Ausgabe 
3.8.1935
 
Einzelbild herunterladen

HrJZ9 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen)Samstag, 3.August (935

I. Gaufest des Gaues XII Hessen im 3Rf£.

Verheißungsvoller Auftakt am Freitagabend.Eifrige Wettkämpfe feit Gamstagfrüh im Gange.

Von schönem Sommerwetter begünstigt, nahm am gestrigen Freitag das 1. G a u f e st des Gaues XII (Hessen) im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen in Gießen seinen Anfang. Die Stadtverwaltung hatte die Bahnhofstraße, die Liebiastrahe und die Frank­furter Straße bis in die Höhe des Caf6 Hettler in reicher Weise mit den Fahnen des Dritten Reiches, den Bahnhofsplatz auch noch mit Gir­landen schmücken lassen, um den Gästen dadurch schon den herzlichen Willkommengruß unserer Stadt zum Ausdrucke zu bringen. Die Häuser wurden, entsprechend der Aufforderung des Oberbürger­meisters, von der Bevölkerung erst gegen Abend mit Flaggen geschmückt, um auch nach außen hin dem stillen Gedenken an die gestrige Wiederkehr des Todestages des Generalfeldmarschalls von Hindenburg zu entsprechen. Etwa von 18 Uhr ab zeigte dann unsere Stadt überall das bei großen Festen der Volksgemeinschaft gewohnte Bild reichen Flaggenschmucks. Die Gastfreundschaft unserer Be­völkerung bewährte sich ebenfalls wieder in bester Weise; der Wohnungsausschuß hatte für die Gäste in so reichem Maße Freiquartiere zur Verfügung, daß er auf die Inanspruchnahme von Quartieren gegen Bezahlung verzichten konnte. Unsere Mit­bürger haben auch dadurch ihre turn- und sport- freudige Einstellung erneut eindrucksvoll bekundet.

Die umfangreichen Vorbereitungsarbeiten zum Gaufest sanden gestern nachmittag ihren Abschluß mit einer Kampfrichtersitzung in der Turn- halle an der Steinstraße. Hunderte berufene Kräfte aus den verschiedenen Fachämtern hatten sich ein­gefunden. Letzte Orders wurden ausgegeben, die Kampfrichter für die einzelnen Kampffelder ein- geteilt, Armbinden verteilt und das nötige informa­torische Material ausgehändigt. Die Kampfrichter­sitzung lieh bereits ahnen, in welchem Ausmaß die Kämpfe durchgeführt werden. Die Stimmung in der Kampfrichtersitzung stand bereits ganz im Zei­chen der außerordentlichen Veranstaltung. Die not­wendigen Formalitäten waren rasch erledigt, da sich unter den Kampfrichtern viele befanden, die sich seit Jahrzehnten opferbereit der großen Sache der deutschen Leibesübungen zur Verfügung stellen.

Der Vertreter

des Aeichsspottsührers.

Am heutigen Samstagvormittag traf als Ver­treter des durch Olympiade-Vorkämpfe am Erschei­nen in Gießen verhinderten Reichssportführers der Reichsdietwart Münch aus Berlin in Gießen ein.

Einholung des Gaubanners.

fiulbigunq für Turnvater Jahn am Jahn-Gedenkstein. Gauoberturnmart P a u I, Gießen, bei seiner .

Ansprache. I

WWW

MZAmi

'-"J

Wk-v f

Einholung des Gaubanners am Bahnhof. Vor dem Gaubanner eine alte große Hessenfahne. (Aufnahmen (2]: Photo-Pfaff, Gießen.)

4

W

Ermahne uns immer, freu unsere Pflicht zu tun, willig und hingabefreudig unserem Führer zu folgen, ihm unsere ganze Liebe zu schenken, die ihn glücklich macht. 3a, wir wollen Liebe üben und Treue hatten, damit die Zukunft unser werde! Liebe, die unermüdlich ist und nicht an sich selbst denkt, sondern nur an Deutschland. Treue, die niemals wanken soll, die das Mark der Ehre ist, wie es der große Feld- marschall des Weltkrieges, der heute vor einem Jahr von seinem Volke zu der Armee seiner toten Kameraden ging, als ewiges Mahnwort diesem

Volke hinterlieh.

In diesem Wollen weihe ich dich du. Banner des Gaues Hessen in einer großen Zeit, m der auch wir berufen sind, einem großen Werke zu dienen.Du bist geweiht.

Wir aber, meine lieben Turn- und Sportfreunde, wollen den Weg der Pflicht und damit der Freiheit gehen. Der Blutstrom unserer Ahnen, der in unseren Ädern pulst; die deutsche Seele, die in uns schwingt, des Führers leuchtendes Vorbild, müssen uns Wegweiser sein, daß wir das Ziel er­reichen.

Laßt uns mit leidenschaftlicher Gewalt an un­seres Volkes Zukunft glauben und bereit fein, heut und morgen und immer feine treuesten Diener zu fein! Vorwärts und aufwärts! Wir grühen dich in dieser Stunde, großes, geliebtes

deutsches Vaterland, wir grüßen dich, du Führer aus Nacht und Not, und rufen:

Sieg-Heil!

Freudig stimmte die Menge in den dreimaligen Rus ein. Dann wurden die ersten Verse des Horst« Wessel-Liedes und des Deutschlandliedes gesungen. Damit war die Eröffnungsfeier beendet.

Bei den Freiübungen.

-

v.v/.^.v 1' . ' ?/' ,

Fi j

Kranzniederlegungen.

Unter Vorantritt des Musikzuges der SA.- Standarte 116 unter Leitung des Musikzugführers Herrmann marschierten gegen 18.30 Uhr die Gie­ßener Turner und Sportler unter dem Kommando des Gauoberturnwarts Paul vom Oswaldsgarten zur Bahn zur Einholung des Gaubanners. Eine Anzahl Dereinsfahnen und die vielen jungen Tur­nerinnen in ihrer hübschen Turnerinnenkleidung gaben dem stattlichen Zug eine besonders schöne Rote. Eine große Menschenmenge, besonders am Bahnhofsplatz, wohnte dem fesselnden Ereignis bei und bekundete auch während des Marsches ihre herzliche Sympathie mit den Turnern und Sportlern.

Den Absperrdienst auf dem Bahnhofsplatz, wie auch bei den folgenden Feiern auf Oswaldsgarten,

Auf der gewohnten Stelle auf Oswaldsgarten, an der Nordseite, war eine große Flaggenwand mit den Fahnen und Symbolen der Partei errich­tet, davor war der Rednerstand geschaffen, alles mit viel frischem Grün geschmückt. Eine große Mem schenmenge hatte sich auch hier eingefunden. Nach dem Aufmarsch der Banner und Fahnen, sowie der Marschkolonnen hielt zunächst der Unterkrels- führer der DT.,

Reichsbahnoberrat Boeder/ Kassel, eine Ansprache, in der er sagte: Seit dem letzten Turnfest des früheren Oberweserkreises der Deut­schen Turnerschaft, dem heutigen Gau XII, im Juli 1932 in Kassel ist das Banner von dieser Stadt beherbergt worden. Bei der damaligen Uebergabe von dem Vorsitzenden der Kasseler Turnerschaft Dr. Froeb sagte dieser:Das Banner, das in glücklichen Tagen Zeuge vieler frohen turnerischen Feste war, solle leuchten über die gegenwärtigen trüben Tage hinweg in ein glücklicheres Deutsch­land." Sein Wunsch ist in Erfüllung gegangen dank unserem großen Führer und Reichskanzler Adolf Hitler.

Der gewaltige Umbruch der Nation hat aber nicht nur die Volksverbundenheit und Einigkeit aller deutschen Stämme gebracht, sondern auch die Vereinigung aller Turn- und Sportoer- bände unter der Führung des Reichssport- führers.

Als Unterkreisführer der DT. des Stadtkreises Kassel und Vertreter des Fachamtes I Turnen in her Ortsgruppe Kassel des Reichsbundes für Leibes­übungen übergebe ich nunmehr das Gaubanner in die Obhut des Kreises 8 und der Stadt Gießen.

Assessor Loh, Gießen,

als stellvertretender Ortsgruppenleiter des Reichs- tumbes für Leibesübungen übernahm das Gauban­ner in die Obhut der Stadt Gießen und handlgte es der DT. in Gießen zu treuen Händen aus.

am Gefallenen-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp- Platz und am Jahn-Gedenkstein, versahen die Polizei und die SS. in gewohnter, vortrefflicher und einwandfreier Weise. Mitglieder der Frei­willigen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hatten hierbei, wie auch während aller anderen Veranstal­tungen, in altbekannter trefflicher Pflichterfüllung den Sanitätsdienst übernommen.

Kurz nach 19 Uhr wurde das Gaubanner in Be­gleitung einer alten riesigen Hessenfahne aus dem Bahnhofsgebäude gebracht, gefolgt von mehreren Vereinsfahnen, während der SA.-Musikzug den Badenweiler Marsch spielte und die große Men­schenmenge die Fahnen mit dem deutschen Gruß empfing. Dann ging es in flottem Marsch, begleitet von viel Volk, zum Oswaldsgarten.

DT -Gauführer Brunst, Dollmarshausen,

der mit der Leitung des Gaufestes beauftragt ist, sagte dann in seiner Ansprache zur Festeröffnunq: Mit der Uebergabe des Gaubanners ist nun auch unserem Hessengau das erste Gaufest des RfL., diese erste Gemeinschaftstat, eingeleitet worden.

Lasset uns Liebe üben und Treue hatten, so wird die Zukunft unser fein*4.

Diese Worte an den Anfang unseres festlichen Beginnens gestellt, mögen die Gießener Festtage durchleuchten und sich tief in unser aller Herzen graben!

Groß und mühevoll waren die Vorbereitungen. Möge der festliche Ablauf das erfüllen, was wir alle wünschen und erhoffen, damit dieses erste Gaufest des RfL. zu einer machtvollen und eindringlichen Kundgebung deutscher Turn- und Sportgemeinschaft auch in unserer Hessenheimat werde. Ich freue mich, daß alle die, die heute, morgen und übermorgen Freude und Arbeit mit uns teilen wollen, hierher kommen, um zu bekunden,

daß sie den Willen haben, den Fahnen des Dritten Reiches zu folgen, daß sie sich sagen wollen: Die Zukunft foll uns als wahre Kame­raden und Freunde sehen.

Hier vor mir steht das alte Banner des Gaues Hessen, das vergangener Zeiten Glück und Not ge­sehen, an das sich so viele geschichtliche Erinnerung und beste Ueberlieferung knüpft. Es soll in dieser Stunde seine neue Weihe erhalten. Du Banner des Gaues Hessen! Stolz trugst du in Koburgs Mauern zum ersten Mal dein neues Gewand. Dort, wo der Gemeinschaft um Jahn stolze Worte des Lobes und der Anerkennung gezollt wurden, wo neue Aufgaben und neue Pflichten für der Zu­kunft Gestaltung uns übertragen wurden, schwebest du uns mahnend voran. Führe uns einer stolzen, großen, glücklichen Zukunft entgegen!

Von Oswaldsgarten ging nun der Marsch durch die Neustadt, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Kreuz­platz, Sonnenstraße, Brandplatz zum Gefalle­nen-Denkmal auf dem Landgraf-Phi« l i p p - P1 a tz , bei dem sich wieder eine große Zu­schauermenge eingefunden hatte. Hier gedachte

OT -Gauführer Brunst

der Gefallenen mit folgender Ansprache: Hoch und heilig seien diese Worte für alle Ewigkeit in die Herzen deutscher Menschen eingegraben:Vergiß mein Volk die teuren Toten nicht!" So wollen auch wir zu Beginn unseres Gaufestes der Millionen Tapferen gedenken, die im Kampfe um ihres Volkes Leben ihr Leben opferten: Du Bruder im feld­grauen Ehrenkleid, der du im Kampf um Deutsch­land dein Herzblut gabst, du Bruder im Ehrenkleid des braunen Soldaten, der du als Streiter des Führers im Ringen um das erwachende neue Deutschland dein Leben opfertest.

hier stehen deutsche Menschen schweigend in Dankbarkeit und Ehrfurcht und geloben still im herzen, euer Vermächtnis in starker Hand und in treuem Herzen zu tragen. 3hr, die ihr in

Reichsdietwart Münch (Zweiter von links).

einem heiligen Wall um der Heimaterde Gren­zen ruht, ihr, die ihr als Gefolgsmänner des Führers euer Leben hingabt: wir Lebenden werden auch über die großen Tage unserer Zett eure Liebe und Treue nicht vergessen.

Es gab eine Zeit der Not, der Schmach, der Ehr­losigkeit in deutschen Landen, da schient ihr Der« gessen. Nun aber, da der Herrgott unseren Führer dem Volke sandte, stehen Millionen bereit, es euch gleichzutun, damit Deutschland wieder aufsteht. So senket euch Fahnen, wir gedenken unserer teuren Toten! Die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden, die Menge ehrte die Gefallenen mit dem deutschen Gruß, während der Redner am Denkmal einen Kranz niederlegte. Dann sagte der Redner nach dem Wiedererheben der Fahnen zum Schluß: Tote Kameraden, eure Saat ist auf­gegangen, euer Blut ist nicht umsonst geflossen, euer Geist beseelt der Lebenden Taten. Möge der Herr des Himmels die deutsche Ernte segnen.

Der Marsch wurde dann über den Brandplatz, durch die Sonnenstraße, Neuen Säue, Gartenstraße, Ludwigstraße, Bismarckstraße, Stephanstraße, ©ar»

Die Wettkämpfe haben begonnen. Turnen am Barren«

Die Eröffnung des Festes