Ausgabe 
4.2.1935
 
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Nr. 29 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 4. Zebruar 1935

Gewaltiger Sturm über Gießen.

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Der umgestürzte Baum in der Kaiserallee.

Nmgevissene Baumriesen im Stadtwald.

Nachdem schon am Samstagmittag und -nachmit- tag bei lebhaftem Winde anhaltendes Regenwetter den Aufenhalt auf den Straßen ungemütlich ge­macht hatte, entwickelte sich im Verlaufe des Abends ein außerordentlich heftiger Sturm, der bis weit in die Nacht hinein anhielt. Gewaltig heulte es über die Stadt und die Wälder dahin, zeitweise regnete es, dann wieder konnte man einen wunderbaren Sternenhimmel sehen, kurz gesagt, es war ein rich­tiggehendesWusterwetter".

Der heftige Sturm richtete leider auch mancher­lei Schaden an. U. a. stürzte er in der Kaiserallee vor dem Hause des Vereins Deutscher Studenten einen mächtigen Baum um, der im Fallen das Mauerwerk des Hausgesimses traf und es zum

Teil auf den Erdboden hinabfegte, sich dann über das eiserne Gartenspalier legte, sonst aber zum Glück keinen weiteren Schaden anrichtete. Am Hindenburgwall und Im Gartfeld wurden gleich­falls Bäume umgerissen, ebenso fielen im Stadt­wald mancherlei' ansehnliche Baumstämme dem wütenden Sturm zum Opfer. Durch stürzende Bäume und Aeste wurde auch die elektrische Strom­führung zum Teil beschädigt und unterbrochen, so daß die Bewohner mancher Straßen ohne Licht waren. An anderen Stellen wurden zum Teil Gar­tenzäune umgelegt, Fahnenmasten gestürzt und teil-- weise auch Ziegeln von den Dächern geschleudert. Die Feuerwache, deren Telephonleitung übrigens durch die stürzenden Bäume zum Teil zerstört war,

hatte allerlei Arbeit zu bewältigen, um die Sturm­schäden nach bester Möglichkeit aus dem Wege zu räumen, damit der öffentliche Verkehr keine Beein­trächtigung erfuhr.

Ferner sind durch die anhaltenden Regenfälle die Wieseck und die Lahn ziemlich gestiegen, jedoch ist nach dieser Richtung bisher von Schäden nichts zu berichten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

25 Jahre Lehrer der Universität.

Am morgigen Dienstag, 5. Februar, sind es fünf­undzwanzig Jahre, daß Professor D. Dr. August Freiherr von Gall der Universität Gießen als Lehrer angehört.

Professor von G a l l, ein Schüler von Stade und Wellhausen, war nach seinem Studium in Halle, Berlin, Gießen und Göttingen, ferner nach dem Besuch des Predigerseminars in Friedberg zunächst Pfarroerwalter in Klein - Umstadt, dann Pfarr­assistent in Bingen. Vom Juli 1898 ab wirkte er als Religionslehrer am Realgymnasium und an der Oberrealschule in Mainz, vom April 1909 ab als Oberlehrer am Gymnasium zu Gießen, wo ihm am 1. April 1910 der Charakter als Professor verliehen wurde. Am 5. Februar 1910 habilitierte er sich an der Universität Gießen für das Fach des Alten Testaments, 1914 wurde er außerordentlicher Pro­fessor bei der theologischen Fakultät, 1920 ordentlicher Honorarprofessor, gleichzeitig wurde er zum Direktor des alt-testamentlichen Proseminars ernannt. Im Jahre 1930 erhielt er einen Lehrauftrag für all­gemeine Religionsgeschichte.

Außer den üblichen Vorlesungen seines Fachs las von Gall gelegentlich noch über Alt-Aegyptisch und Koptisch und neuerdings über Religion, Kultur und Sprachen Mexikos in vorspanischer Zeit. In die Zeit seiner Dozententätigkeit fallen von größeren Werken eine kritische Ausgabe des hebräischen Pentateuchs der Samaritaner in fünf Bänden sowie eine religionsgeschichtliche Studie über die Herkunft der jüdisch-christlichen Eschatologie aus dem Parsis­mus (Basileia tou Theou). Voraussichtlich wird in diesem Jahre noch eine Ausgabe alter aztekischer medizinischer Bücher mit Übersetzung und Erklä­rung erscheinen.

Die Evangelische Kirche in Gießen im Zahre 1934

Die Zahl der Evangelischen in Gießen beläuft sich nach der letzten Volkszählung auf 30 305 Personen. An den vier Gottesdienststätten (Stadtkirche, Jo- hanneskirche, Kapelle des alten Friedhofs, Petrus- kapelle) wurden im ganzen 4 2 6 Gottesdienste veranstaltet, darunter waren 247 Hauptgottesdienste und 179 Nebengottesdienste. Als Hauptgottesdienst werden die um 9.30 Uhr stattfindende, als Neben­gottesdienste die Früh- und Abendgottesdienste ange­sehen. Die Durchschnittszahl der Besucher dieser Gottesdienste betrug 1370. Es wurden 165 Kinder­gottesdienste abgehalten, die eine durchschnittliche Zahl von 402 Kindern aufwiesen. Am Reforma­tionstage fanden in der Stadt- und Johanneskirche Jugendgottesdienste mit 2500 Teilnehmern statt. Die Anstaltspfarrei veranstaltete 519 Gottesdienste und Andachten mit insgesamt 21 310 Besuchern. Insge­samt 5484 Gemeindeglieder nahmen an der Feier des Heiligen Abendmahls teil.

Kirchlich getraut wurden 304 Paare; es entfielen davon auf die Matthäusgemeinde 51, die Markusgemeinde 75, die Lukasgemeinde 70, die Johannisgemeinde 53, die Lutherqemeinde 20, die Petrusgemeinde 18, die Militärgemeinde 12, die Anstaltspfarrei 5 Paare.

904 Kinder wurden getauft, aus der Mat­thäusgemeinde 83, der Markusgemeinde 75, der Lu­kasgemeinde 66, der Johannesgemeinde 57, der Luthergemeinde 48, der Petrusgemeinde 112, der Militärgemeinde 14, der Anstaltspfarrei 449 Kinder.

Zwei Preisanwärter der Berliner Hundeausstellung, die im Rahmen derGrünen Wo che" veran­staltet wurde: Besonders schöne Exemplare unga- rischerHirtenhunde mit ihrer kleinen Herrin.

Konfirmiert wurden 501 Kinder, aus der Matthäusgemeinde 107, der Markusgemeinde 118, der Lukasgemeinde 107, der Johannesgemeinde 63, der Luthergemeinde 58, der Petrusgemeinde 47 Kinder, aus der Militärgemeinde 1 Kind.

Die Zahl der kirchlich zu Grabe Gebrachten sowie kirchlich Eingeäscherten betrug 793, davon aus der Matthäusgemeinde 53, der Markusgemeinde 49, der Lukasgemeinde 54, der Johannesgemeinde 42, dec Luthergemeinde 20, der Petrusgemeinde 11, der An­staltspfarrei 53, der Militärgemeinde 2.

Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Gud.

Die Pfundsammlung in der Ortsgruppe Gießen-Süd wird am Dienstag, 5. Februar, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Haus­frauen werden gebeten, die Pakete bereitzustellen und auf den Umhüllungen Gewicht und Inhalt zu verzeichnen, da für jede Spende eine Quittung er­teilt wird.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die ;it Zahlung genommenen Kohlengutscheine am

Dienstag, 5. Februar, zwischen 15 und 18 Uhr, auf unserem Geschäftszimmer, Crednerstraße 24, ein­zureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen.

RGB., Dieken-Nord.

Amt für Volkswohlfahrt.

Die nächste Pfundsammlung wird cm» Mittwoch, 6. Februar, von vormittags 9 Uhr ab durchgeführt.

Wir bitten die Spender, die Spenden rechtzeitig bereitzuhalten und Inhalt sowie Gewicht durch Auf­schrift auf die Verpackung kenntlich zu machen. Er­wünscht ist, daß diesmal möglichst andere Waren als Hülsenfrüchte zur Verfügung gestellt werden.

NSV., Ortsgrupve Gießen-Ost.

Ortsgruppe GießenOst.

Am Montag, 4. Februar und Dienstag, 5. Febr* findet die Pfundsammlung durch die NS. - Frauenschaft statt. Die Spender wollen die Päckchen bereithalten und den Inhalt nach außen sichtbar angeben.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine bis

Gin Leopard aus dem Aaubzug.

Von Inh Bronsart von Schellendorf

Diese Schilderung ist dem bei Max Möh- ring, Leipzig, erschienenen BuchAfrikanische Tierwelt" entnommen.

Auf einer saftig grünen Fläche, deren Gräser tau­sendfach mit blitzenden Tautropfen bedeckt sind, steht ein Rudel der zierlichen Jmpalla-Antilopen, lauter Böcke.

Die meisten stehen noch mit nah zusammengestell­ten Läufen und gekrümmtem Rücken; es ist iynen noch etwas naßkalt; einiige lecken sich, und zwei starke Böcke stehen auf verschiedenen Seiten etwas abseits; das Grunzen des Leoparden hat sie vorsich­tig gemacht: er ist ihr größter Feind.

Alarittlaut: Fauchendes Schnauben der zierlichen Jmpalla der Schwarzfersen-Antilopen wie eine leise Kopie des fauchenden Schnaubens eines Nas­horns klingt es. Das ganze Rudel vereinigt sich und steht mitten in der Lichtung; die Tiere werfen ihr Gehör hin und her und sichern nach allen Seiten.

Da zieht ein prachtvoller Leopard, vom Walde kommend, etwa hundert Meter von den Jmpallas, über einen offenen Sand platz der Lichtung; auf dem Sandplatz bleibt er stehen, stößt seine ärgerlich und bösartig klingenden Grunzlauteuohu, uohu, uohu", mit erhobenem Kopf aus, blickt zu den Jmpallas hinüber, setzt sich, faucht leise mit hochgezogenen Lippen und Barthaaren:Ihr habt mich gesehen, jetzt kriege ich euch nicht, aber wartet nur!" Dann steht er auf, macht einen Buckel, reckt und dehnt sich, und zieht scheinbar unbekümmert um die Jmpallas, weiter durch das Gras der nächsten Gebüschinsel zu

Die Jmpallas prusten und schnauben noch mehrere Male und beginnen zu äsen, sie bummeln immer noch sichernd und zierlich-vorsichtig einige hundert Meter an der Gebüschinsel, in der der Leopard ver­schwunden ist, vorbei und ziehen dann der offenen Steppe zu.

Der Leopard hat indessen seinen Plan gemacht: im Gebüsch ist er auf einen knorrigen Baum ge­klettert und hat die Jmpallas beobachtet; er hat ihre Ziehrichtung gesehen, ist vom Baum herabgeglitten, hat einen großen Bogen unter dem Wind gemacht und liegt schon längst, ehe die Jmpallas an dem Gebüschkomplex vorbei sind, in ihrer ungefähren Richtung hinter einem Termitenhügel, seitwärts des Morgenwindes; er hat sich hart an den Hügel an- geschmiegt und ist so hoch gekrochen, daß er durch Grasbüschel hindurch, welche oben wachsen, die sich nähernden Jmpallas beobachten kann.

Er ist ein alter Schlaumeier und weiß jeden Wild­wechsel und bevorzugten Sandplatz in seinem Re­vier; hier in dem rotenSand vor dem Termitenhügel ist der Boden von Antilopen zerscharrt; sie losen sich oam an InLchen Bläken unh mäüen sich im Sand.

Und so kommen die ahnungslosen, schönen Tiere, welche die Gefahr vorbei glauben, denn auch genau auf den Termitenhügel zu, voran zwei schwache, noch junge Böcke mit kleinem Gehörn; die älteren Böcke ganz hinten äugen immer noch mißtrauisch von Zeit zu Zeit rückwärts nach dem Gestrüpp, in dem sie den Leoparden vermuten, und glauben, so für die Sicherheit ihres Rudels gesorgt zu haben.

Als die beiden jungen Böcke den Sandplatz er­reicht haben, stellen sie sich gegenseitig und führen ein spielerisches Scheingefecht mit ihren Gehörnen aU5. _ Der Leopard ist rückwärts herabgeglitten, ein wenig seitwärts hinter einen niedrigen Vor­sprung des Hügels gekrochen, und, während die bei­den Böcke spielen, sitzt er wie der Blitz dem ihm nächsten im Nacken; ein blökender Schmerzensschrei, ruckartiqes Brummen des Leoparden, etwas Staub, kurzes Zappeln dann ist der Bock verendet. Der Leopard tötet sicher und schnell.

In hohen Sprüngen, federnd, ist das Rudel der offenen Steppe zu entflohen, wo das große Herden­wild stutzt und die Ursache der Flucht der Jmpallas herauszufinden sucht. Ein Rudel Zebras, das im Begriff war, dem Waldstreifen zuzuziehen, halt und ändert den Plan; es scheint den Zebras dort nicht geheuer, und sie ziehen ostwärts einem anderen Walde zu.

Der Leopard hat inzwischen die Eingeweide her­ausgerissen, erst die Leber, dann die anderen-Teile verzehrt, und frißt sich nun in die Brusthöhle hin­ein, soweit es geht; dabei arbeitet er so sauber, daß kaum ein Tropfen Blut an ihm zu entdecken ist.

Als er so um zehn Uhr vormittags satt ist, und es ihm zu heiß wird, schleppt er die Reste des jungen Bockes mit Leichtigkeit nach dem Gebüsch, von wo er das Rudel beobachtete, und auf einem Nashorn­wechsel bis an den knorrigen Baum. Dann legt er zunächst den Kopf des Bockes über einen niederen Ast, so daß er mit dem Hals hinunterhangt; alsdann nimmt er die Rute (Schwanzquafte) zwischen die Zähne und richtet sich in seiner ganzen Hohe auf, um de Hinterschenkel über einen höheren Ast zu legen, dies gelingt ihm auch nach mehreren vergeblichen Versuchen. r, . .

Jetzt sucht er sich mit vielem Geschick und der ganzen idealen Geschmeidigkeit einer Katze, Stutz- und Haltpunkte im oeräfteten Baum, und erreicht es nach und nach, seine Beute etwa acht Meter über dem Erdboden in dem Geäste des Baumes so unter­zubringen, daß Kopf und Hals nach unten hangen. Auch hat er nicht vergessen, den Bock gut zu oer= stecken. Denn dichte Laubäste verdecken ihn nach oben, und Aasgeier und Marabus können ihn schwer entdecken. Nachdem nun alles zu feiner Zufrieden­heit ist, klettert er hinab und legt sich unter den Wind an einem seiner versteckten Wechsel ,o hin, daß er stets den Wind vom Fleisch des Bockes in

der Nase hat, aber bei Gefahr sofort sicher ent­weichen kann.

Löwen und Hyänen find seine Todfeinde; ihret­wegen legt er das Fleisch in den Baum. Denn sie können auf der Fährte, wo er den Bock geschleift hat, leicht folgen.

Um die Mittagszeit finden sich zahlreiche Vertreter des Großwildes in der Savanne ein, um die heißen Tagesstunden im Schatten zu verbringen. Ein Ru­del von etwa zwanzig Elen-Antilopen stellte sich bei unserem Leoparden ein: sie kamen auf drei bis vier Meter bei ihm vorbei im Gestrüpp. Eine Kuh, die ein sehr kleines Kalb bei sich hatte, nahm ihn wahr, obwohl er regungslos und unter dem Wind lag, und ging mit gesenkten Hörnern auf ihn los. Mit kurzem Grunzlaut wurde er ins dichte Gestrüpp flüchtig. Jetzt, da Wild hier im Gestrüpp stand, brauchte er nicht so wachsam zu sein, und beschloß, sich auf den Baum neben das Fleisch zu legen; aber er hatte heute Pech Als er auf den Nashornwechsel kam, der unter dem Baum vorbeiführte, wurde er von einem schnaubenden Nashorn gejagt und legte sich schließ­lich, mißmutig, im dichten Unterholz nieder. Das Nashorn stellte sich unter dem 'Baum ein, und als der Himmel sich bezog, ging es auf die Lichtung und tat sich zum Schlaf nieder. So blieb die Situation bis gegen Abend. Nur der Leopard konnte, da ein so vorzüglicher Posten in der Nähe feiner Beute war, die Zeit benutzen, zum Fluß zur Tränke zu gehen: denn er weiß, daß das Nashorn bis gegen Abend da bleibt und sich nicht von einem Löwen, geschweige denn einer Hyäne verjagen läßt.

Das tat er denn auch, und als er um fünf Uhr nachmittaas wiederkam, lag das Nashorn noch auf derselben Stelle, abef die Elen-Antilopen waren ab­gezogen.

Bald erhob sich auch das Nashorn und trottete träge davon; die Abendsonne fand den Leoparden bei' der Mahlzeit auf dem Baum, und allerhand Großwild kam und ging, darunter etwa sechzig Giraffen, die auf Wanderung waren und für die Nacht der offenen Steppe zustrebten.

Bald hatte die Nacht ihren düsteren Schleier über das reiche Tierleben gedeckt...

Der Hungermarsch der Veteranen" im Frankfurter Schauspielhaus.

Im Frankfurter Schauspielhaus ging zum ersten Male das SchauspielD e r H u nge r m a r s ch d e r Veteranen" von Friedrich B e t h g e in Szene. Das Stück, das in der Zeit des napoleonischen Feld­zuges nach Rußland spielt, gibt ein drastisches Bild vom Schicksal der kriegsbeschädigten Veteranen jenes denkwürdigen Feldzuges, die nun, nachdem sie dem Vaterlande ihre Gesundheit geopfert haben, um­sonst auf ihre Versorgung warten und sich deshalb

zusammentun, um einen Hungermarsch anzutreten. Die zerlumpten und verhungerten Gestalten dec Veteranen scharen sich izm ihren Hauptmann Kopei- kin, einen alten ehrlichen Soldaten, der es auch z« verhindern weiß, daß aus ehrlichen Soldaten schließ­lich unehrliche Räuber werden. Und wenn er auch am Ende verdächtigt und erschlagen wird, was scha- det's: er hat die alte Soldatentreue mit seinem Tode besiegelt. Robert Taube gab den Hauptmann mit viel Realistik und ohne jede Uebertreibung, wirksam unterstützt von den Darstellern der Veteranenführer. Auch die übrigen Rollen waren güt besetzt, insbe­sondere die des Generalgouverneurs mit Ernst Satt- ler und die des Ministers Nikolai Smerkow mit Franz Schneider Das voll besetzte Haus ver­folgte den Gang der Handlung mit lebhaftem Inter­esse, denn auch aus der Gegenwart erinnert man sich an ähnliche, wenn auch nicht ganz so krasse Bei­spiele, wie etwa an den Hungermarsch der amerika­nischen Veteranen nach Washington und an die De­monstrationen der Schwerkriegsbeschädigten in Pa­ris, denen man die Renten gekürzt hatte. Der Bei­fall war stürmisch; die Darsteller und der Autor mußten sich immer wieder zeigen.

Ein tyrreiches Fußballspiel.

Während sonst immer die Schotten dazu herhalten : müssen, durch ihren ihnen nachgesagten Geiz die i Lachmuskeln der Menschen in Tätigkeit zu setzen, : sind es dieses Mal die Iren, die ein Fußballspiel zustande gebracht haben, von dem man in Irland noch lange mit lachender Miene sprechen wird. In einem kleinen irischen Städtchen gab es zwei Gast­häuser,den blauen Hund" unddie weiße Gans". Nach diesen Namen benannten sich auch die Stamm­gäste der beiden Lokale. Nach langer reiflicher Überlegung kamen sie eines Tages überein, ein Fußballspiel auszutragen. Beide Wirte waren von der Idee begeistert und stifteten für jedes Tor ein Fäßchen Ale. Unter Beteiligung des ganzen Städt­chens ging das Spiel vor sich und der Eifer dec blauen Hunde wie auch der der weißen Ganzer ließ nichts zu wünschen übrig. Die nicht mehr jungen und auch nicht mehr schlanken Männer schossen Tore, daß es nur so knallte. Mit Entsetzen sahen das bie Wirte und baten schon nach der ersten halben Stunde flehentlich den Schiedsrichter, dem Spiel ein Ende zu machen, denn es stand 25:23. Es haben bann zwei Wochen hinburch Dauersitzungen der flotten Fußballer in den beiden Gasthöfen statt- gefunden, in denen bie 48 Fäßchen Ale ihrer Be- ftimmung zugeführt wurden. Seitdem halten stets auswärtige Autos vor den beiden Gaststätten, di« Fremden lassen sich von den Stammgästen den Ver­lauf des Fußballspieles erzählen, und bie Wirt­haben eine neue Einnahmequelle.