einhundertmarkscheine entgegen.
„Restliche Rate für den Wagen. v. S a ch s." Das war die ganze Erklärung auf einem beiliegenden Zettel. Doktor von Sachs hatte sich die Sache doch wohl überlegt. Er wußte natürlich genau, daß er juristisch zur Zahlung verpflichtet war, hatte Gerlinde neulich nur ein bißchen zappeln lassen wollen.
„Hat sich also doch besonnen!" sagte Scholzchen sachlich. „Na, wir hätten sonst Klage gegen ihn einreichen müssen. Das hat er doch wohlweislich vermieden."
Gerlinde aber war zum ersten Male wieder ein wenig froh. Ein zartes Rot färbte ihre Wangen, während sie hastig fagte:
„Nun fahre ich sofort nach Paris und hole Gisela heim. Ich habe wirklich keine Ruhe mehr!"
„Aber nicht allein!" hatte Scholzchen da wie ein Feldwebel gesagt. „Da komme ich mit. Wir werden nforgen um Urlaub bitten."
„Oh, Sie Gute! Sie Allerbeste! Wenn das Muttchen wüßte, daß ihre Linde einen so treuen Menschen gefunden hat!" sagte Gerlinde mit leuchtenden Augen, und küßte die alte treue Seele auf beide Wangen.
*
In ihrer schmalen, ungeheizten Dachkammer in Paris saß Gisela und verschlang heißhungrig die dünne Suppe, die sie sich auf dem kleinen, wackligen Herd selbst bereitet hatte. Ein paar Krümchen Talg war das einzige, was sie zum Schmelzen noch im Hause gehabt hatte — um so mehr aber würzten ihre salzigen Tränen das ärmliche Mahl.
„Oh!, wenn doch aus Deutschland bald das Geld käme!" sagte das Mädchen flehend vor sich hin und rang die dünnen Finger. „Es geht ja kaum noch so weiter! Ich fühle doch genau, daß ich während des Tanzens bald zusammenbreche vor Schwäche. Mutter! Gerlinde! Wäre ich doch bei euch geblieben! Ihr habt es ja so gut mit mir gemeint — und ich ... ich habe das nicht eingefehen!"
Wild schluchzte Gisela, aber ihr Weinen verklang ungehört.
Müde stand Gisela auf, um sich für den Abend zurechtzumachen. Sie hatte in allem Unglück noch Glück gehabt, daß sie in einem Variete zweiter Klasse ein Engagement gefunden hatte. Es war bereits der dritte Abend, daß sie dort tanzte. Nur wenige Frank gab es zwar Honorar, aber es reichte für den größten Hunger aus.
Jetzt hatte sie ihren kleinen Spiegel auf den Tisch gestellt und schminkte sich geschickt; und doch war sie nüchtern genug, um einzusehen, daß all der Puder ihr schlechtes Aussehen nicht verdecken konnte. Die so tiefen Schatten unter den Augen und die Hohlwangigkeit ließen sich nicht mehr übertünchen.
Gisela war durch all das Leid, durch das sie gegangen war, eine andere geworden. Sie sah jetzt vollkommen klar, daß sie für Doktor von Sachs nur eine Episode gewesen war, und daß er sie hatte allein hier sitzen lassen, sobald er ihrer überdrüssig geworden. Zweimal noch hatte sie ihm aus dem Krankenhause nach Berlin geschrieben. Keine Antwort. Da wußte sie, daß sie von ihm nichts mehr zu erwarten hatte.
Da, in der bittersten Not, als sie sich nun ganz verlassen sah, war ihr das Büchlein eingefallen, das kleine Testamentchen, das ihr die Mutter in der Abschiedsstunde geschenkt hatte. Manche Stunde hatte sie darin gelesen, manche Stunde hatte sie in den Pariser Kirchen verbracht und Gott um Rettung gefleht. Nun, da alle Menschen sie verlassen hatten, mit denen sie hier in Paris in der ersten Zeit ihres Hierseins Tage verjubelt und Nächte durchfeiert hatte, war Gott ihr einziger Halt geworden.
Plötzlich schreckte Gisela zusammen. Stimmen klangen draußen, und ganz deutlich vernahm sie, wie Schritte die wacklige Treppe emporstampften. Dann pochte es an ihre Tür.
„Herein!" rief Gisela zaghaft.
Oh — gewiß kam ihre Wirtin wegen der längst fälligen Miete. Und wirklich steckte diese ihren dicken Kops durch die Türspalte.
„Oh, Mademoiselle ... kommen zwei dames aus Allemagne!" Immer mischte die Wirtin, wenn sie mit Gisela sprach, Deutsch und Französisch durcheinander, um sich verständlich zu machen.
„Was?" Gisela war aufgesprungen und stand in dem kleinen Raum, zitternd an allen Gliedern.
In der nächsten Minute aber schon fühlte sie sich von zwei Armen fest umschlungen.
„Gisela ... meine Gisela ... So finde ich dich wieder!" schluchzte Gerlinde in einem fort und streichelte und küßte unablässig der Schwester Gesicht, während sich Fräulein Scholz, ihre Begleiterin, sehr erschüttert tief im Hintergründe hielt.
Dann saßen sie alle beisammen — und jetzt erst brachte Gerlinde der Schwester zögernd bei, daß ihre Mutter nicht mehr lebte.
Unheimlich war Giselas Schmerz, der in der armseligen Umgebung einfach trostlos wirkte.
„Warum ... warum hab' ich sie nicht noch einmal gesehen? Warum hast du mich nicht heimgeholt?" schrie sie immer wieder. „Oh Mutter ... meine Mutter ... auf meinen Knien hätte ich ihr abbitten mögen — alles, was ich ihr angetan ... O Linde ...du ... ich hab's ja nicht gewußt ..."
Scholzchen konnte nur still den Kopf schütteln über Gerlinde, die auch in dieser schweren Stunde ihre wunderbare Seelenkraft nicht verließ, und die ihr eigenes Leid, ihren eigenen Schmerz jetzt völlig hintansetzte, um der Schwester recht stark eine Stütze ZU fein.
„Du kommst heim, Gisela ... Wir fahren nicht ohne dich zurück. Erst mußt du einmal gesund werden. Dann wollen wir weiter sehen", tröstete sie die Schwester in ihrer leisen Art.
Aber die Stunden eilten.
„Ich muß ja heute abend in die Vorstellung", sagte Gisela endlich, nachdem sie etwas ruhiger geworden war. „Ueberbaupt — ich kann doch den Kontrakt nicht lösen. Vier Wochen läuft er — und hat gerade begonnen."
„Das werde ich schon machen, Fräulein Gisela!" Wieder nahm Scholzchen in ihrer geschäftstüchtigen, resoluten Art die praktische Seite der Dinge' in ihre Hände. „Sie können in diesem Zustande nicht mehr auftreten. Ihre Gesundheit geht jetzt in erster Linie vor."
Gisela schaute die alte Dame dankbar an. O wie gut sah sie aus! Sie hatte so liebe, ehrliche Augen, da konnte man schnell Vertrauen fassen.
„Aber heute abend muß ich noch einmal hin", sagte sie leise.
„Nun gut, wenn es unbedingt nicht anders geht — heute noch einmal. Dann aber niemals mehr", sagte Gerlinde nach langem Zögern schweren Her.- zens. „Aber ich begleite dich, Gisal Jetzt lasse ich dich nicht mehr allein."
folgreichen Fortschreitten der Arbeitsschlacht wird natürlich auch der Bedarf an Wohnraum steigen. Gehen wir frisch ans Werk und oerwiklichen wir den Befehl des Führers, das deutsche Siedlungswerk mit aller Kraft zu fördern. In diesem Sinne für die weitere Arbeit Heil Hitler!"
Der ehemalige Vorsitzende des einstigen Verbau« des der Bauvereine in Hessen und jetzige stellvertretende Führer des neuen Verbandes, Rechtsanwalt Dr. N e u s ch ö f f e r (Darmstadt), brachte seine Be- friebigung über den Zusammenschluß zum Ausdruck und hob hervor, daß bei den hessischen Baugenossenschaften, von wenigen Ausnahmefällen abgesehen, in der Verwaltung Reinlichkeit zu Hause war und auch zu Hause bleiben wird. Die hessischen Baugenossenschaften hätten den Zusammenschluß freubig begrüßt, unb sie seien ohne Schulben mit aufrichtiger Gesinnung „in bie Ehe" gekommen. Mit freubiger Bereitschaft würben bie hessischen Vertreter auch im neuen Verbanb weiter Mitarbeiten.
Revisions- und Kassenberichte.
Die anschließenben Berichte ber 23erbanbsprüfer über bie Revisionen bei ben Baugenossenschaften und -Gesellschaften von Hessen-Nassau bzw. von Hessen beschäftigten sich mit verwaltungstechnischen Angelegenheiten ber Genossenschaftsverwaltungen.
Der Kassenbericht bes ehemaligen hessen-nassauischen Verbanbes weist für 1933 folgenbes auf: Einnahmen: Voranschlag 18100 Mark, tatsächlicher Eingang 18 589,53 Mark; Ausgaben Voranschlag 18100 Mark, tatsächliche Ausgaben 16133,24 Mark;. Kapitalbestanb Enbe 1933 — 4 261,70 Mark.
Im Kassenbericht bes einstigen hessischen Verbanbes heißt es: 1933: Einnahmen 3275,10 Mark, Ausgaben 2563,35 Mark, Kafsenbestanb 711,75 Mark; für 1934: Einnahmen 3257,80 Mark, Ausgaben 2662,68 Mark, Kafsenbestanb 595,12 Mark. Der Bestaub würbe an ben neuen Verbanb überwiesen.
Anschließenb wurde dem Verbandsführer und ben Rechnern einstimmig Entlastung erteilt.
Bestellung des Berbandsführers.
Der Verbanbsführer, ßanbesrat Görling- Kassel, würbe sobann von ber Versammlung einstimmig unb unter starken Beifall, kunbgebungen erneut zum Verbanbsführer bestellt unb von bem anroefenben Führer bes Hauptverbanbes Deutscher Wohnungsunternehmen, D ö t s ch - Berlin-München, sogleich mit warmen Worten ber Anerkennung für bie bisherige Gnschäftsführung als Verbanbsführer bestätigt. Nach ben Dankesworten bes Ver- banb sfüfjrers für biefe Vertrauenskunbgebung sprach ber
Hauptverbandsführer ©öisch
in etwa anberthalbsttinbiger Rebe über bas Thema „Die Neuorganisation unb bie Aufgaben ber Baugenossenschaftsbewe- g u n g."
Der Rebner wies zunächst auf die Gleichschaltung im deutschen Baugenossenschaftswesen im Verlaufe bes Jahres 1933 hin, bie das Ziel verfolgte, b i e Männer in bie Leitung ber Baugenossenschaften hineinzusetzen, bie Gewähr dafür bieten, daß bie Baugenossenschaften im Sinne des nationalsozialistischen Aufbaues geleitet werden. Zu diesem Zwecke mußte auch bie frühere Vielgestaltigkeit bei ben Baugenossenschaften und ihren Derbänden beseitigt und eine straffere Organisation geschaffen werben.
Der wirtschaftliche Zweck der Baugenossenschaften sei nicht ihre eigentliche Ausgabe, hauptsächlich komme es daraus an, durch die Baugenossenschaften dem deutschen Volke das Wohnwesen so zu gestalten, wie es dem Gedanken der deutschen Volksgesamtheit entspreche, denn die Wohnung sei die Keimzelle der Familie, und ein gesundes Wohnwesen sei die
Grundlage eines gesunden Staatsaufbaues.
Die deutsche Baugenossenschaftsbewegung könne mit Stolz darauf Hinweisen, baß sie schon seit Jahrzehnten mit allen Kräften der ba malig en oerheerenben Entwicklung bes Wohnwesens entgegengewirkt und da-
„Oh, meine Linde! Womit hab' ich nur verdient, daß du dich so um mich sorgst? Ich war doch immer — eure Schlechte!"
Die Mädchen hatten mit Scholzchen ein Hotel in Giselas Nähe gesucht, wo sich bie alte Dame mit Gerlinbe einmietete Gerlinbe beftanb aber jetzt bar= auf, baß Scholzchen sich ausruhe, währenb sie mit Gisela allein in bie Vorstellung gehen wolle. Und so heftig bie alte Dame erst wibersprach, schließlich fühlte sie in ihrem alten Körper bie Strapazen ber Reise doch stärker als Gerlinbe.
„Aber nicht so spät kommen, Kinbchen!" sagte sie schließlich noch, ehe sie Gerlinbe gehen ließ.
In bem kleinen Variete folgte Gerlinbe ber Schwester in ihre Garberobe. Ziemlich primitiv war alles hier, währenb bas Lokal einen fast pompösen Einbruck machte. Aber wie alles fast -in Pa- ris: vor ben Kulissen Glanz unb Flimmer, hinter ben Kulissen Hunger unb Sorge ber kleinen Künstlerschar, schlechte, fast unhygienische Garberobever- hältnisfe.
Gisela kleibete sich an.
Wer bas erlebt t)at, was es heißt, mit lachen- bem Gesicht über bie Bühne tollen, während einem bas Herz vor Schmerz halb zerbricht!, bachte bie junge Tänzerin, währenb sie bas Zeichen bes Bühnenmeisters abwartete, bas sie aus ben Kulissen herausrief in bas bunte, gleißenbe Licht der Scheinwerfer.
Mit angstvoll pochenbem Herzen ftanb Gerlinbe hinter ben Kulissen unb schaute bem Tanz ber Schwester zu. Ja — war bas alles benn Wirklichkeit? Daß sie hier hinter ber Bühne eines Pariser Varietes ftanb, baß Gisela bort tanzte ... rounberfam tanzte, währenb eine Musik wie aus ber Ferne bazu erklang.
Plötzlich ging bie Musik in einen anberen Rhythmus über, bas Scheinwerferlicht wechselte in Purpurrot. Wilb klangen bie Töne, heiß rauschten bie Akkorbe — Leibenschaft tanzte Gisela, ver- zehrenbe Glut.
Totenstille herrschte im Zuschauerraum. Plötzlich riß ber Akkorb jäh ab — mitten im Tanz stürzte Gisela Steinbrück mit einem gräßlichen Schrei zusammen.
Der Vorhang fiel.
Unten raste bas Publikum vor Begeisterung, währenb Gerlinbe vor Entsetzen an allen ©liebem zitterte.
Mußte bas benn so fein? Nein! Nein! Gisela lag boch bort wirklich besinnungslos. Sie war zusammengebrochen.
Kollegen (prangen hinzu. Man trug das bewußtlose Mäbchen in bie Garberobe.
Gerlinbe war ber Verzweiflung nahe. Hätte sie es boch nicht zugegeben, hätte Gisela boch nicht noch einmal getanzt! Nun war es vielleicht — chr
(Tortsetzung folgtI)


