Ausgabe 
3.8.1935
 
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72 Stunden trommelt nun schon der Franzmann auf die deutschen Stellungen, längst muß dort alles Leben erstorben sein. Endlich scheint der Augen­blick gekommen, wo der französische Angriff nur noch ein Spaziergang nach den deutschen Stellun­gen sein wird. Aber nein diesen verdammten Boches ist nicht zu trauen, sie trotzen selbst Tod und Teufel. Noch einmal verdoppelt, verdreifacht sich das französische Feller, das schmerzende Ohr ist nicht mehr fähig, einzelne Eindrücke zu unter­scheiden. Nur ein Dröhnen, ein einziger nicht endender Laut liegt über den Stellungen, ohne auszuklingen. Noch einmal ballt sich das ganze französische Artilleriefeuer während der letzten drei Stunden der Beschießung besonders auf dem An­griffsabschnitt zusammen, an dem die vier großen Straßen die deutschen Stellungen schneiden. Es sind die Straßen Dille sur TourbeCernayMonthois, SuippesPerthesTahure, SuippesSouain SommePy und St. Hilaire le GrandSt. Cou­plet. Richtig hat der Franzose erkannt, daß, falls der Durchbruch gelingt und niemand zwei­felt im französischen Generalstab daran man dort am schnellsten vorwärts kommen konnte.

Endlich nach 75 Stunden grauenhaften Wartens und. Ausharrens in dieser Hölle hört das Feuer plötzlich gegen 10 Uhr morgens auf. In den vor­gelagerten Rauch- und Staubwolken beginnt es le­bendig zu werden, aus den wogenden Schwaden formen sich Menschen, tauchen französische Solda­ten auf. Endlich stellt sich der langersehnte Gegner zum Kampfe Mann gegen Mann, aber das Kräfte­verhältnis ist 68 Franzosen gegen einen deutschen Soldaten. Und nun kommt diese endlose Linie, dieses wogende Meer tausender und aber tausender, in lange blaue Mäntel gekleideter Gestalten heran.

Ein einziger SchreiSie kommen!" geht durch die deutschen Linien von Aubärive bis Ser- von, von der Suippes bis zur Aisne und dann kriechen sie aus ihren Erdlöchern, lehmverkrustet, mit grauen Gesichtern, puddeln sich gegenseitig aus ihren zugeschossenen Stollen, die Männer, denen die Wacht in der Champagne anvertraut ist. Aus ihren Erdhöhlen kommen sie, in denen sie mehr als drei Tage und Nächte, teilweise ohne Wasser, ohne Ver­pflegung, ohne Licht, in stickiger, verbrauchter Luft eng nebeneinander kauernd ausgeharrt haben, stieren sich an mit Augen, in denen noch das Grauen, das Entsetzen der letzten Stunden steht, aber nun, nur von dem einen Gedanken beseelt, Vergeltung zu üben für all die Qualen, die sie durch die wahn­sinnige Beschießung aushalten mußten.

Langsam gewöhnen sich die Augen, die 75 Stun­den lang nur in Dämmerung und Nacht geschaut haben, an das grelle Tageslicht. Hart werden die Augen, wie Raubtiere liegen die Kämpfer in die Trichter geschmiegt, die nur ganz schwach noch die deutschen Stellungen vermuten lassen. Fest das Ge­wehr im Anschlag, mit entschlossenen, verbissenen Gesichtern, den großen Spaten in der Hand, vor sich die Handgranaten. Blitzartig jagen und über­stürzen sich die Ereignisse. Jetzt tauchen die ersten Wellen des Feindes auf, mühsam versuchen sie sich einen Weg zu bahnen durch das entsetzliche Ge­wirr zerschossener, zerrissener Stacheldrahtnetze, ver­bogener und geknickter Eisen und Holzstangen, die mit tausend Spitzen und Stacheln noch in diesem Zustand ihre Schuldigkeit tun und dem Siegeslauf der Stürmenden Einhalt gebieten. Dieser Augenblick des Stutzens, der Versuch, sich durch das Gewirr hindurchzuarbeiten, löst mit einemmal die Span­nung in den deutschen Linien. Nun gilt es zu handeln. Schuß auf Schuß fliegt aus den Rohren der Gewehre« Bei der Dichte der anstürmenden Massen rafft jedes Geschoß zwei bis drei der Feinde hinweg Aber was bedeutet das bei der ungeheuren Uebermacht. Doch jetzt mischt sich in den kurzen Knall der Gewehre das ununterbro­chene, gleichmäßige Rattern und Bellen der Ma­schinengewehre, wo Menschenhand zu erlahmen droht, da beginnt die Maschine das Vernichtungs­werk fortzusetzen. In den gellenden Aufschrei der Getroffenen mischt sich das grauenhafte Röcheln und Wimmern der Sterbenden. Ueberall ist Tod und Vernichtung, lieber die reihenweise Zusammensin­kenden stürzen sich neue Wellen, aber sie trifft das gleiche Schicksal. Zu Berge türmen sich die Körper vor den deutschen Stellungen und häufen sich zu einer unentwirrbaren Masse. Der Angriffsgeist scheint gebrochen zu sein, zu furchtbar mähen die Maschinengewehre und rückwärts fluten die Mas­

sen. Aber es gibt auch Stellen, wo es dem Gegner gelang, in breiter Front die deutschen Stellungen zu durchbrechen und hier beginnt ein zähes, er­bittertes Ringen Mann gegen Mann. Der Nah­kampf, in dem nur Kolben, Messer, Spaten und Seitengewehr als Waffe dienen. Vergessen ist Hun­ger, Durst und Schwäche Der Germanenzorn ist er­wacht. Unter den Streichen der von deutschen Fäu­sten geschwungenen Kolben und Spaten sinken die Eindringlinge dahin. Von Trichter zu Trichter wer­den sie zurückgebrückt und immer größere Teile ge­nommener Grabenstücke ihnen wieder entrissen. Aus dem versprochenen Spaziergang durch die deutschen Linien ist nichts geworden, jedes Loch, jeder Trichter ist zur Festung geworden und muß erstürmt werden. Mit sehnsüchtigen Augen blicken die französischen Soldaten nach ihren Stellungen, von wo die nachstoßenden Bataillone kommen sollen, aber nichts ist zu sehen. Festgehalten am Boden durch das wütende Feuer der deutschen Artillerie sind die französischen Soldaten durch kein Kommando und keine Drohung ihrer Offiziere zu bewegen, aus den Stellungen herauszugehen. Sperrfeuer liegt hinter den zuerst eingedrungenen Wellen, durch diese Sperre gibt es lebend kein Vor und kein Zurück. So nimmt das Schicksal sei­nen Lauf. Am 25. September haben sich die Schleu­sen des Himmels geöffnet, strömend gießt der Regen hernieder, ohne Unterbrechung jedes Granat­

Im abessinisch-italienischen Konflikt ist außer dem Kaiser S e l a s s i e selbst, der plötzlich so stark in den Vordergrund getreten ist, noch der Name eines anderen Mannes viel genannt worden. Eines Mannes, der sozusagen über Nacht Weltberühmtheit erlangt hat und der mit Eden, dem italienischen Baron Aloisi und dem Völkerbundsratspräsidenten Litwinow zu jenen Persönlichkeiten gehört, die in diesem Konflikt eine weithin sichtbare und viel kommentierte Rolle spielen: dieser neue Mann, von dessen Dasein bisher nur die Kenner der inner­politischen Verhältnisse Abessiniens eine Ahnung hatten, ist der Gesandte Abessiniens, Dr. S t a r g - n e h C. M a r 11 n, ein Diplomat, der sowohl durch die Abenteuerlichkeit seiner Herkunft wie durch die ihm anvertraute weltgeschichtliche Mission im Mittel­punkt der Aufmerksamkeit steht.

Dr. Martin spielt heute eine ähnliche Rolle wie um die Jahrhundertwende der Schweizer Alfred I l g. Dieser Alfred Jlg, ein strebsamer und unter­nehmungslustiger Ingenieur, wurde vom damaligen abessinischen Kaiser dazu ausersehen, das wirtschaft­lich und technisch noch völlig unerschlossene Land nach europäischem Muster zu reformieren. Die Aufgabe, die Jlg in Abessinien erwartete, war gewiß nicht leicht; er fand ein zerklüftetes, unzivi- lifiertes Bergland ohne Verkehrswege und Eisen­bahnen, mit einer primitiven Nomadenbevölkerung, die für dieSegnungen der europäischen Zivilisation" nicht das geringste Verständnis hatte. Trotz dieser naturgegebenen Schwierigkeien gelang es ihm, sich in die ungewohnten fremden Verhältnisse einzu­leben und sich in Abessinien, um einen Ausdruck von heute zu gebrauchen,eine feste Position" zu schaffen. Der Schweizer Jlg war Bau-, Brücken- und Straßeningenieur. Er war vom Züricher Voly- technikum gekommen und machte besonders dadurch viel von sich reden, daß er sich im Jahre 1894 um die Finanzierung der Bahn von Dji- buti nach Addis Abeba bemühte Seine Arbeit in Abessinien hatte einen ungeahnten Erfolg: Der Schweizer Ingenieur eroberte sich durch (eine großen praktischen Erfolge und fein zähes Eintreten für die abessinischen Interessen das Vertrauen des Kaisers und wurde als Europäer 1896 Staatsminister. Er fiel jedoch 1908 in Ungnade und ist im Jahre 1916 in seiner Heimat Zürich gestorben.

Aehnlich wie Jlg damals ist heute der abessinische Gesandte Dr. Martin eine der führenden Per­sönlichkeiten im diplomatischen Leben seines Landes. Sein Lebenslauf ist freilich bedeutend interessanter und ungewöhnlicher als der des Schweizer In­genieurs die Biographie Dr. Martins liest sich wie ein unwahrscheinlicher Roman. Der Mann, der heute mit den prominentesten Persönlichkeiten der

koch, jeden Trichter in Seen und Teiche und die Gräben in Bäche verwandelnd.

Mit Ingrimm sieht Jvffre auch in den nächsten Tagen, wie trotz wütender Artillerie und erbitterten Nahkämpfen alle Versuche, durchzukommen, schei­tern. Auch die Umgruppierung der französischen Divisionen und der neue Aufmarsch feiner Ar­tillerie vermögen nicht das Gesamtbild entschei­dend zu ändern. Am 6. Oktober muß Joffre die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen erkennen, die Offensive ist zusammengebrvchen. Vernichtet seine stolzen Hoffnungen, umsonst alle Opfer. Heka­tomben von Menschen verbluteten an der stählernen Mauer. Noch bis zum 9. Oktober zogen sich die letzten Zuckungen des furchtbaren Ringens hin, dann erstarrten wieder die Fronten. Die Kämpfe gingen nicht über das gewohnte Maß und lösten sich in mehr oder weniger heftige Einzelaktionen auf.

Ungeheures wurde von den deutschen Truppen geleistet, die in zähem Abwehrwillen einer zehn­fachen Uebermacht standgehalten hatten, ein leuch­tendes Beispiel, was deutscher Wille, deutsche Widerstandskraft vermochten, als die Erde bebte, die Stellungen zerfielen, die Erde sich einhüllte in Wolken von Feuer und Rauch der berstenden Ge­schosse und überall Verderben und Vernichtung wütete.

Oie rechte Hand des Negus.

Aus einem Findlingskind wird ein Leibarzt und Diplomat.

europäischen Diplomatie verhandelt, hat schon von klein auf ein seltsames Schicksal erfahren, das äußerst abenteuerlich anmutet. Jrn Gegensatz zu Jlg ist Dr. Martin keinWeißer", sondern ein ge­borener Abessinier. Man vermutet, daß sein Vater in der Armee des Kaisers Theodor von Abessinien im Jahre 1868 gegen die Engländer kämpfte. Dieses Jahr war für die Abessinier ein Unglücksjahr: die Engländer behielten die Ober­hand und gewannen die Schlacht von Magdala. Der Eindruck der abessinischen Niederlage war so niederschmetternd, daß der Kaiser Selbstmord be­ging.

Nun aber beginnt jenes phantastische Kapitel, das an eine biblische Legende erinnert und dem Dr. Martin feineEntdeckung" und feine abenteuer­liche Laufbahn verdankt. Nach dem unglücklichen Ausgang des Kampfes gegen England war der kaiserliche Palast verödet und ausgeftorben. Auf Addis Abeba lastete der Alpdruck einer verlorenen Freiheit. Unheilschwangere Stimmung lag über diesem Abessinien, das immer wieder gezwungen war, mit der Waffe in der Hand den Ansturm der weißen Eroberer abzuwehren. In den Straßen von Addis Abeba patrouillierten englische Soldaten, denn die Engländer waren nach ihrem Siege die Herren. Dort aber, wo der Kaiser residiert hatte, im prunkvollen Palast, machte einer der englischen Offiziere eine merkwürdige Entdeckung: er fand im Hofe des Palastes ein verlassenes Kind, und da der Engländer es nicht übers Herz brache, es einem ungewissen Schicksal zu überlassen, nahm er es zu sich. Das gefundene Kind wurde von feinemAdoptivvater" später nach Indien mit­genommen. Als der Engländer starb, wechselte es seinen Vater und kam in die Hände des eng­lischen Obersten Martin.

Dieser Oberst Martin, von dem der jetzige abes­sinische Gesandte den Namen erhielt, ließ das Kind jorgfältig erziehen, als wäre es fein eigener Sohn. Der Adoptivsohn verriet schon früh besondere An­lagen. Er studierte in Indien Medizin und blieb dort bis zu feinem 30. Lebensjahre. Dann kam die große und entscheidende Wendung in feinem Leben: der junge indische Mediziner kehrte nach Abessinien zprück, als Dr. Martin, und machteKarriere". Der Kaiser Menelik ernannte ihn zu feinem Leibarzt. Durch diese Auszeich­nung war Dr. Martin ein gemachter Mann. Er gehörte als Leibarzt des Kaisers zu den engsten Mitgliedern des abesinischen Hofes und begann bald eine einflußreiche Rolle zu spielen. Ras Safari, der heutige Kaiser, erkannte, daß seinindischer" Leibarzt nicht nur ein guter Mediziner war, son­dern auch große diplomatische Fähig-

Jan Wellm.

(Sine Anekdote von Wilhelm Schäfer.

Jan Wellm war kein großer Held, doch stellte er gern einen vor; und weil er einen leeren Markt­platz hatte und eine Bürgerschaft, die er mit dicken Steuern für seine Schlösser und die fremden Künst­ler plagte, davon er fast eine Heerschar in das kleine Düsseldorf gezogen hatte, wo sie nun in den Gassen prahlten wie die ritterlichen Herren: so gedachte er sich selber von seinem Volk in Dankbarkeit ein Reiterdenkmal aufzurichten. Er ließ mit einem Schiff Grupello, den Bildner aus Antwerpen holen und schenkte ihm ein Haus am Markt, daß er ihn gieße mit Roß und Feldherrn- 'stab und Krone und was ein fürstlicher Held sonst an sich hängen hatte. Grupello war zwar grau, doch eisenfest und fing nach seiner Weisung mit stolzen Plänen an; davon ihm einer nach dem andern verworfen wurde. Und als ihm so in täg­lichem Verdruß Monate und Jahre vergangen waren, bis endlich Geld zu einem Guß beisammen schien, obwohl die Stände es verweigert hatten: da war von seinem Postament mit den vier Löwen, wovon ein jeder ein anderes Laster vorzustellen hatte, und all den Wasserkünsten ein Socke! aus schlichtem Muschelkalk geblieben. Doch stand noch immer ein gewaltiger Gaul darauf mit einem Riesenschweif, der mannsdick auf den Boden floß, so daß er mit den Füßen trotz seiner Schwere artig tänzeln konnte. Und ob der Kurfürst selber auch nicht so grün und leuchtend war, wie man ihn heute reiten sieht, so saß er doch gleich einem Helden prächtig auf dem Tier und sah mit königlich ge­rollten Augen aus seinem Düsseldorfer Marktplatz in den Himmel.

So hatte sich Grupello einen Fürstendank Der» dient; doch mochte es wohl sein, daß den Jan Wellm seine Schranzen so nannte man schon damals jene Herren, die sich in Fürstengunst wie Küchenschwaben unter einem nassen Tuch versam­meln aus ihrem nahen Umgang anders kannten, als er auf feinem Denkmal ritt. Denn als der Tag gekommen war, wo sie geputzt in allen Farben feiner Länderchen mit ihrem Kurfürst auf den Marktplatz kamen, auf dem er seinen Ritt in die Unsterblichkeit antreten wollte, während sich sein Volk in Dankbarkeit mit vielen Köpfen drängte, Pagen liefen und Bläser in die Hörner bliesen: da fielen ihre Blicke spottend von seinem flohen Bild­nis auf ihn herunter, der nur ein kleiner und blasser fetter Herr und gar nicht heldenhaft, wohl

manchmal launisch und immer eitel war. Und weil er recht geschmeichelt von ihnen hören wollte, ob es auch ähnlich und seiner würdig wäre, ging der erste mißgünstig an den Ri eien sch weif, ein anderer trat sehr weit zurück, das Angesicht zu sehen, und noch ein anderer prüfte mit voraestreckter Hand die Maße, und alle schüttelten den Kopf und waren fast für ihren Herrn beleidigt, daß er so kümmer­lich getroffen und auch sein Pferd für einen Kenner nicht anzusehen wäre. Und weil ein Fürst an seiner Eitelkeit mehr leiden muß als andere Menschen, geschah es, daß Jan Wellm blaß und verkniffen den Grupello, den er schon huldvoll zu sich her­gerufen hatte, mit seinem Herrscherstab wie mit dem Prügelstock bedrohte.

Worauf Grupello, der nicht groß, doch breit und bärtig war, sich tief verneigte und auf vlämisch versprach, in einem Monat die Mängel feiner Ar­beit abzustellen. Nur als die Schranzen hämisch hinter dem Kurfürsten abgingen und einige ihm eifrig auseinandersetzten, wo es bei seinem Werk noch fehlen könnte, da hatte fick Grupello aufge­richtet und mit dem Rücken an den Sockel gelehnt und sah nicht anders aus, als ob er eine Schar nichtsnutziger Buben nach Hause jagte. Den Düssel­dorfern, die nach dem Landesbrauch dastanden und schadenfroh belachten, was einer ihm zurief und andere warfen schon mit Aepfeln nach ihm, wie man sie auf der Straße findet, wo Pferde her- gegangen sind ließ er bedeuten, er wolle ihnen was Besseres zum Lachen schenken.

So stak bas Denkmal schon am nächsten Tag in einem Zaun von hohen Planken, der nur ein einziges Pförtchen hatte, dazu Grupello den Schlüs­sel nicht aus den Händen gab. Drin aber fing ein Hämmern an und Qualm erfüllte schwelend den ganzen Markt; wie wenn das Denkmal einge­schmolzen und in allen Teilen neu zurecht gebosselt würde. Das ging so wochenlang, bis es sich mon- bete, daß dem Grupello sein Werk verweigert worden war.

Dann kamen mittags es war ein silbriger Regentag, wie sie am Rhein sehr duftig sind Die Schranzen wieder in allen Farben feiner San- derchen geputzt mit ihrem kleinen Kurfürst und traten prüfend vor das Werk, das von der Nässe glänzend in dem Blust dastand, und einer ging nach hinten an den Schweif, ein anderer trat sehr weit zurück, das Angesicht zu sehen, und noch ein ande­rer prüfte mit oorgeftrecfter Hand die Maße und alle waren sehr befriedigt, daß es nach ihrem Wunsch verbessert mar und lobten nun bas Werk mit dicken Worten und nickten dem Künstler gnädig

zu, wie wenn sie selber das Reiterbild gegossen hätten.

Der aber hatte einen Hammer in der Hand und stand vor feinem Amboß, der nicht beseitigt worden war; und als der Kurfürst ihn huldvoll anrief, trat er nicht vor, wie er wohl mußte, tat einen schlanken Schlag auf ein Stück Guß, das auf dem Amboß lag. Das war wie Glas, gab einen hellen Klang und klirrte in Stücken auf den Boden. Die Schran­zen sprangen rasch zurück und aus dem Volk, das sich mit vielen Köpfen drängte, tönte ein Schreckens­ruf, wie wenn das ganze Roß zersprungen wäre. Grupello aber trat, den Hammer in der Hand, vor feinen Fürsten und neigte sich nicht sehr und sprach mit lauter Stimme und hatte die Worte deutsch gelernt: Das Denkmal ist, mein Fürst, noch wie es war. Guß springt beim ersten Hammerschlag. Die Dummheit Eurer Herren hab ich wohl dreißig Tage hämmern müssen!

Da fuhren manche Hände nach dem Schwert. Grupello aber stand mit seinem Hammer und lachte laut mit seinen festen Lippen, und als der Kurfürst mit seinen Schranzen noch um das Denkmal schrei­ten wollte, da brach Gelächter aus der Menge, wie wenn aus vielen Karren Steine auf sie geschüttet würden. So baß er sich im Zorn vergaß und mit dem Herrscherstab, gleich einem Prügelstock, das Volk in Dankbarkeit wie auf dem Denkmal stand bedrohte, und sich abwendend schnell ver­schwand, weil aus dem Himmel ein rascher Regen fiel, so daß die Herren, im Schmutz mit langen Beinen springend, ihre Farben und Sammetkappen mit aufgehobenen Händen schützen mußten. Fest aber auf dem Sockel stand der Gaul mit seinem Riesenschweif und trug Jan Wellm mit königlich gerollten Augen, mit Herrscherstab und Krone aus feinem Harktplatz in die Ewigkeit.

3« Superlativen durch die Welt des Verkehrs.

Von W Hahn.

Die höchste Eisenbahn der Welt ist in Boli­vien, sie erreicht eine Höhe von fast 5000 Meter. Der längste Schienenstrang der Erde ist die Trans­sibirische Eisenbahn von rund 10 000 Kilometer Ge­samtlänge. Die einzige Eisenbahn, die ihr Entstehen einem Aprilscherz verdankt, ist die Jungfraubahn. Der größte deutsche Rangierbahnhos und zu­gleich der mobernfte ber Welt ist der in Hamm i. W. DiemetstenBahnhöfe in Europa hat Berlin,

ketten besaß. Denn er einen Rat brauchte, fragte er zuerst seinen Leibarzt. Und dieser Leibarzt be- währte sich. Er entwickelte sich so immer mehr zu einem Politiker von Format. Das abessinische Blut war die beste Garantie für die Treue zu Abessinien, und die englische Erziehung, die er in Indien genoffen hatte, befähigte ihn dazu, euro­päische Probleme zu verstehen und zu erkennen. So wurde Dr. Martin dierechte Hand des Negus, einer seiner intimsten und zuver­lässigsten Ratgeber, ber biplomatische Vertreter seines Lanbes. .

Vor acht Jahren würbe Dr. Martin in bte Vereinigten Staaten entfanbt, um dort über die Tana-See-Konzeffionen zu ver- handeln. Und heute in einer äußerst kritischen Zeit ist er wieder aus der Abgeschiedenheit seiner abessinischen Heimat als Mahner und War­ner in der europäischen Öffentlichkeit aufgetaucht, um die zivilisierte Welt zur Einsicht und zur Ge­rechtigkeit für das von ihm vertretene Land auf­zurufen.

Adolf Damaschke

Dies ist ein Wort PeterRoseggers, das ber große Bauernbichter einst bem Begründer ber beut» fchen Bodenreformbewegung Adolf Damaschke zurief:Der alten heiligen Erbenkultur in ber ver­edelten Form begeisterter Verkünder sind Sie ge­worden!" Und hier ist das Gebiet, auf bem ber tote Vorkämpfer einer Synthese zwischen sozialer Ge­rechtigkeit und persönlicher Freiheit auch für bcn Fernstehenden sinnfällig verankert ist mit dem sieg­haften Heute, das der nicht nur für einen einzelnen Berufsstand, sondern für die Gesamtheit ber Na­tion lebenswichtigen Bedeutsamkeit von Blut und Boden zur Sichtbarwerbung verhalfen hat. Es klingt wie ein hallenber Ruf aus unferm Hellen Tag, bas Wort, bas einst ber feit einem Jahr zu Tannenberg ausruhende Feldherr und Reichspräsi­dent von Hindenburg diesem Kämpfer Da­maschke schrieb:Das Vaterland soll jedem, ber von ehrlicher Arbeit leben will, bazu verhelfen, ein vor Wucherhänben geschütztes Heim zu gewinnen, in bem deutsches Familienleben und der Aufwuchs an Leib und Seele gesunder Kinder möglich ist. Das will Ihre Bewegung, und deshalb werden die besten Wünsche aller derer mit Ihrer Arbeit fein, welche die Größe unserer Zeit erkannt haben und es ehrlich mit unfern Kriegern und unferm Volk meinen!"

Ein kampferfülltes Leben ist hier zu Ende ge­gangen. Damaschke kam nicht etwa, wie man an­nehmen sollte, vom Land, sondern vom Gegenpol her: aus ber Enge einer Berliner Mietskaserne. Aus einem blutmäßigen Protest gegen Erlebtes also erwuchs bie Idee und die Bewegung dieses Tischler­meistersohnes, der schon als junger Dolksschullehrer bem mammonistrschen Bobenmißbrauch Kampf an- sagte: ein einzelner roiber ben Geist feiner Zeit! Sein Wille war, zu erwirken, baß bie Massen her- ausgelangen sollten aus ihrer Eigentumslosigkeit unb damit aus bem Bereich marxistischer Agita­toren. Er verlangte Arbeiterheim st ätten auf kleiner eigener Scholle, rief währenb des Krieges auf zu jener Bewegung für Kriegerheim ft ät- t e n, burch die er bie große Hoffnung von vieltaufend Frontkämpfern würbe.

Aeußerlich gesehen, ist seiner Pobenreformbe- roegung ber Sieg versagt geblieben, vor allem wohl beshalb, weil Damaschke in einer Zeit ber zahl­losen Parteien und Parteichen es ablehnte, sich einer Sonbergruppe anzuschließen; er verlangte von seinem großen Programm, daß es überpartei­lich gewertet und nicht als Parteimahnahme, son­dern als Belang des ganzen Volkes unb Reiches gewertet werde ein ideales Verlangen, bas keine gesetzgeberische Erfüllung fanb. Immerhin warb biefer Sysiphusarbeit eines Kämpferlebens insofern eine Anerkennung, als drei deutfche Universitäten diesem einstigen Volksschullehrer den Ehrendoktor verliehen unb warb ihre eine Krönung am Abenb bes Daseins in ber Hoffnung unb Gewiß­heit, es werbe bie neue Jugend im neuen Reich, wenn auch auf anderen Wegen, so doch bas gleiche Ziel für Volk unb Vaterlanb er­obern unb für Zeit unb Ewigkeit unverlierbar in das Gesamtleben ber Nation verankern, bas als Enbe feines eigenen Weges ihm geleuchtet.

nämlich 248. Der größte Tunnelber Welt war bisher der Huntington-Lake - Tunnel in Kalifornien, der fast 22 Kilometer lang ist. Der größte Tunnel ist jetzt zwischen Mailand und Rom und auf ber Strecke zwischen Florenz und Bologna unb ist 37 Kilometer lang.

Die längste Eisenbahnbrücke der Welt ist bie über die Galveslon-Bai in Texas (3400 Meter). Das erste Dampfschiff, das den Ozean durch­querte, war dieSavannah". Sie fuhr 1819 von USA. nach England und brauchte für diese Strecke 26 Tage. Die nördlichste Funkstation ber Erbe liegt in Alaska. Sie gehört ber nordamerikani­schen Armee. Der erste Fahrstuhl der Welt wurde 1880 auf der Mannheimer Ausstellung ge­zeigt. Sein Konstrukteuer war Werner v. Siemens. Am 17. Dezember 1903 erhob sich zum ersten Male ein Mensch in einem Flugzeuge. Wilbur Wright gelang es, 12 Sekunden in der Luft zu bleiben. Mitte Februar des Jahres 1912 wurde die erste deutsche Flugpost zwischen Bork und Brück er­öffnet. Der längste Kanal befindet sich in China, er ist 1850 Kilometer lang.

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Die längste regelmäßig beflogene Lu ft strecke ist die von Neuyork nach Buenos Aires, das sind 9400 Kilometer. Die Landstraße mit bem stärk­sten Verkehr ist in Deutschland die von Stuttgart nach Cannstatt führendeCannstatter Landsttaße". Sie wird durchschnittlich täglich von 6200 Fahrzeu­gen mit einer Belastung von 18 000 Tonnen benutzt. Der ersteblinde L u f t p a s s a g i e r" war Cla­rence Terhune, der mit dem Zeppelin von Amerika nach Deutschland flog. Das größte Postamt ber Welt wird zur Zeit in Chikago erbaut.

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Das größte aller Reisebüros ist basMittel­europäische" in Berlin am Potsbamer Platz. Die ersten Rollschuh sah man in Englanb im Jahre 1760. Die bebeutenbfte Sch ifssbaustabt der Erbe ist Glasgow in Schottland. Die größte Schleuse ber Erde baut man in Pmulben, an ber Münbung bes Kanals, ber Amsterbam mit bem Meere oerbinbet. Die kleinste Straßen­passage bürste bas Nadelöhr im Sübharz fein. Die größte Telephonbau- Firma der Welt ist die Western Electric Company. Das größte Trockendock ber Erbe wirb jetzt bei Southamp­ton in England gebaut, es hat eine Länge von 336 Meter unb eine Breite von 41 Meter.