Nr.ZZl Zweiter Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhejjen)
Donnerstag, 3. Oktober 1935
Die Oktoberspende für das WmterWswerk.
(LPD.) Die Gauführung Heffen-Rasiau des Din- terhilfswerks gibt bekannt:
Von einzelnen Unternehmungen und Behörden ist nicht beachtet worden, dah die Winterhilfspenden In diesem Jahr bereits am 1. Oktober laufen. Es sind deshalb die üblichen 10 v. h. von der Einkommenssteuer nicht als Spende einbehalten worden.
Auf diese Spendenbeträge kann aber im Interesse der Bedürftigen nicht Verzicht geleistet werden. Zutreffendenfalls wird deshalb gebeten, die Spen- denbelräge für die Monate November und Dezember 1935 zum Ausgleich mit 15 v. h. anzusehen.
Ab 1. Januar 1936 wäre dann der Spendensah in seiner normalen höhe von 10 v. h. einzubehallen.
Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1935/36, Gauführung Hessen-Nassau.
Einzahlungen für das AZmter- hilfswerk 1935/36
sind auf das Konto 2938 bei der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschast, Filiale Giehen, oder deren Postscheckkonto Frankfurt a. 2H. 25 491 (mit dem Zusah „Für das 7VHW. 1935/36) zu tätigen.
HL. an die Front!
Oer Führer der EA -Gruppe Hessen, Gruppenführer Beckerle, an die HL.
Meine lieben jungen Kameraden! |
Wenn Ihr in diesen Tagen für den Eintritt in die Hitler-Jugend, für die Aufgaben und Ziele der Hitler-Jugend werbt, so könnt Ihr versichert sein, dah Ihr nicht allein fleht, sondern dah neben und mit Euch die gesamte SA. marschiert. Wir freuen uns immer, wenn wir Euch sehen, und verfolgen mit Liebe und Sorgen und heihen Wünschen Luern Vormarsch, denn in den Reihen der Hitler-Jugend marschiert ja die zukünftige S A.» die unser Werk später weiterlragen soll.
Hitler-Jugend, Jugend des Führers ist Euer Ehrenname. Damit ist schon gesagt, dah wir zusammengehören. Gern wollen wir auch in diesen Tagen Euch unterstützen und nach außen hin zeigen, dah wir bei Euch stehen dadurch, dah S A.- Männer unter ihren Sturmfahnen mit Euch marschieren, zum Zeichen des Z u s a m - menstehens im ehrenvollen, blutgetränkten Kampf vor der Machtübernahme, zum Zeichen des Zusammengehens in der Gegenwart und zum Zeichen des geschlossenen nationalsozia
listischen Erziehungswillens in der Zukunft.
Der Führer der Gruppe Hessen.
B e ck e r l e, Gruppenführer.
Werbe-Kundgebung
der Hitler-Jugend auf dem Brandplatz
Gestern zu abendlicher Stunde marschieren auf dem Brandplatz einige Gefolgschaften der Hitler- Jugend auf. In Fortsetzung der am Samstagabend begonnenen Werbeaktion sollten diesmal Sprech- chor und Singen von dem Wollen der HI. zeugen. Im offenen Viereck bauten sich die Gefolgschaften auf, feierlich wurde die mitgebrachte Flagge der Jugend am Mast vor dem Alten Schloß gehißt, Jungvolkpimpfe stießen in die Fanfaren, und dann folgten in raschem Wechsel einige der markigen Lieder und scharf akzentuierte Sprechchöre, die bei den erschienenen Volksgenossen viel Aufmerksamkeit fanden.
Im Mittelpunkt der Kundgebung stand eine kurze Ansprache des Gefolgschaftsführers Boß. Als am Samstagabend, so führte er u. a. aus, auf den höhen die Feuer entflammten, da wußten wir, dah
Jungvolkpimpfe mit ihren Fanfaren bei der Werbekundgebung der HI. — (Aufnahme: Photo-Pfafß)
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dies den Beginn der großen Werbeaktion bedeutete. Mit Freude sah die Gießener Jugend, als sie aus der hohen Warte stand, in das nächtliche Land, sah, wie überall im Banngebiet Feuer aufloderten, wie auch in den Bereichen der anderen Banne auj den höhen weit in der Ferne die Flammen entzündet wurden. Das war der Auftakt zu einer Aktion, in der die HI. ihr Wollen allen Volksgenossen zur Kenntnis bringt. Mit Motorrädern sind die Boten der Hitler-Jugend auf dem Großen Feldberg ge- wesen, um die Botschaft, den Befehl aus der Hand des Gebietsführers zu übernehmen. Die Hitler- Jugend weiß, daß der gegebene Befehl ausgeführt wird und zwar unter Einsatz aller Kraft. Wir wissen, daß es in der Gießener Jugend kaum mehr zu werben gibt, aber die Hitler-Jugend will auch nicht auf dem Stand von ehemals verharren. Es muß das Ziel erreicht werden, das wir uns steckten:
„Oer Schwur an die Zahne durch die Stimme des Blutes."
Das Sprechchor-Spiel der HI. am heutigen Donnerstagabend am Stadttheater.
Stählung des Körpers und des Geistes für die großen Aufgaben! Das Wort des Führers Adolf Hitler, das er auf dem Reichsparteitag der Jugend mit auf dem Weg gab: „Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder und hart wie K r u p p st a h 1, so s o l 1 t i h r J e i n", das haben wir uns gemerkt. Wir sind die Jugend des Führers, die seinen Namen trägt. Die Jugend ist stolz darauf. So ist jeder persönlich berufen, mitzuhelfen am Werk des Führers. Denjenigen aber, die heute noch nicht kommen können, die noch immer den Führer nicht bejahen wollen, auf diese wird verzichtet. Wer nicht in den Reihen der Hitler- Jugend Mitarbeiten will und nicht mit offenem, opferbereitem Herzen kommt, mag weiter auf den Bummel gehen, er soll aber aufpassen, dah er nicht allzu hart aus seiner frühen bürgerlichen Behäbigkeit herausgerissen wird. Es wird der Tag kommen, da der Führer zur Hitler-Jugend sagen kann: „So wie ihr seid, so sollt ihr bleiben!" Die Hitler-Jugend ist die einzige Jugend- Organisation in Deutschland und s i e wird es bleiben. Mit einem Bekenntnis zum Führer und dreifachem „Sieg-Heil!" schloß der Redner seine Ansprache.
Während dann am Fahnenmast die Flagge der Jugend sank, wurde das Lied „Vorwärts, vor- wärts" gesungen. Unter dem Gesang schneidiger Marschlieder rückten die Gefolgschaften ab.
Ettern und Freunde der Hitler -Zuaend!
Wie Ihr ja sicher schon vernommen ober gelesen habt, veranstaltet die Gefolgschaft 3/116 in Verbindung mit dem Fähnlein 4/116 am Donners» tag, 3. Oktober, 20.30 Uhr eine
Abendfeier am Sladttheater.
Elternabende, Abendfeiern und dergleichen veranstaltet die Hitler-Jugend nicht oft, sie tritt nur dann damit an die Öffentlichkeit, wenn es nötig ist, die Arbeit der Hitler-Jugend gegenüber Volk und Staat zu belegen. Aber sie sollen nicht allein die Arbeit belegen, sondern auch kundtun von dem großen, unbändigen Willen, der die Jugend des Führers beseelt. Und um Euch dies alles zu zeigen, bitten wir Euch, am Donnerstag zu uns zu kommen, und Ihr werdet Verständnis finden für die HI. und ihr Wirken. ________
Aus Oer Proviuzialhauptsiadt.
Reife Kastanien.
Nun malt der Herbst seine braunen Tupfen in das Laub der Bäume. Die Blätter werden braun und gelb, und bald wird sie der Wind herunterblasen. Die Lindenbäume sind schon ganz in Gold getaucht, und auf der Straße raschelt das dürre Laub. Aber trotzig und zäh halten die Kastanien ihre großen, dunkelgrünen Blätter fest. Nur wer ganz nahe herangeht, der sieht, dah auch hier die Arbeit des herbstes beginnt. Ihre Zeit ist abgelaufen. Zwischen den Blättern hängen bie stachligen Früchte. Fast alle sind noch geschlossen.
Ein Windstoß fährt plötzlich durch das Laub, und siehe da! es raschelt auf der Erde. Die ersten reifen Kastanien fallen herunter, knallen auf den harten Boden und platzen auf. Glänzende, dunkel- braune Früchte mit dem schönen weißen Fleck leuchten auf. Schon kommen die Buben gelaufen. Das ist etwas für sie. Reife Kastanien! Das gibt Spielzeug für Wochen. Sie sammeln emsig, füllen ihre Taschen und schauen bann zu den mächtigen Kastanien hinauf. Ueberall hängen ja noch Früchte.
Die Buben wollen aber den nächsten Windstoß nicht abwarten. Sie müssen schon jetzt recht viele Früchte haben. Wozu sind Steine da? Schon prasseln Holzstücke, Steine und Erdbrocken in den Baum, und Kastanien fallen herunter. Endlich find alle Taschen gefüllt.
Da sitzen dann die Buben auf der Treppe und beginnen ihr Spiel. Die glänzenden Früchte werden begutachtet, nach Größe und Schönheit eingeteilt. Schon holt der eine sein Taschenmesser heraus und fängt an, eine Kastanie auszuhöhlen. Ein kleines Loch hinein, ein Holzstäbchen, und nun sitzt sie als „Pfeife" im Mund des kleinen Buben. Von weitem sieht sie wirklich einer echten Pfeife täuschend ähnlich. Andere Buben machen sich Ketten aus den Kastanien, die sie den Mädchen „verkaufen", ober auch schenken.
Männchen, Tiere und allerlei Sachen kann man aus den Kastanien schnitzen. Zu Hause haben sie leere Zigarrenkistchen stehen, vielleicht dieselben Kistchen, in denen einst die Maikäfer saßen, darin werden nun die Kastanien gesammelt. Und wenn
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Hochschulnachrichten.
Und es ist eine Materie. Schon beginnt sie Kreise zu ziehen, schwillt an, wird wichtig, alsbald hängt sogar das Handelsministerium am Telephon, gleich ist die erste Konferenz anberaumt: lauter würdige und bedeutende Herren stehen umher, schwafeln durcheinander, und der Wiesinger ist als "Sachbearbeiter" Referent. So geht das also vor sich. Bloß weil die Möbelmänner auf der Straße „hau — ruck!" geschrien und zugepackt haben. Es waren idyllische Zeiten. Wie das nun aber weiter geht, wollen wir lieber nicht erzählen: es genügt uns, die allgemeine Richtung gewiesen und die kommenden Theaterbesucher ein bißchen neugierig gemacht zu haben, was es mit dem geheimnisvollen Schlachtruf zur Arbeitsbeschaffung eigentlich auf sich habe. Nun muß jeder selbst zusehen, was daraus wird.
Von den amtlichen Verpflichtungen wurden wegen Erreichung der Altersgrenze entbunden die ordentlichen Professoren Dr. Heinrich von Mette n h e i m (Kinderheilkunde) an der Universität Frankfurt, D. Johannes Mey e r (Praktische Theologie) an der Universität Göttingen, Dr N. O. Neumann (Hygiene) an der Universität Hamburg, Dr. Eduard Norden (Klassische Philologie) an der Universität Berlin.
Professor Dr. Carl I e s i n g h a u s in Düsseldorf wurde zum ordentlichen Professor m der Philosophischen Fakultät der Universität Wurzburg ernannt.
Professor Dr. Berthold Sagawe, Ordinarius für landwirtschaftliche Betriebslehre an der Universität Kiel, übernimmt ab 1. Oktober d. I. em Ordinariat in der Landwirtschaftlich-Tierärztlichen Fakultät der Universität Berlin.
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Das Publikum spendete erheitert Beifall.
Der Zeitgenosse Dr. Wiesinger, die Hauptperson im Stück, ist eine Paraderolle für Hans v Spal- t her hier Gelegenheit hatte, sich ausführlicher als tags zuvor, und wohl auch auf !°in°m eigent- lirhsn Äelde vorzustellen. Er nahm die Rolle (o ci*t wie sie gespielt werden muß, um sich nicht von vornherein totzulaufen, aber nicht ins Grotesk- ' . v : w,11 ninom ormne ornirnrtTii'n
fall ohnehin anhaftet. Ein gut angezogener, geistesgegenwärtiger und liebenswürdiger Herr, mit angenehmen Manieren und einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit des Auftretens, — das sehen die Leute immer gern, besonders wenn andere auf den Schwindel reinfallen und zwar ziemlich ver- dientermaßen. *
Vom neuen Personal waren ferner beschäftigt Aenne Markgraf in der Rolle der Blandine, elegante Bühnenerscheinung, mit versierter Konversation und ruhigem Uederblick über die Szene, und Cissie Henckel! als Stenotypistin, frisch und lustig drauflos spielend, übrigens, in einer kleinen Szene, nicht nur Temperament, sondern auch Gemüt verratend. v .
Herr Lüpke holte sich als trocken-pedantischer, entrüsteter und verstaubter Büromensch in Gehalts- klasse III einen Sonderapplaus auf offener Szene, Für Herrn Hub war der Generaldirektor mit seiner grotesken Vergeßlichkeit und zerstreuten Betrieb- sarnkeit gerade das Richtige. Auch die übrigen Vertreter des Handels- und Bankwesens — die Herren Neuhaus, Nieren, Schorn, Frickhoef- fer und Kühne — erschienen in ergötzlich variierten Typen, während Herr Geiger als Büro- faftotum und Herr Volck, auch ein Zeitgenosse, mit handfesteren Pointen aufwarteten.
Auf der Flucht vor dem Stinktier.
Zu der so biederen Familie der Dachse gehört der fast ganz Südamerika bewohnende Surilho, der in bezug aus gutes Benehmen offenkundig aus der Art geschlagen ist. In keinem Laboratorium der Welt kann man nämlich einen so furchtbaren Gestank erzeugen wie ihn das an und für sich ganz unscheinbare zierliche kleine Geschöpf hervorbringt. Wer seine Tücken und Eigenheiten nicht kennt, ahnt nicht, welche gefährliche Waffe der Surilho in seinen beiden Stinkdrüsen besitzt. Der Tiervater Brehm hat viele bezeichnende Geschichten über die Streiche dieses „Stänkers" erzählt. Der berühmte Naturforscher A u d u b o n hat selbst als Schuljunge mit den Stinkdrüsen Bekanntschaft gemacht. „Ich ging mit einigen Freunden langsam meinen Weg", schreibt er. „Da sahen wir em allerliebstes Tierchen, das gemütlich umherschlich, »stehen blieb und uns ansah, als warte es wie ein alter Freund, um uns Gesellschaft zu leisten. Das Ding sah aar zu unschuldig und verführerisch aus; es hielt feinen buschigen Schwanz hoch empor, als wolle es, daran gefaßt, in unseren Armen nach Hause getragen sein. Ich war ganz entzückt, griff voll Seligkeit zu — und patsch! schoß das Höllenvieh mir seinen Teufelssaft in die Nase, in Mund und Augen. Wie vom Donner gerührt, ließ ich das Ungeheuer fallen und nahm in Todesangst Reißaus." Hensel erzählt, daß einer seiner Diener ein Stinktier tötete, ohne es zu kennen; dabei wurden feine Wasserstiefel etwas bespritzt. Der Geruch haftete den Stiefeln noch wochenlang an, obgleich sie immer getragen und oft gewaschen wurden. Nach etwa vier Wochen besuchte der Mann eine Gesellschaft. Während der allgemeinen Unterhaltung schnüffelte einer der Anwesenden unter dem Tisch und teilte dem Hausherrn die unliebsame Entdeckung mit, es müsse ein Surilho unter den Dielen des Hauses seine Wohnung auf- geschlagen haben. Man beschloß, sofort die Jagd auf den gefährlichen Störenfried zu nehmen. Der Gast aber, der die Ursache der ganzen Unruhe war, verabschiedete sich schnell unter einem Vorwand. Ein nach Südamerika eingewanderter Deutscher, der noch nie ein Stinktier gesehen hatte, sah eines bei einem Ritt, hielt es für einen jungen Fuchs und stieg vom Pferde, es zu fangen. Das Tier lieh sich auch ruhig greifen, sobald er es aber auf- hob, spritzte es ihm den Inhalt feiner Stinkdrüfen auf die Brust und traf Hemd und Weste. Der Erschreckte ließ das furchtbare Tier fallen, warf sich aufs Pferd und jagte, wie von Dämonen gepeinigt, dahin, um den Gestank durch den Luftzug Er konnte es aber nicht aus»
Auf der Bühne entwickelt sich die lustspielhafte Begebenheit unter der Regie von Kurt L ü p k e viel selbstverständlicher, als man sie erzählen kann. Die Ausführung fand den leichten und Zwanglosen Ton der erforderlich ist, um aus den ersten Blick unmöglich scheinende Dinge unter die Leute zu bringen als ob alles normal und in bester Ordnung wäre So rollten die drei Akte munter mit ttüMaem Dialog, in unbeschwerter Heiterkeit dahin, zumal die meisten Besucher wohl erst auf dem Heimweg darüber nachgedacht haben ob nicht Mefes Stück doch eben auch verschiedene minder heitere Seiten aufweise.
ijaruiiat oer uniucijuui o c «. *«vuym, um ■ Dr Alexander v. Muralt, Dozent der Physio- etwas zu mildern.
logie an der Universität Heidelberg, ein gebo> halten, sondern riß sich wahrend des schnellsten rener Züricher, ist aus den Lehrstuhl der Phbsio- Reitens die Kleider vom Oberkörper und kam logie an der Universität Bern berufen worden, halbnackt nach Hanse.
Gießener Giadiiheaier.
Paul Vulpius und R. A. Roberts ‘ „Hau—ruck!"
Diese Geschichte, um es vorweg zu sagen, würde heute aus verschiedenen Gründen nicht mehr möglich fein, denn das Problem der Arbeitsbeschaffung, darum handelt es sich, wird heute auf andere und bessere Weise gelost. Es ist aber noch gar nicht jo lange her, da hätte dergleichen, wenn auch vielleicht nicht genau so in allen Einzelheiten und nicht mit allen Konsequenzen, passieren können. Unter diesen Voraussetzungen kann man sich die Sache, die ja allerdings einen sehr ernsten Kern hat, auch m Form eines unverbindlichen Lustspiels einmal an- fehen und sich daran ergötzen, wie das die Leute gestern abend im Theater getan haben.
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Das ist also die Geschichte von dem Mann, der sich die Arbeit geflaut hat, weisi er sonst kerne bekommen konnte; ein radikaler, überdies gewitzter und recht tüchtiger Selbstversorger; em Helles Köpfchen. Das geht so vor sich: der beschäftigungslose Zeitgenosse sieht eines Tages auf der Straße einen Umzug vor sich gehen, er sieht die Modelmanner die schwersten Stücke mit dem befeuernden Zuruf „Hau-ruck!" auf die Schulter schwingen und davonschleppen. Das gefällt ihm gut, dem Zeitgenossen, er zieht seinen Rock aus, sagt auch „$)au=ru . , packt zu, schleppt mit und bekommt zum Schluß eine Mark vom Trinkgeld geschenkt.
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Der Ruf „Hau-ruck!" hat Zauberkräfte, denkt sich der Mann, man muß ihn nur rrchtig anwenden, nämlich auf dem Gebiet, wo man fettft 3UJjau|e ist. Er geht also in em großes Bankhaus, wo em alter Bekannter von ihm als Hemer ©etretar angestellt ist, macht einen Schreibtisch frei, etzt sich hin und beginnt eine angeregte Tätigkeit. Wir möchten ja die Bank sehen, wo sich em wildfremder Herr plötzlich ohne Anstellungsvertrag, Personalbogen und übrigens auch ohne Gehalt an den ersten besten leeren Platz setzt und anfangt Briefe zu diktieren, als ob er schon, seit Jahren iw Bau wäre — aber wenn man sich erst mal mit der Lus spiel idee befreundet hat, dann ist es immerhin amufant zu betrachten, wie sich das anfpmnt und wie weitergeht. *
der Bank mehr als dunkel erinnern kann. Der Zeitgenosse Dr. Wiesinger hat diese Sache zufällig aus einem aufs Geratewohl aufgeschlagenen alten Briefordner herausgepickt und rüstig zu neuem Leben erweckt.
Hübsch ist auch, rnitanzujehen, wie der begabte Doktor sich in sein neues Ressort einführt — als alten Bekannten, dessen Existenz im Handumdrehen jedermann, vom Bürodiener über die Sekretärin bis zum Generaldirektor, geläufig und sogar willkommen ist. Kein Mensch weiß nämlich m der verzwickten „Angelegenheit" Bescheid, aber alle tun so, als ob sie es wüßten, und sind mächtig froh, daß sie einen da haben, der wirklich mit der Materie vertraut zu sein scheint.
Diktiert ol(o einen Brief und denkt, aus dem nun folgenden Briefwechsel wird.fch^n»^-twa- heü»'mi?der^diefer°B7ieNich befaßt, m g°r keine ünd lmmir mit einem etwas ernsthaften
öb« bo» nnad,benUid,en Unterton, ber ja dem Ein-


