Ausgabe 
4.1.1935
 
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Keitag,4.MuaN935

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr.Z Zweiter Blatt

L°'^eud-!DaTn~n ja rS ben 3u9' mid) daraufhin als Bahn-An,chlußmann °mt°il°n

ließ! Denn ich wiege immerhin 190 Pfund oder laut Hungunsen-Tarif 50 000 Mandschukuo-Dollar! Nie gedacht, daß ich armes Würstchen hier so im Werte steigen würde!

Na also! Dann los!" Etwa vier Kilometer ist die Schützenlinie lang, je vier Schützen rechts und links der Bahn. Wundervolles, klares, schneefreies Win­terwetter, trotzdem ist das Gehen nicht leicht. Die spitzen, abgehauenen Kauliang-Stümpfe stechen wie Speere, steinhart gefrorene Ackerfurchen, weite Strecken von fast undurchdringlichem, übermanns­hohem Erlengebüsch, müssen durchschritten werden. ...so kommt man ins Schwitzen ... uff! Da! Pau! Pau! ... die ersten Schüsse. Auch links von der Bahn wird geknallt, und unwillkürlich denkt man an die Felddienstübungen vergangener Tage. Plötzlich ein schmaler Dschungelweg ... darauf zwei Chinesen! Verdammt ... was nun? Man kann doch nicht jetztso ganz einfach" den Leutchen ein Loch in den Bauch schießen? Die beiden Chinesen starren mich mit unbeweglichen Gesichtern an, die Hände kreuzweise in den weiten Aermel verschränkt. Sicher keine Räuber oder höchstens in ..Zivil" ... immerhin sehr beruhigend, daß gerade in diesem Augenblick ein zweiter Patrouillen-Pan- zerzug Richtung Charbin die Strecke passierte. Das Schützenfeuer wird lebhafter ... brrr! Unmittelbar vor mir steigt, wie ein Kolibri im Sonnenlicht schim­mernd, ein Fasan auf, ich jage ihm einen Schnapp­schuß mit der Kamera hinterher und macheWinke! Winke" Es gibt schon genug Fasanen auf den Speisekarten in Mandschukuo!

Mit Panzerzügen" das klingt ungemein krie- i gerifch, aber in Wirklichkeit war es nur halb so schlimm: Genau genommen hat an der Expedition nur e t n Panzerzug teilgenommen und was die Fasane n" anbetrifft, so handelt es sich hier nicht um einen mandschurischen Räuber-Stamm a la Hungusen oder um Genossenschaften wie die Ro t e n - S p e e r - B r ü d e r", sondern nur um Fasanen! Um schlichte, richtige Fasanen, jene appe­titlichen Vögel, öle so leicht zu essen und so schwer zu schießen sind.Mit Panzerzügen gegen die Fa­sanen" war nichts weiter als ein sonntäglicher Jagdausflug des Charbiner deutschen Jagd­vereins in die weitere Umgebung der Stadt, ein Ausflug, wie man ihn daheim alle Augenblicke zu veranstalten pflegt, allerdings mit dem einen Unterschied, daß man hier sozusagen auf die Be­gleitung eines Panzerzuges angewiesen ist. Und nur dieses Zanzerzuges wegen liefere ich noch dazu als Nicht-Jäger! diesen Jagd- und Strecken­rapport, well ich Halali! aus Erfahrung weiß, daßsolche und ähnliche Geschichten" von allen richtigen Jägern ganz besonders gern gelesen werden. Zu diesem Behufe gebe ich auch die aus­drückliche und feierliche Versicherung zuvor ab, daß ich nach richtiger Jägerart genau bei der Wahrheit bleiben, nichts erfinden, nichts hinzusetzen und nichts schießen werde, was wir in Wirklichkeit nicht geschossen haben.

Also: Treffpunkt der Jäger wegen des etwas lang geratenen samstäglichen Kegelabends waren nur achtAufrechte" erschienen 7 Uhr morgens am Hauptbahnhof Charbin. Wegzehrung: acht Fla­schen Wodka. Bewaffnung: ein Militärgewehr, sie­ben Pistolen. Jagdausrüstung: sieben Flinten und ein Photo-Apparat, fünf Hunde und ein langer Strick. Daran sollten die, sagen wir hundert Fa­sanen gebunden werden, die nach Hause zu bringen Ehrensache war. Ernsthaft gesprochen: hier in der Mandschurei laufen die Fasanen auf den Feldern herum wie bei uns die Spatzen, das Paar kostet in den Delikateßgefchäften fünfzig Pfennige und in derSaison" kann man sich vor Fasanen- braten nicht retten, weil dieser Vogel hier sozu­sagen die Rolle des Klippfisches in der Inflation

Vorbei an verstreuten Chinesengehöften, mit Ge- spenster-Schutzmauern, mit kleinen Altä­ren am Dorfrand und frei auf den Aeckern stehenden Särgen, geht das Treiben weiter. Stunde um Stunde! Fast mit einem Stein hätte man die in Massen aufsteigenden Fasanen totschmeißen kön­nen! Sonst kosteten ja diese appetitlichen, bis zu drei Kilo schweren Vögel in der Halbmillionenstadt

Mit panzerzügen gegen die Fasanen!

Ein sonntäglicher Zagdausflug im Räuberlande Mandschukuo.

Von Hans Tröbst.

Charbin nicht 25 Pfennig das Stück! Herrlich das Herumftromern in dieser freien, wilden, ungebunde­nen Natur! Stunde um Stunde vergeht, eine scharfe Biegung der Bahn und Erzandiandse, Sammel­punkt und Heimkehrstation der Expedition ist erreicht.

Wie dieRosse von Mars la Tours" finden sich zu zweien und dreien" die tapferen Jäger und Kulis ein, hundert Fafcmen find es zwar nicht ge- worden, aber immerhin: in einer deutschen Klein­stadt würde unsereMasse" bestimmt die Markt­preise gedrückt haben. Im Häuschen des Kosaken­offiziers, der hier als Hundezüchter und Berufs­jäger über den Glanz und Untergang des Zaren­reichs nachdenkt, findet das große I a g d f r ü h - stück statt. Der Samowar summt, die Wodka-Pullen kreisen, sichtbarlich biegen sich die Balken, und als im Westen fahlgelb die Sonne sinkt, wird in Sieger­laune der Weg zur Station angetreten. Maßloses Staunen der Chinesen; der Kommandant der Bahn­schutzwache kommt uns ganz entsetzt entgegenge­stürzt.Was? Habt ihr denn gar feine Angst vor den Hungusen?"Nee!" sagte trocken Mister Schulze in Firma Soja-Bohnen en gros,nicht soviel wie Ihr!" Hahahahaha!" der Herr Leutnant will sich ausschütten vor Lachen über die­sen kleinen Scherz und exerziert uns als Gegenbe- weis seine zwölf Krieger vor. Aufmärsche, Ehrenbe­zeugungen ... alles mit kindlicher Freude und un­ter Heiterkeit aller Beteiligten ausgeführt. Den Leu- scheint das Soldatenfpielen Spaß zu machen! Gleich darauf läuft der Panzerzug ein, mit 10 Minuten Abstand folgt der Schnellzug von Wladiwostok, und im Sturm' wird der große Speisewagen genom­men. Kaviar und Wodka die Riesenpor­tion zu 30 Pfennigen wird angefahren, und mit dem erhebenden Bewußtsein, wieder mal einen langweilen mandschurischen Sonntag angenehm er- : schlagen zu haben, geht es im Schutze des Pan- i zerzuges Halali! den heimischen Penaten ent« t gegen ....

wird geköpft und dann geht es los:Wissen Sie, als ich 33 Fasanen schoß ... Sie erinnern sich doch noch an die Sache mit dem Tiger? ... Da! Mensch, da draußen! Nun sehen Sie doch mal bloß! ... Tatsächlich! Keine zwanzig Meter vom Bahndamm entfernt, auf dem abgeernteten Kauliang-Feld ein Volk von 15 Fasanen und mehr! Selbst der Laie wundert sich, während die Fachmänner am liebsten gleich durch die Doppelfenster losgeballert hätten. Sogar die Hunde unter der Bank beginnen vor Jagdleidenschaft zu zittern und zu jaulen und miß­billigend blicken die Gelben mit steinernen Gesich­tern auf die lärmenden weißen Barbaren.

Schon nach zweistündiger Fahrt sind di/ Jagdgründe der 100 000 Fasanen er­reicht, auf der Station werden ein paar Kulis als Trägergedingt", ein ehemaliger Kofakenoffizier, der 'sich hier eine kleine Hundezucht angelegt hat, stößt als ortskundiger Führer zur Expedition und entwickelt den K r i e g s p l a n :Also, meine Herrn, ausschwärmen rechts und links der Bahnlinie, die inneren Flügel immeran der selben", Chinesen­dörfer umgehen, Augenverbindung halten und . auf die Hungusen Ächt geben!"Aber klar! sagt Mister Schulze, in Firma Soja-Bohnen en gros und heizt den Karabiner 98. Auch die an­dern sehen die Pistolen nach, und nur der Neuling in diesem Falle ich stellt die naheliegende Frage:Tja ... und woran erkennt man denn nun so einen Bahn-Banditen? Hier sieht doch ein Chinese wie ein anderer aus?"Daran, daß er zuerst auf einen schießt!"So! So! Und dann darf man also wiederfchießen?"Nee! Vorher müssen natürlich Sie schießen!"Hm! Und wenn man dabei nun so einen harmlosen chinesischen Bauern ankratzt?"Das ist natürlich Pech, aber nicht weiter tragisch. Kommt doch auch bei jeder Treibjagd zu Hause vor! Hier sind eben die Ver­hältnisse anders im Allgemeinen werden aber die Jäger in Ruhe gelassen. Denn die Banditen wissen genau, daß bei uns nicht viel zu holen ist. Außerdem rauben sie immer mit Vorliebe nur die dicken Leute, weildick" undreich" hier ohne Scherz! ein Begriff ist!"So! So!. . das ist ja recht erfreulich!" Kein Wunder, wenn ich

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heit betont werden, daß die Christenheit, wenn sie nicht Mission triebe, sich versündigen würde an dem klaren Auftrag Gottes. Nur der ist das Entschei- dende und Richtunggebende. Wer das nicht erken­nen kann und sich nicht beugen will unter diesen Gotteswillen, oder wer gar mit falschen und unsach­lichen Urteilen Sturm läuft wider die Mission, weil ihm die Vertiefung in ihren Grund, Zweck und Ziel fehlt, dem ist freilich nicht zu helfen. Unwandelbar bleibt das Wort bestehen:Gott will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen." Weil Gott es will, darum muß Mission sein: Verkündigung der Heilsbotschaft an alle Welt.

Die Basler Mission, die seit langer Zeit fest verbunden ist mit Hunderten von Gemeinden unseres Landes und für die am Landesmiffivnsfest alljährlich eine allgemeine Kirchenkollekte erhoben wird, bittet diesmal besonders eindringlich um Unterstützung ihres Werkes, das sie auf ihren fünf Arbeitsgebieten treibt. Trotz großer Schwierigkeiten ist es draußen überall vorwärts gegangen, und Gott hat reichlich gesegnet das Tun seiner Zeugen. In Indien durfte die Basler Mission unter Betei­ligung von Tausenden und Abertausenden eingebo­rener Christen den Tag feiern, an dem sie vor hundert Jahren dort ihre Arbeit begann. Es war ein feierlicher Augenblick, als in Calicut alle Gottesboten das heilige Gelöbnis ablegten, das Got­tesfeuer weiter zu tragen in ihrem Volk, und zu­gleich ihre Gemeinden verpflichteten und weihten zum Miffionsdienst an den eigenen Volksgenossen. Auch schritt erfreulich weiter die Arbeit der Liebe an den Millionen der Angehörigen der niederen Kasten und der Kastenlosen. Ein Erwachen für das Evangelium geht durch die indische Welt. Daß in China Mission und Kirche Schweres durchzumachen haben, infolge des Kampfes der Bolschewisten ge-

~ den die praktische Brauchbarkeit des Verfahrens be­reits bewiesen.Die Möglichkeit, charakteristische Ab­weichungen der Herztöne von der Norm jederzeit unabhängig von den Kranken zu Gehör zu bringen, ist nicht nur für Unterrichtszwecke von Bedeutung, sondern auch für die Kontrolle des Krankheitsver­laufes und zur objektiven Beurteilung der Behand­lungserfolge. Kann man doch nunmehr die Herztöne des Kranken in den verschiedenen Krankheitsstadien : festhalten und durch Reproduktion des Tonfilmes den früheren Hörbefund mit den gegenwärtigen Herztönen direkt vergleichen. Einschlägige Versuche > an dem Bad-Nauheimer Universitätsinstitut er« . gaben weiter, daß die Phvtvzelle zur Registrierung des Venenvustes und auch sonst in der Medizin wertvolle Dienst» zu leisten berufen ist."

Hannes Ems tarn wieder mit dem ersten Flocken- qemirbel. Als er kam, fand er Anneliese van de Lund nicht mehr allein im fiaufe. (Eine Verwandte con ihr war da. Beate hieß fte. In der Art war sie aanz das Gegenteil ihrer Verwandten: Ämdlich unbekümmert: alles, was sie tat schien sie ahne Ueberlegung zu tum Ihre Art, heb zu fern und zu lachen, war schön. .

Je mehr er mit Beate zusammenkam, um so mehr bekam er diesen unbändigen Wunsch: Jung zu sein! Auf jeden Fall jung fein und heben können... , ..e.

An einem Abend, als sie zu dreien bei Tische saßen und als er die beiden Frauen unauffällig beobachtete, mußte er es sich doch gestehen. Er liebte Beate... n

In seiner Angst, daß er nun zum Lumpen an Anneliese van de Lund werden könne, bat er diese Beate doch wegzuschicken Aber die Frau erwiderte ihm nur mit einem Lächeln:Beate bleibt hier. Dieses sonderbare Lächeln!

Er dachte bekümmert an den Tag, da er seine Koffer hier würde packen müssen.

B-at- fühlt-, daß Anneliese einmal zu Em- so gestanden haben müsse, wie sie I-tzt. Und da ta er ihr leid, daß sie den Unsrieden ms Haus ge- tragen. Bis dann ein Tag kam...

Als sich das herumsprach, daß Ems und Beate sich verlobt hatten, gab es verwunderte Gesichter. Mit einer gewissen barschen Griesgrämigkeit fragte man:Warum hat sie Ems dann ins Haus ge­nommen?" ,, .

Ja! Es war wirklich so, obwohl es manchen un­verständlich blieb. Denn man kann die Menschen zählen und unter tausend nicht zehn finden, die geben... .

Geben! Ohne an sich selbst zu denken...

Oer Tonfilm des Herzens.

Die auf vielen Gebieten der Technik gute Dienste leistende Photozelle, die Licht in elektrische Energie ummanteln kann und der man den Namenelektri­sches Auge" gegeben hat, wind jetzt auch mit gutem Erfolg in der Medizin verwendet. Am Balneologi- schen Universitätsinstitut in Bad-Nauheim hat Dr. B Co Hatz die Töne und Geräusche des mensch­lichen Herzschlages durch einen Kinofilm festgeha- ten. Die Herztöne wurden mit dem Mikrophon aus­genommen, dann verstärkt und mit Hil'e eines fog. Wellenschreibers (Oszillographen) auf einen Filrm streifen in Gestalt von Schattenkurven graphisch übertragen, wie in der Frankfurter Wochenschrift

Die Umschau" mitgeteilt wird. Bei der lautlichen Darstellung ter Herzschläge wird der laufende Film mit einem Lichtbüntel durchleuchtet, das dann aus eine Photozelle fällt, die mit einem Verstärker und Lautsprecher so verbunden wird, daß die Herztone in ihrem ursprünglichen Klangbild ganz naturgetreu zu hören sind, als ob man sie an der Brust des Menschen abhorchte. Klebt man die beiden Film- «ränder zusammen, so kann ter Herzton ilm beliebig oft abgespielt werden. Die von Dr. Collatz an einer Reihe von Kranken durchgeführten Aufnahmen ha-

Das Landesmisfionssest

Von Dekan Widmann, Schotten.

Oie tiefsten Bergwerke der Welt.

Bei den Bemühungen, immer tiefer ins Innere der Erde oorzustoßen, ist man am weitesten mit den Bohrlöchern gelangt, die auf der Suche nach Del angelegt wurden. Während lange Zeit das Bohrloch von Zcuchow II in Oberschlesien mit 2240 Meter das tiefste war, ist man seitdem in den Vereinigten Staaten viel weiter ins Erdinnere eingedrungen; bas tiefste Bohrloch befindet sich jetzt in Kaliformen und weist eine Tiefe von 3254 Meter auf. Bei der Anlage von Bergwerken ist man nicht so weit unter die Erdoberfläche vorgestoßen. Die tiefsten Berg­werke, die es heutzutage gibt, sind nach einer Mit­teilung von Joachim H. Schultze in der Geograph!- chen Wochenschrift die Goldminen am Witwaters- rand in Südafrika. Bisher wurde der Rekord von dem Turk-incline-Schacht der Village Leep-Grude gehalten, der 1931 bis zu 2500 Meter herabgefuhrt worden war. Seitdem aber ist man in dem Turf- Schacht der Robinson Deep Limited noch tiefer ge­langt. Die unterste Sohle erreichte dort im Oktober 1933 2554 Meter und dürfte jetzt wohl schon bis 2600 Meter geführt sein. Der Schacht ist nicht senk­recht angelegt, sondern besteht aus einer Verbin­dung von senkrechten mittonnlägigen" Schachten, die parallel mit der Lagerung des Goldriffs, in einem Winkel von 33 Grad nach Süden verlaufen. Das Arbeiten in solchen Tiefen ist nur dadurch mög­lich, baß die Temperatur dort nicht in demselben Maß mit der Zunahme der Erdtiefe steigt wie tn Deutschland. Aber die Hitze beträgt bei 2300 Meter boch immerhin schon 37,5 Grad Celsius, und m die­ser tropischen Temperatur können nur Schwarze arbeiten. Natürlich muß dabei für gute Ventilation gesorgt werden. Die Ventilationsanlage der Oovern- ment'Gold Mining Acres soll die größte ter Wett jein.

übernommen hat.

Jagdscheine find nicht nötig, weil es keine Schon­zeit gibt, außerdem: je größer die Zahl der f o z i a- I e n Elemente ist, die mit einer Knarre auf dem Rücken in derGegend" Herumlaufen, desto besser für die Sicherheit des Staates. Denn die Hungu­sen doch damit komme ich bereits auf den be­sagten Panzerzug zu sprechen! Natürlich hat der Staat Mandschukuo nicht uns acht Jägersmannern zu Liebe diesen Zug gestellt, sondern der paar üb­rigen Nichtjäger wegen, rund 800 Personen, die mit uns im Personenzug Nr. 414 am gleichen Morgen allgemeine Richtung foreani- s ch e Grenze zu fahren gedachten. Wir, wir haben diesen Panzerzug natürlich auf uns allein bezogen;Panzerzug" war übrigens ein Euphemis­mus, aber man sieht daran, was für ein ehrlicher Jäger ich bin: er bestand aus einer ungepanzerten Lokomotive, einem offenen, aber seitlich gepanzer­ten Güterwagen mit Schieß-Scharten und einem ungepanzerten Wohnwagen, von dem stolz eine grüne Flagge im Morgenwinde wehte. Die Besatzung: Chinesen, in dick mattierten, funkel­nagelneuen Üniformen mit mächtigen Pelzmützen auf den Köpfen... gutaussehende junge, kräftige Burschen, denen bis auf die militärische Ausbildung nichts zu fehlen schien. Natürlich wollte ich den Zug photographieren, aber meine Bedenken Spio­nage ist in Mandschukuo ein weites Feld wurde von der Besatzung selbst zerstreut. Kaum erblickten die Kerle die Kamera, als ich schon tm Triumphe zum Zuge geleitet wurde ... jeder wollte unbedingt in die Siegelmattscheibe blicken ... nein!

Gehet hin in alle Welt und predigt bas 1 Evangelium aller Kreatur."

Markus 16, Vers 15.

Das Landesmissionsfest, das nach altem Brauch in unsrer Landeskirche am kommenden Sonntag, 6. Januar, gefeiert wird und wiederum unsere Gemeinden aufruft zur Besinnung auf das große Reichsgotteswerk der Mission, fällt diesmal mit dem Epiphaniastag, dem altkirchlichen Fest der Er­scheinung Christi, zusammen.

Helle, göttliches Licht ist aufgegangen über der ganzen Welt und über allen Völkern, als jene Frohbotschaft erklang:Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids." Mission aber ist nichts anderes als das Hinaustragen dieses in der Erscheinung des Weltheilandes offenbar gewordenen Lichtes über­all dahin auf Erden, wo Millionen unerlöfter Men­schen noch sitzen in Finsternis und Schatten des Todes und wo aus gequälten und sehnenden Herzen an die Christenheit der Ruf erklingt:Komm her­über und hilf uns!" Darum i ft und bleibt Mission eine gewaltige Verantwor­tung und eine heilige Verpflichtung der christlichen Welt gegenüber der noch nicht ch r i st l i ch e n Welt. Das Hell Got­tes in Jesus Christus der Menschheit zu bringen ist ihre unverrückbare Ausgabe und treuer Gehor- am qeqen den Befehl des himmlischen Führers, der geboten hat:Gehet hin in alle Welt und pre­digt das Evangelium aller Kreatur!" Daran hilft kein Drehen und Deuteln, kein Kritteln und Rütteln, kein Abschwächen und Verkleinern der göttlich ge­botenen Pflicht. Und wenn es als Ziel der Kirche bezeichnet werden darf, der Königsherrschaft Jesu den Weg zu bereiten, so muß mit aller Bestimmt-

Ems malte. Da huschte Beate zu ihm ins Atelier. Sofort legte Ems den Pinsel weg. Und mit spitz' bübisch vorgeschobenen Lippen langte er zuruck und holte ein Bild: Es war ein Bild Beates. Beate war keine große Kunstsachverständige. Sie war schön gemalt, wenigstens genau. Der gute Kerl, dachte Beate. Der gute Kerl, was für Arbeit er sich wegen mir macht. Und sie schlang heb ihren Arm um seinen Hals.

Und wie es gekommen war? Nun, das hat nach­her wohl noch niemand gewußt. Aber sie küßten sich Mit zitternden Lippen. Küßten ihre Jugend und ihre Schönheit. Da stand Anneliese van de Lund im Türrahmen, lächelte ihnen aufmunternd zu und neigte in Zustimmung leicht den Kops.

Recht so, Kinder! So wollte ich es haben!

Hand zu hatten verstand. Langsam, in mühevoller Kleinarbeit, wuchs er so zu Anneliese van de Lund hinauf. Als sie da ihre hohen, inneren Werte er­kannte, da wäre es anders unnatürlich gewesen, daß sie sich beide nicht auch hätten lieben lernen. Ems von feiner Seite aus, mußte diese ernste und gereifte Frau wirklich erst heben lernen, denn Anneliese van de Lund lebte nicht von Augenblicks­gefühlen. Sie war sehr beherrscht in all dem, was aus ihrer Seele strömte. *

Als Hannes Ems so weit war, daß er die Frau lieben konnte, lachte draußen im Garten ein neuer Sommer in vielfältiger Buntheit aus Rosen und Tulpen und Nelken... Da saßen sie einmal beite sich gegenüber. Längst hatten sie das vertraute

Du" gefunden.Du wirst deine Ausbildung bei Professor Oldenburg vollenden", sagte die Frau. Ein Gefühl ungestümer Freude kam über Ems. Er wollte etwas sagen, fand aber keine Worte.Bis nächsten Sommer kannst du wieder hier fein!

Bei dir!" rief er da endlich begeistert aus. Sie lächelte. Aber es fchi-n ihr schwer zu fallen So sagte sie nur hastig:Du bist noch jung. Manchmal bist du wie ein Kind!" *

Vom Geben ist die Vede.

23cm Erich Klaila

Erst sollte es sein, als es Herbst werden wollte. 1 Dann aber war es geworden, als es schon Herbst war und der weite Garten aufgehört hatte zu buhen und zu blühen. Da Astern standen und Georginen. Und da schillernder Altweibersommer in kalter Sonne sich wand.

Da war es, daß das Haus Anneliese van de Lund sich rüstete zum Empfang eines seltsamen Gastes. Seltsam deswegen, weil der, welcher kam, in sehr ärmlicher, schlotternder Kleidung kam. Was doch so ganz und gar nicht zu dem ruhigen und vornehmen Ton des Hauses passen wollte Der Fremde, der jung und blaß war, schritt sehr lang­sam über breite Kieswege, zupfte an gelben und roten und braunen Blättern, die ihm die Straucher ^Dann^ stand^'er in der Diele und glaubte immer noch draußen zu fein. Derweil stand schon die Frau des Hauses vor ihm. Indem sie ihn lächelnd mutterte faate ihre Stimme, die warm und weich E1 S%rs ss s

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alles sehr hebevoll. Bis ^nnene, fremden kam, und sie sich bette freuten, dürfen.

Lande als Landsleute die Hand schul ^3rau beim Kommen Sie zu mir! hatte mm helfen!" Abschiede gesagt.Ich will Ihnen 9j. Dorl

Angenehm ist es nicht für emen Mann, sichln einer Frau helfen zu lassen. $ Anneliese"

nachgegeben. Und war sc»nachH ernsthafter gekommen. Und er malte borh fchaf^en All- fc T-TSKs k G.rX'S..w

K'SS?i, ««"S Wnrtaleichmaß der Frau tm Und

fein:ui Streben nahm ei M)*«s

Frau, die bas Geschehen um sich her 1° in

barin sehen! Im Hanbumbrehen stürmten die Krie­ger ihren Wagen, rissen die Gewehre heraus, pflanz­ten Seitengewehre auf und nahmen eine Haltung ein, als hätten sie ihren eigenen Zug eben richtig erobert". Nicht einmal Tigerjäger hätten eine stol­zere Photohaltung einnehmen können! Ein Pfiff der Maschine machte dem Idyll leider ein vorzeiti­ges Ende, der Panzerzug fetzte sich als Vorhut in Bewegung und wenn ihn die Hungusen nicht geschnappt haben, dann werden sie ihn b e ft i m m t das näch ste M a l erwischen. Denn mehr als dekora­tiven Beruhigungswert scheint mir dasZügle" nicht zu haben ...

Sturm auf den einlaufenden Persvnenzug; hier fehlte der Aufnahme-Operateur des deutschen Films Flüchtling e", der ja, wie erinnerlich, auch in diesem Charbin spielt! lieber- und untereinanter» weg geht es mit jaulenden Hunden in den Zug hin­ein, und im Augenblick sind die Abteile mit schwei­genden Japanern, spuckenden Chinesen und lär­menden Russen aller politischen Schattierungen ge­füllt. Alle Wohlgerüsche des Fernen Ostens sind hier vereint; gemischte Billet-Kommissiv- nen (Chinesen, Russen, Japaner) in Stärke von neun Mann kontrollierenlaufend" die Fahrkarten, wobei jeder Kontroll-Hintermann argwöhnisch auf seinen Vordermann aufpaßt. Wir Europäer müssen außerdem noch unsere Visitenkarte abgeben, die hier eine ArtPaß - Ersa tz" bildet. Endlich hat je­der ein Plätzchen erwischt, tu-hut! macht die Ma­schine, und langsam geht es hinter dem Panzerzug her ... ins Fafanengelände hinein.Na ... also! Dann wollen wir mal!" Die erste Wodka-Pulle