Ausgabe 
4.1.1935
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

B.

gen das Christentum, ist nur zu natürlich. Aber die Leidenszeit vieler in Gefangenschaft schmachtenden Missionare hat neuen Zeugenmut erweckt, und chi­nesische Evangelisten erwiesen sich, gerade in der Leidensschule bewährt, als heldenhafte Bekenner Jesu Christi, wie z. B. jener Silas Wong, der nach furchtbarer Kerkerhaft unermüdlich eilt von Gemeinde zu Gemeinde und durch die Botschaft des Evangeliums als Erwecker seines Volkes wirkt. Bon Borneo wird ebenfalls berichtet, daß die vor drei Jahren entstandene Erweckungsbewegung einen gesegneten Fortgang nimmt. Ein Blick auf Kamerun unsere einstige Kolonie, deren Rück­gabe an Deutschland unbedingt erfolgen muß, zu­mal sie auch stürmisch gefordert wird von den eingeborenen Führern läßt das Werden einer lebendigen christlichen Kirche erkennen; freilich ist zu bedauern, daß diese Vorwärtsbewegung durch

Der Kaiser, gereizt mit dem Fuße stampfend, wandte sich: Er war allein. Ohne dessen innezuwer­den,. hatte er alle Offiziere des Gefolges weg­geschickt. Er blickte in die Dorfstraße hinab: sie war leer. Die Bewohner waren geflüchtet oder hatten sich in den Häusern verkrochen, und ein mißver­standener Befehl hatte die ganze Bedeckung des Kaisers ins Gefecht entführt. Unten vor der Kirchen­tür stand einsam, an einen Baum gebunden, Napo­leons Pferd. Heber den Platz vor der Kirche aber kam mit zögernden Schritten, mißtrauisch nach allen Seiten spähend, ein Mann.

Napoleon entsann sich, daß sein Blick vorhin in raschem Vorbei diesen Mann gestreift hatte, der vor dem Küsterhause stand und mit wilden Augen voll Haß und Bauerntrotz den Kaiser und sein Ge­folge betrachtete. Er mußte den Apfelschimmel des Kaisers wiedererkennen; mit einem scheuen Griff faßte er in die Mähne des Tieres und sah dann aufmerksam am Kirchturm empor. Napoleon schoß seine Pistole auf ihn ab aber der Schuß ging fehl, und der Lärm des Gefechts schlang den schwa­chen Knall des Schusses. Wütend warf er die Waffe fort. Dies war der Augenblick, da drüben Murats Reiter sich zur Flucht wandten, das planlos knat­ternde Abwehrfeuer der französischen Infanterie zu beiden Seiten des Dorfes allmählich erstarb und den Kosaken die Dorfstraße offenstand.

Als der Kaiser sich der Turmtreppe zuwandte, erkannte er, daß in diesen Minuten das Geschick der Welt im Kopfe des Dorfküsters von Eylau ent­schieden wurde. Wille, Macht, Herrschgier, Pläne Furcht der Völker, alle steil aufsteigende Maßlosig­keit und gewaltig schreitende Sicherheit seines schicksalformenden Daseins sie sanken zusammen und waren ein jämmerliches Nichts, wenn dieses Nichts da unten, der schwere, langsame Bauer, den Mut fand, die Kirchentür zu verschließen und den Kaiser der Franzosen wie eine Ratte in der Falle Zu fangen. Ueberwältigt von einem schneidenden Gefühl der Machtlosigkeit, geblendet vom jäh ihm zum Kopfe schießenden Blut, taumelte Napoleon einen Augenblick, ehe er die Treppe fand und pol­ternd die Stufen hinabtastete.

Der Küster, geduckt, hin- und hergeschüttelt von Furcht und Trieb zur Tat, ließ den entscheidenden Augenblick ungenutzt aus den Händen. Gleich dar­auf sah er, zurückweichend, aus der zur Seite ge­schleuderten Kirchentür den Kaiser treten. Er sah nicht einen kleinen, schon etwas beleibten Mann, im lässig geöffneten Mantel, unter dem ein grüner Rock und eine über rundlichem Leibe straff sich spannende weiße Hose sichtbar waren; er sah nicht den in der Hast schief aufgestülpten Dreispitz, die kleinen, vom Staube der Turmtreppe beschmutzten

Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd.

. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine am

Jreitag, 4. Januar, zwischen 15 und 18 Uhr, ' aus unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzu- ! reichen. Später eingereichte Gutscheine können nicht - mehr angenommen werden.

Gestundete Hypotheken.

Der deutsche Kapitalmarkt ist sicherlich noch nicht stark genug, um einer Belastung standhalten zu können, wie sie die Rückzahlung aller fälligen, bis­her gestundeten Hypotheken mit sich gebracht hätte. Ebenso gewiß ist aber auch, daß die meisten Hy­pothekenschuldner nicht in der Lage sind, ihre Schul­den zurückzuzahlen, wenn sie nicht die Möglichkeit haben, neue Hypotheken aufzunehmen. Unter die­sen Umständen hat sich die Reichsregierung, wie zu erwarten war, dazu entschlossen, die Rückzahlung der Hypotheken abermals um ein Jahr zu ver­längern. Nach der bisherigen Gesetzgebung durften Hypotheken an einem inländischen Grundstück bis zum 1. April 1935 nicht zurückgefordert werden. Nur in Ausnahmefällen konnte der Gläubiger beim Amtsgericht die vorzeitige Rückzahlung feiner Forderung, oder eines Teiles derselben beantragen. Nun ist durch ein neues Gesetz die Stundung der Hypotheken bis zum 1. Juli 1936 verlängert worden. Bis zu diesem Termin bleibt also die bisherige Regelung bestehen, nach der Hy­potheken nur in ganz besonderen Fällen durch Be­schluß des Amtsgerichts rückzahlbar gemacht wer­den können. Das Moratorium ist diesmal um 1V4 Jahre verlängert worden, um das Zusammenfallen der künftigen Rückzahlungstermine mit denen an­derer, ebenfalls gestundeter Forderungen zu ver­meiden.

Einer besonderen Behandlung unterliegen Auf­wertungsforderungen sowie solche Hypothekenforde­rungen, deren Zinssätze durch die Notverordnung vom Jahre 1931 gesenkt worden find. Nach dem sogenannten Aufwertungsschlußgesetz sollten die Aufwertungshypotheken nicht mehr über das Jahr 1934 hinaus gestundet werden. Durch das neue Ge­setz ist trotzdem aus den oben erwähnten Gründen die Rückzahlungsfrist für die Aufwertungshypo­theken nochmals bis zum Ende des Jahres 1936 verlängert worden. Von der Fristverlängerung aus­geschlossen sind nur solche Aufwertungshypotheken, d-e bereits vor dem 31. Dezember 1934 rückzahlbar waren, oder von denen schon mehr als zwei Drittel der ursprünglichen Forderung zurückgezahlt sind, bzw. die zurzeit den Betrag von 300 Mark nicht wehr erreichen. Die zinsgesenkten Hypothekenforde­rungen endlich sind ebenfalls bis zum Ende des Jahres 1935, in besonderen Fällen sogar bis zum Ende des Jahres 1936, weiter gestundet worden.

Durch die Auseinanderlegung der Ablauftermine der Stundungen für die verschiedenen Gruppen von Hypothekenforderungen auf den 1. Juli 1936, den 31. Dezember 1935 und den 31. Dezember 1936 wird die künftige Abwicklung der gestundeten Hypo­theken wesentlich erleichtert. Man darf daher wohl damit rechnen, daß das jetzt angeordnete Hypo­thekenmoratorium das letzte feiner Art fein wird. Die fortschreitende Gesundung des deutschen Kavi- talmarkts wird hoffentlich im Jahre 1936 die ^Be­endigung der Moratorien ermöglichen.

Oer Spihenrosettenverkauf für das WHW. im Kreise Gießen. Die Bevölkerung unseres Kreises und der Stadt Gießen hat bei der jüngsten Winterhilfesammlung erneut ihre stetige Opferbereitschaft bewiesen. Der Spitzenrosettenverkauf erbrachte in Stadt und Kreis Gießen den Gesamtbetrag von rund 5000 Mark. In Gießen wurden 2350 Mark aufgebracht. Der Er- trag der Sammlung liegt um etwa 1000 Mk. höher als der Ertrag der vorausgegangenen Sammlung. Von 30 000 zur Verfügung gestellten Rosetten wur­den 25 000 verkauft.

Vornoiizen.

Tageskalender für Freitag: Stadt­theater von 20 bis 22.15 Uhr:Christa, ich erwarte dich". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Ich tanze

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Fritz G i e s e ck e, Extraordinarius für Agrikulturchemie an der Universität Göttin­gen, ist zum ordentlichen Professor in der Land» Wirtschaftlich-Tierärztlichen Fakultät der Universität Berlin ernannt worden.

Der Küster von preußisch-Eylau.

Eine Anekdote von Karl Lerbs

Als der erste Napoleon herrisch und kalt, dennoch brennend im Feuer eines ungeheuerlichen Willens, mit schnellen Schlägen die durch Ueberlieferung geheiligte Form Mitteleuropas in Trümmer hieb, Erfolge rücksichtslos nutzend, aus Mißerfolgen un­glaubhaft schnell sich wieder aufrichtend, legte eine Laune der Fügung einmal das Geschick der Welt für wenige Minuten in die Hände eines für uns Heutige namenlosen Mannes, des Dorfküsters von Eylau.

Es war das am Tage vor jener seltsamen Schlacht bei Pr-ußisch-Eylau, die den Russen unter Bennigsen verlorenzugehen drohte und dann durch das recht­zeitige Eingreifen des preußischen Generals Leftocq in eine Remispartie verwandelt wurde. Die Fran­zosen hatten die schwache Besatzung des Dorfes übermannt und standen nun jenseits des Ortes mit den Russen im Kampf. Der Kaiser, der dies Gefecht nur als Vorpoftengeplänkel ansah, ritt mit seinem Gefolge und kleiner Bedeckung in das Dorf und bestieg den Kirchturm, um dort oben den Plan für die Schlacht des kommenden Tages zu entwerfen. Er stand, nachdem er sich auf der Karte orientiert hatte, stumm, unempfindlich gegen die Kälte, die rechte Hand nach feiner Gewohnheit zwischen zwei Brustknöpfe des Rockes gehakt, mit der Linken zu­weilen den Feldstecher handhabend, und überblickte mit kurzen Wendungen des Kopfes das Gelände, dessen Bild sich sogleich unverwischbar in sein stets empfangsbereites Gedächtnis grub; der Blick feiner kalten blauen Augen unter gefurchten Brauen war dem Gegenwärtigen entrückt und suchte das Kom­mende planmäßig berechnend zu erfassen. Indessen seine Vorstellungskraft auf dem weiten Schneefeld wie auf einem Schachbrett das kommende Ent­scheidungsspiel entwarf, hatte er das belanglose Spiel der Vorhuten eine kurze Weile vergessen bis er plötzlich bemerkte, daß die Russen im Vor­dringen waren. Aergerlich über die Störung, mit ein paar rasch über die Schulter geworfenen Be­fehlsworten, entsandte er einige Offiziere seines Gefolges als Ordonnanzen und bemerkte bald dar­auf, daß der Einsatz der letzten noch im Dorfe stehenden französischen Infanterie und das Ein­greifen der Reitertruppen Murats das Gefecht wiederherstellten. Die zähe Angriffslust der Russen macht indessen alsbald die Entsendung weiterer Ordonnanzen erforderlich; bald waren die Franzosen durch einen geschickten Flankenangriff von Kosaken und Kürassieren in Gefahr, vo, Dorfe abgedrängt zu werden

Jupp

Jupp hat neulich zum Heimabend einen Soldaten­kopf mitgebracht. Wie eine weiße Totenmaske mit einem Stahlhelm darauf, so sieht das Ding aus. Wortlos hat er ein langes Stück schwarzen Tuches an die Wand des kleinen niedrigen Heimes ge­spannt und den toten Soldaten dort befestigt. Dar­unter brennen zwei Wachskerzen. Vor jedem Heim­abend zündet Jupp sie an.

Ich habe Jupp gefragt:Von wem habt Ihr den Kopf?" Da hat er knapp geantwortet:Den hab ich selbst gemacht." Und als ob er darin nichts besonderes gesehen haben wollte, fügte er trocken hinzu: ... aus Gips".

Die Jungen verehren ihren Jupp.

Kann auch gar nicht anders sein. Wenn er da­sitzt mitten in ihrem geschlossenen Kreise, wenn die Lichter auf dem Kerzenhalter ihr flackerndes Licht über die Gesichter sprühen, alles auf ihn hört, und er zu sprechen beginnt, ruhig, abwägend; kurz: Das ist ein Bild!

Manchmal lieft er den Jungen etwas vor. Er macht es ihnen nicht leicht. Er nimmt keinen Karl May oder sonst einen spannenden Schmöker, wo viel geschossen, ermordet und erdolcht wird. Ich kam einmal hinzu, da las er Gorch Focks Nordsee­geschichten. Wie herbe, fräftige*<5eeluft lag es in dem kleinen Raum, und schwere Schiffergestalten schienen zwischen den vier Wänden umherzugehen; man glaubte, die Segel an den Seinen nieder­rauschen zu hören. Das kann Jupp alles hervor­zaubern, wenn er vorliest.Den Karl May, Frank

So wie hier in den Erzählungen, so steht die Großmutter auch in unseren Bauernhäusern im Mittelpunkt des Geschehens. Wenn sie dann im höchsten Alter auf den Sessel beim Ofen gebannt ist, ober gar wachen- oder monatelang siech im Bett liegen muß, so lebt sie, damit die Jungen ihre Dankbarkeit und Liebe erzeigen können. ~

Allan und Genossen könnt ihr zu Hause genug lesen, aber so etwas Triftiges, das gehört auf den Heimabend."

Wenn er ins Heim kommt, fragen sie mit Er- Wartung in den Blicken:Jupp, was erzählst du heute?" Neulich hat er den kleinen Schemel, den sie in einer Ecke stehen haben, in die Mitte gerückt, hat schwarzrotes Tuch darübergelegt, den alten selbstgeschnitzten Kerzenständer daraus gestellt, und unter den Wachslichtern marschierte eine ganze Gruppe bunter Soldateska aus dem Dreißigjähri­gen Krieg mit flatternden Fahnen und Feldobristen zu Pferde einher aus Zinn.Wir hören heute etwas vom Dreißigjährigen Kriege", sagte Jupp bedeutungsvoll, und fünfzehn Jungen drehten sich voller Erwartung ihm zu.

Jupp kennt auch keinen Dienstschluß. Er ist immer im Dienst. In seiner Freizeit steht er mit der Säge in der Hand und tischlert. Zwei oder drei Jungen helfen ihm immer. Als sie das Heim bekamen, war es ein muffiger Keller, aus dessen Mauern der Kalk rieselte. Jetzt haben sie die Wände unten mit Holz verschalt, oben gestrichen. Von der Decke hängt ein selbstgeschnitzter, dreiarmigerKronleuchter" herab, saubere Gardinen sind vor den Fenstern. Bilder machen den Raum warm und freundlich. Das ist alles das Werk Jupps und feiner Jungen. Unb möglich ist es nur gewesen, weil... ja, weil Jupp immer im Dienst ist.

.Es gibt auch Heimabenbe, bie gehen nach bem Dienstschluß noch weiter. Die Kleinen schickt Jupp bannber besorgten Eltern wegen" nach Hause. Die anberen bleiben zusammen. Jupp holt ein Buch aus ber Tasche, läßt jebe große Einleitung fort unb beginnt zu lesen. Er las einmal aus Balbur von SchirachsFahne ber Verfolgten", wie ich es noch nie vorher gehört hatte. Wir, bie wir an jenem Abend dabei waren, nahmen es als ein Vermächtnis mit in die kommenden Zeiten.

Das ist Jupp. Ich wollte eigentlich von ganz anderem sprechen. Jupp wird sagen, ich hätte über­haut schweigen sollen. Es wird schon viel zu viel erzählt auf der Welt. Man sollte nur handeln, ein­fach handeln. Das ist nun auch wieder Jupp. Und er hat recht!

Hände, das vom beginnenden Leberleiden gelblich gefärbte Gesicht; er sah nur zwei von einem un­geheuren Willen geweitete blaue Augen, deren Blick mit feiner furchtbaren Kälte ihn lähmte und seine Glieder zu Eis gefror. So ließ er es geschehen, daß der Kaiser ihm den Züael entriß und sich aufs Pferd schwang, und daß die Hufe des im Schmerz des Sporenstichs bäumenden Tieres ihn mit kotigem Schnee überschütteten. Reglos starrte er dem Kaiser nad) und hatte wenige Minuten darauf gerade noch Zeit, zur Seite zu springen, um nicht von den her­anpreschenden Kosaken überritten zu werden.

Am Tage darauf, als die Franzosen Eylau zu­rückerobert und verwüstet hatten, war der Mann, der ein paar Herzschläge lang das Schicksal der Welt in Händen hielt, nur noch ein vernichteter, jämmerlicher Mensch, der vor den schwelenden Trümmern seines kleinen Wohlstandes die in ohn­mächtiger Wut verkrampften Fäuste schüttelte.

1 Arbeitern der hierzu erforderliche Urlaub ohne An­rechnung auf den Erholungsurlaub und unter Fort­zahlung der Bezüge zu gewähren ist.

Aufruf au die Arbeitgeber von Hessen und Hessen-Nassau!

Nur noch wenige Tage trennen uns von der Abstimmung im Saargebiet. Die Abstimmungs- berechtigten im Reiche rüsten schon zur Fahrt auch in Hessen unb Hessen-Nassau, wo mehrere 1000 Abstimmungberechtigte wohnen. Niemanb will Zu­rückbleiben. Arbeitslose, Wohlfahrtsempfänger, Kranke, Gebrechliche, Wöchnerinnen, die ihrer Nie­derkunft entgegensehen, alte Leute über 80 Jahre: sie alle wollen am 13. Januar für die Freiheit der Saar ihre Stimme abgegeben. Sogar ein Kriegs­blinder aus Frankfurt a. M., der für fein Vater­land fein Augenlicht hergegeben hat, will auch am 13. Januar nicht fehlen, um feine Stimme für fein deutsches Vaterland abzugeben.

Bei soviel Dpferfinn, auf den wir Saarländer stolz sind, darf ich auch an die Arbeitgeber von Hessen und Hessen-Nassau die herz­liche Bitte richten, ihren abftimmupgsbered)tigten Arbeitern und Angestellten die Tage, die sie zur Abstimmung im Saargebiet weilen, nicht auf den Erholungsurlaub anzurechnen unb ihnen ben Lohn für die Tage ro e i t e r 3 u = zahlen.

Die Arbeitgeber von Hessen und Hessen-Nassau sind stets vorbildlich gewesen, wenn es sich darum handelte, soziale und vaterländische Ta­ten zu beweisen. Ich weiß daher, daß sie auch jetzt nicht versagen werden.

Hugo A n s ch ü tz, Postamtmann.

Landesgruppenleiter des Bundes der Saar­vereine in Hessen und Hessen-Nassau.

Fastnachtsveranstaltungen äml2.u.l3.3onuortn Hessen verboten Der Hessische Staatsminister Jung ordnet soeben an, daß mit Rücksicht auf die Saarabstimmung am 12. und 13. Januar Fastnachtsveranstaltungen in Hessen zu unterbleiben haben.

NSBDT. (früher KOAZ).

1. DieDeutsche Angestelltenschaft" in der DAF. lädt die Mitglieder des NSBDT. zu einem Licht­bildervortrag von Herrn Stadtbaurat Gravert am Samstag, 5. Januar, um 20.30 Uhr, im Kunst­wissenschaftlichen Institut ein. Das Thema lautet: Die Entwicklung der hessischen Stadt". Der Besuch des interessanten Vortrages wird bestens empfohlen. Unkostenbeitrag wird nicht erhoben.

2. Die Beiträge für ben NSBDT. finb zunächst wie bisher weiterzuzahlen. Die Neuglieberung ber beutschen Technik wirb vor 1. April 1935 nicht er­folgen. Bis bahin änbert sich roeber an ber Mit- gliedschaft, noch an den Beiträgen etwas. Die Mit­glieder des NSBDT. werden rechtzeitig unterrichtet.

innerer Zufriedenheit schuf. Seine Großmutter war es, die ihm fein Leben gestaltete. Sie hat in ihrem ganzen Leben nur ein Buch gelesen, die Heilige Schrift, aus ber sie ganze Kapitel auswenbig konnte.

Der Schweizer Gotthelf, ber beste Bauernfchilberer, hat ber Großmutter sogar ein ganzes Buch gewid- met,Käti, bie Großmutter". Käti erzählt ihrem Enkel bie Jesusgefchichte, von ber Geburt bes Christ- kinbleins in Bethlehem, von ber Anbetung der Hirten, dem Chor der himmlischen Heerscharen, den Weisen aus dem Morgenlande und der Flucht nach Aegypten, und wie bann ber grausame König Hero- bes alle Knäblein unter zwei Jahren habe töten lassen, bas Jesuskind aber wohlgeborgen in Aegyp­ten weilte. So hort es der kleine Johannes und ist von heiligem Zorn ergriffen und meint, wenn er schon dagewesen wäre, hätte er dem bösen König den Kopf abgeschlagen und den kleinen Heiland zum König gemacht.

ImVierten Gebot" von Anzengruber wird als Folge schlechter Erziehung ber Zusammenbruch zweier Familien geschilbert. Die Großmutter ber einen Familie gibt sich bie größte Mühe, bas böse Beispiel ber Eltern roieber gutzumachen. Alle Er­mahnungen an ihre Kinber blieben erfolglos. Mit den Worten:Hört nicht auf bie Alte!" treiben sie ihr Wiberspiel. Als bie Großmutter bie Erfolglosig­keit ihres Tuns einsieht, packt sie ihre Sachen und geht aus dem Hause fort. Beim Weggehen sagt der noch nicht schulpflichtige kleine Philipp zur Mutter: Ich weiß nicht, ob's gut ist, daß die Großmutter von uns fortgeht."

den Mangel an missionarischen Kräften eine Hem­mung erfährt. Auf der G 0 l d k ü st e, wo eine blü­hende selbständige heidenchristliche Kirche mit über 60 000 Seelen besteht, ist bie Sage gekennzeichnet durch bas Wort einer maßgeblichen Persönlichkeit von bort:Die Seele Afrikas hungert nach Christus unb sie sucht eine neue Heimat in ber Kirche Christi.", ferner burch bie Tatsache eines gerabezu verzweifelten Kampfes ber Chriftengemeinben gegen verweltlichenben Geist, ber von Europa kommt.

Mission in Not, Mission im Kampf! Möge barum ihr Ruf an Epiphanias uns Heimat­christen bereit finben zur Hilfe im Gebet unb im Opfer! Unb laßt uns glauben unb bekennen:Die Sach ist dein, Herr Jesu. Christ, die Sach, an ber wir stehn, unb weil es betne Sache ist, kann sie nicht untergehn!"

Oie Großmutter auf dem Lande.

Wir kennen sie alle, die nimmermüde, immer­tätige, fürforgenbe Oma. Wenn sie hier unb ba auch Großi genannt wirb, so brückt sich barin ihr ganzes Wesen aus ein Herz voller Liebe. Gar nicht mehr hört man sieEller" nennen, eine Bezeich­nung, bie noch vor zwei Geschlechtern gang unb gäbe war. Noch mehr als früher brauchen wir heute in unseren Bauernhäusern bie Großmutter. Von ihr sagt ein Sprichwort:Eine gute Großmutter ist wie ein Zaun ums Haus." Ein Zaun hält bas Frembe ab unb auch bas Böse, bas nicht ins Haus gehört, unb schützt bas Umhegte unb hält es fest zusammen. Die Großmutter ist es, bie in ber Dämmerftunbe ben Kleinen unb Kleinsten bie immer schöne Geschichte vom Christkinblein erzählt, die die Phantasie der Enkelkinder anregt, die uns heillosen Respekt vor demBuz" einflößte und in uns ben Haß gegen ben bösen Wolf weckte. Bei ihr haben bie Brüber Grimm gelauscht unb bie herrlichen beutschen Märchen ausgeschrieben. Ihr Arbeitsfelb ist vornehmlich bas Haus. Sie macht den täglichen Küchenzettel, sie führt unermüdlich ben Strickstock unb, wenn sie nach ber letzten abenblichen Küchenarbeit bie sauberen Tassen unb Teller im Schranke aufgestellt hat, wirb ihr gern von ben übrigen Familienmitgliebernein Viertelstünbchen" gegönnt. Schlafen tut sie ba nicht, sieboaft" nur, bemerkt sie bann lächelnb beim Wiebererwachen. Nur Sonntags genießt sie geistige Speise. Nach bem Kirchgang, sofern er ihr nicht burch ein körperliches Gebrechen unmöglich gemacht wirb ober Glatteis unb schlechtes Wetter sie bavon abhalten, lieft sie im Buche ber Bücher ober hat Starcks Gebetbuch zur Hanb.

Wie gern erinnern wir Aelteren uns noch unserer Jugenbzeit, wenn bei düsterem Oel- oder Steinöl­licht das Spinnrad schnurrte und wir knieend davor­saßen, das Trittbrett bewegen halfen, am Leier­mann traten ober auch Wolle zausten. Unb welche Gebulb brachte bann bie Großmutter auf. Dutzenb- mal würben wir gewarnt, würbe uns gebroht, boch dabei blieb es auch, bie Elle, bie nebenbei auch Klopfbienfte" versah, blieb am Ofengelänber hängen unb trat nicht in Tätigkeit. Kam man burchfroren unb mit fingelnben Fingern heulenb von ber Schlittenbahn heim, bie Großmutter wußte Trost­worte unb streichelte unb blies bie Schmerzstellen. Wenn einmal ber Vater hanbgreiflich zu werben drohte, so suchte man an der Schürze derEller" Schutz unb fanb ihn.

Kein Wunber, baß unsere besten Bauernbichter das hohe Lied auf die Großmutter fingen. Wir alle haben in unserer Schulzeit bas GebichtDas Ge­witter" gelernt, wo es heißt:

Großmutter spricht:Morgen ift's Feiertag, Großmutter hat keinen Feiertag, sie kochet bas Mahl unb spinnet bas Kleid, das Leben ist Sorg' und viel Arbeit, wohl dem, der tat, was er sollt'!"

Adalbert Stifter, der auslandsdeutsche Wäldler- dichter aus dem böhmischen Grenzlande, schildert m seinemHeidedorf" einen Hütejungen, der sich : trotz großer Armut ein Leben voll Schönheit und i

Große Saarkundgebung am Sonntag, 6. Januar.

Am Sonntag, 6. Januar, findet im Berliner Sportpalast eine große Saarkundgebung statt. Vor­aussichtlich werden Reichsminister pg. h und Gauleker B ü r ck e l sprechen.

Die Kundgebung wird über alle deutschen Sen- der übertragen. Der Gemeiuschafksemp- sang findet für die Gießener Ortsgrup­pen im Saale des Cafe Leib statt.

Alle Volksgenossen sind zu diesem Gemeinschafts- empfang elngeladent Beginn 20 Uhr!

heil Hitler!

Schmelz, Kreispropagandaleiter.

Beurlaubung zur Saarabstimmung bei voller Gehaltszahlung.

Alle staatlichen Behörden, die Gemeinden, Ge­meindeverbände unb sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts werden vom Hessischen Staats­minister Jung angewiesen, daß für die am 13.Ja­nuar stattfindende Volksabstimmung im Saargebiet den stimmberechtigten Beamten, Angestellten und

Deutsche Arbeitsfront.

NS.-GemeinschastKraft durch Freude".

Der Gießener Konzertverein hat- uns Karten zu 0,50 RM. für das 2. Solistenkonzert Adelheid A r m = hold am 6. Januar, um 17 Uhr, in der Aula der Universität zur Verfügung gestellt. Die Karten sind auf unserer Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, Zim­mer 10, zu haben. »

Berufsgruppe der Techniker.

Am Samstag, 5. Januar, abends 8.30 Uhr, spricht im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstraße 34, Stadtbaurat Gravert überDie Entwicklung der hessischen Stadt". Zu diesem Vor­trag sind die Mitglieder des Reichsbundes Volkstum und Heimat, des Reichsbundes Deutscher Baumeister und des NS.-Bundes Deutscher Techniker herzlichst eingeladen.

Wintersportfahrt nach dem Schwarzwald fällt aus.

LPD. Die Wintersportfahrt vom 6. bis 13. Januar 1935 in den Schwarzwald (Kniebisgebiet) des Sport­amts der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude", Gau Hessen-Nassau, muß wegen schlechter Schneever­hältnisse ausfallen.