Ausgabe 
3.9.1935
 
Einzelbild herunterladen

Die Lage in englischem Lichte.

London, 3. Sept. (DNB. Funkspruch.) lieber das Ergebnis der Zusammenkunft zwischen Eden und Laval wird in der Londoner Presse berich­tet, daß die Angelegenheit des abessi­nischen Oelgeschästes endgültig er­ledigt worden sei. Im wesentlichen hat sich die Besprechung, wie gemeldet wird, auf Edens Be­richt über die fehlgeschlagene Dreimächte- K o n f e r e nj in Paris und auf das in Genf zu befolgende Verfahren bezogen. Verschiedene Meldungen besagen, es werde zuversichtlich gehofft, daß Edens Bericht in Genf als gemeinsamer eng­lisch-französischer Bericht vorgelegt werden könne.

Der PariserTime s" - Korrespondent meldet, Eden habe vermutlich erklärt, daß

die britische Regierung zwar entschlossen sei, die Grundsätze der völkerbundssahung zu ver­teidigen, daß sie aber ebenso dringend wie Laval wünsche, eine ernste Gefährdung des europäischen Friedens wenn möglich zu ver­hindern.

In einigen Kreisen sei angeregt worden, Musso­lini ein neues Angebot zu machen, aber es sei nicht ersichtlich, wie dies geschehen könne, ohne über die Pariser Vorschläge hinauszugehen. Auf jeden Fall seien diese Vorschläge nicht zu­rückgezogen worden. Was die Haltung Frankreichs betreffe, so bestehe unzweifelhaft ein militärisches Einvernehmen mit Italien, aber dies ändere nichts an Lavals schwieriger Lage.

Falls Großbritannien eine Kollektivaktion be­antrage, werde Laval vielleicht darauf Hin­weisen, daß von ihm verlangt werde, ein gro­ßes Stück seines Verteidigungssystems zu zer- stören, und er werde fragen, was die Lücke ersehen solle. Wenn sich Großbritannien dann zur Verpflichtung bereit zeigen würde, bei der Erhaltung des Friedens in Europa überall zu helfen, würde eines der wichtigsten Hindernisse für Frankreichs Bereitschaft zur Erfüllung seiner Völkerbuudsverpflichtungen beseitigt sein. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß herriot in diesem Punkt mit Laval einer Meinung sei.

Der Pariser Berichterstatter desNews Chro- nicle" erklärt,von maßgebendster ©eite' zu hören, daß Laval nicht beabsichtige, den Anschein einer französisch - britischen Front gegen Italien zu erwecken. Unterredungen, die der Berichterstatter mit den Leitern der mäch­tigsten radikalen Partei gehabt habe, hätten erwie­sen, daß das abessinische Oelgeschäft eine sehr be­dauerliche psychologische Wirkung gehabt habe. Sie seien der Meinung, daß von Sühnemaßnahmen keine Rede mehr sein könne.

Oie Hintergründe der Politik Lavals.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Paris, 1. September 1935.

Paris entfaltete in der letzten Woche vor der Ratssitzung in Genf eine regediplomatischeTa g- keit. Der englische und der italienische Botschafter prachen immer wieder am Quai d'Orsay vor. L a - v a l vermittelte, beruhigte und suchte nach einer friedlichen Lösung. Aber die französische Oeftentlich- keit glaubt nicht mehr an eine Vermeidung des italienisch - abessinischen Krieges. Was wird Genf bringen? Allmählich steht man ein, daß der Streitfall zwischen Mussolini und dem Negus nicht rechtzeitig begrenzt, daß eine Tragweite zu spät erkannt worden st Man wirst nachträglich dem Ministerpräsidenten vor, er habe Mussolini übereilt freie Hand in Abessinien zugesagt, oder zu min­destens einer solchen Forderung des Duce nicht widersprochen. Man beschuldigt die Engländer einer vorzeitigen Stellungnahme zu den Absichten der Italiener, wodurch ein Nachgeben der römischen Regierung verhindert worden sei. Man kritisiert das ungestüme Vorgehen Mussolinis, der ohne eine Schlichtung ab­zuwarten seine Schwarzhemden nach Nord-Ost­afrika in Marsch gesetzt hat. Hätte man recht­zeitig mit Nachdruck den Italienern zu verstehen gegeben, daß ein bewaffnetes Vorgehen gegen ein Mitglied des Völkerbundes von den Großmächten nicht geduldet werden würde, wäre die Lage heute anders. Nun ist es zu spät, und die Einstel­lung der Beteiligten zu dem italienisch-abessinischen Problem ist zu verschieden, als daß der Lauf der Genfer Maschine im voraus so geregelt werden kann, daß sie mit Sicherheit nicht stehen bleibt.

Italien kann aus inner p oli tischen Gründen nicht mehr zurück. Zu lange hat Mussolini der faschistischen Jugend das Bild eines großen Italiens vorgezeichnet, zu lange das Bedürfnis nach Ausdehnung, die Freude an der Entfaltung neu gewonnener Kräfte der faschistischen Partei eingeimpft.Wenn ich vorangehe", hat Mussolini seinen Getreuen einst zugerufen,dann olgt mir, wenn ich zurückweiche, geht über mich hinweg!" Der Zeitpunkt ist gekommen, wo die Jugend Italiens marschbereit ift. Der Wille, den engen Raum zu spren­gen, in dem das ständig wachsende italienische Volk keinen Platz mehr findet, ist bestimmend für die

Don unserem ständigen v.G.'Berichierstatier.

Unternehmung gegen Abessinien. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, daß die römische Regierung neuerdings von angeblich bedrohter Sicherheit spricht und demnächst dazu übergehen wird, öffentliche Anklage gegen den Störenfried zu erheben. Das abessinische Problem ist für den Faschismus zu einer Hauptfrage geworden.

England, das erstaunlich lange zugesehen hat, wie die Wolken sich an dem afrikanischen Horizont zusammenballten, ist allmählich aus seiner Ruhe aufgeschreckt worden. Für London bedeutet der PlanMussoliniseine Gefahr. Die Aus­einandersetzung zwischen Italien und Abessinien droht sich auf die koloniale StellungEng- lands und auf seinen Einfluß i rn M it t e l- meer auszuwirken. Die Meldung von der Kon- z e f f i o n s e r t e i l u n g hat die Sachlage nicht er- leichrert. Man hat behauptet, daß die Haltung der englischen Regierung wesentlich innerpolitisch zu erklären sei. Daß mag bis zu einem gewissen Grade zutreffen, letzten Endes ist der italienisch­abessinische Streit für das Londoner Kabinett aber keine begrenzte Ausdehnung Italiens, noch aus­schließlich ein Prüfstein des europäischen Gleich­gewichtes, sondern eine Belüftung der eng­lischen Machtsphäre in Afrika, Asien und Europa.

Frankreich wiederum sieht den Waffengang in Ostafrika in politischer Hinsicht fast ausschließlich unter europäischem Gesichtswinkel. Die Gefährdung des kunstreich ersonnenen Genfer Systems, eine Kräfteverlagerung in Europa durch die Bindung Italiens an der afri­kanischen Front, nachhaltige Meinungsver­schiedenheiten zwischen Paris und London scheinen der hiesigen Politik viel gefähr­licher zu sein, als eine Störung des Friedens in Afrika. Frankreich kann es nur recht sein, daß die Stoßrichtung Italiens zunächst nach Ostafrika verläuft, weil es um so weniger für feinen west afrikanischen Delitz zu fürch­ten hat, und das Schicksal der französischen kleinen Kolonie am Roten Meer bereitet hier niemandem ernste Kopfzerbrechen, jedoch will man verhindern, daß die Früchte der nicht ohne Opfer erkauften Freundschaft Italiens welken, ehe sie reif würden. Der Bund mit Italien aber wurde ge­schlossen im Gedanken an Deutschland, er ist ein Stück des umfassenden Sicherheitssystems,

das Frankreich in Befestigungen, schwer bewaffne, ten Divisionen, Pakten und Militaroertragen in jahrelanger Arbeit angelegt hat.

Die Mitglieder der sogenannten Front von Stresa gehen also nach Genf, um einen Streit zu lösen, den sie in politischer Hinsicht ganz verschieden beurteilen Unter diesen Umständen wird j e d er suchen, das klein si e Uebel für sich zu wählen. Es ist bezeichnend, daß der französischen Abordnung für Genf freie Hand gewährt wurde, um sich ^er jeweiligen Ent­wicklung anpassen zu können. Und doch wird Laoal in Genf nicht so frei sei, wie man vielleicht glaubt, denn neben ihm erscheint Herriot; Herno t uno Paul-Boncour aber sind überzeugte Derfech- ter der Völkerbundstreue, und Herriot besonders legt großen Wert auf ein ungetrübtes Verhältnis zwischen London und Paris? Wenn Laval Mussolini gegenüber gebunden ist, so hat Herriot wiederholt betont, daß der Völkerbund und die franzo - fisch-englische Freundschaft die Grund­lage der Pariser Außenpolitik bilden müßten. Paul-Boncour hat außerdem seinen Stand- punkt gegenüber dem Faschismus wohl kaum ge­ändert, wenn er auch heute Mussolini nicht meyr alsKarnevalsprinz" bezeichnen würde.

Lavals Aufgabe ist schwer. Er hat damit zu rechnen, daß für einen Mißerfolg febr bald Rechenschaft von ihm verlangt wird. Abgesehen von dem Wiederzusammentritt des Parlaments, stellt Laval sich am 20. Oktober zur Wiederwahl in den Senat. Wenn sein schwieriger außenpolitischer Shirs versagt, ist es um den Dank für seine ohnehin um« ftrittene Notstandspolitik geschehen. Dabei wird es ihm nicht leicht fallen, die Linie zu treffen, die der Mehrheit feiner parlamentarischen Republik ge- nehm ist. Zwischen den Leuten, die ihn offen als Helfershelfer des Faschismus anprangern, und den Kreisen, die am liebsten England einen Denkzettel erteilen möchten, könnten Laval die verschiedensten Ratgeber hören, und er weiß dazu noch ebenso­wenig wie irgendein anderer, wie die kommende Mehrheit ausfallen wird.

Eins ist sicher: Deutschland wird wieder ein­mal als Schreckgespenst herhalten müssen. In Genf, in Paris und überall, wo man Einigkeit im Sinne der französischen Politik braucht, wird der italienisch-abessinische Zwischenfall auf Umwegen über Oesterreich, oder auch unmittelbar dazu ausge- I nutzt werden, um vor Deutschland zu warnen.

Italienischer Einspruch gegen den Konzessionsvertrag

Es gebe nur eine Möglichkeit, um herriot feine feste Haltung in der Frage der Sühnemahnah- men zurückzugeben, nämlich eine Erklärung Edens vor dem Völkerbund, daß Großbritan­nien bei einem Angriff in jedem Teil Europas dieselbe» Haltung zeigen werde, wie im abessi­nischen Streit.

lieber die Haltung der Kleinen Entente meldet Reuter, sie wünsche die Völkerbunds­satzungen unversehrt zu erhalten, wolle aber nicht, daß der Völkerbund der Erschütterung eines plötzlichen Austritts Italiens ausgesetzt werde. Man könne erwarten, daß sie in Genf m i t Frankreich eng zusammen arbeiten werde.

Entweder-oder.

London, 3. Sept. (DNB.-Funkspruch.)Daily Telegraph" weist in einem Leitartikel daraus hin, daß der Völkerbund sich am Mittwoch der Krisis seiner Laufbahn nähern werde. Eden habe die Aufgabe, mit aller Deutlichkeit fest- zustellen, daß nach Ansicht der britischen Regierung ein Versagen des Völkerbundes im Falle Abessinien das Vertrauen in seine künf­tige Brauchbarkeit vernichten würde. Wenn die Völkerbundssatzung sich als unwirksam erweise, dann müsse die Welt zu älteren Methoden der Beilegung von Streitigkeiten zurückkehren, das heiße A u f r ü st e n und in Bündnissen den Schutz suchen, den man bisher vom Völkerbund er­hofft habe.

Das Blatt vermutet, daß die Bereitschaft des Negus zu Zugeständnissen sich infolge des Zu- iammenbruches Der Pariser Dreimächte-Verhand- lungen vermindert habe und daß das abessi­nische Oelgeschäft ein äußeres Zeichen dieser Stimmungsänderung sei. Die Hände der bri­tischen Regierung seien bei dieser Angelegen­heit rein; es gehe in Genf um viel wichti­gere Dinge, nämlich darum, welche Haltung Frankreich und andere Nationen angesichts einer Bedrohung der Unverletzlichkeit eines von ihnen unterzeichneten Vertrages einnehmen würden.

Die Reihenfolge in Genf.

London, 3. Sept. (DNB. Funkspruch.) Den Blättern zufolge durften die Verhandlungen in Genf folgende Reihenfolge haben:

1. Vorlegung des Berichtes des Schlichtungs­ausschusses über Ualual.

2. Vorlegung des Berichtes über die P ariser Dreimächte-Besprechungen.

3. Rede des abessinischen Vertreters.

4. Rede des italienischen Vertreters.

Diese Reihenfolge ergäbe sich daraus, daß Abe sinien der Klage führende Staat sei.

Hierauf werde der Völkerbundsrat selbst über das zu befolgende Verfahren zu beschließen haben, u. a. auch über den Artikel der Völker­bund ssatzung, der zur Anwendung kommen solle. Die Entscheidung hierüber dürfte von den Besprechungen der Vertreter der ein­zelnen Mächte untereinander und be­sonders von der Entwicklung des französisch- englischen Meinungsaustausches ab- hängen.

Santtwnsfrage für Neuseeland nicht akut.

London, 2. Sept. (DNB.) Der Minister­präsident von Neuseeland, Forbes, erklärte am Montag, wie aus Wellington gemeldet wird, daß die Frage von Sühnemaßnahmen für sein Land nicht akut sei. Die britischen Reichsbehörden hielten sich mit der neuseeländischen Regierung, die vertraulich über jede neue Entwick­lung unterrichtet werde, m ständiger Fühlung.

Lustangriff aus Addis 1

Addis Abeba, 2. Sept. (DRV.) Der kon- zeffionsvertrag beherrscht augenblicklich das politische Leben der abessinischen Hauptstadt. Am Montagvormittag wird der italienische G e - andte Graf Vinci im Auftrag feiner Regie­rung beim Kaiser von Abessinien Einspruch gegen den Vertrag erheben, durch den alte italienische Rechte verletzt würden. Auf abessinischer Seite ist man dagegen der Ansicht, daß dieser Eln- pruch auf Grund der Verträge nicht gerechtfertigt ei. Der britische Gesandte erhielt aus Lon­don Anweisung, den Kaiser zu veranlassen, den Vertrag aufzuheben. Wie hier weiter be­kannt wird, wird der Konzessionsvertrag sowohl Im amerikanischen, wie im abessinischen Handelsregister eingetragen werden. Das Gesellschaftskapi- tal wird als rein amerikanisch ausgewiesen. Der Unterzeichner des Vertrages, Rickett, wird an der Genfer Völkerbundssihung teilneh­men, die, wie man hier erfährt, voraussichtlich auf den 7. September verschoben werden wird.

Der Kolonialsekretär der italienischen Gefandt- chaft V a z z a n i erklärte dem Vertreter des Deut- chen Rachrichtenbüros- daß demnächst auch der letzte männliche ilalienische Angestellte sowie das ge- amte Gesandtschaftspersonal Abessinien verlassen würden. Ferner teilte er mit, daß, bevor ein Luft­angriff auf Addis Abeba erfolge, 48 Stun­den vorher eine Warnung an die Vevölkerung so­wie an die Ausländer ergehen werde. hierzu wird von abessinischer Seite erklärt, daß ein Born- benabwurf auf Addis Abeba gegen das Völker­recht verstoßen würde, da es sich um eine offene Stadt handele.

Englische Erklärung in Rom.

Rom fordert:Unter allen Umständen rückgängig".

Rom, 2. Sept. (DNB.) Der britische Bot­schafter in Rom, Sir Eric Drummond, hat Staatssekretär S u v i ch offiziell in Kenntnis gesetzt, daß ihm und seiner Regierung nichts von dem Abschluß des anglo-amerikanischen Konzessions- Vertrages in Abessinien bekannt sei. In hiesigen politischen Kreisen macht man geltend, daß auch nach dem offiziellen Reuter-Kömmuniquä das Dunkel, das bisher über diesem Vertrag schwebt, noch nicht genügend gelichtet sei. So wird hier als besonders merkwürdig und eigen­artig empfunden, daß der britische Gesandte in Addis Abeba, oder der dortige Intelligence Service nichts davon gemerkt haben sollten, ' wie Mister Rickett im Flugzeug In Addis Abeba eintraf und mehrtägige offizielle Verhandlungen mit dem Negus führte. Ebensowenig begreift man hier, wie Der Kaiser von Abessinien sich in Verhandlung gen mit einem britischen Staatsangehö­rigen einlassen konnte, ohne den betreffenden diplomatischen Vertreter des Landes in Kenntnis zu setzen. Alle diese Widersprüche be­dürfen nach hiesiger Auffassung dringend einer ein­gehenden Klärung.

Hier wird an zuständiger Stelle erklärt, daß der Vertrag unter allen Umständen rückgän- g i g gemacht werden müsse, da erjeder Rechts­grundlage entbehre und die mit Italien eingegan­genen Verpslichtungen mit Füßen trete". Italien werde und könne unter keinen Umftänben dulden, daß durch die Manöver einer sog. Wirtschaftsgesellschaft, deren Hintermänner vor­läufig noch nicht ganz erkennbar seien, ihm Ziele, um Derentwillen sein ganzes Vor­gehen gegen Abessinien eingeleitet wor­den sei, im letzten Augenblick unerreichbar ge­macht werden sollten.

llbeba nach vorheriger Warn«

Der englische Gesandte

in Addis Abeba als Sündenbock?

Paris, 3. Sept. (DNB. Funkspruch.)E ch o de Paris" spricht auf Grund einer Meldung aus London die Vermutung aus, daß der eng­lische Gesandte in Addis Abeba, S ar ton, in gewissem Sinne dem Unternehmen Rik- ketts Vorschub geleistet haben könnte. Der englische Gesandte sei aus der Kolonialverwaltung beroorgegangen und sehr selbständig. Es sei sehr wohl möglich, daß er von den Verhandlungen gewußt habe, ohne das Foreign Office darüber auf dem Laufenden zu halten. Eine andere Mel­dung des gleichen Blattes aus London besagt u. a., der Kaiser von Abessinien sei keineswegs geneigt, die Konzession rückgängig zu machen, und die Haltung des eng­lischen Gesandten in Addis Abeba scheine ihn darin zu b e st ä r k e n. Außerdem verzeichnet

Von unserem Volkswirt

Durch den Vertrag, den der Negus soeben mit einer englisch-amerikanischen Gesellschaft, derAfri- can Exploitation and Development Corporation abgeschlossen hat, hat das abessinische Problem ein ganz neues Gesicht erhalten. Es handelt sich jetzt nicht mehr um die Sklaverei in Abessinien, um die Möglichkeit, eine Siedlungskolonie für den Men­schenüberschuh Italiens zu gewinnen, oder um ähn­liche Fragen, sondern ganz einfach darum, wer die Bodenschätze Abessiniensausbeu- ten und gewinnen soll. Die genannte Ge­sellschaft, die ihren Sitz in dem amerikanischen

Der mit dünnen Linien überzogene Raum ist das Konzessionsgebiet für die englisch-amerikanische Ge­sellschaft. (Scherl-Bilderdienst-M.)

.Khartum

indisch

OZ.EAN

Staate Delaware hat, bezeichnet in ihrer Satzung als den Zweck ihrer Gründung die Ausbeutung uno Entwicklung der natürlichen Bodenschätze, die Boh­rung und Gewinnung von Petroleum, sowie die Suche nach Gold, Silber und Asphalt. Da die Ge­sellschaft erst am 11. Juli d. I. also zu einer Zeit, in der der Konflikt zwischen Abessinien und Italien bereits ausgebrochen und allgemein bekannt war gegründet worden ist, besteht der Zweck des Unternehmens offenbar in der Ausbeutung der genannten Bodenschätze innerhalb Abessiniens, bzw. in demjenigen Teile Abessiniens, in dem die Gesell­schaft durch den Vertrag mit Dem Negus Konzessio­nen und Monopolrechte erworben hat.

Wie steht es um das Vorhandensein dieser Boden­schätze innerhalb Abessiniens bzw. in dem Konzes­sionsgebiet, das ja den weitaus wichtigsten Teil Abes­siniens umfaßt, und wie sind die Aussichten, die in Betracht kommenden Bodenschätze dort zu gewinnen,

ng in Aussicht gestellt.

die Meldung die Anwesenheit dreier führender Per­sönlichkeiten der Standard Oil-Gesell- schäft bi London, sowie das Gerücht, daß trotz eines Dementis die Rickett-Konzession der Standard Oil-Gesellschaft in New Jer­sey zugeteilt worden sei.

Rein amerikanische Interessen."

London, 3. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der di­plomatische Berichterstatter desDaily Tele­graph" teilt mit, der britische Gesandte in Addis Abeba habe auf seine Anfrage bei der abessinischen Regierung erfahren, daß es sich bei der Rickett gewährten Konzession um rein ameri­kanische Jnteressenkreise handle. Infolge­dessen habe der Gesandte davon ab \ et) en wollen, Vorstellungen bei dem Negus zu erheben und ihm die Zurückziehung der Konzession anzuraten. Die britische Regierung habe ihn aber an­gewiesen, auch diese Weisung zu erfüllen.

% L «Ff

auszuführen und weltwirtschaftlich nutzbar zu ma­chen? Das Berliner Konjunktur-Forschungs-Jnstitut hat erst ganz kürzlich in einem interessanten Sonder­bericht die wirtschaftliche Lage Abessiniens und die Aussichten einer Erschließung des Landes an Hand beglaubigter Tatsachen dargestellt. In diesem Bericht ist freilich von Petroleum und anderen Boden­schätzen Abessiniens verhältnismäßig wenig die Rede- Das kommt daher, daß diese Bodenschätze eben heute noch so gut wie völlig unausgebeutet sind. Daß aber Abessinien große natürliche Reichtümer besitzt, deren Gewinnung und Nutzbarmachung ungeheure Zukunftsmöglichkeiten bietet, wird auch in dieser Studie sehr klar herausgearbeitet. Es wird sogar Dargelegt, daß Abessinien eine eigentliche Siedlungs­kolonie für Europäer überhaupt gar nicht ist. Bis jetzt wurde bekanntlich bas große Interesse, das Ita­lien gerade für dieses Land zeigt, Damit begründet, daß es eines der wenigen afrikanischen Gebiete sei, das von Europäern besiedelt werden und in das eventuell Der Bevölkerungsüberschuß Italiens ab­wandern könnte. Jetzt wird jedoch bargelegt, daß Abessiniens Hochland, wo allein Europäer siedeln könnten, bereits verhältnismäßig dicht besiedelt sei. Dagegen hebt das Institut für Konjunkturforschung besonders nachdrücklich hervor, daß der Zukunfts­wert des Landes in der Hauptsache in der Möglich­keit einer Entwicklung und Steigerung seiner Roh­stoff- und Mineralproduktion bestehe. Diese Auffas­sung ist durch die jüngsten Ereignisse vollkommen bestätigt worden. Nur sind es jetzt nicht mehr die Italiener allein, die ihr Augenmerk auf die natürlichen Reichtümer Abessiniens richten, sondern auch die englischen und amerikanischen Großkapitalisten und Kolonialunternehmer. Schon die Tatsache, daß die Gesellschaft, wie es heißt, ein Kapital von 50 Millionen Dollar investieren will, um die Bodenschätze Abessiniens zu erschließen, be­weist, wie hoch dieses Kapital die Möglichkeiten der Gewinnung und Erschließung der abessinischen Bodenreichtümer einschätzt.

Bisher stand die Ausbeutung des in Abessinien festgestellten Erdöls im Vordergrund der Erörte­rungen. Die englisch-amerikanische Monopolgesell­schaft will angeblich von den in Dem Bezirk Dort Harrar gefundenen Oelfeldern eine beson­dere Leitung nach dem Meere anlegen, wo banrt das Del, ähnlich wie in H»isa, von Schiften über­nommen und abtranspornert werben soll. liebet den Oelreichtum Abessiniens war bis jetzt nur be­kannt, daß die Geologen reiche Erdöllager feftge- stellt haben. Es wurde jedoch bezweifelt, ob dies- mehr als lokale Bedeutung hab^n und ob ihre Aus»