Ausgabe 
3.8.1935
 
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Geschichten aus aller Welt

^nommen wurde. Ein StreckenwSrtße

Empfang gei hatte den Tc

toten gefunden und Meldung erstattet.

Glücklicherweise stieg in das Abteil, in dem der )te lag, nur ein Reisender ein, der von dem

Tote lag.

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von Philippopel nach Jambol, die Beschaffung des Sarges usw. hätten mindestens 4000 Lewa gekostet, die weder sie noch auch die arme Familie des Toten hatten. Nach kurzem Hin- und Herüberlegen entschlossen sie sich, den Toten alsLebenden" nach Jambol zurückzuschaffen. Während der eine Bauer schnell drei Rückfahrkarten löste, nahm der andere den Toten, dem man den Hut tief ins Gesicht gedrückt hatte, auf den Rücken und trug ihn in den Nachtzug nach Burgas, der glücklicherweise eben auf dem Nebengleis eingelaufen war. Der Tote wurde auf eine Bank gelegt und zugedeckt. Alles ging gut, auch die Kontrolle des Schaffners, der die Fahrkarte desSchlafenden" aus den Händen der beiden Freunde entgegennahm. Nicht gelinden Schrecken aber bekamen die beiden Bauern, als der Zug in Stara-Zagora einfuhr und sie feststellten, daß viele neue Reisende hinzukommen würden. Jetzt verließ sie doch der Mut: Sie steckten die Fahrkarte' hinter das Hutband des Toten und zogen sich ver­zweifelt in ein Nachbarabteil zurück.

gestoßen. Nach einigem Leugnen gaben sie ihre in Kopflosigkeit verübten Missetaten zu, so daß sich der Fall sehr schnell und verhältnismäßig harmlos aufklärte. Da man den Bauern ihre große Armut

und dem anderen Missetäter seinen gewaltigen Schreck zugute hielt, ließ man sie nach einigen Tagen Haft laufen...

Die Rache der Dunkelkammer.

K o p e n h a-g e n.

Es war einmal ein Brautpaar ...

Aber ich sehe ein, daß die Erzählung in diesem Stil zu langläufig wird. Wir dürfen das alles ruhig beiseite lassen. Die Hochzeit, die Gratulatio­nen usw.---es verlief alles programmäßig.

Auch die Pofe, in der sich das junge Paar am Tage der Hochzeit photographieren ließ, unter­schied sich in nichts von der seit der Er­findung der Lichtbildkunst üblich gewordenen Und die Geschichte beginnt erst in der Dunkelkam­mer. Dort hantierte ein junger Mann, der in Ver­tretung seines Chefs auch das Ehepaar ausgenom­men hatte. War nun die junge Frau so schön, oder war es ein spezifisch-photographisches Rotes-Lam- penfieber der junge Mann war jedenfalls nervös und vergaß die Platten zu wechseln, so daß sowohl das Doppelbildnis als auch die Charakteraufnahme eines streng dreinblickenden uniformierten Man­nes auf eine Schicht gerieten und zusammen eine Trickaufnahme von hoher Vollendung ergaben.

Das an sich wirklich kleine Malheur hätte keine weiteren Folgen gehabt, wenn es sich nicht um ein junges Ehepaar gehandelt hätte. So ein junges Ehepaar ist am Tage seiner Hochzeit Gegenstand zahlreicher, nicht immer geistreicher Scherze, es mißtraut jedem Blick und jedem Wort und wie sehr erst dem unvergänglichen Bilde. Als sich der Ehe­mann die verunglückten Abzüge zeigen ließ, sah er dort sich und seine Frau in der üblichen zärtlichen Pose, und über ihnen erschien flammenden Blickes ein strenger, uniformierte Mann, ein fleischgeworde­ner, mißtrauischer Erzengel, der über die Moral der Sterblichen zu wachen hat. Kein Zweifel! Diese Kreatur von einem Photographen hatte es sich erlaubt, einen schlechten Witz zu machen!

Und da ging dem Herrn die Galle hoch?

Die Sache wäre nicht an die Oeffentlichkett kommen, wenn der heimgekehrte Chef nicht die Un­tat seines Angestellten erfahren und diesen fristlos entlassen hätte, worauf dieser sich gezwungen sah, zum Kadi zu gehen.

Der Richter war ein kluger Mann mit jovialem, verstehendem Lächeln, er führte einen Vergleich herbei.

Bobbies" führen ein Karussel.

() London.

In einem kleinen wallisischen Städtchen hatte sich anläßlich eines kürzlich gefeierten Heimatfestes auch einRummel" mit den üblichen Schaubuden und Dergnügungsständen aufgemacht. Darunter befand sich auch das noch von einem armen Pferd ge­zogene Karussell eines Mister Dack. Hätte der Karussellbesitzer Dack ein gutes Gedächtnis, so hätte er sich eigentlich der Tatsache erinnern müssen, daß er vor drei Jahren in demselben Städtchen schon ein­mal gastiert, dann aber eines Morgens in der Dämmerung heimlich seine Zelte abgebrochen hatte und verschwunden war um der Stadt die ßuft- barkeits- und Platzsteuer schuldig zu bleiben. Desto besser aber funktionierte das Gedächtnis der städti­schen Beamten, die Herrn Dack kaum hatte er sein Karussell aufgebaut, die Rechnung von damals und, da er offensichtlich einunsicherer Kantonist- ist, auch gleich die für diesmal präsentierten...

Angesichts einer geradezu niederschmetternden Oede in seiner Kasse sah sich Dack außerstande, dem Magistrat seine Steuerschulden zu bezahlen; er rech- nete sogar schon damit, daß man ihm sein ganzes Unternehmen pfänden werde. Der Bürgermeister je­doch hatte einen besseren Einfall: er einigte sich mit dem Karussellbesitzer dahin, daß jeden Abend zwi­schen 6 und 8 Uhr die beiden Polizisten des Ortes, dieBobbies", das Karussell in städtische Regie übernähmen, der eine als Kassierer und der andere als Führer seines Gauls. Die Einnahmen dieser zwei Stunden sollten auf die Steuerschuld ver­rechnet werden.

Nie war eine Spekulation richtiger: die beiden stadtbekanntenBobbies" als Karusfelführer stellten eine derartig kostbare Attraktion dar, daß das Ka­russel kaum den Ansturm der jugendlichen und der erwachsenen Bevölkerung bewältigen konnte! Und schon nach drei Tagen waren die Steuern von da­mals und auch die von heute auf Heller und Pfen­nig bezahlt...

Schlafenden" zunächst keine Notiz nahm, sich in eine Ecke drückte und nach kurzer Zeit ebenfalls einschlief. Er wachte erst wieder auf, als auf einer kleinen Station die Wagen infolge zu schnellen Bremsens der Lokomotive hart auseinanderstießen. Verwundert bemerkte er, daß sein Gegenüber von der Bank gefallen war und keine Anstalten machte, wieder aufzustehen. Als ein mehrmaliger Anruf nichts nützte und er den am Boden liegenden schließlich näher musterte, fuhr er entsetzt zurück: Der Mann ist ja tot!

Was ist geschehen? Was soll er tun? Da Ueber- legenheit und Geistesgegenwart nicht gerade seine besten Tugenden sind, verliert er vollkommen den Kopf. Sagt er sich doch in seiner Einfalt, daß er es jetzt mit den Behörden zu tun bekommen werde und vielleicht sogar des Mordes beschuldigt werden könne. Schließlich fährt ihm ein Gedanke durch den von Grauen verwirrten Kopf: Er öffnet das Fenster des Abteils, wirft den Toten mit einiger Mühe in die Nacht hinaus und glaubt sich nun aller Sorgen enthoben...

Nach zweistündiger Fahrt lief der Aug in Jambol ein, wo er von einem starken Polizeiaufgebot in

Da man ein Kapitalverbrechen vermutete, wurden alle Reisenden einem Verhör unterzogen, und bald war die Polizei auf die beiden Freunde des Toten wie auch auf den verängstigtenFensterstürzer" gestoßen. Nach einigem Leugnen gaben sie ihre

Machdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Die Tochter als Steuerpfand.

(ns) Bukarest.

Ein Landwirt in Nadasd war durch einige Schicksalsschläge verarmt und in diesem Frühjahr nicht in der ßage, seine Steuern zu entrichten. Der Steuereinzieher aber alaubte, entsprechend den ver­schärften Dollzugsoorschriften, keine Milde walten lassen zu können. Als er unter dem Eigentum des Landwirtes Umschau hielt, mußte er feststellen, daß buchstäblich nichts anderes zu beschlagnahmen war als die Tochter.

Tatsächlich ging er also dazu über, die Tochter yls Steuerpsand zu erklären und den Tag ihrer Versteigerung anzusetzen. Sie sollte meistbietend ausgeboten werden. Ganz zufällig erfuhr der Steuerdirektor des Distrikts von dem Vorfall, leitete sofort alle notwendigen Maßnahmen in die Wege, tim die menschenunwürdige Versteigerung zu ver­hindern, und schickte nach Bukarest an das Justiz­ministerium einen ausführlichen Bericht. So erfuhr die Welt die Geschichte von der Tochter, die allen Ernstes als Steuerpfand zur Versteigerung kommen sollte.

Tragikomödie «m einen Toten.

(1) Sofia.

In einem in der Nähe der südbulgarischen Stadt Jambol gelegenen Dörfchen war ein Bauer so schwer erkrankt, daß man ihn sofort nach dem Krankenhaus schaffen mußte, was zwei Nachbarn übernahmen. Als der leitende Arzt des Jamboler Krankenhauses die Durchführung der notwendigen schwierigen Operation ablehnte und den Rat er­teilte, diese in Philippopel vornehmen zu lassen, machten sich die beiden Begleiter mit ihrem Kranken sofort auf den Weg nach dem mehrere Bahnstunden entfernten Philippopel. Sie legten den schwer- kranken Freund in einem Abteil dritter Klasse auf «ine Bank, deckten ihn ßu und verhielten sich, da er bald eingeschlafen schien, bis Philippopel mög­lichst ruhig.

Wie groß war ihr Entsetzen, als sie bei der Ankunft in Philippopel den Kranken wecken wollten Und dabei feststellten, daß er unbemerkt gestorben war. Was anfangen? Der Rücktransport des Toten

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