merthmft, die noch lange in der Erinnerung der Mitglieder bleiben wird.
Was ein Erfinder beachten muß.
LPD. Die DAF. teilt mit: Vor einigen Taaen ging durch die hiesige Presse eine Notiz, aus der hervorgeht, daß sich die Deutsche Arbeitsfront der Erfinder annimmt. Wenn sich die Deutsche Arbeitsfront bereit erklärt, den Erfindern behilflich zu sein, so muß sie auf der anderen Seite verlangen, daß es sich um wirkliche Erfindungen handelt. Es brauchen natürlich keine welterschütternden Neukonstruktionen zu sein, sondern solche, die hieb- und stichfest sind. Damit eine ordnungsgemäße Erledigung von evtl. Patentanträgen erfolgen kann, ist es erforderlich, daß Zeichnungen und kurze Beschreibungen beigefügt werden. Das will nicht heißen, daß die Zeichnung bis ins Einzelne exakt ausgearbeitet sein muß. Durch die hohen Gebühren für die Anmeldung eines Patentes oder Gebrauchsmusters ist mancher Volksgenosse nicht in der Lage, seine Erfindung auszuwerten. Wir sind auch in diesem Falle bereit, uns dafür einzusetzen, daß gute Ideen Verwendung finden. Die Sozialabteilung der Deutschen Arbeitsfront wird m einem derartigen Falle mit Betriebsinhabern direkt verhandeln, so daß keine Gefahr besteht, daß dem Volksgenossen sein Geistesgut unrechtmäßig genommen wird.
Gießener Wochenmarktpreije.
* Gießen, 3. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkte kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing (grün), das Pfund 12 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 35, Tomaten 10 bis 18, Zwiebeln 10, Kürbis 6 bis 8, Pilze 30 bis 40, Kartoffeln 4 bis 4XA, der Zentner 3,70 bis 3 Mark, Frühäpfel 10 bis 45, Falläpfel 5 bis 8, Pfirsiche 45 bis 50, Brombeeren 40 bis 50, Preiselbeeren 45, Birnen 10 bis 35, Zwet- schen 12 bis 18, Mirabellen 25 bis 30, Renekloden 18 bis 25, junge Hähne 85 bis 90, Suppenhühner 70 bis 75, Tauben, das Stück 50 bis 60, Eier 11 bis 12, Blumenkohl 5 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 4 bis 25, Einmachgurken 1 bis 2, Endivien 5 bis 15, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 15 bis 25, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Pf.
Vornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: NSG. „Kraft durch Freude": 19 bis 21 Uhr Allgemeine Körperschule auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhof, straße: „Besuch am Abend".
*
** Eine Achtzigjährige. Am kommenden Donnerstag kann Frau Elise Hofmann, die Witwe des Metzgermeisters August Hofmann, Gießen, Dammstraße 25, in geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag begehen. Die Jubilarin ist seit dem Jahre 1877 treue Leserin des Gießener Anzeigers.
** Mi«tetiubiläum. Frau Elise Wal- brecht W w e. wohnte mit dem 1. September seit 25 Jahren im Hause von Herrn H. Reinschmidt, Horst-Wessel-Wall 51. Ein Zeichen guten Einvernehmens zwischen dem Hausbesitzer und der Mieterin.
** Brenn st offlieferungen f ü r städtische D i e n st st e l l e n. Das Städttsche Hoch- und Tiefbauamt gibt im heuttgen Anzeigenteil bekannt, daß die Brennstofflieferungen für die städtischen Dienststellen öffentlich vergeben werden. Auf die Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht.
** Sonntags - Rückfahrkarten zur Fr-an kfurt er Messe. Die diesjährige Frankfurter Herbstmesse, die in der Zeit vom 22. bis 25. September stattfindet, wird bedeutend besser beschickt sein, als im Vorjahre. Die Deutsche Reichsbahn gibt während dieser Zeit von allen Bahn-
Alte Soldaten im Luftschutz!
LPD. Der Reichsluftschutzbund, Landesgruppe Hessen-Rheinland-Süd, teilt mit: Alle ehemaligen Soldaten haben im Kriege das Flugzeug als eme gefährliche Angriffswaffe kennengelernt Seitdem sind 15 Jahre vergangen. Die Entwicklung hat nicht Halt gemacht. Die modernen Flugzeuge sind heute wesentlich leistungsfähiger als im Jahre 1918. Sie können weiter fliegen, in kürzerer Zeit hoher steigen und mehr Mengen an Bomben mit sich führen als früher. Regierungen und Volker smd deshalb zu ganz neuen und umfangreichen Adwehr- maßnahmen gezwungen, die eine ausgedehnte Er- ziehungsarbeit aller Schichten voraus,-tzen Das nationalsozialistische Deutschland hat drese Ausaabe mit Entschlossenheit angepackt und mit der Aus- klärung und Ausbildung der Bevölkerung den 1933 neugegründeten Reichsluftschutzbund betraut.
Jeder Frontsoldat, der schon im Weltkriege seine Erfahrungen mit dem Flugzeug hat machen können, muß mit besonderem Interesse
alle Arbeiten verfolgen, die der Sicherung von Blut und Gut des Volkes dienen, und er mutz sich mit den in den vergangenen Jahren gemachten Erfahrungen und Erkenntnissen vertraut machen, wenn er im Ernstfall seinen Wann stellen will; denn seit 1918 hat sich vieles geändert. Der Reichsluftschuhbund bedarf der Witarbeit der alten Soldaten, die am besten geeignet sind, die Volksgenossen über die möglichen Gefahren aufzuklären und den Willen zur Abwehr zu organisieren.
Als Luftschutzhauswart ober Brandwart, als Angehöriger der Hausfeuerwehr oder der Luftfchutz- aemeinschaft kann er sich um den Schutz seiner Mitbürger bemühen. Der Frontsoldat von ernst glaube nicht, daß er entbehrlich ist. Das Deutschland Adolf Hitlers braucht jeden aufrechten Deutschen.
50000 in den HJ.-ZeMagern.
Oer (Sauleiter und Gebietsführer potthoff im Zeltlager der Frankfurter HZ.
LPD. F r a n k f u r t a. M., 2. Sept. Beim Besuch des Vogelsberger Z e l t l a g e r s der Frankfurter HI. am Sonntag konnte Gebietsführer Potthoff dem Gauleiter melden, daß 50 000 Hitler- jungen und Jungvolkpimpfe bis jetzt ihre Freizeitinden 34 Zeltlagern der Hessen-Nassauischen HI. verbracht hatten und gesund, leuchtenden Auges und lachenden Herzens an ihre Arbeitsstätten und ins Elternhaus zurückgekehrt seien. Im Namen dieser 50 000 Jungen dankte der Gebietsführer dem Gauleiter für das Verständnis, das er der Durchführung dieser der nationalsozialistischen Arbeiterjugend so lebensnotwendigen Sache entgegengebracht habe. Die in den Lagern gelebte Kameradschaft werde in den Alltag, in den Beruf hineingetragen und bilde so Bausteine für
eine nationalsoz. Volkwerduna im Dritten Reich. Der Gauleiter, dem die Lagermannschaft eine frohe Kameradschaftsstunde bereitet hatte, gab seiner Freude über die Lebenshaltung der Jungen in den HJ.-Zelttagern Ausdruck und ermahnte sie, des Führers Namen in Ehren zu tragen. Mit einem frisch-frohen Lied dankten die Jungen.
Gebietsführer Potthoff hatte am frühen Morgen schon einer Tagung der Frankfurter ti^uuj)9 rer beigewohnt. Auf der sich anschließenden Besichtigung der Nürnberg-Fahrer wies der Gebietsführer mit besonderem Nachdruck auf die Verantwortung hin, die diese Mannschaft als Auslese der tausenden von Hitlerjunqen auf dem Reichsparteitag trage. Das Erlebnis dieser Tage gäbe ihnen Kraft für ihre weitere Arbeit.
Höfen im Umkreis von 100 Kilometer um Frankfurt, sowie von etwa 40 größeren, weiter entfernt liegenden Orten Sonntagsrückfahrkarten mit 3tägi- ger Geltungsdauer aus. Die Karten haben zur Rückfahrt nur Gültigkeit nach Abstempelung durch die Ausstellungsleitung.
** Verbilligte Bahnfahrten nach Köln. Vom Bahnhof Gießen wird uns mitgeteilt: Zu der in der Zeit vom 7. September bis 17. September in Köln stattfindenden Herbstmesse und Gastwirts- und Hotelfachmesse gibt die Reichsbahnverwaltung von allen Fahrkartenausgaben im Umkreise von 100 Kilometer um Köln und von Gießen, Wetzlar, Limburg, Montabaur, Siershahn und Frankfurt a. M. Sonntagsrückfahrkarten aus. Gültigkeit: Am 7,. 8. und 9. September. Hinfahrt: vom 7. September, 12 Uhr ab bis 9. September; Rückfahrt: 9. September 24 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). Am 14., 15., 16. und 17. September Hinfahrt: vom 14. September 0 Uhr bis 17. September 1935. Rückfahrt: vom 14. September 12 Uhr bis 17. September 24 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). Am 9.., 12. und 16. nach 12 Uhr und am 17. September sind die Sonntagskarten zur Rückfahrt nur gültig, wenn sie auf der Rückseite von der Messe- und Ausstellungsgesellschaft abgestempelt sind.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
H. Schn, in Holzheim. Wir empfehlen Ihnen, sich an das Zentralnachweisamt des Kriegsarchivs in Spandau zu wenden.
Handwerker besucht die Wirtschastsschau!
Ein Aufruf des Landeshandwerksmeisters.
LPD. Frankfurt a. M., 2. Sept. In einem Aufruf an die hessischen Handwerker fordert der Landeshandwerksmeister Hessen alle Handwerker auf, die Leistungsschau der „Rhein-Mainischen Wirtschaft" in Frankfurt am Main zu besuchen. Für jeden einzelnen Handwerker bietet diese umfassende Schau eine Fülle von Anregungen und Belehrungen und ist ein Ansporn für die weitere Aufbauarbeit auch des Handwerks im rhein-mainischen Gebiet. Durch Gesellschaftsfahrten, Sonntagskarten während her Ausstellung und verbilligten (Eintritt bei Gemeinschaftsbesuchen ist jedem einzelnen Handwerker die Teilnahme ermöglicht.
Drei schwere Verkehrsunfälle in Mainz
LPD. Mainz, 2. Sept. Ank Sonntag gegen 17 Uhr raste ein Kraftwagenfahrer vom Fischtor her durch die Rheinstraße in Richtung Straßenbrücke. Er nahm keine Rücksicht auf die Menschenmenge, die sich nach Schluß des Weinmarktes über die Rheinstraße bewegte und fuhr den Arbeiter Heinr. Knodt aus Mainz derart an, daß dieser durch die Luft gewirbelt wurde und lebensgefährlich verletzt wieder zu Boden fiel. Der Kraftfahrer, der bettunken war, ergriff die Flucht, konnte aber von einem anderen Autofahrer eingeholt und festgenommen werden. Er kam sofort in Untersuchungshaft. Der Schwerverletzte ist inzwischen im Krankenhaus gestorben.
Ein zweiter schwerer Unfall ereignete sich mittags
in Mainz-Weisenau. Als dort der Radfahrer Georg Stäb le in links in die Mönchsttaße einbiegen wollte wurde er von einem in gleicher Richtung fahrenden Personenkraftwagen angefahren, zu Boden geschleudert und ebenfalls> lebe ns ge fahr. l i ch v e r l e tz t. Er wurde m bedenklichem Zustande ins Mainzer Krankenhaus gebracht. An fememAuft kommen wird gezweifelt. Die Schulofrage ist noch nicht geklärt. £ ... .... , —
Am Sonntagabend ereignete sich schließlich am Ortseingang in Finthen ein Dritter schwerer Un» fall. Dort fuhr ein Motorradfahrer gegen einen ihm entgegenkommenden Lastkraftwagen. Er und sein Soziusfahrer wurden in schweröerIetz• tem Zustande dem Krankenhaus zugesuhrt.
Oberheffen.
50er-Feier in Lich.
Tage ernsten und frohen Heimalerlebens.
* Lich, 1. Septbr. Am Samstag und Sonntag hatten sich die Kameraden und Kameradinnen, die im Jahre 1885 in Li ch geboren, die gleichen Schuljahre unter gemeinsamen Lehrern im alten Rathause und in der Stiftsschule verbracht, gleiche Jugenderinnerungen durchlebt und an Pfingsten 1899 gemeinsam zur Konfirmation in der Marien- stiftskirche gelangt waren, in ihrer Vaterstadt zusammengefunden. Im Kreise der Altersgenossen weilten auch ehemalige Zöglinge des Frankfurter Waisenhauses, die mit den Lichern gemeinsam die Schule besuchten und konfirmiert wurden. Für sie war Lich, damals eine der größten Stationen des Frankfurter Waisenhauses, zur Kinder- und Jugend- Heimat geworden. Mit berechtigter Hoffnung auf einige traute Stunden im Freundeskreis waren in der Fremde lebende Licher aus allen Teilen der näheren und weiteren Heimat, aus Thüringen, dem Rheinland, von der holländischen Grenze, ja selbst aus Jugoslawien herbeigeeilt, und zusammen fünfzig Alterskameraden begingen eine schöne und würdige Wiedersehensfeier des Jahrgangs 18 8 5. Wer selbst nicht kommen konnte, sandte brieflich oder telegraphisch seinen Gruß, so auch die ehe- malige PrinzessinDorothea vonSolms- Hohensolms-Lich, jetzt Baronin v. Ledebur, Mitkonfirmandin von 1899, aus Hallein in Salzburg. Und Kartengrüße treuen Gedenkens gingen von den in der Heimat Feiernden gestern und heute hinaus in alle Teile des großen Vaterlandes an die Alterskameraden, die nicht in Lich anwesend sein konnten.
Viele Festteilnehmer sahen sich feit dem Konfir- mationstage — also nach 36 Jahren — zum ersten Male wieder und kannten sich fust kaum noch. Aber alle Schranken etwaiger zurückgehaltener Scheu bei der Begrüßung einer lange nicht gesehenen „Dame" oder eines „Herrn" — alter Jugendgenossen — fielen bei dem allumschlingenden Bande des altgewohnten „du". Das Händeschütteln, der Austausch alter Jugenderinnerungen, ausgelöst durch die immer wiederkehrende Frage: „W e i ß t d u n o ch ?", zeigte schon beim Empfang am Bahnhof eine Stimmung und eine Volksverbundenheit im schönsten und ebelften Sinn des Geistes unserer Zeit, die dann bis zur letzten Stunde der Wiedersehensfeier anhielt.
Alterskamerad Christian Insel, der Vorsitzende des vorbereitenden Ausschusses, eröffnete Samstagabend im Gasthaus „zum Löwen" die Feier mit Worten herzlicher Begrüßung und mit einem tiefempfundenen Gedenken an die verstorbenen und fürs Vaterland gefallenen Alterskameraden. Alterskame- rab Heinrich Oßwald (Bad-Nauheim) dankte in feiner Festansprache den Licher Altersgenossen, insbesondere Christian Insel, Heinrich Merle und Hermann Melcher, für die schöne Gestaltung der Feier, um' dann den tieferen Sinn des schönen Brauchs der Alterkameradschaftstteffen zu begründen. Dann wurde vom Redner die Erinnerung an die Schul- und Jugendkameradschaft wachgerufen, der ehemaligen Lehrer in Verehrung und Dankbarkeit gedacht und ausgeführt, wie Spiel und Arbeit engste Verbindung mit dem Heimatboden gebracht, und wie über und in allem Erinnern der
Z» jedem kommt einmal das GM.
ZRofnon von Ellen Kulm
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
10 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Ihre Freundin Maud Pennigton saß auf dem Diwan und rauchte eine Zigarette.
„Schon genug, Shirley", sagte sie, „die Männer mögen das nicht!"
„Ach was, die Männer mögen alles, was ich tue!" antwortete Shirley eitel.
„Na, wenn du so viel Glück hast, konntest du schon längst wieder verheiratet sein! Ich glaube, du bist schon drei Jahre verwitwet!"
„Fast vier Jahre, Maud! Aber diesmal will ich es doch klüger anfangen als mit dem hübschen Harry!"
Maud lachte.
„Du hast immer so gute Vorsätze, aber ich finde nicht, daß du sie auch einhältst. Dein Flirt mit dem Eintänzer m Wiesbaden..."
„Ach, sei doch still! Warum habe ich mir die kleine Freude nicht gönnen sollen? Es war dort ohnehin nichts zu holen, wo doch der dicke ältere Herr mit der Glatze und dem großen Brillantring sich nachher als ein simpler Fabrikdirektor aus einem sächsischen Städtchen entpuppte."
„Du, Shirley, der hätte dich aber wirklich geheiratet ..."
„Aber ich ihn nicht. Ich brauche doch einen wirklich reichen Mann. Einen, der mir den kostbaren Rahmen geben kann, den meine Schönheit braucht."
Maud lachte.
„Na, wenn man dich so reden hort, mochte man wirklich glauben, daß du dich für eine Schönheit hältst."
„Ich bin auch eine. Aber keine Wald- und Wiesenschönheit wie die kleine blonde Gesellschafterin der Klinkes, an der die gute Alte einen Narren gefressen hat."
„Du, das Mädel ist aber wirklich schön."
„Meinetwegen! Aber dumm ich sie. Nicht ein bißchen kokettieren kann sie. Die könnte noch zehnmal schöner sein, und ich nehm' ihr doch jeden Mann weg, den ich haben will."
„Zum Beispiel den Herrn von Gerling?"
Shirley drehte sich blitzschnell um. Sie suchte vergeblich ihr Erröten zu verbergen.
„Aber wie kommst du denn darauf, Maud?"
„Liebe Shirley, Hand aufs Herz, vor mir brauchst du dich doch nicht zu verstellen! Ist er dein Typ oder nicht?
Shirley vergaß ihre Vorsicht, die sie auch ihren sogenannten besten Freundinnen gegenüber sonst nicht außer acht ließ.
„Aber ist er nicht wirklich fabelhaft? Er ist der bestaussehende Mann, den ich in München getroffen habe. Nur schade ..."
„Nur schade, daß er in der Gesellschaft der Klinkes ist — was? Denn sonst könntest du auf den guten Johnie Jagd machen und nebenbei einen kleinen Flirt mit Herrn von Gerling riskieren..." Shirley lachte.
„Nun ja, meinetwegen! Habe ich nicht recht? Soll man das Leben nicht so nehmen, wie es ist? Ich wüßte schon alle schönen Seiten des Lebens auszukosten. Aber natürlich — es geht nicht. Ich mutz doch an meine Zukunft denken. Ich habe überall Schulden, und ich werde bald nickt mehr wissen, wovon ich die Hotelrechnung bezahlen soll; ich muß mich wirklich mit dem guten Johnie ein bißchen beeilen. — Was meinst du, wenn ich es einmal mit einem kleinen Trick versuche?"
„Ja, da müßtest du doch erst wissen, was du da anwenden sollst? Ohnmachtsanfälle, Wein- krämpfe, Telegramme mit erschütternden Nachrichten, ein verlorenes Perlenhalsband... du siehst, Shirley, ich kenne dein Programm auswendig!"
„Mein bisheriges, Maud! Aber was gilt die Wette? Wenn es notwendig ist, finde ich schon wieder was Neues! — Und jetzt komm in die Halle, eine Tasse Tee trinken. Vielleicht begegne ich Johnie unten."
„Schön! Aber dann wird es besser sein, du gehst allein, und ich mache erst mal einen Bummel durch die Stadt."
„Ja, Maud, du hast es gut! Du hast dein eigenes Vermögen und hast es nicht notwendig, dir auf so mühsame Weise einen Mann einzufangen."
„Dafür ist dein Leben amüsanter, Shirley!"
In einem glänzenden schwarzen Nachmittagskleid, das die weiße Haut und das kupferrote Haar der Amerikanerin besonders gut zur Geltung brachte, saß Shirley in einem weichen Klubfauteuil des Vestibüls und wartete.
Manchmal zuckt es nervös um ihren Mund. Sie hoffte heute, einen Schritt vorwärts zu kommen, und wußte, daß Johnie Klinke um diese Zeit das Hotel verließ, um in die Universität zu einem Vortrag zu gehen. War er am Ende schon fort, und sie wartete umsonst? Und sie hatte es sich so schön gedacht, ihn ein Stückchen zu begleiten und ihn vielleicht so weit zu bringen, daß er den Vortrag versäumte und mit ihr in ein Kaffeehaus ging. Aber sie war sogar bereit, mit ihm einen Spaziergang in den Englischen Garten zu unternehmen, wenn er es Vorschlägen würde. Sie wollte ihn doch einmal ein bißchen auf den Zahn fühlen.
Gerade als Shirleys Ungeduld den Höhepunkt erreicht hatte, betrat Monika die Halle. Sie setzte sich in eine Ecke unter einer Palme und zog eine Näharbeit aus der Tasche. Die Amerikanerin dachte nicht lange nacht. Sie konnte zwar Monika nicht leiden — instinktmäßig stieß sie Monikas reines Wesen ab —, aber vielleicht konnte man aus Monika etwas herausholen, was von Nutzen fein würde.
So schlängelte sie sich denn zu Monika hinüber.
„So allein?" fragte sie mit süßem Lächeln. „Sie gestatten doch, daß ich mich zu Ihnen setze? Ich bin heute auch allein."
Monika konnte nicht anders, als sie aufzufordern, Platz zu nehmen.
„Und wo haben Sie denn heute Frau Klinke gelassen?"
„Frau Klinke hat Migräne. Ich wäre gern bei ihr oben geblieben, aber sie schickte mich hinunter. Sie meinte, sie würde nun ein bißchen schlafen. Aber ich konnte natürlich nicht fort, denn es könnte doch fein, daß sie mich braucht."
• „Ach, und da haben Sie Ihren Verlobten allein gelassen?"
,',Wen?"
„Nun, ich dachte natürlich — ach, entschuldigen Sie, wenn ich mich irre —, daß Sie mit Herrn von Gerling verlobt sind?"
„Ich?" Monika lachte. „Aber was denken Sie denn, Frau Preston! Herr von Gerling kennen wir nur von dem Hotel her! Er ist ein guter Freund von mir geworden in dieser kurzen Zeit, das ist allerdings wahr."
„Nun, er ist ja auch ein bildschöner Mann. Er stellt diesen jungen Klinke sehr in Schatten."
Monika sah etwas verwirrt auf. Sie begriff wohl, daß die Amerikanerin eine Bosheit sagen wollte, aber sie verstand sie nicht recht.
„Wie meinen Sie das?"
Aber auch Shirley bereute ihre vorschnelle Zunge.
„Ich finde, daß dieser junge Herr Klinke so — so traurig wirkt. Und dann ist es doch unnatürlich, wenn ein fünf- ober sechsundzwanzigjähriger junger Mann, der so viel Geld hat, wie er sich nur wünscht, dauernd studiert."
„Aber Johnie Klinke ist riesig begabt. Er wird einmal ein bedeutender Kunsthistoriker werden. Ich finde das eigentlich sehr schön, wenn jemand so ein großes Ziel vor sich hat."
Monika wußte selbst nicht, warum; aber sie hatte das Gefühl, sie.müßte Johnie Klinke verteidigen. Dann errötete sie plötzlich. Hatte sie es nicht selbst noch vor kurzem lächerlich gefunden, daß ein junger Mann den Kopf dauernd in die Bücher sttckte,? daß er überhaupt nichts anderes zu kennen
War es nicht selbstverständlich, daß jemand, der
ihn nicht näher kannte, ihn etwas komisch fand? Sie hatte es ja auch getan.
Und doch sollte diese kleine, oberflächliche, geschminkte Puppe nicht über ihn lächeln.
Shirley rückte jetzt noch etwas näher heran.
„Ach, ereifern Sie sich doch nicht so, liebes Fräulein!" sagte sie gönnerhaft. „Es ist ja nur natürlich, daß Sie den Sohn Ihrer Herrin verteidigen. Aber tut es Ihnen denn nicht manchmal leib, daß die Wissenschaft in so einem jungen Menschen jede natürliche Regung ersttckt? Ich wette, er hat noch niemals bemerkt, was Sie für ein hübsches Mädchen sind."
Mit einer empörten Handbewegung schob Monika die Arbeit zur Seite.
„Wie kommen Sie darauf?" rief sie zornig. „Ich bin die Gesellschafterin seiner Mutter, und Johnie Klinke ist immer sehr gut zu mir; und es ist auch nicht wahr, daß die Wissenschaft fein Herz getötet hat. Wenn er jetzt keine Frau mehr an» anfieht, so hat es feinen guten Grund; er hat ein Mädchen von Herzen gern gehabt, und er hat ihren Verlust noch nicht überwunden."
Shirley lauschte überrascht. Ihr kluges Köpfchen witterte sofort die Chance.
Sie griff nach Monikas Hand und hielt sie fest.
„Wenn ich Sie gekränkt habe, so verzeihen Sie mir, bitte!" Ihre Stimme war jetzt weich und schmeichelnd. „Nein, das wollte ich nicht! Aber das von Johnie Klinke müssen Sie mir erzählen. Ich fjabe auch so Furchtbares durchgemacht in meinem Leben; ich kann es gut verstehen, wenn man sich vom Leben abwendet.
Etwas überrascht lauschte Monika. Und jetzt hatte Frau Preston sogar Tränen in den Augen.
„Ich glaube, Herr Klinke und ich haben ein ähnliches Schicksal. Jetzt verstehe ich auch, warum ich mich trotz seiner ablehnenden Haltung so zu ihm hingezogen fühlte. Und nun erzählen Sie mir doch, liebes Fräulein — Sie dürfen darauf vertrauen, daß es bei mir gut aufgehoben ist. Aber es ist Balsam auf meine eigenen Wunden, wenn ich davon höre, wie auch andere für ihre treue Liebe nur grausamen Undank ernteten."
Eigentlich tat es Monika nicht gern. Aber sie dachte, daß sie nun nicht mehr gut zurück könne. So erzählte sie in kurzen Worten, was ihr Frau Klinke erzählt hatte. Nur ihre eigene Aehnlichkeit mit diesem Mädchen hätte sie um keinen Preis erwähnt. —
Eine Viertelstunde später trennte sich Shirlen Preston sehr befriebiat von Monika. Sie lief auf ihre Zimmer, warf sich in einen seidenen Pyjama, ließ sich Tee bringen und legte sich dann auf den Divan. Und während sie eine schwere Zigarette nach der anderen rauchte, entwarf sie " ihren Schlachtplan.
(Fortsetzung folgt y


